{"id":121116,"date":"2010-10-01T12:00:00","date_gmt":"2010-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/10\/abdulai-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:03","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:03","slug":"abdulai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/10\/abdulai\/","title":{"rendered":"Was beim Prozess der Globalisierung schief laufen kann \u2013 und wie man es besser macht"},"content":{"rendered":"<p>Die Globalisierung, verstanden als die zunehmende Verflechtung von Volkwirtschaften und Gesellschaften in der Welt, hat bisher Gewinner und Verlierer hervorgebracht. Sie kann nicht als Allheilmittel f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung gesehen werden. Sowohl die Entwicklungsl\u00e4nder als auch die Industrienationen m\u00fcssen ihren Beitrag leisten, damit die Globalisierung in Zukunft f\u00fcr alle Beteiligten erfolgreich verlaufen wird. Im folgenden Artikel werden zun\u00e4chst potenzielle Problembereiche beim Prozess der Globalisierung identifiziert. Darauf aufbauend wird er\u00f6rtert, welche Rahmenbedingungen geschaffen werden m\u00fcssen, damit L\u00e4nder von der \u00d6ffnung ihrer Grenzen bestm\u00f6glich profitieren k\u00f6nnen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201010_07_Abdulai_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den 1960er- und 1970er-Jahren haben die Regierungen in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern versucht, ihre heimischen M\u00e4rkte von den Weltm\u00e4rkten durch Z\u00f6lle und Steuern, Subventionen oder mengenm\u00e4ssige Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Ein- und Ausfuhr von Waren abzuschotten, da sie sie als nicht wettbewerbsf\u00e4hig im internationalen Wettbewerb ansahen. Nach dem Auftreten von \u00d6l- und Schuldenkrise sowie dem Abrutschen der Weltwirtschaft in eine Rezession Ende der 1970er-Jahre riefen die Weltbank und der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) Strukturanpassungsprogramme ins Leben. Diese beinhalteten wirtschaftliche und institutionelle Massnahmen, um den makro\u00f6konomischen Problemen, denen sich eine Vielzahl von Entwicklungsl\u00e4ndern gegen\u00fcbersahen, zu begegnen. Dazu geh\u00f6rten eine R\u00fcckf\u00fchrung von Subventionen v.a. im Agrarsektor, die Liberalisierung des Imports und Exports durch den Abbau tarif\u00e4rer und nichttarif\u00e4rer Handelshemmnisse sowie eine Flexibilisierung des Wechselkurssystems. Diese Massnahmen sollten zu einer effizienteren Ressourcenallokation und wirtschaftlichem Wachstum beitragen.&#13;<\/p>\n<h2>Hindernisse einer erfolgreichen Markt\u00f6ffnung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erfahrungen einiger Entwicklungsl\u00e4nder \u2013 z.B. Sambia, Malawi und Simbabwe \u2013 zeigen, dass sich die erwarteten positiven Effekte der Globalisierung nicht zwingend einstellen m\u00fcssen. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn ein Land mangels geeigneter Rahmenbedingungen nicht in der Lage ist, von den Chancen, welche die Globalisierung mit sich bringt, zu profitieren. Wenn beispielsweise im Inland lediglich partielle und in ihrem Umfang begrenzte Reformen der Markt\u00f6ffnung umgesetzt werden, ist es wahrscheinlich, dass von ihnen keine signifikante Anreizwirkung f\u00fcr Produktion und Export ausgehen. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele von L\u00e4ndern, die mangels geeigneter Rahmenbedingungen nicht zufriedenstellend an den Fr\u00fcchten der Globalisierung teilhaben konnten. Selbst am Erfolgsbeispiel China, das sehr stark von der Integration in den Weltmarkt profitierte, lassen sich Problembereiche identifizieren wie z.B. die Zunahme der Einkommensungleichheit seit \u00d6ffnung der M\u00e4rkte. Auch wenn Liberalisierungsmassnahmen vollst\u00e4ndig implementiert werden, k\u00f6nnen die M\u00f6glichkeiten der Bauern, auf gegebene Anreize mit einer Ausweitung der Produktion und der Exporte zu reagieren, beschr\u00e4nkt sein. Die Hindernisse sind vor allem fehlende Finanzierungsm\u00f6glichkeiten, ein schlechter Zustand der Infrastruktur, ein langsamer Informationsfluss und ein unzureichender Zugang zu Inputs, Krediten und neuen Technologien. Unzureichende Finanzierungsm\u00f6glichkeiten k\u00f6nnen die Adoption effizienterer Technologien und den Umstieg auf den Anbau ertragreicher <i>Cash Crops<\/i> f\u00fcr den Exportmarkt erschweren. In einigen Entwicklungsl\u00e4ndern \u2013 z.B. Sambia \u2013 hat auch fehlendes Vertrauen in die Reformen der Regierung und die Angst, dass die Regierung Reformen teilweise wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen k\u00f6nnte, zu einer geringen Angebotsreaktion auf Seiten der Bauern beigetragen.&#13;<br \/>\nVgl. Seshamani (1998).&#13;<\/p>\n<h2>Anpassungskosten und fiskalische Herausforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZweifellos ist eine \u00d6ffnung der Landesgrenzen f\u00fcr den Austausch von Waren, Dienstleistungen und Investitionen f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder mit Anpassungskosten und fiskalischen Herausforderungen verbunden. Gerade in Afrika waren Marktakteure oftmals nicht in der Lage, auf dem infolge von Liberalisierungsmassnahmen st\u00e4rker dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten M\u00e4rkten zu bestehen. Zus\u00e4tzlich haben unflexible und schlecht organisierte Arbeitsm\u00e4rkte die Reallokation von Ressourcen aus Sektoren nichthandelbarer G\u00fcter in Sektoren handelbarer G\u00fcter erschwert. F\u00fcr einige Arbeitnehmende \u2013 insbesondere in vorher gesch\u00fctzten Sektoren \u2013 besteht zudem die Gefahr von Lohnverschlechterungen oder Arbeitslosigkeit im Zuge der Markt\u00f6ffnung. Dar\u00fcber hinaus kann der Abbau von Z\u00f6llen f\u00fcr die Regierungen in Entwicklungsl\u00e4ndern zu geringeren Staatseinnahmen f\u00fchren, was wiederum die finanziellen M\u00f6glichkeiten des Staates im Hinblick auf die Bereitstellung von Transferleistungen an Bed\u00fcrftige und Kredite an Bauern beeinflusst.&#13;<\/p>\n<h2>Nahrungsmittelimporte und Abh\u00e4ngigkeit vom Welthandel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Internationalisierung des Nahrungsmittelhandels kann in Entwicklungsl\u00e4ndern zu verbesserter Ern\u00e4hrungssicherheit f\u00fcr die heimische Bev\u00f6lkerung beitragen. Hierf\u00fcr lassen sich bereits einige Beispiele finden. Nach einer schwachen Ernte 1997 und einer schweren Flut 1998 importierten private H\u00e4ndler in Bangladesch mehrere Mio. Tonnen Reis aus Indien. Dies war nur dank Massnahmen zur Handelsliberalisierung m\u00f6glich, die Anfang der 1990er-Jahre ergriffen worden waren. Sie f\u00fchrten zu einem Ausgleich des fehlenden Reisangebots und einer Stabilisierung des Reispreises in Bangladesch, der sonst aufgrund der Angebotsverknappung stark gestiegen w\u00e4re.&#13;<br \/>\nVgl. Dorosh (2001).Nicht nur in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit ist es f\u00fcr viele Regierungen in Entwicklungsl\u00e4ndern inzwischen g\u00fcnstiger und einfacher geworden Nahrungsmittel zu importieren, um die Bev\u00f6lkerung zu versorgen, als in langfristige produktivit\u00e4tsverbessernde Massnahmen oder internationale Entwicklungsinitiativen zu investieren. Diese Tatsache birgt jedoch zugleich Gefahren f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherheit und die Funktionsf\u00e4higkeit des Agrarsektors in Entwicklungsl\u00e4ndern. Oftmals subventionieren reichere L\u00e4nder ihre Landwirte, was einen geringeren Preis zur Folge hat, den die Bauern aus Entwicklungsl\u00e4ndern f\u00fcr ihre exportierten G\u00fcter erzielen k\u00f6nnen, als derjenige, der sich bei freiem Handel einstellen w\u00fcrde. So k\u00f6nnen \u00e4rmere Kleinbauern mit den Preisen, die Landwirte aus Industrienationen f\u00fcr ihre Nahrungsmittelerzeugnisse auf dem Weltmarkt setzen, oft nicht konkurrieren. Dadurch k\u00f6nnen ganze Landwirtschaftszweige in Entwicklungsl\u00e4ndern unprofitabel werden und als Quelle der Besch\u00e4ftigung wegfallen, wenn importierte G\u00fcter wie beispielsweise Obst und Gem\u00fcse auf heimischen M\u00e4rkten wesentlich g\u00fcnstiger erworben werden k\u00f6nnen als einheimische Produkte.In letzter Konsequenz k\u00f6nnen niedrige Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt und international bestehende Handelsmuster zu einer Importabh\u00e4ngigkeit im Hinblick auf Nahrungsmittel und landwirtschaftlicher Unterentwicklung f\u00fchren. Nach Sch\u00e4tzungen der <i>FAO (2003)<\/i> wird diese Importabh\u00e4ngigkeit in den n\u00e4chsten Jahren f\u00fcr die am wenigsten entwickelten L\u00e4nder weiter zunehmen. Wenn etwa in Zeiten hoher Weltmarktpreise f\u00fcr Nahrungsmittel erforderliche Importe nicht mehr gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen, sinkt unweigerlich die Verf\u00fcgbarkeit von Nahrungsmitteln f\u00fcr die heimische Bev\u00f6lkerung.&#13;<\/p>\n<h2>Zunehmende Umweltverschmutzung und Entstehung von Verschmutzungsoasen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGlobalisierungskritiker f\u00fchren an, dass die Steigerung des Wirtschaftswachstums durch die Globalisierung bei fehlenden Umweltauflagen zu st\u00e4rkerer Umweltverschmutzung f\u00fchrt. Eine solche Entwicklung ist zum Beispiel in China zu beobachten. Die Konzentration umweltsch\u00e4dlicher Industrien kann infolge des leichteren Zugangs zu den M\u00e4rkten in Entwicklungsl\u00e4ndern mit geringen Umweltauflagen zunehmen <i>(Pollution Haven Hypothesis).<\/i> Allerdings h\u00e4ngt dieser Zusammenhang stark von der verfolgten Umweltpolitik in einem Land ab. Denn die \u00d6ffnung der Landesgrenzen kann den Zugang der Entwicklungsl\u00e4nder zu umweltschonerenden Technologien erleichtern; und mit steigendem Einkommen steigt in der Regel auch das Bed\u00fcrfnis nach einer gewissen Umweltqualit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Rahmenbedingungen einer erfolgreichen Globalisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Globalisierung kann nur dann erfolgreich sein, wenn die L\u00e4nder geeignete Massnahmen ergreifen, die es ihnen erm\u00f6glichen, von den Chancen, welche die Globalisierung zweifelsohne mit sich bringt, zu profitieren. Langfristige Effizienzgewinne und Produktivit\u00e4tssteigerungen infolge effizienterer Allokation von Ressourcen, Ausnutzung von Gr\u00f6ssenvorteilen sowie Wissens- und Technologiertransfers k\u00f6nnen \u00fcber eine Steigerung des Wirtschaftswachstums die kurzfristigen Anpassungskosten kompensieren. Dabei ist sicherzustellen, dass auch die \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsteile vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren. Bestenfalls wird so ein Wachstumsprozess in Gang gesetzt, der die Armen beg\u00fcnstigt <i>(Pro-Poor Growth).<\/i>Die Entwicklungsl\u00e4nder haben im Zuge der Globalisierung und der eigenen Handelsliberalisierung mit Anpassungskosten zu rechnen. Diese d\u00fcrfen aber nicht dazu f\u00fchren, dass auf lange Frist erfolgversprechende Politikmassnahmen ausgesetzt werden. Damit sich der antizipierte Nutzen aus den Liberalisierungsanstrengungen auch wirklich einstellt, m\u00fcssen hinreichend starke Anreize etwa f\u00fcr die Exportproduktion gesetzt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Landwirtschaftliche Entwicklung im Fokus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00c4rmere L\u00e4nder, die sich noch auf einem niedrigen wirtschaftlichen Entwicklungsstand befinden, sollten sich im Rahmen von Liberalisierungsmassnahmen zu allererst auf den Agrarsektor konzentrieren und ihren Schwerpunkt nicht zu fr\u00fch auf die Industrialisierung verlagern. China ist ein gutes Beispiel f\u00fcr ein Entwicklungsland, das in den letzten 30 Jahren durch seine zunehmende Teilnahme am Welthandel einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg und eine bemerkenswerte Verringerung der Armut erlebte. Den gr\u00f6ssten Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der Armut leisteten landwirtschaftliche Reformen, noch bevor sich China auf den Ausbau der verarbeitenden Industrie konzentrierte.&#13;<br \/>\nVgl. Ravallion (2009). Nicht nur asiatische L\u00e4nder, sondern auch Erfolgsgeschichten des afrikanischen Kontinents \u2013 wie z.B. Ghana \u2013 zeigen, dass Liberalisierungsmassnahmen mit wirtschaftlichem Erfolg und einer Reduzierung der Armut einhergehen k\u00f6nnen. Insbesondere durch den Export von Kakao hat Ghana von der Markt\u00f6ffnung profitiert. Zus\u00e4tzlich zu Handelsreformen kann eine Kombination von landwirtschaftlicher Forschung, Beratungsangeboten und finanzieller Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Beschaffung von Inputs zu schneller Adoption effektiverer landwirtschaftlicher Technologien beitragen.&#13;<br \/>\nVgl. Weltbank (2007).&#13;<\/p>\n<h2>Starke Institutionen und komplement\u00e4re Politiken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHandelsreformen finden im Allgemeinen nicht isoliert, sondern als Bestandteil weiterreichender wirtschaftlicher und institutioneller Reformen statt. So sind neben einer guten Wirtschaftspolitik eine wirkungsvolle Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik n\u00f6tig, damit alle Arbeitnehmenden von der Globalisierung profitieren und die kurzfristigen Verlierer \u2013 z.B. durch Jobverlust \u2013 gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Weiter k\u00f6nnen aus der Handels\u00f6ffnung resultierende Produktivit\u00e4ts- und Wachstumseffekte signifikant erh\u00f6ht werden, wenn bestimmte erg\u00e4nzende Reformen an die Hand genommen werden. In diesem Zusammenhang spielen die Verbesserung der Infrastruktur und der Qualit\u00e4t der Staatsf\u00fchrung, Investitionen in die Bildung, ein Ausbau des heimischen Finanzsystems, Massnahmen zur Stabilisierung der Inflation, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, der Abbau von Marktein- und -austrittsbarrieren sowie die St\u00e4rkung von Eigentums- und Vertragsrechten eine wichtige Rolle. Diese Massnahmen erkl\u00e4ren zu einem grossen Teil den eng mit der Integration in den Welthandel verbundenen Aufstieg der Tigerstaaten (S\u00fcdkorea, Taiwan und Singapur) Ende des 20. Jahrhunderts.&#13;<br \/>\nVgl. Kirchberg (2007).Der Erfolg l\u00e4sst sich durch den Einfluss der genannten Massnahmen auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der heimischen Firmen erkl\u00e4ren: Besser ausgebildete Arbeitskr\u00e4fte, ein stabiles makro\u00f6konomisches Umfeld und geringere Transaktionskosten erm\u00f6glichen den Firmen, im Wettbewerb mit ausl\u00e4ndischer Konkurrenz zu bestehen und in Exportm\u00e4rkten zu expandieren.&#13;<br \/>\nVgl. Chang et al. (2009). Ferner m\u00fcssen Hindernisse wie der beschr\u00e4nkte Zugang zu Krediten, Inputs und neuen Technologien, mit denen Bauern in Entwicklungsl\u00e4ndern h\u00e4ufig konfrontiert sind, abgebaut werden.Das Wachstum von ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen hat in j\u00fcngster Zeit sogar jenes der Handelsstr\u00f6me \u00fcbertroffen; sie sind daher als weiterer wichtiger Part der Globalisierung zu betrachten. Damit Investoren \u00fcberhaupt bereit sind, in einem Land t\u00e4tig zu werden, m\u00fcssen gut definierte, zug\u00e4ngliche und handelbare Eigentums- und Vertragsrechte festgeschrieben sein. F\u00fcr das Investitionsklima spielt auch das Ausmass an Korruption eine zentrale Rolle. Jeder Anstoss, den die Globalisierung f\u00fcr transparentere Institutionen und eine Verringerung der Korruption liefert, kann so zu einem besseren Investitionsklima und effizienterer Wirtschaftsgestaltung beitragen. Die Korruption in wirtschaftlichen und politischen Bereichen zu beseitigen ist eine grosse Herausforderung f\u00fcr die Regierungen in Entwicklungsl\u00e4ndern. Sie ist progressiv anzugehen, da die Prozesse der Adoption und Durchsetzung sowie die Effektivit\u00e4t von Politikmassnahmen oftmals durch vorherrschende Korruption verzerrt werden. Die Aussicht, im Wettbewerb um internationales Kapital und ausl\u00e4ndische Investitionen zu verlieren, kann ein starker Anreiz f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der Korruption sein.&#13;<br \/>\nVgl. Srinivasan und Wallack (2004). Damit L\u00e4nder, die sich dem internationalen Finanzmarkt \u00f6ffnen, nicht unter pl\u00f6tzlichen R\u00fcckfl\u00fcssen von Kapital oder der hohen Volatilit\u00e4t kurzfristiger Finanzstr\u00f6me leiden, sind eine Aufsicht und Regulierung der nationalen Finanzsektoren und die Wahl eines geeigneten Wechselkursregimes unumg\u00e4nglich.&#13;<\/p>\n<h2>Beitrag der Industriel\u00e4nder zu einer erfolgreichen Globalisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGlobalisierungskritiker argumentieren, dass \u00e4rmere L\u00e4nder im Zuge der Globalisierung als Verlierer dastehen, wenn reichere L\u00e4nder weiterhin ihre heimischen M\u00e4rkte durch protektionistische Massnahmen vor ausl\u00e4ndischer Konkurrenz sch\u00fctzen. Beispielsweise kann die Festsetzung (zu) hoher Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr Agrarprodukte und sozialer Mindeststandards in den Industrienationen aufgrund fehlender Ressourcen und Technologien eine un\u00fcberbr\u00fcckbare H\u00fcrde f\u00fcr Bauern aus \u00e4rmeren L\u00e4ndern darstellen. <i>Jongwanich (2009)<\/i> weist darauf hin, dass Industriel\u00e4nder diese Standards oftmals sehr restriktiv \u2013 und damit zum Nachteil der Exporteure in Entwicklungsl\u00e4ndern \u2013 auslegen, um das Schutzniveau f\u00fcr heimische Landwirte zu erh\u00f6hen.Auch wenn Entwicklungsl\u00e4nder bei einigen G\u00fctern bereits beg\u00fcnstigten Zugang zu den M\u00e4rkten in Industriel\u00e4ndern erhalten, ist eine weitere Reduktion protektionistischer Massnahmen notwendig. Bestehende Eintrittsbarrieren zu den M\u00e4rkten in Industriel\u00e4ndern gehen f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder mit hohen Kosten einher. Ein Abbau dieser Barrieren w\u00e4re demnach f\u00fcr sie mit potenziellen Wohlfahrtssteigerungen verbunden.&#13;<br \/>\nVgl. Anderson et al. (2001). Bereits seit der Uruguay-Runde (1984\u20131996) fordern die Entwicklungsl\u00e4nder einen besseren Marktzugang f\u00fcr ihre Produkte in den Industriel\u00e4ndern. Auch in der folgenden Doha-Runde, die aufgrund unterschiedlicher Ansichten der WTO-Mitglieder noch zu keinem Verhandlungsabschluss gef\u00fchrt hat, sind der Abbau von Importquoten und Z\u00f6llen sowie die Reduzierung der Subventionen im Agrarsektor der Industriestaaten ein grosses Thema. Aufgrund des armutsreduzierenden Potenzials w\u00e4re der Abschluss und die Umsetzung der Doha-Entwicklungsagenda wichtig. Sie w\u00fcrde es den Entwicklungsl\u00e4ndern erm\u00f6glichen, st\u00e4rker von der Globalisierung zu profitieren.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse hat gezeigt, dass die Globalisierung nicht als Allheilmittel f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung gesehen werden kann. Sowohl die Entwicklungs- als auch die Industriel\u00e4nder m\u00fcssen ihren Beitrag leisten, damit die Globalisierung in Zukunft f\u00fcr alle Beteiligten erfolgreich gestaltet werden kann. Es gilt die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die L\u00e4nder von der \u00d6ffnung ihrer Grenzen profitieren k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren eine intakte Infrastruktur und starke Institutionen, die den Austausch von Inputfaktoren f\u00fcr die Produktion, Waren, Dienstleistungen, Informationen und Investitionen erleichtern. Damit eine signifikante Angebotsreaktion auf Seiten der Bauern im Zuge der Handelsliberalisierung stattfindet, muss zudem der Zugang zu Krediten, Inputs und neuen Technologien gew\u00e4hrleistet sein.Auf Seiten der Industrienationen spielen der Abbau des Protektionismus im Agrarsektor und die Ber\u00fccksichtigung nationaler Interessen der Entwicklungsl\u00e4nder bei multilateralen Handelsrunden eine zentrale Rolle, damit die Integration der \u00e4rmeren L\u00e4nder in den Weltmarkt in Zukunft reibungsloser verl\u00e4uft. Zudem sollten sie ihren Beitrag an Budget- und Finanzierungshilfe leisten, um die finanziellen M\u00f6glichkeiten der Entwicklungsl\u00e4nder zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen f\u00fcr eine erfolgreiche Teilnahme an der Globalisierung zu unterst\u00fctzen.&#13;<br \/>\nVgl. den Beitrag von M. Feldmann und M. Juvet auf S. 25 ff. in diesem Heft.Es muss erkannt werden, dass Liberalisierung nicht in jeder Hinsicht einen R\u00fcckzug des Staates aus der Wirtschaft bedeutet. Die Regierung \u00fcbernimmt vielmehr die wichtige Aufgabe, die Rahmenbedingungen f\u00fcr eine erfolgreiche Globalisierung zu schaffen. Ein starker Staat und funktionierende staatliche Institutionen sind in einer globalisierten Welt vielleicht wichtiger als jemals zuvor.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAnteil offener L\u00e4nder und der in offenen L\u00e4ndern lebenden Weltbev\u00f6lkerung, 1960\u20132000\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAnpassungskosten: Zusammenhang zwischen St\u00e4rke des Importwettbewerbs und Einkommensrisiko\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literaturhinweise&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Anderson, K., Cockburn, J., W. Martin (2010): Would Freeing Up World Trade Reduce Poverty and Inequality? The Vexed Role of Agricultural Distortions, CEPR Discussion Papers 7749, Centre for Economic Policy Research.\u2212 Chang, R., Kaltani, L., N.V. Loayza (2009): Openness Can Be Good for Growth: The Role of Policy Complementarities, Journal of Development Economics 90(1), 33\u201349.\u2212 Dorosh, P. A. (2001): Trade Liberalization and National Food Security: Rice Trade between Bangladesh and India, World Development 29(4), 673\u2013689.\u2212 FAO (2003): World Agriculture: Towards 2015\/2030. An FAO Perspective. Edited by J. Bruinsma, Earthscan Publications, London.\u2212 Jongwanich, J. (2009): The Impact of Food Safety Standards on Processed Food Exports from Developing Countries, Food Policy 34(5), 447\u2013457.\u2212 Kirchberg, D. (2007): Der Aufstieg der Tigerstaaten im 20. Jahrhundert. Eine historische Analyse. VDM, Saarbr\u00fccken.\u2212 Krishna, P., M.Z. Senses: Trade Adjustment and Labor Income Risk, in: Porto, G., und B. Hoekman (eds) (2010), Trade Adjustment Costs in Developing Countries: Impacts, Determinants and Policy Responses, CEPR und World Bank.\u2212 Ravallion, M. (2009): Are There Lessons for Africa from China&#8217;s Success against Poverty? World Development 37(2), 303\u2013313.\u2212 Seshamani, V. (1998): The Impact of Market Liberalization on Food Security in Zambia, Food Policy 23(6), 539\u2013551.\u2212 Srinivasan, T.N., J.S. Wallack (2004): Globalization, Growth, and the Poor, De Economist 152(2), 251\u2013272.\u2212 Wacziarg, R., K.H. Welch (2008): Trade Liberalization and Growth: New Evidence, World Bank Economic Review 22(2), 187\u2013231.\u2212 Weltbank (2007): World Development Report 2008: Agriculture for Development. New York: Oxford University Press.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Globalisierung, verstanden als die zunehmende Verflechtung von Volkwirtschaften und Gesellschaften in der Welt, hat bisher Gewinner und Verlierer hervorgebracht. Sie kann nicht als Allheilmittel f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung gesehen werden. Sowohl die Entwicklungsl\u00e4nder als auch die Industrienationen m\u00fcssen ihren Beitrag leisten, damit die Globalisierung in Zukunft f\u00fcr alle Beteiligten erfolgreich verlaufen wird. Im folgenden [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3499,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3499,"seco_co_author":[3500,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Lehrstuhl f\u00fcr Ern\u00e4hrungs\u00f6konomie, Institut f\u00fcr Ern\u00e4hrungswirtschaft und Verbrauchslehre, Universit\u00e4t Kiel","seco_author_post_occupation_fr":"Chaire d\u2019\u00e9conomie de l\u2019alimentation, Institut d\u2019\u00e9conomie de l\u2019alimentation et de th\u00e9orie de la consommation, universit\u00e9 de Kiel","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3500,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut f\u00fcr Ern\u00e4hrungswirtschaft und Verbrauchslehre, Abteilung Ern\u00e4hrungs\u00f6konomie, Universit\u00e4t Kiel","seco_co_author_post_occupation_fr":"Collaborateur scientifique, Institut d\u2019\u00e9conomie de l\u2019alimentation et de th\u00e9orie de la consommation, universit\u00e9 de Kiel"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":121119,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8465","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559e1f5c44280"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121116"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3499"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121116"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127684,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121116\/revisions\/127684"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3500"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3499"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=121116"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=121116"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=121116"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=121116"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=121116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}