{"id":121121,"date":"2010-10-01T12:00:00","date_gmt":"2010-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/10\/arvanitis-10\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:17","slug":"arvanitis-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/10\/arvanitis-9\/","title":{"rendered":"Internationalisierung von Forschung und Entwicklung \u2013 Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Internationalisierung von Forschung und Entwicklung (F&amp;E) einheimischer Unternehmen hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. In diesem Beitrag werden die grundlegenden Muster und Triebkr\u00e4fte (Motive) von F&amp;E-Investitionen an ausl\u00e4ndischen Standorten aufgezeigt. Untersucht werden zudem die Auswirkungen dieser Art von Auslandsaktivit\u00e4ten auf die Leistungsf\u00e4higkeit (Innovation, Produktivit\u00e4t) der Mutterfirmen und der Schweizer Wirtschaft insgesamt. Die Analyse erlaubt unter anderem eine Beurteilung der popul\u00e4ren These, nach welcher vermehrte F&amp;E-Investitionen im Ausland den Technologie- und Wirtschaftsstandort Schweiz schw\u00e4chen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweizer Wirtschaft ist \u2013 gemessen an den Direktinvestitionen im Ausland \u2013 eine der am st\u00e4rksten internationalisierten Volkswirtschaften. Lange stand der Aufbau von Produktionsst\u00e4tten und Distributionskan\u00e4len im Vordergrund. Mittlerweile wird jedoch in grossem Umfang auch in F&amp;E investiert. Der Anteil der im Ausland investierten Mittel an den gesamten F&amp;E-Aufwendungen der Schweizer Wirtschaft nahm seit Mitte der 1980er-Jahre bis 2008 von 38% auf 57% zu \u2013 dies bei einer enormen Steigerung der gesamten F&amp;E-Ausgaben (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Allerdings entf\u00e4llt ein grosser Teil dieser Ausgaben auf die Branche Pharma\/Chemie \u2013 im Jahr 2008 rund 70%.Nimmt man als Mass der Internationalisierung von F&amp;E nicht das entsprechende Investitionsvolumen, sondern die Zahl der Firmen mit ausl\u00e4ndischen F&amp;E-Aktivit\u00e4ten, ist die Konzentration nach Branchen wesentlich geringer. So verzeichnen in der Industrie neben Chemie\/Pharma auch die anderen Hightech-Branchen (Elektronik, Elektrotechnik, Maschinenbau) einen hohen Anteil von Firmen, die nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland F&amp;E betreiben; dasselbe gilt f\u00fcr gewisse wissensintensive Dienstleistungsbranchen (z.B. EDV-Dienstleistungen). Zwischen 2000\/02 und 2006\/08 nahm auf gesamtwirtschaftlicher Ebene der Anteil der Firmen mit Auslands-F&amp;E an allen F&amp;E-treibenden Unternehmen merklich zu \u2013 und zwar von 10% auf 18%.&#13;<\/p>\n<h2>Firmengr\u00f6sse und Zielregionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon den F&amp;E-treibenden Unternehmen sind \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 die gr\u00f6sseren wesentlich h\u00e4ufiger im Ausland F&amp;E-aktiv als die kleineren. Aber auch unter den KMU ist der Anteil derer, die im Ausland F&amp;E betreiben, in den 1990er-Jahren stark gestiegen. 2006\/08 betrug dieser Anteil bereits 16% f\u00fcr die Firmen mit 5\u201349 Besch\u00e4ftigten, f\u00fcr jene mit 50\u2013249 Besch\u00e4ftigten 19%.Wichtigste Zielregion schweizerischer F&amp;E-Aktivit\u00e4ten ist der EU-Raum, sind dort doch fast alle im Ausland F&amp;E-aktiven Unternehmen pr\u00e4sent (siehe <i>Tabelle 2<\/i>). Mit grossem Abstand folgen Nordamerika und China\/Indien. Die geografische Reichweite der Auslandspr\u00e4senz \u2013 ablesbar an der Spaltensumme, die infolge von Mehrfachnennungen \u00fcber 100% betr\u00e4gt \u2013 ist mit 172% betr\u00e4chtlich. Die geografische Reichweite kleiner Unternehmen ist wesentlich geringer als jene der Grossfirmen. Nordamerika ist \u2013 neben der EU \u2013 prim\u00e4r f\u00fcr mittelgrosse und grosse Unternehmen eine bedeutende Zielregion, f\u00fcr China\/Indien gilt dies nur f\u00fcr Grossfirmen. Angesichts der beschr\u00e4nkten Finanzkraft und Managementkapazit\u00e4t von KMU sind die geografische Distanz und die \u00abKomplexit\u00e4t\u00bb entfernter Standorte f\u00fcr ausl\u00e4ndische F&amp;E-Aktivit\u00e4ten schwer \u00fcberwindbare Hindernisse.&#13;<\/p>\n<h2>Strategien der Internationalisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls theoretische Basis zur Ermittlung der Determinanten und Strategien der Internationalisierung von F&amp;E sowie ihres Einflusses auf die Leistungsf\u00e4higkeit der Mutterfirmen dient das <i>OLI-Paradigma<\/i> von <i>Dunning (2000).<\/i> Dieses integriert die meisten theoretischen Ans\u00e4tze zur Erkl\u00e4rung von Auslandsinvestitionen in ein \u00fcbergeordnetes Interpretationsschema, das drei Gruppen von Bestimmungsfaktoren unterscheidet:\u2212 <i>Ownerhip-specific Advantages (O):<\/i> Vorteile der Unternehmung gegen\u00fcber Konkurrenten in der Zielregion aufgrund firmenspezifischer, vorwiegend immaterieller Assets wie z.B. Innovationsf\u00e4higkeit, Patente, technologisches Potenzial, Einbindung in Wissensnetzwerke;\u2212 <i>Location-specific Disadvantages (L):<\/i> Standortnachteile gegen\u00fcber dem Ausland bez\u00fcglich F&amp;E-relevanter Faktoren wie z.B. F&amp;E-Kosten, Marktregulierung, Restriktionen f\u00fcr die Technologieentwicklung; \u2212 <i>Internalising Advantages (I):<\/i> Vorteile, die darauf beruhen, dass eine Firma Transaktionen auf h\u00e4ufig instabilen Technologiem\u00e4rkten in die Firma integriert, so z.B. durch die Akquisition eines Anbieters komplexer Zwischenprodukte zwecks Qualit\u00e4tssicherung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie in <i>Tabelle 3<\/i> aufgef\u00fchrten Motive f\u00fcr F&amp;E-Investitionen im Ausland haben einen engen Bezug zum OLI-Paradigma. So widerspiegelt das Kostenmotiv L-Nachteile des Standorts Schweiz, die f\u00fcr Firmen den Anreiz f\u00fcr Auslandsengagements erh\u00f6hen. Bei Unternehmen, f\u00fcr die das Marktmotiv im Vordergrund steht, dient die Auslandspr\u00e4senz mit F&amp;E dazu, Produkte, die im Wesentlichen am Hauptsitz entwickelt wurden, an die in der Zielregion herrschenden Pr\u00e4ferenzen und Marktverh\u00e4ltnisse anzupassen, um so die lokalen M\u00e4rkte besser bearbeiten zu k\u00f6nnen. In diesem Fall beruht die Arbeitsteilung bei F&amp;E zwischen Hauptsitz und Auslandsfiliale auf O-Vorteilen der Mutterfirma. Hinter dem Wissensmotiv stehen sowohl I- als auch O-Vorteile. Der Zugang zu im Ausland vorhandenem Wissen l\u00e4sst sich vor Ort h\u00e4ufig besser realisieren \u2013 und zwar durch Internalisierung von Beziehungen mit ausl\u00e4ndischen Wissensanbietern (Forschungslabors, hoch innovative Firmen) mittels F&amp;E-Kooperationen oder Akquisitionen (I-Vorteile). \u00c4hnliches gilt f\u00fcr das Ressourcenmotiv, das auf den Zugang zu spezialisierten Wissenstr\u00e4gern abzielt. Wissens- wie Ressourcenmotiv setzen voraus, dass die Firma als Kooperationspartner attraktiv ist, d.h. vor Ort \u2013 basierend auf ihren spezifischen O-Vorteilen \u2013 hochwertige F&amp;E betreibt.Gem\u00e4ss <i>Tabelle 3<\/i> steht das Marktmotiv bei F&amp;E-Investitionen im Ausland an erster Stelle. Von grosser Bedeutung sind jedoch auch das Wissensmotiv \u2013 dabei vor allem die N\u00e4he zu Netzwerken innovativer Firmen \u2013 und das Ressourcenmotiv. O- und I-Vorteile stehen also im Vordergrund. Das Kostenmotiv \u2013 d.h. ein Gang ins Ausland infolge von L-Nachteilen der Schweiz \u2013 spielt eine geringe Rolle. In den letzten Jahren ist das Wissensmotiv wichtiger geworden, w\u00e4hrend das Kostenmotiv an Bedeutung verloren hat. In j\u00fcngster Zeit hat auch die im Ausland bessere Verf\u00fcgbarkeit von F&amp;E-Personal an Relevanz gewonnen. Bei grossen Unternehmen, die in quantitativer Hinsicht die F&amp;E-Investitionen im Ausland dominieren, ragt die Bedeutung des Marktmotivs deutlich hervor; auch das Ressourcenmotiv spielt f\u00fcr grosse Firmen eine \u00fcberdurchschnittliche Rolle. Demgegen\u00fcber f\u00e4llt das Kostenmotiv vor allem bei kleinen Unternehmen ins Gewicht. Das Wissensmotiv ist \u00fcberraschenderweise bei grossen Firmen nicht bedeutsamer als bei kleinen.&#13;<\/p>\n<h2>Internationalisierungsstrategien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nH\u00e4ufig sind f\u00fcr Unternehmen mehrere Motive relevant. Anhand ihrer unterschiedlichen Gewichtung lassen sich mithilfe einer Clusteranalyse Gruppen von Firmen identifizieren, die durch eine \u00e4hnliche Kombination von Motiven gekennzeichnet sind und bez\u00fcglich F&amp;E eine \u00e4hnliche Internationalisierungsstrategie verfolgen. Gem\u00e4ss <i>Hollenstein (2009)<\/i> lassen sich auf der Basis der Daten der KOF-Innovationserhebung 2005 vier Strategietypen unterscheiden:\u2212 <i>Strategie 1:<\/i> Firmen, die eine breit angelegte Strategie verfolgen, f\u00fcr die also die meisten der sieben Motive relevant sind. Dabei f\u00e4llt das Wissensmotiv (vor allem die Kooperation mit Hochschulen), aber auch der Zugang zu hoch qualifiziertem F&amp;E-Personal besonders ins Gewicht. Firmen dieses Typs verf\u00fcgen \u00fcber ausgepr\u00e4gte O-Vorteile (\u00e4usserst innovativ; intensive Nutzung von wissenschaftsorientiertem externem Know-how; hohes technologisches Potenzial usw.). Auffallend sind jedoch auch L-Nachteile des Standorts Schweiz, insbesondere restriktive Marktregulierungen und ein Mangel an hoch qualifiziertem Personal, welche die F&amp;E-Investoren \u00abins Ausland treiben\u00bb. Bei diesem Strategietyp sind exportorientierte, mittelgrosse, aber auch junge Firmen besonders h\u00e4ufig vertreten.\u2212 <i>Strategie 2:<\/i> Firmen, bei denen eindeutig das Wissensmotiv im Vordergrund steht, und zwar in Form der Beteiligung an Netzwerken innovativer Firmen, kombiniert mit einem substanziellen Wissenstransfer zur Mutterfirma. Firmen dieses Typs sind durch ausgepr\u00e4gte O- und I-Vorteile gekennzeichnet. Sie sind stark forschungsorientiert und profitieren von sehr guten Marktperspektiven. L-Nachteile der Schweiz spielen keine Rolle. Offenbar werden diese Firmen nicht durch ung\u00fcnstige Heimbedingungen ins Ausland getrieben, sondern w\u00e4hlen ausl\u00e4ndische Standorte mit dem Ziel, ihre eigene Wissensbasis zu erweitern. Bei diesem Strategietyp finden sich viele kleine, h\u00e4ufig junge Firmen, anderseits aber auch einige grosse Pharma-Multis.\u2212 <i>Strategie 3:<\/i> Firmen mit stark fokussierter F&amp;E-Strategie, die fast nur der besseren Markterschliessung in der Zielregion dient. Die O-Vorteile dieser Unternehmen beruhen prim\u00e4r auf Entwicklungsaktivit\u00e4ten; entsprechend sind grundlegende Neuerungen eher selten. Der st\u00e4rkste Treiber sind die ausgezeichneten Nachfrageperspektiven, w\u00e4hrend das technologische Potenzial eher begrenzt erscheint. L-Nachteile sind vorhanden, fallen aber nicht allzu sehr ins Gewicht. Bei diesem Strategietyp dominieren grosse, gut etablierte (alte) Industriefirmen mit \u00e4usserst starker Exportorientierung.\u2212 <i>Strategie 4:<\/i> Firmen mit einer relativ eng ausgelegten, haupts\u00e4chlich kostenorientierten Strategie, wobei im Zielland ausser den tieferen F&amp;E-Kosten auch das gr\u00f6ssere Angebot an Fachkr\u00e4ften genutzt wird. Firmen dieses Typs verf\u00fcgen nur \u00fcber geringe O-Vorteile (inkrementelle, auf Konstruktion beruhende Neuerungen; Nutzung externen Wissens von Firmen der gleichen Wertsch\u00f6pfungskette). Nachfrageseitig wird F&amp;E nicht beg\u00fcnstigt, da die relevanten M\u00e4rkte nur wenig wachsen und sehr preissensitiv sind. \u00dcberraschenderweise spielen L-Nachteile der Schweiz bei dieser Strategie keine wesentliche Rolle. Strategie 4 wird vor allem von kleineren, meist alten Firmen mit keiner ausgepr\u00e4gten Exportorientierung verfolgt.Eine erste Analyse mit den neuesten Daten (Innovationserhebung 2008) deutet darauf hin, dass sich die ersten beiden Strategietypen einander angen\u00e4hert haben. Klar unterscheiden lassen sich nurmehr <i>drei Strategien:<\/i> eine erste, breit angelegte Strategie, bei der das Wissensmotiv die prominenteste Rolle spielt; eine zweite, fast ausschliesslich auf das Marktmotiv fokussierte Strategie; und eine dritte, bei der zwar das Kostenmotiv im Vordergrund steht, die aber im Vergleich zur viergliedrigen Gruppierung dem Ressourcenmotiv (Nutzung des reichlicher vorhandenen Humankapitals) eine gr\u00f6ssere Bedeutung beimisst.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen auf die Schweiz: Direkte Effekte\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie direkten Effekte beziehen sich auf die Auswirkungen von F&amp;E-Investitionen im Ausland auf die Leistungsf\u00e4higkeit der inl\u00e4ndischen Mutterfirma. <i>Tabelle 4<\/i> zeigt die Resultate von \u00f6konometrischen Sch\u00e4tzungen f\u00fcr ein Unternehmenspanel mit Daten von vier im Zeitraum 1996\u20132008 durchgef\u00fchrten Innovationsumfragen.&#13;<br \/>\nVgl. Arvanitis und Hollenstein (2010). Ausgewiesen wird f\u00fcr die erkl\u00e4renden Variablen nur die Richtung ihres Einflusses (Vorzeichen), nicht aber dessen Intensit\u00e4t. Von Interesse sind prim\u00e4r die Effekte der Motiv-Variablen auf die Innovationsleistung (Markterfolg von Produktinnovationen) und die Arbeitsproduktivit\u00e4t der Firmen. Die \u00fcbrigen Variablen dienen zur Vervollst\u00e4ndigung des Modells bzw. zur Kontrolle nicht spezifizierter Effekte. Aus sch\u00e4tztechnischen Gr\u00fcnden k\u00f6nnen die drei Motivgruppen (das Kosten- und das Ressourcenmotiv werden zusammengefasst), die n\u00e4herungsweise die drei Internationalisierungsstrategien repr\u00e4sentieren, nur einzeln in die beiden Performancegleichungen eingesetzt werden (Gleichungen 1\u20133 bzw. 4\u20136).Die Tabelle zeigt, dass sich F&amp;E-Investitionen im Ausland je nach Motivgruppe unterschiedlich auf die Mutterfirma auswirken. Wissensorientierte Auslands-F&amp;E steigern die Innovationsleistung der Mutterfirma, haben jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsproduktivit\u00e4t. Gerade umgekehrt ist es bei markt- und kostenorientierten F&amp;E-Strategien, welche die Produktivit\u00e4t der Mutterfirma erh\u00f6hen, nicht aber deren Innovationsperformance. Insgesamt deuten die Resultate auf positive direkte Effekte hin.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026und indirekte Effekte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie positiven direkten Effekte werden m\u00f6glicherweise durch Wissens- und\/oder Produktivit\u00e4ts-Spillovers von den Mutterfirmen auf die \u00fcbrigen Unternehmen der Schweizer Wirtschaft verst\u00e4rkt. Gem\u00e4ss <i>Blomstr\u00f6m und Kokko (1998)<\/i> sind die indirekten Effekte dann positiv und besonders stark, wenn die potenziellen Wissensempf\u00e4nger \u00fcber eine hohe F\u00e4higkeit zur Aufnahme firmenexternen Wissens verf\u00fcgen (Absorptive Capacity) und wenn die im Ausland in F&amp;E investierenden Unternehmen gut ins einheimische Innovationssystem eingebettet sind (Embeddedness).Die Absorptive Capacity der schweizerischen Firmen ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Einerseits ist die Wissensbasis dank eines hohen Anteils innovativer KMU breit verteilt;&#13;<br \/>\nVgl. Arvanitis u.a. (2010). anderseits ist der Anteil gut qualifizierter (technisch-naturwissenschaftlicher) Besch\u00e4ftigter, denen f\u00fcr die Aufnahme externen Wissens eine Schl\u00fcsselrolle zukommt, gem\u00e4ss OECD-Daten sehr hoch. Was die Embeddedness der im Ausland in F&amp;E investierenden Firmen betrifft, d\u00fcrfte die Schweiz ebenfalls gut dastehen. Denn das schweizerische Innovationssystem zeichnet sich durch ein im internationalen Vergleich dicht gekn\u00fcpftes Wissensnetzwerk aus; auch der Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Privatwirtschaft funktioniert gut.&#13;<br \/>\nVgl. Arvanitis u.a. (2006).Vor diesem Hintergrund l\u00e4sst sich der Schluss ziehen, dass auch die indirekten Effekte der Internationalisierung von F&amp;E im Fall der Schweiz positiv sind. Hinweise f\u00fcr die Richtigkeit dieser Einsch\u00e4tzung finden sich bei <i>Ben Hamida und Piscitello (2008).<\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenfassung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bedeutung von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten der Schweizer Wirtschaft an ausl\u00e4ndischen Standorten hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen, und zwar sowohl hinsichtlich der Zahl involvierter Firmen als auch der eingesetzten Mittel. Dabei sind zunehmend auch KMU aktiv geworden. Wirtschaftlich hoch entwickelte, durch eine starke Wissensbasis und grosse M\u00e4rkte gekennzeichnete Zielregionen (EU, Nordamerika) stehen im Vordergrund, wobei f\u00fcr Grossfirmen mittlerweile auch China und Indien ins Gewicht fallen. Trotz der wachsenden Internationalisierung verfolgt die \u00fcberwiegende Mehrheit der F&amp;E-aktiven Firmen nach wie vor eine rein inlandorientierte Strategie.Die im Ausland F&amp;E-aktiven Unternehmen w\u00e4hlen Strategien, die in der Gewichtung der treibenden Motive voneinander abweichen. Zudem wirken sie sich unterschiedlich \u2013 aber durchwegs positiv \u2013 auf die Peformance der Mutterfirma aus. Relativ breit angelegt sind wissensorientierte Strategien, welche die Innovationsleistung der Mutterfirma erh\u00f6hen, nicht aber deren Produktivit\u00e4t. Die am st\u00e4rksten verbreitete marktorientierte Strategie ist stark fokussiert, was in geringerem Mass auch f\u00fcr die kostenorientierte Strategie gilt. Diese beiden Strategien wirken produktivit\u00e4tssteigernd, verbessern jedoch nicht die Innovationsleistung der Mutterfirma. Die positiven Auswirkungen der Internationalisierung von F&amp;E auf die Mutterfirmen (direkte Effekte) werden noch verst\u00e4rkt durch Technologie- und Produktivit\u00e4ts-Spillovers zu anderen Unternehmen (indirekte Effekte). Die Resultate widerlegen die These, wonach eine Zunahme von F&amp;E-Investitionen zulasten des Wirtschaftsstandorts Schweiz geht (Substitutionsthese). Vielmehr sind in- und ausl\u00e4ndische F&amp;EAktivit\u00e4ten komplement\u00e4r.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abF&amp;E-Ausgaben schweizerischer Unternehmen im Ausland 1975 bis 2008 (in Mio Fr.)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abZielregionen von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten nach Gr\u00f6ssenklassen Anteil von Firmen in&nbsp;%, die in der jeweiligen Region pr\u00e4sent sind; Mehrfachantworten\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 3: \u00abMotive f\u00fcr F&amp;E-Aktivit\u00e4ten im Ausland nach Gr\u00f6ssenklassen Anteil von Firmen in&nbsp;%, die dem jeweiligen Motiv eine hohe Bedeutung beimessen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 4: \u00abEinfluss von spezifischen Motiven f\u00fcr Auslands-F&amp;E auf die Unternehmensleistung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Arvanitis, S., Bolli, T., Hollenstein, H., Ley, M. und M. W\u00f6rter (2010): Innovationsaktivit\u00e4ten in der Schweizer Wirtschaft. Eine Analyse der Ergebnisse der Innovationserhebung 2008, Reihe Strukturberichterstattung Nr. 46, Bern: Staatsekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco).\u2212 Arvanitis, S. und H. Hollenstein (2010): How Do Different Motives for R&amp;D Investment in Foreign Locations Affect Domestic Firm Performance? An Analysis Based on Swiss Micro Data, KOF Swiss Economic Institute, Working Papers Nr. 258, Z\u00fcrich.\u2212 Arvanitis, S., Kubli, U., Sydow, N. und M. W\u00f6rter (2006): Knowledge and Technology Transfer between Universities and Private Enterprises in Switzerland \u2013 an Analysis Based on Firm and Institutional Data, Konjunktur, 69(9), A1-A32.\u2212 Ben Hamida, L. und L. Piscitello (2008): The Relationship Between Overseas and Domestic R&amp;D Activities: Evidence for Switzerland, Paper Presented at the 33th Annual Conference of the European International Business Academy (EIBA), Tallin.\u2212 Blomstr\u00f6m, M. und A. Kokko (1998): Multinational Corporations and Spillovers, Journal of Economic Surveys, 12, S. 247\u2013277.\u2212 Dunning, J.H. (2000): The Eclectic Paradigm as an Envelope for Economic and Business Theories of MNE Activity, International Business Review, 9, S. 163\u2013190. \u2212 Hollenstein, H. (2009): Characteristics of Foreign R&amp;D Strategies of Swiss Firms: Implications for Policy, in: D. Foray (ed.), The New Economics of Technology Policy, Cheltenham: Edward Elgar, S. 248\u2013271.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Internationalisierung von Forschung und Entwicklung (F&amp;E) einheimischer Unternehmen hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. In diesem Beitrag werden die grundlegenden Muster und Triebkr\u00e4fte (Motive) von F&amp;E-Investitionen an ausl\u00e4ndischen Standorten aufgezeigt. 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