{"id":121151,"date":"2010-10-01T12:00:00","date_gmt":"2010-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/10\/feldmann-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:21","slug":"feldmann-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/10\/feldmann-5\/","title":{"rendered":"Schliesst Afrika endlich zu anderen Wirtschaftsregionen auf?"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der letzten Jahre sind viele L\u00e4nder Afrikas \u00fcberdurchschnittlich gewachsen. Auch wenn Afrika von der globalen Wirtschaftskrise nicht verschont blieb, waren viele L\u00e4nder besser auf die Krise vorbereitet und fanden schnell wieder auf ihren Wachstumspfad zur\u00fcck. Afrika verf\u00fcgt auch zuk\u00fcnftig \u00fcber vielversprechende Wachstumsaussichten. Um die Chancen der Globalisierung wahrnehmen und deren Risiken bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, sind aber wichtige Hindernisse zu \u00fcberwinden, und der Aufrechterhaltung von stabilen makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen ist weiterhin eine hohe Bedeutung beizumessen. Nur so kann eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung l\u00e4ngerfristig gew\u00e4hrleistet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend des gr\u00f6ssten Teils der letzten 45 Jahre sind die Volkswirtschaften Afrikas nur unstet gewachsen und haben mehrheitlich stagniert. Im Gegensatz zu diesen entt\u00e4uschenden Entwicklungen war die j\u00fcngste Vergangenheit gepr\u00e4gt von Anzeichen tief greifender wirtschaftlicher Ver\u00e4nderungen. Schliesst Afrika endlich zu den anderen Wachstumsregionen auf?&#13;<\/p>\n<h2>Ausgedehnte Wachstumsphase seit 2000<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit Mitte der 1990er-Jahre verzeichnete Afrika im Durchschnitt ein j\u00e4hrliches Wirtschaftswachstum von rund 5% (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Ebenso stieg das Pro-Kopf-Einkommen in dieser Periode stetig um durchschnittlich 2% bis 3% pro Jahr, was mit Erfolgen in der Armutsminderung einher ging. Die j\u00fcngste Wachstumsphase, die nunmehr \u00fcber ein Jahrzehnt dauert, betraf nicht nur ressourcenreiche und Erd\u00f6l exportierende L\u00e4nder, welche um durchschnittlich 6,5% pro Jahr wuchsen, sondern auch ressourcenarme L\u00e4nder mit Wachstumsraten von durchschnittlich \u00fcber 4% pro Jahr. Nur wenige L\u00e4nder \u2013 wie Simbabwe und einige fragile Staaten \u2212 verharrten weiterhin auf tiefem Niveau.Zur\u00fcckzuf\u00fchren ist diese ausgedehnte Wachstumsphase auf mehrere Faktoren: \u2212 <i>Erstens<\/i> profitierte Afrika von g\u00fcnstigen globalen Rahmenbedingungen, namentlich dem ausgepr\u00e4gten globalen Wirtschaftswachstum der letzten Jahre. Dies \u00e4usserte sich unter anderem in einer stark steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und der zunehmenden Bedeutung des S\u00fcd-S\u00fcd Handels, insbesondere engeren Handels- und Investitionsbeziehungen mit den Wachstumsregionen in Asien und Lateinamerika.\u2212 <i>Zweitens<\/i> wurde das Wachstum durch die Zunahme privater ausl\u00e4ndischer Kapitalfl\u00fcsse und offizieller Entwicklungshilfegelder beg\u00fcnstigt. Zwischen 2002 und 2007 stiegen die privaten Kapitalfl\u00fcsse von 10 Mrd. auf \u00fcber 53 Mrd. US-Dollar an. Direktinvestitionen machten dabei den gr\u00f6ssten Anteil aus: Sie betrugen 2007 6% bis 7% des BIP, was ungef\u00e4hr dem Niveau von China und Brasilien zu Beginn der 1990er-Jahre entsprach. Ebenso stieg die \u00f6ffentliche Entwicklungshilfe zwischen 2000 und 2008 von 8 Mrd. auf 24 Mrd. US-Dollar an. Gleichermassen sind auch Rimessen angestiegen, welche 2008 im Durchschnitt rund 2,5% des BIP der Empf\u00e4ngerl\u00e4nder ausmachten. \u2212 <i>Drittens<\/i> wirkten sich institutionelle und wirtschaftliche Reformen, welche auf die F\u00f6rderung des Privatsektors, den Abbau von Handelshemmnissen und die St\u00e4rkung der staatlichen Handlungsf\u00e4higkeit abzielten, wachstumsf\u00f6rdernd aus und beg\u00fcnstigten ausl\u00e4ndische Investitionen. Auch wenn diese Reformen nur mit Verz\u00f6gerung zu strukturellen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren und der Leistungsausweis vieler L\u00e4nder in dieser Hinsicht h\u00f6chstens durchschnittlich ist, zeichnet sich in einigen L\u00e4ndern eine st\u00e4rkere Diversifizierung der Wirtschaft ab. Sie ist gepr\u00e4gt durch schnell wachsende einheimische Dienstleistungssektoren (z.B. Telekommunikation oder Tourismus) oder den Aufbau von einfachen Exportindustrien mit nachgelagerten Wertsch\u00f6pfungsketten (z.B. in Kenia).\u2212 <i>Viertens<\/i> ging das Wachstum einher mit gr\u00f6sserer politischer und makro\u00f6konomischer Stabilit\u00e4t und einer merklichen St\u00e4rkung der Geld- und Fiskalpolitik (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Seit 2002 fiel die j\u00e4hrliche Inflation auf durchschnittlich unter 10%, und die Anzahl L\u00e4nder mit Inflationsraten von \u00fcber 50% pro Jahr hat sich merklich verringert. Gleichermassen hat sich auch die Fiskalsituation verbessert. Lag das durchschnittliche Haushaltsdefizit in den 1980er- und 1990er-Jahren noch bei 5,7% des BIP, so sank dieses auf 2,9% zwischen 2000 und 2006. Auch ressourcenreiche L\u00e4nder auferlegten sich gr\u00f6ssere Zur\u00fcckhaltung im Umgang mit h\u00f6heren Exporteinnahmen. Ebenso trug die Konsolidierung der \u00f6ffentlichen Schulden zur St\u00e4rkung der Fiskalposition bei. Hochverschuldete L\u00e4nder profitierten dabei auch vom Schuldenerlass im Rahmen der multilateralen Entschuldungsinitiativen. Diese neugefundene Stabilit\u00e4t erlaubte es zudem einigen L\u00e4ndern wie Ghana, erstmals Staatsanleihen am internationalen Kapitalmarkt zu platzieren.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie globale Finanz- und Wirtschaftskrise drohte dieser Wachstumsphase ein Ende zu setzen. Zwar trafen die Verwerfungen im globalen Finanzsystem viele L\u00e4nder nur in geringem Ausmass, da afrikanische Banken kaum amerikanischen Subprime-Hypotheken ausgesetzt waren. Dennoch war Afrika durch den starken Einbruch des Welthandels und den Fall der Rohstoffpreise erheblich von den realwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise betroffen. Ebenso litten viele L\u00e4nder unter privaten Kapitalabfl\u00fcssen und dem R\u00fcckgang der Rimessen. Private Kapitalfl\u00fcsse gingen 2009 um rund 57% auf rund 23 Mrd. US-Dollar zur\u00fcck. Das Wachstum verlangsamte sich 2009 merklich auf knapp \u00fcber 2%. L\u00e4nder mittleren Einkommens und erd\u00f6lexportierende L\u00e4nder, welche st\u00e4rker in die Weltwirtschaft integriert waren, sp\u00fcrten die Auswirkungen der Krise besonders und verzeichneten 2009 noch ein Wachstum von 0,5%, wohingegen in einkommensschw\u00e4cheren und rohstoffarmen L\u00e4nder die Wachstumseinbussen mit einem Wachstum von 3,5% geringer ausfielen, aber sich dennoch erheblich auf die Armutsreduktion auswirkten.Angesichts der beispiellosen Tragweite der Krise und der Tatsache, dass insbesondere rohstoffimportierende L\u00e4nder bereits 2007 und 2008 von den nachteiligen Auswirkungen steigender Nahrungsmittelpreise betroffen waren, zeigten sich die afrikanischen Volkswirtschaften ausgesprochen robust. Auch wenn die geringere Integration vieler afrikanischer L\u00e4nder in die Weltwirtschaft die Auswirkungen teilweise gemildert hat, so hatten fr\u00fchere, schw\u00e4chere wirtschaftliche Abk\u00fchlungen oftmals weit negativere Folgen f\u00fcr die Wachstumsperspektiven Afrikas. Der Kontinent ging besser vorbereitet in die Krise \u2013 d.h. mit tieferer Inflation, h\u00f6heren W\u00e4hrungsreserven und niedrigeren Zahlungsbilanz- und Fiskaldefiziten \u2212 als w\u00e4hrend fr\u00fcheren Wachstumseinbr\u00fcchen. Gr\u00f6ssere makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t und eine bessere Wirtschafts- und Fiskalpolitik im Vorfeld der Krise beg\u00fcnstigten nicht nur das breite Wachstum der letzten Jahre, sondern schufen auch die Voraussetzungen, um die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Krisen zu st\u00e4rken. Erstmals verf\u00fcgten viele L\u00e4nder \u00fcber gen\u00fcgend fiskalpolitischen Spielraum, um antizyklisch auf eine Krise zu reagieren, konjunkturstabilisierende Massnahmen einzuleiten und armutsrelevante \u00f6ffentliche Ausgaben aufrechtzuerhalten. Ebenso f\u00fchrte die Krise nicht zu einer Abkehr von Reformen, welche in den letzten Jahren das Wachstum beg\u00fcnstigt haben.&#13;<\/p>\n<h2>Wachstumspotenziale freisetzen und Risiken bew\u00e4ltigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAfrika scheint im Gegensatz zu fr\u00fcheren Krisen, in denen die wirtschaftliche Erholung oftmals erst mit reichlicher Verz\u00f6gerung eingesetzt hat, schnell wieder auf den Wachstumspfad zur\u00fcckzufinden. Angetrieben von stabilen makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen, der Verschiebung der Handelsstr\u00f6me nach Asien und Lateinamerika, der weiterhin ungebrochenen Nachfrage dieser Regionen nach Rohstoffen und der wachsenden Attraktivit\u00e4t Afrikas f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kapitalinvestitionen (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErstmals besteht ein echtes Interesse von Investoren an Direktinvestitionen oder Kapitalanlagen in ganz Afrika. Dabei ist den regionalen Disparit\u00e4ten Rechnung zu tragen. Die Gruppe der Erd\u00f6l produzierenden und ressourcenstarken L\u00e4nder (z.B. Nigeria, Gabun) sowie die diversifizierten Volkswirtschaften (z.B. S\u00fcdafrika) werden weiterhin Kapital anziehen, wodurch neue Unternehmen finanziert werden k\u00f6nnen. Innerhalb dieser L\u00e4nder sind grosse Gruppen in den Sektoren Banken, Verteilung und Telekommunikation zu beobachten.Auf der anderen Seite sollten die ressourcen\u00e4rmeren L\u00e4nder, die Transitionsl\u00e4nder (z.B. Senegal, Uganda) sowie die L\u00e4nder vor dem Transitionsprozess (z.B. Mali, \u00c4thiopien) unbedingt Kapitalfl\u00fcsse und Direktinvestitionen anziehen, indem sie sich an eine entwickeltere regionale Wachstumslokomotive anh\u00e4ngen und so einen regionalen Handel zu etablieren. Die Schaffung und Neuordnung regionaler B\u00f6rsen, die sich an der Entwicklung von \u00f6ffentlichen oder privaten Investitionsfonds beteiligen, k\u00f6nnten Kapitalfl\u00fcsse in Gang setzen, die Finanzierung der lokalen Unternehmen beg\u00fcnstigen sowie die Unzul\u00e4nglichkeiten der Banknetze auffangen.Alle diese L\u00e4nder k\u00f6nnen heute von einem internationalen Run auf Investitionen in Afrika profitieren. Die sehr gute Performance der afrikanischen B\u00f6rsen zieht das Interesse der Investoren auf sich, da so hohe Renditen auf den M\u00e4rkten der entwickelteren Volkswirtschaften kaum mehr zu erzielen sind. Die Erfahrung aus den traditionellen Schwellenl\u00e4ndern hat gezeigt, dass es enorm interessant sein kann, vor allen anderen in diesen Regionen pr\u00e4sent zu sein. Die Investoren sind sich denn auch der gr\u00f6sseren Komplexit\u00e4t und des hohen Risikos, die sich aus der Begrenztheit und der fehlenden Liquidit\u00e4t in diesen M\u00e4rkten ergeben, voll bewusst. Der positive Kreislauf von Investitionen und Wachstum ist aber kein Selbstl\u00e4ufer. Damit er sich weiter fortsetzt, m\u00fcssen alle afrikanischen L\u00e4ndern noch gewisse strukturelle Defizite \u00fcberwinden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) d\u00fcrfte der Kontinent 2010 wieder mit einem Wachstum von knapp unter 5% rechnen \u2013 mit einer Beschleunigung in den Folgejahren. Allerdings ist die weitere Entwicklung auch abh\u00e4ngig von der globalen Konjunkturerholung, welche weiterhin f\u00fcr Unsicherheit sorgt und sich entsprechend nachteilig auf die Wachstumsaussichten auswirken k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h2>Die grossen Herausforderungen Afrikas<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz der Errungenschaften der letzten Jahre und den g\u00fcnstigen Wachstumsaussichten steht Afrika auch in Zukunft vor grossen Herausforderungen. Bedingt durch die grosse Verschiedenheit der afrikanischen Volkswirtschaften h\u00e4ngt deren Bew\u00e4ltigung massgeblich von l\u00e4nderspezifischen Eigenschaften ab. Die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit kann hier einen situationsgerechten Beitrag leisten (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGhana geh\u00f6rt zu den sogenannten Frontier Markets. Dazu z\u00e4hlen die wachstumsstarken, reformorientierten, aber immer noch einkommensschwachen Volkswirtschaften. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unterst\u00fctzt den Reformprozess Ghanas in vier Interventionsbereichen:\u2212 <i>Gesunde makro\u00f6konomische Rahmenbedingungen und transparente \u00f6ffentliche Finanzen:<\/i> Das Seco unterst\u00fctzt direkt die Umsetzung des landeseigenen Reformprogramms und die Reform des \u00f6ffentlichen Finanzwesens \u00fcber die Beteiligung am Budgethilfeprogramm. Ein thematischer Schwerpunkt bildet die Reform der Steuerpolitik und -verwaltung, mit dem Ziel, das Steuerpotenzial besser auszunutzen und die privatwirtschaftliche Aktivit\u00e4t zu beg\u00fcnstigen. Mit Blick auf die Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen \u2212 insbesondere der k\u00fcrzlich erschlossenen Erd\u00f6lvorkommen \u2212 dr\u00e4ngen sich auch Anpassungen in der Steuererhebung und Einnahmentransparenz auf. \u2212 <i>Entwicklung und Vertiefung des lokalen Finanzsektors:<\/i> Das Seco unterst\u00fctzt die St\u00e4rkung der Finanzmarktinfrastruktur und der institutionellen Kapazit\u00e4ten zur Regulierung und Aufsicht des Finanzsystems. Durch weitere Massnahmen werden die Vertiefung des Finanzsektors und die Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungen f\u00fcr KMU gef\u00f6rdert.\u2212 <i>Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und des internationalen Marktzugangs:<\/i> Mit verschiedenen Massnahmen f\u00f6rdert das Seco handelsfreundliche Rahmenbedingungen und die Verbesserung des Investitionsklimas, um die Entwicklung einer nachhaltigen und wettbewerbsf\u00e4higen Exportwirtschaft zu unterst\u00fctzen. \u2212 <i>St\u00e4rkung der wirtschaftlichen Infrastruktur:<\/i> \u00dcber das Reformprogramm im Energiesektor unterst\u00fctzt das Seco die St\u00e4rkung der regulatorischen Rahmenbedingungen im Infrastrukturbereich und leistet mit gezielten Investitionen einen Beitrag zu einer breiteren, verl\u00e4sslicheren und effizienteren Energieversorgung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).Die erste grosse Herausforderung in den L\u00e4ndern Afrikas sind die <i>schwach entwickelten marktwirtschaftlichen Strukturen,<\/i> d.h. die physischen Infrastrukturen \u2013 wie Transport- und Energienetze \u2013 sowie Finanzsysteme, institutionelle Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Gouvernanz-Systeme, welche das Wachstum eines wettbewerbsf\u00e4higen Privatsektors behindern. Der Mangel an physischer Infrastruktur und ihre schlechte Qualit\u00e4t f\u00fchrt zu Einschr\u00e4nkungen im Warenhandel, erh\u00f6ht die Produktionskosten und hemmt die Erschliessung regionaler M\u00e4rkte. Viele L\u00e4nder haben in der Vergangenheit grosse Anstrengungen zur Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen f\u00fcr den Privatsektor und des Investitionsklimas unternommen und f\u00fchrten Reformen des Finanzsektors durch. Dennoch sind die indirekten Kosten f\u00fcr die private Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit immer noch 20% bis 40% h\u00f6her als in anderen Wirtschaftsregionen. Die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit ist auch mit grossen Unsicherheiten bez\u00fcglich Rechtssicherheit, Eigentumsrechten und Transparenz verbunden. Abgesehen von einigen wenigen Finanzm\u00e4rkten \u2013 wie S\u00fcdafrika und \u00c4gypten \u2013 sind die M\u00e4rkte gr\u00f6sstenteils schwach entwickelt und illiquide, was eine effiziente Kapitalallokation erschwert und den Zugang zu Finanzmitteln \u2212 gerade f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) \u2212 verunm\u00f6glicht. Um eine l\u00e4ngerfristige wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen, welche sich in einer Verbesserung der Lebensumst\u00e4nde \u2013 und somit einer Erh\u00f6hung des der Wirtschaft zug\u00e4nglichen Humankapitals \u2013 niederschl\u00e4gt, ist eine <i>nachhaltige St\u00e4rkung staatlicher Institutionen und eine bessere Regierungsf\u00fchrung<\/i> unabdingbar. Wenngleich eine Reihe von Indikatoren auf soziale Verbesserungen hindeuten und erste Erfolge in der Armutsreduktion zu verzeichnen sind, hinkt Afrika anderen Regionen hinterher. Auch haben sich im Zuge der j\u00fcngsten Wachstumsphase die Unterschiede zwischen Einkommensgruppen noch verst\u00e4rkt. Der Zugang zu grundlegenden \u00f6ffentlichen Dienstleistungen in Bereichen wie Gesundheit, Wasserversorgung und Bildung ist beschr\u00e4nkt, und die Qualit\u00e4t der erbrachten Dienstleistungen ist oftmals schwach. F\u00fcr die weitere Entwicklung kommt daher der Erh\u00f6hung von Effizienz und Wirksamkeit staatlicher Ausgaben unter gleichzeitiger Einhaltung der mittelfristigen Fiskaldisziplin sowie der Steigerung und effizienteren Verwaltung von Eigeneinnahmen eine hohe Bedeutung zu.Als weitere Herausforderung f\u00fchrt die <i>starke Rohstoffabh\u00e4ngigkeit vieler afrikanischer Volkswirtschaften<\/i> zu gr\u00f6sseren wirtschaftlichen Verletzlichkeiten und birgt eine Reihe von zus\u00e4tzlichen Gouvernanzrisiken. Rohstoffpreise tendieren zu gr\u00f6sserer Volatilit\u00e4t als andere G\u00fcterpreise. Dies verursacht h\u00e4ufige und unerwartete Schwankungen von Export- und Fiskaleinnahmen mit nachteiligen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und die Armutsreduktion. Ebenso kann die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf Rohstoffausfuhren \u00fcber die Aufwertung des realen Wechselkurses l\u00e4ngerfristig die Wettbewerbsf\u00e4higkeit anderer Exportsektoren benachteiligen und somit die Rohstoffabh\u00e4ngigkeit noch verst\u00e4rken. Auch wenn diese makro\u00f6konomischen Risiken \u00fcber die Geldpolitik teilweise abgeschw\u00e4cht werden k\u00f6nnen, braucht es letztlich strukturelle Anpassungen, um die Produktivit\u00e4t zu steigern und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit anderer Sektoren zu erhalten. Ressourcenreichtum ging in der Vergangenheit oftmals auch mit einer l\u00e4ngerfristig schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung sowie gr\u00f6sserer politischer Instabilit\u00e4t und Korruption einher. In den letzten Jahren haben sich eine Reihe von L\u00e4ndern der <i>Extractive Industries Transparency Initiative<\/i> angeschlossen, welche die Verifizierung von Geldstr\u00f6men des Rohstoffsektors zum Ziel hat. Weitere Reformen zur Schaffung stabiler institutioneller Gouvernanz- und Budgetstrukturen \u2013 einschliesslich transparenterer Haushaltsf\u00fchrung, verbesserter Rechenschaftslegung von Rohstoffeinnahmen und deren sinnvollen Verwendung \u2013 sind aber n\u00f6tig, damit der Ressourcenreichtum zur wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsreduktion beitr\u00e4gt. Herausforderungen ergeben sich schliesslich auch aus der <i>wachsenden Integration Afrikas in das globale Finanzsystem.<\/i> Einerseits k\u00f6nnen ausl\u00e4ndische Kapitalfl\u00fcsse zu Wachstumssteigerungen beitragen, indem sie den direkten Zugang zu fehlendem Kapital erleichtern, oder indirekt durch die Vertiefung lokaler Finanzm\u00e4rkte, gr\u00f6sserer makro\u00f6konomischer Disziplin und einer St\u00e4rkung jener Institutionen, die gr\u00f6sserer Marktdisziplin unterworfen sind. Andererseits kann die Integration \u2212 in Abwesenheit von geeigneten Ausgangsbedingungen \u2212 zu h\u00f6heren Verletzlichkeiten f\u00fchren und die Volkswirtschaften dem Risiko pl\u00f6tzlicher Kapitalabfl\u00fcsse aussetzen, ohne dass die eigene wirtschaftliche Situation \u2013 wie w\u00e4hrend der j\u00fcngsten Krise geschehen \u2013 der Grund daf\u00fcr w\u00e4re. Eine gesunde Fiskal- und Geldpolitik sowie ein starker Finanzsektor sind daher Grundvoraussetzungen, um die wirtschaftlichen Handlungsspielr\u00e4ume zu bewahren und die Risiken zu verringern, welche sich f\u00fcr die Volkswirtschaft aufgrund von pl\u00f6tzlichen Schwankungen ergeben k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesseres wirtschaftliches Management und die Durchf\u00fchrung von wachstumsfreundlichen Reformen vor und w\u00e4hrend der Wirtschaftskrise \u2212 gepaart mit g\u00fcnstigen globalen Rahmenbedingungen \u2212 haben die Voraussetzungen f\u00fcr die ausgepr\u00e4gte Wachstumsphase der letzten Jahrzehnte und die gest\u00e4rkte Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Krisen geschaffen. Dennoch steht Afrika weiterhin vor gewaltigen Herausforderungen. Zum einen gilt es, strukturelle Schw\u00e4chen abzubauen und das Wachstumspotenzial der Region freizusetzen, um l\u00e4ngerfristig zu den Wachstumsregionen Asiens und Lateinamerikas aufzuschliessen. Zum anderen ist der \u00d6ffnungsprozess in die Weltwirtschaft weiterhin vorsichtig anzugehen, um die Chancen wahrzunehmen, aber auch deren Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen. Die Dauerhaftigkeit des Wachstums und die Verbesserung der Lebensumst\u00e4nde aller Bev\u00f6lkerungsschichten h\u00e4ngen entscheidend von diesen Entwicklungen ab.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAfrika: Wirtschaftswachstum, 1991\u20132011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAfrika: Schulden, Haushaltsdefizit, Inflation, 1991\u20132011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Afrikas wachsende Attraktivit\u00e4t f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErstmals besteht ein echtes Interesse von Investoren an Direktinvestitionen oder Kapitalanlagen in ganz Afrika. Dabei ist den regionalen Disparit\u00e4ten Rechnung zu tragen. Die Gruppe der Erd\u00f6l produzierenden und ressourcenstarken L\u00e4nder (z.B. Nigeria, Gabun) sowie die diversifizierten Volkswirtschaften (z.B. S\u00fcdafrika) werden weiterhin Kapital anziehen, wodurch neue Unternehmen finanziert werden k\u00f6nnen. Innerhalb dieser L\u00e4nder sind grosse Gruppen in den Sektoren Banken, Verteilung und Telekommunikation zu beobachten.Auf der anderen Seite sollten die ressourcen\u00e4rmeren L\u00e4nder, die Transitionsl\u00e4nder (z.B. Senegal, Uganda) sowie die L\u00e4nder vor dem Transitionsprozess (z.B. Mali, \u00c4thiopien) unbedingt Kapitalfl\u00fcsse und Direktinvestitionen anziehen, indem sie sich an eine entwickeltere regionale Wachstumslokomotive anh\u00e4ngen und so einen regionalen Handel zu etablieren. Die Schaffung und Neuordnung regionaler B\u00f6rsen, die sich an der Entwicklung von \u00f6ffentlichen oder privaten Investitionsfonds beteiligen, k\u00f6nnten Kapitalfl\u00fcsse in Gang setzen, die Finanzierung der lokalen Unternehmen beg\u00fcnstigen sowie die Unzul\u00e4nglichkeiten der Banknetze auffangen.Alle diese L\u00e4nder k\u00f6nnen heute von einem internationalen Run auf Investitionen in Afrika profitieren. Die sehr gute Performance der afrikanischen B\u00f6rsen zieht das Interesse der Investoren auf sich, da so hohe Renditen auf den M\u00e4rkten der entwickelteren Volkswirtschaften kaum mehr zu erzielen sind. Die Erfahrung aus den traditionellen Schwellenl\u00e4ndern hat gezeigt, dass es enorm interessant sein kann, vor allen anderen in diesen Regionen pr\u00e4sent zu sein. Die Investoren sind sich denn auch der gr\u00f6sseren Komplexit\u00e4t und des hohen Risikos, die sich aus der Begrenztheit und der fehlenden Liquidit\u00e4t in diesen M\u00e4rkten ergeben, voll bewusst. Der positive Kreislauf von Investitionen und Wachstum ist aber kein Selbstl\u00e4ufer. Damit er sich weiter fortsetzt, m\u00fcssen alle afrikanischen L\u00e4ndern noch gewisse strukturelle Defizite \u00fcberwinden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Die Rolle der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit: Der Beitrag des Seco in Ghana&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGhana geh\u00f6rt zu den sogenannten <i>Frontier Markets.<\/i> Dazu z\u00e4hlen die wachstumsstarken, reformorientierten, aber immer noch einkommensschwachen Volkswirtschaften. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unterst\u00fctzt den Reformprozess Ghanas in vier Interventionsbereichen:\u2212 <i>Gesunde makro\u00f6konomische Rahmenbedingungen und transparente \u00f6ffentliche Finanzen:<\/i> Das Seco unterst\u00fctzt direkt die Umsetzung des landeseigenen Reformprogramms und die Reform des \u00f6ffentlichen Finanzwesens \u00fcber die Beteiligung am Budgethilfeprogramm. Ein thematischer Schwerpunkt bildet die Reform der Steuerpolitik und -verwaltung, mit dem Ziel, das Steuerpotenzial besser auszunutzen und die privatwirtschaftliche Aktivit\u00e4t zu beg\u00fcnstigen. Mit Blick auf die Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen \u2212 insbesondere der k\u00fcrzlich erschlossenen Erd\u00f6lvorkommen \u2212 dr\u00e4ngen sich auch Anpassungen in der Steuererhebung und Einnahmentransparenz auf. \u2212 <i>Entwicklung und Vertiefung des lokalen Finanzsektors:<\/i> Das Seco unterst\u00fctzt die St\u00e4rkung der Finanzmarktinfrastruktur und der institutionellen Kapazit\u00e4ten zur Regulierung und Aufsicht des Finanzsystems. Durch weitere Massnahmen werden die Vertiefung des Finanzsektors und die Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungen f\u00fcr KMU gef\u00f6rdert.\u2212 <i>Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und des internationalen Marktzugangs:<\/i> Mit verschiedenen Massnahmen f\u00f6rdert das Seco handelsfreundliche Rahmenbedingungen und die Verbesserung des Investitionsklimas, um die Entwicklung einer nachhaltigen und wettbewerbsf\u00e4higen Exportwirtschaft zu unterst\u00fctzen. \u2212 <i>St\u00e4rkung der wirtschaftlichen Infrastruktur:<\/i> \u00dcber das Reformprogramm im Energiesektor unterst\u00fctzt das Seco die St\u00e4rkung der regulatorischen Rahmenbedingungen im Infrastrukturbereich und leistet mit gezielten Investitionen einen Beitrag zu einer breiteren, verl\u00e4sslicheren und effizienteren Energieversorgung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literaturhinweise&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 African Development Bank und OECD (2010). African Economic Outlook 2010.\u2212 Arbache, J., D. S. Go und J. Page (2008). Is Africa&#8217;s Economy at a Turning Point? World Bank, Policy Research Working Paper 4519.\u2212 Devarajan, S. und S. Shetty (2010). Africa: Leveraging the Crisis into a Development Takeoff. World Bank, Economic Premise Nr. 30.\u2212 Kose, M.A., E. Prasad, K. Rogoff und S. Wei (2006). Financial Globalization: A Reappraisal. International Monetary Fund, Working Paper WB\/06\/189.\u2212 IMF (2010). Regional Economic Outlook 2010: Sub-Saharan Africa.\u2212 Sachs, J.D. und A. Warner (1995). Natural Resource Abundance and Economic Growth. National Bureau of Economic Research, Working Paper 6398.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der letzten Jahre sind viele L\u00e4nder Afrikas \u00fcberdurchschnittlich gewachsen. 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