{"id":121166,"date":"2010-10-01T12:00:00","date_gmt":"2010-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/10\/lutiger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:22","slug":"lutiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/10\/lutiger\/","title":{"rendered":"Kurzarbeitsentsch\u00e4digung \u2013 ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument in der Rezession 2009"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2009 durchlief die Schweiz die sch\u00e4rfste Rezession seit den 1970er-Jahren. Sehr viele Industrieunternehmen setzten in dieser Phase, welche durch eine ausgesprochen hohe Unsicherheit gekennzeichnet war, das Instrument der Kurzarbeit ein. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte damit sp\u00fcrbar ged\u00e4mpft werden. Welche Rolle spielte die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung in dieser Krise f\u00fcr die Arbeitnehmenden und die Unternehmen? Und wie ist sie im Lichte der j\u00fcngsten Erfahrungen volkswirtschaftlich zu bewerten? <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201010_14_Lutiger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zog die Schweizer Volkswirtschaft 2009 stark in Mitleidenschaft. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sank um 1,9%, und die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stieg von 2,5% Mitte 2008 auf 4,2% Ende 2009. Besonders hart vom Auftragseinbruch betroffen waren Finanzdienstleistungsunternehmen und die Exportindustrie. In der Industrie verringerte sich die Wertsch\u00f6pfung 2009 insgesamt real um 6%, und die vollzeit\u00e4quivalente Besch\u00e4ftigung sank um knapp 3%. Dass die Industriebesch\u00e4ftigung 2009 nicht noch st\u00e4rker einbrach, hatte wesentlich mit der Kurzarbeit zu tun: Hochgerechnet beliefen sich die durch Kurzarbeit ausgefallenen Stunden 2009 in der Industrie ebenfalls auf fast 3% der vollzeit\u00e4quivalenten Besch\u00e4ftigung. 88% der Kurzarbeitsstunden entfielen 2009 auf die Industrie.Insgesamt waren 2009 in der Schweiz durchschnittlich 67&nbsp;200 Arbeitnehmende pro Monat von Kurzarbeit betroffen; das Volumen der Ausfallstunden entsprach rund 22&nbsp;500 Vollzeitstellen (vgl. <i>Grafik 1<\/i>). Die absoluten H\u00f6chstwerte wurden im Mai und Juni 2009 erreicht, als rund 92&nbsp;000 Arbeitnehmende in fast 5000 Unternehmen Kurzarbeit verrichteten. Seither hat die Kurzarbeit im Zuge der wirtschaftlichen Erholung wieder stark abgenommen. Gem\u00e4ss vorl\u00e4ufigen Angaben des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) bezogen im Juni 2010 noch etwa 17&nbsp;000 Arbeitnehmende Kurzarbeitsentsch\u00e4digung, und das Volumen der Ausfallstunden entsprach noch ungef\u00e4hr 5700 Vollzeitstellen.&#13;<br \/>\nDie Werte werden noch nach oben korrigiert, da die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung bis mehrere Monate nach deren Bezug abgerechnet werden kann. Die Auswertung bezieht sich auf die bis Ende August 2010 abgerechnete Kurzarbeitsentsch\u00e4digung bis und mit Juni 2010. Der Abbau der Kurzarbeit ging somit deutlich schneller vor sich als der R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote sank saisonbereinigt von 4,2% Ende 2009 auf 3,8% Ende August 2010.In einem l\u00e4ngerfristigen Vergleich zeigt sich, dass die Unternehmen in dieser Krise besonders h\u00e4ufig auf Kurzarbeit zur\u00fcckgriffen. Das ausgefallene Arbeitsvolumen entsprach fast 0,7% der vollzeit\u00e4quivalenten Besch\u00e4ftigung im zweiten und dritten Sektor. Ein \u00e4hnlich hoher Wert wurde letztmals im Jahr 1993 erreicht.&#13;<br \/>\nAus der Statistik zu den Voranmeldungen zur Kurzarbeit, welche weiter zur\u00fcckreicht, l\u00e4sst sich schliessen, dass 1993 der h\u00f6chste Wert der 1990er-Jahre erzielt wurde. Damals belief sich das Volumen der Ausfallstunden auf knapp 0,6% des Besch\u00e4ftigungsvolumens. Verglichen mit dem Wirtschaftsabschwung 2002\/2003 wurde in dieser Krise mehr als vier Mal h\u00e4ufiger auf Kurzarbeit zur\u00fcckgegriffen.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr den starken Einsatz von Kurzarbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt vor allem <i>drei Gr\u00fcnde,<\/i> warum die Kurzarbeit 2009 so h\u00e4ufig eingesetzt wurde: \u2212 <i>Erstens<\/i> folgte der Wirtschaftseinbruch diesmal auf eine <i>Phase mit sehr hohem Wachstum.<\/i> Der Einbruch war scharf und kam in dieser Form f\u00fcr die Unternehmen v\u00f6llig unerwartet. Neben den Unsicherheiten \u00fcber den Wirtschaftsverlauf bestanden teilweise auch erhebliche Zweifel an der Stabilit\u00e4t des Finanzsystems und an den M\u00f6glichkeiten, weiterhin Kredite zu erhalten. In diesem Umfeld kam es den Unternehmen sehr entgegen, durch Kurzarbeit die Produktion rasch verringern und die Personalkosten vor\u00fcbergehend senken zu k\u00f6nnen. \u2212 <i>Zweitens<\/i> traf die Wirtschaftskrise die <i>exportorientierten Industrieunternehmen<\/i> mit Abstand am h\u00e4rtesten. In industriellen Betrieben l\u00e4sst sich das Instrument der Kurzarbeit von seiner Konzeption her besonders gut einsetzen.\u2212 <i>Drittens<\/i> wurde die <i>maximale Bezugsdauer<\/i> von Kurzarbeit im Rahmen der konjunkturellen Stabilisierungsmassnahmen des Bundes schrittweise erh\u00f6ht und der Selbstbehalt der Unternehmen an die Ausfallstunden gesenkt.&#13;<\/p>\n<h2>Kann Kurzarbeit Arbeitspl\u00e4tze retten?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZiel der Kurzarbeit ist es, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten und damit Arbeitslosigkeit zu verhindern, wenn Unternehmen kurzfristig und vor\u00fcbergehend mit einem starken Einbruch der Nachfrage konfrontiert sind. Die letzte Krise entspricht diesem Bild bislang in fast idealtypischer Weise. Die Chancen stehen deshalb relativ gut, dass die Kurzarbeit ihr vordringliches Ziel tats\u00e4chlich erf\u00fcllen wird. Geht man davon aus, dass die durch Kurzarbeit ausgefallenen Arbeitsstunden stattdessen durch Stellenabbau eingespart worden w\u00e4ren, so w\u00e4re die Arbeitslosenquote, welche 2008 bei durchschnittlich 2,6% lag, im Jahresdurchschnitt 2009 wohl etwa auf 4,3% \u2013 statt auf 3,7% \u2013 angestiegen. Der Anstieg der Arbeitslosenquote w\u00e4re also um gut 50% st\u00e4rker ausgefallen. Empirische Untersuchungen \u00fcber die tats\u00e4chliche kausale Wirkung der Kurzarbeit kamen f\u00fcr fr\u00fchere Rezessionsphasen demgegen\u00fcber bislang zu eher ern\u00fcchternden Ergebnissen. Wie bereits f\u00fcr die Rezessionen 1981-83 und 1991-93 kam auch die j\u00fcngste Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF)&#13;<br \/>\nVgl. hierzu Frick, Andres; und Wirz, Aniela: Hilft die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten?, in: Die Volkswirtschaft 1\/2-2006, S. 48\u201351. zum Schluss, dass die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung Entlassungen h\u00e4ufig nicht verhindert, sondern in der Regel eher deren Ausspruch zeitlich hinausz\u00f6gert. Die wichtigste Erkl\u00e4rung daf\u00fcr war, dass wirtschaftliche Einbr\u00fcche zumeist auch mit strukturellen Ver\u00e4nderungen einhergehen, welche bei den Unternehmen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter Reorganisationsmassnahmen erfordern. Des Weiteren zeigte die Studie, dass viele Unternehmen Kurzarbeitsentsch\u00e4digung in Anspruch nehmen, obwohl sie die Arbeitskr\u00e4fte auch ohne dieses Institut weiter besch\u00e4ftigt h\u00e4tten (sog. Mitnahmeeffekte).Die bisherige Entwicklung spricht daf\u00fcr, dass die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung in dieser Krise sehr effektiv gewirkt hat und Arbeitspl\u00e4tze tats\u00e4chlich gerettet werden konnten. Der Einsatz der Kurzarbeit schnellte sehr rasch in die H\u00f6he und verringerte sich schnell wieder, sobald sich die Wirtschaftslage wieder verbesserte. Dies k\u00f6nnte auch bedeuten, dass sich die Befunde der KOF-Studien nicht unbedingt auf die aktuelle Situation \u00fcbertragen lassen. Momentan sieht die wirtschaftliche Situation relativ g\u00fcnstig aus, und ein grosser Teil der Kurzarbeit konnte wieder abgebaut werden. Gleichwohl ist es f\u00fcr ein definitives Fazit noch zu fr\u00fch, denn mittelfristig bestehen f\u00fcr die Schweizer Exportwirtschaft nach wie vor erhebliche Risiken bez\u00fcglich der internationalen Konjunktur und wegen des hohen Frankenkurses. Mit anderen Worten: Die Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sind noch nicht definitiv ausgestanden. Aus diesem Grund steht auch nicht fest, ob die grosse Mehrzahl der durch Kurzarbeit erhaltenen Arbeitspl\u00e4tze mittel- und langfristig tats\u00e4chlich gesichert bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>Kurzarbeit zur Abfederung von Stellenabbaumassnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz den eher ern\u00fcchternden Ergebnissen der KOF-Studie, wonach die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung ihr eigentliches Ziel nur sehr ungen\u00fcgend erreicht, hielt man in der Arbeitslosenversicherung (ALV) auch bei Gesetzesrevisionen daran fest. Ein Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte darin gelegen haben, dass eine gewisse Abfederung bei Stellenabbaumassnahmen in sozialpolitischer Hinsicht sowohl von Unternehmen als auch von den Arbeitnehmenden positiv beurteilt worden ist. Eine zeitliche Staffelung von Restrukturierungsmassnahmen bringt vermutlich beiden Seiten gewisse Vorteile. Da die KOF in ihrer Untersuchung konstatierte, dass von der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung \u2013 wohl haupts\u00e4chlich wegen der zeitlichen Befristung \u2013 keine negativen Strukturerhaltungseffekte ausgehen, musste aus der Kurzarbeit insgesamt auch kaum mit bedeutenden volkswirtschaftlichen Kosten gerechnet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Makro\u00f6konomische Stabilisierungswirkung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie erw\u00e4hnt, spielte die Kurzarbeit besonders in der j\u00fcngsten Krise sowohl f\u00fcr die Unternehmen wie auch f\u00fcr die Arbeitnehmenden eine sehr wichtige Rolle. Durch den drastischen Einbruch der Nachfrage und die gleichzeitig sehr hohen Unsicherheiten auf den Finanzm\u00e4rkten befanden sich viele Industrieunternehmen in kritischen Situationen. Die Kurzarbeit erm\u00f6glichte ihnen, \u00fcbereilte Personalabbaumassnahmen zu begrenzen und gleichwohl rasch Personalkosten einzusparen. Angesichts der weltweit h\u00f6chst unsicheren Aussichten \u00fcber den weiteren Wirtschaftsverlauf war dies f\u00fcr die Unternehmen sehr wertvoll. Auch aus der Sicht der betroffenen Arbeitnehmenden war die Kurzarbeit von grossem Wert. In Anbetracht der Sch\u00e4rfe des Wirtschaftseinbruchs und des raschen Anstiegs der Arbeitslosigkeit war mit stark negativen Auswirkungen auf die Konsumnachfrage zu rechnen, welche die Rezession noch zus\u00e4tzlich h\u00e4tten verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Die Kurzarbeit d\u00fcrfte nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Arbeitnehmenden eine gewisse Sicherheit gegeben haben, die sich sehr wahrscheinlich positiv auf ihre Konsumneigung ausgewirkt hat. Die genannten positiven Effekte der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung f\u00fcr die Unternehmen und die Arbeitnehmenden bewogen den Bundesrat in dieser Krise dazu, den Einsatz von Kurzarbeit sogar noch verst\u00e4rkt zu f\u00f6rdern. Er tat dies im Rahmen der sogenannten Stabilisierungsmassnahmen, welche als Reaktion auf die ausserordentlich schlechte und unsichere Wirtschaftslage ergriffen wurden. Grunds\u00e4tzlich kann die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung innerhalb von zwei Jahren w\u00e4hrend h\u00f6chstens zw\u00f6lf Abrechnungsperioden ausgerichtet werden. In der aktuellen Rezession hat der Bundesrat im Rahmen der zweiten Stufe der Stabilisierungsmassnahmen&#13;<br \/>\nDie Massnahmen zur Konjunkturstabilisierung des Bundes umfassen insgesamt drei Stufen. nach sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung die H\u00f6chstdauer zum Bezug von Kurzarbeitsentsch\u00e4digung mit Wirkung ab 1. April 2009 von 12 auf 18 Monate verl\u00e4ngert. Gleichzeitig hat er den Selbstbehalt der Unternehmen auf generell einen Karenztag pro Monat gesenkt.&#13;<br \/>\nVor der Senkung mussten Unternehmen vom 1. bis 6. Monat der Kurzarbeit zwei Karenztage pro Monat und ab dem 7. Monat drei Karenztage pro Monat zu ihren Lasten \u00fcbernehmen. Mit Wirkung ab dem 1. April 2010 hat der Bundesrat schliesslich die H\u00f6chstdauer zum Bezug von Kurzarbeitsentsch\u00e4digung von 18 noch auf 24 Monate erh\u00f6ht. Diese \u00c4nderung gilt \u2013 wie auch jene \u00fcber die reduzierten Karenztage \u2013 befristet bis am 31. Dezember 2011.Auch auf internationaler Ebene wurde das Instrument der Kurzarbeit in vielen L\u00e4ndern als Stabilisierungsmassnahme neu eingesetzt oder intensiver gef\u00f6rdert. In besonderem Masse geschah dies beispielsweise in Deutschland, wo sich die Exportindustrie (u.a. die Automobilindustrie) enormen Arbeitsausf\u00e4llen gegen\u00fcbersah, die noch ausgepr\u00e4gter waren als jene in der Schweiz.&#13;<br \/>\nBrenke, K.; U. Rinne, K. Zimmermann (2010): Kurzarbeit: N\u00fctzlich in der Krise, aber nun den Ausstieg einleiten, in: Wochenbericht des DIW Berlin, 16\/2010, S. 2\u201313.&#13;<\/p>\n<h2>Instrument bei besonderen Nachfrageausf\u00e4llen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDoch nicht nur eine starke Rezession kann bewirken, dass ganze Wirtschaftszweige pl\u00f6tzlich und unvorhergesehen einen grossen Arbeitsausfall zu beklagen haben. Durch die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung werden auch Arbeitsausf\u00e4lle wegen beh\u00f6rdlicher Massnahmen und anderer nicht vom Unternehmen zu vertretenden Umst\u00e4nden abgedeckt. Als im April des laufenden Jahres der isl\u00e4ndische Vulkan Eyjafjallaj\u00f6kull nach seinem Ausbruch mit \u00fcber Europa treibenden Aschewolken zu tagelangen Luftraumsperrungen f\u00fchrte, betraf dies neben Millionen von Flugpassagieren auch das Personal verschiedenster Branchen wie Flugverkehr, Hotels und Taxis, welche sich mit hohen Arbeitsausf\u00e4llen konfrontiert sahen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung im letzten Jahr hat deutlich gemacht, dass die Kurzarbeit \u2013 je nach Art und Auspr\u00e4gung einer Wirtschaftskrise \u2013 zu den wichtigsten Instrumenten der ALV geh\u00f6ren kann. In der ausgesprochen scharfen, aber relativ kurzen Rezession von 2009, welche die Industrie besonders hart betraf, stehen die Chancen zudem gut, dass die Kurzarbeit tats\u00e4chlich mithilft, gute Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte im letzten Jahr erheblich ged\u00e4mpft werden, und auch als konjunkturelle Stabilisierungsmassnahme spielte die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung \u2013 wie die ALV insgesamt \u2013 eine bedeutende Rolle. Das Instrument trug damit auch dazu bei, dass die Schweiz die Weltwirtschaftskrise bisher besser verkraften konnte als viele andere Industriestaaten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abDurch Kurzarbeit betroffene Arbeitnehmende, Januar 2000\u2013Juni 2010a\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAusfallstunden durch Kurzarbeit, 1993\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Was ist Kurzarbeitsentsch\u00e4digung?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung ersetzt die ALV nach Ablauf der Karenzzeit, welche einen Selbstbehalt in Form einer in jedem Monat zu bestehenden Wartezeit darstellt, 80% der infolge Kurzarbeit aufgetretenen Verdienstausf\u00e4lle. Kurzarbeit bedeutet die durch das Unternehmen im Einverst\u00e4ndnis mit den betroffenen Arbeitnehmenden angeordnete vor\u00fcbergehende Reduktion der vertraglichen Arbeitszeit.Ziel der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung ist es, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten und damit Arbeitslosigkeit zu verhindern. Diese pr\u00e4ventive Zielsetzung liegt im Interesse: \u2212 der Arbeitnehmenden, die w\u00e4hrend der Kurzarbeit weiterhin in einer arbeitsrechtlichen Vertragsbeziehung zum Unternehmen stehen und dabei in den Genuss der vollen vertraglichen Sozialleistungen kommen; \u2212 des Unternehmens, das w\u00e4hrend der Kurzarbeit die bestehenden Strukturen sowie die Belegschaft und damit das Know-how im Betrieb erhalten kann;\u2212 der ALV, da Ganzarbeitslose in der Regel h\u00f6here Kosten verursachen. Der Anspruch auf Kurzarbeitsentsch\u00e4digung ist durch das Unternehmen geltend zu machen. Die jeweilige kantonale Amtsstelle pr\u00fcft, ob die Voraussetzungen der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung gegeben sind, insbesondere ob der Arbeitsausfall auf wirtschaftliche Gr\u00fcnde zur\u00fcckzuf\u00fchren, unvermeidbar und voraussichtlich vor\u00fcbergehend ist sowie ob zu erwarten ist, dass die Arbeitspl\u00e4tze erhalten werden k\u00f6nnen. Damit soll gew\u00e4hrleistet werden, dass nur Unternehmen, welche \u00fcber gesunde Strukturen verf\u00fcgen und in der Lage sind, eine vor\u00fcbergehende konjunkturelle Abschw\u00e4chung zu \u00fcberwinden, unterst\u00fctzt werden. Diesem Ziel dient auch die Regelung, dass Kurzarbeitsentsch\u00e4digung nur w\u00e4hrend einer beschr\u00e4nkten Zeit ausgerichtet werden darf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Weiterbildung w\u00e4hrend der Kurzarbeit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnternehmen k\u00f6nnen mit Einwilligung der jeweiligen kantonalen Amtsstelle die ausfallende Arbeitszeit ganz oder teilweise zur Weiterbildung ihrer von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmenden verwenden. Gegenw\u00e4rtig muss die Weiterbildung Fertigkeiten oder Kenntnisse vermitteln, die der arbeitnehmenden Person auch bei einem Stellenwechsel n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen oder zur Erhaltung des gegenw\u00e4rtigen Arbeitsplatzes unerl\u00e4sslich sind. Derzeit k\u00f6nnen solche Weiterbildungen durch Finanzhilfen des Bundes mitfinanziert werden. M\u00f6glich wurde dies aufgrund des im Rahmen der dritten Stufe der Stabilisierungsmassnahmen geschaffenen Bundesgesetzes \u00fcber befristete konjunkturelle Stabilisierungsmassnahmen in den Bereichen des Arbeitsmarkts, der Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Kaufkraft vom 25. September 2009. Das Gesetz ist seit dem 1. Januar 2010 in Kraft und bis 31. Dezember 2011 befristet. Weiter haben nach diesem Bundesgesetz Arbeitnehmende von Betrieben in Kurzarbeit die M\u00f6glichkeit, w\u00e4hrend der ausfallenden Arbeitszeit Eins\u00e4tze in Forschung und Lehre an Hochschulen zu leisten. Damit erhalten die Arbeitnehmenden die Chance, neues Wissen zu erwerben, und in den Unternehmen k\u00f6nnen so unter Umst\u00e4nden Innovationen angeregt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2009 durchlief die Schweiz die sch\u00e4rfste Rezession seit den 1970er-Jahren. 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