{"id":121171,"date":"2010-10-01T12:00:00","date_gmt":"2010-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/10\/schluep-campo-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:33","slug":"schluep-campo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/10\/schluep-campo\/","title":{"rendered":"Was ist Globalisierung \u2013 und wie hat sie sich entwickelt?"},"content":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Artikel diskutiert in einem historischen Kontext grunds\u00e4tzliche Fragen rund um die Globalisierung. Es zeigt sich, dass \u00fcberregionale Wirtschaftsbeziehungen schon lange vor dem Zeitalter der Globalisierung bestanden haben, aber auch, dass ein R\u00fcckzug auf nationale Wirtschaften dramatische Folgen haben kann. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008\/09 hat die Gewichtsverschiebungen in der Weltwirtschaft hin zu den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern beschleunigt. Die grosse Herausforderung f\u00fcr die traditionellen Industriel\u00e4nder besteht darin, trotz drohendem Verlust an Einfluss und Wohlstand am Kurs der wirtschaftlichen \u00d6ffnung festzuhalten. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201010_04_Schluep-Campo_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"260\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGlobalisierung ist zum Alltagsbegriff geworden und aus der \u00f6ffentlichen Debatte nicht mehr wegzudenken. Der Begriff ist vielschichtig, ambivalent und politisch umstritten. Dennoch lassen sich damit Gegenwartsprobleme erkl\u00e4ren oder zumindest umschreiben. Allerdings besteht keine Einigkeit dar\u00fcber, was darunter zu verstehen ist. Wir halten uns an den Begriff von <i>Dieter<\/i>&#13;<br \/>\nDieter Heribert (2003): Chancen und Risiken f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder. In: Informationen zur politischen Bildung, Nr. 280, S. 34\u201338., der Globalisierung als einen Prozess der ausserordentlichen Zunahme von Interaktionen in einer transnationalen Dimension bezeichnet. Darunter versteht er die Zunahme von Volumen und Frequenzen des Austausches von Menschen, G\u00fctern, Kapital und Ideen \u00fcber die Grenzen von Nationalstaaten hinweg. Diese zunehmende weltweite Verflechtung umfasst alle Bereiche wie etwa Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation; sie erfolgt zudem auf allen Ebenen (Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten). Als wesentliche Ursachen der Globalisierung gelten der technische Fortschritt \u2013 insbesondere in den Kommunikations- und Transporttechniken \u2013 sowie die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels. Die Internationalisierung gilt als Vorstufe zur Globalisierung. Globalisierung ist eine weitergehende und komplexere Form der Internationalisierung im Sinne einer gesteigerten Verflechtung in allen Bereichen.&#13;<\/p>\n<h2>Vorgeschichte der Globalisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Anf\u00e4nge der Internationalisierung in Form eines \u00fcberregionalen wirtschaftlichen Austausches liegen weit vor Christi Geburt zur\u00fcck.&#13;<br \/>\nF\u00fcr eine \u00dcbersicht siehe: Michael Kutschker und Stefan Schmid (2008): Internationalisierung der Wirtschaft als historisches Ph\u00e4nomen. In: Internationales Management, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, M\u00fcnchen. Die Assyrer, \u00c4gypter, Griechen und R\u00f6mer sind bekannt f\u00fcr Handelsaktivit\u00e4ten.&#13;<br \/>\nAuch medizinisches Wissen breitete sich entlang der Handelsrouten aus. In der Antike beeinflussten sich indische, persische und griechische Medizin gegenseitig. Die Einf\u00fchrung von Gold, Silber und M\u00fcnzen erm\u00f6glichte das \u00abWare-gegen-Geld-Gesch\u00e4ft\u00bb und l\u00f6ste den Tauschhandel ab. Nach dem Zerfall des R\u00f6mischen Reichs schw\u00e4chten sich die Handelsgesch\u00e4fte deutlich ab. In Europa kam es erst ab dem 12. Jahrhundert wieder zu einer Belebung des \u00fcberregionalen Handels, was unter anderem zur Entstehung der Hanse f\u00fchrte. Gesamteurop\u00e4ische Handelst\u00e4tigkeiten gingen im 16. Jahrhundert etwa von den Fuggern aus, die mit Tuch, Kupfer oder Juwelen handelten. Sie waren auch im Bergbau in verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern aktiv. Dabei handelte es sich um eine fr\u00fche Form ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen. Bekannt sind auch die Medici in Italien, wo Bankendynastien den Aufschwung des Handels begleiteten. Sp\u00e4testens mit den Entdeckungsreisen ab dem 15. Jahrhundert und der Kolonialzeit institutionalisierte sich der internationale Handel mit den sogenannten \u00dcberseegesellschaften, wie der zu Beginn des 17. Jahrhundert gegr\u00fcndeten <i>British East-India Company<\/i>.&#13;<\/p>\n<h2>Die erste Globalisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Globalisierung im Sinne von relativ hohen Kapitalbewegungen, starker Migration und relativ hohem Aussenhandel ist bereits in den 1870er-Jahren vorhanden.&#13;<br \/>\nSiehe Paul J. J. Welfens (2008) Grundlagen der Wirtschaftspolitik, Institutionen &#8211; Makro\u00f6konomik \u2013 Politikkonzepte. Springer-Verlag, Berlin und Heidelberg. 1860 war im <i>Cobden-Chevalier-Vertrag<\/i> der Handel zwischen England und Frankreich liberalisiert worden, worauf andere L\u00e4nder dem Freihandel folgten. Grossbritannien war um 1900 die global f\u00fchrende Wirtschaftsmacht mit einem international f\u00fchrenden Bankenzentrum und einer Zentralbank. In den 1870er-Jahren traten mit Deutschland und den USA zwei wichtige L\u00e4nder dem Goldstandard bei. Die L\u00e4nder des Goldstandards banden die Ausgabe der W\u00e4hrung an vorhandene Goldbest\u00e4nde, wobei bilaterale Zahlungsbilanzungleichgewichte \u2013 z.B. Land A f\u00fchrt wertm\u00e4ssig mehr Waren aus als es importiert \u2013 durch Goldzahlungen des Defizit- an das \u00dcberschussland zu kompensieren waren. Die Goldbindung machte Inflationspolitik fast unm\u00f6glich, was zu einem grossen Vertrauen der Kapitalanleger in alle Goldstandard-L\u00e4nder beitrug. Grosse internationale Kapitalbewegungen kurzfristiger und langfristiger Art wurden dadurch beg\u00fcnstigt. Direktinvestitionen erfolgten Ende des 19. Jahrhunderts bis 1914 \u2212 im Gegensatz zu heute \u2212 zu \u00fcber der H\u00e4lfte im Rohstoffsektor. Gesch\u00e4tzte 30% aller weltweiten Direktinvestitionen wurden im Dienstleistungsbereich get\u00e4tigt, hingegen nur etwa 15% im Produktionsbereich.&#13;<br \/>\nZahlen zu Direktinvestitionen aus Kutschker und Schmid. Der weltweite Handel nahm trotz der Tendenz zu vermehrten Direktinvestitionen keineswegs ab. Zwischen 1870 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird von einer durchschnittlichen Zunahme des Welthandelsvolumens von 3,5% pro Jahr ausgegangen. Insbesondere die Aussicht auf ein besseres Leben in der Neuen Welt f\u00fchrte \u2212 neben weiteren Faktoren \u2212 dazu, dass in den rund 50 Jahren vor dem Ersten Weltkrieg fast 60 Mio. Europ\u00e4er emigrierten. F\u00fcr die Zeit zwischen etwa 1850 und 1914 hat sich die Bezeichnung \u00aberste Globalisierung\u00bb eingeb\u00fcrgert. Allerdings gab es selbst im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert Widerst\u00e4nde und Gegentendenzen zur Globalisierung. Ein solches Beispiel ist der Agrarprotektionismus des Wilhelminischen Kaiserreiches.&#13;<\/p>\n<h2>Globalisierungskrise nach 1914<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Erste Weltkrieg unterbrach eine lange Expansionsphase der Weltwirtschaft. Der Goldstandard brach zusammen, da die europ\u00e4ischen L\u00e4nder zu einer inflation\u00e4ren Kriegsfinanzierung \u00fcbergingen. Die stabilit\u00e4tsf\u00f6rdernde Bindung der Geldemission an die Goldbest\u00e4nde wurde aufgegeben. Die Zwischenkriegszeit war dann von Protektionismus und Abwertungswettl\u00e4ufen gepr\u00e4gt. So fiel die Exportquote Grossbritanniens deutlich. Erst in den 1970er-Jahren wurden in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wieder \u00e4hnlich hohe Exportquoten wie in der fr\u00fchen Globalisierung erreicht. Auf den Ersten Weltkrieg folgte ein kurzer Nachkriegsboom, die Weltwirtschaftskrise von 1921\/22 und ein neuer Aufschwung, der bis 1929 anhielt. F\u00fcr die ungew\u00f6hnliche Sch\u00e4rfe und Dauer der Weltwirtschaftskrise von 1929\u20131939 spielte unter anderem der Zusammenbruch des Welthandels eine wichtige Rolle. Bei den ersten Anzeichen eines Konjunkturumschwungs versuchten viele Regierungen, Produktion und Besch\u00e4ftigung durch eine aktive Aussenwirtschaftspolitik mit Importrestriktionen und Exportf\u00f6rderung zu stabilisieren. Eine allgemeine Tendenz zu Zollerh\u00f6hungen und kompetitiven W\u00e4hrungsabwertungen war die Folge. Protektionismus in Verbindung mit konjunkturellen Faktoren f\u00fchrten zum Zusammenbruch des Welthandels. Ein weiterer Faktor war die Schuldenkrise. In den 1920er-Jahren waren die amerikanischen Kapitalexporte zu einem Stabilit\u00e4tsanker des internationalen W\u00e4hrungssystems geworden, \u00e4hnlich wie die britischen Kapitalexporte des 19. Jahrhunderts. Umfangreiche Kapitalimporte aus den USA erm\u00f6glichten es dem Deutschen Reich, Reparationen zu zahlen. Die Reparationsgl\u00e4ubiger finanzierten mit diesen Transfereinnahmen ihre eigenen Kriegsschulden gegen\u00fcber den USA. Steigende Zinsen in den USA, die durch den B\u00f6rsenboom bedingt waren, und der B\u00f6rsenkrach von 1929 brachten die amerikanischen Kapitalexporte v\u00f6llig zum Erliegen. Die Folgen waren eine allgemeine Schuldenkrise, Bankenkrisen, Zahlungsbilanzkrisen und ein R\u00fcckgang des Aussenhandels. Die Aufl\u00f6sung des internationalen Wirtschaftssystems brachte einen Zerfall des internationalen politischen Systems mit sich. Dies f\u00f6rderte nationalistische Bewegungen, Autarkiebestrebungen und Aggression. Trotz allen Krisen und R\u00fcckschl\u00e4gen konnten aber auch in der Zwischenkriegszeit weltweite Integrationsprozesse beobachtet werden: von der Entstehung einer globalen Medienindustrie bis hin zu den Versuchen, mit Hilfe des V\u00f6lkerbundes eine multipolare Weltordnung zu erreichen, die auf friedlicher Kooperation und wirtschaftlichem Austausch beruhte. Welfens kommt zum Schluss, dass es eine klare Lehre aus den internationalen Wirtschaftsbeziehungen der Zeit von 1860\u20132000 gibt: n\u00e4mlich die Einsicht, dass die Zwischenkriegszeit mit ihrer Mischung aus Protektionismus, Abwertungswettl\u00e4ufen und Nationalismus \u2013 und dem Fehlen global aktiver internationaler Organisationen \u2013 zu Not und Elend gef\u00fchrt sowie am Ende zum Zweiten Weltkrieg beigetragen haben.&#13;<\/p>\n<h2>Globalisierung und Globalisierungskrise heute<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zeitliche Dimension der ersten Globalisierungskrise war ganz anders als heute. Wenn wir heute von einer Globalisierungskrise sprechen, so meinen wir keine kompakte langandauernde Krise, sondern eine Sequenz von ineinander \u00fcbergreifenden wirtschaftlichen Krisen und Destabilisierungen in verschiedenen Regionen der Welt, mit wechselnder Intensit\u00e4t und mit wechselnden Schaupl\u00e4tzen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008\/09 hat bis jetzt geografisch die gr\u00f6sste Ausbreitung erreicht und die Gewichtsverschiebungen in der Weltwirtschaft beschleunigt. Einerseits haben Schwellen- und einige Entwicklungsl\u00e4nder weiterhin hohe Wachstumsraten und hohe Devisenreserven. Andererseits sind die Industriestaaten zwar immer noch die gr\u00f6ssten Geldgeber \u2212 z.B. beim Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) oder bei der Weltbank. Aber in vielen Industriestaaten schrumpft die Wirtschaftsleistung, und die Devisenreserven sind \u2013 verglichen mit China, Brasilien oder Indien \u2013 klein. Das ist auch auf Wachstumsraten zur\u00fcckzuf\u00fchren, die schon vor der Krise tief waren. Die Haushaltslage in verschiedenen Industriestaaten ist zudem ungleich schlechter als in den aufstrebenden Schwellenl\u00e4ndern. Dank des Wachstums in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern kann dort die Armut reduziert werden. Industriel\u00e4nder m\u00fcssen in Zukunft mit einem Bedeutungs- und Wohlstandsverlust rechnen, was nicht zuletzt in protektionistische Abwehrreaktionen m\u00fcnden k\u00f6nnte. Unz\u00e4hlige Herausforderungen harren einer L\u00f6sung, die f\u00fcr die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und das Wohlergehen gerade auch in Industriel\u00e4ndern zentral sind: Die Problematik des Nebeneinanders von flexiblen und festen Wechselkursen in einer offenen Weltwirtschaft, die sich abzeichnende Wachstumsschw\u00e4che in den USA, Probleme im Euro-Verbund, Haushaltsprobleme, die starke Alterung und damit verbunden die ungewisse Finanzierung der Sozialwerke, reformbed\u00fcrftige Gesundheitswesen, um nur einige zu nennen. Der Fall Japan zeigt, dass die Politik des billigen Geldes <i>(Deficit Spending)<\/i> auch \u00fcber 20 Jahre hinweg das Land nicht aus dem Wachstumstief herausheben konnte. Nur mit tief greifenden Strukturreformen k\u00f6nnen die Industriestaaten den drohenden Bedeutungs- und Wohlstandsverlust abwenden.&#13;<\/p>\n<h2>Was w\u00e4re ohne die Globalisierung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Ausmass der Globalisierung ist viel gr\u00f6sser als je zuvor. Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation oder Essgewohnheiten sind betroffen. Das muss aber nicht heissen, dass das Globale das Lokale verdr\u00e4ngt. Eine Studie zur Popmusik zeigt, dass der internationale Musikhandel \u2013 insbesondere amerikanische Titel \u2013 weder die lokale Musikproduktion noch den Konsum lokaler Musik verdr\u00e4ngt haben. Kleinere L\u00e4nder wie z.B. Schweden profitieren im Gegenteil \u00fcberproportional vom Musikhandel.&#13;<br \/>\nFernando Ferreira und Joel Waldfogel (2010): Pop Internationalism: Has A Half a Century of World Music Trade Displaced Local Culture? NBER Working Papers 15964, Mai. Schulmedizinische Konzepte werden je nach Land h\u00f6chst unterschiedlich aufgefasst und so den lokalen Gegebenheiten angepasst. Die chinesische Gesundheitspolitik, die sich einer Integration von traditioneller chinesischer Medizin und westlicher Schulmedizin verschreibt, oder die ver\u00e4nderte Strategie der Weltgesundheitsorganisation zur Nutzung indigener Medizin sprechen gegen eine globale medizinische Einheitskultur.&#13;<br \/>\nRobert Frank (2004): Globalisierung \u00abalternativer\u00bb Medizin. Hom\u00f6opathie und Ayurveda in Deutschland und Indien. Transcript Verlag, 307 Seiten. Die Rolle der Informationstechnologie sticht in der derzeitigen Globalisierungswelle besonders hervor (Internet, Handy, Abwickeln verschiedenster Dienstleistungen auf elektronischem Weg etc.). Globalisierung ist allerdings nicht irreversibel. Vielmehr ist sie eine Wahl der einzelnen L\u00e4nder. Es gibt Beispiele von L\u00e4ndern, die sich bewusst abschotten (z.B. Myanmar). Die Folgen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bleiben nicht aus: Autarke Volkswirtschaften sind oft auch Mangelwirtschaften, tiefe Einkommen beschr\u00e4nken die Reiset\u00e4tigkeit, der Zugang zu globalen Medien wie dem Internet wird oft ebenfalls eingeschr\u00e4nkt. Veraltete Technologien oder Umweltverschmutzung k\u00f6nnen die Volksgesundheit beeintr\u00e4chtigen. Das heisst aber nicht, dass L\u00e4nder, die der Globalisierung offen gegen\u00fcberstehen, auch erfolgreich sind, und die Bev\u00f6lkerung bis in die Peripherie hin von der Globalisierung profitiert. Es gibt verschiedene Bedingungen, die erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, damit die Globalisierung gelingt. Der Artikel von <i>Abdulai und Dithmer<\/i> in dieser Ausgabe geht auf die Rahmenbedingungen einer erfolgreichen Globalisierung ein. Auch <i>Hauser<\/i>&#13;<br \/>\nHeinz Hauser (2010): Aussenhandel: Unabh\u00e4ngigkeit als Marktvorteil. In: Souver\u00e4nit\u00e4t im H\u00e4rtetest, Avenir Suisse. weist darauf hin, dass die Globalisierung und die damit verbundene Mobilit\u00e4t von Unternehmensfunktionen, Kapital und qualifiziertem Personal die Bedeutung einer guten nationalen Wirtschaftspolitik f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung erh\u00f6ht und nicht reduziert. Machen die Nationalstaaten ihre Hausaufgaben, gewinnen sie mit der Globalisierung noch an Bedeutung. Wichtig dabei ist das Abstellen auf den Wettbewerb um mobile Faktoren. K\u00f6nnen Industriestaaten ihre Hausaufgaben nicht l\u00f6sen, droht der Verlust an Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Das w\u00e4re wohl nicht das Ende der Globalisierung in diesen L\u00e4ndern. Ein Abgleiten in eine Situation wie in der grossen Depression \u2212 mit einem \u00f6konomischen und politischen Kollaps \u2212 ist fast nicht vorstellbar. Die Welthandelsorganisation (WTO) tr\u00e4gt dazu bei, dass sich der Protektionismus nicht fl\u00e4chendeckend ausbreitet. Die Europ\u00e4ische Gemeinschaft wurde mit dem Vertrag von Maastricht zur Europ\u00e4ischen Union ausgebaut, die sich laufend erweitert. Freihandelsabkommen \u2013 wie das North American Free Trade Agreement (Nafta), die Europ\u00e4ische Freihandelszone (Efta) \u2013 sowie die Vereinten Nationen tragen dazu bei, dass das wirtschaftliche und politische internationale \u00abGer\u00fcst\u00bb robuster geworden ist. In diesem Sinne droht vor allem ein Verlust an Wohlstand, wenn die Industriel\u00e4nder die oben anget\u00f6nten Probleme nicht bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Ein grunds\u00e4tzlicher Verlust bisheriger Errungenschaften ist wenig wahrscheinlich, sofern die L\u00e4nder weiterhin der \u00d6ffnung verpflichtet bleiben. Eine Welt ohne Kaffee oder Kakao zum Fr\u00fchst\u00fcck, ohne die in Fernost gefertigten Computer, Handys und Textilien, ohne Exportm\u00f6glichkeiten f\u00fcr unsere Uhren oder pharmazeutischen Produkte, ohne internationale Bank- und Transportdienstleistungen, ohne ausl\u00e4ndisches Personal in unseren Spit\u00e4lern ist nicht vorstellbar \u2013 oder?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Artikel diskutiert in einem historischen Kontext grunds\u00e4tzliche Fragen rund um die Globalisierung. Es zeigt sich, dass \u00fcberregionale Wirtschaftsbeziehungen schon lange vor dem Zeitalter der Globalisierung bestanden haben, aber auch, dass ein R\u00fcckzug auf nationale Wirtschaften dramatische Folgen haben kann. 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