{"id":121181,"date":"2010-10-01T12:00:00","date_gmt":"2010-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/10\/walker-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:20","slug":"walker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/10\/walker\/","title":{"rendered":"Die Entwicklung atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2008 waren 3,3% aller Erwerbst\u00e4tigen in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen besch\u00e4ftigt. 2002 waren es noch 2,9%. Vor allem die befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Arbeit auf Abruf haben seither zugenommen. Besonders h\u00e4ufig arbeiten Frauen, junge Erwachsene, Ausl\u00e4nder und Personen mit tiefer Bildung in Verh\u00e4ltnissen, die als atypisch-prek\u00e4r einzustufen sind. Die Durchl\u00e4ssigkeit auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch hoch, und die Betroffenen bleiben h\u00e4ufig nur kurz in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchon seit mehreren Jahren sind flexible und nicht traditionelle Arbeitsformen \u2013 wie Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse, Arbeit auf Abruf und Tempor\u00e4rarbeit \u2013 ein fester Bestandteil des schweizerischen Arbeitsmarkts. Mit diesen neueren Formen von Arbeitsverh\u00e4ltnissen reagiert die Arbeitswelt auf einen sowohl in der Wirtschaftswelt als auch in der Gesellschaft zu beobachtenden Wandel zu mehr Kurzfristigkeit und Flexibilit\u00e4t. Aus gesellschaftlicher Sicht sind flexible Arbeitsverh\u00e4ltnisse auch nicht grunds\u00e4tzlich kritisch zu beurteilen, sondern k\u00f6nnen Arbeitgebern wie Arbeitnehmenden mehr Freiraum geben. Gewisse flexible Arbeitsformen wie Teilzeitarbeit geniessen gar eine gute Reputation. Kritisch sind die Arbeitsverh\u00e4ltnisse hingegen dann, wenn die Arbeitnehmenden einer betr\u00e4chtlichen Unsicherheit ausgesetzt sind, ohne daf\u00fcr ausreichend abgegolten zu werden. Diese spezielle Auspr\u00e4gung nicht traditioneller Arbeitsverh\u00e4ltnisse wird in der Literatur als prek\u00e4r oder atypisch-prek\u00e4r bezeichnet. Atypisch-prek\u00e4r sind Arbeitsverh\u00e4ltnisse dann, wenn mit dem Arbeitsverh\u00e4ltnis f\u00fcr Arbeitnehmende eine gewisse Unsicherheit (vgl. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Literatur besteht keine einheitliche Definition von atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen. H\u00e4ufig wird allerdings Unsicherheit als deren zentrales Merkmal aufgef\u00fchrt. Analog dazu definieren wir ein Arbeitsverh\u00e4ltnis dann als atypisch-prek\u00e4r, wenn relative Unsicherheit vorhanden ist, die nicht erw\u00fcnscht ist. Um atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse in den Daten zu identifizieren, muss diese Definition entsprechend operationalisiert werden. Die Unsicherheiten werden dabei \u00fcber die verschiedenen Formen von atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnissen definiert (siehe auch <i>Kasten 2<\/i>). Die Operationalisierung von \u00abunerw\u00fcnscht\u00bb erfolgt \u00fcber das Einkommen. Dabei wird davon ausgegangen, dass ab einem bestimmten Einkommen die Unsicherheit bewusst akzeptiert wird. Konkret wird ein Arbeitsverh\u00e4ltnis in der vorliegenden Studie dann als atypisch-prek\u00e4r identifiziert, wenn es eine Form von Unsicherheit aufweist und das Einkommen kleiner ist als 60% des Medianlohns oder wenn es mehrere Formen von Unsicherheiten aufweist und das Einkommen unter dem Medianlohn liegt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nund <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Vermehrt zeitliche Unsicherheit aufgrund befristeter Anstellung oder unsicherer Einsatzplanung. Beispiele: Tempor\u00e4rarbeit, befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Zeitliche Unsicherheit<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Unsicheres Einkommen aufgrund von Unterbesch\u00e4ftigung oder variablen L\u00f6hnen (z.B. aufgrund nicht gesicherter Arbeitsvolumen). Beispiele: Arbeit auf Abruf, Heimarbeit (ohne vertragliche Stundenzahl), Unterbesch\u00e4ftigung bei Teilzeitarbeit.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">\u00d6konomische Unsicherheit<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Schlechte oder fehlende Schutzbestimmungen. Beispiel: Scheinselbstst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>) verbunden ist und das erzielte Einkommen unterhalb einer bestimmten Mindestgrenze liegt. Erste empirische Grundlagen \u00fcber die Verbreitung atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz wurden im Jahr 2001 von Caritas&#13;<br \/>\nVgl. Caritas (2001). und 2003 von Ecoplan&#13;<br \/>\nVgl. Ecoplan (2003). erarbeitet. In einer neuen Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) hat Ecoplan nun die weitere Entwicklung solcher Arbeitsverh\u00e4ltnisse seit 2001 analysiert.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Stand atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse im Jahr 2008<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Im Jahr 2008 waren rund 140&nbsp;000 Personen oder 3,3% aller erwerbst\u00e4tigen Personen in einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig. Von den verschiedenen Arten von atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnissen, die als atypisch-prek\u00e4r bezeichnet werden, sind Arbeit auf Abruf und befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse (max. 1 Jahr) besonders h\u00e4ufig: Insgesamt sind rund 56&nbsp;000 Personen in Arbeit auf Abruf und 59&nbsp;000 Personen in befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnissen t\u00e4tig. Weniger bedeutsam sind hingegen Heimarbeit (20 000 Personen), Unterbesch\u00e4ftigung (14 000 Personen), Tempor\u00e4rstellen (9000 Personen) sowie Formen neuer Selbstst\u00e4ndigkeit (7000). Dabei muss ber\u00fccksichtigt werden, dass ein Arbeitsverh\u00e4ltnis mehrere atypische Formen aufweisen kann und die Zahlen zu den einzelnen Formen Mehrfachz\u00e4hlungen enthalten.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Zunahme seit 2002<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Arbeit auf Abruf sind wesentlich f\u00fcr den Anstieg der atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse in den vergangenen Jahren verantwortlich. Im Jahr 2002 waren 2,9% aller erwerbst\u00e4tigen Personen in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen t\u00e4tig. Nach einem leichten Anstieg im Jahr 2003 sank der Anteil dieser Arbeitsverh\u00e4ltnisse im 2004 auf 2,7%. Seither sind sie stetig bis auf 3,3% im Jahr 2008 angestiegen. Der Anstieg seit 2004 ist auf die Zunahme von Arbeit auf Abruf (+15% zwischen 2004 und 2008) und auf die befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnisse (+50% im selben Zeitraum) zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Praktika auf dem Vormarsch<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Eine genauere Auswertung der befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnisse zeigt, dass von den verschiedenen Formen der Befristungen vor allem Praktikumsstellen (inkl. Volontariate) als atypisch-prek\u00e4r eingestuft werden m\u00fcssen. Sie sind von der Anzahl her die bedeutendste Form innerhalb der atypisch-prek\u00e4ren befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnisse und haben in den vergangenen Jahren zudem stark zugenommen. Bereits 2004 war jede dritte befristete und atypisch-prek\u00e4re Arbeitsstelle ein Praktikum; seither ist dieser Anteil auf 43% angestiegen. Insgesamt wurden gem\u00e4ss unseren Auswertungen seit 2004 13&nbsp;000 neue Praktikumsstellen geschaffen, welche unter die Definition atypisch-prek\u00e4r fallen. Somit sind rund zwei Drittel der neuen befristeten und atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse seit 2004 den Praktika zuzuschreiben.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Wer arbeitet in einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis?<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Mit Hilfe einer deskriptiven Auswertung der Daten der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) und einer Panel-Probit-Sch\u00e4tzung wurde ermittelt, welche Personengruppen h\u00e4ufiger in einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig sind und aufgrund welcher Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit steigt, in einem solchen zu arbeiten (Risikoprofile).<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Besonders wichtige Faktoren: Alter und Geschlecht<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Insbesondere das Geschlecht und das Alter haben diesbez\u00fcglich einen entscheidenden Einfluss. Insgesamt sind 4,5% aller erwerbst\u00e4tigen Frauen und knapp 2% aller erwerbst\u00e4tigen M\u00e4nner in einem solchen Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig. Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sind zudem deutlich h\u00e4ufiger in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen zu finden als andere Altersgruppen, wobei gerade in dieser Altersgruppe der Anteil in den letzten Jahren von knapp \u00fcber 6% auf \u00fcber 9% angestiegen ist.Bei den <i>M\u00e4nnern<\/i> stehen vor allem Junge und Ledige h\u00e4ufig in einem solchen Arbeitsverh\u00e4ltnis. Es bietet den jungen M\u00e4nnern die M\u00f6glichkeit einer individuellen Lebensplanung. So stellen beispielsweise Tempor\u00e4rstellen eine M\u00f6glichkeit dar, eine bestimmte Zeitspanne zwischen Weiterbildung, milit\u00e4rischer Ausbildung und anderen Projekten zu \u00fcberbr\u00fccken oder aus der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Sobald ein Mann jedoch Familie hat, zeigt sich empirisch, dass der Wunsch nach einem gesicherten Lebenseinkommen den Nutzen der h\u00f6heren Flexibilit\u00e4t deutlich \u00fcberwiegt.Bei jungen <i>Frauen<\/i> sind atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse aus den gleichen Gr\u00fcnden wie bei den jungen M\u00e4nnern eher akzeptiert. Im Gegensatz zu den M\u00e4nnern ist die Wahrscheinlichkeit einer atypisch-prek\u00e4ren Arbeit aber auch nach der Heirat und der Familiengr\u00fcndung relativ hoch. Ursache daf\u00fcr sind die subjektiv wahrgenommenen fehlenden Handlungsoptionen nach der Geburt von Kindern, wenn es darum geht, berufst\u00e4tig zu sein. Die regelm\u00e4ssige Beanspruchung externer Kinderbetreuung erweitert jedoch diesen Handlungsspielraum und erleichtert den Einstieg in ein Normalarbeitsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Weitere unterscheidende Merkmale<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Zus\u00e4tzlich zeigen sich auch in folgenden Punkten Unterschiede bez\u00fcglich atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse:\u2013 <i>Nationalit\u00e4t:<\/i> In der Schweiz sesshafte Ausl\u00e4nder sind nur geringf\u00fcgig h\u00e4ufiger in einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig als Schweizer (3,5%\u20134% gegen\u00fcber 2,5%\u20133%). Allerdings sind im verwendeten Datensatz Kurzaufenthalter, Grenzg\u00e4nger und Asylbewerber nicht ber\u00fccksichtigt. Gerade bei Kurzaufenthaltern sind atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse besonders h\u00e4ufig. \u2013 <i>Bildung:<\/i> Mit steigender Bildung sinkt der Anteil der Personen in einer atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsstelle. W\u00e4hrend im Jahr 2008 beinahe 6,7% aller Personen mit Sekundarstufe I als h\u00f6chstem Abschluss in einem solchen Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig waren, betrug dieser Anteil bei den Personen mit Abschluss auf der Terti\u00e4rstufe nur gerade 1,7%. Allerdings ist er bei j\u00fcngeren Personen mit terti\u00e4rer Bildung von gut 1% im Jahr 2002 auf 2% im Jahr 2008 gestiegen.\u2013 <i>Sprachregionen:<\/i> Der Anteil der Personen in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen den Sprachregionen.\u2013 <i>Zivilstand:<\/i> Ledige Personen sind auf den ersten Blick h\u00e4ufiger in einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis als verheiratete Personen. Eine detailliertere Untersuchung zeigt allerdings, dass dies auf den Umstand zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass Ledige zumeist j\u00fcnger sind. Im Alter zwischen 30 und 50 Jahren sind verheiratete Frauen (4,5%\u20135% aller erwerbst\u00e4tigen verheirateten Frauen) h\u00e4ufiger in einem atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig als ledige Frauen. Bei den M\u00e4nnern in derselben Altersgruppe arbeiten Ledige h\u00e4ufiger in solchen Verh\u00e4ltnissen, wobei der Anteil mit 0,7%\u20131,4% nur marginal h\u00f6her ist als bei verheirateten M\u00e4nnern in diesem Alter.\u2013 <i>Wirtschaftsklasse:<\/i> Atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse sind nicht in allen Branchen gleich h\u00e4ufig anzutreffen. \u00dcberdurchschnittlich hoch ist der Anteil dieser Stellen im Gastgewerbe, in den pers\u00f6nlichen Dienstleistungen und in privaten Haushalten anzutreffen. Besonders selten sind sie in der Kredit- und Versicherungsbranche zu finden. Tendenziell haben atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse in allen Branchen eher zugenommen. Die Anteile in der Land- und Forstwirtschaft, im Gast- sowie im Baugewerbe werden von der Sake untersch\u00e4tzt, da die in diesen Bereichen besonders h\u00e4ufigen Kurzaufenthalter in der Sake nicht erhoben werden.Die Ergebnisse der multivariaten Sch\u00e4tzung best\u00e4tigen die Beobachtungen der deskriptiven Statistik. Alle der oben aufgef\u00fchrten Indikatoren zeigen einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person in einer atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsstelle t\u00e4tig ist. Im Jahr 2008 betrug diese Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen 40- bis 54-j\u00e4hrigen ledigen Schweizer Mann ohne Kinder aus dem deutschsprachigen Raum und mit einem mittleren Bildungsabschluss, der f\u00fcr die \u00f6ffentliche Verwaltung t\u00e4tig ist, ca. 1%. Handelte es sich um eine Frau mit sonst gleichen Merkmalen, betrug die Wahrscheinlichkeit 2,7%, bei einer Ausl\u00e4nderin gar 3,5% (Ausl\u00e4nder 1,4%). Mit anderen Worten: Besonders gef\u00e4hrdet von atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen sind Frauen, Jugendliche, Ausl\u00e4nder und Personen mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe I.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Verweildauer in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">In der Sake-Erhebung werden \u00fcber f\u00fcnf Jahre die gleichen Personen befragt. Dieser Umstand erm\u00f6glicht eine approximative Aussage dar\u00fcber, wie lange eine Person in einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig ist. Wie die Analyse zeigt, verbleiben nur 12%\u201317% der von atypisch-prek\u00e4rer Arbeit betroffenen Personen w\u00e4hrend des gesamten Befragungszeitraums von 5 Jahren mehr als ein Jahr in einem solchen Arbeitsverh\u00e4ltnis. Der Anteil von Personen mit einer Verweildauer von drei oder mehr Jahren liegt deutlich unter 4%. Weiter zeigen diese Auswertungen, dass das atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnis h\u00e4ufig als \u00dcbergang von der Erwerbs- bzw. Arbeitslosigkeit in ein Normalverh\u00e4ltnis oder zwischen zwei Normalarbeitsverh\u00e4ltnissen ausge\u00fcbt wird. Gut 60% derjenigen, die aus der Erwerbslosigkeit oder der Arbeitslosigkeit ein solches Arbeitsverh\u00e4ltnis eingehen, wechseln anschliessend in ein Normalarbeitsverh\u00e4ltnis. Arbeitnehmende, die bereits vor dem atypisch-prek\u00e4ren in einem Normalarbeitsverh\u00e4ltnis t\u00e4tig waren, wechseln sogar zu gut 80% wieder in ein Normalarbeitsverh\u00e4ltnis zur\u00fcck. Insgesamt deuten die Zahlen darauf hin, dass im Schweizer Arbeitsmarkt eine hohe Durchl\u00e4ssigkeit vorhanden ist.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Abnehmender konjunktureller Zusammenhang<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Aus Sicht der Arbeitsmarktpolitik stellen sich die Fragen, ob atypisch-prek\u00e4re Arbeitsformen l\u00e4ngerfristig zunehmen und wie stark der Einfluss der Konjunktur auf diese Entwicklung ist. Die Daten der 1990er-Jahre deuten auf eine konjunkturell bedingte Entwicklung der atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse hin. Die bis ca. 2002 beobachtbare parallele Entwicklung zwischen Arbeitslosigkeit und atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen gilt jedoch f\u00fcr die sp\u00e4teren Jahre nicht mehr. Trotz der Konjunkturbelebung nehmen die atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse seit 2004 nicht mehr ab, sondern weiterhin \u2013 wenn auch leicht abgeschw\u00e4cht \u2013 zu. Dies ist \u00fcberwiegend auf die steigende Zahl von Praktikumsstellen und Arbeit auf Abruf zur\u00fcckzuf\u00fchren. Eine trendm\u00e4ssige Zunahme atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse und insbesondere von Praktika ist schon seit einiger Zeit z.B. in Deutschland beobachtbar. Das statistische Bild in der Schweiz l\u00e4sst aber heute noch keine eindeutige Aussage zu, ob auch im hiesigen Arbeitsmarkt ein entsprechender Trend vorhanden ist.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"c4\">Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Die im Artikel vorgestellte Studie liefert weitere wichtige empirische Grundlagen zur Verbreitung und Entwicklung von atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen in der Schweiz. Ob diese Arbeitsverh\u00e4ltnisse gesellschaftlich oder wirtschaftlich erw\u00fcnscht sind, k\u00f6nnen die Daten nicht beantworten. Sie sind dann kritisch zu betrachten, wenn die davon betroffenen Personen mangels besserer Optionen in einem entsprechenden Arbeitsverh\u00e4ltnis \u00abgefangen\u00bb sind. Dabei stellt sich beispielsweise die Frage, inwiefern ein Zusammenhang zwischen der Jugendarbeitslosigkeit und dem hohen Anteil Jugendlicher in atypisch-prek\u00e4ren Stellen besteht. Aufgrund ihrer Flexibilit\u00e4t k\u00f6nnen sie f\u00fcr bestimmte Personengruppen aber auch eine w\u00e4hlbare Arbeitsform sein oder einen (Wieder-)Einstieg in die Berufswelt erm\u00f6glichen. Gerade die hohe Durchl\u00e4ssigkeit zwischen atypisch-prek\u00e4ren und normalen Arbeitsverh\u00e4ltnissen ist ein starker Hinweis daf\u00fcr.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Grafik 1: \u00abEntwicklung der Formen atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse, 1992-2008\u00bb<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Grafik 2: \u00abAnzahl atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Anteile an Erwerbst\u00e4tigen, 2001-2008\u00bb<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Grafik 3: \u00abDurchl\u00e4ssigkeit im Arbeitsmarkt \u2013 Erwerbsstatus vor und nach einem atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis\u00bb<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Kasten 1: Definition und Identifikation atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">In der Literatur besteht keine einheitliche Definition von atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen. H\u00e4ufig wird allerdings Unsicherheit als deren zentrales Merkmal aufgef\u00fchrt. Analog dazu definieren wir ein Arbeitsverh\u00e4ltnis dann als atypisch-prek\u00e4r, wenn relative Unsicherheit vorhanden ist, die nicht erw\u00fcnscht ist. Um atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse in den Daten zu identifizieren, muss diese Definition entsprechend operationalisiert werden. Die Unsicherheiten werden dabei \u00fcber die verschiedenen Formen von atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnissen definiert (siehe auch <i>Kasten 2<\/i>). Die Operationalisierung von \u00abunerw\u00fcnscht\u00bb erfolgt \u00fcber das Einkommen. Dabei wird davon ausgegangen, dass ab einem bestimmten Einkommen die Unsicherheit bewusst akzeptiert wird. Konkret wird ein Arbeitsverh\u00e4ltnis in der vorliegenden Studie dann als atypisch-prek\u00e4r identifiziert, wenn es eine Form von Unsicherheit aufweist und das Einkommen kleiner ist als 60% des Medianlohns oder wenn es mehrere Formen von Unsicherheiten aufweist und das Einkommen unter dem Medianlohn liegt.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Kasten 2: Drei Arten von Hauptunsicherheit bei atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Vermehrt zeitliche Unsicherheit aufgrund befristeter Anstellung oder unsicherer Einsatzplanung. Beispiele: Tempor\u00e4rarbeit, befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Zeitliche Unsicherheit<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Unsicheres Einkommen aufgrund von Unterbesch\u00e4ftigung oder variablen L\u00f6hnen (z.B. aufgrund nicht gesicherter Arbeitsvolumen). Beispiele: Arbeit auf Abruf, Heimarbeit (ohne vertragliche Stundenzahl), Unterbesch\u00e4ftigung bei Teilzeitarbeit.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">\u00d6konomische Unsicherheit<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Schlechte oder fehlende Schutzbestimmungen. Beispiel: Scheinselbstst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Kasten 3: Literatur<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">\u2013 Caritas Schweiz (2001), Atypisch-prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz. Positionspapier 9. Luzern.\u2013 Ecoplan (2003), Prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz. Bern.\u2013 Ecoplan (2010), Die Entwicklung atypisch-prek\u00e4rer Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz. \u00dcberarbeitung und Aufdatierung der Studie \u00abPrek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz\u00bb vom September 2003, Bern.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\"><a href=\"\/de\/editions\/201010\/pdf\/Walker.pdf\">Diesen Artikel als PDF herunterladen (PDF, 187KB)<\/a><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<i><\/i>&#13;<br \/>\n<i><\/i>&#13;<\/p>\n<p class=\"author-name c2\">Dr. Michael Marti<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"author-desc c2\">\u00d6konom, Ecoplan, Bern<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<p class=\"author-name c2\">Philipp Walker<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"author-desc c2\">\u00d6konom, Ecoplan, Bern<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2008 waren 3,3% aller Erwerbst\u00e4tigen in atypisch-prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen besch\u00e4ftigt. 2002 waren es noch 2,9%. Vor allem die befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Arbeit auf Abruf haben seither zugenommen. Besonders h\u00e4ufig arbeiten Frauen, junge Erwachsene, Ausl\u00e4nder und Personen mit tiefer Bildung in Verh\u00e4ltnissen, die als atypisch-prek\u00e4r einzustufen sind. Die Durchl\u00e4ssigkeit auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch hoch, [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2883,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2883,"seco_co_author":[3512,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. rer. pol., Bereichsleiter Gesellschaft und Partner, Ecoplan, Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Associ\u00e9 et chef du secteur Soci\u00e9t\u00e9, Ecoplan, Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3512,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"\u00d6konom, Ecoplan, Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"\u00c9conomiste, Ecoplan, Berne"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":121184,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8491","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559e22bf600b7"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121181"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2883"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121181"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127697,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121181\/revisions\/127697"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3512"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=121181"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=121181"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=121181"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=121181"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=121181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}