{"id":121186,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/09\/lehmann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:28","slug":"lehmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/09\/lehmann\/","title":{"rendered":"Klimawandel und Landwirtschaft aus Sicht der agrar\u00f6konomischen Forschung"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema Klimawandel und Landwirtschaft kann nicht losgel\u00f6st von anderen, die Ern\u00e4hrungssituation betreffenden Ver\u00e4nderungen wie die Bev\u00f6lkerungszunahme und die Ver\u00e4nderung der Ern\u00e4hrungsgewohnheiten behandelt werden. Die Folgen des Klimawandels und diejenigen der globalen Steigerung des Nahrungsmittelkonsums werden sich eher kumulieren als gegenseitig aufheben. Die Landwirtschaft ist selbst Mitverursacherin der Klimabelastung. Sie kann aber auch viel zur Vermeidung beitragen, wie am Beispiel der Rindviehhaltung gezeigt wird. Die agrar\u00f6konomische Forschung wird eine Schl\u00fcsselrolle in der Probleml\u00f6sung und -entsch\u00e4rfung einnehmen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201009_06_Lehmann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ver\u00e4nderung des Klimas ist zu einem der zentralen Themen in der \u00d6ffentlichkeit und in der Forschung geworden. Obwohl die Klimaforscher bereits vor Jahrzehnten eine Ver\u00e4nderung des Klimas feststellten und f\u00fcr die Zukunft Szenarien entwickelten, dauerte es sehr lange, bis die Gesellschaft grossmehrheitlich davon \u00fcberzeugt werden konnte, dass es den Klimawandel wirklich gibt und die Folgen eintreffen werden. Analog verlief der Bewusstseinsprozess in der Politik. Die Globalit\u00e4t des Ph\u00e4nomens und die Summe der standortgebundenen Ursachen f\u00fchrt zu einer Art <i>Tragedy of the Commons<\/i> im Umsetzen von konkreten Klimaschutzmassnahmen, wie dies auch an der Umweltkonferenz von Kopenhagen 2009 zum Ausdruck kam. Einfacher wird die Umsetzung von Massnahmen f\u00fcr die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sein, da der Nutzen solcher Anstrengungen eher den Direktbetroffenen zugutekommt als Vermeidungsmassnahmen.&#13;<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderungen bei der Nahrungsmittelproduktion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Agrar- und Umweltforschung hat sich seit Langem mit dem Wandel des Klimas und dessen Bedeutung f\u00fcr die Landwirtschaft und die Ern\u00e4hrungssituation auseinandergesetzt. Grunds\u00e4tzlich ist jede Aussage die Zukunft betreffend mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, kommt es doch sehr darauf an, wie stark sich die Atmosph\u00e4re an den einzelnen Stellen des Planeten erw\u00e4rmen wird. Die Aussagen sind auch abh\u00e4ngig davon, in welchem Ausmass Vermeidungsstrategien dazu beitragen k\u00f6nnen, die Erw\u00e4rmung abzuschw\u00e4chen. Ebenso sei erw\u00e4hnt, dass es sich immer um modellbasierte Aussagen handelt, auch wenn diese mit dem Einbau der Erfahrungsdaten immer zuverl\u00e4ssiger werden. Um die Auswirkungen des Klimawandels f\u00fcr die Landwirtschaft darzustellen, kann man sich auf zahlreiche Quellen abst\u00fctzen. Aus dem vierten IPPC-Bericht&#13;<br \/>\nM.L. Parry et al. (Hrsg.), Contribution of Working Group II to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, 2007. Cambridge University Press, Cambridge UK and New York USA. wird deutlich, dass sich die Produktionsbedingungen auf einem kleinen Anteil der Agrarfl\u00e4chen verbessern, w\u00e4hrend auf dem Grossteil der Agrargebiete ung\u00fcnstigere Bedingungen herrschen werden. Die Auswertungen von <i>Cline (2007)<\/i>&#13;<br \/>\nCline W. R., Global Warming and Agriculture: Impact Estimates by Country, 2007. ISBN 978-0-88132-403-7. f\u00fcr die globale Skala verdeutlichen diesen Sachverhalt f\u00fcr das Kriterium Bodenfruchtbarkeit. Darin werden die Gebiete auf der Welt mit einer verbesserten und solche mit verschlechterten Bodenfruchtbarkeit ersichtlich. Die Produktivit\u00e4t der Pflanzen wird ebenfalls durch den CO<i>2<\/i>-Gehalt der Atmosph\u00e4re beeinflusst. Daraus leiten <i>Fan Zhai und Juzhong Zhuang (2009)<\/i>&#13;<br \/>\nFan Zhai and Juzhong Zhuang, Agricultural Impact of Climate Change: A General Equilibrium Analysis with Special Reference to Southeast Asia. ADBI Working Paper Series Nr. 131. Asian Development Bank Institute, 2009. eine Produktivit\u00e4tsver\u00e4nderung der Landwirtschaft f\u00fcr die Periode um 2080 gegen\u00fcber heute ab. Der D\u00fcngungseffekt durch einen h\u00f6heren Karbongehalt der Luft ist deutlich; dieser entsch\u00e4rft wiederum die durch ung\u00fcnstigere Wetterbedingungen bedingte Reduktion. Diese Sch\u00e4tzungen ber\u00fccksichtigen den technischen Fortschritt im Bereich Ackerpflanzen nicht. Die <i>Europ\u00e4ische Komission (2009)<\/i>&#13;<br \/>\nEurop\u00e4ische Kommission. Generaldirektion Landwirtschaft und l\u00e4ndliche Entwicklung, Fact Sheet Klimawandel: Herausforderungen f\u00fcr die Landwirtschaft, 2009. hat das Gebiet der EU in vier Klimazonen eingeteilt, die zum Teil sehr unterschiedliche Bedingungen haben werden. Die Breitengrade n\u00f6rdlich des Mittelmeers stellen einen neuen Nord-S\u00fcd-Klima\u00fcbergang dar. Beidseitig dieses \u00dcberganges wird es zahlreiche Zonen mit unterschiedlichen Entwicklungen geben. Klimawandel wird ein Prozess sein, dessen Auswirkungen auf die Bedingungen f\u00fcr die Landwirtschaft ebenfalls eine Dynamik haben werden. Dies ist f\u00fcr \u00d6konomen insofern eine wichtige Feststellung, als Anpassungsprozesse in der Regel teurer sind, wenn sie schnell ablaufen m\u00fcssen (Lernprozesse, Strukturen, Sunk Costs).&#13;<\/p>\n<h2>Parallel stattfindende Prozesse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bev\u00f6lkerungszunahme und die Ver\u00e4nderung der Ern\u00e4hrungsgewohnheiten werden im selben Zeitraum wie der Klimawandel stattfinden. Dies f\u00fchrt eher zu einer Kumulierung der Probleme als zu deren Abnahme. Wir befinden uns in einer Ausgangslage, welche unter dem Gesichtspunkt der Ern\u00e4hrungssicherheit f\u00fcr ein Drittel der Menschheit sehr schlecht und f\u00fcr rund 1 Mrd. Menschen sogar gesundheitsbedrohend ist. Die <i>FAO (2009)<\/i> sch\u00e4tzt die Zunahme der Nahrungsmittelbed\u00fcrfnisse auf ca. 100% f\u00fcr das Jahr 2050 im Vergleich zu heute. <i>Parmentier (2009)<\/i>&#13;<br \/>\nParmentier B., Nourrir l\u2019humanit\u00e9 en 2050. 2009. Edition La D\u00e9couverte. ISBN: 9782707157027. malt ein differenzierteres Bild, indem er zum Ausdruck bringt, wie unterschiedlich sich diese Bed\u00fcrfnisse weltweit verteilen werden.Eine Gegen\u00fcberstellung von <i>Tabelle 1<\/i> und <i>Tabelle 2<\/i> zeigt folgende Problemfelder auf:\u2013 Das Bev\u00f6lkerungswachstum betrifft vor allem Afrika und Asien, in etwas geringerem Ausmass auch Ozeanien und Lateinamerika. Ein starker Anstieg der Nahrungsmittelbed\u00fcrfnisse wird in Afrika und Asien aufgrund der zur erwartenden Wohlstandesentwicklung und Bev\u00f6lkerungszunahme stattfinden. \u2013 Der potenzielle R\u00fcckgang der Bodenproduktivit\u00e4t wird sich vor allem in Afrika, in Teilen von Asien und Lateinamerika sowie in Ozeanien bemerkbar machen. \u2013 Die geografische \u00dcbereinstimmung von steigender Nachfrage und potenziellem R\u00fcckgang der landwirtschaftlichen Produktivit\u00e4t stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. \u2013 Ber\u00fccksichtigt man zus\u00e4tzlich die ung\u00fcnstige Ausgangslage betreffend Ern\u00e4hrungssicherheit in diesen Regionen der Welt, wird ein massiver Handlungsbedarf ersichtlich.&#13;<\/p>\n<h2>Landwirtschaft als Mitverursacherin\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Landwirtschaft tr\u00e4gt etwa 11% zum Ausstoss klimarelevanter Gase bei (Schweiz, Europa). Bezogen auf die einzelnen Gase ist der Anteil der Landwirtschaft unterschiedlich hoch:&#13;<br \/>\nPeter et al., THG 2020 M\u00f6glichkeiten und Grenzen zur Vermeidung landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen in der Schweiz, IAW Bericht, ETH Z\u00fcrich, 2010.\u2013 <i>Methan<\/i> (Tierhaltung): 80% (ergibt 5,3% der Gesamtbelastung in CO<i>2<\/i>-\u00c4quivalent);\u2013 <i>Lachgas<\/i> (Bodenbewirtschaftung, Tierhaltung): 76% (ergibt 4,7% der Gesamtbelastung in CO<i>2<\/i>-\u00c4quivalent);\u2013 <i>CO<\/i><i>2<\/i>: 1,2% (ergibt 1% der Gesamtbelastung in CO<i>2<\/i>-\u00c4quivalent).Diese Emissionen sind ein Teil jener Belastung, die durch die gesamte Kette der Nahrungsmittelherstellung und des Konsums entsteht (Energieverbrauch in der Hilfsstoffherstellung, Verarbeitung, Lagerung und im Transport). Die Klimabelastung der Ern\u00e4hrung als Ganzes ist deutlich h\u00f6her.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026und Potenzial f\u00fcr Vermeidung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt zahlreiche Ansatzpunkte, Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft zu vermeiden. Dies soll am Fall der Rindviehhaltung in der Schweiz dargestellt werden. Ausgehend von den technologischen M\u00f6glichkeiten liegen Vermeidungspotenziale in den Bereichen F\u00fctterung der Tiere und Hofd\u00fcngermanagement. Eine umfassende \u00f6konomische Analyse (dynamische Optimierung) befasste sich mit Vermeidungskosten im Rindviehsektor. Die Haupterkenntnisse k\u00f6nnen wie folgt formuliert werden:\u2013 Wird eine rasche Umsetzung von Vermeidungsmassnahmen verlangt, liegen die Kosten wesentlich h\u00f6her als bei einer langsamen Umsetzung. Dies entspricht den Erkenntnissen von <i>Zilberman (2004)<\/i>&#13;<br \/>\nZilberman D et al., The Economics of Climate Change in Agriculture, Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change 9: 365\u2013382, 2004. Kluwer Academic Publishers..\u2013 Je h\u00f6her das Preisniveau (Agrarschutz gegen\u00fcber dem internationalen Niveau), desto teurer die Vermeidungskosten. Daher sind die Vermeidungskosten in der Schweiz sehr hoch und liegen deutlich \u00fcber dem Preis der internationalen Zertifikate.\u2013 Am effektivsten w\u00e4re der Bestandsabbau, was jedoch nur klimarelevant w\u00e4re, wenn der Konsum von Produkten aus der Rindviehhaltung (Milch, Fleisch) entsprechend abnehmen w\u00fcrde.\u2013 Eine CO<i>2<\/i>-Abgabe h\u00e4tte \u2013 im untersuchten \u00f6konomisch-technischen Kontext \u2013 eine relativ geringe Vermeidungswirkung. Sie m\u00fcsste sehr hoch sein, um Umstellungen zu bewirken, w\u00fcrde aber zu hohen Einkommenseinbussen pro abgebaute Tonne CO<i>2<\/i>-\u00c4quivalent f\u00fchren.Aus einer weiterf\u00fchrenden \u00f6konomischen Analyse&#13;<br \/>\nBriner S., Lehmann B., Klimaneutrales Fleisch aus der Mutterkuhhaltung mittels Agroforst, eine \u00f6konomische Analyse. In Bearbeitung. f\u00fcr extensive Mutterkuhbetriebe mit hohem Raufutteranteil und wenig Futterzukauf zeigt sich, dass die Sequestrierung von CO<i>2<\/i> mit Intensivplantagen oder Agroforst (Wiesen, Weiden mit Baumalleen) auf dem eigenen Hof bis zu 100% m\u00f6glich ist, ohne den Bestand reduzieren zu m\u00fcssen. Unter Ber\u00fccksichtigung der m\u00f6glichen Verk\u00e4ufe des Holzes \u2013 je nach System nach 15 bis 25 Jahren \u2013 liegen die Kosten der Vermeidung \u00fcber dem Preis der internationalen Zertifikate. Bei einer Vermeidung von bis zu 65% betragen die durchschnittlichen Vermeidungskosten \u2013 gemessen am Marktpreis des Fleisches \u2013 rund 4%. Bei 100% Kompensation durch Agroforst liegen diese bei 9% bis 10% des Fleischpreises. Die Kosten entstehen zum gr\u00f6ssten Teil durch Direktzahlungsverluste f\u00fcr extensive \u00d6kowiesen. Hiermit wird der Trade-off zwischen Klimaschonung und Artenreichtum auf \u00d6kowiesen sichtbar. Sind die Betriebe stark auf Futtermittelzuk\u00e4ufe angewiesen, wird ein Bestandesabbau notwendig, wenn man 100% CO<i>2<\/i>-\u00c4quivalent kompensieren will. Andernfalls m\u00fcssten die Betriebsleiter Kompensationsfl\u00e4chen ausserhalb ihres Betriebs finden (Nachbarn, Region, Inland, international, mittels Zertifikat). Solche Konzepte zeigen auf, dass man ausgehend von Vermeidungsstrategien auch neue marktf\u00e4hige Produkte \u2013 wie z.B. klimaneutrales Weidefleisch \u2013 herstellen k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h2>Beitrag der agrar\u00f6konomischen Forschung zur Probleml\u00f6sung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie agrar\u00f6konomische Forschung bearbeitet ein breites Feld von Fragestellungen, welche sich durch den Klimawandel im Kontext der kritischen Lage der Ern\u00e4hrungssicherheit in Zukunft ergeben. In den folgenden Handlungsfeldern wird von der agrar\u00f6konomischen Forschung (i.w.S.) ein nutzbringender Beitrag erwartet:&#13;<\/p>\n<h2>Internationale Agrarm\u00e4rkte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Warenfl\u00fcsse um den Globus werden sich angesichts der sich ver\u00e4ndernden \u00dcberschuss- und Unterversorgungsregionen verschieben. Die Modellierung von Angebot und Nachfrage sowie die Prognosen werden noch wichtiger als in der Vergangenheit. Die Komplexit\u00e4t wird durch die h\u00f6here Volatilit\u00e4t der lokalen Ertr\u00e4ge und der Konsequenzen auf die Preise zunehmen. Forschung zur Voraussagbarkeit von regionalen Engp\u00e4ssen oder Preiserh\u00f6hungen, die Nahrungsmittel f\u00fcr Hunderte von Mio. Menschen unerschwinglich machen, ist von grossem Nutzen.&#13;<\/p>\n<h2>Internationales Policy-Regelwerk f\u00fcr tiefere Preisvolatilit\u00e4t, h\u00f6here Ern\u00e4hrungssicherheit und Weltmarktzugang f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPolicy-Forschung kann zur bestm\u00f6glichen Allokation von \u00f6ffentlichen Geldern beitragen, um lokale wie globale Ern\u00e4hrungssicherheits- und Umweltziele effektiv und effizient zu erreichen. Es gilt auch das Verteilungsproblem zu reduzieren, das der Markt nicht vollumf\u00e4nglich zu l\u00f6sen vermag.&#13;<\/p>\n<h2>Institutioneller Rahmen f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfungskette Nahrung in Entwicklungsl\u00e4ndern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUng\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr Unternehmer oder kollektives Handeln von Akteuren sind in Entwicklungsl\u00e4ndern weit verbreitet und beeintr\u00e4chtigen Investitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel. Zudem ist der \u00dcbergang von Selbstversorgung zu einer st\u00e4rkeren Integration in den Marktprozess ein komplexer Prozess. Forschung im Zusammenhang mit Entrepreneurship, den Faktoren f\u00fcr erfolgreiches Handeln und vor allem der Umsetzung in ung\u00fcnstigen institutionellen Kontexten sind ebenso wichtig wie Forschung bez\u00fcglich Best Policies.&#13;<\/p>\n<h2>Privatwirtschaftliche Instrumente f\u00fcr den effektiven und effizienten Umgang mit Risiken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErnteschwankungen haben betriebswirtschaftliche Folgen. Neue Instrumente \u2013 wie Wetterindex-basierte Versicherungsinstrumente \u2013 unterst\u00fctzen die Stabilisierung und Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Agrar\u00f6konomische Forschung kann mit der Koppelung von biophysikalischen und \u00f6konomischen Modellen wesentlich zur Verbesserung von privater und gesellschaftlicher Effizienz solcher Instrumente oder Massnahmen beitragen.&#13;<\/p>\n<h2>Policy-Rahmenwerk zur Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen und Reduktion der Umweltbelastung (z. B. Klima)<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Zukunft erfordert aufgrund der beschriebenen Entwicklung eine \u00f6kologisch tragbare Intensivierung der Nutzung der nat\u00fcrlichen Ressourcen zur globalen Ern\u00e4hrungssicherheit. Die agrar\u00f6konomische Forschung kann durch ihre Br\u00fcckenkopffunktion zwischen \u00d6konomie und Naturwissenschaften wesentlich dazu beitragen, Marktversagen im Bereich der Ressourcennutzung zu reduzieren.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konomie der Nutzung und des Schutzes knapper nat\u00fcrlicher Ressourcen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Nutzungsanspr\u00fcche an die \u00d6kosysteme \u2013 speziell die Agrar\u00f6kosysteme \u2013 werden in Zukunft breiter und mehrschichtiger. Nahrungsmittelproduktion mittels mehr oder weniger umweltschonender Verfahren, Nutzung von Agrarfl\u00e4chen f\u00fcr Agrarbiotreibstoffe und Anspr\u00fcche der Gesellschaft (Nutzwert, Schutzwert) sind nicht immer miteinander vereinbar. L\u00e4ngerfristig k\u00f6nnen einzelne Anspr\u00fcche einen Synergiecharakter aufweisen; andere f\u00fchren zu einer die Ern\u00e4hrungssicherheit bedrohenden Rivalit\u00e4t. Die agrar\u00f6konomische Forschung kann dazu beitragen, die globale Wohlfahrt kurzfristig und l\u00e4ngerfristig zu maximieren.&#13;<\/p>\n<h2>Property Rights (Commons) und Verhalten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Nichtwahrnehmen von Knappheiten, Klimawandel oder der Endlichkeit der Ressourcen \u2013 sei es durch die Nomaden der Mongolei, die Hirten in Westafrika (Transhumance) oder die westlichen Gesellschaften \u2013 f\u00fchrt zu einer Zuspitzung von Problemen, welche die Ern\u00e4hrungssicherheit gef\u00e4hrden. Agrar\u00f6konomische Forschung kann dazu beitragen, die Umsetzungsproblematik bekannter, Erfolg versprechender Konzepte zu verstehen und weitergehende L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge auszuarbeiten.&#13;<\/p>\n<h2>Adoption und Umsetzung von neuen Technologien und Best Practices<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnpassung an ver\u00e4nderte Klimabedingungen erfordert den Einsatz von neuen Pflanzensorten, neuen Technologien und umweltschonenderem Umgang mit den verf\u00fcgbaren Ressourcen. Die Adoption kann durch kulturelle oder \u00f6konomische Faktoren gehemmt sein. Agrar\u00f6konomische Forschung kann dazu beitragen, Verhalten zu verstehen und entsprechend Rahmenbedingungen f\u00fcr ein g\u00fcnstiges Klima zur Adoption von Best Practices zu schaffen.&#13;<\/p>\n<h2>Verbraucherverhalten bez\u00fcglich \u00f6kologisch produzierter und Entwicklungsl\u00e4nder unterst\u00fctzender Nahrungsmittel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer verantwortungsvolle Nahrungsmittelverbrauch hat einen grossen indirekten Einfluss auf die Umwelt, indem nachhaltige Produktionsformen durch den Markt gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Forschung \u00fcber ein besseres Verst\u00e4ndnis des Verbraucherverhaltens unterst\u00fctzt dies.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konomie der Verluste und Verschwendung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEntlang der Nahrungsmittelkette \u2013 vor der Ernte \u00fcber Lagerung, Verarbeitung und Handel bis hin zum Konsum \u2013 gehen je nach Produkt bis zu 40% verloren. In den Entwicklungsl\u00e4ndern entstehen die Verluste vor allem im ersten Teil der Kette, in den Industriel\u00e4ndern eher im zweiten Teil. Forschung an diesen Zusammenh\u00e4ngen kann dazu beitragen, das Klima zu entlasten und die Ern\u00e4hrungssicherheit zu verbessern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abEntwicklung des Nahrungsmittelverbrauchs bis 2050\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abRegionale Auswirkung des Klimawandels auf die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t im Jahr 2080\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Bezug auf die Schweiz k\u00f6nnen die Auswirkungen gem\u00e4ss Fuhrera wie folgt zusammengefasst werden:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErtr\u00e4ge&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Eine Klima\u00e4nderung von maximal 2\u20133 Grad wirkt sich in der Schweiz tendenziell positiv auf die Landwirtschaft aus.\u2013 Durch die l\u00e4ngere Vegetationsperiode der Wiesen steigt die potenzielle Jahresproduktion der Wiesen.\u2013 Damit der potenzielle Ertrag zahlreicher Ackerkulturen gesteigert werden kann, sind jedoch Anpassungen n\u00f6tig (Auswahl der Kulturen und der Sorten, Anbauverfahren und Management, Risikomanagement).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErtragssicherheit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Eine st\u00e4rkere Klimaerw\u00e4rmung von \u00fcber 3 Grad gef\u00e4hrdet die Ertragssicherheit im Ackerbau.\u2013 Die Zunahme der Hitzetage kann die Tierhaltung beeintr\u00e4chtigen.\u2013 Die Erntesicherheit, welche in den letzten Jahrzehnten immer h\u00f6her wurde, k\u00f6nnte beeintr\u00e4chtigt werden. Das Risiko f\u00fcr extrem trockene Sommer betr\u00e4gt heute ca. 15%. Bei Klimabedingungen um 2050 kann dieses Risiko bei 40% liegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSch\u00e4dlinge und Krankheiten&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Das Aufkommen von Insektensch\u00e4dlingen und Unkr\u00e4utern wird durch die k\u00fcnftigen Klimabedingungen gef\u00f6rdert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Fuhrer J., et al., Climate risks and their impact on agricultural land and forests in Switzerland. Climate Change 79, 79-102, 2006.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Dimensionen der Ern\u00e4hrungssicherheit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Klimaproblematik wird \u2013 zusammen mit anderen Entwicklungen \u2013 die globale Ern\u00e4hrungssicherheit gef\u00e4hrden. Die Ern\u00e4hrungssicherheit ist nicht bloss eine Frage von gen\u00fcgend Agrarproduktion, sondern mindestens ebenso sehr eine Frage der Verf\u00fcgbarkeit und des Zuganges. Ern\u00e4hrungssicherheit hat drei engere und eine \u00fcbergeordnete Dimension:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVerf\u00fcgbarkeit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Nachhaltige Nahrungsmittelproduktion\u2013 Nahrungsmittelverteilung (M\u00e4rkte)&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZugang zu Nahrungsmitteln&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Erschwinglichkeit (Kaufkraft)\u2013 Bereitstellung\u2013 Pr\u00e4ferenzen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNahrungsmittelverwendung&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Ern\u00e4hrungswert\u2013 Gesellschaftlicher Wert\u2013 Qualitative Sicherheit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie \u00fcbergeordnete Dimension: Stabilit\u00e4t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs geht dabei um die Stabilit\u00e4t der Nachhaltigkeit der Nutzungsm\u00f6glichkeit nat\u00fcrlicher Ressourcen innerhalb des Agrar\u00f6kosystems und der Interaktionen mit dem Gesamt\u00f6kosystem. Sie bezieht sich auch auf die Institutionen, welche direkt oder indirekt mit Umwelt und Ern\u00e4hrung in Verbindung stehen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Klimawandel und Landwirtschaft kann nicht losgel\u00f6st von anderen, die Ern\u00e4hrungssituation betreffenden Ver\u00e4nderungen wie die Bev\u00f6lkerungszunahme und die Ver\u00e4nderung der Ern\u00e4hrungsgewohnheiten behandelt werden. Die Folgen des Klimawandels und diejenigen der globalen Steigerung des Nahrungsmittelkonsums werden sich eher kumulieren als gegenseitig aufheben. Die Landwirtschaft ist selbst Mitverursacherin der Klimabelastung. Sie kann aber auch viel zur [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3738,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3738,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Prof. Dr. Ing. Agr. ETH, Direktor Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft, Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Directeur de l\u2019Office f\u00e9d\u00e9ral de l\u2019agriculture (Ofag), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":121189,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8449","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559e3743c3dcf"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121186"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3738"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121186"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127698,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121186\/revisions\/127698"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3738"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=121186"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=121186"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=121186"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=121186"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=121186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}