{"id":121236,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/09\/chatreaux-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:20","slug":"chatreaux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/09\/chatreaux\/","title":{"rendered":"\u00d6konomische Aspekte von \u00d6kosystemen und Biodiversit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Was haben \u00d6konomie und Biodiversit\u00e4t miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nur wenig: Die Leistungen der Natur haben (meistens) keinen Preis und ihre Nutzung ist gratis. Doch damit wird die Bedeutung der \u00d6kosysteme und der Biodiversit\u00e4t von der Gesellschaft nicht gen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt. Wir betrachten die Natur als ein \u00f6ffentliches Gut und vernachl\u00e4ssigen ihre Werte in den Entscheidungen \u00fcber Land- und Fl\u00e4chennutzungen. Dies zu \u00e4ndern und die Leistungen von \u00d6kosystem und Biodiversit\u00e4t \u00f6konomisch zu bewerten, ist das Ziel der TEEB-Studie, die diesem Artikel zugrunde liegt. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201009_07_Chatreaux_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"358\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOft werden Nahrungsmittelproduktion und Biodiversit\u00e4t nicht gemeinsam betrachtet. Es wird vernachl\u00e4ssigt, dass Trade-offs zwischen dem Anbau von Nahrungsmitteln und dem Erhalt von \u00d6kosystemleistungen und Biodiversit\u00e4t bestehen. Die Produktion von Nahrungsmitteln steht aber mit anderen Fl\u00e4chennutzungen in Konflikt. Die f\u00fcr Nahrungsmittelproduktion verf\u00fcgbaren Anbaufl\u00e4chen sind im Prinzip unvermehrbar, und es sind verschiedene andere Nutzungen auf den Fl\u00e4chen m\u00f6glich. Sie reichen von der Nutzung f\u00fcr Siedlungs- und Verkehrszwecke \u00fcber die Produktion von Energiepflanzen bis hin zum Schutz f\u00fcr \u00d6kosystemleistungen und Biodiversit\u00e4t. Wenn die Nahrungsmittelproduktion zu Verlusten bei anderen \u00d6kosystemleistungen und bei der Biodiversit\u00e4t f\u00fchrt, verursacht dies volkswirtschaftliche Kosten. Dadurch wird es in Zukunft unter Umst\u00e4nden notwendig sein, teurere Alternativen zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen einzusetzen oder zu entwickeln. Wir sollten deswegen Investitionen in unser nat\u00fcrliches Kapital f\u00f6rdern, um langfristig Kosten zu sparen und unser Wohlbefinden \u2013 wenn nicht sogar unser \u00dcberleben \u2013 zu sichern.Der vorliegende Beitrag zeigt, dass durch eine \u00f6konomische Analyse die Leistungen des Naturhaushalts identifiziert und f\u00fcr viele Bereiche sogar quantifiziert werden k\u00f6nnen. Auf diese Weise lassen sich effizientere Landnutzungsmuster gestalten, da unsere Entscheidungsgrundlagen um bislang unber\u00fccksichtigte Nutzen und Kosten erg\u00e4nzt werden. Dies ist auch das Hauptziel der Studie <i>The Economics of Ecosystem and Biodiversity (TEEB)<\/i>, deren Ergebnisse als Grundlage dieses Artikels dienen.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6kosystemische Dienstleistungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine \u00f6konomische Betrachtung von \u00d6kosystemen und Biodiversit\u00e4t analysiert den Nutzen, den die Natur uns Menschen bringt. Wir profitieren von \u00d6kosystemen und Biodiversit\u00e4t in vielf\u00e4ltiger Weise. Die Natur liefert uns G\u00fcter und Leistungen, welche die Basis unseres Wohlergehens bilden, wie z.B. Nahrung, Trinkwasser, Brennstoffe oder Schutz vor \u00dcberschwemmungen. Diese \u00d6kosystemdienstleistungen sind f\u00fcr unsere Gesundheit und unser Wohlergehen von fundamentaler Bedeutung. Nach der Klassifikation des <i>Millennium Ecosystem Assessments (2005)<\/i> lassen sich vier Arten von \u00d6kosystemdienstleistungen unterscheiden (siehe <i>Grafik 1<\/i>):\u2013 <i>Basis- oder unterst\u00fctzende Leistungen:<\/i> Diese umfassen Prozesse wie Bodenbildung, Photosynthese und den N\u00e4hrstoffkreislauf, die f\u00fcr unsere Produktion und unser Wachstum wichtig sind. Sie sind Grundlage f\u00fcr die anderen Leistungen der Biodiversit\u00e4t und der \u00d6kosysteme. \u2013 <i>Versorgungsleistungen:<\/i> Dies bezeichnet die Bereitstellung von G\u00fctern wie Holz, Nahrung, Wasser oder Fasern. \u2013 <i>Regulationsleistungen:<\/i> Sie steuern das Klima und den Niederschlag, sch\u00fctzen uns vor \u00dcberschwemmungen und Bodenerosion oder speichern Schadstoffe. \u2013 <i>Kulturelle Leistungen:<\/i> Nationalparks z.B. geh\u00f6ren zum kulturellen Erbe eines Landes und stiften Identit\u00e4t. Sie haben einen Freizeit- und Erholungswert sowie eine spirituelle Wirkung. Sie werden als Kulturg\u00fcter und in ihrer sozialen Dimension anerkannt. Ihr Nutzen ist bedeutend f\u00fcr unser seelisches Wohlbefinden.Die verschiedenen \u00d6kosystemdienstleistungen k\u00f6nnen am Beispiel eines Waldes illustriert werden. Durch die Photosynthese produziert der Wald Sauerstoff, der f\u00fcr unser Leben notwendig ist, und das organische Material, das den Anfang der Nahrungskette bildet. Der Wald liefert uns Holz, dessen Wert man \u00fcber die Preise auf dem Holzmarkt ableiten kann. Durch die Wasserfilterung und -speicherung erhalten wir trinkbares Wasser und sparen damit unter Umst\u00e4nden die Kosten einer Filteranlage oder einer Trinkwasseraufbereitung. Durch Wasserspeicherung und Minderung der Bodenerosion bildet der Wald einen Schutz gegen Hochwasser und Lawinen. Schliesslich ist der Wald ein beliebtes Ziel f\u00fcr Entspannungsuchende und wichtiger Baustein in der Umweltbildung unserer Kinder.Das Millennium Ecosystem Assessment hat wesentlich dazu beigetragen, die Verbindungen zwischen menschlichem Wohlbefinden und den Leistungen des Naturhaushalts verst\u00e4ndlich zu machen. Dennoch werden \u00d6kosystemdienstleistungen bei vielen konventionellen \u00f6konomischen Entscheidungen immer noch nicht gen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt und als selbstverst\u00e4ndlich angenommen. Genau hier m\u00f6chte die TEEB-Studie mit ihrer \u00f6konomischen Ausrichtung zur Probleml\u00f6sung beitragen.&#13;<\/p>\n<h2>Von der Anerkennung \u00f6kologischer Leistungen zur \u00f6konomischen Bewertung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNur \u00fcber die Identifikation und Anerkennung \u00f6kologischer Leistungen gelangt man schlussendlich zu ihrer \u00f6konomischen Bewertung. Aus \u00f6konomischer Sicht gibt es verschiedene Wertkategorien f\u00fcr \u00d6kosystemleistungen, die zu einem \u00f6konomischen Gesamtwert <i>(Total Economic Value)<\/i> zusammengefasst werden k\u00f6nnen (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Der \u00f6konomische Gesamtwert ist dabei weniger als empirisch relevante Gr\u00f6sse aufzufassen, sondern vielmehr als Denkhilfe oder Heuristik, die darauf aufmerksam machen soll, welche verschiedenen Arten von Werten \u00f6konomisch relevant und damit zu ber\u00fccksichtigen sind.&#13;<br \/>\nVgl. WBGU (1999)Bei den \u00f6konomischen Werten unterscheidet man nutzungsabh\u00e4ngige und nicht nutzungsabh\u00e4ngige Werte. Die <i>nutzungsabh\u00e4ngigen Werte<\/i> f\u00fchren zu Nutzenstiftungen bei den Menschen, wenn die Umwelt tats\u00e4chlich genutzt wird, indem z.B. Ressourcen entnommen oder Schadstoffe eingeleitet werden. Sie teilen sich wiederum in direkte Werte (z.B. f\u00fcr Produktions- und Konsumzwecke) und indirekte Werte (z.B. eine Regulationsfunktion, die dem Menschen indirekt von Nutzen ist). Die <i>nichtnutzungsabh\u00e4ngigen Werte<\/i> umfassen einerseits den Existenzwert, der andeutet, dass die blosse Existenz der Natur uns Befriedigung und Wohlergehen bringt. So erfreuen wir uns zum Beispiel an der Existenz des Blauwals, obwohl wir ihn vielleicht selbst nie zu Gesicht bekommen. Anderseits beinhalten sie den Verm\u00e4chtniswert, also den Nutzen, den wir aus der Weitergabe einer intakten Natur an die nachfolgenden Generationen ziehen. Zwischen nutzungsabh\u00e4ngigen und -unabh\u00e4ngigen Werten steht der <i>Optionswert<\/i>. Er verk\u00f6rpert die Vorteile einer erst sp\u00e4ter m\u00f6glichen Nutzung, n\u00e4mlich dann, wenn unser Wissen und der technische Fortschritt eine sinnvolle Verwendung erst zuk\u00fcnftig erm\u00f6glichen. Der Erhalt des tropischen Regenwaldes als Genpool, den wir f\u00fcr die Agrarproduktion, die Pharmaindustrie oder industrielle Zwecke vielleicht sp\u00e4ter einmal nutzen werden, ist ein Beispiel f\u00fcr solche Optionswerte.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konomische Bewertungsmethoden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Ausgangspunkt der \u00f6konomischen Bewertung sind die Pr\u00e4ferenzen der Individuen. Auf dieser Grundlage hat die \u00d6konomie verschiedene Methoden zur Bewertung entwickelt. Man unterscheidet indirekte und direkte Methoden. Bei den indirekten Methoden geht es darum, auf Marktdaten zur\u00fcckzugreifen, um anhand dieser auf die individuellen Zahlungsbereitschaften f\u00fcr die zu bewertenden Elemente der Natur zu schliessen. So werden etwa aus dem Nachfrageverhalten nach marktlich gehandelten G\u00fctern Werte f\u00fcr die Natur abgeleitet. Das setzt freilich voraus, dass die marktlich gehandelten G\u00fcter zu dem betrachteten Umweltgut (z.B. saubere Luft, sauberes Wasser) in einer \u2013 substitutiven oder komplement\u00e4ren \u2013 Beziehung stehen. Zu diesen Methoden z\u00e4hlen etwa Ans\u00e4tze, die zur Wertermittlung auf vermiedene Schadenkosten abstellen (Ersatzkostenmethode&#13;<br \/>\nWie viel kostet z.B. der Bau einer Anlage, um gegen Lawinen zu sch\u00fctzen? Das Resultat kann zugleich als Wert eines Waldes f\u00fcr den Lawinenschutz angesehen werden.) oder die von den Ausgaben f\u00fcr pr\u00e4ventive Massnahmen auf einen \u00f6konomischen Wert der Natur schliessen (Kompensationskostenmethode). Als weitere Methoden sind zudem die Immobilienwertmethode und der Reisekostenansatz zu erw\u00e4hnen.Wenn es nicht m\u00f6glich ist, indirekt aus beobachtbarem Marktverhalten \u00f6konomische Wertsch\u00e4tzungen f\u00fcr \u00d6kosysteme und Biodiversit\u00e4t abzuleiten, oder wenn man Umweltleistungen erfassen will, die eine hohe nicht nutzungsabh\u00e4ngige Komponente aufweisen (z.B. eine seltene Tierart), kann man die Individuen direkt nach ihrer Zahlungsbereitschaft f\u00fcr den Erhalt eines bestimmten \u00d6kosystems oder nach der H\u00f6he der geforderten Kompensationszahlung bei einer Verschlechterung des \u00d6kosystems fragen. Bei dieser sogenannten kontingenten Bewertungsmethode m\u00fcssen die Individuen aber mit dem Umweltgut vertraut sein und Kenntnisse dar\u00fcber haben. Es gibt also verschiedene \u00f6konomische Methoden, um die Leistungen der Natur in Werte umzusetzen. Dies soll nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass es oft sehr schwierig ist, diese Ans\u00e4tze anzuwenden. Doch auch wenn nicht alle Aspekte der \u00d6kosystemleistungen monet\u00e4r erfasst werden k\u00f6nnen, hilft eine \u00f6konomische Betrachtung bei der Absch\u00e4tzung des quantitativen Ausmasses von \u00d6kosystemleistungen, z.B. die Zahl der Nutzniesser einer bestimmten Leistung oder die Gr\u00f6sse und Bedeutung des betroffenen volkswirtschaftlichen Sektors. Schliesslich kann die \u00f6konomische Analyse die beteiligten Akteure \u2013 Verursacher von Umweltsch\u00e4digungen ebenso wie Betroffene \u2013 identifizieren. Sie kann die Anreizstrukturen offenlegen, welche umweltsch\u00e4digenden Handlungen zu Grunde liegen, und Handlungsoptionen f\u00fcr die politischen Entscheidungstr\u00e4ger aufzeigen.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konomische Inwertsetzung und Entscheidungsfindung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFehlende Marktpreise f\u00fcr \u00d6kosystemdienstleistungen und Biodiversit\u00e4t bedeuten, dass die Leistungen, die wir aus diesen G\u00fctern beziehen, bei Entscheidungsprozessen bisher vernachl\u00e4ssigt oder untersch\u00e4tzt werden. Die \u00f6konomische Bewertung ist hier ein entscheidender Schritt, denn sie macht deutlich, dass die Natur Leistungen erbringt und diese einen Wert besitzen. Die ermittelten \u00f6konomischen Werte haben \u2013 wie Marktpreise f\u00fcr private G\u00fcter \u2013 eine Informations- und Lenkungsfunktion. B\u00fcrger, Unternehmen oder politische Entscheidungstr\u00e4ger werden \u00fcber die \u00abwahren\u00bb Kosten ihrer Konsum-, Produktions- oder Regierungsentscheidungen informiert. Zielkonflikte (Tradeoffs) werden dadurch sichtbar sowie besser verhandelbar, und Nutzungsentscheidungen k\u00f6nnen effizient getroffen werden.Das Aufzeigen der Werte von \u00d6kosystemdienstleistungen verdeutlicht, dass Investitionen in Naturkapital unter Umst\u00e4nden g\u00fcnstiger sein k\u00f6nnen als Investitionen in vom Menschen gemachtes Kapital. Ein bekanntes Beispiel ist die Wasserversorgung der Stadt New York. Bis in die 1990er-Jahre lieferte das Einzugsgebiet der Catskill Mountains den Einwohnern von New York City Wasser von so hoher Qualit\u00e4t, dass es nicht gefiltert oder chemisch behandelt zu werden brauchte. Doch die Wasserqualit\u00e4t begann sich mit der Zeit zu verschlechtern. Die Stadt sah sich gezwungen, entweder eine Filteranlage zu bauen oder die Leistungsf\u00e4higkeit des Wasser-Einzugsgebiets in den Catskill Mountains wiederherzustellen. Die Kosten der letzteren Option wurden auf 1 bis 1,5 Mrd. US-Dollar gesch\u00e4tzt, was nur einem F\u00fcnftel der Kosten einer Filteranlage entsprach.&#13;<br \/>\nVgl. Perrot-Ma\u00eetre, Davis (2001).Die Inwertsetzung der Natur kann uns auch helfen, neue M\u00e4rkte zu schaffen. Das markanteste Beispiel daf\u00fcr ist der CO<i>2<\/i>-Markt. Seine Einf\u00fchrung war eine Revolution. CO<i>2<\/i> wurde zu einem knappen Gut, das in Unternehmensentscheidungen ber\u00fccksichtigt wurde. Es ist anzustreben, \u00e4hnliche M\u00e4rkte im Biodiversit\u00e4tsbereich zu schaffen. Zum Teil haben Pharmaunternehmen dieses Potenzial bereits erkannt. Letztendlich k\u00f6nnen die \u00f6konomischen Werte dazu beitragen, Armut und soziale Probleme zu bek\u00e4mpfen. Denn wenn wir Werte absch\u00e4tzen, k\u00f6nnen wir auch besser aufzeigen, wer den Nutzen und wer die Kosten tr\u00e4gt. Damit k\u00f6nnen auf regionaler oder lokaler Ebene die Beg\u00fcnstigten und die Benachteiligten identifiziert und eventuelle Kompensationsleistungen festgelegt werden, wenn bestimmte Gruppen oder Individuen Nachteile erleiden. Trotz all dieser Vorteile muss man sich aber bewusst sein, dass die \u00f6konomische Bewertung auch Grenzen hat und nur einen Teil des Inputs im Entscheidungsprozess darstellt. Nichtsdestotrotz k\u00f6nnen diese Werte eine wichtige Rolle spielen. Das Ziel ist es, den Entscheidungstr\u00e4gern den Wert der Natur bewusst zu machen. Dies ist denn auch die Idee, die hinter der TEEB-Studie steckt.&#13;<\/p>\n<h2>Das Ziel der TEEB-Studie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie TEEB-Studie wurde im Jahre 2007 initiiert mit dem Ziel, den \u00f6konomischen Wert der Leistungen der Natur besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, aber auch um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Sch\u00e4digung von \u00d6kosystemen zu erfassen und damit die Kosten des Nichthandelns beziffern zu k\u00f6nnen. Auf diese Weise sollen die Menschen auf den \u00f6konomischen Aspekt von \u00d6kosystemen und Biodiversit\u00e4t aufmerksam gemacht werden. In den Worten des Leiters der Studie, Pavan Sukdhev: \u00abDie Gesellschaft muss dringend ihren mangelhaften \u00f6konomischen Kompass ersetzen, damit sie nicht das menschliche Wohlergehen und die Gesundheit des Planeten durch die Unterbewertung und den dauerhaften Verlust von \u00d6kosystemen und Biodiversit\u00e4t aufs Spiel setzt.\u00bb&#13;<br \/>\nVgl. TEEB (2008).Die TEEB-Studie ist kein rein wissenschaftlicher Prozess. Sie hat vielmehr prim\u00e4r eine politische Funktion und soll zeigen, wie wir den Wert von \u00d6kosystemen und Biodiversit\u00e4t in unseren Entscheidungen und Entscheidungsprozessen ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnen. Eines der obersten Ziele der Studie ist es, den politischen Entscheidungstr\u00e4gern bewusst zu machen, dass bereits eine Vielzahl von Ans\u00e4tzen und Instrumenten existiert, mit denen sie den Wert der \u00d6kosystemdienstleistungen in ihre Entscheidungen einbeziehen k\u00f6nnen. Die Studie ist damit eine Heuristik f\u00fcr das Denken und Handeln, um die Biodiversit\u00e4t als das zu erkennen, was sie ist: die Grundlage f\u00fcr \u00f6konomische Aktivit\u00e4ten und unser Wohlbefinden.TEEB hat die Ambition, m\u00f6glichst vielen Menschen bewusst zu machen, wie wichtig \u00d6kosysteme und Biodiversit\u00e4tsschutz sind. Deshalb sollen die Anspr\u00fcche von vier verschiedenen Anwendergruppen bedient werden: nationale und internationale Politik, Verwaltungen auf der regionalen und lokalen Ebene, Unternehmen sowie B\u00fcrger und Konsumenten. Die TEEB-Studie wird denn auch mit einem Basisbericht zum Stand der Forschung und vier adressatenbezogenen Einzelberichten abschliessen, die auf diese speziellen Zielgruppen hin ausgerichtet sind. Es werden also dieselben wissenschaftlichen Grundlagen auf verschiedene Weise und mit unterschiedlichen Schwerpunkten pr\u00e4sentiert, um f\u00fcr die potenziellen Anwender die jeweils passende Sprache zu finden und so eine schnelle Implementierung der Ergebnisse zu f\u00f6rdern.&#13;<br \/>\nVgl. Hansj\u00fcrgens (2010). Weitere Informationen sowie vorliegende Ergebnisse der TEEB-Studie sind unter <a href=\"http:\/\/www.teebweb.org\">http:\/\/www.teebweb.org<\/a> zu finden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00ab\u00d6kosystemdienstleistungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00ab\u00d6konomischer Gesamtwert\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Hansj\u00fcrgens, B. (2010): Natur Frei Haus, Hamburger Gespr\u00e4che f\u00fcr Naturschutz, Ver\u00f6ffentlichungen der Michael Otto-Stiftung, Hamburg.\u2013 Millennium Ecosystem Assessment (2005): Ecosystems and Human Well-being: Synthesis. Island Press, Washington, DC.\u2013 Perrot-Ma\u00eetre, D., u. Davis, P., Esq. (2001): Case Studies of Markets and Innovative. Financial Mechanisms for Water Services from Forests. Forest Trends. \u2013 TEEB \u2013 The Economics of Ecosystem and Biodiversity (<i><a href=\"http:\/\/www.teebweb.org\">http:\/\/www.teebweb.org<\/a><\/i>).\u2013 WBGU \u2013 Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltver\u00e4nderungen (1999): Welt im Wandel, Umwelt und Ethik, Sondergutachten, Marburg: Metropolis.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was haben \u00d6konomie und Biodiversit\u00e4t miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nur wenig: Die Leistungen der Natur haben (meistens) keinen Preis und ihre Nutzung ist gratis. Doch damit wird die Bedeutung der \u00d6kosysteme und der Biodiversit\u00e4t von der Gesellschaft nicht gen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt. 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