{"id":121246,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/09\/egger-12\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:47","slug":"egger-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/09\/egger-11\/","title":{"rendered":"Mit weniger Mitteln mehr produzieren"},"content":{"rendered":"<p>Die Ern\u00e4hrung der gesamten Weltbev\u00f6lkerung stellt eine der gr\u00f6ssten Herausforderungen dar. Es muss mehr produziert werden, aber mit weniger Mitteln, sprich: weniger Wasser, weniger Energie, weniger Produktionsmitteln (Minerald\u00fcnger und Pflanzenschutzmittel). M\u00f6glicherweise werden sich durch den Druck der wirtschaftlichen Realit\u00e4ten auch die Konsumgewohnheiten \u00e4ndern m\u00fcssen. Die Schweizer Landwirtschaft tr\u00e4gt auf lokaler Stufe dazu bei, diese Herausforderung anzunehmen, indem sie einen Grossteil der Nahrungsmittelversorgung ihrer Bev\u00f6lkerung sicherstellt. Gleichzeitig hat sie hohe \u00f6kologische und ethologische Produktionskriterien zu erf\u00fcllen, um in der Schweiz wie auch weltweit eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu gew\u00e4hrleisten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin globales Ern\u00e4hrungssystem bildet sich haupts\u00e4chlich aus der Summe der \u2013 teilweise autonomen \u2013 lokalen M\u00e4rkte, zwischen denen ein Austausch stattfindet und Wechselwirkungen bestehen. Gem\u00e4ss FAO werden auf internationaler Stufe nur gerade etwa 10% der landwirtschaftlichen Erzeugnisse vermarktet. Die lokale und regionale Dimension ist schwer definierbar: Es kann sich um eine Region wie das S\u00fcdtirol handeln, um ein Land oder sogar um einen Kontinent wie Europa. Die Schweiz stellt einen dieser lokalen M\u00e4rkte dar mit der Besonderheit, dass wir in der Ern\u00e4hrung zu \u00fcber 40% von der Landwirtschaft anderer L\u00e4nder abh\u00e4ngig sind.&#13;<\/p>\n<h2>Stabiler Selbstversorgungsgrad der Schweiz von 60%<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz der Bev\u00f6lkerungszunahme und den hohen Produktionsauflagen in der Schweiz \u2013 insbesondere im Bereich \u00d6kologie und Ethologie \u2013 konnte die Schweiz in den vergangenen 40 Jahren ihren Selbstversorgungsgrad von 60% aufrechterhalten. Aufgrund ihrer begrenzten Fl\u00e4che und der schwierigen Produktionsbedingungen (Topografie und H\u00f6henlage) importiert die Schweiz einen Teil ihrer Nahrungsmittel, der \u00fcber die Lieferung von exotischen Produkten, die im Land nicht hergestellt werden k\u00f6nnen, hinausgeht. Dies funktioniert vor allem dank der guten Wirtschaftslage des Landes, insbesondere der grossen Kaufkraft und der hohen Wertsch\u00f6pfung der konsumierten Produkte. Die Abh\u00e4ngigkeit der Schweiz von Nahrungsmittelimporten birgt aber auch Risiken f\u00fcr ihre Versorgungssicherheit. Bei auftretenden politischen, wirtschaftlichen oder auch klimatischen Problemen k\u00f6nnten diese weiter zunehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Das Prinzip der Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nParadoxerweise wird die Schweiz wahrscheinlich eines der ersten westlichen L\u00e4nder sein, welches das Prinzip der Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t in der Gesetzgebung verankert, sofern die parlamentarische Initiative von Nationalrat J. Bourgeois angenommen wird. Dieses Prinzip, welches urspr\u00fcnglich von La Via Campesina (Erkl\u00e4rung des Forums der NGO an den Weltern\u00e4hrungsgipfel 1996) gepr\u00e4gt wurde, wird ganz unterschiedlich ausgelegt und muss den Schweizer Verh\u00e4ltnissen angepasst werden. Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t heisst weder Autarkie noch Isolation; sie verbietet auch nicht den Abschluss internationaler Abkommen, die demokratisch und in voller Souver\u00e4nit\u00e4t zustande kommen. Das Prinzip der Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t verlangt aber, dass wir uns auf die Zukunft \u2013 und demzufolge auf ein nachhaltiges Entwicklungsprinzip \u2013 ausrichten. Es beinhaltet eine gewisse Entscheidungsautonomie bez\u00fcglich Agrarpolitik, um den spezifischen Voraussetzungen des Landes Rechnung zu tragen. Die entscheidende Frage lautet: Was m\u00fcssen wir heute unternehmen, damit unser Ern\u00e4hrungssystem in Zukunft abgesichert ist, in einer Zukunft, in der es mehr Menschen zu ern\u00e4hren gilt, die klimatischen Ver\u00e4nderungen unterliegen wird und wo Wasser-, Energie- und Bodenressourcen eingespart werden m\u00fcssen? In diesem Rahmen k\u00f6nnen \u00dcberlegungen in verschiedene Richtungen angestellt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Aufrechterhaltung von Kompetenzen und Know-how&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZuerst ist den B\u00e4uerinnen und Bauern als Hauptakteuren der Agrarproduktion ein angemessenes Einkommen zu erm\u00f6glichen, damit sie von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen und ihr Know-how und ihre Kompetenzen erhalten bleiben. Da Kompetenzen und Know-how nichts Statisches sind und sich st\u00e4ndig weiterentwickeln, bilden Forschung, Beratung und Ausbildung drei entscheidende Pfeiler zur Sicherung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion. Dies umso mehr, als die Schweiz nur auf qualitativ hochstehende G\u00fcter mit hoher Wertsch\u00f6pfung setzen kann.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230; sowie landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZudem muss der Boden als wichtigstes Instrument der landwirtschaftlichen Produktion sowohl qualit\u00e4ts- als auch mengenm\u00e4ssig gesch\u00fctzt werden. T\u00e4glich verschwinden \u00fcber 10 Hektar landwirtschaftliche Fl\u00e4che. Der landwirtschaftlich genutzte Boden darf nicht mehr als minderwertig angesehen werden. Verschwendung ist zu vermeiden, und Priorit\u00e4ten sind dort zu setzen, wo es etwas zu sch\u00fctzen gilt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ern\u00e4hrung der gesamten Weltbev\u00f6lkerung stellt eine der gr\u00f6ssten Herausforderungen dar. Es muss mehr produziert werden, aber mit weniger Mitteln, sprich: weniger Wasser, weniger Energie, weniger Produktionsmitteln (Minerald\u00fcnger und Pflanzenschutzmittel). 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