{"id":121251,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/09\/egler-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:20","slug":"egler-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/09\/egler-7\/","title":{"rendered":"Nachhaltiger Konsum in der Schweiz und bessere Ern\u00e4hrungssicherheit in den Produzentenl\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>Ein nachhaltig ausgerichtetes globales Ern\u00e4hrungssystem beginnt mit einem effizienteren Umgang mit Ressourcen. Mit der Handelsf\u00f6rderung f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder unterst\u00fctzt das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) den Aufbau und die Anwendung von Labels, die auf Produzenten- und Konsumentenseite das \u00f6konomisch, \u00f6kologisch und sozial vertr\u00e4gliche Verhalten st\u00e4rken. Eine erstmals durchgef\u00fchrte Vergleichsanalyse zeigt, dass die Umsetzung von Labelkriterien dank Fortschritten bei Produktionsprozessen dazu beitr\u00e4gt, die negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern, die soziale Situation zu verbessern, die Nettoertr\u00e4ge zu erh\u00f6hen und letztlich die Ern\u00e4hrungssicherheit von Produzenten zu steigern. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201009_09_Egler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeltern\u00e4hrungs-, Wirtschafts- und Klimakrise haben die nachhaltige und effiziente Nutzung von Ressourcen, aber auch die sichere Versorgung mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln vermehrt in den Mittelpunkt des Interesses ger\u00fcckt. Ein koordiniertes Vorgehen auf globaler Ebene und die Koh\u00e4renz zwischen den Handels-, Sozial- und Umweltregelwerken werden immer wichtiger. Mit der Globalisierung und der zunehmenden Komplexit\u00e4t der Produktionsprozesse entstehen L\u00fccken und Zielkonflikte, die von den internationalen Regelwerken noch ungen\u00fcgend gel\u00f6st werden. So unterscheidet das internationale Handelsregelwerk der Welthandelsorganisation (WTO) Produkte nicht nach Herstellungsart (sogenannten Prozess- und Produktionsmethoden, PPM), sondern l\u00e4sst nur Eigenschaften des Endproduktes f\u00fcr eine handelspolitisch unterschiedliche Behandlung gelten. Demgegen\u00fcber betreffen die Sozialregelwerke \u2013 wie diejenigen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) \u2013 und die Umweltregelwerke der multilateralen Umweltabkommen \u2013 z.B. die Klima- und Biodiversit\u00e4tskonvention \u2013 vor allem die sozialen und \u00f6kologischen Bedenken der Produktionsmethoden. Deshalb unterst\u00fctzt das Seco im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit den Aufbau von Labels und deren Anwendung in Entwicklungsl\u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h2>Freiwillige private Standards: Umwelt- und Soziallabels<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFreiwillige private Standards und Labels, die hier als Synonyme verwendet werden, leisten einen Beitrag zur Schliessung bestehender L\u00fccken zwischen den internationalen Regelwerken und zur \u00dcberwindung uneinheitlicher Standards in verschiedenen L\u00e4ndern, die international t\u00e4tige Unternehmen bei der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung vor grosse Herausforderungen stellen. Freiwillige private Standards sind Verhaltensnormen, die im Privatsektor allgemeing\u00fcltige und global verbindliche Kriterien f\u00fcr Produktionsmethoden und -prozesse festlegen. Die Anwendung von freiwilligen Standards beeinflusst zunehmend die Produktion, das K\u00e4uferverhalten und die Unternehmenspolitik internationaler Konzerne. Die unabh\u00e4ngige Zertifizierung garantiert die Einhaltung der Kriterien und erlaubt eine R\u00fcckverfolgbarkeit der Herstellungsbedingungen und Herkunft eines Produkts. Das Seco setzt sich ebenfalls daf\u00fcr ein, dass die Zertifizierungskriterien vereinheitlicht und gegenseitig anerkannt werden. Es unterst\u00fctzt deshalb die <i>International<\/i> Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance (Iseal), einen Zusammenschluss f\u00fchrender Labelorganisationen, der \u00abgute Praktiken\u00bb bei der Standardsetzung, Zertifizierung und Akkreditierung festlegt. Von der Kompatibilit\u00e4t und den damit verbundenen Kosteneinsparungen profitieren alle Marktteilnehmer in der Wertsch\u00f6pfungskette: die Produzenten, der Handel, die Detaillisten und nicht zuletzt die informierten, kritischen Konsumenten. Bei den Schweizer Konsumenten liegt Nachhaltigkeit ganz im Trend: naturbetonte zeitgem\u00e4sse Mode, nat\u00fcrliche und nachhaltig produzierte Kosmetikprodukte, ressourcenschonende Recyclingtaschen aus Lastwagenplanen oder philippinischen Reiss\u00e4cken, das E-Bike zur CO2-neutralen Beschleunigung und der \u00abslowUp\u00bb zur ausgelassenen Entschleunigung, \u00abSlow Food\u00bb als Verbindung von Ethik und Genuss bis hin zum Wiedererwachen der Schreberg\u00e4rten. Bei bewussten Konsumenten stehen aber auch vermehrt aus sozial- und umweltfreundlicher Produktion stammende exotische Erzeugnisse auf dem Menuplan. Dies mit gutem Grund, denn weniger die Schiffsfracht mit Ananas aus Afrika belastet das Klima als vielmehr die Fahrt zum n\u00e4chsten Supermarkt, die zum Beispiel in England die H\u00e4lfte aller durch Transport erzeugten Emissionen verursacht. Dagegen bietet der nachhaltige Kaufentscheid zu Gunsten von Fairtrade, Bio und Spezialit\u00e4ten aus dem S\u00fcden echte Perspektiven f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder.Produzenten verstehen es, sich \u00e4ndernden Konsum- und Marktbed\u00fcrfnissen anzupassen, und setzen vermehrt auf nachhaltige Produktion. 8% des globalen Exports von gr\u00fcnem Kaffee stammt heute aus zertifizierter Produktion; beim Kakao sind es derzeit 3%. Aufgrund des starken Engagements einiger grosser Schokoladenhersteller wird gem\u00e4ss Experten in naher Zukunft f\u00fcr zertifizierten Kakao mit einem Marktanteil von 40% gerechnet. Die Anwendung von freiwilligen privaten Standards tr\u00e4gt neben dem sozialen und umweltvertr\u00e4glichen Umgang mit Ressourcen auch zur Steigerung der Effizienz, Produktivit\u00e4t und Qualit\u00e4t sowie zur Diversifikation der Produkte bei. Der nachhaltige Handel verbessert den Marktzugang, generiert Einkommen und reduziert letztlich die Armut, die als Hauptursache von chronischer Unter- oder Mangelern\u00e4hrung gilt.&#13;<\/p>\n<h2>Der faire Handel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Erfolgsstory ist der faire Handel. In diesem Modell werden mit garantierten Preisen, einer Fairtrade-Pr\u00e4mie, langfristigen Handelsbeziehungen und Erntebevorschussung die Eink\u00fcnfte der Produzenten stabilisiert, die damit ihrerseits langfristig in den Fortschritt bei den Produkten selbst und in ein besseres Umfeld investieren k\u00f6nnen. Die Erweiterung der Produktbasis \u2013 und somit die Diversifizierung der Einkommensquellen \u2013, aber auch die Haltung von Nutztieren zum Eigenverbrauch erlauben, die Ern\u00e4hrungssicherheit bei Fairtrade-Produzenten und ihren Familien zu verbessern. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen die Produzenten innerhalb einer Genossenschaft gemeinsam entscheiden, die Fairtrade-Pr\u00e4mie zum Beispiel direkt f\u00fcr Programme im Bereich der Ern\u00e4hrungssicherheit zu verwenden. Auf der Konsumentenseite erfreut sich dieser konkrete Ansatz zur direkten Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t in den Produzentenl\u00e4ndern wachsender Beliebtheit. Mit der Anschubfinanzierung zur Gr\u00fcndung der Max-Havelaar-Stiftung in der Schweiz im Jahr 1992 ist das Seco ein F\u00f6rderer der ersten Stunde. Der Pioniergeist der Schweizer Hilfswerke, zusammen mit der mutigen und geschickten Marktstrategie der Schweizer Detaillisten, hat die Schweiz mit dem weltweit h\u00f6chsten Pro-Kopf-Konsum von durchschnittlich 35 Franken pro Jahr an die Weltspitze des fairen Handels gef\u00fchrt. Max Havelaar, seit 2002 institutionell und finanziell selbsttragend, geh\u00f6rt heute zu den 100 wichtigsten Marken der Schweiz und gl\u00e4nzt mit einem Bekanntheitsgrad und einer Vertrauensrate des Fairtrade-G\u00fctesiegels von 80% beziehungsweise 83%. Um international die wachsende Nachfrage besser zu befriedigen, die je nach Land j\u00e4hrlich bis zu 50% steigt, haben sich auf Initiative des Seco Anfang 2009 verschiedene Geberl\u00e4nder \u2013 u.a. Norwegen, Grossbritannien, die Niederlande und Deutschland \u2013 zusammengeschlossen, um koordiniert und auf internationaler Ebene den fairen Handel weiter subsidi\u00e4r zu f\u00f6rdern und vor allem die Produktpalette zu erweitern. Auch wenn der faire Handel massgeblich zur Verbesserung der Lebenssituation der Produzenten beitr\u00e4gt, eignet er sich mit einem Anteil von weniger als 0,1% des weltweiten physischen Handels von Agrarprodukten nicht als Standard f\u00fcr den gesamten Welthandel.&#13;<\/p>\n<h2>Business to Business<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch die Unterst\u00fctzung neuer Initiativen wie <i>Better Cotton Initiative (BCI)<\/i> und <i>Common Code for the Coffee Community (4C)<\/i> verhilft das Seco Standards auch im Massenmarkt zum Durchbruch und erh\u00f6ht damit die Breitenwirkung. Die Schweiz will hier als internationale Drehscheibe f\u00fcr den Handel von Agrarrohstoffen Verantwortung \u00fcbernehmen. Bei solchen durch Sektorenverb\u00e4nde getragenen Kodizes f\u00fcr Masseng\u00fcter wie Soja, Kaffee, Kakao oder Baumwolle suchen alle wichtigen Stakeholder oder Anspruchsgruppen (d.h. Produzenten, Industrie und Handel sowie Nichtregierungsorganisationen) gemeinsam eine L\u00f6sung und Strategie f\u00fcr Standards zur sozialen und \u00f6kologischen Vertr\u00e4glichkeit sowie Produktqualit\u00e4t.Beim Kaffee beispielsweise soll durch die Anwendung des 4C ein Grossteil des Kaffeesektors auf freiwilliger Basis auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden, sodass die Mehrheit der Kaffeebauern davon profitiert. Im Zentrum dieser sogenannten Multi-Stakeholder-Dialoge steht ein runder Tisch, wo alle Anspruchsgruppen zusammenkommen und gegenseitig auf die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse, aber auch sich deckende Interessen \u2013 namentlich bei der Qualit\u00e4t \u2013 eingehen. F\u00fcr die Nachfrageseite ist die Qualit\u00e4tssicherung von gr\u00f6sster Bedeutung, was den Eink\u00e4ufern einiges wert ist. F\u00fcr die Angebotsseite bedeutet die Teilnahme am 4C einen h\u00f6heren Preis f\u00fcr bessere Qualit\u00e4t und einen verbesserten Zugang zu internationalen Absatzm\u00e4rkten.&#13;<\/p>\n<h2>Labels auf dem Pr\u00fcfstand<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund des umfangreichen Engagements bei Labels hat das Seco die erste breit abgest\u00fctzte wissenschaftliche Wirkungsanalyse des <i>Committee on Sustainable Assessment (Cosa)<\/i> finanziert, die bei den unterschiedlichen Labels den Nutzen f\u00fcr die Produzenten vergleicht. Bereits bei einem Pilotprojekt der Cosa-Studie im Kaffeesektor in Tansania (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Entwicklungsl\u00e4ndern ist die Kaffeeproduktion f\u00fcr die Bauern eine bedeutende Einkommensquelle, zum Beispiel in Tansania, wo 2 Mio. Menschen ihren Lebensunterhalt teilweise oder ganz mit Kaffee verdienen. Die Schweiz gilt als zentrale Drehscheibe im Kaffeehandel und Schweizer Unternehmen sind Meister in der Veredelung verschiedenster Kaffeeprodukte. Deshalb haben das Seco und das Cosa f\u00fcr das Pilotprojekt den Kaffeesektor in Tansania gew\u00e4hlt, um bei einem Querschnitt von mehr als 1000 Kaffeebauern die entwickelten Modelle zur systematischen Pr\u00fcfung der Effektivit\u00e4t nachhaltiger Praktiken erstmals anzuwenden. Mit dieser Kosten-Nutzen-Analyse k\u00f6nnen Konsumenten und Produzenten zuk\u00fcnftig die unterschiedlichen Initiativen richtig einordnen und ihre Bed\u00fcrfnisse besser abw\u00e4gen. Im Vergleich mit konventionellen Produzenten als Referenzgruppen sind bei allen vier analysierten, in Tansania besonders verbreiteten Labels \u2013 Fairtrade, Bio, Utz Certified und C.A.F.\u00c9. Practices von Starbucks \u2013 deutliche Verbesserungen sozialer, \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Natur zu erkennen. Der Common Code for the Coffee Community (4C) ist in Tansania erst im Aufbau und konnte deshalb in dieser ersten Analysephase nicht ber\u00fccksichtigt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) sind auf allen drei Ebenen der nachhaltigen Entwicklung \u2013 der sozialen, \u00f6konomischen und \u00f6kologischen \u2013 Erfolge und Vorteile gegen\u00fcber der konventionellen Produktion auszumachen. In Bezug auf die Ern\u00e4hrungssicherheit l\u00e4sst die Studie ebenfalls erste interessante Schl\u00fcsse zu.Auf der <i>sozialen<\/i> Ebene f\u00f6rdert die Anwendung aller analysierten Labels die Diversifizierung einerseits in andere, Mehrwert bringende Sektoren und Produkte, die einen besseren Preis erzielen, und andererseits in den Anbau von Nahrungsmitteln zur Erh\u00f6hung des Selbstversorgungsgrades. Beides verbessert die Ern\u00e4hrungssicherheit erheblich. Bei allen Labels geniessen die Kinder einen privilegierten Zugang zu Bildung (h\u00f6here Einschulungsrate und besseres Schulabschlussniveau), wovon sie nur dank ausreichender Ern\u00e4hrung wirklich profitieren k\u00f6nnen. Auf der <i>\u00f6kologischen<\/i> Seite leistet die Anwendung von Labels einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und damit zur ausgewogenen Ern\u00e4hrung. Durch den kontrollierten Pestizideinsatz sowie die Vermeidung von Erosion und Wasserverunreinigung sorgt die Anwendung von Labelkriterien lokal f\u00fcr fruchtbaren Boden und somit h\u00f6here Ertr\u00e4ge. Global wird damit D\u00fcrren und Hungersn\u00f6ten vorgebeugt.Die <i>\u00f6konomische<\/i> Komponente ist schliesslich die Basis f\u00fcr eine allgemein bessere Lebenssituation jenseits von Armut und Hunger. Dank verbesserter Produktqualit\u00e4t, einem Aufpreis und durch Know-how gesteigerter Effizienz kann das verf\u00fcgbare Nettoeinkommen erh\u00f6ht werden. Laut der Cosa-Untersuchung sch\u00e4tzen Produzenten speziell die St\u00e4rkung der Managementkompetenz, die bei der Umsetzung freiwilliger Labels vermittelt wird, weil Fortschritte bei Herstellungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungsmethoden dazu beitragen, ihre Einkommen zu verbessern. Sie verstehen deshalb Qualit\u00e4ts-, Sozial- und Umweltstandards nicht als Handelshemmnis, sondern als Grundstein f\u00fcr die Verbesserung der Lebenssituation.&#13;<\/p>\n<h2>Beispiel Biobaumwolle<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem Kauf eines trendigen T-Shirts aus Biobaumwolle machen Konsumentinnen und Konsumenten ebenso den Unterschied, wie eine Evaluation des vom Seco unterst\u00fctzten Biobaumwollprojekts der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas in Burkina Faso zeigt. Der Baumwollpreis ist seit 2006 im Verh\u00e4ltnis zu den Nahrungsmittelpreisen kontinuierlich gesunken, was bei konventionellen Bauern die Kaufkraft der Haushalte um zirka 3,5% verringert hat. Die Biobaumwollbauern profitieren gegen\u00fcber konventioneller Baumwolle von einem h\u00f6heren wirtschaftlichen Nettoertrag, der es ihnen erlaubt, einen Teil des Einkommens in die allgemeine Verbesserung der Lebenssituation zu investieren. Neben Schulbildung, Gesundheit und Wohnen fliesst der Mehrertrag vornehmlich in eine gute Ern\u00e4hrung, die wiederum die physische und psychische Leistungsf\u00e4higkeit erh\u00f6ht. Gem\u00e4ss Studie hat sich ihre Ern\u00e4hrung betreffend Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t \u2013 z.B. mit der Vielseitigkeit des Speiseplans und der Anzahl Mahlzeiten \u2013 sp\u00fcrbar verbessert. Gegen\u00fcber konventionellen Baumwollproduzenten teilen Biobaumwollbauern einen gr\u00f6sseren Landanteil dem Lebensmittelanbau zu. Sie erh\u00f6hen den Selbstversorgungsgrad und reduzieren m\u00f6gliche Versorgungsengp\u00e4sse. Die Bodenfruchtbarkeit und der Fruchtwechsel k\u00f6nnen langfristig durch die Diversifizierung in andere wirtschaftlich rentable Agrarsektoren \u2013 wie biologische Erdn\u00fcsse \u2013 gest\u00e4rkt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Beispiel nachhaltiges Waldmanagement<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch die umfassende St\u00e4rkung der nachhaltigen Tropenwaldbewirtschaftung leistet durch die Umsetzung der Kriterien des <i>Forest Stewardship Council (FSC)<\/i> direkt und indirekt einen wichtigen Beitrag zur Ern\u00e4hrungssicherheit in Entwicklungsl\u00e4ndern. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die dank Marktzugang f\u00fcr Klimazertifikate, Umweltdienstleistungen, Nichtholzprodukte und Tourismus gegen\u00fcber anderen Landnutzungsformen wirtschaftlich an Attraktivit\u00e4t gewinnt, generiert nicht nur Mehrwert und Einkommen, sondern sch\u00fctzt auch vor einer Abholzung der Tropenw\u00e4lder. Das \u00d6kosystem, die Biodiversit\u00e4t, die Nutzungsfl\u00e4chen von Kleinbauern und damit die Lebensgrundlage der lokalen Bev\u00f6lkerung bleiben dadurch erhalten. Die Abwendung der weltweiten Entwaldung, die mehr als 20% der globalen CO2-Emissionen verursacht, reduziert schliesslich die mit der Klimaerw\u00e4rmung verbundenen Umweltrisiken sowie die Gefahr vor Ernteausf\u00e4llen und tieferen Ertr\u00e4gen. Zwei konkrete Beispiele f\u00fcr entsprechende Projekte des Seco werden in <i>Kasten 2<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf dem malaysischen Teil der Insel Borneo hat das Seco zusammen mit der Stiftung Intercooperation das Erbe des in Sarawak verschollenen Umweltaktivisten Bruno Manser weitergef\u00fchrt. Mit dem BrunoManser-Fonds hat man f\u00fcr den Nationalpark Pulong Tau (\u00abUnser Land\u00bb) die richtige Mischung gefunden, die einerseits mit der Erhaltung der Biodiversit\u00e4t die Existenzgrundlage und den Fortbestand der traditionellen Lebensform sichert und andererseits mit der nachhaltigen Nutzung der Waldressourcen in sogenannten Pufferzonen zur \u00dcberlebensf\u00e4higkeit der Bewohner des Parks beitr\u00e4gt. Im Kongobecken unterst\u00fctzte das Seco ein gemeinsames Projekt von Nichtregierungsorganisationen, Privatsektor und Regierung, das ausserhalb der gesch\u00fctzten Gebiete, die nur 7% des Kongobeckens ausmachen, eine kontrollierte Nutzung des Tropenwaldes und damit eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region zu Gunsten der lokalen Bev\u00f6lkerung garantiert. Dieses Projekt hat die ersten Holzerzeugnisse Afrikas mit dem weltweit anerkannten und bei den Konsumenten beliebten FSC-Label auf den Markt gebracht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nvorgestellt.&#13;<\/p>\n<h2>Global denken, lokal handeln<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wirkungsanalysen belegen, dass Nachhaltigkeits-Labels im Rahmen fairer Handelsbeziehungen das Know-how und die Eigenst\u00e4ndigkeit der Produzenten st\u00e4rken, den Marktzugang verbessern und Mehreinkommen generieren. Die Produzenten investieren in die Diversifizierung, was den Selbstversorgungsgrad erh\u00f6ht und gleichzeitig die Abh\u00e4ngigkeit von einem einzigen Agrarrohstoff reduziert, ihre Einkommensbasis erweitert und letztlich eine ausgewogene Ern\u00e4hrung sichert. Die Produzenten wollen keine Almosen, sondern wollen durch Wettbewerbsf\u00e4higkeit im internationalen Markt bestehen und f\u00fcr ihre Produkte, die in Bezug auf die Produktqualit\u00e4t und Nachhaltigkeit den internationalen Bed\u00fcrfnissen und Anforderungen entsprechen, angemessen entsch\u00e4digt werden.Auf der Konsumentenseite mag der Schrebergarten zwar als Naherholungsgebiet und \u2013 im Zuge der Klima-, Wirtschafts- und Ern\u00e4hrungskrise \u2013 als Utopie einer autarken Lebensform taugen, nicht aber als Modell, um Br\u00fccken f\u00fcr ein nachhaltiges globales Ern\u00e4hrungssystem zu bauen. Der nachhaltige Handel hingegen leistet dank dem zunehmend bewussten Konsumverhalten und dem Interesse von Handel und Detaillisten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung der Produzentenl\u00e4nder. Der weltber\u00fchmte Schlusssatz von Voltaires <i>Candide (\u00abIl faut cultiver notre jardin\u00bb),<\/i> der die Kontinente bereist und trotz \u00dcberfluss nur Mangel erfahren hat, mag dann stimmen, wenn eine Besinnung auf das Wesentliche so verstanden wird, dass alle im Alltag etwas zur weltweiten Ern\u00e4hrungssicherheit beitragen k\u00f6nnen.Global denken, lokal handeln \u2013 das heisst bei Produzenten und Konsumenten, eine sozial, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch vertr\u00e4gliche Nutzung der Ressourcen zu f\u00f6rdern. Global handeln will das Seco, um in der ganzen Wertsch\u00f6pfungskette den nachhaltigen Handel zwischen dem S\u00fcden und Norden weiter zu st\u00e4rken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Pilotprojekt in Tansania&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Entwicklungsl\u00e4ndern ist die Kaffeeproduktion f\u00fcr die Bauern eine bedeutende Einkommensquelle, zum Beispiel in Tansania, wo 2 Mio. Menschen ihren Lebensunterhalt teilweise oder ganz mit Kaffee verdienen. Die Schweiz gilt als zentrale Drehscheibe im Kaffeehandel und Schweizer Unternehmen sind Meister in der Veredelung verschiedenster Kaffeeprodukte. Deshalb haben das Seco und das Cosa f\u00fcr das Pilotprojekt den Kaffeesektor in Tansania gew\u00e4hlt, um bei einem Querschnitt von mehr als 1000 Kaffeebauern die entwickelten Modelle zur systematischen Pr\u00fcfung der Effektivit\u00e4t nachhaltiger Praktiken erstmals anzuwenden. Mit dieser Kosten-Nutzen-Analyse k\u00f6nnen Konsumenten und Produzenten zuk\u00fcnftig die unterschiedlichen Initiativen richtig einordnen und ihre Bed\u00fcrfnisse besser abw\u00e4gen. Im Vergleich mit konventionellen Produzenten als Referenzgruppen sind bei allen vier analysierten, in Tansania besonders verbreiteten Labels \u2013 Fairtrade, Bio, Utz Certified und C.A.F.\u00c9. Practices von Starbucks \u2013 deutliche Verbesserungen sozialer, \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Natur zu erkennen. Der Common Code for the Coffee Community (4C) ist in Tansania erst im Aufbau und konnte deshalb in dieser ersten Analysephase nicht ber\u00fccksichtigt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Projekte des Seco f\u00fcr nachhaltiges Waldmanagement \u2013 zwei Beispiele&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf dem malaysischen Teil der Insel Borneo hat das Seco zusammen mit der Stiftung Intercooperation das Erbe des in Sarawak verschollenen Umweltaktivisten Bruno Manser weitergef\u00fchrt. Mit dem BrunoManser-Fonds hat man f\u00fcr den Nationalpark <i>Pulong Tau<\/i> (\u00abUnser Land\u00bb) die richtige Mischung gefunden, die einerseits mit der Erhaltung der Biodiversit\u00e4t die Existenzgrundlage und den Fortbestand der traditionellen Lebensform sichert und andererseits mit der nachhaltigen Nutzung der Waldressourcen in sogenannten Pufferzonen zur \u00dcberlebensf\u00e4higkeit der Bewohner des Parks beitr\u00e4gt. Im Kongobecken unterst\u00fctzte das Seco ein gemeinsames Projekt von Nichtregierungsorganisationen, Privatsektor und Regierung, das ausserhalb der gesch\u00fctzten Gebiete, die nur 7% des Kongobeckens ausmachen, eine kontrollierte Nutzung des Tropenwaldes und damit eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region zu Gunsten der lokalen Bev\u00f6lkerung garantiert. Dieses Projekt hat die ersten Holzerzeugnisse Afrikas mit dem weltweit anerkannten und bei den Konsumenten beliebten FSC-Label auf den Markt gebracht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Quellen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Aussenwirtschaftsbericht, 2009.\u2013 COSA Analysis of Sustainability in Coffee Production: Initial Results in Tanzania, International Institute for Sustainable Development (iisd), 2010.\u2013 The Last Ten Years: A Comprehensive Review of the Literature on the Impact of Fairtrade, Natural Resources Institute, 2009.\u2013 Etude d\u2019impact du programme coton-bio et \u00e9quitable d\u2019Helvetas, Centre for development and environment, 2009.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein nachhaltig ausgerichtetes globales Ern\u00e4hrungssystem beginnt mit einem effizienteren Umgang mit Ressourcen. Mit der Handelsf\u00f6rderung f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder unterst\u00fctzt das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) den Aufbau und die Anwendung von Labels, die auf Produzenten- und Konsumentenseite das \u00f6konomisch, \u00f6kologisch und sozial vertr\u00e4gliche Verhalten st\u00e4rken. 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