{"id":121266,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/09\/harder-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:27","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:27","slug":"harder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/09\/harder\/","title":{"rendered":"Der Beitrag der Schweiz zu einem nachhaltigen globalen Ern\u00e4hrungssystem"},"content":{"rendered":"<p>Die starken Preisanstiege bei Getreide, \u00d6lsaaten und Milchprodukten in den Jahren 2007 und 2008 haben Fragen zur Ern\u00e4hrungssicherheit auf globaler Ebene zu einem wichtigen Thema werden lassen. Die internationale Gemeinschaft ist sich einig, dass enorme Anstrengungen notwendig sind, damit eine ausgewogene Ern\u00e4hrung f\u00fcr eine wachsende Weltbev\u00f6lkerung nachhaltig gesichert werden kann. Angef\u00fchrt von der UN-Organisation f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (FAO) sind auf internationaler Ebene verschiedene Initiativen ergriffen worden, um die Investitionen in den lange vernachl\u00e4ssigten Agrarsektor zu erh\u00f6hen. Die Schweiz unterst\u00fctzt diese Bem\u00fchungen, setzt sich f\u00fcr faire internationale Rahmenbedingungen ein und f\u00f6rdert im Inland eine nachhaltige und marktgerechte Produktion.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den Jahren 2007 und 2008 stiegen auf dem Weltmarkt die Preise wichtiger Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis, \u00d6l und Milch in kurzer Zeit stark an. Ungewohnt war, dass die Preise auf breiter Front stiegen und die Erh\u00f6hungen mit 200% bis 300% sehr ausgepr\u00e4gt waren. Die Ern\u00e4hrungssicherheit wurde mit einem Schlag wieder aktuell und breit diskutiert. So rasch, wie die Preise gestiegen waren, fielen sie 2009 auch wieder. Gute Ernten und die sich abschw\u00e4chende Nachfrage \u2013 insbesondere bei den Milchprodukten \u2013 sowie fallende Erd\u00f6lpreise als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise waren die Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Der Preisindex der FAO (vgl. <i>Grafik 1<\/i>) zeigt, dass die Preise aber nicht mehr auf das Niveau zu Beginn des Jahrhunderts zur\u00fcckgingen, sondern h\u00f6her liegen als in der Referenzperiode 2002\/04. Dies gilt auch f\u00fcr den Food Price Index. Grundnahrungsmittel sind auf globaler Ebene also teurer geworden. Das Beispiel Zucker verdeutlicht, dass Preisschwankungen jederzeit auftreten k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Ern\u00e4hrungssicherheit im Fokus internationaler Initiativen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Zahl der Hungerleidenden ist weltweit von rund 870 Mio. zwischen 2004 und 2006 auf heute \u00fcber 1 Mrd. angestiegen. Diese Zunahme ist gr\u00f6sstenteils auf den markanten Anstieg der Lebensmittelpreise 2007\u20132008 sowie auf die globale Finanz- und Wirtschaftskrise zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese besorgniserregende Entwicklung, die durch Probleme wie den Klimawandel, die zunehmende Ressourcenknappheit und die ver\u00e4nderten Konsumgewohnheiten noch verst\u00e4rkt wird, gef\u00e4hrdet die Erreichung des 1. Millenniumsziels, wonach zwischen 2000 und 2015 der Anteil der Hunger leidenden Menschen halbiert werden soll. Sie hat deutlich gemacht, dass nach langen Jahren des r\u00fcckl\u00e4ufigen Engagements wieder mehr in die Landwirtschaft, die l\u00e4ndliche Entwicklung und die Ern\u00e4hrungssicherheit investiert werden muss.Es hat sich gezeigt, dass die internationale Gemeinschaft vermehrt koordiniert, koh\u00e4rent und effizient handeln muss, um der Verschlechterung der weltweiten Ern\u00e4hrungssicherheit zu begegnen. So wurden in den vergangenen zwei Jahren verschiedene Initiativen in diesem Bestreben lanciert (vgl. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Im Jahr 2008 setzte der UNO-Generalsekret\u00e4r eine Taskforce zur Bek\u00e4mpfung der globalen Ern\u00e4hrungskrise ein. Ihre Aufgabe ist es, die Aktivit\u00e4ten der multilateralen Entwicklungsagenturen auf L\u00e4nderebene mittels eines globalen Handlungsrahmens zu vereinen und zu koordinieren. Dieser globale Handlungsrahmen, der im Juli 2008 erarbeitet wurde, umfasst einen priorit\u00e4ren Aktionsplan, um den dringenden Bed\u00fcrfnissen der betroffenen Bev\u00f6lkerung zu entsprechen und den strukturellen Faktoren, welche die Ern\u00e4hrungskrise herbeigef\u00fchrt haben, entgegenzuwirken. Der globale Handlungsrahmen wird 2010 \u00fcberarbeitet, um ihn unter Ber\u00fccksichtigung der gesamten Palette an erforderlichen Massnahmen zur Gew\u00e4hrleistung der Ern\u00e4hrungssicherheit f\u00fcr alle auf die heutigen Gegebenheiten anzupassen.\u2212 Ebenfalls 2008 organisierte der UNO-Menschenrechtsrat eine Sondersession zu den Auswirkungen der Ern\u00e4hrungskrise auf das Recht auf Nahrung. Seither widmet der Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung dieser Thematik in seinen Jahresberichten zuhanden des UNO-Menschenrechtsrats und der UNO-Vollversammlung besondere Aufmerksamkeit.\u2212 2009 lancierten die G8-Staaten mit der Unterst\u00fctzung einiger L\u00e4nder und internationaler Organisationen die LAquila-Initiative f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit. Eines der Hauptziele besteht darin, \u00fcber drei Jahre 20 Mrd. US-Dollar Hilfsgelder f\u00fcr die Landwirtschaft und die Ern\u00e4hrungssicherheit zu mobilisieren.\u2212 Es wurden zus\u00e4tzliche Mittel der internationalen Finanzinstitute (Weltbankgruppe, regionale Entwicklungsbanken, Ifad) zur Unterst\u00fctzung der b\u00e4uerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsl\u00e4ndern mobilisiert. So wurde im April 2010 beispielsweise ein neuer Multi-Geber-Treuhandfonds, das globale Programm f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit (GAFSP), errichtet. Dieser von der Weltbank verwaltete Fonds wird eine zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung des Agrarsektors zur Verbesserung der Ern\u00e4hrungssicherheit und der Einkommen in den am wenigsten entwickelten L\u00e4ndern finanzieren.\u2212 Das FAO-Komitee f\u00fcr globale Ern\u00e4hrungssicherheit (CFS) durchlief eine erste Reformetappe, die im November 2009 beschlossen worden war. Ziel war es, aus diesem Organ ein zentrales Element der globalen Partnerschaft f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit zu machen, die im Rahmen der Erkl\u00e4rung von Rom begr\u00fcndet worden war. In diesem Zusammenhang ist geplant, 2010 eine Taskforce zur Ern\u00e4hrungssicherheit einzusetzen, die als wissenschaftlicher Pfeiler des CFS dienen soll.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Diese Initiativen der internationalen Gemeinschaft bildeten die Kulisse des Weltern\u00e4hrungsgipfels, der im November 2009 von der FAO in Rom veranstaltet wurde und dessen Schlusspunkt die Verabschiedung einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung bildete. Darin werden eine globale Partnerschaft f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit begr\u00fcndet und strategische Ziele definiert. Um diese zu erreichen, m\u00fcssen die Engagements und Aktionen der Regierungen auf den folgenden <i>f\u00fcnf Grunds\u00e4tzen von Rom f\u00fcr eine nachhaltige Welt-Ern\u00e4hrungssicherheit<\/i> aufbauen:\u2212 in Pl\u00e4ne von betroffenen L\u00e4ndern investieren, die darauf ausgerichtet sind, Ressourcen in gut durchdachte und zielgerichtete Programme und Partnerschaften einfliessen zu lassen;\u2212 die strategische Zusammenarbeit auf nationaler, regionaler und globaler Ebene st\u00e4rken, um die Gouvernanz zu verbessern, einen effizienteren Ressourceneinsatz zu f\u00f6rdern, Doppelspurigkeiten zu vermeiden und M\u00e4ngel aufzudecken;\u2212 einen doppelten Ansatz der Ern\u00e4hrungssicherheit verfolgen, der sowohl kurzfristige Nothilfemassnahmen als auch langfristige Entwicklungsprogramme umfasst;\u2212 die Effizienz, Koordination und Effektivit\u00e4t der multilateralen Institutionen verbessern;\u2212 ein nachhaltiges und substanzielles Engagement aller Partner f\u00fcr Investitionen in die Landwirtschaft und die Ern\u00e4hrungssicherheit sicherstellen.Bestrebungen zur St\u00e4rkung der internationalen Gouvernanz in Sachen Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit werden von der Schweiz aktiv unterst\u00fctzt. Sie erachtet es als notwendig, dass die internationale Gemeinschaft globale Herausforderungen koordiniert und koh\u00e4rent angeht sowie angemessen finanziert. Unser Land beteiligt sich aktiv am Prozess, der die FAO mittels der Reform dieser Organisation sowie der Einrichtung einer globalen Partnerschaft f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit erneuern soll. Zudem pl\u00e4diert die Schweiz f\u00fcr einen Ansatz, der auf dem Recht auf Nahrung, der Verbesserung der Reaktionsf\u00e4higkeit in Notlagen, dem Ausbau der Investitionen in die Landwirtschaft \u2013 namentlich \u00fcber innovative Finanzierungsmodelle wie \u00f6ffentlich-private Partnerschaften (PPP) \u2013 sowie der Notwendigkeit einer nachhaltigen Produktions- und Produktivit\u00e4tssteigerung in der Landwirtschaft beruht.&#13;<\/p>\n<h2>Ern\u00e4hrungssicherheit auch in der Schweiz ein Thema<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz sind als Folge der Nahrungsmittelkrise im Fr\u00fchjahr 2008 eine grosse Zahl von parlamentarischen Vorst\u00f6ssen zum Thema Ern\u00e4hrungssicherheit und -souver\u00e4nit\u00e4t eingereicht worden, darunter das Postulat Stadler \u00abNahrungsmittelkrise, Rohstoff- und Ressourcenknappheit\u00bb&#13;<br \/>\nSR 08.3270., welches einen Bericht zu diesen Themen verlangte. Der Bundesrat nahm das Postulat an und verabschiedete den entsprechenden Bericht dazu im August 2009. Der Verbrauch von Nahrungsmitteln betr\u00e4gt in der Schweiz aktuell rund 39&nbsp;000 Terajoule. Produziert werden in der Schweiz rund 24&nbsp;000 Terajoule. Dies bedeutet, dass die Schweiz einen Bruttoselbstversorgungsgrad von rund 60% aufweist. Brutto wird er genannt, weil in dieser Produktion auch die mit importierten Futtermitteln produzierten tierischen Produkte mitgez\u00e4hlt werden. Netto \u2013 also ohne Ber\u00fccksichtigung der Nahrungsmittel, die aus importierten Futtermitteln produziert werden \u2013 liegt der Versorgungsgrad bei 55%. Die Ern\u00e4hrung der Schweizer Bev\u00f6lkerung \u2013 und damit auch die Ern\u00e4hrungssicherheit \u2013 h\u00e4ngt also auch von den Importen ab.Der Bericht des Bundesrates zum Postulat Stadler sieht zwei priorit\u00e4re Handlungsfelder vor, um die Ern\u00e4hrungssicherheit der Schweizer Bev\u00f6lkerung in einer Welt mit zunehmend knapper werdenden Rohstoffen und Ressourcen langfristig sicherstellen zu k\u00f6nnen: \u2212 Zum einen das Engagement auf internationaler Ebene. Ansatzpunkte sind z.B. faire Handelsregeln oder die F\u00f6rderung von Transparenz f\u00fcr die Konsumentinnen und Konsumenten. Bei der Entwicklungszusammenarbeit steht die st\u00e4rkere Betonung der Landwirtschaft und der nachhaltigen Nutzung der nat\u00fcrlichen Ressourcen im Vordergrund. \u2212 Zum andern sind im Inland die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Landwirtschaft mit einer nachhaltigen Produktion die vorhandenen Ressourcen optimal nutzen kann.&#13;<\/p>\n<h2>Unterst\u00fctzung der Ern\u00e4hrungssicherheit im internationalen Bereich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit unterst\u00fctzt die Schweiz bereits seit langem den Handel mit nachhaltig erzeugten landwirtschaftlichen Produkten, die wirtschaftliche Diversifizierung, effiziente Versorgungsinfrastrukturen, die ressourceneffiziente Weiterverarbeitung agrarischer Rohstoffe und den daf\u00fcr ben\u00f6tigten Technologietransfer sowie die Ausarbeitung entsprechender politischer Rahmenbedingungen in diesen Bereichen.Unilaterale Zollpr\u00e4ferenzen sind ein Instrument, um Entwicklungsl\u00e4ndern den Zugang zum Schweizer Markt zu erleichtern. So bietet die Schweiz den \u00e4rmsten Entwicklungsl\u00e4ndern Zollfreiheit f\u00fcr ihre Agrarprodukte. Damit Produzenten in Entwicklungsl\u00e4ndern einen \u00dcberblick \u00fcber die Einfuhrbestimmungen f\u00fcr Waren in die Schweiz erhalten, wurde unter <i><a href=\"http:\/\/www.exporttoswitzerland.com\">http:\/\/www.exporttoswitzerland.com<\/a><\/i> ein Informationsportal aufgeschaltet. Die Informationen betreffen sowohl m\u00f6gliche Zollerleichterungen als auch technische Bestimmungen, welche beim Import von Waren in die Schweiz einzuhalten sind. Zur Steigerung der Exportf\u00e4higkeit und zur besseren Integration in internationale Wertsch\u00f6pfungsketten unterst\u00fctzt das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Produzenten bei der Erf\u00fcllung der internationalen technischen Normen und Standards. In Zusammenarbeit mit der UN-Organisation f\u00fcr industrielle Entwicklung (Unido) werden Programme durchgef\u00fchrt, in denen die lokalen Beh\u00f6rden der Partnerl\u00e4nder bei der Einhaltung von Qualit\u00e4tsstandards und Normen unterst\u00fctzt werden. Neben den rein technischen Standards ist die Einhaltung weiterer minimaler Qualit\u00e4tsanforderungen notwendig, um auf die M\u00e4rkte der Industriel\u00e4nder exportieren zu k\u00f6nnen. Im Landwirtschaftsbereich sind dies vor allem die sogenannten <i>Good Agricultural Practices<\/i> und Management-Standards.Die Schweiz setzt sich in der WTO f\u00fcr die Ausarbeitung g\u00fcnstiger Rahmenbedingungen f\u00fcr die Anwendung transparenter Standards und Labels ein, die im Rahmen eines breit abgest\u00fctzten Prozesses aller involvierten Stakeholder erarbeitet und verabschiedet worden sind. Als konkrete Massnahmen der Handelsf\u00f6rderung werden Projekte zur Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards durch sogenannte Multi-Stakeholder-Prozesse im Handel mit wichtigen agrarischen Rohstoffen \u2013 wie Kaffee, Tropenholz, Soja, Baumwolle und Biotreibstoffe \u2013 unterst\u00fctzt. Dazu z\u00e4hlen auch Bio- und Fair-Trade-Produkte. Angesichts der Verschlechterung der Ern\u00e4hrungslage in den Entwicklungsl\u00e4ndern hat die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) im Oktober 2008 ein Globalprogramm Ern\u00e4hrungssicherheit (GPFS) ins Leben gerufen. Die Hauptaufgabe des GPFS besteht darin, zur erfolgreichen Weiterentwicklung der globalen Ern\u00e4hrungssicherheitspolitik beizutragen. Zu diesem Zweck werden einschl\u00e4gige Initiativen, Prozesse und Akteure sowohl auf multilateraler als auch auf regionaler oder nationaler Ebene unterst\u00fctzt.Zahlreiche multilaterale Organisationen sind auf Gebieten t\u00e4tig, die mehr oder weniger eng mit der Ern\u00e4hrungssicherheit zusammenh\u00e4ngen. Dazu geh\u00f6ren die FAO, das Weltern\u00e4hrungsprogramm (WFP), die Fachzentren der Beratungsgruppe f\u00fcr internationale Agrarforschung (CGIAR), das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der Internationale Fonds f\u00fcr Agrarentwicklung (Ifad), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef), die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken. Die schweizerischen Nichtregierungsorganisationen (NGO), die in der Entwicklungshilfe aktiv sind, leisten seit langer Zeit Grundlagenarbeit im Kampf gegen den Hunger. Die \u00f6kologische und soziale Vertr\u00e4glichkeit der Biotreibstoffproduktion \u2013 insbesondere die Gew\u00e4hrleistung der Ern\u00e4hrungssicherheit \u2013 ist eine zentrale Grundanforderung. Mit dem Inkrafttreten des revidierten Mineral\u00f6lsteuergesetzes und der Mineral\u00f6lsteuerverordnung im Jahr 2008 sowie der Treibstoff\u00f6kobilanz-Verordnung des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) Mitte April 2009 kn\u00fcpfte die Schweiz als erstes Land weltweit die Unterst\u00fctzung von biogenen Treibstoffen an die Erf\u00fcllung verbindlicher \u00f6kologischer und sozialer Kriterien. Die Schweiz will den eingeschlagenen Weg fortfahren und international ihre Vorreiterrolle konsolidieren. Sie will ihre Regelungen bez\u00fcglich Nachhaltigkeitsanforderung mit der EU unter Wahrung der qualitativ hohen Anforderungen der Schweizer Gesetzgebung harmonisieren sowie weiterhin aktiv zur Etablierung international anerkannter Normen und deren Konvergenz beitragen.&#13;<\/p>\n<h2>Produktionsstandort Schweiz in einem globalen Umfeld st\u00e4rken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz gibt Artikel 104 der Bundesverfassung die Ziele f\u00fcr die Landwirtschaft vor. Gem\u00e4ss diesem Artikel hat \u00abder Bund daf\u00fcr zu sorgen, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet zur:a) sicheren Versorgung der Bev\u00f6lkerung;b) Erhaltung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der Kulturlandschaft;c) dezentralen Besiedlung des Landes.\u00bbIn der Schweiz spielt die Multifunktionalit\u00e4t der Landwirtschaft eine grosse Rolle. Zus\u00e4tzlich zur Produktion von Nahrungsmitteln als Beitrag zur Ern\u00e4hrungssicherheit soll sie auch schonend mit den nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen umgehen, die Kulturlandschaft pflegen und mit ihren Aktivit\u00e4ten Teil eines attraktiven l\u00e4ndlichen Raums sein. Zentral ist auch, dass die Entwicklung nachhaltig verl\u00e4uft. Dabei sind einerseits Eigenanstrengungen der Landwirtschaft zur Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit gefragt. Anderseits leistet der Staat einen Beitrag, indem er f\u00fcr gemeinwirtschaftliche und \u00f6kologische Leistungen, die \u00fcber den Markt nicht abgegolten werden, Direktzahlungen ausrichtet.In den letzten zwei Jahren hat die eigene Produktion als Teil der Ern\u00e4hrungssicherheit an politischer Bedeutung gewonnen. So wurde die Motion von Siebenthal&#13;<br \/>\nSR 08.3194., welche einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 60% verlangt, von beiden R\u00e4ten gutgeheissen. Dies gilt auch f\u00fcr eine parlamentarische Initiative Bourgeois&#13;<br \/>\nSR 08.457., welche bezweckt, den Begriff Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t (vgl. <i>Kasten 3<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die FAO ist Ern\u00e4hrungssicherheit dann gegeben, wenn \u00abdie Menschen jederzeit Zugang zu gen\u00fcgender und ausgewogener Ern\u00e4hrung haben, um ein aktives Leben in Gesundheit f\u00fchren zu k\u00f6nnen\u00bb. Dieser Begriff wird von vielen Regierungen als offizielles Politikziel anerkannt.Der Begriff der <i>Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t<\/i> wurde von La Via Campesina, einem weltweiten Zusammenschluss von Kleinbauern, gepr\u00e4gt und 1996 erstmals verwendet. Der Begriff ist bis heute aber weder eindeutig definiert noch international anerkannt. Im Bericht zum Postulat Stadler wurde der Begriff wie folgt umschrieben: \u00abErn\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t bezeichnet das Recht, als Volk, Land und L\u00e4ndergruppe die eigene Landwirtschafts- und Ern\u00e4hrungspolitik selbst zu definieren, beziehungsweise die Selbstbestimmung bez\u00fcglich Art und Weise, wie Nahrungsmittel produziert werden, und das Recht auf Versorgung mit eigenen Nahrungsmitteln, soweit die von ihm bzw. ihr eingegangenen v\u00f6lkerrechtlichen Vereinbarungen nicht verletzt werden.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) in das Landwirtschaftsgesetz aufzunehmen. Beide Vorst\u00f6sse haben zum Ziel, den Produktionsstandort Schweiz vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen zur Ern\u00e4hrungssicherung zu st\u00e4rken.Den Anliegen der beiden Vorst\u00f6sse soll im Rahmen der n\u00e4chsten Etappe zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik f\u00fcr die Jahre 2014\/17 Rechnung getragen werden. Insgesamt sind die Fragen rund um ein nachhaltiges globales Ern\u00e4hrungssystem f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gestaltung der Schweizer Agrarpolitik von grosser Bedeutung. Dabei geht es zum einen darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine optimale Nutzung des vorhandenen Produktionspotenzials in der Schweiz erlauben, zum andern auch um die Unterst\u00fctzung von Bem\u00fchungen f\u00fcr ein nachhaltiges globales Ern\u00e4hrungssystem. Die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen f\u00fcr die Schweizer Landwirtschaft soll dazu beitragen, das nat\u00fcrliche Potenzial zur Produktion von Nahrungsmitteln so weit wie m\u00f6glich zu nutzen. Dabei sind die Anreize so zu setzen, dass die Produktion mit standortangepasster Intensit\u00e4t erfolgt und die Tragf\u00e4higkeit der \u00d6kosysteme ber\u00fccksichtigt wird. Notwendige Verbesserungen im \u00f6kologischen Bereich sollen insbesondere durch eine Steigerung der Ressourceneffizienz erreicht werden. Die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft soll die Wertsch\u00f6pfung ausserdem mit einer konsequenten Qualit\u00e4tsstrategie und einem Ausnutzen der vorhandenen Kostensenkungspotenziale weiter verbessern. Damit Verbesserungen in der Produktion, der Verarbeitung und der Verteilung eine m\u00f6glichst grosse Wirkung entfalten k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie mit einem nachhaltigeren Konsum einhergehen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit einem allf\u00e4lligen Abschluss der WTO-Verhandlungen oder dem derzeit in Verhandlung stehenden Abkommen im Agrar-, Lebensmittel- und Gesundheitsbereich mit der EU w\u00fcrde die Schweizer Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft noch st\u00e4rker als heute die Einfl\u00fcsse des internationalen Handels mit Agrarg\u00fctern sp\u00fcren. Diese zunehmende internationale Verflechtung macht es notwendig, dass sich die Schweiz weiterhin aktiv f\u00fcr Bem\u00fchungen zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft auf internationaler Ebene einsetzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung der Produzentenpreise verschiedener Agrarprodukte\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die wichtigsten Initiativen zur Verbesserung der globalen Ern\u00e4hrungssicherheit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Im Jahr 2008 setzte der UNO-Generalsekret\u00e4r eine Taskforce zur Bek\u00e4mpfung der globalen Ern\u00e4hrungskrise ein. Ihre Aufgabe ist es, die Aktivit\u00e4ten der multilateralen Entwicklungsagenturen auf L\u00e4nderebene mittels eines globalen Handlungsrahmens zu vereinen und zu koordinieren. Dieser globale Handlungsrahmen, der im Juli 2008 erarbeitet wurde, umfasst einen priorit\u00e4ren Aktionsplan, um den dringenden Bed\u00fcrfnissen der betroffenen Bev\u00f6lkerung zu entsprechen und den strukturellen Faktoren, welche die Ern\u00e4hrungskrise herbeigef\u00fchrt haben, entgegenzuwirken. Der globale Handlungsrahmen wird 2010 \u00fcberarbeitet, um ihn unter Ber\u00fccksichtigung der gesamten Palette an erforderlichen Massnahmen zur Gew\u00e4hrleistung der Ern\u00e4hrungssicherheit f\u00fcr alle auf die heutigen Gegebenheiten anzupassen.\u2212 Ebenfalls 2008 organisierte der UNO-Menschenrechtsrat eine Sondersession zu den Auswirkungen der Ern\u00e4hrungskrise auf das Recht auf Nahrung. Seither widmet der Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung dieser Thematik in seinen Jahresberichten zuhanden des UNO-Menschenrechtsrats und der UNO-Vollversammlung besondere Aufmerksamkeit.\u2212 2009 lancierten die G8-Staaten mit der Unterst\u00fctzung einiger L\u00e4nder und internationaler Organisationen die LAquila-Initiative f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit. Eines der Hauptziele besteht darin, \u00fcber drei Jahre 20 Mrd. US-Dollar Hilfsgelder f\u00fcr die Landwirtschaft und die Ern\u00e4hrungssicherheit zu mobilisieren.\u2212 Es wurden zus\u00e4tzliche Mittel der internationalen Finanzinstitute (Weltbankgruppe, regionale Entwicklungsbanken, Ifad) zur Unterst\u00fctzung der b\u00e4uerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsl\u00e4ndern mobilisiert. So wurde im April 2010 beispielsweise ein neuer Multi-Geber-Treuhandfonds, das globale Programm f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit (GAFSP), errichtet. Dieser von der Weltbank verwaltete Fonds wird eine zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung des Agrarsektors zur Verbesserung der Ern\u00e4hrungssicherheit und der Einkommen in den am wenigsten entwickelten L\u00e4ndern finanzieren.\u2212 Das FAO-Komitee f\u00fcr globale Ern\u00e4hrungssicherheit (CFS) durchlief eine erste Reformetappe, die im November 2009 beschlossen worden war. Ziel war es, aus diesem Organ ein zentrales Element der globalen Partnerschaft f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit zu machen, die im Rahmen der Erkl\u00e4rung von Rom begr\u00fcndet worden war. In diesem Zusammenhang ist geplant, 2010 eine Taskforce zur Ern\u00e4hrungssicherheit einzusetzen, die als wissenschaftlicher Pfeiler des CFS dienen soll.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Ausrichtung des schweizerischen Engagements an den Grunds\u00e4tzen von Rom&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2010 nahmen das Eidgen\u00f6ssische Volkswirtschaftsdepartement (EVD) und das Eidgen\u00f6ssische Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) gemeinsam die Massnahmen und Aktionen unseres Landes unter die Lupe. Sie kamen zum Schluss, dass diese im Grossen und Ganzen mit den Grunds\u00e4tzen von Rom konform sind. Die Analyse hat jedoch gezeigt, dass Potenzial vorhanden ist f\u00fcr ein st\u00e4rkeres Engagement und eine klarere Positionierung der Schweiz auf internationaler Ebene. Zudem besteht Bedarf f\u00fcr eine enge interne Koordination in folgenden Bereichen:\u2212 internationale Politik im Bereich Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungssicherheit;\u2212 Verh\u00e4ltnis zwischen der Ern\u00e4hrungssicherheit und dem Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen;\u2212 F\u00f6rderung von privatwirtschaftlichen Investitionen zugunsten einer nachhaltigen Landwirtschaft;\u2212 Einbezug der Schweizer Agrarforschung in den Kampf gegen die Ern\u00e4hrungsunsicherheit.Die Schweiz m\u00f6chte ihr Engagement in diesen vier Handlungsfeldern intensivieren. Dazu sollen die F\u00e4higkeiten und das Wissen aller Stakeholder (\u00f6ffentliche Verwaltung, Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Forschungsinstitute) vereint und mobilisiert werden. Auch die Koh\u00e4renz zwischen den verschiedenen Sektoralpolitiken ist entscheidend f\u00fcr ein effizientes Handeln auf allen Ebenen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Ern\u00e4hrungssicherheit und -souver\u00e4nit\u00e4t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die FAO ist <i>Ern\u00e4hrungssicherheit<\/i> dann gegeben, wenn \u00abdie Menschen jederzeit Zugang zu gen\u00fcgender und ausgewogener Ern\u00e4hrung haben, um ein aktives Leben in Gesundheit f\u00fchren zu k\u00f6nnen\u00bb. Dieser Begriff wird von vielen Regierungen als offizielles Politikziel anerkannt.Der Begriff der <i>Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t<\/i> wurde von La Via Campesina, einem weltweiten Zusammenschluss von Kleinbauern, gepr\u00e4gt und 1996 erstmals verwendet. Der Begriff ist bis heute aber weder eindeutig definiert noch international anerkannt. Im Bericht zum Postulat Stadler wurde der Begriff wie folgt umschrieben: \u00abErn\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t bezeichnet das Recht, als Volk, Land und L\u00e4ndergruppe die eigene Landwirtschafts- und Ern\u00e4hrungspolitik selbst zu definieren, beziehungsweise die Selbstbestimmung bez\u00fcglich Art und Weise, wie Nahrungsmittel produziert werden, und das Recht auf Versorgung mit eigenen Nahrungsmitteln, soweit die von ihm bzw. ihr eingegangenen v\u00f6lkerrechtlichen Vereinbarungen nicht verletzt werden.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 4: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 OECD-FAO Agricultural Outlook 2010\u20132019, Rom, Juni 2010.\u2212 Nahrungsmittelkrise, Rohstoff- und Ressourcenknappheit, Bericht des Bundesrates in Erf\u00fcllung des Postulats Stadler vom 29. Mai 2008 (08.3270), Bern, August 2009.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die starken Preisanstiege bei Getreide, \u00d6lsaaten und Milchprodukten in den Jahren 2007 und 2008 haben Fragen zur Ern\u00e4hrungssicherheit auf globaler Ebene zu einem wichtigen Thema werden lassen. Die internationale Gemeinschaft ist sich einig, dass enorme Anstrengungen notwendig sind, damit eine ausgewogene Ern\u00e4hrung f\u00fcr eine wachsende Weltbev\u00f6lkerung nachhaltig gesichert werden kann. 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