{"id":121271,"date":"2010-09-01T12:00:00","date_gmt":"2010-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/09\/juen-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:31","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:31","slug":"juen-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/09\/juen-5\/","title":{"rendered":"Die Wachstumsstrategie f\u00fcr den Tourismusstandort Schweiz aus Sicht der Hotellerie"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizer Tourismus stagniert seit den Siebzigerjahren. Konsequenz ist eine seit 40 Jahren andauernde Abnahme an Hotelbetrieben vor allem in den Tourismusgebieten des alpinen Raums. Einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr diese Flaute liegt \u2013 neben der Tatsache zahlreicher neuer Tourismusdestinationen auf der ganzen Welt \u2013 in der Hochpreisinsel Schweiz. Diese beeintr\u00e4chtigt die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit des hiesigen Tourismus erheblich. Der Schl\u00fcssel zum Erfolg liegt in einer konsequenten Qualit\u00e4tsorientierung. Auf der Nachfrageseite ist eine effektive Landeswerbung entscheidend. Um der Wachstumsstrategie die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung zu sichern, bedarf sie einer starken Verankerung bei Bund, Kantonen sowie Organisationen der Schweizer Tourismusanbieter.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar: Nach einer starken Wachstumsphase in der Nachkriegszeit rangierte die Schweiz in den 1950er-Jahren weltweit an f\u00fcnfter Stelle und konnte sich damit zu den \u00abTourismus-Grossm\u00e4chten\u00bb z\u00e4hlen. Das Wachstum hielt bis in die 1970er-Jahre an. Dieses war zu einem wesentlichen Teil auf den Zuwachs an ausl\u00e4ndischen Besuchern zur\u00fcckzuf\u00fchren und etablierte den Tourismus damit definitiv als wichtigen Schweizer Exportfaktor. Danach setzte eine lang anhaltende Stagnation ein, die vom Zusammenbruch des Weltw\u00e4hrungssystems mit dauerhafter H\u00f6herbewertung des Schweizer Frankens eingeleitet wurde.Der Tourismus wird aber auch durch den tiefgreifenden Wandel der Globalisierung herausgefordert: Die Entwicklung der Transporttechnologien sowie das Aufkommen neuer M\u00e4rkte und Angebote setzen die hiesigen Akteure unter Druck. Mitwettbewerber haben ihren festen Platz auf dem Weltmarkt eingenommen und konkurrieren die Schweiz mit preiswerten Angeboten. Gl\u00fccklicherweise wird der Kuchen f\u00fcr alle gr\u00f6sser: Die Reise- und Tourismusbranche z\u00e4hlt mit einer langfristigen Wachstumsrate von 4% international zu den wichtigsten und dynamischsten Zukunftsm\u00e4rkten.An diese Dynamik gilt es anzukn\u00fcpfen. In preislicher Hinsicht befindet sich die Schweiz jedoch nicht in der ersten Startposition. Als einzige standortgebundene Exportindustrie stehen die Tourismus- und insbesondere die Hotelbranche vor der Herausforderung, lokal zu produzieren und gleichzeitig international konkurrenzf\u00e4hig zu sein. Denn rund 60% der Einnahmen stammen von ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten. Der Schweizer Tourismus muss im globalen Wettbewerb um diese Kunden bestehen, kann aber weder Produktions- noch Dienstleistungsteile ins Ausland verlagern.Werden die beiden wichtigsten Kostenbl\u00f6cke Vorleistungs- und Arbeitskosten zusammengefasst, zeigt sich f\u00fcr die umliegenden L\u00e4nder im Durchschnitt ein Kostenvorteil von 20%. Am deutlichsten sind die Nachteile gegen\u00fcber \u00d6sterreich, das im Tourismus mit 44% tieferen Arbeitskosten und 16% tieferen Vorleistungskosten wirtschaften kann. Zentrale Anliegen der Hotellerie sind daher eine aussenwirtschaftliche \u00d6ffnung und Deregulierung des Binnenmarktes, welche die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Tourismuswirtschaft deutlich verbessern w\u00fcrden.&#13;<\/p>\n<h2>Konsequente Qualit\u00e4tsorientierung als Schl\u00fcssel zum Erfolg<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Schweizer Tourismus kann also aufgrund des offenkundig hohen Kostensockels nicht billiger werden. Die Zukunft der Branche liegt deshalb im Leistungswettbewerb und nicht im Preiskampf. Die Schweiz kann sich nur durch eine \u00fcberdurchschnittliche Serviceausrichtung sowie die einzigartigen touristischen St\u00e4rken differenzieren. Der Schl\u00fcssel zum Erfolg liegt in einer konsequenten Qualit\u00e4tsorientierung, denn Wachstum setzt ein attraktives touristisches Angebot voraus.Das entscheidende Stichwort heisst Innovation. Hier spielt das F\u00f6rderprogramm <i>Innotour<\/i> eine wichtige Rolle. Es zielt auf eine Steigerung der Angebotsattraktivit\u00e4t durch die Stimulierung der Innovationst\u00e4tigkeit ab. Damit soll die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Beherbergungswirtschaft als Schl\u00fcsselbranche der Tourismuswirtschaft erhalten und markant verbessert werden. Im Vordergrund steht die Schaffung neuer Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten sowie die Weiterentwicklung bestehender Dienstleistungen. Innotour setzt dabei den Fokus auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Tourismusdienstleister, die gemeinsam das Gesamtangebot eines Gastaufenthaltes schaffen. Ein neuer Schwerpunkt des F\u00f6rderprogramms ist der Wissensaufbau. Neben der Verbesserung der statistischen Grundlagen ist der Erfahrungsaustausch auf Basis der gef\u00f6rderten Innotourprojekte im Fokus. Regelm\u00e4ssige und unabh\u00e4ngige Wirkungs\u00fcberpr\u00fcfungen durch die Universit\u00e4ten Bern und St. Gallen haben den Nutzen von Innotour mehrfach best\u00e4tigt. Auch in der Hotellerie sind erfolgreiche Beispiele vorzuweisen, wie etwa das Projekt der Matterhorn-Valley-Hotels. Im Mattertal haben sich mehrere Hotels zusammengetan, um Marketing, Einkauf, Rechnungsf\u00fchrung und das Buchungssystem gemeinsam zu nutzen. Diese Kooperation f\u00fchrt zu erheblichen Skalenvorteilen und wird in der Branche als beispielhaft eingestuft.&#13;<\/p>\n<h2>Mit einer starken Landeswerbung Marktanteile im Alpenraum erk\u00e4mpfen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wachstumsinitiative hat sich zum Ziel gesetzt, die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus im Inland zu erhalten und im europ\u00e4ischen Alpenraum Marktanteile zu gewinnen. Hier ringt die Schweiz in einem intensiven Wettbewerb mit den umliegenden ausl\u00e4ndischen Tourismusdestinationen um die Gunst der Besucherinnen und Besucher aus den unterschiedlichen Quellm\u00e4rkten. Zuk\u00fcnftig werden besonders aufstrebende Staaten wie Russland, Indien und China eine bedeutende Rolle spielen. Alleine bei den indischen G\u00e4sten betr\u00e4gt das j\u00e4hrliche Wachstum 15%, und es kann davon ausgegangen werden, dass sich der Subkontinent in Zukunft zum gr\u00f6ssten Reisemarkt der Welt entwickelt. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Krise im Euroraum ist es wichtig, die Abh\u00e4ngigkeit von den europ\u00e4ischen M\u00e4rkten zu reduzieren und den internationalen G\u00e4stemix zu st\u00e4rken.Dazu braucht es einen \u00fcberzeugenden Marktauftritt der Schweiz. Die Hotellerie ist darauf angewiesen, dass der touristischen Landeswerbung die n\u00f6tigen Mittel zur Verf\u00fcgung stehen, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den Wachstumsm\u00e4rkten zu verkaufen. Zust\u00e4ndig daf\u00fcr ist Schweiz Tourismus, die sich l\u00e4ngst als Schubkraft der Schweizer Tourismuswerbung im Ausland etabliert hat. Gleichzeitig gilt es, die Marktanteile bei den G\u00e4sten aus den Industriel\u00e4ndern \u2013 namentlich Europas \u2013 zu halten. Nicht zuletzt muss die Schweiz als Heimmarkt mit \u00fcber 40% der gesamten Tourismusnachfrage gegen die Lockrufe alternativer Feriendestinationen aus nah und fern effizient verteidigt werden. Gerade in der j\u00fcngsten Finanz- und W\u00e4hrungskrise hat sich der Schweizer Gast als wichtige St\u00fctze unserer Tourismuskonjunktur erwiesen. Mit der Sicherung der finanziellen Mittel von Schweiz Tourismus setzt der Bund den Hebel am richtigen Ort an und stellt sicher, dass deren erfolgreiche Arbeit weitergef\u00fchrt werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkere Koordination unter den tourismuspolitischen Akteuren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wachstumsstrategie des Bundes sieht vor, die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Tourismusunternehmen bestm\u00f6glich auszugestalten. Dabei st\u00fctzt er sich auf zwei Pfeiler: ein strategisches Issue Management und die verst\u00e4rkte Wahrnehmung der Querschnittaufgaben. Zu Ersterem wird die Schaffung einer Austauschplattform Tourismus-Forum Schweiz angeregt, in deren Rahmen fr\u00fchzeitig Chancen und Risiken erkannt und L\u00f6sungsans\u00e4tze zur St\u00e4rkung des Tourismusstandortes Schweiz erarbeitet werden sollen. W\u00fcnschenswert w\u00e4re die Etablierung dieser Plattform als Gremium, das unter anderem auch staatliche Erlasse auf ihre Tourismusvertr\u00e4glichkeit hin \u00fcberpr\u00fcft.Mit dem KMU-Forum gibt es bereits eine \u00e4hnlich funktionierende Plattform mit guten Erfahrungen. Denn der Tourismus wird \u00e4hnlich wie die KMU von einer Vielzahl Politbereichen und deren Regulierungsfolgen beeinflusst. Auch innerhalb der Bundesverwaltung gilt es, den Standpunkt des Tourismus zu st\u00e4rken. Hier spielt das tourismuspolitische Kompetenzzentrum im Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) eine wichtige Rolle. Auch innerhalb der Verwaltung und in den Kantonen ist eine Koh\u00e4renz zwischen den verschiedenen Politikbereichen sicherzustellen. Um die vielf\u00e4ltigen politischen Querschnittthemen zu koordinieren, ist der Tourismus auf starke Partner bei Bund und Kantonen angewiesen. Nur so kann die Wachstumsstrategie auch wirklich abheben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abLogiern\u00e4chte in Schweizer Hotel- und Kurbetrieben, 1945\u20132009\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Tourismus stagniert seit den Siebzigerjahren. Konsequenz ist eine seit 40 Jahren andauernde Abnahme an Hotelbetrieben vor allem in den Tourismusgebieten des alpinen Raums. Einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr diese Flaute liegt \u2013 neben der Tatsache zahlreicher neuer Tourismusdestinationen auf der ganzen Welt \u2013 in der Hochpreisinsel Schweiz. 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