{"id":121281,"date":"2010-07-01T12:00:00","date_gmt":"2010-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/07\/backes-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:33","slug":"backes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/07\/backes\/","title":{"rendered":"Gleichwertig, andersartig und durchl\u00e4ssig? Bildungskarrieren im schweizerischen Bildungssystem"},"content":{"rendered":"<p>Die Durchl\u00e4ssigkeit des schweizerischen Bildungssystems stellt einen zentralen Bestandteil der aktuellen bildungspolitischen Diskussion dar. Ob Wechsel zwischen unterschiedlichen Bildungstypen vorkommen und wie diese vom Arbeitsmarkt bewertet werden, ist aber weitgehend unbekannt. Im vorliegenden Projekt werden deshalb verschiedene Bildungskarrieren einander gegen\u00fcbergestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass ein bedeutender Anteil der Personen akademische und berufliche Ausbildung kombiniert und der Arbeitsmarkt diese Bildungskarrieren entsprechend belohnt. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201007_13_Backes_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit 2006 ist in der schweizerischen Bundesverfassung festgehalten, dass Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr eine hohe Qualit\u00e4t und Durchl\u00e4ssigkeit des Bildungsraumes Schweiz sorgen. Das schweizerische Bildungssystem zeichnet sich \u2013 neben einem hochqualitativen akademischen Bildungszweig \u2013 durch einen stark ausgebauten, bis auf das Terti\u00e4rniveau f\u00fchrenden und qualitativ ebenb\u00fcrtigen beruflichen Bildungszweig aus. Zwar ist das Bildungssystem so ausgelegt, dass rein akademische und rein berufliche Bildungspfade besonders unterst\u00fctzt werden. Doch der Wechsel zwischen akademischem und beruflichem Bildungszweig ist nicht ausgeschlossen, und es existieren eine Vielzahl an Passerellen und \u00dcbertrittsm\u00f6glichkeiten. Vor dem Hintergrund der Durchl\u00e4ssigkeitsdiskussion interessiert uns, wie h\u00e4ufig solche gemischten Bildungspfade \u2013 d.h. berufliche und akademische Ausbildung kombinierende Ausbildungskarrieren \u2013 \u00fcberhaupt vorkommen und wie sie am Arbeitsmarkt bewertet werden. Eine m\u00f6gliche Hypothese ist, dass die breite Qualifikation gemischter Bildungskarrieren zus\u00e4tzliche Produktivit\u00e4tsvorteile bringen k\u00f6nnte und so vom Arbeitsmarkt entsprechend positiv honoriert wird. Vielleicht stellt die Kombination beider Bildungstypen aber auch einen reinen Umweg dar, der vorhergehende Kenntnisse wertlos werden l\u00e4sst, so dass eine konkurrierende Hypothese ist, dass gemischte Bildungskarrieren mit vergleichsweise schlechteren Arbeitsmarktchancen einhergehen. Mit diesen Fragestellungen besch\u00e4ftigt sich ein Projekt des \u00abSwiss Leading House on the Economics of Education, Firm Behaviour and Training Policies\u00bb an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, das basierend auf Daten der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) die Verbreitung und den Arbeitsmarkterfolg unterschiedlicher Typen von Bildungskarrieren untersucht.&#13;<br \/>\nEine ausf\u00fchrliche Beschreibung der Untersuchung findet sich in Tuor\/Backes-Gellner (2010). Das Projekt konnte dank der Bereitstellung der Daten durch das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) und der finanziellen Unterst\u00fctzung des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) durchgef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Gemischte Bildungskarrieren sind keine Seltenheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas schweizerische Bildungssystem bietet verschiedene M\u00f6glichkeiten, berufliche und akademische Ausbildung zu kombinieren. Wir betrachten zun\u00e4chst nur vollzeitbesch\u00e4ftigte M\u00e4nner mit einem Abschluss auf der terti\u00e4ren Ausbildungsstufe. Neben den universit\u00e4ren Hochschulen und den Fachhochschulen geh\u00f6rt hierzu auch die h\u00f6here Berufsbildung. Letztere umfasst die h\u00f6heren Fachschulen sowie die Berufs- und Fachpr\u00fcfungen. Wie <i>Tabelle 1<\/i> zu entnehmen ist, k\u00f6nnen wir bei gemischten Bildungskarrieren noch unterscheiden, ob die erste absolvierte Ausbildung im akademischen oder beruflichen Bildungszweig erfolgte. Vergleicht man die H\u00e4ufigkeit der verschiedenen Bildungspfade (vgl. <i>Grafik 1<\/i>) f\u00e4llt auf, dass gemischte Bildungspfade zwar einen deutlich geringeren, aber doch mit 13% keinesfalls vernachl\u00e4ssigbaren Anteil an allen Bildungsverl\u00e4ufen darstellen. Gemischte Bildungspfade mit akademischem Eintritt und beruflichem Ausstieg sind dabei deutlich h\u00e4ufiger (9%) als gemischte Bildungspfade mit beruflichem Eintritt und akademischem Ausstieg (4%). Die Bedeutung dieser gemischten Bildungskarrieren zeigt sich auch darin, dass knapp 15% der Universit\u00e4tsabsolventen als Erstausbildung eine Berufslehre aufweisen. Umgekehrt haben \u00fcber 12% der Personen mit einem terti\u00e4ren beruflichen Abschluss davor eine akademische Ausbildung absolviert. Dieser bedeutende Anteil von gemischten Bildungskarrieren deutet auf die Durchl\u00e4ssigkeit des schweizerischen Bildungssystems hin. Interessant ist, dass es kaum Bildungsverl\u00e4ufe mit wiederholtem Wechsel zwischen beruflichem und akademischem Bildungszweig gibt. So ist auch das in Deutschland weit verbreitete Ph\u00e4nomen, dass Personen zwischen dem Abitur (Maturit\u00e4tsabschluss) und der Universit\u00e4tsausbildung eine Berufslehre einschieben, in der Schweiz kaum zu beobachten.Die bedeutende Zahl an gemischten Bildungskarrieren legt nahe, in Arbeitsmarktanalysen von Personen nicht nur die h\u00f6chste abgeschlossene Ausbildung, sondern auch den Weg, auf dem diese den h\u00f6chsten Abschluss erreicht haben, zu ber\u00fccksichtigen. Bisher fehlen aber solche Analysen zu kompletten Bildungskarrieren g\u00e4nzlich.&#13;<\/p>\n<h2>Gemischte Bildungskarrieren f\u00fchren zu h\u00f6herem Einkommen\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Einkommen von Personen, deren h\u00f6chste Ausbildung ein Abschluss auf der terti\u00e4ren Bildungsstufe ist, variiert stark (zur Methode vgl. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf Basis von Daten aus der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) der Jahre 1999\u20132005 wird analysiert, ob f\u00fcr Personen mit einem Terti\u00e4rabschluss die Bildungsrenditen in Abh\u00e4ngigkeit vom gew\u00e4hlten Bildungspfad variieren. In einem ersten Schritt werden die absoluten Einkommen verglichen. Dies erfolgt anhand einer Lohnsch\u00e4tzung, in der die verschiedenen Bildungspfade auf den individuellen Lohn regressiert werden. In einem zweiten Schritt werden \u2013 neben dem Ertrag \u2013 auch die Kosten ber\u00fccksichtigt. Dazu werden die mit den einzelnen Bildungspfaden verbundenen Bildungsrenditen berechnet. Als Renditemass dient der sogenannte interne Zinssatz, bei dem der abdiskontierte Ertrag genau den durch den Bildungspfad entstandenen Investitionskosten entspricht. In einem dritten Schritt wird neben Ertrag und Kosten auch das Risiko der verschiedenen Bildungsentscheidungen mitber\u00fccksichtigt. Dazu wird f\u00fcr jede Person im Datensatz der Variationskoeffizient des Einkommens berechnet. Als Risikomass dient sodann die durchschnittliche Auspr\u00e4gung des quadrierten Variationskoeffizienten aller Personen mit einem bestimmten Bildungspfad.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n), wobei sich die Differenzen zum Teil auch mit den unterschiedlichen Bildungskarrieren erkl\u00e4ren lassen. Personen mit gemischten Bildungspfaden haben bedeutend h\u00f6here Einkommen als Personen mit rein beruflich oder rein akademischen Bildungspfaden. Abh\u00e4ngig vom jeweils gew\u00e4hlten gemischten Bildungspfad erzielen Personen ein Durchschnittseinkommen, welches zwischen 10% und 30% h\u00f6her ist als jenes mit einem rein beruflichen (oder akademischen) Bildungspfad. Diesen Lohnaufschlag f\u00fcr die Kombination von akademischen und beruflichen Bildungsinhalten beobachtet man unabh\u00e4ngig davon, welcher der beiden Bildungstypen zuerst absolviert wurde. Demnach werden die vor dem Wechsel des Bildungstyps angeeigneten Qualifikationen nicht abgeschrieben. Vielmehr scheinen diese vom Arbeitsmarkt zus\u00e4tzlich entl\u00f6hnt zu werden.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026und teilweise l\u00e4ngerer Ausbildungsdauer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAllerdings m\u00fcssen f\u00fcr einen direkten Vergleich des Arbeitsmarkterfolgs verschiedener Bildungskarrieren neben den Ausbildungs<i>ertr\u00e4gen<\/i> auch die Ausbildungs<i>kosten<\/i> ber\u00fccksichtigt werden. Die Ausbildungskosten setzen sich aus direkten Kosten \u2013 wie Studiengeb\u00fchren \u2013 und indirekten Kosten in Form von entgangenem Einkommen \u2013 auch Opportunit\u00e4tskosten genannt \u2013 zusammen. Diese Opportunit\u00e4tskosten stellen fast immer den gr\u00f6ssten Anteil an den gesamten Ausbildungskosten dar. Bezogen auf das schweizerische Bildungssystem und die hier interessierende Fragestellung k\u00f6nnte vermutet werden, dass die Opportunit\u00e4tskosten insbesondere bei gemischten Bildungspfaden auftreten. Dies w\u00e4re vor allem dann der Fall, wenn die Durchl\u00e4ssigkeit des Bildungssystems gering und die H\u00fcrden f\u00fcr den \u00dcbertritt auf den jeweils anderen Bildungszweig hoch w\u00e4ren. Deshalb schauen wir uns im Folgenden zus\u00e4tzlich die Ausbildungskosten an und vergleichen die verschiedenen Bildungspfade auf der Basis von Bildungsrenditen, welche die Ertr\u00e4ge und Kosten gleichzeitig einbeziehen. Eine Gegen\u00fcberstellung der Bildungsrenditen ergibt zwar ein leicht revidiertes Bild. Die Vermutung, dass gemischte Bildungspfade deutlich schlechter bewertet werden, best\u00e4tigt sich jedoch nicht. Die h\u00f6chste durchschnittliche Bildungsrendite weist ein gemischter Bildungspfad auf. So zeichnen sich gemischte Bildungspfade mit einem akademischen Einstieg und einem nachfolgenden beruflichen Bildungsabschluss auf der terti\u00e4ren Stufe durch eine sehr hohe Bildungsrendite von 19% aus, die durch eine vergleichsweise kurze Ausbildungsdauer und einen hohen Ertrag charakterisiert ist. Alle anderen Bildungspfade haben eine deutlich tiefere Bildungsrendite (zwischen 8% und 13%). Die geringste Bildungsrendite weisen dabei mit 8% gemischte Bildungspfade mit beruflichem Einstieg auf, was auf die vergleichsweise lange Ausbildungsdauer zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6here Bildungsrenditen gehen mit h\u00f6herem Einkommensrisiko einher\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Ber\u00fccksichtigung von Ertr\u00e4gen und Kosten (bzw. Bildungsrenditen) greift immer noch zu kurz, wenn es um die Beschreibung der Arbeitsmarktkonsequenzen alternativer Bildungspfade geht. So d\u00fcrften denn auch unterschiedliche Arten von Bildungspfaden unterschiedliche <i>Einkommensrisiken<\/i> nach sich ziehen. Grunds\u00e4tzlich geht man davon aus, dass Personen bereit sind, f\u00fcr ein h\u00f6heres zu erwartendes Einkommen auch ein h\u00f6heres Einkommensrisiko in Kauf zu nehmen. Vergleicht man deshalb neben den Bildungsrenditen auch das Einkommensrisiko, zeigt sich, dass gemischte Bildungspfade tendenziell mit h\u00f6heren Einkommensschwankungen \u2013 d.h. einem h\u00f6heren Einkommensrisiko \u2013 einhergehen. Hier stellt sich die Frage, ob unterschiedliche Einkommensrisiken einen Zusammenhang mit der Stellung einer Person als Arbeitnehmer oder als Unternehmer haben. Ausgehend von der Hypothese, dass Unternehmer typischerweise bereit sind, ein h\u00f6heres Risiko einzugehen, wurden die Analysen noch einmal f\u00fcr Arbeitnehmer und Unternehmer getrennt durchgef\u00fchrt.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026und dies vorwiegend f\u00fcr Unternehmer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn <i>Grafik 2<\/i> sind die Bildungsrendite und das Risiko f\u00fcr die verschiedenen Bildungspfade und getrennt nach Arbeitnehmer und Unternehmer abgebildet. Die Vermutung best\u00e4tigt sich, dass Unternehmer ein h\u00f6heres Einkommensrisiko tragen. Vergleicht man f\u00fcr identische Bildungspfade den Unterschied zwischen Arbeitnehmer und Unternehmer, zeigt sich, dass Unternehmer ein h\u00f6heres Einkommensrisiko haben als Arbeitnehmer. Arbeitnehmer haben unabh\u00e4ngig vom Bildungspfad ein vergleichsweise tiefes Einkommensrisiko. Demgegen\u00fcber tragen Unternehmer ein systematisch h\u00f6heres Risiko. Innerhalb der Gruppe der Unternehmer zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen gemischten und reinen Bildungskarrieren. Unternehmer, deren Bildungskarriere sowohl berufliche als auch akademische Ausbildung umfasst (durchgezogene Linien), haben mit 0,6 bzw. 0,7 ein deutlich h\u00f6heres Risiko als Unternehmer, die in einem Bildungszweig geblieben sind (gestrichelte Linien) und ein Einkommensrisiko von 0,3 aufweisen. Nat\u00fcrlich schliesst ein hohes Risiko auch die Aussicht auf ein sehr hohes Einkommen mit ein. Die systematischen Unterschiede hinsichtlich der Einkommensschwankungen zwischen gemischten und reinen Bildungskarrieren sind somit wesentlich von den Unternehmer-, nicht aber den Arbeitnehmereinkommen getrieben.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiedliche Wege f\u00fchren zum Ziel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen, dass das schweizerische Bildungssystem durchl\u00e4ssig ist und der Arbeitsmarkt die Kombination von akademischen und beruflichen Ausbildungen entsprechend positiv entl\u00f6hnt. Ein Wechsel auf den jeweils anderen Bildungszweig stellt somit f\u00fcr Personen keinen Umweg, sondern einen produktiven Karrierefortschritt dar. M\u00f6glicherweise ist damit zwar eine l\u00e4ngere Ausbildungsdauer verbunden. Diese zahlt sich aber durch ein entsprechend hohes zuk\u00fcnftiges Einkommen aus. Abh\u00e4ngig von den individuellen Pr\u00e4ferenzen scheinen demnach unterschiedliche Bildungspfade vorteilhaft. Es gibt Personen, die bereit sind, f\u00fcr ein zuk\u00fcnftig zu erwartendes hohes Einkommen w\u00e4hrend der (langen) Ausbildungsphase auf ein Einkommen zu verzichten. Andere Personen bevorzugen einen Bildungspfad, der eine kurze Ausbildungsdauer, einen raschen Einstieg in den Arbeitsmarkt und ein \u00fcber die Lebensarbeitszeit gleichm\u00e4ssiger verteiltes Einkommen bietet. Personen, die einen gemischten Bildungspfad gegangen sind, unterliegen einem h\u00f6heren Einkommensrisiko und sind damit insbesondere f\u00fcr Unternehmertypen von Interesse. Aufgrund ihrer typischerweise h\u00f6heren Risikobereitschaft sind Unternehmer eher bereit, f\u00fcr ein durchschnittlich h\u00f6heres zu erwartendes Einkommen auch gr\u00f6ssere Einkommensschwankungen zu akzeptieren.&#13;<\/p>\n<h2>Vielf\u00e4ltigkeit als Erfolgsfaktor des schweizerischen Bildungssystems<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZusammenfassend bietet ein Bildungssystem mit unterschiedlichen Bildungswegen insofern Vorz\u00fcge, als es \u2013 besonders bei hoher Durchl\u00e4ssigkeit \u2013 f\u00fcr jeden etwas bietet. Es wird also unterschiedlichen Typen von Menschen besonders gut gerecht und erlaubt auch Anpassungen, die sich durch \u00c4nderungen von Pr\u00e4ferenzen im Laufe des Erwachsenwerdens oder des Berufslebens ergeben m\u00f6gen. Abh\u00e4ngig von den individuellen Pr\u00e4ferenzen kann ein Wechsel zwischen den Bildungstypen sogar den K\u00f6nigsweg darstellen. W\u00e4hrend eher risikofreudige Personen in gemischten Bildungspfaden und anschliessender unternehmerischer T\u00e4tigkeit gut aufgehoben sind, k\u00f6nnen sich eher risikoscheue Personen auf einen beruflichen Ausbildungspfad konzentrieren und sp\u00e4ter als Arbeitnehmende mit einem stabilen, wenn auch nicht dem absolut h\u00f6chsten Einkommen arbeiten. Da in der Schweiz nicht nur Wechsel zwischen unterschiedlichen Bildungstypen, sondern auch zwischen Berufen m\u00f6glich und h\u00e4ufig sind, bieten sich innerhalb dieses beruflichen Ausbildungspfades ebenfalls vielf\u00e4ltige und sinnvolle Weiterentwicklungen.&#13;<br \/>\nVgl. Backes-Gellner et al. (2010).&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und bildungspolitische Folgerungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGemische Bildungskarrieren haben heute eine wichtige und aus dem Bildungssystem nicht mehr wegzudenkende Bedeutung. Die gemischten Bildungskarrieren d\u00fcrften sogar noch zunehmen, da die F\u00f6rderung der Durchl\u00e4ssigkeit nun auch im neuen Berufsbildungsgesetz verankert ist.Entgegen manchem Vorurteil \u2013 vor allem in angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern \u2013 kommen gemischte Bildungspfade im schweizerischen Bildungssystem relativ h\u00e4ufig vor und sind zudem sehr konkurrenzf\u00e4hig. Dieser Befund ist hochrelevant f\u00fcr die aktuelle bildungspolitische Diskussion. Sowohl die angeblich zu geringe Akademikerquote als auch die angeblich mangelnde Durchl\u00e4ssigkeit des Bildungssystems werden oft scharf kritisiert, insbesondere vor dem Hintergrund internationaler Statistiken. Die Ergebnisse unserer Studie unterst\u00fctzen diese Kritik keinesfalls \u2013 im Gegenteil. Aus den Untersuchungsergebnissen lassen sich folgende bildungspolitische Lehren ableiten: \u2013 Es muss weiterhin ein wesentliches Ziel der Schweizer Bildungspolitik sein, die duale Berufsbildung als eigenst\u00e4ndigen und starken Zweig zu erhalten, da sie einem grossen Anteil der Bev\u00f6lkerung ein gutes und sicheres Einkommen garantiert. \u2013 Zur Erh\u00f6hung bzw. Erhaltung des hohen Bildungsstandards ist in der Schweiz die F\u00f6rderung terti\u00e4rer Bildungsabschl\u00fcsse sowohl beruflichen als auch akademischen Inhalts wichtig. \u2013 Besonders wichtig ist, ausreichende \u00dcbertrittsm\u00f6glichkeiten und Passerellen zwischen den Bildungszweigen zu garantieren. Denn die gegenw\u00e4rtige empirische Evidenz deutet darauf hin, dass es sich bei beruflicher und akademischer Ausbildung um zueinander komplement\u00e4re Ausbildungsbestandteile handelt. Somit sollte eine sinnvolle Kombination verschiedener Ausbildungsinhalte durch die Schaffung etablierter und gut zug\u00e4nglicher \u00dcbertritte erleichtert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abH\u00e4ufigkeit alternativer Bildungsverl\u00e4ufe in Prozent aller befragten Terti\u00e4rabsolventen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abBildungsrendite und Risiko f\u00fcr Arbeitnehmer (AN) und Unternehmer (UNT)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abBildungsverl\u00e4ufe mit Terti\u00e4rabschluss\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Methode&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf Basis von Daten aus der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) der Jahre 1999\u20132005 wird analysiert, ob f\u00fcr Personen mit einem Terti\u00e4rabschluss die Bildungsrenditen in Abh\u00e4ngigkeit vom gew\u00e4hlten Bildungspfad variieren. In einem ersten Schritt werden die absoluten Einkommen verglichen. Dies erfolgt anhand einer Lohnsch\u00e4tzung, in der die verschiedenen Bildungspfade auf den individuellen Lohn regressiert werden. In einem zweiten Schritt werden \u2013 neben dem Ertrag \u2013 auch die Kosten ber\u00fccksichtigt. Dazu werden die mit den einzelnen Bildungspfaden verbundenen Bildungsrenditen berechnet. Als Renditemass dient der sogenannte interne Zinssatz, bei dem der abdiskontierte Ertrag genau den durch den Bildungspfad entstandenen Investitionskosten entspricht. In einem dritten Schritt wird neben Ertrag und Kosten auch das Risiko der verschiedenen Bildungsentscheidungen mitber\u00fccksichtigt. Dazu wird f\u00fcr jede Person im Datensatz der Variationskoeffizient des Einkommens berechnet. Als Risikomass dient sodann die durchschnittliche Auspr\u00e4gung des quadrierten Variationskoeffizienten aller Personen mit einem bestimmten Bildungspfad.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Backes-Gellner, U., Geel, R., &amp; J. Mure (2010, forthcoming): Specificity of Occupational Training and Occupational Mobility: An Empirical Study Based on Lazear\u2019s Skill-Weights Approach. Education Economics. \u2013 Tuor, S. N., &amp; U. Backes-Gellner (2010, forthcoming): Risk-Return Trade-Offs to Different Educational Paths: Vocational, Academic and Mixed. International Journal of Manpower.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Durchl\u00e4ssigkeit des schweizerischen Bildungssystems stellt einen zentralen Bestandteil der aktuellen bildungspolitischen Diskussion dar. Ob Wechsel zwischen unterschiedlichen Bildungstypen vorkommen und wie diese vom Arbeitsmarkt bewertet werden, ist aber weitgehend unbekannt. Im vorliegenden Projekt werden deshalb verschiedene Bildungskarrieren einander gegen\u00fcbergestellt. 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