{"id":121311,"date":"2010-07-01T12:00:00","date_gmt":"2010-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/07\/graf-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:36","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:36","slug":"graf-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/07\/graf-3\/","title":{"rendered":"Personenfreiz\u00fcgigkeit und Wohnungsm\u00e4rkte in den Schweizer Agglomerationen"},"content":{"rendered":"<p>Die schrittweise Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen\u00fcber den EU-Staaten hatte auch Auswirkungen auf die Wohnungsnachfrage und damit die Miet- und Immobilienpreise in der Schweiz. 2004\u20132009 war die Knappheit am Genfersee und in den Agglomerationen Z\u00fcrich, Zug und Lugano am gr\u00f6ssten. Der Zuwachs an Haushalten war haupts\u00e4chlich durch die Einwanderung gepr\u00e4gt. W\u00e4hrend sich die neu eingewanderten Ausl\u00e4nder vornehmlich in den Agglomerationszentren niederliessen, erwarben die schweizerischen Haushalte vermehrt Eigentum in der Peripherie oder suchten sich Mietwohnungen in der Agglomeration. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201007_05_Graf_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"241\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss <i>Observatoriumsbericht<\/i>en des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) haben sich in der Vergangenheit die Einwanderungszahlen weitgehend unabh\u00e4ngig vom Einwanderungsregime und parallel zur Konjunkturlage entwickelt. Starke Zuwanderungsraten sind also nicht zwingend auf die Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit, sondern vor allem auf einen positiven Konjunkturverlauf und die Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft in der Schweiz zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Zunahme der Besch\u00e4ftigung erfolgte in der Schweiz sowohl vor Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit als auch danach rund zur H\u00e4lfte durch Zuwanderung. In den letzten zehn Jahren hat sich nicht nur die Herkunft, sondern auch die Qualifikation der Zuwanderer ver\u00e4ndert: Es handelt sich um gut qualifizierte, j\u00fcngere Personen, die zur Schweizer Bev\u00f6lkerung meist komplement\u00e4r sind. Ihre Einkommen sind in Folge der h\u00f6heren Qualifikationsstruktur gestiegen. Die Einkommenszunahme ist bei Ausl\u00e4ndern ausgepr\u00e4gter als bei Schweizern, und es ist ein starker Anstieg in der obersten Einkommensklasse festzustellen. Die Einwanderung gut verdienender Erwerbst\u00e4tiger wird auch dadurch beg\u00fcnstigt, dass die gegen\u00fcber der EU h\u00f6heren schweizerischen Lebenshaltungskosten mit steigendem Einkommen durch eine tiefere Steuerbelastung kompensiert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Wohnungsnachfragepr\u00e4ferenzen von Zuwanderern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Entwicklung der Nachfragestruktur auf dem Wohnungsmarkt kann Folgendes festgestellt werden: \u2013 Die Wohnnachfragepr\u00e4ferenzen der gut qualifizierten Immigranten sind nicht grunds\u00e4tzlich anders als jene der Schweizer. Sie belegen jedoch in der Regel kleinere Wohnungen als die Schweizer Haushalte.\u2212 Im Bestandesdurchschnitt sind die ausl\u00e4ndischen Haushalte gr\u00f6sser als die Schweizer Haushalte. Die neuen Einwanderer sind jedoch jung und haben oft noch keine Kinder. Sie wohnen deshalb in kleineren Haushalten und besitzen weniger h\u00e4ufig Wohneigentum. Die Wohneigentumsquote ist jedoch ansteigend, insbesondere durch den Umzug der Neuzuz\u00fcger: Neu zuziehende Haushalte weisen vier Jahre sp\u00e4ter eine deutlich h\u00f6here Wohneigentumsquote auf als bei ihrer ersten Wohnsitznahme. Auf dem Mietwohnungsmarkt bevorzugen sie kaufkraftbedingt zunehmend h\u00f6here Segmente. \u2212 Unqualifizierte Einwanderer leben in qualitativ schlechteren Wohnungen als vergleichbare Schweizer Haushalte. Schweizer ziehen sich weitgehend aus dem untersten Wohnungssegment zur\u00fcck, w\u00e4hrend Ausl\u00e4nder dort verharren.\u2212 Die ausl\u00e4ndischen Haushalte sind \u00fcberdurchschnittlich pr\u00e4sent auf dem Wohnungsmarkt. Vor allem die neu zugezogenen Haushalte wechseln ihr Domizil h\u00e4ufig mehrmals in kurzer Zeit und werden dadurch \u00fcberproportional wahrgenommen. Eine verst\u00e4rkte Zuwanderung l\u00f6st somit nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Wirkungen auf dem Wohnungsmarkt aus. Im Vordergrund steht deshalb \u2013 neben der allgemeinen Knappheit an Wohnraum \u2013 die qualitative und die regionale Segregation von Wohnungsm\u00e4rkten. Zum Zwecke der Messung dieser Wirkungen l\u00e4sst das Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen (BWO) von den Autoren derzeit einen Wohnungsmarkt-Monitor erstellen. Dieser misst die Knappheit auf dem Wohnungsmarkt nach Agglomerationen und Gemeinden und beobachtet eine allf\u00e4llige Umschichtung der Struktur von schweizerischen und ausl\u00e4ndischen Haushalten.&#13;<\/p>\n<h2>Aktuelle Situation des schweizerischen Wohnungsmarktes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Jahre 2009 pr\u00e4sentierte sich der schweizerische Wohnungsmarkt \u00fcber alle Marktsegmente hinweg in leicht angespanntem Zustand. Die aktuelle Anspannung der M\u00e4rkte l\u00e4sst sich anhand der durchschnittlichen Insertionsdauer von Miet- und Kaufobjekten illustrieren. Diese wird verglichen mit derjenigen Insertionsdauer, bei der die Preise real stabil bleiben w\u00fcrden. Sind Objekte l\u00e4nger inseriert, so besteht ein \u00dcberangebot; sind sie k\u00fcrzer inseriert, so besteht Knappheit. Dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme, welche weiter unten mit der Preisentwicklung \u00fcber die gesamte Untersuchungsperiode erg\u00e4nzt wird (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Marktsituation der einzelnen M\u00e4rkte wird anhand von Daten zu Insertionsdauer sowie der Preisentwicklung aus dem Marktinformationssystem info-vista beurteilt. Die Miet- und Eigentumsm\u00e4rkte werden zu diesem Zwecke in ein unteres, mittleres und oberes Marktsegment unterteilt, das je ein Drittel des Angebots enth\u00e4lt. Verknappt sich ein Marktsegment und werden die Angebote teurer, wandern auch die Segmentsgrenzen nach oben. Die aktuelle Knappheit wird mit der Insertionsdauer \u2013 und zwar im Verh\u00e4ltnis zur Gleichgewichtsinsertionsdauer einer Region \u2013 gemessen, w\u00e4hrend \u00fcber l\u00e4ngere Zeitperioden die Preisentwicklung das prim\u00e4re Mass f\u00fcr die Knappheit ist. Es kann n\u00e4mlich sein, dass ein Markt aktuell nicht knapp ist, weil er in der Vergangenheit durch Preisanstiege ins Gleichgewicht gebracht wurde. Ein aktuelles Gleichgewicht soll also nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass im Zeitablauf Ver\u00e4nderungen stattgefunden haben. Die Indikatoren \u00fcber den Miet- und Kaufmarkt resp. \u00fcber die regionale Gliederung werden mit der Anzahl der Haushalte gewichtet und so zu Gesamtindikatoren aggregiert. Die Entwicklung der Haushaltszahlen, der Einkommenssituation und des Besitzstatus wird \u00fcber die Schweizerische Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) und die Bev\u00f6lkerungsstatistik (Espop) erfasst. Die regionale Bev\u00f6lkerungsprognose f\u00fcr das vergangene Jahr wird (solange nicht vom BFS vorliegend) \u00fcber das zentrale Ausl\u00e4nderregister gesch\u00e4tzt. \u00dcber die Sake lassen sich auch Umzugsraten, Haushaltsgr\u00f6ssen usw. ermitteln. Die Entwicklung der Immobilienbest\u00e4nde erfolgt \u00fcber die Baustatistik des BFS sowie die Daten von DocuMedia (Baublatt), wobei verschiedene Umrechnungen und Sch\u00e4tzungen erfolgen, da insbesondere der Eigentumsstatus nicht in der Baustatistik erfasst wird. Die Gr\u00f6sse der Wohnungen wird im Monitorsystem nicht separat betrachtet. Bei der Berechnung der Indizes wird aber der Gr\u00f6ssenstruktur des Wohnungsbestandes Rechnung getragen. Eine teure 1-Zimmer-Wohnung f\u00e4llt also ins obere Segment, eine g\u00fcnstige 5-Zimmer-Wohnung ins tiefe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). <i>Grafik 1<\/i> illustriert die prozentuale Abweichung zur Gleichgewichtsinsertionsdauer in den einzelnen regionalen M\u00e4rkten. Die Knappheit ist am Genfersee und in der Agglomeration Z\u00fcrich am gr\u00f6ssten. Dies ist schon seit l\u00e4ngerem der Fall. In einigen weniger dicht besiedelten Gebieten kann sich \u2013 je nach Verlauf der Baut\u00e4tigkeit \u2013 vor\u00fcbergehend ebenfalls Knappheit ergeben. H\u00e4ufig ist die Marktbewegung in diesen Gebieten aufgrund ihrer geringen Bev\u00f6lkerungsdichte und einer allenfalls schwankenden Zweitwohnungsnachfrage grunds\u00e4tzlich volatil. Der Wohnungsmarkt in Zug und Z\u00fcrich, der \u00fcber Jahre die gr\u00f6sste Anspannung zeigte, hat sich im Jahr 2009 auf hohem Preisniveau eher entspannt.Die aktuelle Marktsituation kann l\u00e4ngerfristige Umschichtungen im Wohnungsmarkt und der Haushaltsstruktur verdecken: Ein Markt, der sich heute im Gleichgewicht pr\u00e4sentiert, kann in den letzten Jahren durchaus massive Umschichtungen erfahren haben. Preis\u00e4nderungen bringen die M\u00e4rkte letztlich wieder ins Lot. In <i>Tabelle 1<\/i> sind die Preisanstiege in den wichtigsten Agglomerationen seit 2004 aufgelistet. Wiederum werden dabei Miet- und Eigentumsmarkt aggregiert. Die Preisentwicklung zeigt, dass Regionen wie das Bassin L\u00e9manique, Zug, Lugano oder die Agglomeration Z\u00fcrich \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum eine hohe Anspannung auf dem Wohnungsmarkt erfahren haben. Gem\u00e4ss <i>Grafik 1<\/i> hat aber dieser Druck im Jahr 2009 etwas nachgelassen. Daf\u00fcr haben sich Miet- und Liegenschaftsm\u00e4rkte in anderen Gebieten eher verknappt.&#13;<\/p>\n<h2>Umschichtung der Haushaltsstrukturen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Zuwanderung der letzten Jahre hat zu einer deutlichen Umschichtung der Haushalts- und Siedlungsstrukturen gef\u00fchrt. Das Haushaltswachstum zwischen Ende 2004 und Ende 2009 basierte prim\u00e4r auf der Zuwanderung. Die ausl\u00e4ndischen Haushalte bevorzugten dabei die gr\u00f6sseren Agglomerationen (Z\u00fcrich, Basel, Genf, Lausanne, Bern, Luzern, St.Gallen). In diesen gingen rund zwei Drittel des Haushaltszuwachses, der insgesamt etwa 6% betrug, auf das Konto ausl\u00e4ndischer Haushalte. Die \u00fcbrigen Agglomerationsgebiete wuchsen ebenso stark, doch stammt hier nur etwa ein Drittel des Wachstums von der ausl\u00e4ndischen Nachfrage. Dasselbe gilt f\u00fcr die l\u00e4ndlichen Gebiete, deren gesamtes Haushaltswachstum aber nur bei rund 3% lag. Wie <i>Grafik 2<\/i> illustriert, dominierten die ausl\u00e4ndischen Haushalte den Zuwachs der Mietwohnungsnachfrage. Es gibt mehrere Agglomerationen, in denen eine r\u00fcckl\u00e4ufige Mietwohnungsnachfrage von schweizerischen Haushalten durch ausl\u00e4ndische Haushalte (\u00fcber-)kompensiert wurde. Beim Eigentum ergibt sich das umgekehrte Bild. Hier liegt der schweizerische Anteil am Wachstum deutlich h\u00f6her. Allerdings ist die Nachfragewirkung durch ausl\u00e4ndische Haushalte mittlerweile betr\u00e4chtlich. Insgesamt machten ausl\u00e4ndische Haushalte im Jahre 2009 17,7% aller Haushalte, aber 32% aller Mieterhaushalte und lediglich 8% aller Eigent\u00fcmerhaushalte aus. Wie <i>Grafik 2<\/i> zeigt, nahm der Anteil der Ausl\u00e4nder mit Wohneigentum \u00fcberproportional zu. Plakativ l\u00e4sst sich festhalten, dass die Marktsituation in den gr\u00f6sseren urbanen R\u00e4umen durch die Zuwanderung im Kontext der Personenfreiz\u00fcgigkeit gepr\u00e4gt ist, w\u00e4hrend die schweizerischen Haushalte ins Eigentum in die peripheren Agglomerationsr\u00e4ume umziehen, wo Bestandeswachstum noch m\u00f6glich ist. Die Umschichtung der Nachfrage der schweizerischen Haushalte \u2013 insbesondere der Nachfrageschub beim Wohneigentum \u2013 konnte vom Angebot einigermassen antizipiert werden. Eine verst\u00e4rkte Baut\u00e4tigkeit in diesem Segment, verbunden mit substanziellen Preisanstiegen, hat aus einer Situation der Knappheit im Jahre 2005 zu einer schweizweit ausgeglichenen Situation gef\u00fchrt. Anders ist es bei den Mietwohnungen, wo die starke Zuwanderung des Jahres 2008, aber auch die 2009 anhaltende Zuwanderung nur begrenzt durch Neubauten aufgefangen wurde. Die Mietwohnungsm\u00e4rkte haben sich deshalb 2009 weiter verknappt. <i>Grafik 3<\/i> zeigt die aktuelle Situation der Mietwohnungsm\u00e4rkte im Zusammenhang mit der Zuwanderung. Die Zuwanderung ausl\u00e4ndischer Mieterhaushalte hatte 2009 in den markierten Gebieten einen merklichen Einfluss auf den Mietwohnungsmarkt. Nicht \u00fcberall muss dieser Einfluss als verknappend bewertet werden. In allen Zuwanderungsgebieten ausser im Tessin und in der Ostschweiz stand einer steigenden ausl\u00e4ndischen Nachfrage nach Mietwohnungen eine sinkende schweizerische Nachfrage gegen\u00fcber. Das mag als Segregationswirkung interpretiert werden, da die Zahl der ausl\u00e4ndischen Haushalte mit Haushaltseinkommen \u00fcber 10&nbsp;000 Franken pro Monat 2009 weiter zugenommen hat, w\u00e4hrend die Zahl der schweizerischen Haushalte in diesem Segment r\u00fcckl\u00e4ufig war. Daf\u00fcr waren bei den Schweizer Haushalten im Einkommensbereich von 7000\u201310 000 Franken pro Monat Zuw\u00e4chse zu verzeichnen. Sicher ist, dass die Kaufkraft ausl\u00e4ndischer Haushalte st\u00e4rker zugelegt hat als diejenige der schweizerischen. Allerdings ging die Segregationswirkung dabei mit einem Wechsel der Eigentumsform einher. Ber\u00fccksichtigt man den Umstand, dass sich die Mieten in den einzelnen Marktsegmenten (g\u00fcnstige, mittlere und teurere Objekte) in den meisten M\u00e4rkten im Jahr 2009 in etwa im Gleichschritt entwickelten, wobei das teuerste Segment von eher st\u00e4rkeren Anstiegen betroffen war, so kann zumindest bez\u00fcglich Kaufkraftklassen im Jahr 2009 im Mietwohnungsbereich eher nicht von einer zunehmenden Segregationswirkung gesprochen werden. 2009 war die Zuwanderung vor allem auf den Mietwohnungsm\u00e4rkten der Regionen Zug, Z\u00fcrich und Genf sp\u00fcrbar. Im Tessin wird das Marktgeschehen im Sopraceneri von den schweizerischen Haushalten dominiert. In der Stadt Basel kompensierte die Zuwanderung die Abwanderung schweizerischer (Mieter-)Haushalte.&#13;<\/p>\n<h2>Wohneigentum nach oben offen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Einfluss der ausl\u00e4ndischen Zuz\u00fcger auf den Mietwohnungsmarkt ist unbestreitbar. Trotz der entstandenen Knappheitssituationen hat dies aber nicht zu starken Preissch\u00fcben oder einem deutlichen Auseinanderklaffen der Marktsegmente gef\u00fchrt. Insgesamt war \u00fcber die Periode 2004\u20132009 zwar ein leicht st\u00e4rkerer Preisanstieg in den teureren Marktsegmenten zu beobachten, die Differenz liegt aber lediglich bei insgesamt 2%\u20133%. Beim Wohneigentum pr\u00e4sentiert sich die Situation anders: Einerseits waren 2009 nur 8% der Eigent\u00fcmerhaushalte ausl\u00e4ndisch. Somit stellt sich die Frage, ob die Zuwanderung \u00fcberhaupt einen sp\u00fcrbaren Einfluss aus\u00fcben konnte. <i>Grafik 4<\/i> verdeutlicht f\u00fcr die ganze Schweiz, dass das Nachfragewachstum beim Wohneigentum bisher von schweizerischen Haushalten dominiert wurde. Im obersten Einkommenssegment liegt der Anteil der ausl\u00e4ndischen Haushalte \u00fcber 20%. Im kaufkr\u00e4ftigen Bereich haben diese Haushalte in den letzten Jahren kr\u00e4ftig aufgeholt und zur Preisentwicklung beigetragen. In den Agglomerationen Z\u00fcrich, Zug, Lausanne, Genf sowie in Basel und Bellinzona lag der Zuwachs der Anzahl ausl\u00e4ndischer Haushalte im obersten Einkommenssegment 2004\u20132009 praktisch auf dem Niveau der schweizerischen, wenn nicht sogar noch h\u00f6her. In diesen Agglomerationen hatte die ausl\u00e4ndische Nachfrage selbstverst\u00e4ndlich Auswirkungen auf das Marktgef\u00fcge. Der Aufw\u00e4rtstrend im oberen Segment ist trotz allem prim\u00e4r auf die schweizerischen Haushalte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Fast in allen Gebieten stiegen die Preise im oberen Bereich st\u00e4rker an als in den mittleren und unteren Segmenten \u2013 dies auch in Gebieten, die keinen starken Nachfragezuwachs ausl\u00e4ndischer Haushalte sp\u00fcrten.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer seit 2004 st\u00e4rker bemerkbare Einfluss der Personenfreiz\u00fcgigkeit hat sich im Jahr 2009 nur wenig weiter verst\u00e4rkt. Die konjunkturbedingt schw\u00e4chere Zuwanderung f\u00fchrte zwar immer noch zu einer gewissen Anspannung der Wohnungsm\u00e4rkte in den Wirtschaftszentren. Ein Teil der Schweizer Haushalte wurde dadurch aus den Zentren verdr\u00e4ngt \u2013 entweder indem diese in der weiteren Agglomeration g\u00fcnstigere Mietwohnungen belegten oder aber in der Peripherie Eigentum erwarben. Hier hat denn auch im Jahre 2009 die Anspannung der Wohnungsm\u00e4rkte eher zugenommen. Unbestritten haben die relativ kaufkr\u00e4ftigen Zuwanderer in der obersten Einkommenskategorie einen gewissen Wettbewerbsdruck erzeugt, der vor allem bei Neuvermietungen ins Gewicht f\u00e4llt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAnspannung im schweizerischen Wohnungsmarkt (Miet- und Eigentumsmarkt), 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abVer\u00e4nderung der Anzahl Haushalte nach Regionengruppen, Besitzstatus und Herkunft, 2004\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abAnspannung im schweizerischen Mietwohnungsmarkt und Beitraga des ausl\u00e4ndischen Haushaltswachstums zur Situation im Jahr 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4: \u00abVer\u00e4nderung der Zahl der Haushalte, die Wohneigentum nachfragen, nach Einkommenssegmenten, 2004\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abPreisanstieg nach Agglomerationen, 2004\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Anmerkungen zur Methodik&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Marktsituation der einzelnen M\u00e4rkte wird anhand von Daten zu Insertionsdauer sowie der Preisentwicklung aus dem Marktinformationssystem info-vista beurteilt. Die Miet- und Eigentumsm\u00e4rkte werden zu diesem Zwecke in ein unteres, mittleres und oberes Marktsegment unterteilt, das je ein Drittel des Angebots enth\u00e4lt. Verknappt sich ein Marktsegment und werden die Angebote teurer, wandern auch die Segmentsgrenzen nach oben. Die aktuelle Knappheit wird mit der Insertionsdauer \u2013 und zwar im Verh\u00e4ltnis zur Gleichgewichtsinsertionsdauer einer Region \u2013 gemessen, w\u00e4hrend \u00fcber l\u00e4ngere Zeitperioden die Preisentwicklung das prim\u00e4re Mass f\u00fcr die Knappheit ist. Es kann n\u00e4mlich sein, dass ein Markt aktuell nicht knapp ist, weil er in der Vergangenheit durch Preisanstiege ins Gleichgewicht gebracht wurde. Ein aktuelles Gleichgewicht soll also nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass im Zeitablauf Ver\u00e4nderungen stattgefunden haben. Die Indikatoren \u00fcber den Miet- und Kaufmarkt resp. \u00fcber die regionale Gliederung werden mit der Anzahl der Haushalte gewichtet und so zu Gesamtindikatoren aggregiert. Die Entwicklung der Haushaltszahlen, der Einkommenssituation und des Besitzstatus wird \u00fcber die Schweizerische Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) und die Bev\u00f6lkerungsstatistik (Espop) erfasst. Die regionale Bev\u00f6lkerungsprognose f\u00fcr das vergangene Jahr wird (solange nicht vom BFS vorliegend) \u00fcber das zentrale Ausl\u00e4nderregister gesch\u00e4tzt. \u00dcber die Sake lassen sich auch Umzugsraten, Haushaltsgr\u00f6ssen usw. ermitteln. Die Entwicklung der Immobilienbest\u00e4nde erfolgt \u00fcber die Baustatistik des BFS sowie die Daten von DocuMedia (Baublatt), wobei verschiedene Umrechnungen und Sch\u00e4tzungen erfolgen, da insbesondere der Eigentumsstatus nicht in der Baustatistik erfasst wird. Die Gr\u00f6sse der Wohnungen wird im Monitorsystem nicht separat betrachtet. Bei der Berechnung der Indizes wird aber der Gr\u00f6ssenstruktur des Wohnungsbestandes Rechnung getragen. Eine teure 1-Zimmer-Wohnung f\u00e4llt also ins obere Segment, eine g\u00fcnstige 5-Zimmer-Wohnung ins tiefe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft, Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt, Berichte des Observatoriums zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen Schweiz-EU f\u00fcr verschiedene Perioden 2005\u20132010.\u2212 Graf, Silvio, Armin Jans, Daniel Sager, Personenfreiz\u00fcgigkeit und Wohnungsmarkt: Indikatoren zur Beurteilung der Auswirkungen auf regionale Immobilienm\u00e4rkte, Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen (Hrsg.) \u2013 2009.\u2212 Graf, Silvio, Armin Jans, Daniel Sager, Personenfreiz\u00fcgigkeit und Wohnungsmarkt: Modul 1 \/ Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen (Hrsg.), 2007. \u2212 Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen (Hrsg.), Monitor BWO, erscheint im September 2010.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schrittweise Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen\u00fcber den EU-Staaten hatte auch Auswirkungen auf die Wohnungsnachfrage und damit die Miet- und Immobilienpreise in der Schweiz. 2004\u20132009 war die Knappheit am Genfersee und in den Agglomerationen Z\u00fcrich, Zug und Lugano am gr\u00f6ssten. Der Zuwachs an Haushalten war haupts\u00e4chlich durch die Einwanderung gepr\u00e4gt. W\u00e4hrend sich die neu eingewanderten Ausl\u00e4nder [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3473,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3473,"seco_co_author":[3474,3475,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"ZHAW, Zentrum f\u00fcr Wirtschaftspolitik, Winterthur","seco_author_post_occupation_fr":"ZHAW, Centre de politique \u00e9conomique, Winterthur","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3474,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Professor emeritus f\u00fcr Volkswirtschaftslehre, ehemals School of Management &amp; Law, ZHAW Winterthur","seco_co_author_post_occupation_fr":"Professeur \u00e9m\u00e9rite d'\u00e9conomie politique, School of Management & Law, ZHAW Winterthur"},{"seco_co_author":3475,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Dr. oec., \u00d6konom, Meta-Sys AG, Bubikon","seco_co_author_post_occupation_fr":"\u00c9conomiste, Meta-Sys AG, Bubikon"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":121314,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8411","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559f623c5a84c"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121311"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3473"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121311"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121311\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127723,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121311\/revisions\/127723"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3475"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3474"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3473"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=121311"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=121311"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=121311"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=121311"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=121311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}