{"id":121381,"date":"2010-06-01T12:00:00","date_gmt":"2010-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/06\/fischer-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:56","slug":"fischer-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/06\/fischer-3\/","title":{"rendered":"Wirtschaftliche Optimierung im vorbeugenden Brandschutz"},"content":{"rendered":"<p>Brandschutz rettet Menschenleben und begrenzt wirtschaftliche Sch\u00e4den. Die Schweizer Brandschutzvorschriften verlangen deswegen Brandschutzmassnahmen f\u00fcr Geb\u00e4ude. Die geforderten Investitionen m\u00fcssen jedoch durch ihren Nutzen gerechtfertigt sein. Hohe Investitionen in wirtschaftlich nicht effiziente Massnahmen binden Mittel, die in anderen Bereichen Leben retten k\u00f6nnten. Umgekehrt sollte auf effiziente Massnahmen nicht verzichtet werden. Die Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen hat deswegen gemeinsam mit der ETH Z\u00fcrich ein Projekt initiiert, das im Hinblick auf eine Revision der Brandschutzvorschriften die Wirtschaftlichkeit von Massnahmen des vorbeugenden Brandschutzes untersucht. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201006_20_Fischer_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"277\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Die Rolle der kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr den Brandschutz in der Schweiz spielen die kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen eine besondere Rolle. Urspr\u00fcnglich als reines Risikokollektiv gegr\u00fcndet, war ihre Hauptaufgabe zun\u00e4chst die Bildung einer Solidargemeinschaft, um die Not der Gesch\u00e4digten durch Zahlungen im Brandfall zu lindern. Mit einer Versicherungspflicht und einem Versicherungsmonopol sollte die Solidarit\u00e4t zwischen allen Geb\u00e4udeeigent\u00fcmern gef\u00f6rdert werden. In 19 der 26 Schweizer Kantone besteht eine \u00f6ffentlich-rechtliche Kantonale Geb\u00e4udeversicherung (KGV), in drei weiteren eine Versicherungspflicht ohne Monopol.Der Auftrag der kantonalen Geb\u00e4udeversicherer geht \u00fcber die reine Versicherung von Sch\u00e4den hinaus: So f\u00f6rdern sie \u00fcber das Feuerwehrwesen nicht nur den abwehrenden Brandschutz, sondern haben durch die kantonale Feuerpolizei auch Einfluss auf den vorbeugenden Brandschutz in Geb\u00e4uden. Die Schweizer Brandschutzvorschriften werden von der Vereinigung der kantonalen Feuerversicherungen herausgegeben. Sie sind nach der Verbindlicherkl\u00e4rung durch das Interkantonale Organ Technischer Handelshemmnisse (IOTH) auch in den Kantonen ohne Versicherungsmonopol g\u00fcltig.Durch ihr Engagement in den drei Bereichen Schadensverh\u00fctung, Schadensbek\u00e4mpfung und Versicherung sind die kantonalen Geb\u00e4udeversicherungen in der Position, Brandschutzmassnahmen festzulegen und ihre Umsetzung durchzusetzen. Diese Stellung verpflichtet die Geb\u00e4udeversicherer aber auch, einen effizienten Einsatz der f\u00fcr Brandschutzmassnahmen gebundenen Mittel zu gew\u00e4hrleisten. Um die Wirtschaftlichkeit des Brandschutzes zu garantieren, m\u00fcssen neben dem Nutzen auch die Kosten der vorbeugenden Massnahmen ber\u00fccksichtigt werden, die in der Regel von den Geb\u00e4udeeigent\u00fcmern getragen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftlichkeit von Brandschutzmassnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBrandschutz ist im Interesse der Gesellschaft: Er hilft, Menschenleben zu retten und \u00f6konomische Sch\u00e4den zu verhindern oder zu begrenzen. Diese Vorteile haben allerdings ihren Preis, denn Brandschutz ist nicht kostenlos. Um die Investitionen in den vorbeugenden Brandschutz zu optimieren, m\u00fcssen alle mit dem Brandschutz verbundenen Kosten ber\u00fccksichtigt werden. In einer freien Marktwirtschaft bleibt die wirtschaftliche Optimierung grunds\u00e4tzlich dem Individuum \u00fcberlassen. Die individuelle Entscheidungsfreiheit wird allerdings durch Normen, Gesetze und Vorschriften eingeschr\u00e4nkt. Dies ist notwendig, um den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden: Einige Aufgaben k\u00f6nnen nur im Kollektiv erf\u00fcllt werden und haben den Charakter eines \u00f6ffentlichen Gutes (z.B. die Feuerwehr). Des Weiteren stehen gewisse G\u00fcter unter hoheitlichem Schutz, um ein reibungsloses Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft zu gew\u00e4hrleisten (z.B. Leib und Leben, fremdes Eigentum). Diese Rahmenbedingungen machen es notwendig, Brandschutzinvestitionen auch auf gesellschaftlicher Ebene zu optimieren.Die wirtschaftliche Optimierung vollst\u00e4ndig den individuellen Geb\u00e4udeeigent\u00fcmern zu \u00fcberlassen, ist auch deswegen nicht sinnvoll, da sie zwar die Kosten des vorbeugenden Brandschutzes tragen, ein grosser Teil des Verlustes im Falle eines Brandes aber von der Versicherung erstattet wird. Private Sachversicherer k\u00f6nnen Geb\u00e4ude mit mangelhafter Schadenpr\u00e4vention von der Versicherung ausschliessen oder mit hohen Pr\u00e4mien belasten. Diese M\u00f6glichkeiten zur Einflussnahme auf die Entscheidungen der Versicherungsnehmer bestehen f\u00fcr die kantonalen Geb\u00e4udeversicherer nicht, da die gesetzliche Versicherungspflicht beidseitig ist. Auch eine Einflussnahme \u00fcber die Festlegung von Risikopr\u00e4mien ist in vielen Kantonen nur begrenzt m\u00f6glich. Lediglich \u00fcber die Brandschutzvorschriften kann der vorbeugende Brandschutz in Neubauten oder bei gr\u00f6sseren Umbauten bestehender Geb\u00e4ude effektiv beeinflusst werden. Der Aspekt der Wirtschaftlichkeit und Effizienz von Brandschutzmassnahmen muss somit bei der Festlegung der Brandschutzvorschriften ber\u00fccksichtigt werden. Das Projekt \u00abWirtschaftliche Optimierung im vorbeugenden Brandschutz\u00bb soll hierzu wissenschaftlich fundierte Anhaltspunkte liefern. Im Fokus steht die Wirtschaftlichkeit von Brandschutzmassnahmen aus gesellschaftlicher Sicht. Diese ber\u00fccksichtigt auch die Kosten, die nicht von der Versicherung getragen werden. Gesamtgesellschaftlich betrachtet sind die folgenden Kostenbestandteile relevant:\u2013 Kosten f\u00fcr den vorbeugenden Brandschutz inklusive Folgekosten;\u2013 Kosten f\u00fcr den abwehrenden Brandschutz (Feuerwehr);\u2013 Kosten f\u00fcr die Behebung von Sch\u00e4den aus Brandereignissen;\u2013 Verwaltungskosten f\u00fcr Brandschutz und Feuerversicherung.Das wirtschaftliche Optimum ist erreicht, wenn die Summe aller mit dem Brandschutz verbundenen Kosten minimiert wird. Es ist zu erwarten, dass \u00c4nderungen der Brandschutzvorschriften haupts\u00e4chlich die Kosten f\u00fcr den vorbeugenden Brandschutz sowie die Sch\u00e4den aus Brandereignissen beeinflussen. In den folgenden Ausf\u00fchrungen wird deswegen der Fokus auf diese beiden Kostenbestandteile gelegt. Je nach betrachteter Massnahme k\u00f6nnen sich aber auch die Kosten f\u00fcr den abwehrenden Brandschutz oder die Verwaltungskosten ver\u00e4ndern.In <i>Grafik 1<\/i> ist die wirtschaftliche Optimierung schematisch dargestellt: \u00dcber einen Entscheidungsparameter p (z.B. die Wahl des Feuerwiderstandes von brandabschnittsbildenden W\u00e4nden) kann das Sicherheitsniveau eines Geb\u00e4udes beeinflusst werden. Je h\u00f6her das Sicherheitsniveau gew\u00e4hlt wird, desto geringere Brandsch\u00e4den sind zu erwarten. Gleichzeitig steigen aber auch die Kosten f\u00fcr den vorbeugenden Brandschutz (d.h. der Schutzaufwand). Das wirtschaftliche Optimum ist erreicht, wenn die Summe aller Kostenbeitr\u00e4ge (d.h. die Totalkosten) minimal ist. Das Sicherheitsniveau wird nach unten durch gesellschaftliche Akzeptanzkriterien begrenzt. Hierdurch wird insbesondere der Personenschutz angemessen ber\u00fccksichtigt.&#13;<\/p>\n<h2>Personenschutz als Randbedingung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDa durch Brandereignisse nicht nur Sachwerte, sondern auch Menschen in Gefahr gebracht werden, verbietet sich eine rein wirtschaftliche Optimierung: Der Schutz von Leib und Leben muss stets als Randbedingung ber\u00fccksichtigt werden. F\u00fcr den Personenschutz muss ein minimales Sicherheitsniveau gefordert werden (Entscheidungsparameter p = pmin). Diese Minimalanforderung definiert den sogenannten akzeptablen Bereich, in dem eine wirtschaftliche Optimierung m\u00f6glich ist. In <i>Grafik 1<\/i> liegt das wirtschaftliche Optimum im akzeptablen Bereich. Denkbar ist aber auch, dass das Minimum der Totalkosten bei einem Sicherheitsniveau erreicht wird, das in Bezug auf den Personenschutz nicht akzeptabel ist. In solchen F\u00e4llen muss das minimale Sicherheitsniveau pmin gefordert werden, auch wenn es sich hierbei \u2013 rein wirtschaftlich betrachtet \u2013 nicht um die optimale L\u00f6sung handelt.Die Definition des akzeptablen Bereichs ist keine einfache Aufgabe. Von einem ethischen Standpunkt aus gesehen ist es unm\u00f6glich, den Wert eines Menschenlebens zu bestimmen. Auch die Festlegung eines \u00abakzeptablen\u00bb Personenrisikos ist problematisch. Akzeptieren wir zum Beispiel eine Sterbewahrscheinlichkeit durch Brandereignisse von 10\u20135 pro Person und Jahr, so ist das f\u00fcr die Schweiz mit 7,7 Mio. Einwohnern gleichzusetzen mit der Akzeptanz von j\u00e4hrlich 77 Brandtoten (der heutige Wert liegt ungef\u00e4hr bei der H\u00e4lfte). Ob es Brandopfer gibt, ist dabei weniger wichtig als die Frage, ob diese vermeidbar sind. Auf den ersten Blick ist somit die \u00abNullvision\u00bb, bei der angestrebt wird, die Sterbewahrscheinlichkeit so weit wie m\u00f6glich zu reduzieren, aus ethischer Sicht die einzige vertretbare gesellschaftliche Strategie im Umgang mit Personenrisiken.Von einem praktischen Standpunkt aus betrachtet, wird allerdings offensichtlich, dass es technisch und\/oder wirtschaftlich unm\u00f6glich ist, die Sterbewahrscheinlichkeit auf null zu reduzieren. Die in der Gesellschaft verf\u00fcgbaren Mittel zur Verbesserung der Personensicherheit sind begrenzt und sollten bestm\u00f6glich eingesetzt werden. Wie viel in Massnahmen des Personenschutzes investiert wird, muss auf Grund von Effizienzbetrachtungen entschieden werden. Verschiedene Brandschutzmassnahmen konkurrieren hier nicht nur untereinander, sondern auch mit lebensrettenden Massnahmen aus anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Medizin, der Verkehrssicherheit oder dem Schutz vor Naturgefahren. Eine konsistente Ber\u00fccksichtigung der Effizienz von Personenschutzmassnahmen wird durch eine Betrachtung der Grenzkosten f\u00fcr eine marginale Erh\u00f6hung der Personensicherheit erreicht (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Mit steigenden Investitionen nimmt die Personensicherheit zu. Die Investitionskurve ist zun\u00e4chst flach, da es bei einem niedrigen Sicherheitsniveau in der Regel einfach ist, durch kleine Investitionen eine Verbesserung zu erwirken. Bei einem hohen Sicherheitsniveau sind dagegen grosse Investitionen notwendig, um die Sicherheit noch weiter zu erh\u00f6hen. Die Grenzkosten \u2013 also die Steigung der Kurve \u2013 nehmen zu.Ist die gesellschaftliche Zahlungsbereitschaft <i>(Societal Willingness To Pay)<\/i> f\u00fcr eine marginale Erh\u00f6hung der Personensicherheit bekannt, so kann ein Kriterium festgelegt werden, bis zu welchem Schwellenwert investiert werden soll: Liegen die Grenzkosten unterhalb der gesellschaftlichen Zahlungsbereitschaft, so sind weitere Investitionen in die Personensicherheit sinnvoll. Die Sicherheit sollte jedoch nur bis zu dem Punkt erh\u00f6ht werden, in dem die Grenzkosten gleich der gesellschaftlichen Zahlungsbereitschaft sind. Dies ist als Tangente an die Investitionskurve dargestellt, die Steigung der Tangente entspricht der (marginalen) Zahlungsbereitschaft. Eine weitere Erh\u00f6hung der Personensicherheit \u00fcber den effizienten Bereich hinaus ist nicht sinnvoll. Durch zu hohe Sicherheitsinvestitionen in einem Bereich (z.B. spezifische Brandschutzmassnahme oder Brandschutz allgemein) w\u00fcrden sonst Mittel gebunden, die in anderen Bereichen effizienter f\u00fcr den Personenschutz eingesetzt werden k\u00f6nnten.Eine gesellschaftliche Nutzenfunktion, die f\u00fcr Entscheidungen \u00fcber Investitionen in Personenschutzmassnahmen verwendet werden kann, ist der Life Quality Index (LQI) von <i>Nathwani et al.<\/i> (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Life Qualitiy Index (LQI) ist ein gesellschaftlicher Indikator \u00e4hnlich dem Human Development Index (HDI). Er wird aus der mittleren Lebenserwartung und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf einer Gesellschaft berechnet. Die Gewichtung dieser beiden Indikatoren ergibt sich aus dem beobachteten Verh\u00e4ltnis von Arbeits- und Freizeit in einer Gesellschaft. Hier wird die Annahme zu Grunde gelegt, dass Menschen ihre Zeiteinteilung so optimieren, dass ihr Nutzen maximal wird. Versteht man den LQI als gesellschaftliche Nutzenfunktion, so erlaubt er eine Abw\u00e4gung zwischen Wohlstand einerseits und der zum Geniessen dieses Wohlstands verf\u00fcgbaren Lebenszeit andererseits. Durch \u00dcbertragung dieses Konzeptes auf Entscheidungen \u00fcber Investitionen in Personenschutzmassnahmen kann aus dem LQI die gesellschaftliche Zahlungsbereitschaft f\u00fcr marginale \u00c4nderungen der Personensicherheit ermittelt werden.Auf eine ausf\u00fchrliche Herleitung und Diskussion des LQI Konzeptes muss hier aus Platzgr\u00fcnden verzichtet werden. Ein guter \u00dcberblick \u00fcber die Thematik kann in der angegebenen Literatur gewonnen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).Mit Hilfe des Grenzkostenkriteriums kann je nach Effizienz der Brandschutzmassnahmen in Bezug auf den Personenschutz eine minimale Investition festgelegt werden, die den akzeptablen Bereich f\u00fcr die wirtschaftliche Optimierung definiert. In der Regel haben Brandschutzinvestitionen einen doppelten Nutzen, da sowohl die Personen- als auch die Sachsch\u00e4den durch dieselbe Massnahme reduziert werden. Deswegen wird der Personenschutz als Randbedingung eingesetzt. Ist das Kriterium f\u00fcr den Personenschutz erf\u00fcllt, sind h\u00f6here Brandschutzinvestitionen (nur) dann begr\u00fcndbar, wenn ihr Nutzen durch die Reduktion der Sachsch\u00e4den gr\u00f6sser ist als ihre Kosten.&#13;<\/p>\n<h2>Beurteilung der Wirtschaftlichkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZiel der Untersuchung ist die Absch\u00e4tzung der Wirtschaftlichkeit von Massnahmen des vorbeugenden Brandschutzes aus gesellschaftlicher Sicht. Die Grundlagen f\u00fcr eine Beurteilung der Massnahmen wurden in den vorherigen Abschnitten beschrieben. Bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit darf die Frage des Personenschutzes nicht ausser Acht gelassen werden. Im vorherigen Abschnitt wurde beschrieben, wie der Personenschutz als Randbedingung in der Optimierung ber\u00fccksichtigt werden kann.Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit m\u00fcssen sowohl die Kosten als auch der Nutzen der Brandschutzmassnahmen abgesch\u00e4tzt werden. Letzterer ergibt sich aus dem Einfluss der Massnahmen auf die erwarteten Sach- und Personensch\u00e4den. Um diesen zu bestimmen, ist eine Risikomodellierung unter R\u00fcckgriff auf Ingenieurmethoden des Brandschutzes notwendig. Zu beachten ist allerdings, dass die Brandschutzvorschriften f\u00fcr eine Vielzahl von Geb\u00e4uden mit unterschiedlichen Eigenschaften g\u00fcltig sind. Die Frage der Wirtschaftlichkeit muss also nicht objektspezifisch, sondern auf der Portfolioebene f\u00fcr die betroffenen Geb\u00e4udegruppen beantwortet werden. Mit Hilfe von Daten zum Geb\u00e4udebestand der kantonalen Geb\u00e4udeversicherer k\u00f6nnen die Eigenschaften des Geb\u00e4udeportfolios abgesch\u00e4tzt werden. Ein Abgleich mit den beobachteten Sch\u00e4den aus der Schadenstatistik der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen erm\u00f6glicht eine Validierung des Risikomodells.&#13;<\/p>\n<h2>Bestimmung des gesellschaftlich optimalen Brandschutzes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Risikomodell kann f\u00fcr die Bestimmung eines gesellschaftlich optimalen Brandschutzes verwendet werden. Gesucht wird der goldene Mittelweg: Ein nach heutigem Stand der Technik bestm\u00f6glicher Brandschutz minimiert zwar die Sch\u00e4den, ist aber zu teuer. Umgekehrt f\u00fchrt eine einfache Minimierung des Schutzaufwandes ebenfalls nicht zum Optimum, da hierbei die Sch\u00e4den vernachl\u00e4ssigt werden. Auch in Bezug auf den Personenschutz ist es offensichtlich, dass ein vollst\u00e4ndiger Verzicht auf vorbeugende Brandschutzmassnahmen gesellschaftlich nicht erw\u00fcnscht sein kann. Die Herausforderung bei der Untersuchung der Wirtschaftlichkeit im vorbeugenden Brandschutz besteht darin, all diese Aspekte angemessen zu ber\u00fccksichtigen, um mit einem ganzheitlichen Ansatz das gesellschaftliche Optimum zu bestimmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abOptimierung des Sicherheitsniveaus\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abGrenzkostenprinzip im Personenschutz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Life Quality Index&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Life Qualitiy Index (LQI) ist ein gesellschaftlicher Indikator \u00e4hnlich dem Human Development Index (HDI). Er wird aus der mittleren Lebenserwartung und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf einer Gesellschaft berechnet. Die Gewichtung dieser beiden Indikatoren ergibt sich aus dem beobachteten Verh\u00e4ltnis von Arbeits- und Freizeit in einer Gesellschaft. Hier wird die Annahme zu Grunde gelegt, dass Menschen ihre Zeiteinteilung so optimieren, dass ihr Nutzen maximal wird. Versteht man den LQI als gesellschaftliche Nutzenfunktion, so erlaubt er eine Abw\u00e4gung zwischen Wohlstand einerseits und der zum Geniessen dieses Wohlstands verf\u00fcgbaren Lebenszeit andererseits. Durch \u00dcbertragung dieses Konzeptes auf Entscheidungen \u00fcber Investitionen in Personenschutzmassnahmen kann aus dem LQI die gesellschaftliche Zahlungsbereitschaft f\u00fcr marginale \u00c4nderungen der Personensicherheit ermittelt werden.Auf eine ausf\u00fchrliche Herleitung und Diskussion des LQI Konzeptes muss hier aus Platzgr\u00fcnden verzichtet werden. Ein guter \u00dcberblick \u00fcber die Thematik kann in der angegebenen Literatur gewonnen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Nathwani, J. S., N. C. Lind et al. (1997): Affordable Safety by Choice: The Life Quality Method, University of Waterloo. \u2013 Pandey, M. D., J. S. Nathwani et al. (2006): The Derivation and Calibration of the Life Quality Index (LQI) from Economic Principles, Structural Safety, Vol. 28, Nr. 4, S. 341\u2013360.\u2013 Lentz, A. (2007): Acceptability of Civil Engineering Decisions Involving Human Consequences, Doktorarbeit, TU M\u00fcnchen.\u2013 Faber, M.H. (2008): Risk Assessment in Engineering; Principles, System Representation &amp; Risk Criteria, A publication of the Joint Committee on Structural Safety (JCSS), <a href=\"http:\/\/www.jcss.ethz.ch\">http:\/\/www.jcss.ethz.ch<\/a>. \u2013 Rackwitz, R. (2008): The Philosophy behind the Life Quality Index and Empirical Verifications, JCSS Basic Documents on Risk Assessment in Engineering.\u2013 Faber, M. H., and M. A. Maes (2009): Sustainable Strategic and Operational Management of Life Safety, 4th International Forum on Engineering Decision Making (IFED), Hakone, Japan.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brandschutz rettet Menschenleben und begrenzt wirtschaftliche Sch\u00e4den. 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