{"id":121386,"date":"2010-06-01T12:00:00","date_gmt":"2010-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/06\/fluegel-10\/"},"modified":"2023-08-23T23:33:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:33:53","slug":"fluegel-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/06\/fluegel-9\/","title":{"rendered":"Globalisierung des Arbeitsmarktes macht St\u00e4rkung der Arbeitnehmenden n\u00f6tig"},"content":{"rendered":"<p>Die Globalisierung ver\u00e4ndert das Angebot und die Nachfrage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Zum einen erh\u00f6ht sie die Konkurrenz zwischen den Arbeitnehmenden. Das f\u00fchrt zu steigendem Druck auf L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen und macht flankierende Massnahmen notwendig. Zum anderen beschleunigt die Globalisierung den Strukturwandel, was zu einer steigenden Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitnehmenden mit h\u00f6herem Qualifikationsniveau f\u00fchrt. Damit das vorhandene Arbeitsangebot dieser Entwicklung folgen kann, brauchen wir in der Schweiz ein Weiterbildungsobligatorium. Die Globalisierung macht also eine St\u00e4rkung der Arbeitnehmenden n\u00f6tig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei den Auswirkungen der Globalisierung auf den Schweizer Arbeitsmarkt spielt der freie Personenverkehr mit der EU die Hauptrolle.&#13;<\/p>\n<h2>Personenfreiz\u00fcgigkeit im Stresstest<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Einwanderung ausl\u00e4ndischer Erwerbst\u00e4tiger in der Schweiz ist von 2004 bis 2008 stark gestiegen. Im Krisenjahr 2009 war die Zuwanderung zwar r\u00fcckl\u00e4ufig, aber sie blieb trotz steigender Arbeitslosigkeit auf einem relativ hohen Niveau. Zudem zeigen alle bisherigen Berichte zur Umsetzung der flankierenden Massnahmen (Flam-Berichte), dass der Druck auf die L\u00f6hne in der Schweiz zugenommen hat. Diese beiden Tatsachen k\u00f6nnen leicht zum Eindruck f\u00fchren, dass die Personenfreiz\u00fcgigkeit die Arbeitslosigkeit erh\u00f6ht und die L\u00f6hne senkt. Ohne Gegenmassnahmen wird dadurch die Akzeptanz der Personenfreiz\u00fcgigkeit bei den Arbeitnehmenden sinken und gleichzeitig die Attraktivit\u00e4t eines gesetzlichen Mindestlohnes bei breiten Bev\u00f6lkerungsschichten steigen.Bei ungef\u00e4hr 25% der Kontrollen von parit\u00e4tischen Kommissionen in GAV-Branchen werden Verst\u00f6sse gegen bindende Mindestl\u00f6hne festgestellt. Dies widerspiegelt den Druck auf die L\u00f6hne, der durch die Personenfreiz\u00fcgigkeit ausgel\u00f6st wurde. Dieser Druck wird weiter best\u00e4tigt durch die neueste Lohnstrukturerhebung, die in verschiedenen Branchen sinkende L\u00f6hne bei neu eingestellten Immigranten feststellt. F\u00fcr Travail.Suisse, den unabh\u00e4ngigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass die L\u00f6hne in der Schweiz nicht auf breiter Front ins Rutschen geraten d\u00fcrfen. Damit dies nicht geschieht, m\u00fcssen die bestehenden flankierenden Massnahmen zum Schutz gegen Lohn- und Sozialdumping in allen Kantonen konsequent und l\u00fcckenlos umgesetzt werden. Alle bisherigen Untersuchungen best\u00e4tigen zudem, dass verbindliche Mindestl\u00f6hne ein wichtiges Element sind im Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping. F\u00fcr Travail.Suisse ist das ein klarer Hinweis darauf, dass f\u00fcr weitere Branchen in allgemeinverbindlichen Gesamt- oder Normalarbeitsvertr\u00e4gen festgelegte Mindestl\u00f6hne n\u00f6tig sind. Im Weiteren zeigt die anhaltende Einwanderung bei steigender Arbeitslosigkeit, dass die flankierenden Massnahmen erg\u00e4nzt werden m\u00fcssen. Heute stehen keine Instrumente bereit, um auf diese Entwicklung zu reagieren. Damit eine steigende Sockelarbeitslosigkeit verhindert werden kann, braucht es neue Anreize f\u00fcr die Arbeitgeber, bereits ans\u00e4ssige Arbeitnehmende anzustellen, anstatt neue Arbeitnehmende aus dem Ausland zu importieren. Die ans\u00e4ssigen Arbeitnehmenden m\u00fcssen also gest\u00e4rkt werden, wenn die Personenfreiz\u00fcgigkeit nicht in Verruf geraten soll, Arbeitslosigkeit zu produzieren.&#13;<\/p>\n<h2>Weiterbildungsobligatorium tut not<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine weitere Herausforderung f\u00fcr den Schweizer Arbeitsmarkt besteht darin, dass die Globalisierung den Strukturwandel beschleunigt und zu einer immer h\u00f6heren Nachfrage der Unternehmen nach besser qualifizierten Arbeitnehmenden f\u00fchrt. Dadurch hat sich in den letzten Jahren bereits die Zusammensetzung der Zuwanderung stark ver\u00e4ndert; der Anteil der hoch qualifizierten Zuwanderer ist massiv gestiegen. Damit auch die bereits ans\u00e4ssigen Arbeitnehmenden \u2013 seien es Schweizer oder fr\u00fcher Zugewanderte \u2013 dieser Entwicklung folgen k\u00f6nnen, braucht es neue Anstrengungen auch in der Schweiz. Travail.Suisse fordert dazu unter anderem ein Weiterbildungsobligatorium f\u00fcr alle Arbeitnehmenden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die Logik dieser Forderung: Durch die Industrialisierung sind im 19 Jahrhundert die Anforderungen an die Arbeitnehmenden in einer Weise gestiegen, dass f\u00fcr alle Kinder in der Schweiz die allgemeine Schulpflicht eingef\u00fchrt wurde. Heute reichen die Grundschule und auch ein Berufsabschluss nicht mehr aus, um ein ganzes Erwerbsleben zu bestehen. Die Globalisierung des 21. Jahrhunderts macht es notwendig, dass in der Schweiz ein Weiterbildungsobligatorium f\u00fcr alle Arbeitnehmenden eingef\u00fchrt wird. Nur mit einer Weiterbildungsoffensive k\u00f6nnen die Arbeitnehmenden die Herausforderung der Globalisierung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt bew\u00e4ltigen und mit ihrer Arbeit den Wohlstand in der Schweiz auch in Zukunft sicherstellen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Globalisierung ver\u00e4ndert das Angebot und die Nachfrage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Zum einen erh\u00f6ht sie die Konkurrenz zwischen den Arbeitnehmenden. Das f\u00fchrt zu steigendem Druck auf L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen und macht flankierende Massnahmen notwendig. Zum anderen beschleunigt die Globalisierung den Strukturwandel, was zu einer steigenden Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitnehmenden mit h\u00f6herem Qualifikationsniveau f\u00fchrt. 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