{"id":121391,"date":"2010-06-01T12:00:00","date_gmt":"2010-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/06\/gerfin-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:00","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:00","slug":"gerfin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/06\/gerfin\/","title":{"rendered":"Auswirkungen der Immigration der Jahre 2002 bis 2008 auf die L\u00f6hne in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse des Forschungsprojekts \u00abAuswirkungen der Migration auf den Schweizer Arbeitsmarkt\u00bb&#13;<br \/>\nVgl. Gerfin, Kaiser (2010); <a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">http:\/\/www.seco.admin.ch<\/a>, \u00abDokumentation\u00bb, \u00abPublikationen und Formulare\u00bb, \u00abVer\u00f6ffentlichungsreihen\u00bb, \u00abArbeit\u00bb. zusammen, das die Autoren im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) durchgef\u00fchrt haben. Das wichtigste Ergebnis des Projekts: Die Immigration hatte eine ausgleichende Wirkung auf die Lohnverteilung in der Schweiz; sie wirkte sich positiv auf die L\u00f6hne der Gering- und Mittelqualifizierten sowie d\u00e4mpfend auf die Lohnentwicklung der Hochqualifizierten aus.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201006_04_Gerfin_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Ziel dieses Projekts ist die Sch\u00e4tzung des kausalen Effekts der Zuwanderung auf das Reallohnwachstum. Die Analyse besteht aus zwei Schritten: Zun\u00e4chst werden Arbeitsnachfragefunktionen differenziert nach Qualifikationen gesch\u00e4tzt. Diese werden im zweiten Schritt dazu verwendet, die Wirkung der Zuwanderung auf die Lohnentwicklung im Schweizer Arbeitsmarkt zu simulieren. Dabei wird angenommen, dass der beobachtete Immigrationsschub keinen Einfluss auf das Arbeitsangebot von Einheimischen hatte.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Besch\u00e4ftigungsstruktur in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den Jahren von 2002 bis 2008 hat sich die qualifikatorische Struktur der Besch\u00e4ftigung in der Schweiz stark ver\u00e4ndert (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Die Anzahl der Erwerbst\u00e4tigen hat um rund 260000 Personen (6,7%) zugenommen. Das Wachstum der Erwerbst\u00e4tigen mit Schweizer Staatsb\u00fcrgerschaft betrug 5,3%, w\u00e4hrend die Anzahl der ausl\u00e4ndischen Erwerbst\u00e4tigen um 11,8% angestiegen ist. Die Zunahme der Erwerbst\u00e4tigen unterscheidet sich je nach Qualifikation betr\u00e4chtlich: Die Anzahl einheimischer Besch\u00e4ftigter mit terti\u00e4rer Ausbildung ist um 36% gestiegen, w\u00e4hrend bei Ausl\u00e4ndern das entsprechende Wachstum sogar 64% betrug. Angesichts des betrachteten Zeitraums von 6 Jahren sind diese Wachstumsraten enorm. Sowohl bei Schweizern als auch bei Ausl\u00e4ndern hatte im Jahr 2008 rund jeder dritte Erwerbst\u00e4tige eine terti\u00e4re Ausbildung.Tabelle 1 zeigt auch, wie sich der Anteil der einzelnen Gruppen an der Gesamtzahl der Erwerbst\u00e4tigen ver\u00e4ndert hat. Der Anteil der Ausl\u00e4nder hat insgesamt um 1 Prozentpunkt auf 21,9% zugenommen. Der Beitrag der Ausl\u00e4nder mit terti\u00e4rer Bildung hat um 2,4 Prozentpunkte zugenommen, ist aber mit einem Anteil von 6,8% an der Gesamtbesch\u00e4ftigung relativ gering. Viel bedeutender ist die Zunahme von 5,5 Prozentpunkten bei den Schweizern mit terti\u00e4rer Bildung, die 2008 gut ein Viertel aller Besch\u00e4ftigten in der Schweiz ausmachten. Diese Anteile spielen in der folgenden Simulation zur Absch\u00e4tzung der Lohnwirkungen eine Rolle, weil die Lohnwirkungen auch von der relativen Gr\u00f6sse der entsprechenden Gruppen abh\u00e4ngen. In der gleichen Zeitspanne ist der Reallohnindex um 1,0% gestiegen.&#13;<br \/>\nVgl. <i><a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\">http:\/\/www.bfs.admin.ch<\/a>,<\/i> \u00abL\u00f6hne\u00bb, \u00abDetaillierte Daten\u00bb, \u00abSchweizerischer Lohnindex insgesamt (1939 = 100)\u00bb, \u00abEntwicklung der Nominall\u00f6hne, der Konsumentenpreise und der Reall\u00f6hne\u00bb Gem\u00e4ss der Lohnstrukturerhebung (LSE) hatten Einheimische ein geringf\u00fcgig negatives Reallohnwachstum von \u20130,2%, w\u00e4hrend der Medianlohn der Ausl\u00e4nder real um 3,8% zugenommen hat. Vergleichbare Werte ergeben sich auch in der Sake-Stichprobe, die wir f\u00fcr unsere empirische Analyse verwenden.&#13;<\/p>\n<h2>Methodischer Ansatz der Untersuchung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeitsmarktwirkungen der Immigration wurden in der Vergangenheit h\u00e4ufig mit dem so genannten <i>Area Approach<\/i> analysiert. Dabei werden die Arbeitsmarktergebnisse (L\u00f6hne, Besch\u00e4ftigung) verschiedener Regionen eines Landes u.a. mit dem Anteil der Immigranten am regionalen Arbeitsmarkt erkl\u00e4rt. Dieser Ansatz vernachl\u00e4ssigt allerdings zwei relevante Verhaltensmuster: Erstens ziehen Zuwanderer vorzugsweise in Regionen mit guten Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten und entsprechend hohen L\u00f6hnen, und zweitens k\u00f6nnen einheimische Arbeitskr\u00e4fte in Reaktion auf die neue Konkurrenz am regionalen Arbeitsmarkt in eine andere Region ausweichen. Wenn diese Verhaltensmuster eine Rolle spielen, kann der Area Approach die Arbeitsmarktwirkung der Immigration nicht identifizieren.<i>Borjas (2003)<\/i> hat aus diesem Grund vorgeschlagen, die Wirkungen der Immigration auf den nationalen Arbeitsmarkt zu untersuchen. Dabei wird der nationale Arbeitsmarkt in Teilarbeitsm\u00e4rkte f\u00fcr unterschiedliche Qualifikationen unterteilt (Bildungsniveau, Berufserfahrung). Diese Eigenschaften k\u00f6nnen Immigranten zum Zeitpunkt der Einwanderung nicht w\u00e4hlen, und Einheimische k\u00f6nnen auf die Ver\u00e4nderung des Arbeitsangebots in ihrer Qualifikationsgruppe auch nicht sofort reagieren. Dieser <i>Skill Approach<\/i> ist seither das Standardmodell zur Analyse der Arbeitsmarkwirkungen der Immigration geworden (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Skill Approach oder National Approach wurde von Borjas (2003) erstmals verwendet. Die Grundidee besteht darin, den nationalen Arbeitsmarkt in Teilarbeitsm\u00e4rkte f\u00fcr unterschiedliche Qualifikationsstufen zu unterteilen. Qualifikationsmerkmale sind dabei Bildungsniveau und Berufserfahrung. Die gesamtwirtschaftliche Besch\u00e4ftigung ist ein gewichtetes Aggregat der Besch\u00e4ftigung in den einzelnen Teilarbeitsm\u00e4rkten. Die Substitutionsbeziehungen zwischen den Arbeitskr\u00e4ften in verschiedenen Qualifikationsgruppen werden durch die sogenannten Substitutionselastizit\u00e4ten bestimmt. Diese Substitutionselastizit\u00e4ten m\u00fcssen \u00f6konometrisch gesch\u00e4tzt werden. Aus diesen Sch\u00e4tzungen l\u00e4sst sich die Arbeitsnachfrage nach den einzelnen Qualifikationen herleiten. Wenn das Angebot einer Qualifikation A durch Zuwanderung zunimmt und dadurch die Nachfrage nach Qualifikation B zur\u00fcckgeht, sind diese zwei Qualifikationen substitutiv. Wenn die Nachfrage nach B hingegen zunimmt, sind die zwei Qualifikationen komplement\u00e4r.Auf der Basis der gesch\u00e4tzten Arbeitsnachfragefunktionen kann simuliert werden, wie sich die Zunahme des ausl\u00e4ndischen Arbeitsangebots auf die Lohnstruktur auswirkt. Die Verteilung der Lohnwirkungen h\u00e4ngt ab von der qualifikatorischen Struktur der Einwanderung, der relativen Gr\u00f6sse der Qualifikationsgruppen im Produktionsprozess und den oben beschriebenen Substitutionsbeziehungen. F\u00fcr diese Simulationen wird unterstellt, dass sich die L\u00f6hne vollst\u00e4ndig ans neue Arbeitsmarkt-Gleichgewicht anpassen und die Zuwanderungsstr\u00f6me keinen Einfluss auf das bestehende inl\u00e4ndische Arbeitsangebot aus\u00fcben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Datenbasis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie empirische Analyse basiert auf der Schweizer Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) 1991 bis 2008. Ber\u00fccksichtigt werden alle unselbst\u00e4ndig erwerbst\u00e4tigen Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Diese werden gem\u00e4ss den Charakteristika Bildung, Erfahrung und Nationalit\u00e4t in Qualifikationsgruppen aufgeteilt. Wir unterscheiden drei Bildungsstufen: Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Terti\u00e4rstufe. Berufserfahrung wird in vier Kategorien gemessen: weniger als 10 Jahre, 10 bis 20 Jahre, 20 bis 30 Jahre und mehr als 30 Jahre. Als Immigranten werden aus Datengr\u00fcnden alle Personen bezeichnet, die nicht die schweizerische Staatsb\u00fcrgerschaft haben.&#13;<br \/>\nAlle Versuche, potenziell bessere Definitionen von Immigranten (z.B. Alter bei Einwanderung, Geburtsland) zu verwenden, f\u00fchrten zu Problemen, einerseits bez\u00fcglich der konsistenten Zuordnung (die Variablen in der Sake haben sich im Verlauf ver\u00e4ndert und wurden teilweise nicht immer erhoben) und andererseits bez\u00fcglich der Robustheit der Sch\u00e4tzergebnisse. Relevant f\u00fcr die empirische Analyse ist allerdings die Ver\u00e4nderung des Arbeitsangebots von Ausl\u00e4ndern \u00fcber die Zeit. Diese Ver\u00e4nderung entspricht mehr oder weniger der Nettozuwanderung. Zudem konnten aus Datengr\u00fcnden Grenzg\u00e4nger nicht ber\u00fccksichtigt werden. Das hat zur Folge, dass auch schon sehr lange in der Schweiz lebende Ausl\u00e4nder notgedrungen zu den Einwanderern z\u00e4hlen.Es entstehen somit je 12 Qualifikationsgruppen f\u00fcr Schweizer und Ausl\u00e4nder. F\u00fcr jede dieser 24 Gruppen wird in jedem Jahr der durchschnittliche Lohn und die aggregierten Arbeitsstunden berechnet (unter Ber\u00fccksichtigung der Hochrechnungsgewichte der Sake). Dies ergibt beispielsweise den durchschnittlichen Lohn und die geleisteten Arbeitsstunden von Schweizern mit mittlerer Bildung und 10\u201320 Jahren Berufserfahrung im Jahr 2002. Die \u00f6konometrische Sch\u00e4tzung der Substitutionsbeziehungen basiert auf diesen Arbeitsstunden und L\u00f6hnen der einzelnen Qualifikationsgruppen in den verschiedenen Wellen der Sake.&#13;<br \/>\nAlle weiteren Details zu den Daten und deren Aufbereitung finden sich in Gerfin und Kaiser (2010).&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnisse der empirischen Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse der empirischen Analyse decken sich mit den wichtigsten Befunden in der internationalen Literatur:&#13;<br \/>\nVgl. z.B. Card (2009) und Ottaviano, Peri (2008).\u2212 Einheimische und Ausl\u00e4nder sind selbst bei gleicher Qualifikation keine perfekten Substitute.\u2212 Arbeitskr\u00e4fte mit hoher Bildung (Terti\u00e4rstufe) durch Arbeitskr\u00e4fte mit geringerer Bildung (Sekundarstufen I und II) zu ersetzen (und umgekehrt), ist sehr schwierig. \u2212 Zudem k\u00f6nnen Arbeitskr\u00e4fte auf der gleichen Bildungsstufe nicht ohne weiteres durch j\u00fcngere oder \u00e4ltere Mitarbeitende ersetzt werden. Der erste erw\u00e4hnte Punkt bedeutet, dass ein Ausl\u00e4nder mit einer bestimmten Qualifikation nicht problemlos einen Schweizer mit derselben Qualifikation ersetzen kann. Ein m\u00f6glicher Grund daf\u00fcr kann z.B. sein, dass Einwanderer die Umgangssprache auf dem Arbeitsplatz weniger gut beherrschen. Die Quantifizierung des Ausmasses der Ersetzbarkeiten ist der erste innovative Beitrag des Forschungsprojekts.&#13;<\/p>\n<h2>Absch\u00e4tzung der Lohnwirkungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm zweiten Schritt wird das Modell dazu verwendet, die Lohnwirkungen der Einwanderung der Jahre 2002 bis 2008 abzusch\u00e4tzen. Diese Simulation berechnet, wie sich die L\u00f6hne der einzelnen Gruppen zwischen 2002 und 2008 entwickelt h\u00e4tten, wenn die konjunkturellen und strukturellen Rahmenbedingungen konstant geblieben w\u00e4ren und nur das ausl\u00e4ndische Arbeitsangebot zugenommen h\u00e4tte. Die Simulation sch\u00e4tzt also den kausalen Effekt der Zuwanderung auf das Reallohnwachstum. Ein negativer Wert von -1 bedeutet, dass das Wachstum des Reallohns durch die Einwanderung im Vergleich zur Situation ohne Einwanderung um 1 Prozentpunkt reduziert wird. Dies bedeutet, dass die Reall\u00f6hne aufgrund der Immigration entweder weniger stark gestiegen oder gesunken sind. <i>Tabelle 2<\/i> zeigt die Simulationsergebnisse in Prozentpunkten f\u00fcr zwei Fristen: den kurzfristigen Effekt (bis 2008) mit teilweiser Kapitalstockanpassung und den langfristigen Effekt nach vollst\u00e4ndiger Kapitalstockanpassung.&#13;<br \/>\nEs wird angenommen, dass sich das Verh\u00e4ltnis von Kapital und Arbeit in der Volkswirtschaft langfristig wieder auf einen gleichgewichtigen Wachstumspfad begibt.&#13;<\/p>\n<h2>Kurzfristiger Effekt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt hat die Immigration die Reallohnentwicklung kurzfristig um einen Prozentpunkt reduziert (Zeile 1). Dieser Wert ist vergleichbar mit dem Ergebnis von <i>Stalder (2008),<\/i> der f\u00fcr die Periode 2003\u20132007 mit einer anderen Methode einen Reallohneffekt von \u20130,8 Prozentpunkten ermittelt hat. Langfristig ist der aggregierte Lohneffekt definitionsgem\u00e4ss gleich null, da sich die Produktionskapazit\u00e4ten vollst\u00e4ndig an das neue Arbeitsangebot angepasst haben. In den Zeilen 2 und 6 sind die Wirkungen der Immigration auf die Lohnentwicklung der Schweizer und der Ausl\u00e4nder ausgewiesen. Kurzfristig ist ein schwach negativer Effekt auf das Lohnwachstum der Einheimischen festzustellen, w\u00e4hrend die Wirkung auf die Lohnentwicklung der Ausl\u00e4nder mit 2,6 Prozentpunkten betr\u00e4chtlich ist. Dieser Unterschied ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Schweizer und Ausl\u00e4nder keine perfekten Substitute auf dem Arbeitsmarkt sind und somit die Einwanderung die L\u00f6hne der Ausl\u00e4nder st\u00e4rker beeinflusst als jene der Einheimischen. Mit anderen Worten scheint die neue Zuwanderung einen st\u00e4rkeren Konkurrenzdruck auf die in der Schweiz arbeitenden Ausl\u00e4nder auszu\u00fcben als auf einheimische Arbeitskr\u00e4fte.Die kurzfristigen Lohneffekte sind f\u00fcr die tiefe und die mittlere Bildungsgruppe sowohl f\u00fcr Schweizer als auch f\u00fcr Ausl\u00e4nder schwach positiv. Somit besteht zwischen den hochqualifizierten Einwanderern und den tiefen und mittleren Bildungsgruppen eine komplement\u00e4re Beziehung. F\u00fcr Hochqualifizierte hingegen hatte die Immigration einen d\u00e4mpfenden Effekt auf die Entwicklung des Reallohns. Dieser Effekt ist f\u00fcr Ausl\u00e4nder mit \u20138,4 Prozentpunkten betr\u00e4chtlich st\u00e4rker. Das Wachstum der Reall\u00f6hne der hochqualifizierten Ausl\u00e4nder w\u00e4re somit ohne Immigration zwischen 2002 und 2008 um 8,4 Prozentpunkte h\u00f6her gewesen, dasjenige der hochqualifizierten Schweizer um 1,9 Prozentpunkte.&#13;<\/p>\n<h2>Langfristiger Effekt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLangfristig heisst, dass alle Kapitalstockanpassungen stattgefunden haben, der Arbeitsmarkt wieder im Gleichgewicht ist und keine weiteren Einwanderungssch\u00fcbe stattgefunden haben. Insgesamt zeigt sich ein schwach positiver Effekt der Einwanderung auf das Lohnwachstum der Schweizer (+0,4 Prozentpunkte), der sich auf die Gruppe mit geringer und mittlerer Bildung konzentriert (+1,5 bzw. +1,3 Prozentpunkte). Die hochgebildeten Schweizer verzeichnen langfristig ein um \u20130,9 Prozentpunkte geringeres Reallohnwachstum. Auch bei den Ausl\u00e4ndern profitieren die Gruppen mit geringer und mittlerer Bildung vom Einwanderungsschub. Die Gruppe der hochgebildeten Ausl\u00e4nder hingegen hat auch langfristig einen betr\u00e4chtlichen negativen Effekt von \u20137,4 Prozentpunkten zu verzeichnen. Bez\u00fcglich der Lohnentwicklung hat die Immigration der Jahre 2002\u20132008 somit prim\u00e4r diejenige Gruppe negativ beeinflusst, die den Hauptanteil am Immigrationsschub hatte. Rund zwei Drittel der Erwerbst\u00e4tigen in der Schweiz (alle Besch\u00e4ftigten auf sekund\u00e4rer Bildungsstufe) d\u00fcrften aber von der Immigration eher profitiert haben.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt deuten diese Befunde darauf hin, dass die Immigration der Jahre 2002\u20132008 dazu beigetragen hat, die Ungleichheit in der Verteilung der L\u00f6hne zu reduzieren. Die mehrheitlich hochqualifizierte Zuwanderung hat sich eher positiv auf die L\u00f6hne der gering- und mittelqualifizierten Arbeitskr\u00e4fte und d\u00e4mpfend auf die Lohnentwicklung der hochqualifizierten Arbeitskr\u00e4fte ausgewirkt. Dieser Befund ist aus Sicht der Autoren ein wichtiger Beitrag zur Diskussion \u00fcber die Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit.Die hier vorgestellten Ergebnisse sind die ersten ihrer Art f\u00fcr die Schweiz. Die Analyse kann in verschiedene Richtungen erweitert werden. Das verwendete Gleichgewichtsmodell unterstellt, dass alle Anpassungen am Arbeitsmarkt \u00fcber L\u00f6hne stattfinden und keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit entsteht. Diese Annahme sollte in zuk\u00fcnftiger Arbeit gelockert werden. Ausserdem konnten in der bisherigen Analyse aus Datengr\u00fcnden Grenzg\u00e4nger nicht ber\u00fccksichtigt werden. Es ist allerdings zu vermuten, dass die Ber\u00fccksichtigung von Grenzg\u00e4ngern im hier verwendeten Modell die Ergebnisse nur geringf\u00fcgig ver\u00e4ndern w\u00fcrde, weil ihr Anteil am Gesamtarbeitsmarkt relativ gering ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abEntwicklung der qualifikatorischen Struktur der Erwerbst\u00e4tigen, 2002\u20132008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abSimulationsergebnisse im \u00dcberblick\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Skill Approach&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer <i>Skill Approach<\/i> oder <i>National Approach<\/i> wurde von <i>Borjas (2003)<\/i> erstmals verwendet. Die Grundidee besteht darin, den nationalen Arbeitsmarkt in Teilarbeitsm\u00e4rkte f\u00fcr unterschiedliche Qualifikationsstufen zu unterteilen. Qualifikationsmerkmale sind dabei Bildungsniveau und Berufserfahrung. Die gesamtwirtschaftliche Besch\u00e4ftigung ist ein gewichtetes Aggregat der Besch\u00e4ftigung in den einzelnen Teilarbeitsm\u00e4rkten. Die Substitutionsbeziehungen zwischen den Arbeitskr\u00e4ften in verschiedenen Qualifikationsgruppen werden durch die sogenannten Substitutionselastizit\u00e4ten bestimmt. Diese Substitutionselastizit\u00e4ten m\u00fcssen \u00f6konometrisch gesch\u00e4tzt werden. Aus diesen Sch\u00e4tzungen l\u00e4sst sich die Arbeitsnachfrage nach den einzelnen Qualifikationen herleiten. Wenn das Angebot einer Qualifikation A durch Zuwanderung zunimmt und dadurch die Nachfrage nach Qualifikation B zur\u00fcckgeht, sind diese zwei Qualifikationen substitutiv. Wenn die Nachfrage nach B hingegen zunimmt, sind die zwei Qualifikationen komplement\u00e4r.Auf der Basis der gesch\u00e4tzten Arbeitsnachfragefunktionen kann simuliert werden, wie sich die Zunahme des ausl\u00e4ndischen Arbeitsangebots auf die Lohnstruktur auswirkt. Die Verteilung der Lohnwirkungen h\u00e4ngt ab von der qualifikatorischen Struktur der Einwanderung, der relativen Gr\u00f6sse der Qualifikationsgruppen im Produktionsprozess und den oben beschriebenen Substitutionsbeziehungen. F\u00fcr diese Simulationen wird unterstellt, dass sich die L\u00f6hne vollst\u00e4ndig ans neue Arbeitsmarkt-Gleichgewicht anpassen und die Zuwanderungsstr\u00f6me keinen Einfluss auf das bestehende inl\u00e4ndische Arbeitsangebot aus\u00fcben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Borjas, G. J. (2003), The Labor Demand Curve Is Downward Sloping: Reexamining the Impact of Immigration on the Labor Market, in: Quarterly Journal of Economics 118, 1335\u20131374.\u2212 Card, D. (2009), Immigration and Inequality, in: American Economic Review, 99(2), S. 1\u201321.\u2212 Gerfin, M. und B. Kaiser (2010), The Effects of Immigration on Wages in Switzerland, Working Paper, Departement Volkswirtschaftslehre, Universit\u00e4t Bern. Download: <i><a href=\"http:\/\/staff.vwi.unibe.ch\/gerfin\/\">http:\/\/staff.vwi.unibe.ch\/gerfin\/<\/a> downloads\/immigration_and_wages.pdf.<\/i>\u2212 Ottaviano, G. und G. Peri (2008), Immigration and National Wages: Clarifying the Theory and the Empirics, NBER Working Paper 14188.\u2212 Stalder, P (2008), Personenfreiz\u00fcgigkeit: Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum, in: Die Volkswirtschaft, 11, S. 7\u201311.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag fasst die Ergebnisse des Forschungsprojekts \u00abAuswirkungen der Migration auf den Schweizer Arbeitsmarkt\u00bb&#13; Vgl. Gerfin, Kaiser (2010); http:\/\/www.seco.admin.ch, \u00abDokumentation\u00bb, \u00abPublikationen und Formulare\u00bb, \u00abVer\u00f6ffentlichungsreihen\u00bb, \u00abArbeit\u00bb. zusammen, das die Autoren im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) durchgef\u00fchrt haben. 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