{"id":121426,"date":"2010-06-01T12:00:00","date_gmt":"2010-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/06\/weder-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:28","slug":"weder-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/06\/weder-5\/","title":{"rendered":"Bedroht die Globalisierung die Niedrigqualifizierten in der Schweiz?"},"content":{"rendered":"<p>Die Globalisierung \u2013 hier definiert als zunehmende Integration von Volkswirtschaften bez\u00fcglich des Handels von G\u00fctern und Dienstleistungen \u2013 f\u00f6rdert in Industriel\u00e4ndern die Spezialisierung hin zu T\u00e4tigkeiten mit einem hohen Anteil an Hochqualifizierten. Branchen mit einem hohen Anteil an Niedrigqualifizierten schrumpfen hingegen, da deren T\u00e4tigkeiten in Schwellenl\u00e4ndern g\u00fcnstiger ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Dieser Strukturwandel kann zu einem Anpassungsdruck f\u00fcr Niedrigqualifizierte f\u00fchren. Die Arbeitsmarktsituation der Niedrigqualifizierten in der Schweiz hat sich in der Tat deutlich verschlechtert. Der folgende Beitrag untersucht die Frage, welche Rolle die Globalisierung hierbei gespielt haben k\u00f6nnte.&#13;<br \/>\nDie Autoren danken dem Seco f\u00fcr die finanzielle Unterst\u00fctzung ihres Forschungsprojektes. Der Schlussbericht an das Seco ist unter Weder, Wyss (2010) verf\u00fcgbar (Internet: <a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">http:\/\/www.seco.admin.ch<\/a>, \u00abDokumentation\u00bb, \u00abPublikationen und Formulare\u00bb, \u00abVer\u00f6ffentlichungsreihen\u00bb, \u00abArbeit\u00bb).<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201006_05_Weder_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Theorie und bisherige Forschung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Umstand, dass Niedrigqualifizierte im Vergleich zu Hochqualifizierten in Industriel\u00e4ndern zunehmend unter Druck kommen, ist kein unbekanntes Ph\u00e4nomen. Das sogenannte Stolper-Samuelson-Theorem aus der internationalen Handelstheorie impliziert n\u00e4mlich, dass die Globalisierung in L\u00e4ndern mit relativ guter Humankapitalausstattung zu einem Anstieg der Lohndisparit\u00e4t nach Qualifikation \u2013 d.h. dem Lohnverh\u00e4ltnis von H\u00f6her- zu Niedrigqualifizierten \u2013 f\u00fchren kann. Nachdem in den USA diese Lohndisparit\u00e4t in den 1980er-Jahren stark angestiegen war, folgte eine Vielzahl von Studien, welche die Kopplung zwischen US-Lohndisparit\u00e4t nach Qualifikation und Globalisierung untersuchte. In einer ersten Forschungsrunde identifizierten die Forscher den bildungsintensiven technologischen Fortschritt (z.B. die Automatisierung), nicht aber die Globalisierung als zentrale Einflussgr\u00f6sse. In einer zweiten Phase r\u00fcckte die Globalisierung infolge der zunehmenden Auslagerungspraktiken der Firmen wieder in den Forschungsfokus. Gem\u00e4ss <i>Feenstra und Hanson (1999)<\/i> sollen die zunehmenden Zwischenproduktimporte mit einem Viertel des Anstiegs der US-Lohndisparit\u00e4t nach Qualifikation in den 1980er-Jahren verkn\u00fcpft sein. Dem angels\u00e4chsischen Vorbild folgend, konzentrierte sich auch die Schweizer Forschung auf die Untersuchung des erw\u00e4hnten Zusammenhangs (u.a. Suarez 1998). Ein Blick auf das Ver\u00e4nderungsmuster der Arbeitsmarktsituation der Niedrigqualifizierten in der Schweiz legt jedoch nahe, dass diese Fragestellung f\u00fcr die Schweiz von sekund\u00e4rem Interesse ist.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktsituation der Niedrigqualifizierten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSetzt man die Ver\u00e4nderung der Lohndisparit\u00e4t nach Qualifikation n\u00e4mlich der Ver\u00e4nderung der Disparit\u00e4t der Arbeitslosenquote nach Qualifikation (d.h. dem Verh\u00e4ltnis der Arbeitslosenquote von Niedrig- zu H\u00f6herqualifizierten) gegen\u00fcber, stellt man fest, dass sich in der Schweiz \u2013 anders als in den USA \u2013 die relative Arbeitsmarktsituation der Niedrigqualifizierten prim\u00e4r im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit verschlechtert hat.&#13;<br \/>\nZum Folgenden siehe Wyss (2008).<i>Grafik 1<\/i> zeigt, dass der Medianbruttolohn der Hoch- zu Niedrigqualifizierten zwischen 1991 und 2007 mit einer mittleren j\u00e4hrlichen Ver\u00e4nderungsrate von 0,2% vergleichsweise konstant blieb, w\u00e4hrend die Arbeitslosenquote von Niedrig- zu Hochqualifizierten um j\u00e4hrlich mittlere 3,5% deutlich anstieg. Dieses Muster l\u00e4sst sich nicht nur auf Ebene der Gesamtwirtschaft, sondern auch im zweiten und dritten Sektor beobachten.Im OECD-Vergleich f\u00e4llt dieses Ver\u00e4nderungsmuster in zweifacher Hinsicht auf. Einerseits weisen OECD-L\u00e4nder mit einer ansteigenden Disparit\u00e4t der Arbeitslosenquote nach Qualifikation in der Regel auch einen entsprechenden Anstieg der Lohndisparit\u00e4t nach Qualifikation auf (z.B. Deutschland). Dem ist nicht so in der Schweiz. Andererseits nahm die Disparit\u00e4t der Arbeitslosenquote von Niedrig- zu Hochqualifizierten in keinem anderen OECD-Land derart rasch zu wie in der Schweiz. Allein zwischen 1991 und 2005 hat die Schweiz 12 OECD-L\u00e4nder \u00fcberholt und liegt \u2013 gemessen an diesem Quotienten \u2013 neu im Mittelfeld der OECD-L\u00e4nder (Rang 11 von 24). Beim Vergleich der Disparit\u00e4t der Arbeitslosenquote nach Qualifikation schneidet die Schweiz im OECD-Vergleich also deutlich weniger gut ab als im OECD-Vergleich der gesamtwirtschaftlichen Arbeitslosenquote.Die in <i>Grafik 1<\/i> dargestellte Entwicklung ist f\u00fcr die Niedrigqualifizierten deshalb prek\u00e4r, weil sie sich auch absolut niedergeschlagen hat. So stieg der Anteil an niedrigqualifizierten Arbeitslosen zwischen 1991 und 2007 mit mittleren 7,0% pro Jahr deutlich an, w\u00e4hrend sich der reale Bruttomedianlohn der Niedrigqualifizierten mit mittleren \u20130,1% pro Jahr kaum ver\u00e4ndert hat. 2007 war rund jeder f\u00fcnfzehnte Niedrigqualifizierte arbeitslos. Dies ist zweifelsohne eine sozial- und finanzpolitisch beunruhigende Entwicklung. Entsprechend stellt sich die Frage nach deren Ursachen. Hierbei d\u00fcrften sowohl Faktoren auf Seiten des Arbeitsangebots (z.B. Migration) wie auch auf Seiten der Arbeitsnachfrage (z.B. technologischer Fortschritt, Globalisierung) eine Rolle gespielt haben. Im Rahmen unserer Forschung steht die Rolle der Globalisierung im Fokus.&#13;<\/p>\n<h2>Globalisierung und Strukturwandel: Die Risikogruppen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnhand von Fallstudien interessierte uns in einem ersten Schritt, ob und \u2013 falls ja \u2013 in welcher Form eine Verkn\u00fcpfung zwischen Globalisierung und relativer sowie absoluter Schlechterstellung der Niedrigqualifizierten bestehen k\u00f6nnte. Hierzu wurden in <i>Wyss (2009)<\/i> die Besch\u00e4ftigungs- und Lohneffekte von Arbeitskr\u00e4ften untersucht, die ihre Stelle im Rahmen von gr\u00f6sseren Entlassungen verloren hatten, welche explizit durch die Globalisierung ausgel\u00f6st wurden. Die sechs durchgef\u00fchrten Fallstudien&#13;<br \/>\nSchienenfahrzeughersteller Bombardier, die Bekleidungsfirma Calida, die Spezialit\u00e4tenchemiefirmen Ciba und Clariant, der Spielzeughersteller Lego sowie das Pharmaunternehmen Roche. umfassen sowohl export- wie auch importintensive Industrien und z\u00e4hlen gemeinsam mehrere tausend Beobachtungen.Die Fallstudien zeigen, dass die Globalisierung mit der relativen und absoluten Schlechterstellung der Niedrigqualifizierten in der Tat verkn\u00fcpft sein k\u00f6nnte. Dabei kommt der Importkonkurrenz aus Schwellenl\u00e4ndern in mehreren F\u00e4llen (z.B. Calida und Lego) eine wichtige Rolle zu, indem sie gewisse Arbeitspl\u00e4tze direkt verdr\u00e4ngt oder indirekt zu deren Automatisierung oder Auslagerung f\u00fchrt. Passend hierzu gaben s\u00e4mtliche Firmen an, im Anschluss an die Freisetzung vermehrt Hoch- zu Lasten von Niedrigqualifizierten angestellt zu haben. Die Globalisierung hat in den hier betrachteten Fallstudien also zu einer Zunahme der relativen Arbeitsnachfrage nach Hochqualifizierten gef\u00fchrt. Hinsichtlich der Anpassungskosten der Betroffenen k\u00f6nnen zwei Aussagen gemacht werden. Zum einen geh\u00f6ren einige, aber bei weitem nicht alle der Betroffenen zu den Verlierern. Zum anderen haben nicht alle Betroffenen dasselbe Risiko, zur Gruppe der Verlierer zu geh\u00f6ren. Die Untersuchungen zeigen, dass in den hier betrachteten Fallstudien ein bis zwei Jahre nach der Freisetzung rund 70%\u201390% der stellensuchenden Betroffenen eine neue Arbeit gefunden haben, wovon rund 60%\u201370% mit gleich hohem oder h\u00f6herem Lohn im Vergleich zur alten Arbeitsstelle. Rund 50%\u201360% der stellensuchenden Betroffenen geh\u00f6ren demnach <i>nicht<\/i> zu den \u00abVerlierern der Globalisierung\u00bb. Im Umkehrschluss gilt aber, dass dies in den hier betrachteten Fallstudien auf rund 40%\u201350% der stellensuchenden Betroffenen durchaus zutrifft. Die Analyse zeigt, dass ein bis zwei Jahre nach der Freisetzung rund 30%\u201340% der erwerbst\u00e4tigen Betroffenen mit Lohneinbussen und rund 10%\u201330% der stellensuchenden Betroffenen mit Arbeitslosigkeit konfrontiert sind. Deren Anpassungskosten sollten nicht trivialisiert werden. Die Folgen aus Lohneinbussen und Arbeitslosigkeit k\u00f6nnen f\u00fcr die Betroffenen schwerwiegend sein.&#13;<\/p>\n<h2>\u00c4ltere und Niedrigqualifizierte mit h\u00f6herem Risiko<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der Analyse geht ferner hervor, dass nicht alle Betroffenen dasselbe Risiko aufweisen, von Lohneinbussen oder Arbeitslosigkeit betroffen zu sein. <i>Tabelle 1<\/i> zeigt in \u00dcbereinstimmung mit der Aussenhandels- und Humankapitaltheorie, dass im Hinblick auf Massenentlassungen \u00e4ltere und niedrigqualifizierte Betroffene zur Gruppe mit dem h\u00f6chsten Risiko geh\u00f6ren.Die vom Stellenabbau betroffenen \u00fcber 55-J\u00e4hrigen weisen ein sehr hohes Arbeitslosigkeitsrisiko im Vergleich zu j\u00fcngeren Betroffenen auf. Dieses Resultat steht nicht im Widerspruch zur Beobachtung der bisherigen Forschung, dass das Arbeitslosigkeitsrisiko mit zunehmendem Alter abnimmt. Die Fallstudien zeigen vielmehr, dass bei gegebener Massenentlassung, bei der auch \u00e4ltere Arbeitnehmer betroffen sind, das Risiko einer anhaltenden Arbeitslosigkeit f\u00fcr \u00fcber 55-J\u00e4hrige \u00fcberdurchschnittlich hoch ist. Im Unterschied zu den \u00e4lteren Betroffenen weisen die Niedrig- im Vergleich zu den Hochqualifizierten sowohl ein deutlich h\u00f6heres Risiko f\u00fcr Lohneinbussen (ca. siebenfach) wie auch f\u00fcr Arbeitslosigkeit (ca. sechsfach) auf. Da die freigesetzten Arbeitskr\u00e4fte nur einen relativ geringen Anteil s\u00e4mtlicher Erwerbst\u00e4tigen ausmachen, widerspricht das erh\u00f6hte Risiko der Niedrigqualifizierten f\u00fcr Lohneinbussen nicht dem Resultat in <i>Grafik 1<\/i>. Mit anderen Worten: Betrachtet man alle Niedrigqualifizierten und nicht nur die freigesetzten, dominiert offensichtlich der Arbeitslosigkeitseffekt.Zusammenfassend belegen unsere Fallstudien, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Globalisierung und der relativen wie auch absoluten Schlechterstellung der Niedrigqualifizierten in der Schweiz bestehen kann. Es stellt sich die Frage, ob es sich bei dieser Verkn\u00fcpfung nur um Einzelf\u00e4lle, die wir letztlich so ausgew\u00e4hlt haben, oder um ein allgemeines Ph\u00e4nomen handelt. Im Sinne eines ersten Forschungsbeitrags konzentrierten wir uns auf die Importkonkurrenz, da diese in den Fallstudien als wichtige Einflussgr\u00f6sse erkannt wurde.&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss der Importkonkurrenz auf das Arbeitslosigkeitsrisiko<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen einer Partialanalyse f\u00fcr die Schweizer Industrie untersuchten wir, ob die zunehmende Importkonkurrenz eine wichtige treibende Kraft hinter der absoluten und relativen Schlechterstellung der Niedrigqualifizierten im Hinblick auf Arbeitslosigkeit sein k\u00f6nnte. Dabei gilt die Aufmerksamkeit dem Arbeitslosigkeitsrisiko. Aufgrund der Aussenhandelstheorie w\u00fcrden wir erwarten, dass Importe von End- und Zwischenprodukten (bestimmte) Arbeitskr\u00e4fte in importkonkurrierenden Branchen verdr\u00e4ngen k\u00f6nnen, was entweder zu Lohneinbussen oder bei nach unten inflexiblen L\u00f6hnen zu Arbeitslosigkeit f\u00fchrt. Trifft dies in der Realit\u00e4t zu, sollte das Arbeitslosigkeitsrisiko dieser Arbeitskr\u00e4fte positiv mit der Importkonkurrenz verkn\u00fcpft sein. Die Ergebnisse dieser mikro\u00f6konometrischen Analyse f\u00fcr die Jahre 1991 bis 2008 in <i>Wyss (2010)<\/i> legen nahe, dass die Importkonkurrenz in der Schweizer Industrie <i>keine<\/i> zentrale treibende Kraft hinter der relativen und absoluten Schlechterstellung der Niedrigqualifizierten im Hinblick auf Arbeitslosigkeit sein d\u00fcrfte. Dies ist ein \u00fcberraschendes Resultat. Zwar hat die Importkonkurrenz im Rahmen der deskriptiven Analyse vordergr\u00fcndig einen positiven Einfluss auf das Arbeitslosigkeitsrisiko der Niedrigqualifizierten. Sobald aber f\u00fcr simultane Effekte kontrolliert und zahlreiche erkl\u00e4rende Variablen mit ber\u00fccksichtigt werden, zeigt sich, dass der Einfluss der Importkonkurrenz (End- und Zwischenprodukte) auf das Arbeitslosigkeitsrisiko der Niedrigqualifizierten in der hier untersuchten Stichprobe von 33000 Beobachtungen \u00fcber 18 Jahre nicht gen\u00fcgend ausgepr\u00e4gt ist, um von einem statistisch gesicherten Effekt zu sprechen (vgl. <i>Tabelle 2<\/i>). In der Literatur typischerweise genannte soziodemografische Variablen \u2013 wie Alter, Besch\u00e4ftigungsgrad, Zivilstand oder Dauer der Betriebszugeh\u00f6rigkeit \u2013 leisten auch in unserer Analyse einen signifikanten Beitrag zur Erkl\u00e4rung des Arbeitslosigkeitsrisikos. Die Untersuchung legt nahe, dass insbesondere Arbeitskr\u00e4fte mit ungen\u00fcgender fachlicher (Ungelernte) und sprachlicher Qualifikation (Sprachausl\u00e4nder) auf dem heutigen Schweizer Arbeitsmarkt grunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrdet sind. Die Importkonkurrenz kann im Einzelfall, wie aus den Fallstudien hervorgeht, die Arbeitslosigkeit dieses Typs von Arbeitskr\u00e4ften erh\u00f6hen. In der in Wyss (2010) untersuchten Stichprobe und \u00f6konometrischen Sch\u00e4tzung f\u00fchrt sie aber zu keinem zus\u00e4tzlichen, signifikanten Erkl\u00e4rungsgehalt. Dieses Resultat muss mit einer gewissen Zur\u00fcckhaltung interpretiert werden. Einerseits ist es ein Nachteil, dass die Importkonkurrenz im Vergleich zu soziodemografischen Charakteristika wie der schulischen Qualifikation auf Individualebene deutlich weniger exakt gemessen werden kann. Andererseits ist zu beachten, dass sich das obige Resultat auf die Importkonkurrenz im zweiten Sektor bezieht. Der Dienstleistungshandel bleibt ebenso unber\u00fccksichtigt wie der Austausch von Arbeitskr\u00e4ften. Entsprechend kann auf der Basis dieses Beitrags nicht ausgeschlossen werden, dass die Globalisierung nicht doch einen gewissen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit der Niedrigqualifizierten hat. Immerhin d\u00fcrfte aufgrund unserer Analysen der Effekt in einer Volkswirtschaft wie der Schweiz nicht sehr gross sein.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKurz- bis mittelfristig stellt die zunehmende Arbeitslosigkeit unter den Niedrigqualifizierten, die derzeit rund einen F\u00fcnftel der Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung ausmachen, f\u00fcr die Schweizer Gesellschaft und Sozialwerke eine ernst zu nehmende und entsprechend n\u00e4her zu erforschende Herausforderung dar. Zwar d\u00fcrfte langfristig die quantitative Bedeutung der Arbeitslosigkeit unter den Niedrigqualifizierten aufgrund des h\u00f6heren Bildungsstands der nachr\u00fcckenden Generationen und der neu einwandernden Ausl\u00e4nder abnehmen. Vorerst wird die Wirtschaftspolitik durch das hier besprochene Ph\u00e4nomen aber gefordert sein.Auf Basis der hier dargelegten Resultate d\u00fcrfte es wirtschaftspolitisch sinnvoll sein, sich auf die Kernursache des erh\u00f6hten Arbeitslosigkeitsrisikos von Niedrigqualifizierten, n\u00e4mlich auf die Behebung ihrer ungen\u00fcgenden Fach- und Sprachkenntnisse, zu konzentrieren. Ein Fokus auf die Verminderung des Globalisierungsdruckes \u2013 sei es durch selektiven Protektionismus oder durch sonstige die Wirtschaftsstruktur erhaltende Massnahmen \u2013 w\u00fcrde nicht nur zu hier nicht besprochenen zus\u00e4tzlichen volkswirtschaftlichen Kosten f\u00fchren. Sie h\u00e4tte aufgrund unserer Analysen f\u00fcr die Schweiz auch kaum wahrnehmbare Effekte auf die Arbeitslosigkeit von Niedrigqualifizierten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abMittlere Entwicklung der Lohndisparit\u00e4t und Arbeitslosenquote nach Qualifikation (Gesamtwirtschaft), 1991\u20132007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abRisikogruppe: \u00c4ltere, niedrigqualifizierte Betroffene\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abEinflussfaktoren auf das Arbeitslosigkeitsrisiko\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Feenstra, R.C., und G.H. Hanson (1999), The Impact of Outsourcing and High-Technology Capital on Wages: Estimates for the U.S. 1979-1990, in: Quarterly Journal of Economics, 114, S. 907\u2013940.\u2212 Suarez, J. (1998), The Employment and Wage Effects of Import Competition in Switzerland, in: International Journal of Manpower, 19, 6, S. 438\u2013448.\u2212 Weder, R., und S. Wyss (2010), Arbeitslosigkeit unter Niedrigqualifizierten: Die Rolle der Globalisierung. Eine empirische Analyse f\u00fcr die Schweiz, Abteilung Aussenwirtschaft und Europ\u00e4ische Integration, Wirtschaftswissenschaftliche Fakult\u00e4t, Universit\u00e4t Basel, April (mimeo).\u2212 Wyss, S. (2008), Ist die relative Schlechterstellung niedrigqualifizierter Arbeitskr\u00e4fte Mythos oder Realit\u00e4t? Eine deskriptive Analyse der Schweizer Disparit\u00e4t von Lohn und Arbeitslosenquote nach Qualifikation, WWZ-Studie, 06\/08.\u2212 Wyss, S. (2009), Stellenverlust und Lohneinbusse durch die Globalisierung? Eine Fallstudie, WWZ-Studie, 05\/09.\u2212 Wyss, S. (2010), Erh\u00f6ht die Importkonkurrenz das Arbeitslosigkeitsrisiko der Niedrigqualifizierten? Eine empirische Analyse f\u00fcr die Schweizer Industrie, WWZ-Studie, 01\/10.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Globalisierung \u2013 hier definiert als zunehmende Integration von Volkswirtschaften bez\u00fcglich des Handels von G\u00fctern und Dienstleistungen \u2013 f\u00f6rdert in Industriel\u00e4ndern die Spezialisierung hin zu T\u00e4tigkeiten mit einem hohen Anteil an Hochqualifizierten. Branchen mit einem hohen Anteil an Niedrigqualifizierten schrumpfen hingegen, da deren T\u00e4tigkeiten in Schwellenl\u00e4ndern g\u00fcnstiger ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. 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