{"id":121446,"date":"2010-05-01T12:00:00","date_gmt":"2010-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/05\/beer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:09","slug":"beer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/05\/beer\/","title":{"rendered":"Erfahrungen mit Exportplattformen und Clustern"},"content":{"rendered":"<p>Schweizer Firmen, speziell die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), stehen h\u00e4ufig vor der Herausforderung der Internationalisierung, weil die M\u00e4rkte in der Schweiz relativ klein sind und in vielen Bereichen mehrheitlich ein Verdr\u00e4ngungskampf herrscht. Exportplattformen und Cluster unterst\u00fctzen die Wirtschaft zielgerichtet beim Auf- und Ausbau der Exportaktivit\u00e4ten. Der Erfolg der Plattformen ist stark abh\u00e4ngig von der aktiven Integration der zuk\u00fcnftigen Nutzer und der angebotenen Services. Eine zentrale Herausforderung ist die Sicherstellung der langfristigen Finanzierung unter Einbezug aller betroffenen Parteien. Am Beispiel des ICT Cluster Bern, Switzerland (tcbe.ch) wird aufgezeigt, wie eine Cluster-Initiative ihre Mitglieder aktiv beim Thema Internationalisierung unterst\u00fctzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele Firmen sind sich heute nicht gewohnt, in Netzwerken zu arbeiten und deren Vorteile zu nutzen. Aufgrund fehlender Erfahrungen steht oftmals das Konkurrenzdenken im Vordergrund. Kann jedoch durch gemeinsame Erfolge in Projekten eine Kooperationskultur entwickelt werden, besitzen die Schweizer KMU ein sehr grosses Potenzial im Export.&#13;<\/p>\n<h2>Erfolgsfaktoren von Plattformen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErfolgreiche Plattformen werden den jeweiligen Bed\u00fcrfnissen der einbezogenen Parteien angepasst. Deshalb gibt es keine generellen Rezepte, wie eine Plattform erfolgreich aufgebaut werden kann. M\u00f6gliche Faktoren f\u00fcr den Erfolg sind:\u2013 Community-Bildung;\u2013 Gemeinschaftsprojekte;\u2013 Aktivit\u00e4tsbereiche;\u2013 Branding;\u2013 Nachhaltige Finanzierung. Langfristig muss sich eine Plattform selber organisieren und den Betrieb sicherstellen k\u00f6nnen. Hierzu ist es wichtig, dass von Beginn weg eine starke <i>Community<\/i> aufgebaut werden kann. Dazu braucht es einen Leader, welcher sowohl die Verantwortung f\u00fcr die Langfristigkeit \u00fcbernimmt, als auch in der zu unterst\u00fctzenden Branche als Know How-Tr\u00e4ger und erfolgreicher Gesch\u00e4ftsmann anerkannt ist. Der Leader wird im Normalfall durch einen Plattform-Manager erg\u00e4nzt, welcher im entsprechenden Themenfeld keine Eigeninteressen vertritt. Wird die Plattform von einer Community \u2013 dies kann sowohl eine bestehende als auch eine neu aufzubauende sein \u2013 getragen, operiert die Plattform sp\u00fcrbar erfolgreicher.Um als Community im Bereich Export zu funktionieren, muss vorg\u00e4ngig das Vertrauen innerhalb der Mitglieder sowie zwischen dem Plattformbetreiber und den Mitgliedern aufgebaut werden. <i>Key-Faktoren<\/i> hierbei sind <i>Gemeinschaftsprojekte<\/i> und <i>Aktivit\u00e4ten<\/i>, welche die Mitglieder gemeinsam erfolgreich abschliessen. Auch <i>Fact Finding Missions<\/i> oder Erkundungsmissionen unterst\u00fctzen diesen Prozess sehr effizient. Die durch Plattformen realisierten <i>Aktivit\u00e4ten<\/i> sind sowohl nach innen als auch aussen orientiert. Innenorientierte Themen \u2013 wie etwa Plattformstruktur, Betreiberteam, Marketing und Finanzen \u2013 stellen vor allem den Betrieb sicher. Aussenorientierte Themen positionieren die Plattform mit dem richtigen Angebot beim entsprechenden Zielpublikum (Zielmarktdefinition, Services, Kunden\/Mitglieder). Werden mehrere Plattformen durch \u00e4hnliche Interessensgruppen oder Finanzgeber betrieben, kann mit Hilfe von Shared Services ein grosses Synergie-Potenzial genutzt werden. Dies betrifft einerseits die technische Infrastruktur und die administrativen T\u00e4tigkeiten und andererseits die Zug\u00e4nge in den einzelnen Zielm\u00e4rkten. Gerade in komplexen M\u00e4rkten wie China und dem arabischen Raum sind oftmals die Kenntnisse der M\u00e4rkte, Kulturen und Netzwerke wichtiger als das effektive Fachwissen.Der Nutzer der Plattform ist sehr stark mit der Bekanntheit derselben verkn\u00fcpft. Eine Initiative muss deshalb durch einen starken <i>Brand<\/i> gepr\u00e4gt sein. Der Brand muss zwingend sowohl nach innen (potenzielle Mitglieder und Nutzer der Plattform) als auch nach aussen (Zielpublikum und Zielm\u00e4rkte) wirken. Speziell bei der Aussenwirkung m\u00fcssen m\u00f6gliche Synergien zwingend genutzt werden, zum Beispiel durch Zusammenarbeit mit bereits bekannten Plattformen oder durch die Kooperation von \u00e4hnlichen Plattformen. Denn oftmals besitzt eine einzelne Plattform zwar nicht die kritische Marketingmasse, aber in Summe kann die notwendige Wirkung erreicht werden. Diese Synergien gilt es auch bei der Namenswahl und der Corporate Identity klar aufzuzeigen. Faktoren sind hier der Einsatz des Schweizer Wappens und verwandtschaftliche Designs.&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltige Finanzierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nExportplattformen und Cluster-Initiativen sind langfristig orientierte Aktivit\u00e4ten. Das bedeutet auch, dass die <i>nachhaltige Finanzierung<\/i> eine hohe Priorit\u00e4t besitzt. Die Initialisierung der Plattform erfolgt sehr oft durch die \u00f6ffentliche Hand nach dem <i>Top-Down-Prinzip<\/i> mit Hilfe einer Anschubfinanzierung. Im ersten Schritt erhalten die KMU einen grossen Teil der Services kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt. Nach einer definierten Zeit im Bereich von 2\u20135 Jahren m\u00fcssen die Plattformnutzer das wirtschaftliche Fortbestehen dann selber sicherstellen. Beim \u00dcbergang der Finanzierung treten oft gr\u00f6ssere Probleme auf, da die Nutzer der Plattform nicht immer in der Lage sind, die notwendigen Finanzen zu generieren, oder nicht bereit sind, Services einzukaufen, welche vorg\u00e4ngig kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt wurden. Bei der Finanzierung ist klar abzugrenzen, welche Aufgaben im Interesse der Region oder der Nation (etwa Standortpromotion, Wirtschaftsf\u00f6rderung, Regionenmarketing) und welche im Interesse der Wirtschaft (Zugang zu Auftr\u00e4gen, Marktabkl\u00e4rungen, Fact Finding usw.) liegen. Das Finanzierungsmodell muss die Aufgabenaufteilung zwingend ber\u00fccksichtigen und bei der Finanzierung alle betroffenen Parteien einbeziehen. Es gilt jeweils zu kl\u00e4ren, ob mit einer Aufteilung der Anschubfinanzierung auf einen l\u00e4ngeren Zeitraum die Plattform zwar etwas weniger akzentuiert startet, aber langfristig leistungsf\u00e4higer und nachhaltiger aufgebaut werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Internationalisierungssupport des tcbe.ch<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNachfolgend wird aufgezeigt, wie eine Cluster-Initiative ihre Mitglieder im Bereich Internationalisierung unterst\u00fctzt. Der tcbe.ch wurde 1996 gegr\u00fcndet und vereint heute mehr als 200 Mitglieder aus dem Bereich der Informatik und Telekommunikation aus Bern und den umliegenden Kantonen. Der Cluster definiert einen Internationalisierungssupport f\u00fcr seine Mitglieder. Dieser basiert auf <i>vier S\u00e4ulen<\/i>: Wirtschaftsexkursionen, Initiieren von Partnerschaften, 1:1-Support f\u00fcr die Mitglieder und Internationale Gemeinschaftsprojekte f\u00fcr das Netzwerk.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftsexkursionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Cluster f\u00fchrt j\u00e4hrlich ein oder zwei Wirtschaftsexkursionen durch. Im Rahmen dieser Exkursionen lernen die Teilnehmer eine neue Region (Cambridge, Tampere, Ludwigsburg usw.) sowie verwandte Netzwerke und Firmen kennen. Zus\u00e4tzlich wird ein erster Einblick in Kultur und Geschichte vor Ort gew\u00e4hrt. Ein ebenfalls sehr wichtiger Faktor ist das Kennenlernen innerhalb der Delegation. Bereits mehrmals wurden im Anschluss an eine Wirtschaftsexkursion Berner Gemeinschaftsprojekte gestartet.&#13;<\/p>\n<h2>Initiieren von Partnerschaften<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer erste Schritt der Internationalisierung findet oft im Rahmen einer Partnerschaft mit einer Universit\u00e4t oder einer das Portfolio erg\u00e4nzenden Firma im Ausland statt. Der Cluster nimmt hier die Drehscheibenfunktion wahr, die Anfragen und Angebote werden selektiert und aktiv weitervermittelt.&#13;<\/p>\n<h2>1:1-Support f\u00fcr die Mitglieder<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMitglieder, welche ins Ausland expandieren, k\u00f6nnen mit Hilfe des Cluster-Managers sowohl den Zugang zu Beh\u00f6rden und Supportern vor Ort als auch zu m\u00f6glichen Gesch\u00e4ftspartnern und Kunden vereinfachen. Diese M\u00f6glichkeit steht nat\u00fcrlich auch Firmen aus dem Ausland zur Verf\u00fcgung, welche sich in der Schweiz ansiedeln.&#13;<\/p>\n<h2>Internationale Gemeinschaftsprojekte f\u00fcr das Netzwerk<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer tcbe.ch integriert sich aktiv in grenz\u00fcberschreitende Projekte. Zum Beispiel war er Partner im Projekt Networking ICT Clusters in Europe. Im Projekt waren 13 Partner aus Finnland, Deutschland, Tschechien, der T\u00fcrkei und der Schweiz aktiv. Hauptaufgaben im Projekt waren ein Regionen-Nationen-Benchmarking im Bereich ICT, Erarbeiten von Best Practices f\u00fcr ICT Cluster und als Hauptaufgabe das Vernetzen von Firmen zum Initiieren von Gemeinschaftsprojekten in der Wirtschaft. Das Projekt war ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der Internationalisierungsstrategie des Clusters und mehrere grenz\u00fcberschreitende Firmenpartnerschaften konnten erfolgreich eingeleitet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Begriffserkl\u00e4rungen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<i>Cluster<\/i> sind regional oder national verdichtete, branchen\u00fcbergreifende Wirtschaftskomplexe und sind in der Regel Teil eines international ausgerichteten Wertsch\u00f6pfungsnetzwerkes.<i>Cluster-Initiativen<\/i> sind ein Zusammenschluss von Unternehmen (Wirtschaft), Ausbildungsinstitutionen (Wissenschaft), Verb\u00e4nden und Beh\u00f6rden mit dem Ziel, ein definiertes Thema in einem definierten Wirtschaftsraum\/Region zu st\u00e4rken.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweizer Firmen, speziell die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), stehen h\u00e4ufig vor der Herausforderung der Internationalisierung, weil die M\u00e4rkte in der Schweiz relativ klein sind und in vielen Bereichen mehrheitlich ein Verdr\u00e4ngungskampf herrscht. 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