{"id":121562,"date":"2010-04-01T12:00:00","date_gmt":"2010-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/04\/gaillard-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:29","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:29","slug":"gaillard-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/04\/gaillard-7\/","title":{"rendered":"Der Schweizer Arbeitsmarkt \u2013 eine Lagebeurteilung"},"content":{"rendered":"<p>Das \u00fcbergeordnete Ziel der Arbeitsmarktpolitik ist es, m\u00f6glichst allen Menschen im Erwerbsalter eine Erwerbst\u00e4tigkeit zu erm\u00f6glichen, zu L\u00f6hnen, die ein Leben in W\u00fcrde erlauben. Der Schweizer Arbeitsmarkt schneidet im internationalen Vergleich gut ab. Dazu beigetragen haben neben dem Berufsbildungssystem nicht zuletzt Institutionen, welche den Erwerbst\u00e4tigen einen guten sozialen Schutz bieten und gleichzeitig den Unternehmen und Besch\u00e4ftigten erlauben, rasch auf ver\u00e4nderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren. Dieser Artikel bildet den Auftakt zur neuen Serie, welche den Schweizer Arbeitsmarkt genauer unter die Lupe nimmt. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201004_17_Gaillard_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Konjunkturaussichten haben sich in den letzten Monaten kontinuierlich verbessert. Die Spuren der Weltwirtschaftskrise auf den Arbeitsm\u00e4rkten d\u00fcrften aber noch eine Weile sichtbar bleiben. In den letzten eineinhalb Jahren ist die Arbeitslosenquote in der Schweiz saisonbereinigt von 2,6% auf 4,1% angestiegen. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz mit einer Quote von 4,6% im Dezember 2009 gut da (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<br \/>\nEs wird zwischen den amtlichen Arbeitslosenzahlen des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und den Erwerbslosenzahlen des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) unterschieden. Die Arbeitslosenstatistik des Seco basiert auf einer Vollerhebung der Personen, welche in einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) erfasst sind. Das BFS erhebt anhand einer Stichprobe die Zahl der Erwerbslosen entsprechend den Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes und der OECD sowie den Definitionen von Eurostat. F\u00fcr internationale Vergleiche sind die Zahlen des BFS relevant. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit war deutlich weniger stark als z.B. in der EU oder den USA. Die Schweiz war von der Krise weniger stark betroffen als andere L\u00e4nder: Sie kannte weder eine Immobilien- noch eine Kreditkrise.Ein weiterer Grund erkl\u00e4rt, warum die Wirtschaftst\u00e4tigkeit in der Schweiz deutlich weniger eingebrochen und die Besch\u00e4ftigung stabiler geblieben ist als in anderen L\u00e4ndern. In den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise ist die Wirtschaft hierzulande stark gewachsen. J\u00e4hrlich wurden in den Vorkrisenjahren mehr als 85&nbsp;000 neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen. Die steigende Besch\u00e4ftigung, eine wachsende Bev\u00f6lkerung und h\u00f6here L\u00f6hne erm\u00f6glichten ein starkes Wachstum der Konsumausgaben und der Baut\u00e4tigkeit. Diese Dynamik hat sich w\u00e4hrend der Krise nur langsam abgeschw\u00e4cht. W\u00e4hrend die Industrie und einige Zulieferbranchen nach dem Herbst 2008 von einem beispiellosen Einbruch der Auftragseing\u00e4nge heimgesucht wurden, vermochte die inl\u00e4ndische Wirtschaft dank steigender Auftr\u00e4ge weiter zu wachsen. Die Besch\u00e4ftigung ist dementsprechend nur leicht zur\u00fcckgegangen (\u20130,1%).&#13;<br \/>\nQuelle: BFS (Besta), Vollzeit- und Teilzeiterwerbst\u00e4tige, Vergleich des 4. Quartals 2009 mit dem 4. Quartal 2008.Die vorlaufenden Indikatoren f\u00fcr den Arbeitsmarkt haben sich in den letzten Monaten gebessert. Der Tiefpunkt auf dem Arbeitsmarkt k\u00f6nnte erreicht sein. Trotzdem kann noch nicht ausgeschlossen werden, dass die Arbeitslosigkeit in der zweiten Jahresh\u00e4lfte wieder steigen wird. Die Konjunkturerholung ist in Europa noch sehr zaghaft. Solange die Besch\u00e4ftigung in diesen L\u00e4ndern nicht zunimmt, kann ein erneuter R\u00fcckschlag nicht ausgeschlossen werden. In der Schweiz d\u00fcrfte sich die inl\u00e4ndische Nachfrage wegen einer stagnierenden Besch\u00e4ftigung weniger dynamisch entwickeln als in den letzten Jahren, und ein hoch bewerteter Franken verlangsamt die Erholung der Exporte. Ein neuerlicher Konjunktureinbruch h\u00e4tte sp\u00fcrbare und l\u00e4ngerfristige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Erwerbsquote und tiefe Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie OECD umschreibt das Ziel ihrer <i>Job Strategy<\/i> seit einigen Jahren mit <i>More and better Jobs<\/i>. Dies bedeutet, m\u00f6glichst allen Menschen im Erwerbsalter eine Erwerbst\u00e4tigkeit zu erm\u00f6glichen, zu L\u00f6hnen, die ein Leben in W\u00fcrde erlauben, und zu Bedingungen, die der Gesundheit nicht schaden. Ein internationaler Vergleich zeigt, dass die Schweiz diese Ziele bisher gut erreicht hat. Der Schweizer Arbeitsmarkt zeichnet sich durch eine hohe Erwerbsquote&#13;<br \/>\nDie Erwerbsquote misst den Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbst\u00e4tige und Erwerbslose) in&nbsp;% der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter (15\u201364 Jahre). Der Begriff Erwerbspersonen umfasst alle 15- bis 64-j\u00e4hrigen Personen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen m\u00f6chten. Als erwerbslos gelten diejenigen Personen, die in der Referenzwoche nicht erwerbst\u00e4tig waren, aktiv eine Arbeit gesucht haben und die f\u00fcr die Aufnahme einer T\u00e4tigkeit verf\u00fcgbar w\u00e4ren. Nichterwerbspersonen sind Personen, die nicht arbeiten wollen oder k\u00f6nnen.und eine tiefe Arbeitslosigkeit aus (siehe <i>Grafik 2<\/i> und <i>Kasten 1Die Erwerbsbeteiligung ist ein guter Indikator f\u00fcr die Aufnahmef\u00e4higkeit eines Arbeitsmarktes und das Erwerbsverhalten einer Bev\u00f6lkerung. Eine hohe Arbeitsmarktpartizipation ist f\u00fcr die Wirtschaftsleistung eines Landes entscheidend. Nicht nur der hohe Lebensstandard der Erwerbshaushalte, sondern auch die Finanzierung \u00f6ffentlicher Leistungen und der sozialen Sicherungssysteme baut auf der hohen Erwerbsbeteiligung unserer Bev\u00f6lkerung auf. Mit einer Erwerbsquote der 15- bis 64-j\u00e4hrigen Bev\u00f6lkerung von 82,3% (2008) nimmt die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Auch die Erwerbsbeteiligung der 15- bis 24- und der 55- bis 64-J\u00e4hrigen liegt weit \u00fcber dem OECD-Durchschnitt. Gr\u00fcnde f\u00fcr das unterschiedliche Erwerbsverhalten in den einzelnen L\u00e4ndern gibt es viele. Das kulturelle, aber auch das politische, wirtschaftliche und institutionelle Umfeld spielen eine entscheidende Rolle. Ob eine Person erwerbst\u00e4tig sein kann oder will, ist neben pers\u00f6nlichen Merkmalen wie vom realisierbaren Lohn, den Erwerbsanreizen der Steuer- und Transferssysteme, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den Vorruhestandsregelungen und der allgemeinen Arbeitsmarktsituation abh\u00e4ngig.In der Schweiz konnte die Erwerbsquote w\u00e4hrend der langen Rezessionsphase der 1990er-Jahre auf hohem Niveau gehalten und im letzten Aufschwung nochmals gesteigert werden. Die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen spielte dabei eine wichtige Rolle (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Obwohl die Frauen sich zunehmend am \u00abbezahlten\u00bb Erwerbsleben beteiligen, liegt ihre Erwerbsquote immer noch deutlich unter derjenigen der M\u00e4nner. Besonders stark weichen die Quoten in der Familiengr\u00fcndungsphase (30\u201345 Jahre) und in den Jahren vor dem ordentlichen Rentenalter (55\u201364 Jahre) voneinander ab. Die Erwerbsbeteiligung der Schweizer Frauen ist im internationalen Vergleich zwar hoch, viele Frauen sind aber mit kleinen Pensen teilzeiterwerbst\u00e4tig. Mit Ausnahme der Niederlande sind in keiner Volkswirtschaft so viele Frauen teilzeiterwerbst\u00e4tig wie in der Schweiz. Hinter dem hohen Teilzeitanteil k\u00f6nnen frei gef\u00e4llte Entscheide der Frauen \u00fcber den Umfang der Erwerbsarbeit stehen, den sie leisten m\u00f6chten, aber es werden auch gesellschaftliche Traditionen vermutet, die sich zumindest kurzfristig kaum ver\u00e4ndern lassen. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht interessiert vor allem, inwieweit die institutionellen Voraussetzungen zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit verbessert werden k\u00f6nnen.). Gleichzeitig ist die Lohnstruktur in den letzten Jahrzehnten \u2013 mit Ausnahme des markanten Anstiegs der h\u00f6chsten L\u00f6hne \u2013 relativ stabil geblieben (siehe <i>Grafik 3<\/i> und <i>Kasten 2Wie steht es mit den Arbeitsbedingungen in der Schweiz? Gem\u00e4ss der europ\u00e4ischen Erhebung \u00fcber Arbeitsbedingungen, die von der Europ\u00e4ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen seit 1990 alle f\u00fcnf Jahre durchgef\u00fchrt wird, sind 91% der Schweizer Erwerbst\u00e4tigen mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden oder sehr zufrieden. Nur D\u00e4nemark, Norwegen und Grossbritannien erreichen h\u00f6here Zufriedenheitswerte. Die Arbeitsbedingungen in der Schweiz sind somit im europ\u00e4ischen Vergleich gut.&#13;<br \/>\nEuropean Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (2007). Fourth European Working Conditions Survey. Luxembourg. Auch das im internationalen Vergleich hohe durchschnittliche Lohnniveau in der Schweiz zeugt vom Wohlstand und Leistungsniveau unserer Volkswirtschaft.In gesellschaftspolitischer Hinsicht interessiert aber nicht nur die Lohnh\u00f6he, sondern auch deren Verteilung. Im internationalen Vergleich der OECD f\u00e4llt der Unterschied der h\u00f6chsten und tiefsten L\u00f6hne \u2013 gemessen am Verh\u00e4ltnis des 9. zum 1. Dezil der Bruttoeinkommen aus Erwerbst\u00e4tigkeit \u2013 in der Schweiz moderat aus. Einzig in Finnland, Schweden, Norwegen und Belgien war die Lohnungleichheit im OECD-Vergleich weniger ausgepr\u00e4gt.&#13;<br \/>\nDas 9. Dezil lag 2007 2,65-mal \u00fcber dem 1. Dezil. 1997 lag dieser Wert noch bei 2,41. Bedeutung des 1. Dezil: 10% der Erwerbst\u00e4tigen verdienen weniger als diesen Wert. Bedeutung des 9. Dezil: 10% der Erwerbst\u00e4tigen verdienen mehr als diesen Wert. \u00dcber einen Zeitraum von 10 Jahren (1997\u20132007) resultierte in der Schweiz zudem ein eher bescheidenes Wachstum der Ungleichheit. Im unteren Bereich der Lohnstruktur hat sie sogar abgenommen, was auch auf die Erh\u00f6hung der Mindestl\u00f6hne in vielen Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen (GAV) in den letzten 10 Jahren zur\u00fcckzuf\u00fchren sein d\u00fcrfte. Im oberen Bereich der Lohnstruktur hat die Ungleichheit wie in den meisten OECD-Staaten zugenommen.&#13;<br \/>\nOECD Employment Outlook 2009: Tackling the Jobs Crisis, Statistical Annex, S. 303.Bedeutsam f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Lohnstruktur sind wie erw\u00e4hnt die GAV. Diese enthalten in gewerblichen Branchen meistens auch Mindestl\u00f6hne und d\u00fcrften massgeblich zur Stabilit\u00e4t der Lohnstruktur in der unteren H\u00e4lfte der Lohnpyramide gesorgt haben. Mit der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit haben die GAV an Bedeutung gewonnen, weil nicht mehr wie fr\u00fcher die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden pr\u00fcfen, ob bei Neueinstellungen von Personen aus den EU-L\u00e4ndern die in der Schweiz geltenden orts- und branchen\u00fcblichen L\u00f6hne eingehalten werden. Auch m\u00fcssen gem\u00e4ss Entsendegesetz ausl\u00e4ndische Firmen orts\u00fcbliche L\u00f6hne bezahlen, wenn sie in der Schweiz ihre Dienstleistungen erbringen. Wo GAV allgemeinverbindlich erkl\u00e4rt sind, m\u00fcssen sie diese Mindestl\u00f6hne einhalten. Bei Anstellungen aus sogenannten Drittstaaten pr\u00fcfen die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden, ob die orts- und branchen\u00fcblichen L\u00f6hne eingehalten werden. Die relative Stabilit\u00e4t der Lohnstruktur ist auch ein Hinweis darauf, dass das Bildungswesen mit der technologischen Entwicklung Schritt halten konnte. Die starke Verbreitung des beruflichen Wissens, die wir in der Schweiz dank des dualen Berufsbildungssystems haben, d\u00fcrfte hierbei eine Rolle gespielt haben. Investitionen in Ausbildung und Humankapital verringern die Gefahr f\u00fcr jeden Einzelnen, im Verlauf seiner Erwerbsbiografie einen Lohn zu erwirtschaften, mit welchem sich der Lebensunterhalt nicht bestreiten l\u00e4sst. ). Die Schweiz ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, dass es keinen Zielkonflikt gibt zwischen einer hohen Besch\u00e4ftigung einerseits und einer stabilen Lohnstruktur andererseits.Die Erwerbslosenquote in der Schweiz hat seit Anfang der 1990er-Jahre zwar deutlich zugenommen. Dennoch liegt sie im internationalen Vergleich auch heute noch auf tiefem Niveau. 2008 lag die Arbeitslosigkeit der 15- bis 64-J\u00e4hrigen gem\u00e4ss internationaler Definition in der EU15 im Durchschnitt bei 7,1% und damit rund doppelt so hoch wie in der Schweiz (3,5%). Auch bei den Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz mit 7% tiefer als der EU15-Durchschnitt (14,9%).Die hohe Erwerbsquote und die tiefe Arbeitslosenquote k\u00f6nnen auf verschiedene Gr\u00fcnde zur\u00fcckgef\u00fchrt werden: <i>Erstens<\/i> gelingt es der Schweiz gut, die Jugend in das Erwerbsleben zu integrieren. <i>Zweitens<\/i> versteht es die Schweiz, einen guten sozialen Schutz mit dem Ziel zu verbinden, erwerbslose Personen auch in Rezessionszeiten nahe am Arbeitsmarkt zu halten. Und <i>drittens:<\/i> Ein h\u00e4ufig untersch\u00e4tzter Grund d\u00fcrfte auch sein, dass die Schweiz makro\u00f6konomische Ungleichgewichte meistens rasch beseitigen konnte und deshalb nie lange mit hohen Arbeitslosenquoten zu k\u00e4mpfen hatte.<\/i><\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Berufliche Qualifikationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm internationalen Vergleich l\u00e4sst sich die hohe Erwerbsquote der Schweiz haupts\u00e4chlich auf die guten Resultate bei Jugendlichen und \u00e4lteren Personen zur\u00fcckf\u00fchren. In diesen Alterskategorien sind im L\u00e4ndervergleich die gr\u00f6ssten Unterschiede auszumachen. Die Berufsbildung leistet f\u00fcr die Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen einen bedeutenden Beitrag. Im dualen Berufsbildungssystem bilden die Unternehmen \u2013 zusammen mit den Berufsschulen \u2013 rund zwei Drittel des Nachwuchses an Fachkr\u00e4ften aus. Die enge Einbindung der Sozialpartner in den Ausbildungsprozess sorgt f\u00fcr eine gute \u00dcbereinstimmung der Lehrpl\u00e4ne mit den Bed\u00fcrfnissen der Wirtschaft. Heute verf\u00fcgen rund 90% der Jugendlichen mindestens \u00fcber einen Abschluss auf Sekundarstufe II (berufliche Grundausbildung oder Matur). Bereits vor 5 Jahrzehnten erm\u00f6glichte das duale Bildungssystem breiten Bev\u00f6lkerungsschichten den Erwerb beruflicher Qualifikationen: 81% der heute 55- bis 64-J\u00e4hrigen verf\u00fcgen mindestens \u00fcber einen Abschluss der Sekundarstufe II, was deren hohe Arbeitsmarktpartizipation mit erkl\u00e4rt.&#13;<br \/>\nOECD 2009. Education at a Glance 2009, Chapter A. The Output of Educational Institutions and the Impact of Learning, S. 38. Vergleich OECD: Durchschnitt 57%.Erfreulicherweise blieb der Lehrstellenmarkt im Sommer 2009 trotz angespannter Wirtschaftslage weit gehend stabil. Die ausgeglichene Situation ist massgeblich auf den Einsatz wirkungsvoller Instrumente zur Erhaltung und Schaffung von Lehrstellen seitens Bund, Kantonen und Sozialpartnern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Kantone haben etwa das Lehrstellenmarketing institutionalisiert und sind daran, die Betreuung von jugendlichen Schulabg\u00e4ngern ohne Anschlussm\u00f6glichkeit im Rahmen des <i>Case-Managements<\/i> systematisch zu verbessern.&#13;<br \/>\nDas Lehrstellenmarketing steht etwa f\u00fcr folgende Massnahmen: Berufsinformation und -beratung, Lehrstellennachweis, Aufbau von Lehrbetriebsverb\u00fcnden, Bereitstellen von staatlichen \u00dcbergangsl\u00f6sungen, Einsatz von Lehrstellenf\u00f6rderinnen und -f\u00f6rderern, Vermittlung und individuelle Begleitung von Jugendlichen ohne Lehrstelle. Dank einer individuellen Unterst\u00fctzung wird damit Jugendlichen mit Schwierigkeiten in der Schule die Suche nach einer Lehrstelle und der Einstieg in die Berufswelt erleichtert. Mittelfristiges Ziel des Bundesrates ist es, eine Abschlussquote von 95% der Jugendlichen auf der Sekundarstufe II zu erreichen.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitslosenversicherung und Aktivierungspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Bek\u00e4mpfung von Arbeitslosigkeit spielt die Arbeitslosenversicherung (ALV) eine wichtige Rolle. Ihre Leistungen sind im internationalen Vergleich als gut zu bezeichnen. Sie ist jedoch mit strengen Auflagen zur aktiven Stellensuche oder zur Teilnahme an Bildungs- und Besch\u00e4ftigungsprogrammen verbunden. Dabei verfolgt die ALV das Ziel, dass erwerbslose Personen m\u00f6glichst rasch wieder in das Erwerbsleben zur\u00fcckfinden. Leider befindet sich die ALV seit 2003 nicht mehr im finanziellen Gleichgewicht, weil die Beitr\u00e4ge damals auf ein zu tiefes Niveau gesenkt worden sind. Die laufende AVIG-Revision verfolgt das Ziel, die Einnahmen und Ausgaben wieder in ein l\u00e4ngerfristiges Gleichgewicht zu bringen. Die gemachten Vorschl\u00e4ge zielen nicht auf einen Abbau der Grundleistungen. Gewisse Einsparungen lassen sich jedoch nicht vermeiden, damit das finanzielle Gleichgewicht nicht allein mit Beitragserh\u00f6hungen erreicht werden muss. Die Einsparungen zielen darauf, punktuelle Fehlanreize zu beseitigen, die Aufnahme einer Erwerbst\u00e4tigkeit zu f\u00f6rdern und damit die ALV bei der Arbeitsmarktintegration noch effektiver zu machen.&#13;<\/p>\n<h2>Rasche Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit erspart langfristig hohe soziale Kosten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie beste Ausbildung und Arbeitsmarktpolitik n\u00fctzt wenig, wenn w\u00e4hrend langer Zeit zu wenig Arbeitspl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung stehen. Ein wesentlicher Grund f\u00fcr die guten Arbeitsmarktresultate der Schweiz ist darin zu suchen, dass es der Schweiz auch nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer wieder rasch gelungen ist, zur Vollbesch\u00e4ftigung zur\u00fcckzukehren. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig: Dazu beigetragen hat die Tatsache, dass die schweizerische Wirtschaft sehr diversifiziert und kleinr\u00e4umig organisiert ist, so dass Branchenprobleme durch das Wachstum anderer Wirtschaftszweige kompensiert werden konnten. Gleichzeitig hat die Einwanderung \u2013 abgesehen von der ersten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre \u2013 jeweils rasch auf wirtschaftliche Ver\u00e4nderungen reagiert, was den Arbeitsmarkt in schwierigen Zeiten entlastet hat. Schliesslich haben es die Institutionen auf dem Arbeitsmarkt erlaubt, dass sich die L\u00f6hne im Einklang mit der Arbeitsproduktivit\u00e4t entwickeln, so dass das makro\u00f6konomische Gleichgewicht nach Rezessionszeiten relativ einfach wiederhergestellt werden konnte.&#13;<\/p>\n<h2>Keine langen Perioden mit hoher Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass die Schweiz in der Vergangenheit mit Ausnahme der 1990er-Jahre nie von lang andauernden Perioden mit sehr hoher Arbeitslosigkeit heimgesucht worden ist, erkl\u00e4rt sicher die hierzulande hohe Arbeitsmarktpartizipation. Denn je hartn\u00e4ckiger und h\u00f6her die Arbeitslosigkeit, desto schwieriger wird die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt beim darauf folgenden Aufschwung. Unz\u00e4hlige Personen \u2013 insbesondere \u00e4ltere Arbeitnehmende \u2013 werden aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen, verlieren ihr Selbstvertrauen, verpassen betriebliche Aufstiegs- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten und schaffen sp\u00e4ter den Anschluss an das Erwerbsleben nicht mehr.Auch die Wechselbeziehung zwischen hoher Arbeitslosigkeit und den sozialen Institutionen kann dazu f\u00fchren, dass die Erwerbsquote wegen einer l\u00e4nger dauernden Rezession l\u00e4ngerfristig tiefer bleibt. Bei hartn\u00e4ckig hoher Arbeitslosigkeit werden die Sozialversicherungen h\u00e4ufig dauerhaft f\u00fcr neue Bez\u00fcgergruppen ge\u00f6ffnet und der R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben wird f\u00fcr bestimmte Personengruppen erleichtert, um soziale Not zu verhindern. Bei wieder besserer Arbeitsmarktlage f\u00e4llt es schwer, diese Anreize zu \u00e4ndern und bei der Leistungsbeanspruchung wieder strengere Voraussetzungen zu definieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Politiken, welche Arbeitslosigkeit durch eine dauerhafte Verringerung des Arbeitsangebots bek\u00e4mpfen, langfristig problematisch sind und bei den Sozialversicherungen Finanzierungsprobleme schaffen. So wurde w\u00e4hrend der langen wirtschaftlichen Stagnation in den 1990er-Jahren vielen Personen, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, eine Invalidenrente zuerkannt. Es brauchte danach mehr als 10 Jahre, um die stark wachsenden Kosten wieder einigermassen zu stabilisieren.&#13;<\/p>\n<h2>Wiedereinstieg f\u00fcr \u00e4ltere Erwerbslose erm\u00f6glichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz wird bei der Mobilisierung der Erwerbsbev\u00f6lkerung nur von ganz wenigen L\u00e4ndern \u00fcbertroffen. Dies darf aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass auch der Schweizer Arbeitsmarkt mit Problemen zu k\u00e4mpfen hat. Die Erwerbsquote der Frauen ist zwar hoch, sie sind aber h\u00e4ufig mit kleinen Pensen teilzeiterwerbst\u00e4tig und ziehen sich fr\u00fcher vom Arbeitsmarkt zur\u00fcck als die M\u00e4nner (siehe <i>Kasten 1Die Erwerbsbeteiligung ist ein guter Indikator f\u00fcr die Aufnahmef\u00e4higkeit eines Arbeitsmarktes und das Erwerbsverhalten einer Bev\u00f6lkerung. Eine hohe Arbeitsmarktpartizipation ist f\u00fcr die Wirtschaftsleistung eines Landes entscheidend. Nicht nur der hohe Lebensstandard der Erwerbshaushalte, sondern auch die Finanzierung \u00f6ffentlicher Leistungen und der sozialen Sicherungssysteme baut auf der hohen Erwerbsbeteiligung unserer Bev\u00f6lkerung auf. Mit einer Erwerbsquote der 15- bis 64-j\u00e4hrigen Bev\u00f6lkerung von 82,3% (2008) nimmt die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Auch die Erwerbsbeteiligung der 15- bis 24- und der 55- bis 64-J\u00e4hrigen liegt weit \u00fcber dem OECD-Durchschnitt. Gr\u00fcnde f\u00fcr das unterschiedliche Erwerbsverhalten in den einzelnen L\u00e4ndern gibt es viele. Das kulturelle, aber auch das politische, wirtschaftliche und institutionelle Umfeld spielen eine entscheidende Rolle. Ob eine Person erwerbst\u00e4tig sein kann oder will, ist neben pers\u00f6nlichen Merkmalen wie vom realisierbaren Lohn, den Erwerbsanreizen der Steuer- und Transferssysteme, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den Vorruhestandsregelungen und der allgemeinen Arbeitsmarktsituation abh\u00e4ngig.In der Schweiz konnte die Erwerbsquote w\u00e4hrend der langen Rezessionsphase der 1990er-Jahre auf hohem Niveau gehalten und im letzten Aufschwung nochmals gesteigert werden. Die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen spielte dabei eine wichtige Rolle (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Obwohl die Frauen sich zunehmend am \u00abbezahlten\u00bb Erwerbsleben beteiligen, liegt ihre Erwerbsquote immer noch deutlich unter derjenigen der M\u00e4nner. Besonders stark weichen die Quoten in der Familiengr\u00fcndungsphase (30\u201345 Jahre) und in den Jahren vor dem ordentlichen Rentenalter (55\u201364 Jahre) voneinander ab. Die Erwerbsbeteiligung der Schweizer Frauen ist im internationalen Vergleich zwar hoch, viele Frauen sind aber mit kleinen Pensen teilzeiterwerbst\u00e4tig. Mit Ausnahme der Niederlande sind in keiner Volkswirtschaft so viele Frauen teilzeiterwerbst\u00e4tig wie in der Schweiz. Hinter dem hohen Teilzeitanteil k\u00f6nnen frei gef\u00e4llte Entscheide der Frauen \u00fcber den Umfang der Erwerbsarbeit stehen, den sie leisten m\u00f6chten, aber es werden auch gesellschaftliche Traditionen vermutet, die sich zumindest kurzfristig kaum ver\u00e4ndern lassen. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht interessiert vor allem, inwieweit die institutionellen Voraussetzungen zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit verbessert werden k\u00f6nnen.). W\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern die Erwerbsquote der \u00fcber 55-j\u00e4hrigen M\u00e4nner steigt, ist sie in unserem Land in den letzten 10 Jahren weiter gesunken. Das Niveau ist aber noch immer deutlich h\u00f6her als im Ausland. Obwohl die Arbeitslosenquote der 55- bis 64-J\u00e4hrigen unterdurchschnittlich ist, bekundet diese Altersgruppe besonders M\u00fche beim Wiedereinstieg und hat daher ein gr\u00f6sseres Risiko, langzeitarbeitslos zu werden. Die Personalvermittler in den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) arbeiten eng mit den Unternehmungen zusammen, um auch \u00e4lteren Erwerbslosen den Wiedereinstieg zu erm\u00f6glichen. Im Rahmen der ALV gibt es zudem die M\u00f6glichkeit, mit Lohnzusch\u00fcssen den Einstieg f\u00fcr Personen zu erleichtern, die von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind. Wenn eine hohe Erwerbsquote der \u00fcber 55-J\u00e4hrigen beibehalten werden soll, m\u00fcssen die Unternehmen auch \u00e4lteren Erwerbslosen Chancen f\u00fcr einen Wiedereinstieg in die Erwerbswelt bietenBesondere Aufmerksamkeit verdient auch die tiefe Erwerbsquote einiger Ausl\u00e4ndergruppen. Insbesondere Personen aus dem Westbalkan und der T\u00fcrkei beteiligen sich unterdurchschnittlich am Arbeitsmarkt. In der Altersgruppe der 55- bis 64-J\u00e4hrigen ist die Erwerbsquote dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe um rund 20% tiefer als diejenige anderer Gruppen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese tiefen Werte m\u00fcssen noch genauer untersucht werden.<\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz ist die Arbeitslosigkeit dank einer stabilen Entwicklung der Inlandnachfrage relativ wenig angestiegen. Entscheidend f\u00fcr die Arbeitsmarktentwicklung der n\u00e4chsten Jahre wird sein, ob sich die Konjunkturerholung fortsetzt und die Arbeitslosigkeit rasch abgebaut werden kann. Ein erneuter konjunktureller R\u00fcckschlag kann heute nicht ausgeschlossen werden und h\u00e4tte einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge.Die Personenfreiz\u00fcgigkeit hat das Potenzial f\u00fcr das Wirtschaftswachstum in der Schweiz deutlich erh\u00f6ht. Ob die Personenfreiz\u00fcgigkeit l\u00e4ngerfristig einen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit haben wird, h\u00e4ngt in erster Linie davon ab, ob die neu eingewanderten die inl\u00e4ndischen Erwerbspersonen erg\u00e4nzen oder direkt konkurrenzieren. In Rezessionszeiten nimmt der Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt erfahrungsgem\u00e4ss zu. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den RAV und den Unternehmungen sollte dazu beitragen, dass die Arbeitgeber erwerbslose Personen aus der Schweiz einstellen, bevor sie neue Mitarbeitende im Ausland rekrutieren. Mit den flankierenden Massnahmen und den von den Sozialpartnern ausgehandelten Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen kann verhindert werden, dass sich infolge der \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes in gef\u00e4hrdeten Branchen sehr tiefe L\u00f6hne verbreiten. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Sozialpartnern und Beh\u00f6rden sollte es auch in Zukunft m\u00f6glich sein, Probleme auf dem Arbeitsmarkt rasch zu erkennen und zu l\u00f6sen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung der saisonbereinigten Erwerbslosenquoten gem\u00e4ss internationaler Definition, 2000\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abErwerbsquote nach Altersgruppe im internationalen Vergleich, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abEntwicklung der Einkommensverteilung: Bruttoeinkommen 1. und 9. Dezil, 1997 und 2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abErwerbsquoten nach Geschlecht und Nationalit\u00e4tsgruppen ( jeweils 2. Quartal)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Hohe Arbeitsmarktbeteiligung der Schweizer Bev\u00f6lkerungDie Erwerbsbeteiligung ist ein guter Indikator f\u00fcr die Aufnahmef\u00e4higkeit eines Arbeitsmarktes und das Erwerbsverhalten einer Bev\u00f6lkerung. Eine hohe Arbeitsmarktpartizipation ist f\u00fcr die Wirtschaftsleistung eines Landes entscheidend. Nicht nur der hohe Lebensstandard der Erwerbshaushalte, sondern auch die Finanzierung \u00f6ffentlicher Leistungen und der sozialen Sicherungssysteme baut auf der hohen Erwerbsbeteiligung unserer Bev\u00f6lkerung auf. Mit einer Erwerbsquote der 15- bis 64-j\u00e4hrigen Bev\u00f6lkerung von 82,3% (2008) nimmt die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Auch die Erwerbsbeteiligung der 15- bis 24- und der 55- bis 64-J\u00e4hrigen liegt weit \u00fcber dem OECD-Durchschnitt. Gr\u00fcnde f\u00fcr das unterschiedliche Erwerbsverhalten in den einzelnen L\u00e4ndern gibt es viele. Das kulturelle, aber auch das politische, wirtschaftliche und institutionelle Umfeld spielen eine entscheidende Rolle. Ob eine Person erwerbst\u00e4tig sein kann oder will, ist neben pers\u00f6nlichen Merkmalen wie vom realisierbaren Lohn, den Erwerbsanreizen der Steuer- und Transferssysteme, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den Vorruhestandsregelungen und der allgemeinen Arbeitsmarktsituation abh\u00e4ngig.In der Schweiz konnte die Erwerbsquote w\u00e4hrend der langen Rezessionsphase der 1990er-Jahre auf hohem Niveau gehalten und im letzten Aufschwung nochmals gesteigert werden. Die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen spielte dabei eine wichtige Rolle (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Obwohl die Frauen sich zunehmend am \u00abbezahlten\u00bb Erwerbsleben beteiligen, liegt ihre Erwerbsquote immer noch deutlich unter derjenigen der M\u00e4nner. Besonders stark weichen die Quoten in der Familiengr\u00fcndungsphase (30\u201345 Jahre) und in den Jahren vor dem ordentlichen Rentenalter (55\u201364 Jahre) voneinander ab. Die Erwerbsbeteiligung der Schweizer Frauen ist im internationalen Vergleich zwar hoch, viele Frauen sind aber mit kleinen Pensen teilzeiterwerbst\u00e4tig. Mit Ausnahme der Niederlande sind in keiner Volkswirtschaft so viele Frauen teilzeiterwerbst\u00e4tig wie in der Schweiz. Hinter dem hohen Teilzeitanteil k\u00f6nnen frei gef\u00e4llte Entscheide der Frauen \u00fcber den Umfang der Erwerbsarbeit stehen, den sie leisten m\u00f6chten, aber es werden auch gesellschaftliche Traditionen vermutet, die sich zumindest kurzfristig kaum ver\u00e4ndern lassen. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht interessiert vor allem, inwieweit die institutionellen Voraussetzungen zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit verbessert werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Gute Arbeitsbedingungen und stabile LohnstrukturWie steht es mit den Arbeitsbedingungen in der Schweiz? Gem\u00e4ss der europ\u00e4ischen Erhebung \u00fcber Arbeitsbedingungen, die von der Europ\u00e4ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen seit 1990 alle f\u00fcnf Jahre durchgef\u00fchrt wird, sind 91% der Schweizer Erwerbst\u00e4tigen mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden oder sehr zufrieden. Nur D\u00e4nemark, Norwegen und Grossbritannien erreichen h\u00f6here Zufriedenheitswerte. Die Arbeitsbedingungen in der Schweiz sind somit im europ\u00e4ischen Vergleich gut.&#13;<br \/>\nEuropean Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (2007). Fourth European Working Conditions Survey. Luxembourg. Auch das im internationalen Vergleich hohe durchschnittliche Lohnniveau in der Schweiz zeugt vom Wohlstand und Leistungsniveau unserer Volkswirtschaft.In gesellschaftspolitischer Hinsicht interessiert aber nicht nur die Lohnh\u00f6he, sondern auch deren Verteilung. Im internationalen Vergleich der OECD f\u00e4llt der Unterschied der h\u00f6chsten und tiefsten L\u00f6hne \u2013 gemessen am Verh\u00e4ltnis des 9. zum 1. Dezil der Bruttoeinkommen aus Erwerbst\u00e4tigkeit \u2013 in der Schweiz moderat aus. Einzig in Finnland, Schweden, Norwegen und Belgien war die Lohnungleichheit im OECD-Vergleich weniger ausgepr\u00e4gt.&#13;<br \/>\nDas 9. Dezil lag 2007 2,65-mal \u00fcber dem 1. Dezil. 1997 lag dieser Wert noch bei 2,41. Bedeutung des 1. Dezil: 10% der Erwerbst\u00e4tigen verdienen weniger als diesen Wert. Bedeutung des 9. Dezil: 10% der Erwerbst\u00e4tigen verdienen mehr als diesen Wert. \u00dcber einen Zeitraum von 10 Jahren (1997\u20132007) resultierte in der Schweiz zudem ein eher bescheidenes Wachstum der Ungleichheit. Im unteren Bereich der Lohnstruktur hat sie sogar abgenommen, was auch auf die Erh\u00f6hung der Mindestl\u00f6hne in vielen Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen (GAV) in den letzten 10 Jahren zur\u00fcckzuf\u00fchren sein d\u00fcrfte. Im oberen Bereich der Lohnstruktur hat die Ungleichheit wie in den meisten OECD-Staaten zugenommen.&#13;<br \/>\nOECD Employment Outlook 2009: Tackling the Jobs Crisis, Statistical Annex, S. 303.Bedeutsam f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Lohnstruktur sind wie erw\u00e4hnt die GAV. Diese enthalten in gewerblichen Branchen meistens auch Mindestl\u00f6hne und d\u00fcrften massgeblich zur Stabilit\u00e4t der Lohnstruktur in der unteren H\u00e4lfte der Lohnpyramide gesorgt haben. Mit der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit haben die GAV an Bedeutung gewonnen, weil nicht mehr wie fr\u00fcher die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden pr\u00fcfen, ob bei Neueinstellungen von Personen aus den EU-L\u00e4ndern die in der Schweiz geltenden orts- und branchen\u00fcblichen L\u00f6hne eingehalten werden. Auch m\u00fcssen gem\u00e4ss Entsendegesetz ausl\u00e4ndische Firmen orts\u00fcbliche L\u00f6hne bezahlen, wenn sie in der Schweiz ihre Dienstleistungen erbringen. Wo GAV allgemeinverbindlich erkl\u00e4rt sind, m\u00fcssen sie diese Mindestl\u00f6hne einhalten. Bei Anstellungen aus sogenannten Drittstaaten pr\u00fcfen die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden, ob die orts- und branchen\u00fcblichen L\u00f6hne eingehalten werden. Die relative Stabilit\u00e4t der Lohnstruktur ist auch ein Hinweis darauf, dass das Bildungswesen mit der technologischen Entwicklung Schritt halten konnte. Die starke Verbreitung des beruflichen Wissens, die wir in der Schweiz dank des dualen Berufsbildungssystems haben, d\u00fcrfte hierbei eine Rolle gespielt haben. Investitionen in Ausbildung und Humankapital verringern die Gefahr f\u00fcr jeden Einzelnen, im Verlauf seiner Erwerbsbiografie einen Lohn zu erwirtschaften, mit welchem sich der Lebensunterhalt nicht bestreiten l\u00e4sst.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00fcbergeordnete Ziel der Arbeitsmarktpolitik ist es, m\u00f6glichst allen Menschen im Erwerbsalter eine Erwerbst\u00e4tigkeit zu erm\u00f6glichen, zu L\u00f6hnen, die ein Leben in W\u00fcrde erlauben. Der Schweizer Arbeitsmarkt schneidet im internationalen Vergleich gut ab. 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