{"id":121572,"date":"2010-04-01T12:00:00","date_gmt":"2010-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/04\/hess-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:30","slug":"hess-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/04\/hess-7\/","title":{"rendered":"Die neue internationale Finanzarchitektur und ihre Players: Eine Agenda"},"content":{"rendered":"<p>Zentrale Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise waren falsche Anreize und die komplexen Vernetzungen im modernen Finanzsystem. Diese hatten sehr viel gr\u00f6ssere makro\u00f6konomische Auswirkungen als bis anhin vermutet. Zur k\u00fcnftigen Sicherstellung der internationalen Finanzstabilit\u00e4t m\u00fcssen solche Zusammenh\u00e4nge besser verstanden und bew\u00e4ltigt werden. Hierf\u00fcr ist eine St\u00e4rkung der internationalen Finanzarchitektur unabdingbar. In diesem Prozess ist die G20 als Agendasetter hervorgetreten, w\u00e4hrend sich der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) und das Financial Stability Board (FSB) als wichtigste ausf\u00fchrende Institutionen etabliert haben. Sowohl im IWF als auch im FSB ist die Schweiz als bedeutender Finanzplatz gut positioniert und kann die Diskussionen daher aktiv mitgestalten.&#13;<\/p>\n<h2>Schwachstellen im System<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Suche nach den Ursachen der Finanzkrise begann bereits zu Krisenbeginn. Auf die \u00f6konomische Frage, wie ein derart rascher Aufbau grosser Risiken m\u00f6glich war, muss zuerst der grenzenlose Optimismus der Marktteilnehmer erw\u00e4hnt werden \u2013 ein Optimismus, den Jahre hoher Wachstumszahlen bei tiefer Inflation und tiefen Zinsen gen\u00e4hrt hatten. In einer dem Goldrausch gleichenden Suche nach hohen Renditen vernachl\u00e4ssigten Marktteilnehmer sehr elementare Sorgfaltspflichten. Zum oftmals fahrl\u00e4ssigen Verhalten gesellten sich auf verschiedenen Ebenen fundamentale Fehler im Risikomanagement gewisser Finanzinstitute sowie die prozyklische Ausgestaltung der Finanzmarktregulierung, welche die beginnende Abw\u00e4rtsspirale rasant beschleunigte.F\u00fcr die Finanzstabilit\u00e4t nicht minder relevant sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr das versp\u00e4tete Eingreifen der Verantwortlichen. Massnahmen, deren Folgen wir noch lange sp\u00fcren werden, wurden erst nach dem Platzen der Blase ergriffen. Eine Krise darf aber nicht als grosser Unfall abgetan werden, wenn sich Risiken \u00fcber Jahre ungehindert aufbauen konnten. Gleichzeitig ist eine Pauschalkritik an den Kriseneingriffen wenig angebracht, da eine gewisse Entfaltung der Krise abgewartet werden muss \u2013 auch bei vorhandener Einsicht, dass mit rechtzeitigem Handeln Schaden verhindert oder begrenzt werden k\u00f6nnte. Einerseits steigt mit fr\u00fchzeitigem Handeln die <i>Moral-Hazard-Problematik<\/i>. Andererseits ist die Handlungsbereitschaft dann am gr\u00f6ssten, wenn das Wasser bereits bis zum Halse reicht, selbst wenn die Krisenbew\u00e4ltigung theoretisch gut vorbereitet ist. Im Wissen, dass die Beh\u00f6rden erst sp\u00e4t in der Krisenentwicklung abwendende Massnahmen ergreifen sollten, ist es umso wichtiger, dass das pr\u00e4ventive Dispositiv gut funktioniert.&#13;<\/p>\n<h2>Fragmentierte Risikobeurteilung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den Vordergrund r\u00fcckt deshalb die Frage, warum vorbeugend nicht mehr gegen die schon vor der Krise bekannten Risiken unternommen wurde, namentlich gegen die \u00dcberhitzung in verschiedenen Immobilienm\u00e4rkten sowie gegen die Nichtnachhaltigkeit der hohen Renditeziele bei gleichzeitig hoher Verschuldung von Finanzinstituten und privaten Haushalten. Gem\u00e4ss IWF liegt eine Ursache darin, dass durch falsche Anreize und die komplexen Vernetzungen im modernen Finanzsystem die sich aufbauenden Risiken sehr viel gr\u00f6ssere makro\u00f6konomische Auswirkungen hatten als allgemein vermutet. So wurden in der Finanzmarktregulierung und -aufsicht bestimmte Risikokonzentrationen und Risiken von Finanzinnovationen schlicht nicht richtig erkannt. Zudem wurden in der Wirtschaftspolitik systemische Risiken im Finanzsystem nur ungen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt. Entsprechend m\u00fcssen auch Themen wie die Bedeutung der Finanzm\u00e4rkte f\u00fcr die Geldpolitik oder die insk\u00fcnftige steuerliche Behandlung von Schulden in der Haushaltspolitik angegangen werden.Relevant ist letztlich die Einsicht, dass ein kollektives Versagen der verschiedensten Akteure zur Finanzkrise gef\u00fchrt hat. Heute wissen wir, dass die Vorkrisenarchitektur nur eine fragmentierte \u00dcberwachung der Stabilit\u00e4tsrisiken sowie eine ungen\u00fcgende internationale Zusammenarbeit erlaubte. F\u00fcr die Erkennung wie auch f\u00fcr die Senkung der heutzutage komplexen Stabilit\u00e4tsrisiken sind eine Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit sowie klare Mandate f\u00fcr internationale Gremien notwendig. In der globalen Finanzarchitektur sollte prim\u00e4r die \u00dcberwachung der Finanzm\u00e4rkte verst\u00e4rkt werden. Dabei m\u00fcssen einerseits die Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die Erkennung makro-finanzieller Zusammenh\u00e4nge aufgestockt werden. Andererseits ist die Zusammenarbeit von Aufsicht und Regulierung besser zu koordinieren. Heute ist bekannt, dass bestimmte Regeln \u2013 wie beispielsweise Eigenmittelvorschriften, deren Ziel die Gesundheit von Finanzinstituten sein sollte \u2013 im Krisenfall die Stabilit\u00e4t des Gesamtsystems gef\u00e4hrden k\u00f6nnen. Auch die Notwendigkeit, gewisse Entscheide und Massnahmen international zu koordinieren, scheint inzwischen v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich. In der Realit\u00e4t ist dies aber nicht einfach umzusetzen, denn im Krisenfall wird jedes Land zuerst den Brand im eigenen Haus l\u00f6schen wollen, selbst wenn es dabei das Wasser der anderen anzapfen muss.&#13;<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderungen in der internationalen Finanzarchitektur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas reibungslose Funktionieren der globalisierten Finanzm\u00e4rkte bedingt eine konsistente und qualitativ hochwertige Regulierung der Finanzintermediation in allen gr\u00f6sseren Finanzzentren. Angesichts global agierender Finanzinstitute ist ein klar definierter Rahmen f\u00fcr die internationale Zusammenarbeit erforderlich. Dies gew\u00e4hrt den Marktteilnehmern Sicherheit, reduziert die Umgehung von Regulierungen <i>(regulatorische Arbitrage)<\/i>, verringert kostspielige, redundante \u00dcberwachung und f\u00f6rdert schliesslich auch ein <i>Level Playing-Field<\/i>. Weil eine institutionalisierte globale Finanzaufsicht weder realisierbar noch w\u00fcnschbar erscheint, muss die Koordination zwischen den L\u00e4ndern vorangetrieben werden. Zentral sind hierbei internationale Institutionen und Gremien wie der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF), das Financial Stability Board (FSB), die Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und die verschiedenen <i>Standard-Setter<\/i> (siehe <i>Kasten 1<i>Internationale Finanzarchitektur<\/i> ist der Oberbegriff f\u00fcr das Zusammenspiel jener Institutionen und Gremien, die f\u00fcr die Wahrung der Stabilit\u00e4t des internationalen Finanz- und W\u00e4hrungssystems verantwortlich sind. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) und die Weltbank \u2013 <i>Institutionen von Bretton Woods (BWI)<\/i> \u2013 sind mit ihren 186 Mitgliedstaaten die wichtigsten <i>formellen Institutionen<\/i> des globalen Finanzsystems. Ihre Bedeutung geht auf den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zur\u00fcck. Hinzu kommen die bereits 1930 gegr\u00fcndete Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).Die krisenbedingten Anst\u00f6sse f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in der internationalen Finanzarchitektur kommen historisch gesehen meist aus <i>informellen Gremien<\/i> oder Gruppierungen, wie der G7\/G8 und der G20. Letztere bestand seit ihrer Gr\u00fcndung 1999 im Nachgang zur Asienkrise vornehmlich als Gremium von Finanzministern und Notenbankgouverneuren. Im Herbst 2008 traf sich die G20 erstmals auf dem Niveau der Staats- und Regierungschefs. Seit den 1990er-Jahren erwies sich eine verst\u00e4rkte Orientierung an internationalen Standards als realistische und konsensf\u00e4hige Massnahme zur Unterst\u00fctzung der internationalen Finanzstabilit\u00e4t. Entsprechend wuchs die Bedeutung von <i>technischen Organisationen, Standard-Settern,<\/i> die f\u00fcr einen klar definierten Bereich im Finanzsektor (z.B. Banken-, Versicherungs- oder Effektenhandelsaufsicht) zust\u00e4ndig sind und teilweise auch Marktteilnehmer einschliessen.Das Financial Stability Board (FSB, ehemals Financial Stability Forum) kann als <i>formalisiertes Gremium<\/i> charakterisiert werden, welches die Sicherung der Finanzstabilit\u00e4t zum Ziel hat. Dies wird durch die Formulierung von internationalen Standards im Finanzsektor sowie die \u00dcberwachung und Koordinierung von deren Umsetzung angestrebt. Das FSB arbeitet operationell eng mit dem IWF zusammen und bilden somit das Gravitationszentrum der internationalen Koordination der Finanzmarktpolitik. Indem die G20 in Bezug auf die Agenda eine zentrale Rolle spielt, haben die Aktivit\u00e4ten des FSB auch Z\u00fcge einer politischen Aufsicht \u00fcber den internationalen Standard-Setting-Prozess.und <i>Grafik 1<\/i>). Durch einen breiten politischen R\u00fcckhalt, der gegenw\u00e4rtig von der G20 kommt, erhalten Empfehlungen und Entscheide dieser Institutionen international besonders grosses Gewicht.Auf dem H\u00f6hepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 best\u00e4rkten die Staatschefs der G20 in einem Aktionsplan, dass eine breite multilaterale Zusammenarbeit im Finanzsektor zur Sicherstellung der Stabilit\u00e4t erforderlich ist. Im Zentrum stand damals bereits die Zuteilung der F\u00fchrungsrolle f\u00fcr die \u00dcberwachung im Makro-Finanz-Bereich an den IWF und f\u00fcr das Standard-Setting an das damalige <i>Financial Stability Forum (FSF)<\/i>. Beide Institutionen wurden aufgefordert, neben den notwendigen Anpassungen in ihrem Instrumentarium auch ihre Gouvernanzstrukturen zu verbessern. Es wurde ferner eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen gefordert. Gleichzeitig begann auf nationaler Ebene in verschiedenen L\u00e4ndern ein grunds\u00e4tzliches \u00dcberpr\u00fcfen der Aufgaben und -teilung zwischen Gesetzgeber, Regulator und \u00dcberwacher im Bereich der Finanzmarktregulierung. Zentrale Stossrichtung dieser Reformen ist die Integration verschiedener Regulierungsbereiche \u2013 ein Schritt, den die Schweiz mit der Gr\u00fcndung der Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) Anfang 2009 fr\u00fchzeitig umsetzte.In dieser Dynamik wurde am Londoner G20-Gipfel im April 2009 das FSF institutionell gest\u00e4rkt, indem es erweitert und als FSB etabliert wurde. Seitdem spielt das FSB bei der internationalen Koordinierung der Finanzmarktregulierung und bei der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit zur Sicherung der Systemstabilit\u00e4t eine zentrale Rolle. Mit der Erweiterung wurde die Mitgliedschaft auf alle G20-Staaten, auf Spanien und auf die EU-Kommission ausgedehnt. Die Schweiz sowie einige bestehende Mitglieder erhielten zus\u00e4tzliche Sitze.&#13;<br \/>\nDie Schweiz ist im FSB durch das Eidg. Finanzdepartement und die Schweizerische Nationalbank vertreten, wobei eine enge Koordination mit der Finma stattfindet. Heute vereint das FSB Finanzministerien, Notenbanken und Aufsichtsbeh\u00f6rden der G20-L\u00e4nder sowie der Schweiz, der Niederlande, Spaniens, Hongkongs und Singapurs. Hinzu kommen Vertreter supranationaler K\u00f6rperschaften (wie der EU-Kommission), der internationalen Finanzinstitutionen (IWF, Weltbank, BIZ und OECD) sowie der internationalen Standard-Setter. <\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Aktuelle Themen: Reform der Finanzinstitutionen und -regulierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon der G20 sind auch in diesem Jahr zentrale politische Impulse f\u00fcr die weitere Stabilisierung der Weltwirtschaft und des globalen Finanzsystems zu erwarten. Anpassungen der internationalen Finanzarchitektur finden sich ebenfalls auf der Agenda. Dabei stehen die Reform der internationalen Finanzinstitutionen und die Reform der Finanzregulierung im Vordergrund.&#13;<br \/>\nWeitere Themen der G20 in diesem Jahr sind der Ausstieg aus den Krisenmassnahmen sowie der Ausbau des Rahmens f\u00fcr ein starkes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum.&#13;<\/p>\n<h2>Reform der internationalen Finanzinstitutionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Druck f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung zugunsten der aufstrebenden M\u00e4rkte in den massgeblichen Institutionen und Gremien des internationalen Finanzsystems ist auch im gr\u00f6sseren Kontext der j\u00fcngeren weltpolitischen Machtverschiebungen zu sehen. Insbesondere China, Indien, Brasilien und Russland <i>(BRIC-Staaten)<\/i> nahmen in den letzten Jahren eine immer wichtigere Stellung in Weltwirtschaft und -politik ein. Damit geht auch die Forderung der Schwellenl\u00e4nder nach mehr Mitbestimmung in den internationalen Finanzinstitutionen einher.Bisher ist es gerade dem IWF sowie der Weltbank und ihrer globalen Mitgliedschaft gelungen, mit den grossen Umbr\u00fcchen in der Weltwirtschaft \u2013 Zusammenbruch des Systems fester Wechselkurse, \u00d6lpreisschock, Dekolonialisierung, Entwicklung eines globalen Bankensystems, Schuldenkrise, Ende des kalten Krieges, Asienkrise \u2013 durch eine Anpassung ihrer Instrumente und Arbeitsweisen Schritt zu halten. In der j\u00fcngsten Krise haben die Institutionen grunds\u00e4tzlich rasch und wirksam gehandelt sowie ihre Mitglieder beratend und wo n\u00f6tig auch finanziell stark unterst\u00fctzt. Sie waren imstande, kurzfristig Mittel zu mobilisieren und ihr Instrumentarium an die besonderen Bed\u00fcrfnisse der Krise anzupassen. Gleichzeitig hat die Krise aber die Forderung nach Anpassungen in ihren Gouvernanzstrukturen verst\u00e4rkt.Aus Sicht der Schwellenl\u00e4nder und der USA sind die L\u00e4nder Europas in den Exekutiv- und Ministerr\u00e4ten von IWF und Weltbank \u00fcbervertreten. Auch fordern die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder f\u00fcr sich deutlich h\u00f6here Stimmgewichte. Im IWF wurden 2008 bereits eine Reform der Quotenformel, eine selektive Quotenerh\u00f6hung, eine Erh\u00f6hung der Basisstimmen und eine Reihe von weiteren Massnahmen beschlossen. Die Reform wurde noch nicht von der notwendigen Mehrheit der Mitgliedl\u00e4nder ratifiziert und wird von den aufstrebenden L\u00e4ndern als ungen\u00fcgend beurteilt. Vor diesem Hintergrund und basierend auf einer Forderung der G20 hat der ministerielle Ausschuss des IWF im Oktober 2009 beschlossen, dass bis 2011 mindestens 5% des Quotenanteils von \u00fcber- zu unterrepr\u00e4sentierten L\u00e4ndern umzuverteilen sind.&#13;<\/p>\n<h2>Reform der Finanzregulierung \u2013 Initiativen zur St\u00e4rkung der Finanzsektoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der gegenw\u00e4rtigen Neuordnung der Finanzarchitektur ist die Anpassung des Instrumentariums der Institutionen von grosser Bedeutung. So wird im IWF und im FSB die \u00dcberpr\u00fcfung der L\u00e4nder in Bezug auf ihre Vorkehrungen im Bereich der Finanzstabilit\u00e4t ausgeweitet und das notwendige Know-how weiter ausgebaut. In den Kernbereichen werden bestehende Initiativen angepasst, allen voran die Finanzsektor\u00fcberpr\u00fcfung des IWF. Im Bereich der Zust\u00e4ndigkeit des FSB wurden neue Initiativen zur F\u00f6rderung der Einhaltung der internationalen Finanzsektorstandards lanciert.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzsektorexamen und Standard\u00fcberpr\u00fcfung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 2000 f\u00fchrt der IWF \u2013 in Zusammenarbeit mit der Weltbank \u2013 in den Mitgliedstaaten spezielle Finanzsektorexamen durch, um deren Finanzstabilit\u00e4t und Finanzsektorentwicklung zu evaluieren. Bisher war die Durchf\u00fchrung eines <i>Financial Sector Assessment Programs (FSAP)<\/i>&#13;<br \/>\nF\u00fcr weiterf\u00fchrende Informationen siehe <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/exr\/facts\/fsap.htm\">http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/exr\/facts\/fsap.htm<\/a>. freiwillig. Nachdem die G20 aber ihre vom IWF begleitete gegenseitige \u00dcberpr\u00fcfung der Wirtschafts- und Finanzsektormassnahmen auf dieses Instrument abgest\u00fctzt hat, haben sich insbesondere die grossen L\u00e4nder zur Durchf\u00fchrung eines derartigen Examens verpflichtet.&#13;<br \/>\nInteressanterweise wird eine ganze Reihe von L\u00e4ndern der G20 in diesem Jahr erstmals ein FSAP durchf\u00fchren, so auch die USA.Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse aus der Krise soll das FSAP noch st\u00e4rker auf potenzielle Risiken ausgerichtet werden und besser in die j\u00e4hrlichen L\u00e4nderexamen des IWF \u2013 <i>Artikel-IV-Konsultationen<\/i> \u2013 integriert werden. So sollen zum Beispiel die Resultate von FSAP neu in Form von <i>Risk Assessment Matrices (RAM)<\/i> dargestellt werden. Diese fassen Quellen, Wahrscheinlichkeiten und m\u00f6gliche Auswirkungen von systemischen Risiken zusammen und bilden die Grundlage f\u00fcr die Diskussion von Finanzsektorthemen in k\u00fcnftigen Artikel-IV-Konsultationen. Durch modulare Updates sollen ferner die wichtigsten Fragen zielgerichteter angegangen werden. Gleichzeitig soll neu auch eine rein punktuelle \u00dcberpr\u00fcfung der Einhaltung einzelner Standards <i>(Risk-based Rosc<\/i>&#13;<br \/>\nReports on Observance of Standards and Codes (Rosc): Hintergr\u00fcnde siehe <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/exr\/facts\/sc.htm\">http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/exr\/facts\/sc.htm<\/a>.<i>)<\/i> im Banken-, Versicherungs- und Effektenhandelsbereich m\u00f6glich sein. Die Schweiz hat 2002 als eines der ersten L\u00e4nder ein <i>FSAP<\/i> und 2007 bereits ein Update durchgef\u00fchrt. In diesen Examen hat der IWF jeweils festgehalten, dass die Aufsicht gut organisiert ist und die Finanzinstitute gegen Stresssituationen gewappnet sind.&#13;<br \/>\nVgl. Publikation der Berichte zur Schweiz (siehe <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/FSAP\/fsap.asp\">http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/FSAP\/fsap.asp<\/a>#S). Die Schweiz hat die Anpassungen im FSAP-Prozess unterst\u00fctzt und sich daf\u00fcr ausgesprochen, FSAP f\u00fcr alle IWF-Mitgliedstaaten obligatorisch zu machen.&#13;<\/p>\n<h2>FSB Peer Reviews<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Mitgliedstaaten des <i>Financial Stability Boards (FSB)<\/i> haben sich dazu verpflichtet, die etablierten internationalen Standards im Finanzsektorbereich national umzusetzen. Ausserdem erkl\u00e4ren sie sich bereit, den Schlussbericht des alle f\u00fcnf Jahre durchzuf\u00fchrenden FSAP zu ver\u00f6ffentlichen. Alle zwei bis drei Jahre nach der Durchf\u00fchrung eines FSAP wird das FSB die Fortschritte bei der Umsetzung der FSAP-Empfehlungen mittels <i>Peer Review<\/i> \u00fcberpr\u00fcfen. Diese Kontrolle basiert auf den vom FSB verabschiedeten <i>Standards and Policies<\/i> und soll das jeweilige Land beim Treffen der optimalen Massnahmen zur St\u00e4rkung des Finanzsektors unterst\u00fctzen. Der Fokus wird vorl\u00e4ufig auf die Prinzipien des Basel Committee on <i>Banking Supervision (BCBS),<\/i> der International Association of Insurance Supervisors (Iais) und der <i>International Organisation of Securities Commissions (Iosco)<\/i> gelegt. Die Schweiz wird sich 2011 einer solchen \u00dcberpr\u00fcfung unterziehen.Neben diesen L\u00e4nder\u00fcberpr\u00fcfungen werden zentrale Themen in besonderen Arbeitsgruppen des FSB behandelt, wie zum Beispiel derzeit die Too-big-to-fail-Problematik. Ferner finden j\u00e4hrlich zwei bis drei thematische \u00dcberpr\u00fcfungen in allen Mitgliedl\u00e4ndern statt. Ein Quervergleich der nationalen Bestimmungen f\u00fcr Verg\u00fctungssysteme, welcher in K\u00fcrze vom FSB publiziert wird, ist das erste Thema. Die n\u00e4chsten \u00dcberpr\u00fcfungen haben die Offenlegung von Risiken bei Marktteilnehmern sowie die Praktiken bei der Verbriefung von Hypotheken zum Thema.&#13;<\/p>\n<h2>Initiative on Standards Adherence<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas FSB verfolgt gegenw\u00e4rtig eine Initiative zur F\u00f6rderung der Einhaltung der Standards \u00fcber internationale Zusammenarbeit und Informationsaustausch im Bereich der Finanzmarktregulierung und -\u00fcberwachung.&#13;<br \/>\nVorbild f\u00fcr die Initiative sind die Peer-Reviews der Financial Action Task Force (FATF) und die OECD-\u00dcberpr\u00fcfungen der internationalen Amtshilfe im Steuerbereich. Die FATF ist ein internationales Gremium, welches die Umsetzung von Vorschriften zur Bek\u00e4mpfung der Finanzkriminalit\u00e4t zum Ziel hat. Aus dem Pool der 60 systemrelevantesten L\u00e4nder m\u00fcssen sich gegenw\u00e4rtig diejenigen einer vertieften Pr\u00fcfung unterziehen, die nachweislich mehr als einen von 14 internationalen Standards zu Informationsaustausch und Zusammenarbeit nicht einhalten. Um m\u00f6glichst rasch eine befriedigende Umsetzung dieser Standards zu erm\u00f6glichen, stehen Dialog und technische Hilfe als Massnahmen im Vordergrund. Nicht kooperative L\u00e4nder laufen Gefahr, Ende 2010 auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden. Die Schweiz erf\u00fcllt alle Standards und wird nicht weiter \u00fcberpr\u00fcft.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick aus Sicht der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz tr\u00e4gt heute aktiv zur Sicherung der Finanzstabilit\u00e4t und zur Entwicklung der Rahmenbedingungen bei. Als offene, international stark verflochtene Volkswirtschaft mit einem bedeutenden Finanzplatz und einer eigenen W\u00e4hrung ist die Schweiz in hohem Mass auf ein stabiles internationales Finanz- und W\u00e4hrungssystem angewiesen. Geordnete internationale W\u00e4hrungsverh\u00e4ltnisse und zwischenstaatlich gut koordinierte Rahmenbedingungen der Finanzmarktregulierung und -aufsicht sind wichtige Voraussetzungen f\u00fcr den Erfolg unserer international ausgerichteten Unternehmen sowie unseres Finanzplatzes. Von diesen h\u00e4ngt ein wesentlicher Teil des schweizerischen Wirtschaftswachstums ab.Die Schweiz ist in den f\u00fcr die internationale Finanzstabilit\u00e4t wichtigsten Institutionen und Gremien gut vertreten \u2013 mit Ausnahme der G20. Sie leistete bisher wichtige finanzielle und inhaltliche Beitr\u00e4ge, die international anerkannt sind, und \u00fcbernimmt f\u00fchrende Rollen in laufenden Arbeiten. Dies erlaubt der Schweiz eine aktive Teilnahme an den Diskussionen und das wirksame Einbringen ihrer Interessen. Die permanente Vertretung \u2013 gerade auch im IWF und im FSB \u2013 erm\u00f6glicht eine konsistente und direkte Einflussnahme auf die Ausrichtung und T\u00e4tigkeiten dieser f\u00fcr das Finanzsystem zentralen Institutionen. Es kann davon ausgegangen werden, dass in der kurzen Frist die Konkurrenz unter den grossen Finanzzentren aufgrund des staatlichen Engagements und des n\u00f6tigen Abbaus von \u00dcberkapazit\u00e4ten zunimmt. Auch d\u00fcrfte der Druck auf die Schweiz in der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit im Steuerbereich anhalten. Damit wird die Notwendigkeit, die allgemeinen Rahmenbedingungen des internationalen Finanzsystems auch k\u00fcnftig mitzugestalten, noch bedeutender.Dementsprechend hat die Schweiz einen grossen Ansporn, sich im Prozess der sich weiter entwickelnden Finanzarchitektur klar f\u00fcr den Erhalt ihrer Exekutivratssitze im IWF und in der Weltbank einzusetzen, ihre Position im FSB auszubauen und \u2013 sollten sich Verschiebungen bei der G20 ergeben \u2013 auch eine Aufnahme in dieser informellen Gruppierung anzustreben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abInternationale Finanzarchitektur\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Internationale Finanzarchitektur<i>Internationale Finanzarchitektur<\/i> ist der Oberbegriff f\u00fcr das Zusammenspiel jener Institutionen und Gremien, die f\u00fcr die Wahrung der Stabilit\u00e4t des internationalen Finanz- und W\u00e4hrungssystems verantwortlich sind. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) und die Weltbank \u2013 <i>Institutionen von Bretton Woods (BWI)<\/i> \u2013 sind mit ihren 186 Mitgliedstaaten die wichtigsten <i>formellen Institutionen<\/i> des globalen Finanzsystems. Ihre Bedeutung geht auf den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zur\u00fcck. Hinzu kommen die bereits 1930 gegr\u00fcndete Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).Die krisenbedingten Anst\u00f6sse f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in der internationalen Finanzarchitektur kommen historisch gesehen meist aus <i>informellen Gremien<\/i> oder Gruppierungen, wie der G7\/G8 und der G20. Letztere bestand seit ihrer Gr\u00fcndung 1999 im Nachgang zur Asienkrise vornehmlich als Gremium von Finanzministern und Notenbankgouverneuren. Im Herbst 2008 traf sich die G20 erstmals auf dem Niveau der Staats- und Regierungschefs. Seit den 1990er-Jahren erwies sich eine verst\u00e4rkte Orientierung an internationalen Standards als realistische und konsensf\u00e4hige Massnahme zur Unterst\u00fctzung der internationalen Finanzstabilit\u00e4t. Entsprechend wuchs die Bedeutung von <i>technischen Organisationen, Standard-Settern,<\/i> die f\u00fcr einen klar definierten Bereich im Finanzsektor (z.B. Banken-, Versicherungs- oder Effektenhandelsaufsicht) zust\u00e4ndig sind und teilweise auch Marktteilnehmer einschliessen.Das Financial Stability Board (FSB, ehemals Financial Stability Forum) kann als <i>formalisiertes Gremium<\/i> charakterisiert werden, welches die Sicherung der Finanzstabilit\u00e4t zum Ziel hat. Dies wird durch die Formulierung von internationalen Standards im Finanzsektor sowie die \u00dcberwachung und Koordinierung von deren Umsetzung angestrebt. Das FSB arbeitet operationell eng mit dem IWF zusammen und bilden somit das Gravitationszentrum der internationalen Koordination der Finanzmarktpolitik. 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