{"id":121622,"date":"2010-04-01T12:00:00","date_gmt":"2010-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/04\/roth-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:44","slug":"roth-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/04\/roth-5\/","title":{"rendered":"Finanzplatz Schweiz \u2013 strategisch gut aufgestellt f\u00fcr 2010"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise vor \u00fcber zwei Jahren steht der Finanzplatz Schweiz unter grossem Druck. Stichworte wie UBS-Stabilisierungspaket, graue Liste, Bankkundengeheimnis und Steuerstreit mit den USA beherrschten und beherrschen die Schlagzeilen der in- und ausl\u00e4ndischen Medien. Der Finanzplatz Schweiz ist insbesondere in den letzten zw\u00f6lf Monaten stark unter Beschuss geraten. Er hat diese Zeit genutzt, um gemeinsam mit dem Bund eine Finanzmarktstrategie zu entwickeln, die auf den St\u00e4rken der Schweiz aufbaut, die finanzielle Privatsph\u00e4re weiterhin bewahrt und gleichzeitig den ver\u00e4nderten globalen Rahmenbedingungen in Bezug auf Steuerfragen Rechnung tr\u00e4gt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie \u00f6ffentliche Kritik am Finanzplatz Schweiz ist \u00fcbertrieben, denn die Schwarzmaler \u00fcbersehen, dass die Schweiz die Krise im internationalen Vergleich sehr gut gemeistert hat. Mit einer gewichtigen Ausnahme war keine Schweizer Bank von der globalen Finanzkrise signifikant betroffen; viele gehen sogar gest\u00e4rkt daraus hervor. Schaut man \u00fcber unsere Landesgrenzen hinaus, zeigt sich ein um Welten d\u00fcstereres Bild. Allein in den USA mussten seit Ausbruch der Krise mehr als hundert Banken Konkurs anmelden. Viele Banken in Europa sind nach wie vor nicht ohne staatliche Hilfe \u00fcberlebensf\u00e4hig. Ja, sie sind sogar auf immer neue Mittel angewiesen \u2013 ganz im Gegensatz zur gr\u00f6ssten Schweizer Bank, die bereits wieder auf eigenen F\u00fcssen steht und dessen Stabilisierung den Steuerzahler bis anhin noch keinen Rappen gekostet hat. Das stimmt f\u00fcr die Zukunft ebenso optimistisch wie die geringe erwartete Verschuldungsquote von 46% des BIP oder die \u2013 trotz allen Unkenrufen \u2013 nach wie vor grosse politische, wirtschaftliche oder soziale Stabilit\u00e4t der Schweiz. Weiter besitzt der Schweizer Finanzplatz Kernkompetenzen, die sonst kein anderes globales Finanzzentrum aufweist. Swiss Banking verk\u00f6rpert Internationalit\u00e4t, Innovationsf\u00e4higkeit und hohe Servicequalit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Vorw\u00e4rtsstrategie auf vier Pfeilern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm aus diesen St\u00e4rken optimal Kapital schlagen zu k\u00f6nnen, hat der Finanzplatz Schweiz eine Vorw\u00e4rtsstrategie entwickelt mit dem Ziel, den volkswirtschaftlich so bedeutenden Finanzsektor nachhaltig zu verbessern. Zum einen gilt es weiterhin die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Finanzplatz zu st\u00e4rken. So soll beispielsweise die wachstumshemmende Stempelsteuer abgeschafft werden. Ferner gilt ein spezielles Augenmerk der Bildung, ist das Humankapital doch einer unserer gr\u00f6ssten Tr\u00fcmpfe im internationalen Wettbewerb.Zum anderen wurde auch eine Neupositionierung des Finanzplatzes Schweiz vorgenommen, die darin gipfelt, in Zukunft durch die Verwaltung und Akquisition von \u00abtax-compliant\u00bb Geldern zu wachsen. Sie wird auch vom Bund in der im Dezember 2009 ver\u00f6ffentlichten Finanzmarktstrategie (Bericht Graber) getragen. Die Strategie basiert auf vier Pfeilern: \u2013 <i>Erstens<\/i> muss der Schutz der Privatsph\u00e4re von Bankkunden gew\u00e4hrleistet bleiben, denn das Vertrauen und der Respekt zwischen B\u00fcrger und Staat ist ein wesentliches Merkmal unseres Staatsverst\u00e4ndnisses. Den automatischen Informationsaustausch lehnen die Banken in der Schweiz genauso entschieden ab, wie dies die breite Bev\u00f6lkerung tut. \u2013 <i>Zweitens<\/i> sollten die bestehenden steuersensitiven ausl\u00e4ndischen Verm\u00f6gen im Verh\u00e4ltnis zum Fiskus der Heimatl\u00e4nder regularisiert werden, ohne dabei einer Repatriierungspflicht zu unterstehen. Wir m\u00fcssen alles daransetzen, dass den Kunden eine Br\u00fccke zur Steuerehrlichkeit gebaut werden kann. \u2013 <i>Drittens<\/i> ist die Schweiz bereit, eine bessere Besteuerung des ausl\u00e4ndischen Kapitals und dessen Ertr\u00e4ge sicherzustellen. Dies soll mittels der Einf\u00fchrung einer Abgeltungssteuer erreicht werden. Ausl\u00e4ndische Staaten erhalten so direkt Steuersubstrat, das in Zeiten rekordhoher Fiskaldefizite sicher willkommen ist. Gleichzeitig bleibt die Privatsph\u00e4re ehrlicher Kunden gewahrt. \u2013 <i>Viertens<\/i> soll die Schweiz Marktzugang in Europa zur Erbringung von Finanzdienstleistungen erhalten. Der hiesige Finanzplatz ist durch Offenheit gegen\u00fcber dem Ausland und eine vorbildliche Regulierung charakterisiert. Vor allem im Zuge der \u00dcbernahme des international g\u00fcltigen OECD-Standards in der Amtshilfe sind unilaterale Diskriminierungen zwischen eng verbundenen Handelspartnern inakzeptabel und geh\u00f6ren beseitigt.2010 gilt es nun diese Strategie im In- und Ausland umzusetzen. Neben diesen grossen strategischen Herausforderungen m\u00fcssen die Schweizer Banken den Kunden wieder st\u00e4rker in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten stellen und f\u00fcr die Wirtschaft ihre wichtige volkswirtschaftliche Funktion noch besser aus\u00fcben. Gelingt uns dies, wird der Finanzplatz auch in Zukunft seine grosse Bedeutung f\u00fcr unser Land wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise vor \u00fcber zwei Jahren steht der Finanzplatz Schweiz unter grossem Druck. 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