{"id":121628,"date":"2010-03-01T12:00:00","date_gmt":"2010-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/03\/arvanitis-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:41","slug":"arvanitis-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/03\/arvanitis-7\/","title":{"rendered":"Starke Position der Schweizer Wirtschaft im internationalen Innovationswettbewerb"},"content":{"rendered":"<p>Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft wird l\u00e4ngerfristig stark beeinflusst durch die Innovationsleistung der Unternehmen. Um diese beurteilen zu k\u00f6nnen, f\u00fchrt die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Z\u00fcrich seit 1990 regelm\u00e4ssig eine Erhebung bei rund 6000 Firmen durch. Wir pr\u00e4sentieren hier Resultate zu folgenden Fragen: Wie entwickelte sich die Innovationsleistung der Wirtschaft zwischen 1990 und 2008, und durch welche Faktoren wurde sie behindert? Wie schneidet die Schweiz im Vergleich zum Ausland ab? Konnten die Unternehmen dank Neuerungen ihre Marktleistung und Produktivit\u00e4t steigern? Welche Folgen hat die Wirtschaftskrise auf die Innovationst\u00e4tigkeit? Wie kann die Politik die Innovationsf\u00e4higkeit der Firmen st\u00e4rken?&#13;<\/p>\n<h2>R\u00fcckgang der Innovationst\u00e4tigkeit weitgehend zu Ende<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Industrie nahm der Anteil von Firmen, die Innovationen (Produkt- und\/oder Prozessneuerungen) realisierten, seit dem H\u00f6chststand in den fr\u00fchen 1990er-Jahren kontinuierlich ab, in den letzten Jahren aber nur noch wenig. Der Anteil von Firmen mit F&amp;E-Aktivit\u00e4ten und Patentanmeldungen stabilisierte sich zu Beginn der 2000er-Jahre, nachdem er vorher auf ein sehr tiefes Niveau gefallen war (Siehe <i>Grafik 1<\/i>). Im Dienstleistungssektor hielt der R\u00fcckgang des f\u00fcr diesen Bereich aussagekr\u00e4ftigsten Innovationsindikators \u2013 d.h. des Anteils von Firmen mit Innovationen \u2013 bis Mitte der 2000er-Jahre an, und zwar nach einer kr\u00e4ftigen Abnahme in den Jahren unmittelbar davor.Bei der Beurteilung der Ver\u00e4nderung der Innovationsleistung der Wirtschaft spielt nicht nur der Anteil der Firmen mit Innovationsaktivit\u00e4ten eine Rolle, sondern auch die Entwicklung der daf\u00fcr eingesetzten Mittel. Diese nahmen in beiden Sektoren bis Ende der 1990er-Jahre ab. Besonders ausgepr\u00e4gt war der R\u00fcckgang der Aufwendungen f\u00fcr Forschung (in der Industrie auf noch etwa die H\u00e4lfte des vorherigen H\u00f6chststandes), am geringsten jene f\u00fcr Konstruktion\/Design (auf noch rund 70% des fr\u00fcheren Maximums). In der Folge waren die Innovationsausgaben praktisch konstant oder nahmen in den beiden konjunkturellen Aufschwungsphasen gegen Ende der 1990er-Jahre bzw. in der Zeit vor 2008 wieder (leicht) zu. Im Zuge dieser l\u00e4ngerfristigen Entwicklung verschob sich die Zusammensetzung des Mitteleinsatzes sukzessive von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten, die auf eine Verst\u00e4rkung der technologischen Grundlagen zielen, auf anwendungsn\u00e4here Ausgabenkomponenten wie Konstruktion\/Design und innovationsorientierte Folgeinvestitionen (z.B. Marktabkl\u00e4rungen). Diese Ver\u00e4nderung der Struktur der Innovationsausgaben deutet auf eine Reduktion der \u00abInnovationstiefe\u00bb hin, eine Tendenz, die sich aber in j\u00fcngster Zeit nicht mehr fortsetzte.&#13;<\/p>\n<h2>Verbesserung des Innovationsklimas<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in <i>Tabelle 1<\/i>aufgef\u00fchrten Innovationshemmnisse haben im l\u00e4ngerfristigen Trend (von wenigen Ausnahmen abgesehen) an Bedeutung stark eingeb\u00fcsst. Das Innovationsklima hat sich also wesentlich verbessert. Heute stellen noch folgende Faktoren f\u00fcr einen nennenswerten Teil der Firmen, und zwar in erster Linie in der Industrie, ein Innovationshemmnis dar: hohe Kosten von Innovationsprojekten, marktbezogene und technologische Risiken dieser Projekte, Mangel an Eigenmitteln sowie an F&amp;E-Personal und sonstigen Fachkr\u00e4ften. Dagegen spielen staatliche Regulierungen und ungen\u00fcgende Mittel zur Forschungs- und Innovationsf\u00f6rderung keine wesentliche Rolle mehr. Nur ein Teil dieser Hemmnisse ist durch die Politik beeinflussbar (siehe <i>Kasten 1<i>Finanzierungsprobleme<\/i> haben, nachdem sie bis zu Beginn dieses Jahrzehnts die Innovationst\u00e4tigkeit stark beeintr\u00e4chtigt hatten, in der Folge an Bedeutung merklich eingeb\u00fcsst. Die g\u00fcnstige Entwicklung w\u00e4hrend der letzten Jahre ist jedoch bis zu einem gewissen Grad konjunktureller Natur. Strukturell gesehen d\u00fcrfte der Mangel an Eigenmitteln \u2013 insbesondere f\u00fcr kleinere Unternehmen \u2013 ein gewisses Problem bleiben. <i>Engp\u00e4sse bei der Rekrutierung von (hoch)qualifiziertem Personal<\/i> sind zwar im l\u00e4ngerfristigen Trend wesentlich geringer geworden. Sie nahmen aber im letzten Konjunkturaufschwung \u2013 wenn auch nur in der Industrie \u2013 wieder deutlich zu, ohne jedoch das hohe Niveau der ersten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre zu erreichen. Dass trotz der starken Zuwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte aus dem EU-Raum die Innovationst\u00e4tigkeit erneut erheblich unter Rekrutierungsschwierigkeiten zu leiden hatte, deutet darauf hin, dass der Mangel an innovationsrelevanten Fachkr\u00e4ften weiterhin ein ungel\u00f6stes Strukturproblem darstellt.). <\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Internationaler Vergleich der Innovationsleistung<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz \u2013 die innovativste Volkswirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss einem Vergleich der Resultate der j\u00fcngsten KOF-Innovationsumfrage mit den entsprechenden Ergebnissen des in den EU-L\u00e4ndern durchgef\u00fchrten <i>Community Innovation Survey (CIS)<\/i> ist die Schweiz heute die innovativste Volkswirtschaft Europas. Diese Einsch\u00e4tzung beruht auf einem breiten Spektrum von Indikatoren, das alle Phasen des Innovationsprozesses abdeckt (siehe <i>Tabelle 2<\/i>). Die Schweiz belegt insgesamt \u2013 d.h. bei Ber\u00fccksichtigung beider Sektoren und aller in der Tabelle aufgef\u00fchrten Messgr\u00f6ssen \u2013 den ersten Rang, gefolgt von Deutschland, Grossbritannien, Belgien, Irland und Schweden. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor ist sie die Nr. 1. Die besonderen St\u00e4rken der Schweizer Wirtschaft liegen beim hohen Anteil von Firmen, die sich in Innovations- und F&amp;E-Aktivit\u00e4ten engagieren, sowie bei der F\u00e4higkeit, Neuerungen in Markterfolge umzusetzen. Etwas schw\u00e4cher schneidet sie ab bez\u00fcglich der f\u00fcr F&amp;E- und Innovationsaktivit\u00e4ten eingesetzten Mittel, was darauf hindeutet, dass in der Schweiz Innovationen h\u00e4ufiger als in einigen innovationsstarken EU-L\u00e4ndern inkrementeller Natur sind, aber deswegen nicht minder ertragstr\u00e4chtig.Die Spitzenstellung der Schweiz wird durch Vergleiche anhand eines erweiterten Sets von Indikatoren und unter Ber\u00fccksichtigung einer Vielzahl von nicht-europ\u00e4ischen L\u00e4ndern best\u00e4tigt (European Commission, 2009). Die USA, Japan und andere innovationsstarke aussereurop\u00e4ische Volkswirtschaften kommen nicht an die Innovationsleistung der drei f\u00fchrenden europ\u00e4ischen L\u00e4nder Schweden, Schweiz und Finnland heran.&#13;<\/p>\n<h2>Nirgends ist der KMU-Sektor so innovationsstark wie in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesonders gut schneidet die Schweiz bei den KMU ab. Sowohl die kleinen als auch die mittelgrossen Firmen sind gem\u00e4ss den in Tabelle 2 aufgef\u00fchrten Indikatoren innovativer als die KMU in allen EU-L\u00e4ndern. In der Schweiz ist also die Innovationsf\u00e4higkeit nach Gr\u00f6ssenklassen besonders breit abgest\u00fctzt. Dank der eigenen Innovationsaktivit\u00e4ten ist ein erheblicher Teil der kleinen und mittelgrossen Firmen bef\u00e4higt, firmenexternes Wissen aufzunehmen und dieses mit internem Know-how zu kombinieren. Damit verf\u00fcgen viele KMU \u00fcber die Voraussetzungen, um mit technologisch hochwertigen Produkten auf dem Weltmarkt \u2013 meist in Nischen \u2013 erfolgreich zu sein. Die Kombination eines sehr innovativen KMU-Sektors und einer betr\u00e4chtlichen Zahl von grossen F&amp;E-intensiven multinationalen Firmen ist eine strukturelle St\u00e4rke des Innovationssystems Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Der Vorsprung der Schweiz schmilzt \u2013 diese Tendenz scheint aber gebrochen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Innovationsleistung der Schweiz ist zwar besser als jene der EU-L\u00e4nder, aber letztere haben \u2013 teilweise markant \u2013 aufgeholt (siehe <i>Tabelle 3<\/i>). Dies ist nicht nur auf Fortschritte im Ausland zur\u00fcckzuf\u00fchren, die bis zu einem gewissen Grad Ausdruck eines normalen Konvergenzprozesses sind, sondern widerspiegelt auch die ung\u00fcnstige Entwicklung der Innovationsaktivit\u00e4ten in der schweizerischen Industrie in den 1990er-Jahren und im Dienstleistungssektor in den fr\u00fchen 2000er-Jahren. Gest\u00fctzt auf den Anteil der Firmen mit Innovationen, war in den letzten zehn Jahren Finnland der grosse Gewinner, aber auch D\u00e4nemark, Belgien und Deutschland machten gegen\u00fcber der Schweiz deutlich Boden gut. Mit der Stabilisierung der Innovationsleistung in der Schweiz in den letzten Jahren ist jedoch der Aufholprozess nahezu zum Stillstand gekommen. Leichte Verluste gegen\u00fcber L\u00e4ndern wie Finnland oder Belgien wurden durch Gewinne gegen\u00fcber verschiedenen anderen L\u00e4ndern wettgemacht.&#13;<\/p>\n<h2>Innovationsaktivit\u00e4ten und wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVom \u00f6konomischen Standpunkt aus ist eine Innovation erfolgreich, wenn sie sich am Markt durchsetzt und entsprechende Ertr\u00e4ge generiert. Als Massstab f\u00fcr den Markterfolg wird hier der Umsatzanteil innovativer Produkte verwendet. In einer etwas anderen Sichtweise sind Innovationen wirtschaftlich dann erfolgreich, wenn sie zu einer Steigerung der Produktivit\u00e4t f\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>Leistungsf\u00e4hig bei der Umsetzung von Neuerungen in Markterfolge<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie in Tabelle 2 gezeigt wurde, ist der Umsatzanteil innovativer Produkte in keinem EU-Land auch nur ann\u00e4hernd so hoch wie in der Schweiz. Besonders gut schneidet sie bei Firmenneuheiten ab, die auf eine erfolgreiche Adoption teilweise anderswo entwickelter Innovationen zur\u00fcckgehen; aber auch bei Marktneuheiten liegt die Schweiz ganz vorn. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sollte die Bedeutung von Firmenneuheiten nicht untersch\u00e4tzt werden, zumal sich die Wirtschaftskraft eines Landes nicht nur durch den Erfolg mit Marktneuheiten verbessern l\u00e4sst, sondern auch durch eine rasche und breite Diffusion von Neuerungen. Der internationale Vergleich zeigt, dass die popul\u00e4re These, wonach die Schweizer Wirtschaft zwar erfolgreich sei im Hervorbringen von Neuerungen, aber Defizite aufweise bei deren Umsetzung am Markt, empirisch nicht best\u00e4tigt wird.Zus\u00e4tzliche Informationen zur Leistungsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft bei der Umsetzung von Neuerungen liefern Angaben zur Ver\u00e4nderung des Umsatzanteils innovativer Produkte im Zeitablauf. In der Industrie entwickelte sich dieser Anteil \u2013 nach einem starken R\u00fcckgang in den sp\u00e4ten 1990er-Jahren \u2013 relativ g\u00fcnstig, nahm er doch seit 2002 wieder zu und hat mittlerweile fast zwei Drittel des fr\u00fcheren H\u00f6chststandes erreicht (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Noch g\u00fcnstiger war die Entwicklung im Dienstleistungssektor, die im Trend keine Verschlechterung zeigt. Da die Innovationsaufwendungen \u2013 wie erw\u00e4hnt \u2013 im Lauf der Zeit deutlich zur\u00fcckgegangen sind und sich erst in den letzten Jahren etwas erholt haben, hat die Umsatzproduktivit\u00e4t von Investitionen in Innovationsprojekte im Zeitablauf zugenommen. Dies deutet auf eine erh\u00f6hte Effizienz des Innovationsprozesses hin, vermutlich begleitet von einer gewissen Verschiebung von F&amp;E-intensiven zu inkrementellen Neuerungen, die aber offenbar durchaus ertragstr\u00e4chtig sind. Die F\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft, Innovationen in Markterfolge umzusetzen, ist also im Lauf der Jahre besser geworden.&#13;<\/p>\n<h2>Positive Produktivit\u00e4tseffekte von Innovationsaktivit\u00e4ten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einer \u00f6konometrischen Untersuchung wurde auf Firmenebene der quantitative Zusammenhang zwischen Innovationst\u00e4tigkeit und Arbeitsproduktivit\u00e4t analysiert, und zwar getrennt nach Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Die Innovationst\u00e4tigkeit wurde alternativ durch Indikatoren erfasst, die den Innovationsinput (Aufwendungen) sowie den intermedi\u00e4ren (Patente, Innovation ja\/nein) und den finalen Innovationsoutput (Umsatzanteil innovativer Produkte) repr\u00e4sentieren. F\u00fcr die Analyse wurden Unternehmensdaten der letzten f\u00fcnf Innovationsumfragen ber\u00fccksichtigt.Wird bei den Modellsch\u00e4tzungen ein inputorientierter Innovationsindikator verwendet (F&amp;E-Ausgaben pro Besch\u00e4ftigten), resultiert f\u00fcr Industrie- wie auch f\u00fcr Dienstleistungsfirmen ein positiver Zusammenhang mit der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Dabei ist der Produktivit\u00e4tseffekt in den beiden Sektoren etwa gleich stark. Auf der Basis der Outputindikatoren (Produkt-\/Prozessneuerungen, Patente, Umsatzanteil innovativer Produkte) sind \u2013 mit Ausnahme der Patente \u2013 die Produktivit\u00e4tseffekte im Dienstleistungssektor h\u00f6her als in der Industrie. Die Differenz beruht prim\u00e4r auf dem Einbezug der Daten der j\u00fcngsten Erhebung. Falls dieses Resultatemuster durch Sch\u00e4tzungen mit k\u00fcnftigen Daten best\u00e4tigt werden sollte, erg\u00e4be sich f\u00fcr den Innovationsstandort Schweiz eine neue Konstellation. Die Effektivit\u00e4t der Innovationsaktivit\u00e4ten im Dienstleistungssektor w\u00e4re dann wesentlich h\u00f6her als in der Vergangenheit.&#13;<\/p>\n<h2>Folgen der Wirtschaftskrise auf die Innovationst\u00e4tigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn j\u00fcngster Zeit wird h\u00e4ufig die Meinung vertreten, die Unternehmen w\u00fcrden in der Rezession nicht nur die Kosten senken, sondern alles daran setzen, um sich mit neuen Produkten f\u00fcr den n\u00e4chsten Aufschwung in eine gute Ausgangsposition zu bringen. Eine \u2013 zugegebenermassen \u2013 recht summarische Analyse des Zusammenhangs zwischen Konjunktur und Innovationst\u00e4tigkeit zeigt jedoch, dass sich die Unternehmen im Durchschnitt nicht entsprechend verhalten. So geht aus einem Vergleich der Zeitprofile der Konjunkturentwicklung und der Innovationsleistung in der Industrie f\u00fcr den Zeitraum 1988\/90 bis 2006\/08, also f\u00fcr zwei volle Zyklen, hervor, dass sich die beiden Variablen parallel entwickeln oder die Innovationsleistung der Konjunkturentwicklung mit leichter Verz\u00f6gerung folgt. Dieses Muster ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Investitionen generell prozyklisch sind, was f\u00fcr Innovationsprojekte angesichts ihres \u00fcberdurchschnittlichen Risikos umso mehr zutrifft. Die Eigenmittel der Unternehmen nehmen in Rezessionszeiten ab, also gerade jene Ressourcen, die typischerweise zur Finanzierung von Innovationsprojekten herangezogen werden. Und je l\u00e4nger eine Rezession dauert, umso mehr f\u00e4llt dieser Faktor ins Gewicht.Angesichts dieser Zusammenh\u00e4nge d\u00fcrften \u2013 krisenbedingt \u2013 die Innovationsaktivit\u00e4ten bereits heute r\u00fcckl\u00e4ufig sein. Da f\u00fcr die n\u00e4here Zukunft nur mit einer verhaltenen wirtschaftlichen Erholung zu rechnen ist, muss bef\u00fcrchtet werden, dass die Innovationsleistung noch einige Zeit abnehmen und m\u00f6glicherweise auf tiefem Niveau verharren wird. Eine solche Entwicklung erinnert fatal an die 1990er-Jahre, die \u00fcber weite Strecken eine wirtschaftliche Schw\u00e4chephase darstellten. Eine derartige Innovationsschw\u00e4che w\u00fcrde das mittelfristige Wachstumspotenzial der Schweizer Wirtschaft sp\u00fcrbar beschneiden. Die n\u00e4chste Innovationserhebung vom Herbst 2011 wird zeigen, wie stark der aus heutiger Perspektive zu erwartende R\u00fcckgang der Innovationsleistung ausgefallen sein wird.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen f\u00fcr die Politik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der Analyse kristallisieren sich die folgenden Ansatzpunkte zur Verbesserung der Innovationsf\u00e4higkeit schweizerischer Unternehmen heraus:\u2013 Die f\u00fcr die Innovationst\u00e4tigkeit relevanten Rahmenbedingungen sollten durch die \u00d6ffnung bisher gesch\u00fctzter M\u00e4rkte verbessert werden. So liessen sich \u00f6konomische Ressourcen freisetzen, die \u2013 sofern sie f\u00fcr Zukunftsinvestitionen verwendet werden \u2013 zur Steigerung der Innovationsleistung der Schweizer Wirtschaft beitr\u00fcgen.\u2013 Der Mangel an hoch qualifiziertem Personal wird trotz der Zuwanderung aus dem EU-Raum l\u00e4ngerfristig eine Schwachstelle bleiben. Der freie Personenverkehr darf deshalb nicht aus einer kurzfristigen Optik heraus eingeschr\u00e4nkt werden. Dar\u00fcber hinaus ist anzustreben, die Einwanderung von Spezialisten aus Nicht-EU-L\u00e4ndern zu erleichtern. Trotzdem: Die Schweiz muss in erster Linie selbst daf\u00fcr besorgt sein, ihre Humankapitalbasis zu erweitern. Auf die wichtigsten Ansatzpunkte haben wir in einer fr\u00fcheren f\u00fcr das Seco durchgef\u00fchrten Studie hingewiesen (Arvanitis et al., 2003; siehe auch OECD, 2009). Schliesslich sollten die Investitionen in Bildung und Forschung von den von der \u00f6ffentlichen Hand geplanten Budgetk\u00fcrzungen ausgenommen werden.\u2013 Letzteres gilt auch f\u00fcr die Innovationsf\u00f6rderung der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation (KTI). Im Weiteren ist in Betracht zu ziehen, die Finanzierung von F&amp;E- und Innovationsprojekten von Unternehmen durch steuerliche Massnahmen zu unterst\u00fctzen, wie es in zunehmendem Mass in anderen innovationsstarken L\u00e4ndern der Fall ist. Auf diese Weise kann der Staat dazu beitragen, den f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre zu erwartenden R\u00fcckgang der Innovationst\u00e4tigkeit zu d\u00e4mpfen und damit einer allzu starken Schw\u00e4chung des Potenzialwachstums der Schweizer Wirtschaft entgegenzuwirken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abInnovationsaktivit\u00e4ten in der Schweizer Wirtschaft, 1988\/90-2006\/08\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAnteil innovativer Produkte am Umsatz, 1993-2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abInnovationshemmnisse, 1988\/90-2006\/08\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abInternationaler Vergleich der Innovationsleistung, 2006\/08\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 3: \u00abInnovationsleistung im internationalen Vergleich, 1993-2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Tendenzen von Innovationshemmnissen im staatlichen Einflussbereich<i>Finanzierungsprobleme<\/i> haben, nachdem sie bis zu Beginn dieses Jahrzehnts die Innovationst\u00e4tigkeit stark beeintr\u00e4chtigt hatten, in der Folge an Bedeutung merklich eingeb\u00fcsst. Die g\u00fcnstige Entwicklung w\u00e4hrend der letzten Jahre ist jedoch bis zu einem gewissen Grad konjunktureller Natur. Strukturell gesehen d\u00fcrfte der Mangel an Eigenmitteln \u2013 insbesondere f\u00fcr kleinere Unternehmen \u2013 ein gewisses Problem bleiben. <i>Engp\u00e4sse bei der Rekrutierung von (hoch)qualifiziertem Personal<\/i> sind zwar im l\u00e4ngerfristigen Trend wesentlich geringer geworden. Sie nahmen aber im letzten Konjunkturaufschwung \u2013 wenn auch nur in der Industrie \u2013 wieder deutlich zu, ohne jedoch das hohe Niveau der ersten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre zu erreichen. Dass trotz der starken Zuwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte aus dem EU-Raum die Innovationst\u00e4tigkeit erneut erheblich unter Rekrutierungsschwierigkeiten zu leiden hatte, deutet darauf hin, dass der Mangel an innovationsrelevanten Fachkr\u00e4ften weiterhin ein ungel\u00f6stes Strukturproblem darstellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Bericht zur InnovationsumfrageDer vorliegende Beitrag beruht auf einer Studie auf der Basis der siebten Innovationsumfrage, welche die KOF der ETH Z\u00fcrich mit ihrem Unternehmenspanel im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) im Herbst 2008 durchgef\u00fchrt hat.Arvanitis, S., Bolli, T., Hollenstein, H., Ley, M. und M. W\u00f6rter (2010): Innovationsaktivit\u00e4ten in der Schweizer Wirtschaft. Eine Analyse der Ergebnisse der Innovationserhebung 2008, Strukturberichterstattung Nr. 46, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern (<a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">http:\/\/www.seco.admin.ch<\/a>, Dokumentation, Publikationen und Formulare, Ver\u00f6ffentlichungsreihen, Strukturberichterstattung).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur\u2013 Arvanitis, S., Hollenstein, H. und D. Marmet (2003): Die Schweiz auf dem Weg zu einer wissensbasierten \u00d6konomie: Eine Bestandesaufnahme, Strukturberichterstattung Nr. 17, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern. \u2013 European Commission (2009): The European Innovation Scoreboard 2008. Comparative Analysis of Innovation Performance, European Commission, Luxembourg.\u2013 OECD (2009): OECD Economic Survey: Switzerland 2009, Vol. 2009\/20, Supplement Nr. 2, OECD: Paris, Dezember.F\u00fcr detaillierte Literaturhinweise sowie die Links zu den verwendeten Datenbanken der EU und der OECD sei auf die dem Beitrag zugrundeliegende Gesamtstudie verwiesen (siehe Kasten 2).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft wird l\u00e4ngerfristig stark beeinflusst durch die Innovationsleistung der Unternehmen. Um diese beurteilen zu k\u00f6nnen, f\u00fchrt die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Z\u00fcrich seit 1990 regelm\u00e4ssig eine Erhebung bei rund 6000 Firmen durch. 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