{"id":121703,"date":"2010-03-01T12:00:00","date_gmt":"2010-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/03\/tanner-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:53","slug":"tanner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/03\/tanner\/","title":{"rendered":"Mehr Transparenz und Effizienz im Beschaffungswesen mit simap.ch"},"content":{"rendered":"<p>Ein m\u00f6glichst transparenter Zugang zum \u00f6ffentlichen Nachfragemarkt ist ein wichtiges politisches Anliegen, wird damit doch der Wettbewerb gef\u00f6rdert und die Chancengleichheit f\u00fcr alle Unternehmen sichergestellt. Die zunehmende Knappheit der Budgets der \u00f6ffentlichen Beschaffungsstellen f\u00fchrt aber zu einem Kostendruck. Hier ist simap.ch ein wichtiges Instrument. Mit der elektronischen Publikationsplattform, die seit dem 1. M\u00e4rz 2009 in Betrieb ist, k\u00f6nnen sowohl die Transparenz des Beschaffungsmarktes verbessert wie auch die Kosten reduziert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201003_11_Tanner_01_D.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"323\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie volkswirtschaftliche Bedeutung des Beschaffungswesens ist beachtlich, bel\u00e4uft sich doch der Umfang des j\u00e4hrlichen Beschaffungsbedarfs von Bund, Kantonen und Gemeinden auf sch\u00e4tzungsweise 40 Mrd. Franken. Diese Summe entspricht rund 25% der Staatsausgaben und 8% des Bruttoinlandprodukts. Trotzdem war das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen der Schweiz bis vor wenigen Jahren von einem mehr oder weniger starken \u00abHeimatschutzgedanken\u00bb gepr\u00e4gt. Nicht selten wurde es als Instrument der Regional- und Strukturpolitik eingesetzt. Mit dem WTO-\u00dcbereinkommen \u00fcber das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen und dem bilateralen Abkommen mit der EU wurden zwar die Rahmenbedingungen f\u00fcr die nationale Gesetzgebung vorgegeben. Dennoch blieb es bis heute in der Schweiz bei 27 Beschaffungsrechtsordnungen von Bund und Kantonen. Dadurch wird die Transparenz und die Anwendung der Beschaffungsprozeduren erheblich erschwert, insbesondere f\u00fcr die Anbieter. Der Beschaffungsbedarf der \u00f6ffentlichen Hand ist f\u00fcr die potenziellen Anbieter kaum eruierbar. Um sich \u00fcber s\u00e4mtliche Ausschreibungen in der Schweiz einen \u00dcberblick zu verschaffen, muss ein Anbieter das Schweizerische Handelsamtsblatt (SHAB), 26 kantonale Amtsbl\u00e4tter und eine Vielzahl von regionalen Anzeigern konsultieren \u2013 eine im Grundsatz unzumutbare Situation f\u00fcr die Privatwirtschaft.Hinzu kommt, dass die Intransparenz des \u00f6ffentlichen Nachfragemarktes zwangsl\u00e4ufig zur Einschr\u00e4nkung des Wettbewerbs unter den Anbietern f\u00fchrt. Aus volkswirtschaftlichen und staatspolitischen Gr\u00fcnden w\u00e4re nebst der Verbesserung der Transparenz auch eine Harmonisierung des Beschaffungsrechts in der Schweiz begr\u00fcssenswert. Die Vernehmlassungen zu diesem Thema haben gezeigt, dass noch gr\u00f6ssere Anstrengungen notwendig sind, um entscheidende Fortschritte zwischen Bund und Kantonen zu erreichen. Hingegen ist man sich einig, dass mit dem Einsatz von neuen Technologien eine \u00abtechnische Harmonisierung\u00bb der Beschaffungsprozesse und der Zusammenarbeitsformen in der Praxis erreicht werden soll.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftlicher beschaffen dank E-Procurement<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter Electronic Procurement (E-Procurement) ist die Aussch\u00f6pfung der M\u00f6glichkeiten der elektronischen Hilfsmittel \u2013 insbesondere des Internets \u2013 zur effizienten und kosteng\u00fcnstigen Abwicklung des gesamten Beschaffungsablaufs zu verstehen. Darunter fallen auch Vergabeplattformen, welche die elektronische Abwicklung \u00f6ffentlicher Ausschreibungen von der Publikation der Ausschreibung \u00fcber die Verteilung der Pflichtenhefte sowie die \u00dcbermittlung und Evaluation der Offerten bis hin zum Vertragsabschluss umfassen.Den Haupteffekt von E-Procurement sehen in- und ausl\u00e4ndischen Studien \u00fcbereinstimmend in der Entlastung der Beschaffungsstellen von administrativen Arbeiten. Die Prozesskosten k\u00f6nnen pro Beschaffungsvorgang um bis zu 80% reduziert werden. Bei einer konsequenten Anwendung liegt das Sparpotenzial f\u00fcr die Beschaffungsstellen bei rund 350 Mio. Franken pro Jahr. Seitens der Anbieter haben Umfrageergebnisse zur elektronischen Beschaffung ergeben, dass die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen dank E-Procurement bis zu 25% der Prozesskosten einsparen; bei 30% der Unternehmen resultieren sogar Einsparungen bis zu 50%.&#13;<\/p>\n<h2>Die gesamtschweizerische Beschaffungsplattform simap.ch<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer gemeinsame Wille von Bund und Kantonen, eine gesamtschweizerische Beschaffungsplattform unter dem Namen simap.ch <i>(Syst\u00e8me d\u2019information sur les march\u00e9s publics en Suisse)<\/i> zu betreiben, aber auch die daraus resultierende Form der Zusammenarbeit ist sehr erfreulich. Besonders seitens der Kantone wird der damit verbundene technische Harmonisierungseffekt begr\u00fcsst. Mit diesem praxistauglichen Ansatz wird auch ohne zwingende Harmonisierung der Gesetzgebung eine weitgehende Standardisierung der Beschaffungsprozesse der \u00f6ffentlichen Hand eingeleitet. Die Wirkung wird wie folgt durch simap.ch verbessert:\u2013 Die Informatikkosten werden durch eine einheitliche Vergabeplattform reduziert.\u2013 Die Publikationen der Vergabeverfahren erfolgen von allen Beteiligten mittels einheitlicher Formulare, womit eine wesentliche Verbesserung der Rechtssicherheit bei Ausschreibungen erreicht wird.\u2013 Begr\u00fcndete und \u00f6ffentlich publizierte Zuschl\u00e4ge weisen eine dynamische Wirkung auf, indem unterlegene Anbieter lernen k\u00f6nnen.Die Inbetriebnahme der neuen Plattform erfolgte am 1. M\u00e4rz 2009. Mit \u00fcber 2000 registrierten Beschaffungsstellen aus Bund und Kantonen wurde innert k\u00fcrzester Zeit ein sehr hoher Benutzungsgrad erreicht. Hinzu kommen t\u00e4glich \u00fcber 3000 Online-Abfragen der potenziellen Anbieter aus der Schweiz und dem Ausland. Seit der Inbetriebnahme haben sich zudem bereits 22&nbsp;000 Anbieter registriert und die Ausschreibungsunterlagen (Pflichtenhefte) elektronisch heruntergeladen.&#13;<\/p>\n<h2>Umsetzung im Rahmen der E-Government-Strategie Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Investitions- und laufenden Kosten von E-Procurement-L\u00f6sungen sind keineswegs vernachl\u00e4ssigbar. Sie sind stark davon abh\u00e4ngig, wie weit die L\u00f6sungen standardisiert werden k\u00f6nnen bzw. wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen und Gebietsk\u00f6rperschaften, die dem \u00f6ffentlichen Beschaffungsrecht unterstehen, funktioniert.Die Umsetzung der neuen Plattform von simap.ch erfolgte konsequent gem\u00e4ss der vom Bundesrat 2007 verabschiedeten E-Government-Strategie. Diese nationale Strategie wurde in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden entwickelt. Sie bildet die Basis f\u00fcr Bund, Kantone und Gemeinden, ihre Bestrebungen auf gemeinsame Ziele auszurichten und legt Grunds\u00e4tze, Vorgehen sowie Instrumente zu deren Umsetzung fest. Ziel der Strategie ist es, dass sowohl die Wirtschaft als auch die Bev\u00f6lkerung die wichtigen Gesch\u00e4fte mit den Beh\u00f6rden elektronisch abwickeln k\u00f6nnen. Die Beh\u00f6rden ihrerseits sollen ihre Gesch\u00e4ftsprozesse modernisieren und untereinander elektronisch verkehren. Mit der Integration der neuen Beschaffungsplattform simap.ch in die seit Jahren bew\u00e4hrte Publikationsplattform SHAB-online wird der E-Government-Strategie exemplarisch nachgelebt. Dank des Synergieeffekts wurden erhebliche Entwicklungs- und Betriebskosten eingespart. Zudem konnte von den jahrelangen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen \u2013 insbesondere beim Austausch der Daten und den Schnittstellen zu kantonalen Publikationsorganen \u2013 profitiert werden. Die Verantwortung f\u00fcr die Plattform liegt beim Verein simap.ch, welchem Bund und Kantone angeh\u00f6ren. F\u00fcr den Betrieb der Plattform ist das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zust\u00e4ndig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die wesentlichen Funktionalit\u00e4ten von simap.ch in \u00dcberblick \u2013 Moderne Webtechnologie mit kundenfreundlicher Benutzeroberfl\u00e4che;\u2013 Medienbruchfreier Prozess von der Ausschreibung bis zum Zuschlag;\u2013 Vereinfachte Handhabung der Mehrsprachigkeit von Publikationen;\u2013 Erweiterte Recherchefunktionen f\u00fcr die Publikationen;\u2013 Up- und Download von Ausschreibungsunterlagen;\u2013 Forum f\u00fcr Fragen und Antworten;\u2013 Gratis-Online-Abonnementsdienst f\u00fcr Anbietende;\u2013 Automatisierte Schnittstelle zum SHAB und den kantonalen Amtsbl\u00e4ttern sowie zur Publikationsplattform der EU (TED) \u2013 die Schweiz gilt als akkreditierte E-Senderin in der EU;\u2013 Gemeinsame Nutzung der Plattform von Bund und Kantonen;\u2013 Sichere und sehr hohe Verf\u00fcgbarkeit der Applikation.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein m\u00f6glichst transparenter Zugang zum \u00f6ffentlichen Nachfragemarkt ist ein wichtiges politisches Anliegen, wird damit doch der Wettbewerb gef\u00f6rdert und die Chancengleichheit f\u00fcr alle Unternehmen sichergestellt. 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