{"id":121733,"date":"2010-01-01T12:00:00","date_gmt":"2010-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/01\/jordan-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:34:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:34:58","slug":"jordan-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/01\/jordan-5\/","title":{"rendered":"Inflation und die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Artikel werden die Grundz\u00fcge der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Inflationsentwicklung seit ihrer Gr\u00fcndung 1907 dargestellt. Vereinfachend lassen sich drei geldpolitische Phasen unterscheiden, die der jeweils vorherrschenden internationalen W\u00e4hrungsordnung entsprechen. In der ersten Phase bestimmte der Goldstandard die Geldpolitik. Nach dem Zweiten Weltkrieg l\u00f6ste das Bretton-Woods-System den Goldstandard ab. In beiden Phasen waren die Wechselkurse fest. Die dritte Phase hat in der ersten H\u00e4lfte der 1970er-Jahre begonnen und ist durch flexible Wechselkurse charakterisiert. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201001_07_Jordan_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"302\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Die Phase des Goldstandards<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls die SNB 1907 ihre Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit aufnahm, trat sie an die Stelle einer Vielzahl teils staatlicher, teils privater Emissionsbanken, die miteinander in Wettbewerb bei der Notenausgabe gestanden hatten. Das Nationalbankgesetz \u00fcbertrug ihr als Hauptaufgaben die Regelung des Geldumlaufs und die Erleichterung des Zahlungsverkehrs. Seitdem ist die SNB die einzige Institution, die auf Schweizer Franken lautende Banknoten emittieren darf.&#13;<br \/>\nDer Bund erhielt im Jahre 1891 das verfassungsm\u00e4ssige Monopol zur Banknotenausgabe. Er \u00fcbertrug das ausschliessliche Recht zur Ausgabe von Banknoten der Nationalbank. Die privaten Emissionsbanken zogen sich bis 1910 aus dem Notenemissionsgesch\u00e4ft zur\u00fcck. Vgl. Baltensperger (2009).Die Geld- und W\u00e4hrungsordnung stand bei der Gr\u00fcndung der SNB im Zeichen des internationalen Goldstandards. Dieser beruhte darauf, dass die beteiligten L\u00e4nder den Preis des Goldes in ihrer W\u00e4hrung definierten, die Konvertibilit\u00e4t (Austauschbarkeit) ihrer Noten in Gold garantierten und einen freien Kapitalverkehr gew\u00e4hrleisteten. Die Grundidee war, dass jedes Land zu einem festen Preis Gold gegen eigene W\u00e4hrung ohne Einschr\u00e4nkung kaufte und verkaufte. Damit wurden indirekt auch die Wechselkurse zu den anderen W\u00e4hrungen festgelegt. Ungleichgewichte zwischen zwei L\u00e4ndern wurden durch Goldfl\u00fcsse ausgeglichen. Die weltweiten Goldvorkommen bestimmten die globale Geldmenge und damit auch das globale Preisniveau.&#13;<\/p>\n<h2>Vor\u00fcbergehende Suspendierung des Goldstandards im Ersten Weltkrieg<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Regeln des internationalen Goldstandards suspendiert. Um ihre Goldreserven zu sch\u00fctzen, hob die Schweiz die Einl\u00f6sepflicht auf. Banknoten wurden zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel. Der Bund sah sich veranlasst, zur Deckung der Kosten der Landesverteidigung auf Kredite der SNB zur\u00fcckzugreifen. Da die SNB ausserdem ihre Kredite an die Wirtschaft kr\u00e4ftig ausdehnte, verdoppelte sich der Betrag an ausstehenden Banknoten. Die Folge war eine inflatorische Entwicklung von betr\u00e4chtlicher Dynamik, die 1918 zu einer Jahresinflationsrate von 25% f\u00fchrte, der h\u00f6chsten in der Geschichte der SNB je erreichten Teuerung (vgl. <i>Grafik 1<\/i>). Da die Nominall\u00f6hne mit der Preisentwicklung nicht mithielten, sanken die Realeinkommen. Die Inflation trug massiv zu sozialen Spannungen bei und f\u00fchrte zu heftiger Kritik an der SNB. Es entbrannte eine Kontroverse \u00fcber die angemessene Zentralbankpolitik. Kritiker wiesen der Nationalbank die Schuld an der Geldmengenexpansion und somit an der Inflation der Kriegsjahre zu. Die SNB, in der Denkweise der Goldw\u00e4hrung verhaftet, erwiderte, dass die prim\u00e4re Ursache der Inflation in den Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr die wichtigsten Importg\u00fcter lag, die ihrerseits eine Ausweitung des Banknotenumlaufs notwendig machten. Da es einer Zentralbank nicht m\u00f6glich sei, das Preisniveau zu beeinflussen, k\u00f6nne die Eind\u00e4mmung der Teuerung auch nicht Aufgabe einer Zentralbank sein.&#13;<br \/>\nVgl. Bordo und James (2007, S. 44 ff.).Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs f\u00fchrten die Bestrebungen, den Goldstandard wiederherzustellen und zur alten Goldparit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, zu einer scharfen Deflation. Im Jahre 1922 sanken die Konsumentenpreise um 18%, was der gr\u00f6ssten negativen Jahresver\u00e4nderungsrate des Konsumentenpreisindexes in der Geschichte der SNB entspricht. Die Deflation war von einer ausgepr\u00e4gten Rezession begleitet.&#13;<\/p>\n<h2>Grosse Herausforderungen w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den 1930er-Jahren stellte die Weltwirtschaftskrise die SNB vor neue grosse Herausforderungen. Als Grossbritannien 1931 die Goldkonvertibilit\u00e4t aufhob und den Wechselkurs des Pfundes fallen liess, brach der Goldstandard zusammen. Nach und nach folgten die meisten anderen L\u00e4nder dem Beispiel Grossbritanniens oder f\u00fchrten Kapitalverkehrskontrollen ein. Bundesrat und Nationalbank sahen sich vor die Wahl gestellt, die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz entweder durch eine Abwertung des Frankens oder durch Deflation wiederherzustellen. Sie entschieden sich zun\u00e4chst f\u00fcr das Festhalten an der Goldparit\u00e4t und damit f\u00fcr eine Deflationspolitik. Als sich die Krise jedoch weiter verschlimmerte, machte der Bundesrat 1936 eine Kehrtwende und beschloss in Absprache mit der SNB, den Franken um 30% abzuwerten. Die Abwertung schuf die Voraussetzungen f\u00fcr eine relativ rasche konjunkturelle Erholung. Eine fr\u00fchere Abwertung h\u00e4tte es der Schweiz jedoch vermutlich erlaubt, mit geringeren Verlusten durch die Krisenjahre zu kommen.&#13;<br \/>\nVgl. Zurlinden (2003) sowie Bordo und James (2007).&#13;<\/p>\n<h2>Die Phase des Bretton-Woods-Systems<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFeste Wechselkurse standen auch im Zentrum des im Juli 1944 an der Konferenz von Bretton Woods konzipierten Weltw\u00e4hrungssystems. Obwohl die Schweiz an der Konferenz nicht teilnahm und den Bretton-Woods-Institutionen erst in den 1990er-Jahren beitrat, hatte das Bretton-Woods-System bis Anfang der 1970er-Jahre grosse Auswirkungen auf die Schweizer Geldpolitik. Es beruhte auf der Fixierung der Goldparit\u00e4t des Dollars auf 35 US-Dollar pro Unze Gold und der Festlegung der Parit\u00e4ten der \u00fcbrigen W\u00e4hrungen gegen\u00fcber dem US-Dollar. Die Mitgliedsl\u00e4nder waren mit Ausnahme der USA verpflichtet, den Dollarkurs innerhalb einer Bandbreite von 1% um die Parit\u00e4t zu halten. Die USA verpflichteten sich, im Verkehr mit anderen Notenbanken US-Dollar gegen Gold zur fixierten Parit\u00e4t zu tauschen. Die Aufrechterhaltung einer fixen Parit\u00e4t gegen\u00fcber dem US-Dollar bedeutete letztlich eine Anbindung der inl\u00e4ndischen Preise an das amerikanische Preisniveau.&#13;<\/p>\n<h2>\u00dcbergang der USA zu inflation\u00e4rer Geldpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bretton-Woods-System ging bis Anfang der 1960er-Jahre mit einer recht stabilen Preisentwicklung einher (vgl. <i>Grafik 2<\/i>). Schwierigkeiten wurden aber sichtbar, als die USA \u2013 das Ankerw\u00e4hrungsland \u2013 zu einer inflation\u00e4ren Geldpolitik \u00fcbergingen. In der Folge setzte eine latente Dollarschw\u00e4che ein. \u00c4hnlich wie andere Industriel\u00e4nder sah sich die SNB gezwungen, zugunsten des US-Dollars zu intervenieren, was die Frankengeldmenge aufbl\u00e4hte und zu einem Teuerungsanstieg in der Schweiz f\u00fchrte. Viele L\u00e4nder mit wachsenden Dollarreserven tauschten diese bei der amerikanischen Zentralbank in Gold, sodass die Goldreserven der USA mehr und mehr unter Druck gerieten. Im August 1971 suspendierte Pr\u00e4sident Nixon das feste Austauschverh\u00e4ltnis zwischen Gold und US-Dollar. Als die Dollarschw\u00e4che sich weiter versch\u00e4rfte, sahen sich die wichtigsten Industriel\u00e4nder schliesslich zur Freigabe der Wechselkurse ihrer W\u00e4hrungen gegen\u00fcber dem US-Dollar veranlasst. Das erste Land, das zum Floating \u00fcberging, war die Schweiz. Die Nationalbank stellte ihre Dollark\u00e4ufe im Einvernehmen mit dem Bundesrat am 23. Januar 1973 ein. Mit dem Verzicht auf die St\u00fctzung des US-Dollars wollte sie eine weitere Aufbl\u00e4hung der Geldmenge und eine Beschleunigung der Teuerung vermeiden. Diese Massnahme bedeutete den Abschied vom System fester Wechselkurse. Der US-Dollar befindet sich seitdem auf einem fallenden Trend (vgl. <i>Grafik 3<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Die Phase flexibler Wechselkurse<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Geldmengensteuerung 1973\u20131999<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer \u00dcbergang zu flexiblen Wechselkursen 1973 stellte ein einschneidendes Ereignis dar. Er versetzte die SNB erstmals in die Lage, eine autonome, an der Preisstabilit\u00e4t orientierte Geldpolitik zu entwerfen und umzusetzen. Bei der Entwicklung einer entsprechenden geldpolitischen Strategie standen zwei Prinzipien im Vordergrund:&#13;<br \/>\nVgl. Peytrignet (2007, S. 255 f.).\u2013 Erstens sind Inflation und Deflation <i>grunds\u00e4tzlich monet\u00e4re Erscheinungen<\/i>.\u2013 Zweitens sollten Notenbanken mit der Geldpolitik <i>keine Feinsteuerung der Konjunkturentwicklung<\/i> betreiben. Beruhend auf diesen Prinzipien ging die SNB 1975 als eine der ersten Zentralbanken zu einer auf l\u00e4ngerfristige Preisniveaustabilit\u00e4t ausgerichteten <i>Geldmengenpolitik<\/i> \u00fcber. Die j\u00e4hrliche Ank\u00fcndigung von Geldmengenzielen wurde in den 1990er-Jahren durch die Festlegung eines mittelfristigen, \u00fcber f\u00fcnf Jahre hinweg definierten Zwischenzielpfades ersetzt. Den Geldmengenzielen lagen implizit ein Inflationsziel von rund 1% und eine Sch\u00e4tzung des realen Wachstumspotenzials der Wirtschaft von 2% zugrunde. Die SNB nutzte ihre geldpolitische Autonomie, um die Inflation, die im Jahresmittel 1974 rund 10% betrug, in kurzer Zeit zu senken. Die Anstrengungen zur Stabilisierung des Preisniveaus versch\u00e4rften aber die durch den starken Anstieg der Erd\u00f6lpreise ausgel\u00f6ste Rezession. Erschwert wurde die Geldpolitik durch die anhaltende H\u00f6herbewertung des Schweizer Frankens an den Devisenm\u00e4rkten. Als der Franken im Herbst 1978 nicht nur gegen\u00fcber dem US-Dollar, sondern auch gegen\u00fcber der Deutschen Mark weiter zulegte, sah sich die SNB veranlasst, das Geldmengenziel durch ein Wechselkursziel zu ersetzen. Sie intervenierte massiv auf den Devisenm\u00e4rkten, worauf sich die Wechselkurslage relativ rasch beruhigte. Die zu z\u00f6gerliche Beseitigung der \u00dcberschussliquidit\u00e4t \u2013 vermutlich wegen einer Untersch\u00e4tzung des einsetzenden Konjunkturaufschwungs&#13;<br \/>\nVgl. Kugler und Rich (2002). \u2013 und die steigenden Erd\u00f6lpreise f\u00fchrten aber zu einem vor\u00fcbergehenden Anstieg der Inflation, die mit 7,5% im Herbst 1981 ihren H\u00f6hepunkt erreichte. Nach einer erfolgreichen Bek\u00e4mpfung der Teuerung fiel die Geldpolitik in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er-Jahre erneut zu expansiv aus. Zum einen erh\u00f6hte die SNB die Liquidit\u00e4t nach dem B\u00f6rsenkrach vom Oktober 1987. Zum anderen bewirkten die Einf\u00fchrung des Zahlungssystems SIC und von neuen Liquidit\u00e4tsvorschriften f\u00fcr die Banken einen unerwartet starken R\u00fcckgang der Nachfrage nach Notenbankgeld. Indem sich die SNB auf die Geldmenge konzentrierte, schenkte sie wom\u00f6glich dem Wachstum der Kredite und der breiter definierten Geldaggregate in den Jahren 1986 und 1987 zu wenig Aufmerksamkeit. Dies verursachte einen neuerlichen Inflationsschub. Mitte 1991 erreichte die Teuerung eine Spitze von 6,6%. Ende der 1980er-Jahre bildete sich gleichzeitig eine spekulative Blase im Immobiliensektor. Die zur Wiederherstellung der Preisstabilit\u00e4t ergriffenen geldpolitischen Massnahmen trugen zu einer Rezession bei, die durch die geplatzte Immobilienblase zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft wurde.&#13;<\/p>\n<h2>Neue Strategie seit 2000<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEnde 1999 l\u00f6ste die SNB die Geldmengenpolitik durch eine neue geldpolitische Strategie ab. Der Wechsel stellt die wichtigste geldpolitische Weichenstellung seit dem \u00dcbergang zu flexiblen Wechselkursen dar. Die SNB reagierte damit auf anhaltende St\u00f6rungen der Geldnachfrage, welche die Eignung der Geldmengenpolitik zunehmend in Frage stellten. Die neue Strategie, die in ihren Grundz\u00fcgen bis heute G\u00fcltigkeit hat, beruht auf drei Elementen:&#13;<br \/>\nVgl. Jordan, Peytrignet und Rossi (2010).\u2013 einer expliziten Definition der Preisstabilit\u00e4t als langfristigem Anker, die mit einem j\u00e4hrlichen Anstieg des Landesindex der Konsumentenpreise von unter 2% gleichgesetzt wird; \u2013 einer Inflationsprognose als Hauptindikator f\u00fcr die geldpolitischen Entscheidungen;\u2013 einem Zielband f\u00fcr den Franken-Dreimonats-Libor (3M-Libor) als operatives Ziel zur Umsetzung der Geldpolitik. Die Steuerung des Libors erfolgt \u00fcber den Abschluss von Repogesch\u00e4ften mit den Banken.&#13;<br \/>\nSiehe Jordan (2005) f\u00fcr eine Erkl\u00e4rung der Steuerung des Dreimonats-Libors bei der SNB.Die geldpolitische Bilanz der letzten 10 Jahre f\u00e4llt insgesamt positiv aus. Nachdem die Inflation seit 1994 unter 2% gelegen hatte, f\u00fchrte die massive Erh\u00f6hung des Erd\u00f6lpreises von Anfang 2007 bis Mitte 2008 zusammen mit der lockeren Geldpolitik der Vorjahre zwar zu einer \u00dcberschreitung der 2%-Marke im Jahre 2008. Im Jahre 2009 lag die Inflation aufgrund des starken \u00d6lpreisr\u00fcckganges dann aber im negativen Bereich. Anders als in anderen L\u00e4ndern kam es in den letzten 10 Jahren zudem zu keinem Kredit- und Immobilienboom mit anschliessendem Einbruch der Kreditt\u00e4tigkeit. Die Tatsache, dass die SNB mit dem 3M-Libor einen Zinssatz f\u00fcr ungesicherte Kredite als operatives Ziel verfolgt, verhinderte, dass der Anstieg der Risikopr\u00e4mien in der Finanzkrise zu einer unerw\u00fcnschten Versch\u00e4rfung der Geldpolitik f\u00fchrte. Dies half unter anderem mit, die negativen Einfl\u00fcsse der Finanzkrise auf die Realwirtschaft einzud\u00e4mmen. Alles in allem trug die Geldpolitik der Nationalbank im vergangenen Jahrzehnt dazu bei, die Stabilit\u00e4t der schweizerischen Volkswirtschaft zu erh\u00f6hen.&#13;<br \/>\nF\u00fcr eine detaillierte Darstellung und W\u00fcrdigung der Geldpolitik in den letzten 10 Jahren siehe Jordan, Peytrignet und Rossi (2010).&#13;<\/p>\n<h2>Die Geldpolitik der SNB \u2013 eine Beurteilung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPreisstabilit\u00e4t ist eine notwendige Bedingung, damit sich die Wirtschaft gem\u00e4ss ihrem Potenzial entwickeln kann. Nur wenn die Inflationserwartungen gut verankert auf einem tiefen Niveau liegen, ist die Geldpolitik ausserdem in der Lage, auf Konjunkturschwankungen wirksam zu reagieren. Die Schweiz hat in den letzten 100 Jahren grosse Preisschwankungen erlebt, und die Wiederherstellung der Preisstabilit\u00e4t war jeweils mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Gr\u00f6ssere geldpolitische Verwerfungen, wie sie seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche andere L\u00e4nder Europas heimgesucht haben, sind der Schweiz erspart geblieben. Zudem sind die Inflationsschwankungen im Laufe der Zeit immer kleiner geworden.Die Fluktuationen der Inflation m\u00fcssen im Lichte der jeweils herrschenden W\u00e4hrungsordnung interpretiert werden. Die gr\u00f6ssten Ver\u00e4nderungen der Jahresteuerung ergaben sich im Ersten Weltkrieg und in den ersten Nachkriegsjahren, als die R\u00fcckkehr zur alten Goldparit\u00e4t im Zentrum stand. Binnenwirtschaftliche Ziele \u2013 wie eine tiefe und stabile Inflationsrate \u2013 wurden den Anforderungen des Goldstandards untergeordnet. Daf\u00fcr zeichnet sich diese Phase durch ein langfristig relativ stabiles Preisniveau aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg das Preisniveau zwar kontinuierlich an, doch fiel dieser Anstieg weniger kr\u00e4ftig aus als in anderen L\u00e4ndern. Grunds\u00e4tzlich war die schweizerische Geldpolitik auf tiefe Inflationsraten ausgerichtet. Die im Ausland gef\u00fchrten Diskussionen \u00fcber m\u00f6gliche Zielkonflikte in der Konjunkturpolitik fanden in der Schweiz nur einen geringen Widerhall. Erst der \u00dcbergang zu flexiblen Wechselkursen erlaubte es aber der SNB, eine konsequente, auf interne Preisstabilit\u00e4t ausgerichtete Geldpolitik zu f\u00fchren. Diese Geldpolitik konnte den Inflationsanstieg zun\u00e4chst nicht aufhalten. Sowohl Mitte der 1970er-Jahre wie auch zu Beginn der 1980er- und der 1990er-Jahre erreichte die Teuerung vor\u00fcbergehend hohe Werte. Nebst einer zu lockeren Geldpolitik erschwerten in dieser Zeit massive Inflationsschwankungen im Ausland und Wechselkursturbulenzen die Stabilisierung der Inflation auf tiefem Niveau. Mit Hilfe von monet\u00e4ren Zwischenzielen gelang es der SNB ab Mitte der 1970er-Jahre, eine hohe Glaubw\u00fcrdigkeit und Reputation zu erreichen. Das Zinsniveau lag bis Ende der 1990er-Jahre in der Regel um 1,5 bis 2 Prozentpunkte unter dem europ\u00e4ischen Niveau, und die Teuerung bewegte sich um durchschnittlich 2,8%, einem international sehr guten Ergebnis.&#13;<br \/>\nVgl. Peytrignet (2007, S. 272). Seit der Einf\u00fchrung des neuen Konzepts im Jahre 2000 herrscht in der Schweiz Preisstabilit\u00e4t. Die durchschnittliche Jahresteuerung belief sich im vergangenen Jahrzehnt auf knapp 1%.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie fundamentalen Ver\u00e4nderungen der internationalen W\u00e4hrungsordnung f\u00fchrten im Laufe der Jahrzehnte zu einer deutlichen Umstellung des die Nationalbank bindenden Rechtsrahmens, ihrer Instrumente und ihrer geldpolitischen Strategie. Die Einsichten und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Geldpolitik \u00e4nderten sich im Laufe der Zeit stark. In den 1920er-Jahren vertrat die SNB \u2013 wie andere Zentralbanken \u2013 noch die Ansicht, dass der Goldstandard die Voraussetzung f\u00fcr eine funktionierende Weltwirtschaft und ein stabiles Preisniveau bilde. Heute besteht jedoch ein breiter internationaler Konsens dar\u00fcber, dass auch in einem Papiergeldsystem mit flexiblen Wechselkursen stabile Preise m\u00f6glich sind. Voraussetzung ist eine unabh\u00e4ngige Zentralbank mit einem klaren Mandat zur Gew\u00e4hrleistung der Preisstabilit\u00e4t.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abInflationsrate der Schweiz, 1914\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abPreisniveau der Schweiz, 1914\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abWechselkurs Franken\/US-Dollar, 1946\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur\u2013 Baltensperger, Ernst (2009): W\u00e4hrungsgeschichte der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert. Vorlesungsunterlagen.\u2013 Bordo, Michael, und Harold James (2007): Die Nationalbank 1907-1946: Gl\u00fcckliche Kindheit oder schwierige Jugend? In: Die Schweizerische Nationalbank 1907\u20132007, 29\u2013118. Verlag Neue Z\u00fcrcher Zeitung.\u2013 Jordan, Thomas J. (2005): Umsetzung der Geldpolitik in der Schweiz. In: Die Volkswirtschaft, 4\/2005. S. 4\u20138.\u2013 Jordan, Thomas J., Michel Peytrignet und Enzo Rossi (2010): Ten Years\u2019 Experience with the Swiss National Bank\u2019s Monetary Policy Strategy. In: Swiss Journal of Economics and Statistics, forthcoming.\u2013 Kugler, Peter, und Georg Rich (2002): Monetary Policy Under Low Interest Rates: The Experience of Switzerland in the late 1970\u2019s. In: Swiss Journal of Economics and Statistics 138(3), S. 241\u2013269.\u2013 Peytrignet, Michel (2007): Die Geldmenge als monet\u00e4res Zwischenziel. In: Die Schweizerische Nationalbank 1907\u20132007, S. 254\u2013273. Verlag Neue Z\u00fcrcher Zeitung.\u2013 Zurlinden, Mathias (2003): Goldstandard, Deflation und Depression: Die schweizerische Volkswirtschaft in der Weltwirtschaftskrise. In: Schweizerische Nationalbank Quartalsheft 2\/2003, S. 86\u2013116.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Artikel werden die Grundz\u00fcge der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Inflationsentwicklung seit ihrer Gr\u00fcndung 1907 dargestellt. Vereinfachend lassen sich drei geldpolitische Phasen unterscheiden, die der jeweils vorherrschenden internationalen W\u00e4hrungsordnung entsprechen. In der ersten Phase bestimmte der Goldstandard die Geldpolitik. Nach dem Zweiten Weltkrieg l\u00f6ste das Bretton-Woods-System den Goldstandard ab. 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