{"id":121855,"date":"2009-12-01T12:00:00","date_gmt":"2009-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/12\/beuret-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:35:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:35:53","slug":"beuret","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/12\/beuret\/","title":{"rendered":"Die Klimaszenarien des Weltklimarates und der IEA"},"content":{"rendered":"<p>Nach Ansicht des Zwischenstaatlichen Ausschusses f\u00fcr Klima\u00e4nderungen (Weltklimarat, IPCC) ist die Erderw\u00e4rmung eindeutig und ist vorwiegend auf den Ausstoss von Treibhausgasen (THG) der Menschheit zur\u00fcckzuf\u00fchren. Sie erfordert bis 2020-2030 einschneidende Massnahmen, um die Emissionen zu stabilisieren und anschliessend zu senken. Andernfalls drohe \u00abdie Anpassungsf\u00e4higkeit von nat\u00fcrlichen, bewirtschafteten und menschlichen Systemen\u00bb zu versagen. Die Internationale Energieagentur (IEA) h\u00e4lt die derzeitige Entwicklung ebenfalls f\u00fcr nicht nachhaltig und schl\u00e4gt deshalb Szenarien zur Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration vor. F\u00fcr die IEA ist es entscheidend, dass die Klimaverhandlungen zu sofortigen, entschlossenen und koordinierten Massnahmen gegen die globale Erw\u00e4rmung f\u00fchren.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200912_10_Beuret_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Hintergrund<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVom 7. bis 18. Dezember 2009 kommen in Kopenhagen die Vertreter der 192 Unterzeichnerstaaten des Protokolls von Kyoto zur 15. Tagung der Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention zusammen. Das Kyoto-Protokoll l\u00e4uft im Jahr 2012 aus, und es geht darum, neue Ziele f\u00fcr die Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2020 und 2050 festzulegen. Die meisten L\u00e4nder m\u00f6chten den durchschnittlichen Anstieg der Erdoberfl\u00e4chentemperatur auf 2\u00b0 C gegen\u00fcber dem Stand vor der Industrialisierung begrenzen. Allerdings erlauben nur die ehrgeizigsten Stabilisierungsszenarien des IPCC, dieses Ziel zu erreichen. Die Szenarien erfordern sofortiges Handeln; denn je l\u00e4nger die Massnahmen zur Reduzierung des Treibhausgasausstosses aufgeschoben werden, umso teurer und technisch aufwendiger werden sie sein. In Kopenhagen wird es darum gehen, m\u00f6glichst viele L\u00e4nder zum Handeln zu bewegen &#8211; jedes nach seinen M\u00f6glichkeiten und unabh\u00e4ngig von seiner Gr\u00f6sse. Auf dem Spiel steht nicht nur der Klimaerhalt, sondern auch die drohende Ersch\u00f6pfung der fossilen Brennstoffe sowie die Versorgungssicherheit der Energie importierenden L\u00e4nder.&#13;<\/p>\n<h2>Ziele des Weltklimarates<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer 1988 unter dem Dach der UNO eingerichtete IPCC hat die Aufgabe, die vorhandenen wissenschaftlichen, technischen und sozio\u00f6konomischen Informationen \u00fcber die anthropogenen Klima\u00e4nderungen zu begutachten, die dadurch entstehenden Risiken und Folgen abzusch\u00e4tzen und die M\u00f6glichkeiten zu beurteilen, diese abzumildern oder entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Jeder IPCC-Bericht fasst den zum Zeitpunkt seiner Ver\u00f6ffentlichung vorhandenen weltweiten Kenntnisstand der Wissenschaft \u00fcber Klimafragen zusammen. Bisher hat das IPCC vier solche Sachstandsberichte ver\u00f6ffentlicht, den dritten im Jahr 2001 (Third Assessment Report, TAR) und den vierten 2007 (AR4 Assessment Report AR4 des IPCC (Englisch): <a href=\"http:\/\/www.ipcc.ch\/pdf\/assessment-report\/RE4\/syr\/RE4_syr.pdf\">www.ipcc.ch\/pdf\/assessment-report\/RE4\/syr\/RE4_syr.pdf<\/a>. Eine deutsche Fassung ist zu finden unter: <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/pub\/IPCC2007.pdf\">www.bmbf.de\/pub\/IPCC2007.pdf<\/a> .). Jeder Bericht diente als Grundlage f\u00fcr die weiteren Verhandlungen im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention. Der n\u00e4chste Bericht (AR5) ist f\u00fcr 2014 angek\u00fcndigt.&#13;<\/p>\n<h2>IPCC-Referenzbzw. Reduktions-\/Stabilisierungsszenarien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie k\u00fcnftigen Treibhausgasemissionen h\u00e4ngen von einer Vielzahl von Faktoren ab, die untereinander wiederum in hoch komplexen Wechselwirkungen stehen. Fachleute entwickeln daher Szenarien, anhand deren sie verschiedene m\u00f6gliche \u00abZukunftsbilder\u00bb beschreiben und analysieren, die Auswirkungen der einzelnen Faktoren auf die klimasch\u00e4dlichen Emissionen bewerten und die M\u00f6glichkeiten der Emissionsminderung oder der Anpassung untersuchen k\u00f6nnen. 1992 entwarf das IPCC die ersten globalen Szenarien mit Emissionsprojektionen f\u00fcr alle THG (IS92). Eine weitere Szenarienreihe folgte 1996 (SRES IPCC-Sonderbericht \u00fcber die Emissionsszenarien (Englisch): <a href=\"http:\/\/www.ipcc.ch\/pdf\/special-reports\/spm\/sres-en.pdf\">www.ipcc.ch\/pdf\/special-reports\/spm\/sres-en.pdf<\/a> .). Diese Szenarien enthalten weder Vorhersagen noch Hochrechnungen, sondern beschreiben so plausibel wie m\u00f6glich, wie sich das Klima im 21. Jahrhundert unter genau definierten Annahmen (demografische Entwicklung, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen, technologischer Fortschritt) entwickeln k\u00f6nnte. Dabei schliessen sie keine zus\u00e4tzlichen klimapolitischen Massnahmen ein, die \u00fcber die aktuellen hinausgehen &#8211; daher die Bezeichnung Emissionsbzw. Referenzszenarien.\u00a0Da bestimmte Folgen des Klimawandels als unabwendbar zu betrachten sind, sch\u00e4tzt das IPCC, dass \u00ablangfristig wahrscheinlich die Anpassungsf\u00e4higkeit von nat\u00fcrlichen, bewirtschafteten und menschlichen Systemen \u00fcberfordert sein wird\u00bb, wenn nichts unternommen wird, um die Erw\u00e4rmung zu bremsen. Dies umso mehr, wenn von einer hohen Treibhausgassensitivit\u00e4t des Klimas ausgegangen wird (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDie meisten Techniken des Geo-Engineering stecken noch in den Kinderschuhen. W\u00e4hrend manche durchaus schon als wirtschaftlich gelten, sind doch alle mit Ungewissheiten und erheblichen Gefahren behaftet. Als die zwei wichtigsten Techniken gelten die Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re (Carbon Dioxide Removal, CDR) und die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung durch Solar Radiation Management (SRM). CDR ist weniger risikobehaftet; doch die Techniken zur CO2-Abtrennung befinden sich im Fr\u00fchstadium und sind teuer; die langfristige Lagerung der THG ist umstritten. Eine SRM-Technik sieht die massive Verspr\u00fchung von Schwefelpartikeln in die Stratosph\u00e4re vor, um den gleichen Effekt wie bei einem grossen Vulkanausbruch, \u00e4hnlich demjenigen des Pinatubo 1991, zu erzielen. Dieser f\u00fchrte damals allerdings nicht nur zu einer allgemeinen Abk\u00fchlung von ca. 0,6\u00b0 C \u00fcber 2 bis 3 Jahre, sondern auch zu einer bedenklichen Zerst\u00f6rung der Ozonschicht und zur Entstehung von saurem Regen.). Auch im Falle einer Senkung der Treibhausgaskonzentration wird indes die Tr\u00e4gheit der klimatischen und sozio\u00f6konomischen Systeme dazu f\u00fchren, dass die globale Erw\u00e4rmung der Erdoberfl\u00e4che und das Ansteigen der Meeresspiegel durch thermische Ausdehnung \u00fcber Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg weitergehen w\u00fcrden.\u00a0Zur Bek\u00e4mpfung der Erderw\u00e4rmung erstellt das IPCC Minderungsszenarien f\u00fcr die Emissionen von THG. Die Rede ist auch von Stabilisierungsoder Konzentrationsszenarien, da sie Emissionsziele festlegen. Diese werden f\u00fcr einen Zeithorizont (z.B. 2100) und bestimmte Konzentrationen an CO2 oder THG in Parts per million (ppm) ausgedr\u00fcckt. Anhand mathematischer Modelle wird f\u00fcr jedes Jahr bis zum Zieljahr die Emissionsmenge errechnet, die die Erreichung des Zieles erlaubt. Die Ergebnisse werden in Emissionskurven aufgezeichnet.\u00a0Zwischen dem dritten (TAR 2001) und dem vierten Sachstandsbericht (AR4 2007) wurden die Rechenmodelle f\u00fcr die Treibhausgasemissionen deutlich verfeinert, sodass es m\u00f6glich wurde, das Minderungspotenzial nicht nur f\u00fcr die CO2-Emissionen, sondern auch f\u00fcr den Ausstoss aller wichtigen THG genauer abzusch\u00e4tzen. So lag im TAR der niedrigste Zielwert f\u00fcr die CO2-Konzentration am Ende des 21. Jahrhunderts noch bei 450 ppm, w\u00e4hrend der AR4 mit zwei neuen Szenariengruppen (I und II) aufwartet, die jeweils Stabilisierungsziele von 380 bzw. 420 ppm f\u00fcr CO2, und 450 bzw. 500 ppm f\u00fcr alle THG ausweisen. Der zeitliche Emissionsverlauf f\u00fcr diese Szenariengruppen ist in Grafik 1 (links) dargestellt. Die Szenarien der Gruppe III entsprechen dem niedrigsten Ziel des TAR (Stabilisierung der CO2-Konzentration bei 450 ppm und der gesamten THG bei 550 ppm CO2-\u00c4quivalent). Die Grafik 1 (rechts) zeigt, dass einzig die Stabilisierungsszenarien der Gruppe I eine Begrenzung des mittleren Temperaturanstiegs der Erdoberfl\u00e4che um +2\u00b0 C erlauben. Bei den Szenarien der Gruppen III bis VI w\u00fcrde die Erw\u00e4rmung bei der wahrscheinlichsten Klimasensitivit\u00e4t zwischen rund +3 und +6\u00b0 C betragen (dunkelblaue Linie). Um die CO2-Konzentration im Jahr 2100 bei ca. 380 ppm und diejenige der gesamten THG bei 450 ppm zu stabilisieren (was den heutigen Werten entspr\u00e4che), wie es die Szenarien der Gruppe I vorsehen, m\u00fcsste der weltweite CO2-Ausstoss sp\u00e4testens 2015 seinen H\u00f6hepunkt erreichen, um dann bis 2050 um 50% bis 80% gegen\u00fcber 2000 zur\u00fcckzugehen.&#13;<\/p>\n<h2>Skeptische Stimmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZwar stellt sich die grosse Mehrheit der Wissenschaftler hinter die Thesen des Weltklimarates. Doch sind auch skeptische Stimmen zu h\u00f6ren, namentlich aus dem Nongovernmental International Panel on Climate Change und vom Oregon Institute of Science and Medicine. Diese widersprechen den Positionen des IPCC und zweifeln auch an der Dringlichkeit von Gegenmassnahmen. Andere Kritiker stellen nicht die Erderw\u00e4rmung und deren anthropogene Ursache in Frage, sondern das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis der vom IPCC vorgeschlagenen Mittel zu ihrer Eind\u00e4mmung. So schl\u00e4gt der Kopenhagener Konsens vor, die Folgen der Klimaerw\u00e4rmung mit Mitteln der Geotechnik zu bek\u00e4mpfen (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2<\/b>&#13;<br \/>\nDie Klimaentwicklung ist das Ergebnis der Schwankungen der einzelnen Faktoren, die die globale mittlere Erdoberfl\u00e4chentemperatur beeinflussen. Bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re (und nachfolgender Stabilisierung) steigt die mittlere Erdoberfl\u00e4chentemperatur an und pendelt sich einige Grade \u00fcber dem vorherigen Wert ein. Das IPCC definiert diese Erw\u00e4rmung als Gleichgewichtsklimasensitivit\u00e4t. Diese liegt zwischen 2\u00b0 C und 4,5\u00b0C (siehe Grafik 1, rechts), unter Ber\u00fccksichtigung der R\u00fcckkopplungsmechanismen zwischen den Klimafaktoren. Als wahrscheinlichster Wert gilt 3\u00b0 C. F\u00fcr sehr unwahrscheinlich h\u00e4lt das IPCC eine Klimasensitivit\u00e4t von weniger als 1,5\u00b0 C (immer bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration).), eine Option, die im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen in Kopenhagen eine Alternative bieten k\u00f6nnte. Allerdings ist sie mit massiven Ungewissheiten und Risiken belastet, wie die Royal Society in einer Anfang September in London vorgestellten Studie betont. Bisher hatten die internationalen Klimaabkommen (Rio 1992 und Kyoto 1997) kaum Auswirkungen auf den Ausstoss von THG, vielmehr hat dieser seit der Jahrtausendwende stark zugenommen. Einige Experten sind deshalb der Meinung, internationale \u00dcbereinkommen zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung im Bereich der fossilen Energien w\u00fcrden bessere Ergebnisse erzielen.&#13;<\/p>\n<h2>Die Klimaszenarien der IEA<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie das IPCC sieht auch die Internationale Energieagentur in der Klimaerw\u00e4rmung eine ernsthafte Gefahr f\u00fcr die Menschheit. Gem\u00e4ss IEA sind die derzeitigen Trends bei Energieangebot und -nachfrage nicht nachhaltig und deshalb dringende und global abgestimmte Massnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen, die zu 64% vom Energiesektor verursacht werden (CO2 61%; Methan 3%) notwendig. In ihrem World Energy Outlook 2008 World Energy Outlook 2008: <a href=\"http:\/\/www.worldenergyoutlook.org\/2008.asp\">www.worldenergyoutlook.org\/2008.asp<\/a> . entwirft die IEA zwei Klimaszenarien f\u00fcr die Zeit nach 2012, mit einem Stabilisierungsziel f\u00fcr die Treibhausgaskonzentration von jeweils 450 bzw. 550 ppm CO2-\u00c4quivalent. Diese Szenarien sind mit denjenigen der Gruppen I und III des vierten IPCC-Sachstandsberichts kompatibel. \u00a0In einem Referenzszenario stellt die IEA zun\u00e4chst fest, dass ohne zus\u00e4tzliche klimapolitische Massnahmen der weltweite Energiebedarf bis 2030 um 45% steigt, wobei 81% dieses Anstiegs auf fossile Energietr\u00e4ger entfallen &#8211; eine Vorstellung, die von einigen Kritikern aufgrund der Begrenztheit der fossilen Vorr\u00e4te als unrealistisch beurteilt wird. Global w\u00fcrden die energiebedingten CO2-Emissionen ebenfalls um 45% anwachsen.\u00a0Im 550-ppm-Szenario wird die Zunahme des weltweiten Energieverbrauchs bis 2030 auf +32% begrenzt (d.h. 9% weniger als im Referenzszenario), im 450-ppm-Szenario auf +22% (16% weniger). W\u00e4hrend im ersten Szenario der Verbrauch fossiler Energien immer noch um 23% zunimmt, wird er im zweiten stabilisiert. Trotzdem decken im 450-ppm-Szenario die fossilen Energietr\u00e4ger im Jahr 2030 immer noch 67% des Weltenergieverbrauchs ab (gegen\u00fcber derzeit 80%).&#13;<\/p>\n<h3>Notwendige Voraussetzungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBeide Szenarien setzen f\u00fcr die kommenden Jahrzehnte eine weltweite energietechnologische Revolution voraus, welche die gesamte Energiekette von der Produktion bis zum Endverbrauch erfasst: weltweiter Ausbau der erneuerbaren Energien, Ausbau der Kernkraft, beschleunigte Umsetzung der CO2-Abtrennung und -Speicherung und Energieeffizienz. Letztere ist mit einem Anteil von ca. 55% an der Minderung des CO2-Ausstosses gegen\u00fcber dem Referenzszenario viel bedeutender als die neuen erneuerbaren Energien und Biokraftstoffe mit 23%. \u00a0Diese Szenarien setzen ein Mitmachen der L\u00e4nder ausserhalb der OECD voraus. Wenn die OECD-L\u00e4nder die Stabilisierungsziele alleine zu erreichen h\u00e4tten, m\u00fcssten sie ihre energiebedingten CO2-Emissionen bis 2020 um 27% gegen\u00fcber dem Referenzszenario senken. Im 550-ppm-Szenario m\u00fcsste diese Minderung bis 2030 58% erreichen; im strengeren 450-ppm-Szenario w\u00e4re das Ziel auch mit einer Reduzierung des Ausstosses auf Null nicht erreichbar. Umso wichtiger sind die Beschleunigung des Technologietransfers und substanzieller Finanzhilfen, um die L\u00e4nder ausserhalb der OECD dazu zu bewegen, sich ebenfalls zu einer Reduzierung der Emissionen zu verpflichten. Hier liegt denn auch die gr\u00f6sste H\u00fcrde, die es bei den Klimaverhandlungen zu nehmen gilt. Wie werden die k\u00fcnftigen Emissionsrechte m\u00f6glichst gerecht und unter Ber\u00fccksichtigung des industriellen Nachholbedarfs der Entwicklungsl\u00e4nder auf die einzelnen Staaten verteilt? Wie sind die Emissionen der Vergangenheit einzuberechnen (historische Verantwortung)? Soll die Finanzierung vorrangig von den Verantwortlichen (Verursacherprinzip) oder von den Zahlungskr\u00e4ftigsten getragen werden? Mit Sicherheit sind es die Industriel\u00e4nder, die die tiefgreifendsten Massnahmen ergreifen m\u00fcssen. Sie haben die Mittel dazu und sind weitgehend verantwortlich f\u00fcr die heutige Erderw\u00e4rmung. Vor allem aber wird ihr Pro-Kopf-Ausstoss noch viele Jahre \u00fcber demjenigen der Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder liegen (siehe Grafik 2).&#13;<\/p>\n<h3>Kosten-Nutzen-Analyse<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas 550-ppm-Szenario erfordert Zusatzinvestitionen in einer Gr\u00f6ssenordnung von 4100 Mrd. US-Dollar \u00fcber den Zeitraum 2010 bis 2030. Das entspricht 0,25% des globalen Bruttosozialprodukts (BSP) oder 17 US-Dollar pro Welteinwohner pro Jahr. Im Gegenzug w\u00fcrden Energiesparmassnahmen und sinkende Preise f\u00fcr fossile Energien die Kosten weltweit bis 2030 um mehr als 7000 Mrd. US-Dollar senken. Das 450-ppm-Szenario geht mit 9300 Mrd. US-Dollar Zusatzinvestitionen (0,55% des BSP oder fast 40 US-Dollar pro Einwohner) und 5&gt;800 Mrd. US-Dollar Einsparungen auf der Gesamtenergierechnung noch weiter. Beide Szenarien erh\u00f6hen ausserdem die Versorgungssicherheit der Verbraucherl\u00e4nder, vermindern die Anf\u00e4lligkeit ihrer Volkswirtschaften f\u00fcr Preisschwankungen und reduzieren die Umweltverschmutzung.&#13;<\/p>\n<h3>Absch\u00e4tzung der Umsetzungsm\u00f6glichkeiten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEine massive Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen ist f\u00fcr die IEA nur auf der Grundlage einer strukturierten Vereinbarung denkbar, die die Annahme und Umsetzung wirksamer Mechanismen und Massnahmen international regelt. Beide Szenarien (Stabilisierung bei 450 bzw. 550 ppm) verlangen sowohl nationale energiepolitische Massnahmen (Geb\u00e4ude etc.) und internationale sektorielle Vereinbarungen (Verkehr, Industrie, Stromerzeugung) als auch eine Globalisierung des Emissionshandels. Das 450-ppm-Szenario w\u00fcrde dar\u00fcber hinaus in allen L\u00e4ndern ein extrem dezidiertes Vorgehen der \u00f6ffentlichen Hand, revolution\u00e4re Durchbr\u00fcche in der Technologie und eine konsequente Abtrennung und Speicherung des CO2 erfordern. Seine Realisierbarkeit ist angesichts der notwendigen Anstrengungen deshalb ungewiss. Im AR4 kommt das IPCC zum Schluss, dass \u00abdie Bandbreite der bewerteten Stabilisierungsniveaus [&#8230;] durch die Anwendung eines Portfolios an heute verf\u00fcgbaren Technologien und solchen, die wahrscheinlich in den n\u00e4chsten Jahrzehnten auf den Markt kommen, erreicht werden\u00bb kann. Eine Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration bei 450 ppm setzt allerdings voraus, dass der Klimaschutz zur globalen Priorit\u00e4t erhoben wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abCO2-Emissionen und Gleichgewichtstemperaturanstiege f\u00fcr eine Bandbreite an Stabilisierungsszenarien\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abCO2-Emissionen nach Weltregionen: Total (links) und pro Kopf (rechts)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Geo-Engineering gegen Klimaerw\u00e4rmung<\/b>&#13;<br \/>\nDie meisten Techniken des Geo-Engineering stecken noch in den Kinderschuhen. W\u00e4hrend manche durchaus schon als wirtschaftlich gelten, sind doch alle mit Ungewissheiten und erheblichen Gefahren behaftet. Als die zwei wichtigsten Techniken gelten die Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re (Carbon Dioxide Removal, CDR) und die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung durch Solar Radiation Management (SRM). CDR ist weniger risikobehaftet; doch die Techniken zur CO2-Abtrennung befinden sich im Fr\u00fchstadium und sind teuer; die langfristige Lagerung der THG ist umstritten. Eine SRM-Technik sieht die massive Verspr\u00fchung von Schwefelpartikeln in die Stratosph\u00e4re vor, um den gleichen Effekt wie bei einem grossen Vulkanausbruch, \u00e4hnlich demjenigen des Pinatubo 1991, zu erzielen. Dieser f\u00fchrte damals allerdings nicht nur zu einer allgemeinen Abk\u00fchlung von ca. 0,6\u00b0 C \u00fcber 2 bis 3 Jahre, sondern auch zu einer bedenklichen Zerst\u00f6rung der Ozonschicht und zur Entstehung von saurem Regen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Klimasensitivit\u00e4t<\/b>&#13;<br \/>\nDie Klimaentwicklung ist das Ergebnis der Schwankungen der einzelnen Faktoren, die die globale mittlere Erdoberfl\u00e4chentemperatur beeinflussen. Bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re (und nachfolgender Stabilisierung) steigt die mittlere Erdoberfl\u00e4chentemperatur an und pendelt sich einige Grade \u00fcber dem vorherigen Wert ein. Das IPCC definiert diese Erw\u00e4rmung als Gleichgewichtsklimasensitivit\u00e4t. Diese liegt zwischen 2\u00b0 C und 4,5\u00b0C (siehe Grafik 1, rechts), unter Ber\u00fccksichtigung der R\u00fcckkopplungsmechanismen zwischen den Klimafaktoren. Als wahrscheinlichster Wert gilt 3\u00b0 C. F\u00fcr sehr unwahrscheinlich h\u00e4lt das IPCC eine Klimasensitivit\u00e4t von weniger als 1,5\u00b0 C (immer bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 3: World Energy Outlook 2009<\/b>&#13;<br \/>\nAm 10. November ver\u00f6ffentlichte die IEA ihren neuen World Energy Outlook.a Darin wurde das Referenzszenario um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise aktualisiert. Diese f\u00fchrt dazu, dass die zur Erreichung der Ziele des 450-ppm-Szenarios notwendigen Anstrengungen im Hinblick auf den Verbrauch fossiler Energien und auf die CO2-Emissionen rund 5% tiefer liegen als 2008 prognostiziert. Auch die Nettokosten d\u00fcrften niedriger ausfallen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Ansicht des Zwischenstaatlichen Ausschusses f\u00fcr Klima\u00e4nderungen (Weltklimarat, IPCC) ist die Erderw\u00e4rmung eindeutig und ist vorwiegend auf den Ausstoss von Treibhausgasen (THG) der Menschheit zur\u00fcckzuf\u00fchren. Sie erfordert bis 2020-2030 einschneidende Massnahmen, um die Emissionen zu stabilisieren und anschliessend zu senken. Andernfalls drohe \u00abdie Anpassungsf\u00e4higkeit von nat\u00fcrlichen, bewirtschafteten und menschlichen Systemen\u00bb zu versagen. 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