{"id":121880,"date":"2009-12-01T12:00:00","date_gmt":"2009-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/12\/denzler-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:11","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:11","slug":"denzler-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/12\/denzler-3\/","title":{"rendered":"Klimaschutz als Aufgabe der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit"},"content":{"rendered":"<p>Das rasante globale Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte hat &#8211; vor allem wegen des Verbrauchs fossiler Energietr\u00e4ger und der Brandrodung der Tropenw\u00e4lder &#8211; zu einem Anstieg der klimasch\u00e4dlichen Emissionen gef\u00fchrt. Die Folgen des Klimawandels gef\u00e4hrden die Erfolge der letzten Jahrzehnte im Kampf gegen die Armut: Die Entwicklungsl\u00e4nder sind gegen\u00fcber Wetterextremen (D\u00fcrren, Tropenst\u00fcrmen und \u00dcberschwemmungen), der Ausbreitung von Tropenkrankheiten sowie dem Anstieg des Meeresspiegels ungleich st\u00e4rker exponiert. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) verst\u00e4rkt den Klimaschutz in Entwicklungsl\u00e4ndern und betreibt dabei vor allem Ursachenbek\u00e4mpfung.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200912_08_Denzler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"273\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIndustriel\u00e4nder sind historisch gesehen die gr\u00f6ssten Verursacher des Klimawandels. Doch Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern kommt eine zunehmende Bedeutung bei der Bek\u00e4mpfung des Klimawandels zu. China und die USA sind heute mit Abstand die bedeutendsten Emittenten von klimasch\u00e4dlichen Treibhausgasen; aber auch einzelne EU-L\u00e4nder, Japan sowie grosse Schwellenl\u00e4nder wie Russland, Mexiko, Korea, Indonesien oder S\u00fcdafrika fallen ins Gewicht. S\u00fcdafrika etwa verantwortet rund 10-mal so viele CO2-Emissionen wie die Schweiz &#8211; mit einem um 33% niedrigeren BIP. \u00a0Es liegt somit auf der Hand, dass die Schweiz vor allem mittels zielgerichteter internationaler Aktionen zur L\u00f6sung des Klimaproblems beitragen kann, sei es durch eine konstruktive Rolle in den Verhandlungen der UN-Klimakonvention, durch den kommerziellen Export klimafreundlicher Technologien, die Strukturierung klimafreundlicher Anlageprodukte oder durch Klimaschutzprogramme im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Im letztgenannten Feld hat die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit des Seco, welche den Einbezug der Partnerl\u00e4nder in die Weltwirtschaft und ihr nachhaltiges Wirtschaftswachstum zum Ziel hat, innovative Ans\u00e4tze entwickelt.&#13;<\/p>\n<h2>Priorit\u00e4t des Seco ist die Ursachenbek\u00e4mpfung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Rolle des Seco besteht darin, zusammen mit den Partnerl\u00e4ndern geeignete Massnahmen zu identifizieren und umzusetzen, welche sowohl wirtschaftlich Sinn machen als auch dem Klimaschutz dienen. Der Fokus liegt haupts\u00e4chlich auf der Reduktion der Treibhausgasemissionen (Mitigation), also der Ursachenbek\u00e4mpfung. Neben den bilateralen Entwicklungsprogrammen unterst\u00fctzt das Seco die Anwendung ehrgeiziger Klimastrategien in internationalen Institutionen &#8211; wie der Weltbank &#8211; und nimmt an den internationalen Klimaverhandlungen der UNO teil. Das Engagement des Seco basiert u.a. auf der im Dezember 2008 vom Parlament verabschiedeten Botschaft \u00fcber die Finanzierung der wirtschafts- und handelspolitischen Massnahmen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit (siebter Rahmenkredit 2008-2012) sowie auf der vom Bundesrat ebenfalls im vergangenen Jahr beschlossenen Energieaussenpolitik, welche beide dem Klimaschutz erh\u00f6hte Priorit\u00e4t einr\u00e4umen.\u00a0Die zentrale entwicklungspolitische Herausforderung besteht darin, das f\u00fcr den Fortschritt notwendige substanzielle Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsl\u00e4ndern zu erreichen und gleichzeitig dem Klima und der Ressourcenbasis Sorge zu tragen. Hierzu ist ein klimapolitischer Richtungswechsel sowohl in den Industriewie auch in den Entwicklungsl\u00e4ndern erforderlich. Die Klimakonvention spricht in diesem Zusammenhang von einer gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung (common but differentiated responsibility). Von den Industriel\u00e4ndern werden konsequente Massnahmen zur starken Absenkung ihres Emissionspfades &#8211; optimalerweise sogar zur Erreichung der Klimaneutralit\u00e4t &#8211; bis Mitte des Jahrhunderts verlangt sowie zus\u00e4tzlicher finanzieller und technischer Support: Technologietransfer zugunsten der Entwicklungsl\u00e4nder. Moderne, effizientere Technologien sollen den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern von Beginn weg einen CO2-\u00e4rmeren Entwicklungspfad erlauben. \u00a0Das Seco konzentriert sich dabei gem\u00e4ss seiner Klimastrategie Vgl. SECO, 2009: Klimawandel und wirtschaftliche Entwicklung. Ein Engagement des SECO. auf seine Kernkompetenzen: Technologietransfer, Investitionen in Infrastruktur sowie marktnahe Massnahmen zur nachhaltigen Nutzung der Ressourcen und zur Mobilisierung des Privatsektors etwa mittels F\u00f6rderung des Emissionshandels. Um eine weniger CO2-intensive Entwicklung zu erreichen, unterst\u00fctzt das Seco in den Partnerl\u00e4ndern (i) die Erh\u00f6hung der Energieeffizienz (ii) die Verlagerung des Verbrauchs auf nachhaltige Energiequellen und (iii) die Bem\u00fchungen, den Tropenwald und die Biodiversit\u00e4t \u00f6konomisch in Wert zu setzen und sie damit besser zu sch\u00fctzen.\u00a0Bei seinen Klimaaktivit\u00e4ten arbeitet das Seco eng zusammen mit internationalen Partnern, namentlich den multilateralen Entwicklungsbanken und internationalen Organisationen wie der Organisation der Vereinten Nationen f\u00fcr die Industrieentwicklung (Unido), der UN-Konferenz \u00fcber Handel und Entwicklung (Unctad) und der Internationalen Tropenholzorganisation (Itto).&#13;<\/p>\n<h2>Energieeffizienz &#8211; die g\u00fcnstigste L\u00f6sung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Energiesektor ist die wichtigste Emissionsquelle f\u00fcr Treibhausgase. Der sparsame Umgang mit Energie spielt deshalb im Kampf gegen den Klimawandel eine Schl\u00fcsselrolle. Dies umso mehr, als gerade in vielen Schwellenl\u00e4ndern &#8211; so beispielsweise in den Seco -Schwerpunktl\u00e4ndern Kolumbien, S\u00fcdafrika und Indonesien &#8211; die Energieversorgung stark auf die g\u00fcnstige lokale Kohle ausgerichtet ist, deren Vorr\u00e4te ausserdem l\u00e4nger ausreichen als diejenigen an Erd\u00f6l. Auch in Entwicklungsl\u00e4ndern gilt aber die Binsenwahrheit: Die g\u00fcnstigste Kilowattstunde ist eine eingesparte. Die angestrebte Verbesserung der Energieeffizienz beinhaltet eine Optimierung sowohl der Produktion wie der Nutzung von Energie. Das Seco tr\u00e4gt mit finanziellen Anreizen, Verbesserung von Rahmenbedingungen und professionellen Beratungsleistungen zur Erh\u00f6hung der Energieeffizienz bei. Dabei wird auf die gezielte Nutzung von privatem &#8211; nicht zuletzt Schweizer &#8211; Know-how und Kapital gesetzt: In der Stromerzeugung und -\u00fcbertragung, der effizienten Steuerung industrieller Anlagen und in der Geb\u00e4udetechnik bietet sich ein breites Feld f\u00fcr Schweizer Spitzentechnologie. \u00a0Symptomatisch f\u00fcr viele Entwicklungsl\u00e4nder sind h\u00e4ufige Stromunterbr\u00fcche aufgrund technischer Pannen sowie Netz\u00fcberlastung bei starker Verbrauchszunahme. Die Black-outs bringen betr\u00e4chtliche \u00f6konomische Verluste mit sich und zwingen die Kunden, auf teure (und CO2-intensive) Notstromaggregate umzusteigen. In verschiedenen L\u00e4ndern vor allem S\u00fcdosteuropas hat das Seco deshalb &#8211; in Koordination mit weiteren Gebern wie Weltbank und Europ\u00e4ischer Entwicklungsbank &#8211; die Stromversorgungssysteme mittels Investitionen in die nationalen Lastverteilzentren, \u00dcbertragungsleitungen und Transformatorenstationen modernisiert. Dadurch wurden nebst der Stabilisierung der nationalen Netze und der Reduktion von \u00dcbertragungsverlusten auch die Kapazit\u00e4ten des grenz\u00fcberschreitenden Stromhandels und die wirtschaftliche Integration in diesem Sektor ausgebaut. Grosser Handlungsbedarf bestand nach dem Fall der Mauer auch in den desolaten Fernw\u00e4rmesystemen Osteuropas: Gasoder \u00f6lbetriebene Anlagen mit niedrigem Wirkungsgrad, schlecht isolierte Rohrleitungen und die Regulierung der Raumtemperatur mittels \u00d6ffnen der Fenster waren symptomatisch. Das Seco hat in einem Pilotprojekt in zwei rum\u00e4nischen Kleinst\u00e4dten je eine Quartierfernheizung saniert: Moderne W\u00e4rmekraftkoppelungsanlagen produzieren Strom f\u00fcr das Netz und nutzen die Abw\u00e4rme f\u00fcr Heizung und Warmwasser. Dadurch resultiert eine Einsparung von 130&nbsp;000 Tonnen CO2 in zehn Jahren.\u00a0Das vom Seco und der Unido umgesetzte Konzept \u00abCleaner Production\u00bb zielt auf eine \u00f6ko-effizientere Industrieproduktion. Dazu geh\u00f6rt auch die Optimierung des Energieverbrauchs. Eine noch gr\u00f6ssere positive Klimawirkung erzielen die Verbesserung des Produktedesigns und die Reduktion des Produktionsausschusses.&#13;<\/p>\n<h2>Emissionshandel &#8211; ein neuer Markt entsteht<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Seco leistete Pionierarbeit beim Aufbau der Kapazit\u00e4ten in den Entwicklungsl\u00e4ndern zur effektiven Nutzung der so genannten flexiblen Mechanismen, insbesondere des Clean Development Mechanism (CDM). Die flexiblen Mechanismen helfen seit dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls im Januar 2005, Emissionen dort zu vermeiden oder zu verringern, wo die Wirkung pro eingesetzten Franken am gr\u00f6ssten ist &#8211; also meist in den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern. CDM-Projekte m\u00fcssen bei der Klimakonvention registriert werden und sp\u00e4ter durch externe Pr\u00fcffirmen \u00fcberwacht werden. Dabei ist zu belegen, dass zus\u00e4tzliche Emissionsreduktionen geleistet wurden (Additionalit\u00e4t). Zwar erzielte der prim\u00e4re CDM-Markt 2008 &#8211; trotz Preiseinbruch im Zuge der Wirtschaftskrise ein &#8211; Transaktionsvolumen von 6,5 Mrd. US-Dollar; im Sekund\u00e4rmarkt wurden sogar 26,3 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Vgl. Weltbank, 2009: State and Trends of the Carbon Market 2009. Viele Unternehmen investieren nicht selbst in CDM-Projekte, sondern kaufen Zertifikate bei spezialisierten Fonds auf und sichern sich \u00fcber Termingesch\u00e4fte ab. Allerdings entfallen rund 80% aller generierten Zertifikate bisher auf die drei L\u00e4nder China, Indien und Brasilien. Sub-Sahara-Afrika dagegen fehlt beinahe g\u00e4nzlich auf der Landkarte des CDM. Ebenso ungleich ist die Nutzung des CDM nach Sektoren: Im Verkehrssektor, obwohl wesentlicher Verursacher des CO2-Ausstosses, konnten wegen methodischer Schwierigkeiten bei der Belegung der Additionalit\u00e4t nur vereinzelt CDM-Projekte registriert werden. Das Seco hat deshalb zusammen mit der Weltbank neue CDM-Methoden f\u00fcr den Verkehrssektor entwickelt. Die nationalen Beh\u00f6rden f\u00fcr die Bewilligung der CDM-Projekte wurden in \u00fcber 40 L\u00e4ndern gest\u00e4rkt und die wichtigste CDM-Messe Europas &#8211; die j\u00e4hrliche Carbon Expo &#8211; aufgebaut. \u00a0Aus Entwicklungsperspektive ist zentral, dass CDM-Projekte den Einbezug der Entwicklungsl\u00e4nder in die internationalen Klimaschutzbem\u00fchungen gew\u00e4hrleisten, indem sie den Kapital- und Technologietransfer f\u00f6rdern und so eine nachhaltige Entwicklung in den Partnerl\u00e4ndern beg\u00fcnstigen. Der CDM kann f\u00fcr eine Win-Win-Situation zwischen Umwelt- und Entwicklungspolitik sorgen. Allerdings m\u00fcssen seine Regeln deutlich vereinfacht werden, damit auch kleinere Projekte und eine gr\u00f6ssere Anzahl L\u00e4nder und St\u00e4dte profitieren k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>F\u00f6rderung der erneuerbaren Energien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie ungebremste Nutzung der fossilen Rohstoffe Erd\u00f6l, Erdgas und Kohle zur Energieversorgung ist hauptverantwortlich f\u00fcr den steigenden CO2-Ausstoss. Gleichzeitig ist eine funktionierende Energieversorgung unerl\u00e4sslich f\u00fcr ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t. Die Diversifikation der Energieproduktion auf erneuerbare Quellen wirkt sich positiv auf Klima und Umwelt aus und mindert die negativen Auswirkungen durch Preisschwankungen fossiler Rohstoffe.\u00a0Das Seco f\u00f6rdert attraktive Rahmenbedingungen und Technologietransfer anhand konkreter Programme mit Demonstrationseffekt. Es macht Wasserkraft-, Solarenergie-, Windkraft- und Biogastechnologien auch den \u00e4rmeren L\u00e4ndern zug\u00e4nglich. Die Schweiz als Forschungs- und Technologiestandort hat in diesen Bereichen viel zu bieten.\u00a0Zwecks F\u00f6rderung der erneuerbaren Energien in der Entwicklungszusammenarbeit hat das Seco 2004 die gemeinsame Bundesplattform RepicRenewable Energy and Energy Efficiency Promotion in International Cooperation, siehe www.repic.ch. initiiert, an der auch die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), das Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) und das Bundesamt f\u00fcr Energie (BFE) beteiligt sind. Repic f\u00f6rdert Projekte mit realistischen, nachhaltigen und marktorientierten Ans\u00e4tzen, welche unter Mitwirkung von Schweizer Unternehmen und Organisationen zustande kommen &#8211; beispielsweise Windmessungen in Zentralamerika und Osteuropa, welche Voraussetzung sind f\u00fcr sp\u00e4tere erfolgreiche Investitionen in Windparks. Oder technische Vorabkl\u00e4rungen, welche Biogasverwertung f\u00fcr Kaffeeoder Bananenabf\u00e4lle geeignet ist.&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltiges Tropenwaldmanagement<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Zerst\u00f6rung des Tropenwaldes und die Intensivierung der Landwirtschaft sind neben dem Energieverbrauch die wichtigsten Ursachen der globalen Klimaerw\u00e4rmung. Das Verschwinden der W\u00e4lder verursacht fast einen F\u00fcnftel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. In den tropischen L\u00e4ndern Zentral- und S\u00fcdamerikas betr\u00e4gt dieser Anteil am regionalen CO2-Ausstoss gar rund 60%. Das empfindliche \u00d6kosystem Tropenwald mit seiner unersetzlichen wirtschaftlichen Bedeutung als Wasserspeicher, Erosionsschutz, Holz- und Nahrungsmittellieferant wird seinerseits durch Wetterextreme weiter geschw\u00e4cht.\u00a0Das Seco f\u00f6rdert die nachhaltige Tropenwaldbewirtschaftung mittels Schaffung von Nachhaltigkeitsstandards, wobei die privaten Akteure einzubinden sind. So hat sich im Schweizer Markt das private Label FSC gut etabliert. Ausserdem beteiligt sich das Seco an Initiativen, welche internationale Nachhaltigkeitsstandards f\u00fcr weitere nachwachsende Rohstoffe &#8211; wie Kaffee, Baumwolle, Soja oder Biotreibstoffe &#8211; etablieren.\u00a0Des Weiteren unterst\u00fctzt das Seco einen neuen globalen Mechanismus, der wirtschaftliche Anreize f\u00fcr den Schutz der W\u00e4lder als wichtige Speicher von Kohlenstoff setzt. In den internationalen Klimaverhandlungen spielt der Begriff Redd (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Sch\u00e4digung der W\u00e4lder) eine Schl\u00fcsselrolle. Dabei geht es um die finanzielle Entsch\u00e4digung jener L\u00e4nder und Tropenwaldbesitzer, die ihren Wald erhalten und so zur Klimastabilisierung beitragen. Die Weltbank hat als erste multilaterale Institution eine breit abgest\u00fctzte globale Redd-Initiative ergriffen. Das Seco hat an diese Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) bisher 8,2 Mio. US-Dollar beigesteuert. Mit diesen Mitteln werden L\u00e4nder wie Indonesien unterst\u00fctzt, auf Redd hinzuarbeiten und die n\u00f6tigen Kontrollsysteme wie Forstinventare aufzubauen sowie die lokale Bev\u00f6lkerung optimal einzubinden.&#13;<\/p>\n<h2>Bedeutung geeigneter Rahmenbedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erfahrungen des Seco zeigen, dass &#8211; nebst der Erh\u00f6hung der Finanzmittel f\u00fcr den Klimaschutz seitens der Industriel\u00e4nder &#8211; auch die Entwicklungsl\u00e4nder selbst die n\u00f6tigen Anpassungen vornehmen m\u00fcssen, damit der Technologietransfer intensiviert werden kann. Technologietransfer erfolgt in aller Regel durch Handel oder Direktinvestitionen, weshalb dem Privatsektor eine entscheidende Rolle zukommt. Ung\u00fcnstige Rahmenbedingungen bilden noch immer die zentrale Barriere f\u00fcr Technologietransfer: Z\u00f6lle, nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse, Investitionsunsicherheit, B\u00fcrokratie und Korruption, aber auch sektorspezifische Schw\u00e4chen wie unattraktive Energietarife, Stromdiebstahl und fehlende Regulierungen f\u00fcr die Einspeisung dezentraler Stromproduktion. Die Verbesserung der \u00f6konomischen Gouvernanz und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind deshalb unabdingbare Elemente in der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit. Erst ein geeignetes Umfeld erm\u00f6glicht es, die Absorptionskapazit\u00e4t der Entwicklungsl\u00e4nder f\u00fcr klimaschonende Technologien zu gew\u00e4hrleisten und dank Handel und Investitionen Armut zu reduzieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Megast\u00e4dte im S\u00fcden: Wichtige Verb\u00fcndete im Klimaschutz<\/b>&#13;<br \/>\nIm laufenden Jahr legt das Seco einen neuen Schwerpunkt auf die Nutzung des CDM durch Grossst\u00e4dte. 75% aller Treibhausgasemissionen weltweit entstehen in St\u00e4dten. Die Stadtverwaltungen k\u00f6nnen nicht nur regulatorisch einen wichtigen Beitrag zur CO2-Eind\u00e4mmung leisten, sondern auch mittels Infrastrukturinvestitionen in den \u00f6ffentlichen Verkehr, die Biogasnutzung aus Abfalldeponien oder effiziente Strassenbeleuchtung und Geb\u00e4udetechnik. Damit solche Projekte dank CDM ausgel\u00f6st werden, baut das Seco zusammen mit der Weltbank und Schweizer Experten ein Ausbildungsprogramm f\u00fcr Megast\u00e4dte auf. Bereits laufen konkrete Aktionen mit Grossst\u00e4dten wie Jakarta, Dar es Salaam, Johannesburg und S\u00e3o Paulo. Im Oktober 2009 hat die Schweiz zudem im Rahmen der Environmental Integrity Group &#8211; der gemeinsamen Schweizer Verhandlungsgruppe mit Mexiko, Korea, Monaco und Liechtenstein &#8211; eine Submission bei der Klimakonvention eingereicht, welche die Chancen und L\u00f6sungsbeitr\u00e4ge von St\u00e4dten im Klimaschutz in Erinnerung ruft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Albanien: Die Turbinen laufen wieder rund in Fierza<\/b>&#13;<br \/>\nStrom wird in Albanien haupts\u00e4chlich mit Wasserkraftwerken an den Fl\u00fcssen Drin und Mat produziert. Mit der wirtschaftlichen \u00d6ffnung und Entwicklung des Landes nahm der Strombedarf zu. Gleichzeitig waren die in den 70er Jahren &#8211; namentlich mit chinesischer und russischer Hilfe und Technologie &#8211; gebauten Kraftwerke in die Jahre gekommen und funktionierten nur noch unzuverl\u00e4ssig. Versorgungsl\u00fccken wurden vermehrt mit kleinen Benzin- und Dieselgeneratoren \u00fcberbr\u00fcckt. Nur die Sanierung der Wasserkraftwerke erlaubte, das bestehende Potenzial dieser erneuerbaren Energie optimal zu nutzen.Das Kraftwerk in Fierza ist das zweitgr\u00f6sste Albaniens: Es liefert fast einen Drittel des im Land produzierten Stromes. Dank der rund 12 Mio. Franken umfassenden, mit Schweizer Know-how und Finanzierung des Seco durchgef\u00fchrten Sanierung der Turbinen und Generatoren ist die zuverl\u00e4ssige Stromproduktion des Kraftwerkes auch in Zukunft gew\u00e4hrleistet. Gleichzeitig konnte dank einer Effizienzsteigerung die maximale Kapazit\u00e4t um 15 Megawatt erh\u00f6ht werden. Parallel dazu wurden dank Druck der Geber die Stromtarife sukzessive marktn\u00e4her gestaltet und der Stromdiebstahl unterbunden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das rasante globale Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte hat &#8211; vor allem wegen des Verbrauchs fossiler Energietr\u00e4ger und der Brandrodung der Tropenw\u00e4lder &#8211; zu einem Anstieg der klimasch\u00e4dlichen Emissionen gef\u00fchrt. 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