{"id":121896,"date":"2009-11-01T12:00:00","date_gmt":"2009-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/11\/cueni-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:21","slug":"cueni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/11\/cueni\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4t wichtiger als Kosten"},"content":{"rendered":"<p>Die Qualit\u00e4t des schweizerischen Gesundheitswesens ist unbestritten. Und so m\u00f6chte es die Bev\u00f6lkerung auch. F\u00fcr 85% ist die Qualit\u00e4t der Gesundheitsversorgung ein zentrales Anliegen. Dieser Anspruch ist Teil des Wohlstandes in unserem Land: Noch nie hatten die Leute in der Schweiz mehr Quadratmeter f\u00fcr das Wohnen zur Verf\u00fcgung. Nie zuvor konsumierten sie mehr Energie. Noch nie war ihre Mobilit\u00e4t h\u00f6her. Und nie zuvor lebten die Schweizerinnen und Schweizer l\u00e4nger. Die durchschnittliche Lebenserwartung betr\u00e4gt 81 Jahre. Wir k\u00f6nnen das Lebensalter in aller Regel auch in besserer Gesundheit geniessen. In den vergangenen 25 Jahren haben M\u00e4nner 5 und Frauen 5,3 behinderungsfreie Lebensjahre hinzugewonnen. Dies hat ganz direkt mit dem hohen Niveau der medizinischen Versorgung in der Schweiz zu tun.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas von der Bev\u00f6lkerung in allen Befragungen begr\u00fcsst wird, hat allerdings auch seinen Preis. Die Folge ist eine erstaunliche Kluft zwischen ver\u00f6ffentlichter und \u00f6ffentlicher Meinung. W\u00e4hrend bei Politik und Medien fast nur die Kosten der Krankenversicherung diskutiert werden, stehen bei der Bev\u00f6lkerung gem\u00e4ss den Daten des von gfs.bern j\u00e4hrlich erhobenen Gesundheitsmonitors klar Merkmale wie Qualit\u00e4t der Versorgung, Wahlfreiheit der Patienten, Therapiefreiheit der Medizinalpersonen sowie der rasche und gleichberechtigte Zugang zu Medikamenten im Vordergrund.&#13;<\/p>\n<h2>Mangelnde Ergebnisorientierung des Systems<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich soll die Gesundheitsversorgung so g\u00fcnstig wie m\u00f6glich erbracht werden. Die Frage lautet indes: Was kann zur Wahrung bzw. Steigerung der Qualit\u00e4t getan werden? Diesbez\u00fcglich braucht es eine neue Qualit\u00e4t der Diskussion, der sich alle, die im Gesundheitswesen t\u00e4tig sind, stellen m\u00fcssen. Die renommierte amerikanische \u00d6konomin Elizabeth Teisberg hat in ihren Reformvorschl\u00e4gen f\u00fcr die Schweiz eine vermehrte Ausrichtung auf messbare &#8211; und damit vergleichbare &#8211; Daten zum Ergebnis (Outcome) der Behandlung verlangt und fordert eine Fokussierung auf Patientennutzen statt auf die Kostendiskussion. \u00a0Tats\u00e4chlich krankt unser System gerade an dieser mangelnden Ergebnisorientierung. Messbare Daten \u00fcber die Behandlungsqualit\u00e4t fehlen weitgehend. Im internationalen Vergleich stehen wir zwar hinsichtlich grober Parameter wie Lebenserwartung und Verbesserung an gesunden Lebensjahren gut da; aber hinsichtlich Qualit\u00e4tsmessung, welche beispielsweise f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Fallpauschalen (DRG) im Spital zentral w\u00e4re, machen wir auf Blindflug. Ebenso erstaunlich wie die j\u00fcngst in einer Studie monierten regionalen Abweichungen der Brustkrebsbehandlung von internationalen Richtlinien ist, dass eine solche Studie keine Daten \u00fcber den Zusammenhang zwischen Behandlung und \u00dcberleben der Patientinnen enth\u00e4lt. Statt mit Fakten wird bei uns oft mit Bauchgef\u00fchlen und Emotionen argumentiert, wenn etwa f\u00fchrende Gesundheitspolitiker die Evidenz f\u00fcr regelm\u00e4ssiges Brustkrebs-Screening negieren, obwohl ein kurzer Blick auf die Genfer Statistiken den Nutzen einer qualit\u00e4tsorientierten Public-Health-Politik zeigt. \u00a0Die gesundheitspolitische Diskussion verl\u00e4uft bei uns eindimensional. Die Folgen tragen die Patienten, denn die gezielte Verz\u00f6gerung von neuen, innovativen Medikamenten &#8211; namentlich im Bereich der Krebstherapie &#8211; f\u00fchrt zu Willk\u00fcr und Zweiklassenmedizin dort, wo es sie nicht geben sollte, n\u00e4mlich beim Zugang zu hoch innovativen Therapien. W\u00e4hrend etwa Frankreich in den letzten Jahren den Zugang zu modernen Onkologika deutlich verbessert hat, orientiert man sich bei uns am Rationierungsmodell des englischen National Health Service, wo Patienten jedes zweite moderne Krebsmedikament aus Kostengr\u00fcnden verweigert wird.&#13;<\/p>\n<h2>Verantwortung der Pharmaindustrie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNat\u00fcrlich hat auch die Pharmaindustrie eine Verantwortung, damit unser Gesundheitssystem nicht nur finanzierbar bleibt, sondern die Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche auch erf\u00fcllt werden. Einen wichtigen Beitrag hat sie geleistet, indem sie das j\u00fcngste Sparpaket des Bundesrats akzeptiert. \u00a0Mit diesem Paket werden die Preise von Originalmedikamenten in der Schweiz im Durchschnitt gut 10% billiger sein als in Deutschland oder D\u00e4nemark. Die Frage, ob dies ein gutes Signal f\u00fcr den Pharmastandort ist, darf aber erlaubt sein. Die Pharmaindustrie unterst\u00fctzt die Verbreitung von Managed-Care-Modellen, mit denen die rationale Verschreibungspolitik gesteigert werden kann. Tendenziell verschreibt man in der Schweiz zuwenig Generika, und diese sind im internationalen Vergleich deutlich zu teuer. Zudem muss die Industrie noch mehr bereit sein, sich der Diskussion \u00fcber die Bewertung von Nutzen und Kosten neuer Therapien zu stellen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Qualit\u00e4t des schweizerischen Gesundheitswesens ist unbestritten. Und so m\u00f6chte es die Bev\u00f6lkerung auch. F\u00fcr 85% ist die Qualit\u00e4t der Gesundheitsversorgung ein zentrales Anliegen. Dieser Anspruch ist Teil des Wohlstandes in unserem Land: Noch nie hatten die Leute in der Schweiz mehr Quadratmeter f\u00fcr das Wohnen zur Verf\u00fcgung. Nie zuvor konsumierten sie mehr Energie. Noch [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2836,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[98],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2836,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Interpharma, Basel","seco_author_post_occupation_fr":"Directeur d\u2019Interpharma, B\u00e2le","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":121899,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8141","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55a4e0b18ebd9"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121896"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2836"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121896"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121896\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127841,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121896\/revisions\/127841"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2836"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=121896"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=121896"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=121896"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=121896"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=121896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}