{"id":121911,"date":"2009-11-01T12:00:00","date_gmt":"2009-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/11\/haeubi-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:13","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:13","slug":"haeubi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/11\/haeubi\/","title":{"rendered":"Arbeitslosenquote &#8211; wichtiger Indikator f\u00fcr die Besch\u00e4ftigungslage und die Aussch\u00f6pfung des Arbeitskr\u00e4fteangebots"},"content":{"rendered":"<p>Die Arbeitslosenquote beschreibt das Ausmass der Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft. Als Verh\u00e4ltniszahl gibt sie Auskunft \u00fcber den Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen, auch aktive Bev\u00f6lkerung genannt, und beschreibt damit die H\u00f6he des Mismatch auf dem Arbeitsmarkt. Sie ist die wichtige Kennzahl f\u00fcr die Darstellung der Besch\u00e4ftigungslage und Indikator f\u00fcr die Aussch\u00f6pfung des Arbeitskr\u00e4fteangebots. In der Schweiz wird die Arbeitslosenquote vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) berechnet. Sie ist eine von zahlreichen Kennzahlen, die im Rahmen der Arbeitslosenstatistik mittels einer monatlich durchgef\u00fchrten elektronischen Registerz\u00e4hlung und Auswertung aller Stellensuchenden-Dossiers bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) in den Kantonen anfallen. Kontakt und Informationen: 031&nbsp;322 22 15, lamda-helpdesk@seco.admin.ch, <a href=\"http:\/\/www.amstat.ch\">www.amstat.ch<\/a> . <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200911_15_Haeubi_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTechnisch berechnet sich die Arbeitslosenquote aus der Division der Anzahl der registrierten Arbeitslosen durch die Anzahl der Erwerbspersonen, multipliziert mit 100, um den Prozentsatz auszudr\u00fccken:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"arbeitslosenquote.gif\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"76\" border=\"0\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Arbeitslose z\u00e4hlen dabei alle stellensuchenden Personen, die am Stichtag der Erhebung ohne Arbeit, sofort vermittelbar und bei einem RAV registriert sind. F\u00fcr die Erfassung in der Statistik ist die Registrierung eine Voraussetzung; hingegen ist es unwesentlich, ob die arbeitslose Person auch einen Anspruch auf Arbeitslosenentsch\u00e4digung hat oder nicht. Die Definition, wer als arbeitslos betrachtet wird, strebt eine m\u00f6glichst hohe \u00dcbereinstimmung mit den international anerkannten Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) an, nach welchen Arbeitslose als Personen umschrieben werden, die keine Arbeit haben, f\u00fcr Arbeit verf\u00fcgbar und auf der Suche nach einer Besch\u00e4ftigung sind. \u00a0Die Zahl der Erwerbspersonen fliesst \u00fcber den Nenner in die Berechnung der Arbeitslosenquote ein. Als Erwerbspersonen gelten die Erwerbst\u00e4tigen ab einer Arbeitsstunde pro Woche plus die Erwerbslosen. Die Zahl der Erwerbspersonen wurde bisher alle 10 Jahre im Rahmen einer Volksz\u00e4hlung durch das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) erhoben. In der Schweiz stellte die Volksz\u00e4hlung bis 2000 die einzige Vollerhebung im Personenbereich dar. Sie ist damit die einzige Quelle, welche detaillierte und koh\u00e4rente Angaben \u00fcber die Erwerbspersonen in der Schweiz und deren demografische und sozio\u00f6konomische Merkmale bis hinab auf Gemeindestufe liefern konnte. Da die Erhebung allerdings nur alle 10 Jahre stattfand, wurde diese Zahl f\u00fcr die Berechnung der Arbeitslosenquote durch das Seco jeweils 10 Jahre lang konstant gehalten. Die n\u00e4chste Anpassung des Nenners erfolgt deshalb erst, sobald neue Resultate zum Bereich Erwerbsleben im Anschluss an die Volksz\u00e4hlung 2010 vorliegen (zum Systemwechsel bei der Volksz\u00e4hlung siehe letzter Abschnitt).&#13;<\/p>\n<h2>Praktische Relevanz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz gibt es seit 1936 eine Arbeitslosenstatistik. Sie wird heute vom Seco erhoben. Die Arbeitslosenquote ist dabei eine von zahlreichen Kennzahlen, die im Rahmen dieser Statistik anfallen. Mittels einer Vollerhebung, die sich auf die amtlich gef\u00fchrten Register der RAV abst\u00fctzt, werden die Daten &#8211; unterst\u00fctzt durch eine moderne, webbasierte Datawarehouse-Technologie &#8211; elektronisch erfasst und ausgewertet. Daraus gehen die drei kurzfristigen Konjunkturindikatoren Arbeitslosenquote, Kurzarbeit und gemeldete offene Stellen hervor sowie eine Vielzahl von Kennzahlen zur Beschreibung der Arbeitslosigkeit nach geografischen und sozio\u00f6konomischen Merkmalen. Aber auch Controllingdaten f\u00fcr die Wirkungsmessung der Arbeitsmarktmassnahmen (AMM) und deren aktive Steuerung werden so gewonnen.\u00a0Je nach Lage und Befindlichkeit des Arbeitsmarktes oder politischem Fokus erhalten Untersuchungen respektive Unterscheidungen nach Regionen, Kantonen, Alter, Geschlecht, Nationalit\u00e4t, Qualifikation, Dauer der Arbeitslosigkeit oder Wirtschaftszweigen Gewicht. Die entsprechenden Arbeitslosenquoten und Kennzahlen zur Strukturanalyse der Arbeitslosigkeit werden vom Seco auf monatlicher Basis und mit grosser Aktualit\u00e4t bereits wenige Tage nach der Erhebung auf Internet als Pressemitteilung und als Print publiziert.\u00a0Neben der Arbeitslosenquote wird auch eine saisonkorrigierte Arbeitslosenquote ver\u00f6ffentlicht, aus welcher jahreszeitliche Einfl\u00fcsse und Besch\u00e4ftigungsschwankungen &#8211; wie sie insbesondere im Baugewerbe, dem Gastgewerbe und in der Landwirtschaft auftreten &#8211; anhand von langj\u00e4hrigen Erfahrungen herausgefiltert worden sind.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Schweizer Arbeitsmarkt gilt im internationalen Vergleich als sehr flexibel. Das gute Zusammenspiel der schweizerischen Institutionen auf dem Arbeitsmarkt hat es erlaubt, trotz nicht immer g\u00fcnstiger Wirtschaftslage eine Verfestigung hoher Arbeitslosigkeit weitgehend zu verhindern.\u00a0Im R\u00fcckblick durchbrachen die jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenquoten in der Schweiz zwischen 1940 und 1990 die 1%-Marke kaum. Dies gilt auch f\u00fcr die Rezession Mitte der 1970er-Jahre. Die 1990er-Jahre bedeuteten allerdings das Ende des 50 Jahre andauernden arbeitsmarktlichen Sonderfalles Schweiz. Anfang der 1990er-Jahre begannen die Arbeitslosenquoten markant zu steigen und erreichten im Februar 1997 mit einer Arbeitslosenquote von 5,7% und einer Arbeitslosenzahl von \u00fcber 206&nbsp;000 Personen einen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt. \u00dcber die n\u00e4chsten vier Jahre sanken die Arbeitslosenquoten wieder ab und erreichten im Juni 2001 mit 1,5% einen Sockel von rund 59&nbsp;000 arbeitslosen Personen. In einer nachfolgenden zweiten Welle stiegen die Zahlen bereits zweieinhalb Jahre sp\u00e4ter wieder auf 4,3% (\u00fcber 168&nbsp;000 arbeitslose Personen) an, was aber doch deutlich unter den Werten von 1997 lag. Zwischen 2004 und 2008 bauten sich die Arbeitslosenquoten wieder ab und erreichten im Juni 2008 wieder einen unteren Wendepunkt. Allerdings lag dieser Wert mit einer Quote von 2,3% h\u00f6her als im letzten Wellental aus dem Juni 2001, wodurch der neue Sockel auf etwas \u00fcber 91&nbsp;000 Personen angestiegen ist. Im Zuge der Turbulenzen auf den Finanzm\u00e4rkten und dem \u00dcbergreifen der Auswirkungen auf die Realwirtschaft erfolgte 2008 auch die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt mit starken monatlichen Zunahmen in den Arbeitslosenzahlen, die auch im Jahr 2009 noch andauern. \u00a0Im Ausblick f\u00fcr das Jahr 2009 prognostiziert die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes im Jahresdurchschnitt eine Zahl von 150&nbsp;000 Arbeitslosen und eine Arbeitslosenquote von 3,8%.&#13;<\/p>\n<h2>Vergleich mit dem Ausland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie nationalen Arbeitslosenzahlen sind international nur bedingt vergleichbar, da sich die Erhebungsmethoden und die Berechnungsweise teilweise stark voneinander unterscheiden. In der Schweiz erstellt das BFS im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) seit 1991 eine gem\u00e4ss den Normen und Standards der ILO und von Eurostat auf Stichprobenbasis erhobene international vergleichbare Erwerbslosenquote. Zufallsstichproben sind international weiter verbreitet als Vollerhebungen. F\u00fcr aussagef\u00e4hige internationale Vergleiche verweist das Seco deshalb stets auf die Erwerbslosenquote.&#13;<\/p>\n<h2>Weiterf\u00fchrung des Indikators und Revisionen im Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAm 22. Juni 2007 hat das Parlament die Totalrevision des Bundesgesetzes \u00fcber die Eidgen\u00f6ssische Volksz\u00e4hlung verabschiedet. Mit dem neuen Gesetz, welches am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, wird ein umfassender Systemwechsel bei der Erhebung der Volksz\u00e4hlungsdaten vollzogen. Die Volksz\u00e4hlung wird ab 2010 nicht mehr in ihrer gewohnten Form durchgef\u00fchrt, sondern als Kombination von Registererhebung &#8211; d.h. einer Vollerhebung der basisdemografischen Merkmale aus den bestehenden amtlichen Registern &#8211; und Stichprobenerhebungen, die im Einjahresrhythmus durchgef\u00fchrt und ausgewertet werden. Im Stichprobenverfahren gesch\u00e4tzt werden dabei jene Daten, die nicht in den Registern enthalten sind, und das betrifft insbesondere die Daten zu Erwerbsleben, Erwerbsstatus, Ausbildung und Beruf. Da rund 80% der Gemeinden in der Schweiz eine Wohnbev\u00f6lkerung von weniger als 3000 Personen aufweisen und damit die notwendige Gr\u00f6sse f\u00fcr zuverl\u00e4ssige statistische Aussagen verfehlen, wird die Bildung von Arbeitslosenquoten auf Stufe der Gemeinden in Zukunft voraussichtlich entfallen, sodass wir f\u00fcr regionale Untersuchungen auf die n\u00e4chsth\u00f6here Stufe, die Bezirke, werden ausweichen m\u00fcssen, es sei denn, der Informationsverlust auf Ebene der Gemeinden kann durch den Beizug einer anderen Datenquelle noch kompensiert werden. Die Bildung von Arbeitslosenquoten auf kantonaler oder gesamtschweizerischer Ebene sind jedoch nicht gef\u00e4hrdet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abArbeitslosenquote im September 2009: Betroffenheit nach Kantonen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abRegistrierte Stellensuchende und Arbeitslose, 1990-2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Definitionen im Bereich Arbeitslosenquote<\/b>&#13;<br \/>\nArbeitslosenquote: Quotient aus der Anzahl registrierter Arbeitsloser geteilt durch die Anzahl Erwerbspersonen, multipliziert mit Hundert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRegistrierte Arbeitslose: Alle stellensuchenden Personen, die am Stichtag der Erhebung \u2013 d.h. am letzten Tag des Monats \u2013 ohne Arbeit, sofort vermittelbar und bei einem RAV registriert sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErwerbspersonen: Erwerbst\u00e4tige ab einer Arbeitsstunde pro Woche plus Erwerbslose unter der Wohnbev\u00f6lkerung. Die Zahl der Erwerbspersonen wird alle 10 Jahre im Rahmen der Volksz\u00e4hlung durch das BFS erhoben und beh\u00e4lt damit auch jeweils 10 Jahre ihre G\u00fcltigkeit (seit 1.\u2009Januar 2000: 3\u2009946\u2009988 Personen). H\u00e4ufig werden die Erwerbspersonen mit dem Arbeitsangebot gleichgesetzt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitslosenquote beschreibt das Ausmass der Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft. Als Verh\u00e4ltniszahl gibt sie Auskunft \u00fcber den Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen, auch aktive Bev\u00f6lkerung genannt, und beschreibt damit die H\u00f6he des Mismatch auf dem Arbeitsmarkt. 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