{"id":121941,"date":"2009-11-01T12:00:00","date_gmt":"2009-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/11\/laeubli-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:33","slug":"laeubli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/11\/laeubli\/","title":{"rendered":"Arbeitsbedingungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates &#8211; gesch\u00e4tzte Fallzahlen und Kosten f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz leiden 18% der Erwerbst\u00e4tigen an arbeits-(mit)-bedingten R\u00fcckenschmerzen. 26% aller krankheitsbedingten Arbeitsabsenzen sind durch Erkrankungen des Bewegungsapparates verursacht. Vgl. Graf M., Pekruhl U., Korn K., Krieger R., M\u00fccke A., Z\u00f6lch M.: 4. Europ\u00e4ische Erhebung \u00fcber die Arbeitsbedingungen 2005: Ausgew\u00e4hlte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive. Seco, 19. April 2007. Das Arbeitsgesetz verpflichtet den Arbeitgeber jedoch zu einer wirksamen Pr\u00e4vention. Vgl. Arbeitsgesetz Art. 6,2. \u00abDer Arbeitgeber hat insbesondere die betrieblichen Einrichtungen und den Arbeitsablauf so zu gestalten, dass Gesundheitsgef\u00e4hrdungen und \u00dcberbeanspruchungen der Arbeitnehmer nach M\u00f6glichkeit vermieden werden.\u00bb Die vorliegende Studie hat deshalb zum Ziel darzustellen, wie gross die Auswirkungen belastender Arbeitsbedingungen auf die H\u00e4ufigkeit von Erkrankungen des Bewegungsapparates sind, und die dadurch bedingten volkswirtschaftlichen Kosten f\u00fcr die Schweiz abzusch\u00e4tzen. Die Resultate: 560000 F\u00e4lle mit Erkrankungen des Bewegungsapparates und 1,6 Mio. Tage mit Arbeitsabsenzen wurden auf berufliche Belastungsfaktoren zur\u00fcckgef\u00fchrt. Die gesch\u00e4tzten Kosten belaufen sich auf rund 9,8 Mrd. Franken. Die Autoren danken Thomas Ragni (Direktion f\u00fcr Wirtschaftspolitik, Seco) f\u00fcr sein Interesse an der Studie und die wertvollen Hinweise aus volkswirtschaftlicher Sicht.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200911_08_Laeubli_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2008 erschien eine systematische \u00dcbersicht der Literatur zu den Kosten von Kreuzschmerzen. Vgl. Dagneais S., Caro J., Haldeman S.: A Systematic Review of Low Back Cost of Illness Studies in the United States and Internationally. The Spine Journal 8, S. 8-20, 2008. Es zeigte sich, dass grosse Unsicherheiten bestehen bez\u00fcglich der Methode, wie die Kosten am besten gesch\u00e4tzt werden k\u00f6nnen, und der H\u00f6he dieser Kosten. L\u00e4ubli (2007) Vgl. L\u00e4ubli Th.: Muskuloskelettale Beschwerden: Ein Indikator f\u00fcr kostspielige M\u00e4ngel bei Betriebsabl\u00e4ufen. EKAS Mitteilungsblatt, Nr. 64, November 2007. hat auf der Grundlage der Zusammenstellungen von Lahiri et al. Vgl. Lahiri S., Gold J., Levenstein Ch.: Net-Cost Model for Workplace Interventions. Journal of Safety Research ECON Proceedings 36, S. 241-55, 2005. ein Kostenmodell aus betrieblicher Sicht publiziert. Dabei sind die folgenden Auswirkungen auf die Kosten von Bedeutung:\u00a0&#8211; Verminderte Produktivit\u00e4t bei Arbeitst\u00e4tigkeiten unter Schmerzen.\u00a0&#8211; Produktionsausf\u00e4lle wegen Krankheitsabwesenheit.\u00a0&#8211; Verminderte Produktivit\u00e4t bei Arbeitssituationen mit hohen Belastungen, die zu \u00dcberbeanspruchungen f\u00fchren und dadurch die Leistungsf\u00e4higkeit herabsetzen. Indikator dazu sind T\u00e4tigkeiten mit einem erh\u00f6hten Gesundheitsrisiko.\u00a0&#8211; Ersatz- und Organisationskosten bei Krankheitsabwesenheiten.\u00a0\u00a0Aus volkswirtschaftlicher Sicht ergeben sich zus\u00e4tzliche Gesichtspunkte: Hier sind namentlich die Behandlungskosten, bezahlt durch die betroffene Personen selbst, die Krankenkassen oder den Staat, sowie Rentenkosten (Invalidenversicherung [IV], Suva) von grosser Bedeutung. Als weiteres Element ist auf die sogenannt intangiblen Kosten zu verweisen, die durch krankheitsbedingte Schmerzen, Funktionseinbussen und andere Beeintr\u00e4chtigungen der Lebensqualit\u00e4t entstehen. Sie sind wichtig, doch wird darauf verzichtet, Beeintr\u00e4chtigungen der Lebensqualit\u00e4t durch Erkrankungen und Schmerzen in Geldwerte umzurechnen.\u00a0In dieser Studie wird mittels eines Risikomodells gesch\u00e4tzt, welcher Anteil an Erkrankungen des Bewegungsapparates auf ung\u00fcnstige Arbeitsbelastungen zur\u00fcckgef\u00fchrt wer-den kann und welche wirtschaftlichen Kosten daraus entstehen. Die Analyse bezieht sich auf Gesundheitsst\u00f6rungen im Bereich des Bewegungsapparates, die von den Betroffenen auf ihre Arbeitssituation zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Datengrundlage und statistische Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Grundlage f\u00fcr die Analyse dienten die Schweizer Daten des European Working Conditions Survey aus dem Jahre 2005. Vgl. European Working Conditions Survey, 2005. Data Processing and Editing Report, CH (05-3030-85), Gallup Europe. Die Personenauswahl f\u00fcr die Interviews erfolgte durch eine nach Regionen geschichtete Zufallsstichprobe.In der Schweiz wurden 1040 pers\u00f6nliche Interviews gef\u00fchrt, um die Arbeitsbedingungen aus Sicht der Befragten zu erfassen. Die vorliegende Auswertung beschr\u00e4nkt sich auf unselbst\u00e4ndig Erwerbst\u00e4tige (n=847).\u00a0Die Angaben im Interview zu Gesundheitsproblemen im Bewegungsapparat wurden zu einer dichotomen Variablen zusammengefasst. Falls die Probanden bejahten, dass ihre Arbeit ihre Gesundheit beintr\u00e4chtige, wurden sie anhand einer vorgegebenen Liste gefragt, wie die Arbeit die Gesundheit beeintr\u00e4chtige. Falls die Probanden R\u00fcckenschmerzen (n=151) und\/oder Muskelschmerzen (in den Schultern und\/oder den oberen\/unteren Gliedmassen; n=111) angaben, wurden diese Gesundheitsbeeintr\u00e4chtigungen als arbeits-(mit-)bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates (n=176) bezeichnet. Keine diesbez\u00fcglichen Erkrankungen hatten 671 der befragten unselbst\u00e4ndig Erwerbst\u00e4tigen.\u00a0Die Analyse bezieht sich auf Fragen zu arbeitsbezogenen Risikofaktoren f\u00fcr Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die detaillierteren Antworten wurden dazu mit \u00abja\u00bb (Risikofaktor \u00f6fters pr\u00e4sent) oder \u00abnein\u00bb (Risikofaktor nicht oder gelegentlich pr\u00e4sent) bewertet. Zuerst wurde \u00fcberpr\u00fcft, welche einzelnen der wissenschaftlich bekannten Vgl. Bernard B.P. (Hrsg.): Musculoskeletal Disorders (MSDs) and Workplace Factors\/TOC. National Institute for Occupational Safety and Health, Cincinnati, OH. July 1997; Ari\u00ebns G.A.M., Van Mechelen W., Bongers P.M., et al. Physical Risk Factors for Neck Pain. Scand J Work Environ Health; 26, S. 7-19, 2000; Bongers P.M., Ijmker S., van den Heuvel S., Blatter B.M.: Epidemiology of Work Related Neck and Upper Limb Problems: Psychosocial and Personal Risk Factors (Part I) and Effective Interventions from a Bio Behavioural Perspective (Part II). J Occup Rehabil. 16, S. 279-302, 2006. 67 Risikofaktoren, die im Survey erhoben wurden, einen hohen Bezug zu Erkrankungen aufwiesen. Die 29 Risikofaktoren, welche im univariaten Test signifikant mit Erkrankungen des Bewegungsapparates korrelierten, wurden in eine logistische Regressionsanalyse aufgenommen. Die im multivariaten, logistischen Modell (nach schrittweisem Variablenausschluss) verbliebenen signifikanten Variablen wurden als wichtige Pr\u00e4diktoren f\u00fcr die \u00f6konomische Analyse betrachtet. Es wurde \u00fcberpr\u00fcft, ob ein vereinfachtes Risikomodell, das Doppelz\u00e4hlungen vermeidet, zur Beschreibung der risikorelevanten Exposition am Arbeitsplatz verwendet werden kann.\u00a0Um den Einfluss der Arbeitssituation auf die Arbeitsabsenzen zu bestimmen, wurde ebenfalls das entwickelte vereinfachte Risikomodell verwendet. In die Analyse wurden nur diejenigen Abwesenheitstage einbezogen, die von den Interviewten als krankheits- und arbeitsbedingt angegeben wurden, und nur diejenigen, welche bei Personen mit arbeits-(mit-)bedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates auftraten.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6konomische Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3>Ber\u00fccksichtigte Kostenarten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur \u00f6konomischen Analyse wurde das entwickelte vereinfachte Risikomodell verwendet. Da Daten der Krankenkassen, Taggeldversicherungen von Pensionskassen oder der IV in der Schweiz nicht vorliegen, wurden Behandlungsoder Rentenkosten nicht berechnet, sondern die Sch\u00e4tzungen auf betriebswirtschaftlich relevante Kosten beschr\u00e4nkt. Drei Kostenarten wurden ber\u00fccksichtigt:\u00a0&#8211; verminderte Produktivit\u00e4t bei Arbeitst\u00e4tigkeit unter Schmerzen;\u00a0&#8211; Produktionsausf\u00e4lle wegen Krankheitsabwesenheit;\u00a0&#8211; verminderte Produktivit\u00e4t bei Arbeitssituationen mit hohen Belastungen, die zu \u00dcberbeanspruchungen f\u00fchren und dadurch die Leistungsf\u00e4higkeit herabsetzen und das Erkrankungsrisiko erh\u00f6hen.&#13;<\/p>\n<h3>Annahmen f\u00fcr die \u00f6konomische Analyse<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nPersonen mit muskuloskelettalen Gesundheitsbeschwerden haben eine um 3% verringerte Produktivit\u00e4t. Dies ist eine nur teilweise gesicherte Annahme, auch wenn in den letzten Jahren einige Studien zu diesem Thema ver\u00f6ffentlicht wurden. L\u00f6tters et al. (2005) Vgl. L\u00f6tters F., Meerding W.-J., Burdorf A.: Reduced Productivity After Sickness Absence due to Musculoskeletal Disorders and its Relation to Health Outcomes. Scandinavian Journal of Work, Environment &amp; Health, 31, S. 367-74, 2005. berichteten, dass ein Jahr nach Arbeitsabwesenheit wegen muskuloskelettalen Erkrankungen noch 40% der Arbeitnehmenden eine reduzierte Produktivit\u00e4t hatten, die durchschnittlich um 20% reduziert war. Damit ergibt sich pro Person, die trotz einer muskuloskelettalen Erkrankung am Arbeitsplatz anwesend ist, eine um 8% reduzierte Produktivit\u00e4t. Hagberg et al. (2002) Vgl. Hagberg M., Tornqvist E.W., Toomingas A.: Self-Reported Reduced Productivity due to Musculoskeletal Symptoms: Association with Worplace and Individual Factors Among White-Collar Computer Users. Journal of Occupational Rehabilitation, 12, S. 151-62, 2002. berichteten, dass bei Angestellten mit Computerarbeit 8% \u00fcber eine im Mittel um 15% reduzierte Produktivit\u00e4t berichteten. Bei einer \u00fcblichen Beschwerdepr\u00e4valenz von 40% errechnet sich, dass jede f\u00fcnfte Person mit Beschwerden auch eine dadurch eingeschr\u00e4nkte Produktivit\u00e4t erleidet. Damit ergibt sich f\u00fcr eine Person, welche trotz muskuloskelettalen Schmerzen am Arbeitsplatz anwesend ist, eine durchschnittlich um 3% reduzierte Produktivit\u00e4t.\u00a0Ein gesundheitlich bedingter Tag Abwesenheit verursacht Kosten von 600 Franken pro Tag. Die Suva Vgl. Suvapro: Absenzenmanagement: Der Werkzeugkasten aus der Praxis f\u00f6r die Praxis. Bestellnummer 2790.d, <a href=\"http:\/\/www.suva.ch\">www.suva.ch<\/a>, Suva Luzern, 2009.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nrechnet f\u00fcr Krankheitsabsenzen mit direkten und indirekten Kosten von je 300 Franken. \u00a0Arbeitssituationen, die ein Gesundheitsrisiko f\u00fcr muskuloskelettale Erkrankungen darstellen, f\u00fchren auch bei beschwerdefreien Personen zu einer um 5% reduzierten Produktivit\u00e4t. Erfahrungsgem\u00e4ss f\u00fchren nicht optimal gestaltete Arbeitspl\u00e4tze auch bei beschwerdefreien Personen zu Belastungen, die erm\u00fcden und die Produktivit\u00e4t reduzieren. Lahiri et al. (2005) berichteten anhand dreier Fallbeispiele, dass ergonomische Massnahmen, die in Abteilungen mit vermehrten muskuloskelettalen Erkrankungen f\u00fcr alle Mitarbeitenden (mit und ohne Beschwerden) umgesetzt wurden, zu einem Anstieg der Produktivit\u00e4t von 5% bis 40% f\u00fchrten.&#13;<\/p>\n<h2>Erkrankungen des Bewegungsapparates und Belastungen am Arbeitsplatz<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3>Arbeitsbelastungen mit stark geh\u00e4uften Erkrankungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDurchschnittlich berichteten 24% der M\u00e4nner und 16% der Frauen der Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung \u00fcber arbeits-(mit-)bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates. Von den 66 gepr\u00fcften Variablen zeigten 29 einen m\u00f6glichen signifikanten Zusammenhang mit diesen Erkrankungen des Bewegungsapparates (Signifikanzniveau von p=0,05). F\u00fcr das nach Bonferroni angepasste Signifikanzniveau (p &lt;\/=0,007) waren es 18 Variablen. Der Prozentsatz ist besonders hoch und betr\u00e4gt mehr als 40% bei den folgenden Arbeitsbelastungen: \u00a0&#8211; Beruf, der schmerzhafte oder erm\u00fcdende K\u00f6rperhaltungen verlangt; \u00a0&#8211; Tragen oder Bewegen schwerer Lasten oder Personen;\u00a0&#8211; schlechte Vereinbarkeit der Arbeitszeiten mit famili\u00e4ren oder sozialen Pflichten ausserhalb des Berufs; \u00a0&#8211; Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen; \u00a0&#8211; Mobbing.\u00a0\u00a0Am deutlichsten korreliert mit arbeits-(mit-)bedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates waren schmerzhafte oder erm\u00fcdende K\u00f6rperhaltungen. Hier wird die Frage nach Ursache oder Wirkung akut, da beim Vorliegen schmerzhafter Erkrankungen jede Haltung sehr schnell erm\u00fcdend und schmerzhaft wird. Gleichzeitig ist erwiesen, dass Zwangshaltungen muskuloskelettale Erkrankungen verursachen. Diese Variable wurde deshalb f\u00fcr die multivariate Modellierung nicht ber\u00fccksichtigt.&#13;<\/p>\n<h3>Multivariates Modell<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm multivariaten Modell wurden f\u00fcr die untersuchte Stichprobe acht Variablen als signifikante Risikofaktoren f\u00fcr arbeits-(mit-)-bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates identifiziert (siehe Kasten 1 Acht Variablen, die sich in der logistischen Regression als signifikant erwiesen haben:- Wie gut lassen sich Ihre Arbeitszeiten im Allgemeinen mit Ihren famili\u00e4ren oder sozialen Verpflichtungen ausserhalb des Berufs vereinbaren? (Risiko = nicht sehr gut\/\u00fcberhaupt nicht gut, Kontrolle = gut\/sehr gut).- Tragen oder Bewegen von schweren Lasten oder Personen (Risiko = die H\u00e4lfte der Zeit oder mehr, Kontrolle = weniger als die H\u00e4lfte der Zeit).- Sind Sie bei Ihrer Arbeit Vibrationen von Werkzeugen, Maschinen usw. ausgesetzt? (Risiko = die H\u00e4lfte der Zeit oder mehr, Kontrolle = weniger als die H\u00e4lfte der Zeit).- Wie oft sind st\u00f6rende Unterbrechungen Ihrer Arbeit wegen anderer unvorhergesehener Aufgaben? (Risiko = unvorhergesehene Aufgaben, die st\u00f6ren, Kontrolle = nie\/gelegentlich\/ziemlich h\u00e4ufig\/sehr h\u00e4ufig Unterbrechungen ohne Auswirkungen).- Wie zufrieden sind Sie mit den Arbeitsbedingungen in Ihrem Hauptberuf? (Risiko = nicht sehr\/\u00fcberhaupt nicht zufrieden, Kontrolle zufrieden\/sehr zufrieden).- Auf Anfrage werde ich von meinen Vorgesetzten\/meinem Chef unterst\u00fctzt. (Risiko = selten\/fast nie, Kontrolle = manchmal\/h\u00e4ufig\/fast immer).- Ist Ihr Arbeitstempo abh\u00e4ngig von vorgegebenen Produktionsoder Leistungszielen? (Risiko = ja, Kontrolle = nein).- Ich kann frei entscheiden, wann ich Urlaub oder Tage frei nehme. (Risiko = selten\/fast nie, Kontrolle =manchmal\/h\u00e4ufig\/fast immer).).&#13;<\/p>\n<h3>Anzahl Belastungsfaktoren und Erkrankungsh\u00e4ufigkeit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nOftmals kommen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vor und verst\u00e4rken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Basis der logistischen Regression ist ein multiplikatives Modell. Wir \u00fcberpr\u00fcften deshalb, ob f\u00fcr die \u00f6konomische Analyse ein vereinfachtes Modell verwendet werden kann. Dazu wurde ein Risikoindikator gebildet, welcher z\u00e4hlt, zu wie vielen der acht gefunden Risikofaktoren eine Person exponiert ist. Die Korrelation zwischen diesem Risikoindikator und der Pr\u00e4valenz arbeits-(mit-)-bedingter Erkrankungen erwies sich als ein gutes Modell (R2=0,93, siehe Grafik 1).&#13;<\/p>\n<h3>Erkrankungen, Arbeitsabsenzen und Belastungsindex<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nVon den 112 Erwerbst\u00e4tigen ohne Exposition zu den acht wichtigsten Risikofaktoren gaben nur 4 Personen (3%) eine arbeits-(mit-)bedingte Erkrankung des Bewegungsapparates an. Die 112 Erwerbst\u00e4tigen repr\u00e4sentieren die Situation bei den etwa 10% der Schweizer Arbeitspl\u00e4tze, die praktisch frei von solchen Risikofaktoren sind. Arbeitsabsenzen wegen arbeits-(mit-)bedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates traten bei 16 Personen auf. Von Erwerbst\u00e4tigen ohne Exposition wurden keine diesbez\u00fcglichen Absenzen erw\u00e4hnt.\u00a0Die Gegebenheit bei Arbeitssituationen ohne Exposition kann als repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Erkrankungsrate bei optimalen Arbeitsbedingungen angesehen werden. In diesem Fall entsprechen die arbeits-(mit-)bedingten F\u00e4lle (bzw. Absenzen) der gesamten Anzahl beobachteter F\u00e4lle abz\u00fcglich der Anzahl F\u00e4lle bei optimalen Arbeitssituationen. Unter dieser Annahme sind 147 der insgesamt 176 F\u00e4lle arbeits-(mit-)bedingt.&#13;<\/p>\n<h2>Sch\u00e4tzung der volkswirtschaftlichen Kosten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHochgerechnet auf die Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung ergibt sich, dass von 670000 F\u00e4llen mit arbeits-(mit-)bedingten Erkrankungen 560000 F\u00e4lle auf einen oder mehrere der acht Risikofaktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren sind und zu 1,6 Mio. Tagen mit gesundheitsbedingten Arbeitsabsenzen f\u00fchrten. Aufgrund dieser Zahlen lassen sich die folgenden volkswirtschaftlichen Kosten f\u00fcr die Schweiz ableiten:\u00a0&#8211; 3,3 Mrd. Franken wegen einer verminderten Produktionsleistung durch eine reduzierte Arbeitsproduktivit\u00e4t bei unselbst\u00e4ndig Erwerbst\u00e4tigen;\u00a0&#8211; 0,97 Mrd. Franken wegen Arbeitsabsenzen;\u00a0&#8211; 5,5 Mrd. Franken wegen verminderter Produktivit\u00e4t bei Arbeitssituationen, die ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr arbeits-(mit-)bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates aufweisen.&#13;<\/p>\n<h2>Diskussion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nArbeits-(mit-)bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates sind einer der wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr gesundheitsbedingte Arbeitsabsenzen. Die diesbez\u00fcglichen in der vorliegenden Studie gesch\u00e4tzten betrieblichen und volkswirtschaftlichen Kosten ber\u00fccksichtigen die Kosten f\u00fcr Therapie, Krankenkasse, IV oder Spitalbehandlungen nicht, da die n\u00f6tigen Daten in der Schweiz nicht verf\u00fcgbar sind. Erhebungen anderer L\u00e4nder zeigen jedoch, dass diese Kosten betr\u00e4chtlich sind.\u00a0Betrachtet man die dadurch verursachten Absenzen, so stellt man fest, dass diese mit 11% einer der h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr gesundheitsbedingte Arbeitsabsenzen sind. Im Januar 2008 bezogen 51271 Personen eine IV-Rente wegen muskuloskelettaler Erkrankungen. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil dieser IV-F\u00e4lle durch die berufliche Belastung ausgel\u00f6st wurde und Pr\u00e4ventionsmassnahmen zu einer erheblichen Reduktion der IV-Kosten beitragen k\u00f6nnten. Damit wird klar, dass die verursachten Kosten zum Teil durch die Gesamtgesellschaft \u00fcbernommen werden und die Gefahr besteht, dass die Betriebe diese Gesundheitskosten nur zum Teil in ihre Kosten-Nutzen-\u00dcberlegungen mit einbeziehen. Solche Fehlanreize k\u00f6nnen aus volkswirtschaftlicher Sicht zu unerw\u00fcnschten erh\u00f6hten Therapie- und Rentenkosten f\u00fchren, weil Pr\u00e4ventionsanstrengungen am Arbeitsplatz zu gering ausfallen.\u00a0In der Studie ebenfalls nicht ber\u00fccksichtigt ist der Aufwand, der n\u00f6tig w\u00e4re, um die Risiken wirksam zu reduzieren. Damit stellt sich aus \u00f6konomischer Sicht die Frage, ob &#8211; und wenn ja, in welchem Ausmass &#8211; die hochgerechneten Kosten vermeidbar sind. Anderseits zeigen ver\u00f6ffentlichte Praxisbeispiele, dass sich bei verbesserten Arbeitssituationen Erkrankungen reduzieren lassen und oftmals durch eine Erleichterung der Arbeitsaufgabe (z.B. F\u00f6rderb\u00e4nder anstatt Tragen) die betriebliche Effizienz gesteigert werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus Kosten-Nutzen-\u00dcberlegungen haben vermehrte Pr\u00e4ventionsanstrengungen auf betrieblicher und staatlicher Ebene ein grosses Potenzial. Anzusetzen ist beim gleichzeitigen Vorliegen mehrerer Risikofaktoren, insbesondere Manipulation schwerer Lasten, fehlender Erholungsm\u00f6glichkeiten, vibrierender Werkzeuge und allgemeiner Arbeitsunzufriedenheit. Es ist wohlbegr\u00fcndet, dass das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) in Zusammenarbeit mit den kantonalen Arbeitsinspektoraten und der Suva beschlossen hat, Risikofaktoren, welche den Bewegungsapparat beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen, zu einem Vollzugsschwerpunkt in den Jahren 2010 und 2011 zu bestimmen. Betriebliche Pr\u00e4ventionsanstrengungen und ein effektiverer Vollzug des Arbeitsgesetzes k\u00f6nnten erheblich dazu beitragen, die durch arbeits-(mit-)bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates verursachten Kosten im Gesundheitswesen zu senken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abErkrankungen des Bewegungsapparates und Risikofaktoren am Arbeitsplatz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Risikofaktoren f\u00fcr arbeits-(mit-)bedingte Erkrankungen des Bewegungsapparates Acht Variablen, die sich in der logistischen Regression als signifikant erwiesen haben:- Wie gut lassen sich Ihre Arbeitszeiten im Allgemeinen mit Ihren famili\u00e4ren oder sozialen Verpflichtungen ausserhalb des Berufs vereinbaren? (Risiko = nicht sehr gut\/\u00fcberhaupt nicht gut, Kontrolle = gut\/sehr gut).- Tragen oder Bewegen von schweren Lasten oder Personen (Risiko = die H\u00e4lfte der Zeit oder mehr, Kontrolle = weniger als die H\u00e4lfte der Zeit).- Sind Sie bei Ihrer Arbeit Vibrationen von Werkzeugen, Maschinen usw. ausgesetzt? (Risiko = die H\u00e4lfte der Zeit oder mehr, Kontrolle = weniger als die H\u00e4lfte der Zeit).- Wie oft sind st\u00f6rende Unterbrechungen Ihrer Arbeit wegen anderer unvorhergesehener Aufgaben? (Risiko = unvorhergesehene Aufgaben, die st\u00f6ren, Kontrolle = nie\/gelegentlich\/ziemlich h\u00e4ufig\/sehr h\u00e4ufig Unterbrechungen ohne Auswirkungen).- Wie zufrieden sind Sie mit den Arbeitsbedingungen in Ihrem Hauptberuf? (Risiko = nicht sehr\/\u00fcberhaupt nicht zufrieden, Kontrolle zufrieden\/sehr zufrieden).- Auf Anfrage werde ich von meinen Vorgesetzten\/meinem Chef unterst\u00fctzt. (Risiko = selten\/fast nie, Kontrolle = manchmal\/h\u00e4ufig\/fast immer).- Ist Ihr Arbeitstempo abh\u00e4ngig von vorgegebenen Produktionsoder Leistungszielen? (Risiko = ja, Kontrolle = nein).- Ich kann frei entscheiden, wann ich Urlaub oder Tage frei nehme. (Risiko = selten\/fast nie, Kontrolle =manchmal\/h\u00e4ufig\/fast immer).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz leiden 18% der Erwerbst\u00e4tigen an arbeits-(mit)-bedingten R\u00fcckenschmerzen. 26% aller krankheitsbedingten Arbeitsabsenzen sind durch Erkrankungen des Bewegungsapparates verursacht. Vgl. Graf M., Pekruhl U., Korn K., Krieger R., M\u00fccke A., Z\u00f6lch M.: 4. Europ\u00e4ische Erhebung \u00fcber die Arbeitsbedingungen 2005: Ausgew\u00e4hlte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive. Seco, 19. April 2007. 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