{"id":121951,"date":"2009-11-01T12:00:00","date_gmt":"2009-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/11\/moor-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:13","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:13","slug":"moor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/11\/moor\/","title":{"rendered":"Investitionen in Cleantech im Aufschwung"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff \u00abCleantech\u00bb steht im Wesentlichen f\u00fcr neue, ressourcenschonende Technologien in der Energie-, Wasseroder Materialwirtschaft. Es handelt sich um einen industriellen Sektor, der in den letzten zehn Jahren stark gewachsen ist. Dabei spielten Venture-Capital-Investitionen in Jungunternehmen, die solche neuen Technologien und Produkte entwickeln, eine bedeutende Rolle. Heute stellt sich die Frage, ob wir am Ende einer starken Wachstumsphase stehen, oder ob dies erst der Anfang einer grunds\u00e4tzlichen Neuorientierung der ressourcenintensiven Industrien mit einem weiterhin signifikanten Potenzial f\u00fcr Jungunternehmer und Risikokapitalgeber darstellt.&#13;<\/p>\n<h2>Ein Jahrzehnt gepr\u00e4gt von starkem Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs war eine Handvoll Pioniere, welche vor gut zehn Jahren selbst das Risiko auf sich nahmen, eigene Firmen zu gr\u00fcnden, mit dem Ziel, Jungunternehmen via Venture Capital in den Bereichen neuer Energie-, Wasser- und Materialtechnologien zu finanzieren und aufzubauen. Diese ersten Managementgesellschaften f\u00fcr Cleantech Venture Capital Funds waren davon \u00fcberzeugt, dass wir am Anfang eines l\u00e4nger andauernden Ver\u00e4nderungsprozesses in den ressourcenintensiven Industrien stehen. Diese Ver\u00e4nderung sollte es Jungunternehmen erlauben, sich mit neuen, sauberen Technologien in diesen etablierten Industriefeldern zu positionieren. \u00a0Heute d\u00fcrften selbst einige dieser Pioniere davon \u00fcberrascht sein, mit welcher Dynamik dieser Sektor gewachsen ist. Im Jahr 1999 beliefen sich die Venture-Capital-Investitionen in Cleantech auf gesch\u00e4tzte 279 Mio. US-Dollar Vgl. Cleantech Investment Monitore, Q3\/2008, Bd. 7\/3, Cleantech Group., was rund 0,5% des weltweit investierten Risikokapitals entsprach. Dieser Betrag stieg bis 2008 kontinuierlich auf einen Wert von 5 bis 7 Mrd. US-Dollar (je nach Definition von Venture Capital und Private Equity Vgl. Cleantech Investment Monitore, Q3\/2008, Bd. 7\/3, Cleantech Group; New Energy Finance, Monthly Briefing, Bd. V\/27, 2009.) an. Damit ist Cleantech zu einem der gr\u00f6ssten Sektoren im Venture-Capital-Markt angewachsen. \u00a0Mit einer leichten zeitlichen Verschiebung nahmen auch die Investitionen in Anlagen zu, welche auf diesen Technologien basieren: Die globalen Investitionen in Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energie stiegen von 14,6 Mrd. US-Dollar im Jahre 2004 auf stolze 97,5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008. Vgl. New Energy Finance, Monthly Briefing, Volume V\/28, 2009. Dieser Trend wurde auch von etablierten, weltweit t\u00e4tigen Konzernen wahrgenommen und f\u00fchrte schliesslich zu einer Diversifizierung in jene neuen Technologiefelder. So hatte z.B. General Electric im Jahre 2007 erstmals mehr Umsatz mit Windkraftanlagen erzielt als durch das herk\u00f6mmliche Gesch\u00e4ft mit thermischen Kraftwerken.&#13;<\/p>\n<h2>Steigende Nachfrage nach Cleantech-Produkten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz des ausgepr\u00e4gten Wachstums der letzten zehn Jahre stehen wir nicht am Ende dieses Trends. Vielmehr werden sich die ressourcenintensiven Industrien weiter entwickeln und revolutionieren m\u00fcssen, um die anstehenden Ver\u00e4nderungen der Rahmenbedingungen zu meistern. Dabei wirken verschiedene Treiber, wovon drei hier n\u00e4her betrachtet werden sollen: staatliche F\u00f6rdermassnahmen, versch\u00e4rfte Emissionsrichtlinien und die zunehmende Ressourcenknappheit.&#13;<\/p>\n<h3>Staatliche F\u00f6rdermassnahmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nKurzfristig d\u00fcrfte ein breit diversifiziertes Portfolio von staatlichen Unterst\u00fctzungsleistungen die Einf\u00fchrung von neuen Technologien f\u00f6rdern. Diese F\u00f6rdermassnahmen &#8211; wie z.B. das deutsche Energieeinspeisegesetz (EEG) &#8211; geh\u00f6rten zu den bedeutendsten Treibern des vorangegangenen Wachstums. Sie sind sowohl l\u00e4nderals auch technologiespezifisch sehr breit diversifiziert. Selbst wenn es zur Reduktion oder Absetzung von einzelnen Programmen k\u00e4me, w\u00fcrde die globale Diversifizierung und die anhaltende Neuimplementiereung solcher Programme auch kurz- und mittelfristig stark f\u00f6rdernd wirken. Im Weiteren ist in fast allen staatlichen Stimulusprogrammen, welche im Zuge der Finanzkrise ins Leben gerufen wurden, das Thema Energie als einer der Hauptschwerpunkte definiert worden. Gem\u00e4ss der Investmentbank Jeffries werden durch diesen in den letzten 12 Monaten neu geschaffenen Stimulus weltweit mehr als 150 Mrd. US-Dollar dem Cleantech-Sektor zufliessen. Vgl. Jeffries Cleantech Review, September 2009. So wurde z.B. im American Reinvestment and Recovery Act der USA rund 8% der 787 Mrd. US-Dollar f\u00fcr den Cleantech-Energiesektor reserviert. Mehr als die H\u00e4lfte davon sollen die Bereiche erneuerbare Energie und Energieeffizienz f\u00f6rdern.&#13;<\/p>\n<h3>Versch\u00e4rfung der Emissionsrichtlinien<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMittelfristig d\u00fcrften sich versch\u00e4rfende Emissions- und Immissionsrichtlinien die Nachfrage nach effizienten und schadstoffarmen Technologien hochhalten. Dies gilt sowohl f\u00fcr Treib- und Brennstoffe als auch f\u00fcr umweltbelastende Ausgangsstoffe und Prozesse in der materialverarbeitenden Industrie. So blicken wir im Fahrzeugbereich auf eine mehr als 30-j\u00e4hrige Geschichte schrittweise reduzierter Emissionsgrenzwerte. Um diese einzuhalten, braucht es kontinuierlich neue Technologien und Produkte, wie z.B. verbesserte Katalysatoren. Vergleichbare Bestrebungen gibt es auch im Bereich fossiler Kraftwerke. \u00a0Hinzu kommt die Diskussion um Treibhausgas-Emissionen, allen voran CO2 (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDas Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kommt zum Schluss, dass mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von bis zu 6\u00b0 C bis Ende des Jahrhunderts zu rechnen ist, sollte der heute bestehende weltweite Energiemix beibehalten werden. Gleichzeitig rechnet man mit sch\u00e4dlichen Konsequenzen f\u00fcr die globale Wirtschaft, sollte die Temperatur \u00fcber 1,5-2,5\u00b0 C ansteigen. Ein Temperaturanstieg von nicht mehr als 2\u00b0 C erfordert aber eine Stabilisierung der Treibhausgase bei 450ppm. Dies zu erreichen, erfordert gem\u00e4ss der International Energy Agency (IEA) zus\u00e4tzliche Investitionen von 9,2 Bio. US-Dollar in erneuerbare Energien und Energieeffizienz innerhalb der n\u00e4chsten 20 Jahre.a Das entspricht einer durchschnittlichen zus\u00e4tzlichen Nachfrage von rund 460 Mrd. US-Dollar pro Jahr an entsprechenden Produkten.). Ein \u00e4hnlicher Handlungsdruck besteht bez\u00fcglich schadstoff\u00e4rmerer Stoffkreisl\u00e4ufe in Boden und Wasser. Zu nennen sind z.B. der Trend von Bleioder Zink-Cadmium-Batterien zu vermehrt Lithium-basierten Batterien oder die weitere Reduktion von Schadstoffen in Abw\u00e4ssern.&#13;<\/p>\n<h3>Zunehmende Ressourcenknappheit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMittelbis langfristig d\u00fcrfte sich auch das zunehmende Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage der Ressourcen sehr positiv auf die Nachfrage nach Cleantech auswirken. Gem\u00e4ss den &#8211; aufgrund der Finanzkrise bereits reduzierten &#8211; Szenarien d\u00fcrfte die weltweite Energienachfrage in den n\u00e4chsten 25 Jahren um j\u00e4hrlich 1,6% zunehmen, was einer rund 45% h\u00f6heren Nachfrage gegen\u00fcber heute entspricht. Umgerechnet in Erd\u00f6l\u00e4quivalente w\u00e4ren dies rund 64 Mio. Barrels pro Tag an zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigter F\u00f6rderung; das entspricht dem Sechsfachen der heutigen F\u00f6rdermenge Saudi-Arabiens. \u00a0Rund die H\u00e4lfte dieser zus\u00e4tzlichen Nachfrage m\u00fcsste in weniger als zehn Jahren zur Verf\u00fcgung stehen. Gleichzeitig wird es aber immer schwieriger und teurer, die zur\u00fcckgehenden F\u00f6rdermengen an Erd\u00f6l von bestehenden Feldern durch neue Felder zu ersetzen. Insgesamt rechnet die IEA mit n\u00f6tigen Investitionen von 26 Bio. US-Dollar in Energieinfrastruktur von 2007 bis 2030 (9,5 Bio. US-Dollar nicht eingerechnet, welche zur Stabilisierung der Treibhausgase auf 450ppm ben\u00f6tigt werden). Vgl. International Energy Agency IEA, World Energy Outlook 2008, S. 39. Rund die H\u00e4lfte der 26 Bio. US-Dollar wird f\u00fcr den Bereich der Stromproduktion und Distribution ben\u00f6tigt. Der Rest wird mehrheitlich dazu aufgewendet werden m\u00fcssen, die zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigte F\u00f6rdermenge an fossilen Treibstoffen bereitzustellen. Dies d\u00fcrfte l\u00e4ngerfristig zu steigenden Energiepreisen und steigender Preisvolatilit\u00e4t f\u00fchren, was wiederum erneuerbare Energien wettbewerbsf\u00e4higer macht. Bereits heute stagniert die \u00d6lf\u00f6rdermenge der Non-Opec-L\u00e4nder; sie wird gem\u00e4ss der IEA ab Mitte des n\u00e4chsten Jahrzehnts r\u00fcckl\u00e4ufig sein. Vgl. International Energy Agency IEA, World Energy Outlook 2008, S. 41. \u00a0Hinzu kommt die schwer kontrollierbare Abh\u00e4ngigkeit der Wirtschaft von importierten fossilen Energietr\u00e4gern und der damit einhergehenden signifikanten Verschiebung von Kapital. Dies wird von Regierungen als zunehmend problematisch wahrgenommen und d\u00fcrfte als weitere treibende Kraft gelten, die Produktion von lokaler erneuerbarer Energie auszubauen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSelbst bei Beschr\u00e4nkung auf diese drei Trends kann von einem weiteren starken Wachstum f\u00fcr Cleantech-Produkte ausgegangen werden, welche unseren Ressourcenverbrauch verringern, umlagern oder effizienter gestalten. Dabei bedarf es weiterer Anstrengungen, die Kosten dieser Technologien zu senken und ihre Leistung zu verbessern. Dies wird auch in Zukunft eine gute Plattform f\u00fcr Jungunternehmen bieten, sich in den Bereichen Energie, Wasser und Materialien erfolgreich zu etablieren. Die Cleantech-Venture-Capital-Industrie wird weiterhin eine F\u00fchrungsrolle einnehmen, um diese Firmen aufzubauen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Cleantech zur Bek\u00e4mpfung der Klimaerw\u00e4rmung<\/b>&#13;<br \/>\nDas Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kommt zum Schluss, dass mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von bis zu 6\u00b0 C bis Ende des Jahrhunderts zu rechnen ist, sollte der heute bestehende weltweite Energiemix beibehalten werden. Gleichzeitig rechnet man mit sch\u00e4dlichen Konsequenzen f\u00fcr die globale Wirtschaft, sollte die Temperatur \u00fcber 1,5-2,5\u00b0 C ansteigen. Ein Temperaturanstieg von nicht mehr als 2\u00b0 C erfordert aber eine Stabilisierung der Treibhausgase bei 450ppm. Dies zu erreichen, erfordert gem\u00e4ss der International Energy Agency (IEA) zus\u00e4tzliche Investitionen von 9,2 Bio. US-Dollar in erneuerbare Energien und Energieeffizienz innerhalb der n\u00e4chsten 20 Jahre.a Das entspricht einer durchschnittlichen zus\u00e4tzlichen Nachfrage von rund 460 Mrd. US-Dollar pro Jahr an entsprechenden Produkten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff \u00abCleantech\u00bb steht im Wesentlichen f\u00fcr neue, ressourcenschonende Technologien in der Energie-, Wasseroder Materialwirtschaft. Es handelt sich um einen industriellen Sektor, der in den letzten zehn Jahren stark gewachsen ist. Dabei spielten Venture-Capital-Investitionen in Jungunternehmen, die solche neuen Technologien und Produkte entwickeln, eine bedeutende Rolle. 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