{"id":122036,"date":"2009-10-01T12:00:00","date_gmt":"2009-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/10\/niklaus-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:41","slug":"niklaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/10\/niklaus\/","title":{"rendered":"Ein Agrarabkommen mit der EU st\u00e4rkt die Branche"},"content":{"rendered":"<p>Die schweizerische Ern\u00e4hrungswirtschaft ist nach wie vor stark abgeschottet. Zwar wurde die gegenseitige Abschottung mit der EU durch das Freihandelsabkommen 1972 und durch weitere Abkommen &#8211; insbesondere die Bilateralen I und II &#8211; reduziert. Dennoch verbleiben bedeutende Schranken. Die Branche hat sich derweil vorwiegend auf den schweizerischen Markt konzentriert und den Blick auf die umliegenden Auslandm\u00e4rkte vernachl\u00e4ssigt. Die wohlige Stallw\u00e4rme unter dem Grenzschutz ist aber ein tr\u00fcgerischer Vorteil. Teile der Branche haben es n\u00e4mlich unterlassen, fr\u00fchzeitig Exportanstrengungen zu t\u00e4tigen. Sie verliert nun laufend Marktanteile und agiert aus der Defensive heraus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Tatsache, dass einige Teilm\u00e4rkte ge\u00f6ffnet sind, w\u00e4hrend andere geschlossen bleiben, f\u00fchrt zu problematischen Handels- und Wettbewerbsverzerrungen. Vielerorts fehlt es an der Konzentration auf die eigenen St\u00e4rken. Der kleine Markt erlaubt nur bescheidene Gr\u00f6ssenvorteile. Folge davon sind erh\u00f6hte Preise. Gerade in Zeiten konjunktureller Abk\u00fchlung steigt jedoch die Preissensibilit\u00e4t der Konsumenten.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6ffnung der Warenm\u00e4rkte schreitet voran<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Welt bleibt derweil nicht stehen. Multilaterale und bilaterale Freihandelsbestrebungen werden zu weiteren Liberalisierungsschritten f\u00fchren. Diese machen auch vor der schweizerischen Landwirtschaft nicht Halt. Die schweizerische Exportwirtschaft ist auf einen diskriminierungsfreien Zugang zu fremden M\u00e4rkten angewiesen. Die Abnehmerl\u00e4nder werden sich jedoch nur dann \u00f6ffnen, wenn die Schweiz im Gegenzug ihren Grenzschutz ebenfalls reduziert. \u00a0Die Verhandlungen mit der EU \u00fcber ein Agrarabkommen machen Fortschritte. Das Abkommen soll die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette von der Heubis zur Speisegabel umfassen. Alle gegenseitigen Handelshemmnisse &#8211; tarif\u00e4re wie nicht-tarif\u00e4re &#8211; sollen beseitigt werden. Damit die inl\u00e4ndische Ern\u00e4hrungswirtschaft \u00fcber gleichwertige Spiesse verf\u00fcgt wie ihre europ\u00e4ische Konkurrenz, braucht es zudem geeignete Begleitmassnahmen. Ein solches Abkommen wird der eingepferchten Ern\u00e4hrungswirtschaft Raum f\u00fcr Entwicklungen bieten. Die Branche kann sich vermehrt auf ihre St\u00e4rken konzentrieren und auf anderen M\u00e4rkten Fuss fassen. Davon profitiert nicht zuletzt auch die Landwirtschaft, die auf starke Partner angewiesen ist. Denn ohne Lebensmittelindustrie gibt es auch keine produzierende Landwirtschaft in der Schweiz. Die ausl\u00e4ndischen Konsumenten schliesslich profitieren von hochwertigen Produkten, die schweizerischen Konsumenten von einem breiteren Angebot und h\u00f6herer Kaufkraft. Der Zeitpunkt ist g\u00fcnstig, denn Agrarprodukte sind im Trend &#8211; hochwertige erst recht. Wer attraktive Marktnischen besetzen will, muss sich aber rechtzeitig auf die Beine machen. Ein weiteres Zuwarten k\u00f6nnte sich dereinst leicht als fatal erweisen. Ein gutes Agrarabkommen und passende Begleitmassnahmen bieten der Ern\u00e4hrungswirtschaft wieder Perspektiven.&#13;<\/p>\n<h2>Weniger attraktive \u00d6ffnungsszenarien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAndere \u00d6ffnungsszenarien sind f\u00fcr die Branche weniger attraktiv. Das gilt etwa f\u00fcr einen Abschluss der Doha-Runde. Ein solcher w\u00fcrde in der Landwirtschaft zu einem Abbau von Z\u00f6llen f\u00fchren, ohne sie im Kostenbereich zu entlasten. Auch die Lebensmittelindustrie w\u00e4re stark betroffen, da die bisherigen Mechanismen zum Ausgleich der Rohstoffnachteile als Exportsubventionen in Frage gestellt w\u00fcrden. Gleichzeitig w\u00fcrde sie im Export weiterhin durch nicht-tarif\u00e4re Handelshemmnisse gehindert. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Branche w\u00e4re bei diesem Szenario stark beeintr\u00e4chtigt. Das gilt auch bei weiteren Teilmarktliberalisierungen, wie sie etwa vom Schweizerischen Bauernverband vorgeschlagen werden. Zwar k\u00f6nnte man dadurch die M\u00e4rkte gezielt dort \u00f6ffnen, wo die Schweiz exportstark ist. Nicht wettbewerbsf\u00e4hige Bereiche liessen sich weiterhin abschotten. Dieser Ansatz w\u00fcrde somit dazu f\u00fchren, dass die dem europ\u00e4ischen Wettbewerbsdruck ausgesetzten Bereiche ihre Vorprodukte nach wie vor in abgeschotteten Teilm\u00e4rkten beziehen m\u00fcssten. Sch\u00e4dliche Handels- und Wettbewerbsverzerrungen w\u00e4ren die unweigerliche Folge. Abgesehen davon, dass es f\u00fcr diese \u00abTeil\u00f6ffnungen\u00bb auch noch interessierte Partner br\u00e4uchte, bietet keines dieser Szenarien Perspektiven. Die Branche hat daher ein Interesse, sich beizeiten f\u00fcr ein umfassendes Agrarabkommen mit der EU und f\u00fcr sinnvolle Begleitmassnahmen einzusetzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Information zu Igas<\/b>&#13;<br \/>\nDie Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz (Igas) ist eine breit abgest\u00fctzte Plattform von 28 Unternehmen und Organisationen, welche die Verhandlungen \u00fcber ein Agrarabkommen zwischen der Schweiz und der EU bef\u00fcrworten. Die Mitglieder der Igas werden sich autonom f\u00fcr oder gegen das Agrarabkommen aussprechen, wenn das Gesamtpaket &#8211; bestehend aus dem Abkommen und den Begleitmassnahmen &#8211; vorliegt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schweizerische Ern\u00e4hrungswirtschaft ist nach wie vor stark abgeschottet. Zwar wurde die gegenseitige Abschottung mit der EU durch das Freihandelsabkommen 1972 und durch weitere Abkommen &#8211; insbesondere die Bilateralen I und II &#8211; reduziert. Dennoch verbleiben bedeutende Schranken. 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