{"id":122041,"date":"2009-10-01T12:00:00","date_gmt":"2009-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/10\/pfammatter-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:31","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:31","slug":"pfammatter-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/10\/pfammatter-3\/","title":{"rendered":"Konjunkturindikatoren: Der Aussenhandel"},"content":{"rendered":"<p>Was geradezu typisch f\u00fcr kleinere Volkswirtschaften ist, gilt auch f\u00fcr die Schweiz: Der Aussenhandel erbringt einen wesentlichen Beitrag an die gesamtwirtschaftliche Leistung des Landes. Zugleich spielt der Aussenhandel eine bedeutende Rolle als gleichlaufender Konjunkturindikator. Damit lassen sich nicht nur R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber den Zustand der inl\u00e4ndischen Konjunktur ziehen, sondern auch \u00fcber die ausl\u00e4ndische Konjunkturlage.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Aussenhandelsstatistik liefert Informationen \u00fcber die Entwicklung und die Struktur des grenz\u00fcberschreitenden Warenverkehrs der Schweiz mit dem Ausland. Da jeder gewerbsm\u00e4ssig get\u00e4tigte Import und Export von Waren anmeldepflichtig ist, kommt dies einer (aussenhandels-)statistischen Vollerhebung gleich. Die Eidgen\u00f6ssische Zollverwaltung (EZV) bereitet diese Daten auf und informiert mindestens einmal monatlich &#8211; namentlich mittels Medienmitteilung &#8211; \u00fcber die Ergebnisse im schweizerischen Aussenhandel. \u00a0Die aussenhandelsstatistischen Daten fallen anl\u00e4sslich der Zollanmeldung sozusagen als Kuppelprodukt an. Die Zollanmeldung enth\u00e4lt u.a. Angaben \u00fcber die Ware selbst (codiert mit der entsprechenden achtstelligen Zolltarifnummer), den statistischen Warenwert (FOB\/CIF FOB = Free On Board; CIF = Cost Insurance Freight (international Handelsklauseln).; exkl. Steuern), die Menge (kg, Liter, St\u00fcck, Paar etc.), das Bestimmungsbzw. Versendungsland und den benutzten Verkehrszweig. Pro Jahr werden fast 21 Mio. Import- und Exportanmeldungen verarbeitet und ausgewertet. Rund 95% aller Import-Zollanmeldungen erfolgen derzeit elektronisch; beim Export sind es rund 45%.&#13;<\/p>\n<h2>Sachliche Gliederung der Aussenhandelsergebnisse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie EZV ver\u00f6ffentlicht dabei die neusten (im laufenden Jahr als provisorisch geltenden) Export- und Importergebnisse in absoluten Frankenwerten, aber auch Mengenangaben sowie die nominalen und realen Ver\u00e4nderungsraten, jeweils mit dem Vorjahresmonat als Vergleichsbasis. Als Deflator setzt die EZV den Mittelwertindex ein, der auf Basis der Durchschnittswerte je Warenposition approximativ die Preisentwicklung im Aussenhandel widerspiegelt. F\u00fcr detaillierte Informationen siehe Das HS ist seit 1988 in Kraft und findet in mehr als 200 L\u00e4ndern Anwendung (mehr Informationen unter Standard International Trade Classification. Diese Nomenklatur ist haupts\u00e4chlich nach wirtschaftsstatistischen Kriterien aufgebaut. Sie wurde inzwischen viermal revidiert. Die EZV bietet ebenfalls Auswertungen des schweizerischen Aussenhandels nach dieser Nomenklatur an.&#13;<\/p>\n<h2>Die Exporte als Beispiel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Exportergebnisse des 1. Halbjahrs 2009 nach Industriezweigen (siehe Tabelle 2) verdeutlichen, welche Branchen besonders unter dem derzeit weltweiten Nachfrageeinbruch zu leiden haben. Neben der Metall-, Maschinen- und Elektronikindustrie sind dies vor allem die Uhren- und die Textilindustrie. Grafik 1 stellt die Exportentwicklung \u00fcber einen Zeitraum von insgesamt 22 Quartalen dar. Der saisonbereinigte Kettenindex bildet dabei den Verlauf des Exportniveaus &#8211; das Einsetzen des Wachstums im 4. Quartal 2004 und den Wendepunkt ab 3. Quartal 2008 &#8211; nach, der quasi mit der inl\u00e4ndischen Konjunkturentwicklung einherging. Betrachtet man den Zeitraum von 20 Jahren, zeigt sich ein Ph\u00e4nomen in der schweizerischen Handelsbilanz (siehe Grafik 2): Das einstmalige Defizit (als ein Zeichen einer Hochkonjunkturphase wie z.B. 1988\/1989) hat sich seit den 1990er-Jahren nach und nach in einen &#8211; ungeachtet der Konjunkturlage &#8211; permanenten \u00dcberschuss gewandelt. Die Exporte pro Einwohner und Kanton (siehe Grafik 3) lassen ebenfalls R\u00fcckschl\u00fcsse auf die regionale Konzentration gewisser wertsch\u00f6pfungsintensiver Branchen zu, wie z.B. die Pharmaindustrie in Basel-Stadt oder die Uhrenindustrie in Neuenburg.&#13;<\/p>\n<h2>Die Statistiknutzer im Inland&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie schweizerische Aussenhandelsstatistik wird von unterschiedlichen Kreisen der Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik genutzt, sei es als spezifische Grundlage oder als erg\u00e4nzendes Informationsmittel f\u00fcr (k\u00fcnftige) wirtschaftliche Entscheidungen. Aus den zahlreichen Verwendungsm\u00f6glichkeiten seien hier einige aufgef\u00fchrt:\u00a0&#8211; Die Aussenhandelsdaten dienen den Instituten f\u00fcr Konjunkturprognosen zur Sch\u00e4tzung der Komponenten des BIP. \u00a0&#8211; Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) liefern sie Angaben f\u00fcr die Erstellung der Zahlungsbilanz. \u00a0&#8211; Die Gesch\u00e4ftsbanken setzten sie u.a. f\u00fcr Marktstudien ein (z.B. f\u00fcr regionale und sektorale Potenzialanalysen). \u00a0&#8211; Den Unternehmen hilft die Aussenhandelsstatistik dabei, strategische Entscheidungen hinsichtlich ihrer Absatz- und Beschaffungsm\u00e4rkte zu treffen, und die Wirtschaftsverb\u00e4nde verf\u00fcgen damit \u00fcber Zusatzinformationen zur aktuellen Branchenentwicklung. \u00a0&#8211; Sie wird auch von Verwaltungsstellen des Bundes und der Kantone genutzt. Dazu geh\u00f6ren insbesondere das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft (BLW), welche die Aussenhandelsdaten im Rahmen ihres Aufgabengebiets &#8211; z.B. Export-\/Importkontrolle oder f\u00fcr Freihandelsabkommen &#8211; auswerten und aufbereiten.\u00a0&#8211; Auch die schweizerischen Botschaften im Ausland geh\u00f6ren zu den Nutzern der Statistik, u.a. damit sie sich ein detailliertes Bild \u00fcber die bilateralen Handelsbeziehungen mit dem Gastland machen k\u00f6nnen. Dasselbe trifft nat\u00fcrlich auch auf die ausl\u00e4ndischen Vertretungen in der Schweiz zu. \u00a0&#8211; Und nicht zuletzt nutzen in- und ausl\u00e4ndische Beh\u00f6rden die Aussenhandelsstatistik, um grenz\u00fcberschreitende Wirtschaftskriminalit\u00e4t aufzudecken.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230; und im Ausland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Nutzerkreise wie auch die Datenverbreitung (Dissemination) im Ausland sind in Form und Inhalt mit jener der Schweiz vergleichbar. Auch dort haben Statistiken \u00fcber den Aussenhandel eine analog grosse Bedeutung f\u00fcr die einzelnen L\u00e4nder &#8211; aber nicht nur. Internationale Organisationen sowie Staatengemeinschaften unterhalten eigene statistische Datenbanken zu den verschiedensten Sach- und Wirtschaftsgebieten, auch \u00fcber den Aussenhandel. Die Schweiz (bzw. die EZV) liefert ihre aussenhandelsstatistischen Daten an das Eurostat, die OECD und die Welthandelsorganisation (WTO) zwecks Einbindung in deren Datenbanken. Letztgenannte ver\u00f6ffentlicht allj\u00e4hrlich den Welthandelsbericht, der nebst der Entwicklung des globalen Waren- und Dienstleistungshandels auch die Anteile der einzelnen L\u00e4nder am weltweiten Import und Export festh\u00e4lt. Im Jahr 2008 lag die Schweiz weltweit auf dem 23. Rang bez\u00fcglich Importen und auf dem 20. Rang bez\u00fcglich Exporten. Ebenfalls Abnehmer der schweizerischen Aussenhandelsdaten ist der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF).&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie schweizerische Aussenhandelsstatistik ist national und international gut eingebettet. Ihr Beitrag zur Konjunkturdiagnose und -prognose ist offensichtlich und ihr Stellenwert innerhalb der Wirtschaftsstatistik unbestritten. Nichtsdestotrotz sind die Gr\u00e4ben auf Ebene der Verbindung zu anderen nationalen Wirtschaftsstatistiken &#8211; wie z.B. zu den Wirtschaftsaktivit\u00e4ten (Noga) oder zur G\u00fcterklassifikation\/Wirtschaftszweigen (CPA-CH) Classification of Products by Activity (CH). &#8211; gross; d.h., es liegen noch keine standardisierten, offiziellen Konkordanzen zwischen den verschiedenen statistischen Klassifikationen vor. Die Bem\u00fchungen zur Behebung dieses Mangels laufen aber.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abNominale Exportentwicklung nach Quartalen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abSaldo in der Handelsbilanz, 1988-2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abExporte pro Einwohner, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abBegriffserl\u00e4uterungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2 \u00abVer\u00e4nderung gegen\u00fcber dem Vorjahr in&nbsp;% Mio. CHF nominal Mittelwert realTotal 88&nbsp;923 -15.6 1.8 -17.0\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Ursprung der Aussenhandelsstatistik<\/b>&#13;<br \/>\nDie systematische Erfassung des grenz\u00fcberschreitenden Warenverkehrs blickt auf eine lange Tradition zur\u00fcck. Eine erste aussenhandelstatistische Grundlage setzte die Einf\u00fchrung der \u00abeidgen\u00f6ssischen Grenzz\u00f6lle\u00bb im Jahr 1816. Die weitere Entwicklung der schweizerischen Aussenhandelstatistik war dabei eng mit jener des Zollwesens verbunden. In den Anfangsjahren beschr\u00e4nkten sich die Publikationen auf einfache Listen. Am 1.1.1885 nahm die heutige Aussenhandelsstatistik offiziell ihre T\u00e4tigkeit auf. Seit ihren Anf\u00e4ngen ist sie organisatorischer und administrativer Teil der Zollverwaltung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was geradezu typisch f\u00fcr kleinere Volkswirtschaften ist, gilt auch f\u00fcr die Schweiz: Der Aussenhandel erbringt einen wesentlichen Beitrag an die gesamtwirtschaftliche Leistung des Landes. Zugleich spielt der Aussenhandel eine bedeutende Rolle als gleichlaufender Konjunkturindikator. 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