{"id":122046,"date":"2009-10-01T12:00:00","date_gmt":"2009-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/10\/ragni-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:41","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:41","slug":"ragni-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/10\/ragni-3\/","title":{"rendered":"Welches sind die Reintegrationschancen der Neubez\u00fcger von Sozialhilfe in den Arbeitsmarkt?"},"content":{"rendered":"<p>Welche Chancen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt besitzen die Neubez\u00fcger von Sozialhilfe? Und welche Wirkungen entfaltet bei ihnen eine in diesem Sinne aktivierende Sozialhilfe? Aktivierungsziele in der Sozialhilfe nach dem Vorbild der Arbeitslosenversicherung (ALV), also die rasche und dauerhafte Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt, sind in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. \u00dcber den Erfolg der T\u00e4tigkeiten und Massnahmen weiss man bis heute wenig. Der Ausgleichsfonds der ALV hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, welche eine erste Beurteilung vornehmen soll. Vgl. Aeppli, Daniel C., Ragni, Thomas: Ist Erwerbsarbeit f\u00fcr Sozialhilfeempf\u00e4nger ein Privileg? &#8211; Welche Sozialhilfebez\u00fcger finden in der Schweiz eine dauerhafte Erwerbsarbeit? Bern, SECO, 2009, <a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">www.seco.admin.ch<\/a> . Die hier pr\u00e4sentierten Ergebnisse m\u00f6chten einen Anstoss zu einer wirkungsvolleren Praxis geben, die auch eine bessere Koordination zwischen ALV und Sozialhilfe beinhalten sollte.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200910_21_Ragni_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit einiger Zeit setzt sich die Einsicht durch, dass die Sozialwerke nicht isoliert betrachtet werden d\u00fcrfen, sondern in ihrer Gesamtheit &#8211; d.h. mit allen Interdependenzen &#8211; analysiert werden m\u00fcssen, um die Gesamteffizienz des Sozialstaates zu optimieren.\u00a0Anfang 2005 beauftragte der Bundesrat eine Expertengruppe damit, abzukl\u00e4ren, ob erwerbsabh\u00e4ngige Steuergutschriften eingesetzt werden k\u00f6nnen, um unerw\u00fcnschte Wirkungen verschiedener bedarfsorientierter finanzieller Leistungen auf die Erwerbst\u00e4tigkeit zu vermeiden und daraus Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Politik abzuleiten. Vgl. Eidg. Finanzdepartement: Erwerbsabh\u00e4ngige Steuergutschriften, M\u00f6glichkeiten und Auswirkungen einer Einf\u00fchrung in der Schweiz. Bericht der Expertengruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Robert E. Leu. Insbesondere ist k\u00fcnftig zu vermeiden, dass die verschiedenen, zum Teil unabh\u00e4ngig fliessenden Quellen des Sozialstaates die Anreize f\u00fcr die Aufnahme oder Ausweitung einer Erwerbst\u00e4tigkeit stark herabsetzen und die Leistungsbez\u00fcger aus rationalen Motiven in der Sozialstaatsabh\u00e4ngigkeit verharren (Armutsfalle). Eine radikale Vereinfachung des Sozialsystems ist f\u00fcr die Schweiz keine Option. Dagegen orteten die Experten unter anderem Handlungsbedarf bei Kantonen und Gemeinden, die Sozialhilfe so umzugestalten, dass keine Armutsfallen entstehen.\u00a0In der Folge wurden verschiedene Studien zu den Schnittstellen der Sozialwerke durchgef\u00fchrt. So publizierte das BSV im M\u00e4rz 2009 einen Forschungsbericht Vgl. BSV: Forschungsbericht 1\/09 \u00abQuantifizierung der \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Systemen der Sozialen Sicherheit (IV, ALV und Sozialhilfe)\u00bb. zur Quantifizierung der \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Systemen der sozialen Sicherheit (IV, ALV und Sozialhilfe). Zum ersten Mal wurde im Rahmen dieser Arbeiten die Zahl der Menschen erhoben, die sich zwischen den Systemen der sozialen Sicherheit bewegen.&#13;<\/p>\n<h2>Fragestellung und Methodik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorliegende Studie beleuchtet aus der Sicht der Stellensuchenden zum einen die Faktoren, die den \u00dcbergang zwischen Sozialhilfe und Erwerbst\u00e4tigkeit beeinflussen. Zum andern wird untersucht, ob und wie stark die Sozial\u00e4mter in der Lage sind, die Chancen dieses \u00dcbergangs zu verbessern. Aus der neusten Studie \u00fcber die Situation der Ausgesteuerten Vgl. D. Aeppli, Die Situation der Ausgesteuerten in der Schweiz. Vierte Studie im Auftrag der Arbeitslosenversicherung, SECO, Bern 2006. wissen wir beispielsweise, dass in der Stadt Z\u00fcrich rund 750 Sozialhilfef\u00e4lle pro Jahr den Schritt in die Erwerbst\u00e4tigkeit schaffen. Allerdings ist unbekannt, welches die Gr\u00fcnde des (Miss-)Erfolgs sind, wie dauerhaft die Erwerbst\u00e4tigkeit ist, ob die Personen als Erwerbst\u00e4tige nicht mehr von der Sozialhilfe abh\u00e4ngig sind oder es sp\u00e4ter wieder werden (Working Poor) und wie stark die Sozial\u00e4mter die Bestimmungsfaktoren erfolgreicher Abl\u00f6sungen zu beeinflussen verm\u00f6gen. Auf diese Fragen soll das vorliegende Projekt f\u00fcr die St\u00e4dte Basel, Biel, Lausanne, Luzern, St. Gallen Antwort geben. Sie zeigen ein repr\u00e4sentatives Bild der st\u00e4dtischen Sozialhilfe der Schweiz.\u00a0Die Ergebnisse basieren auf einer Anfang 2009 abgeschlossenen telefonischen Befragung von Personen, die sich in den f\u00fcnf St\u00e4dten in den Jahren 2005 und 2006 neu bei der Sozialhilfe angemeldet hatten. Mit diesen Personen sind insgesamt 1529 telefonische Interviews mit Hilfe eines Fragebogens, der fast ausschliesslich geschlossene Fragen beinhaltete, realisiert worden. Die Daten sind anschliessend mit amtlichen Arbeitsmarktdaten der betroffenen RAV-Regionen zusammengef\u00fchrt worden. Die folgenden Arten von Informationen wurden erhoben: \u00a0&#8211; individuell fix zurechenbare Eigenschaften (z.B. Geschlecht, Nationalit\u00e4t);\u00a0&#8211; nur langfristig ver\u00e4nderbare individuelle Daten (z.B. Berufserfahrung, h\u00f6chste abgeschlossene Ausbildung);\u00a0&#8211; situativ oft \u00fcberraschend eintretende individuelle Faktoren (z.B. alleinerziehend);\u00a0&#8211; subjektive Befindlichkeiten und Einsch\u00e4tzungen (z.B. Zukunftsaussichten, Arbeitsmarktchancen);\u00a0&#8211; Daten zur Arbeitsmarktlage (z.B. regionale Zugangsquote zur Arbeitslosigkeit);\u00a0&#8211; finanzielle Unterst\u00fctzungen vor und neben der Sozialhilfe (z.B. Verbilligung von Krankenkassenpr\u00e4mien);\u00a0&#8211; besuchte Massnahmen der aktivierenden Sozialhilfe.\u00a0\u00a0Um den Einfluss dieser Faktoren auf die Wiedereingliederungschancen zu separieren, sind in der Analyse zun\u00e4chst verschiedene multivariate Regressionsverfahren angewendet worden. Zur Messung der Wirkung der auf die Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt zielenden Sozialhilfe sind zudem unterschiedliche Verfahren der Selektionsbereinigung angewendet worden, um einen fairen Vergleich zwischen Personen mit und solchen ohne Massnahmen zu erm\u00f6glichen. Die Methodenrobustheit wurde durch die Anwendung je mehrerer Methoden getestet. So konnte \u00fcberpr\u00fcft werden, ob sich dieselben empirischen Ergebnisse unabh\u00e4ngig von der gew\u00e4hlten Methode einstellen. Das ist stets der Fall gewesen.&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnisse: Keine empirisch nachweisbare Wirkung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend die Wiedereingliederungschancen der stellensuchenden Sozialhilfeempf\u00e4nger in der Phase der Hochkonjunktur f\u00fcr gewisse Personenkreise durchaus beachtlich waren, Vgl. den Artikel von Daniel C. Aeppli auf S. 55ff. dieser Ausgabe. blieben die Wiedereingliederungserfolge, die sich auf die Aktivit\u00e4ten der Sozial\u00e4mter kausal zur\u00fcckf\u00fchren lassen, leider entt\u00e4uschend. \u00c4hnlich wie in den ersten Wirksamkeitsevaluationen der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik (Ende 1990er-Jahre) kommen wir zum Schluss, dass die Massnahmen der in diesem Sinne aktivierenden Sozialhilfe keine empirisch nachweisbare Wirkung auf die Reintegration der Sozialhilfeempf\u00e4nger entfalten konnten. Relativierend ist allerdings anzuf\u00fchren, dass die Sozialhilfe mit ihren Massnahmen nicht nur Aktivierung mit Blick auf den ersten Arbeitsmarkt betreiben darf, sondern sich auch um soziale Integration und den Erhalt von menschenw\u00fcrdigen Lebensumst\u00e4nden zu k\u00fcmmern hat. \u00a0Im Folgenden werden die individuellen Einflussfaktoren, sprachregionale Unterschiede und die Effekte der Reintegrationsmassnahmen dargestellt. Die Evaluation konzentriert sich ausschliesslich darauf, welche Faktoren die Aufnahme einer Erwerbst\u00e4tigkeit sowie die Abl\u00f6sung von der Sozialhilfe erschweren bzw. erleichtern und ob die Sozial\u00e4mter mit ihrer Aktivierung diese Chancen verbessern.&#13;<\/p>\n<h2>Individuelle Faktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8211; Personen \u00fcber 50 Jahre haben deutlich geringere Reintegrationschancen. Dieser Befund bleibt bestehen, wenn auch jene Einfl\u00fcsse konstant gehalten werden, die sonst mit zunehmendem Alter tendenziell h\u00e4ufiger auftreten. Der Einfluss lockert sich erst dann deutlich auf, wenn zus\u00e4tzlich noch die subjektive Einsch\u00e4tzung der beruflichen Zukunft in die Untersuchung einbezogen wird.\u00a0&#8211; Personen ohne abgeschlossene Ausbildung auf Sekundarstufe II haben deutlich schlechtere Integrationschancen als solche mit Abschluss. Hingegen weisen Personen mit terti\u00e4rer Ausbildung gegen\u00fcber solchen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II keine besseren Integrationschancen auf. Inwieweit das Fehlen eines Berufsbildungsabschlusses ein Symptom f\u00fcr tiefer oder anders liegende Probleme ist, muss hier offen bleiben.\u00a0&#8211; Je h\u00f6her die im bisherigen Erwerbsleben erreichte Hierarchiestufe, desto gr\u00f6sser sind die Wiedereingliederungschancen in den ersten Arbeitsmarkt der Sozialhilfebez\u00fcger. Der Grund d\u00fcrfte sein, dass ein vergangener beruflicher Aufstieg nicht bloss verlorene betriebsspezifische Kenntnisse misst, sondern auch generelles Humankapital, also z.B. soziale Kompetenz, Selbst- und Methodenkompetenz sowie die allgemeine Leistungsmotivation. Diese verm\u00f6gen die k\u00fcnftigen Berufschancen weiterhin positiv zu beeinflussen.\u00a0&#8211; Die Kompetenz in der Umgebungssprache am Wohnort \u00fcbt einen deutlich positiven Einfluss auf die Wiedereingliederungschance aus. Allerdings ist es m\u00f6glich, dass die Variable &#8211; vor allem in ihrer tiefen Auspr\u00e4gung &#8211; auch nicht direkt messbare Aspekte der sozialen Realit\u00e4t widerspiegelt. Die Ursache der mangelhaften sprachlichen Kompetenz kann im eigenen mangelnden Integrationswillen oder aber in sozialer Ausgrenzung von aussen liegen.\u00a0&#8211; Sobald Faktoren ber\u00fccksichtigt werden, die typischerweise bzw. relativ h\u00e4ufiger mit dem Ausl\u00e4nderstatus zusammen auftreten &#8211; wie z.B. Schwierigkeiten mit der Umgebungssprache am Wohnort oder das Fehlen einer Berufsbildung &#8211; k\u00f6nnen keine diskriminierenden Faktoren gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern nachgewiesen werden.\u00a0&#8211; F\u00fcr Kinder finanziell aufkommen zu m\u00fcssen, wirkt sich leicht positiv auf die Wiedereinstiegschancen aus. Wir interpretieren dies so, dass situativ auftretende Armutsrisiken per saldo eher motivierend wirken, eine Stelle zu suchen oder zu akzeptieren. Der Umstand, alleinerziehend zu sein, verschlechtert dagegen die Chancen der Reintegration. Hier \u00fcberwiegt offenbar der Effekt der \u00abInflexibilit\u00e4t\u00bb aus Erziehungspflichten den motivierenden Effekt aus situativer Armut. \u00a0&#8211; Ber\u00fccksichtigt man die oben genannten Faktoren, hat das Geschlecht keinen separaten signifikanten Einfluss mehr auf die Wiedereingliederungschance in den ersten Arbeitsmarkt.\u00a0&#8211; Neuzug\u00e4nger in die Sozialhilfe, welche ihre allgemeinen Zukunftsaussichten sowie die Chancen f\u00fcr eine Arbeitsmarktreintegration schlechter einsch\u00e4tzen, haben mehr M\u00fche, eine dauerhafte Erwerbst\u00e4tigkeit zu finden. Solche subjektiven Einsch\u00e4tzungen sind sicher durch reale vergangene Misserfolge bei der Arbeitssuche mitgepr\u00e4gt. So treten z.B. negative Zukunftserwartungen bei Personen h\u00e4ufiger auf, die schon fr\u00fcher einmal Sozialhilfe bezogen haben. Man misst mit den pers\u00f6nlichen Urteilen zu den eigenen Arbeitsmarktchancen somit auch Resignationseffekte der Langzeitarbeitslosigkeit. Andere Einflussfaktoren k\u00f6nnen aber auch hineinspielen, z.B. erzieherische Pr\u00e4gungen, die besonders hohe (Statusoder Leistungs-)Anspr\u00fcche an sich selber stellen.\u00a0&#8211; Aus unterschiedlichen Indizien l\u00e4sst sich erschliessen, dass Faktoren der sozialen Desintegration und der Resignation als allgemein biografisch pr\u00e4gende negative Erfahrungen einen stark erfolgsmindernden Einfluss auf die Reintegration aus\u00fcben. Die Wirkung finanziell unattraktiver Anreize, die es erschweren oder verhindern, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen (Armutsfalle), liess sich mit den vorliegenden Daten dagegen erst ansatzweise untersuchen. Einige unscharfe Hinweise auf ihre Existenz konnten zwar entdeckt werden. Die quantitative Bedeutung dieses Einflusskanals muss in k\u00fcnftigen Studien aber noch viel genauer untersucht werden.&#13;<\/p>\n<h3>Sprachregionale Unterschiede<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8211; Der Wohnort in der welschen Schweiz hat einen durchwegs deutlich negativen Einfluss. Die Interpretation, ob hier ein nicht beeinflussbarer \u00abkultureller\u00bb Effekt spielt, ist nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn in der Westschweiz ist zugleich die Neuzug\u00e4ngerquote in die Arbeitslosigkeit deutlich gr\u00f6sser als in der deutschen Schweiz. Strukturelle Faktoren &#8211; wie z.B. die Branchenzusammensetzung, die Bedeutung der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung und \u00e4hnliches &#8211; kommen als Erkl\u00e4rung deshalb ebenfalls in Frage.&#13;<\/p>\n<h3>Integrationsmassnahmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8211; Durch die Sozial\u00e4mter verf\u00fcgte, aber nicht selber durchgef\u00fchrte externe Integrationsmassnahmen (meist Besch\u00e4ftigungsprogramme auf dem zweiten Arbeitsmarkt) gehen mit einer deutlich tieferen Erfolgsrate bezogen auf das Ziel der raschen und dauerhaften Integration in den regul\u00e4ren Arbeitsmarkt einher. Dieses Ergebnis bleibt auch dann bestehen, wenn die Massnahmenteilnehmer an einer \u00abfairen\u00bb Vergleichsgruppe gemessen werden, die keine Massnahme erhalten hat, sonst aber im Durchschnitt die gleichen Eigenschaften aufweist wie die Teilnehmergruppe.\u00a0&#8211; Wenn dieses entt\u00e4uschende Hauptergebnis unserer Wirkungsevaluation in kausalem Sinn interpretiert wird, weist es auf die m\u00f6gliche Gefahr hin, dass insbesondere l\u00e4nger andauernde Integrationsmassnahmen zu einem Verharren in der Sozialhilfe f\u00fchren (Einschliesseffekt), weil sowohl die Betreuer als auch die Stellensuchenden in dieser Zeit unwillk\u00fcrlich die Intensit\u00e4t der Jobsuche reduzieren. Eine wichtige Lektion auch schon aus fr\u00fcheren Evaluationsstudien ist daher, dass es in vielen F\u00e4llen deutlich am wirkungsvollsten ist, keine Massnahme zu verf\u00fcgen. Dies gilt insbesondere bei Personen, deren Chancen auf eine rasche Reintegration intakt sind und deren Eigeninitiative erfolgsversprechend ist. Beides m\u00fcsste eine statistisch fundierte Triagierung fr\u00fchzeitig und zuverl\u00e4ssig erkennen (zu nichtkausalen Einfl\u00fcssen siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nZwei nichtkausale Einfl\u00fcsse k\u00f6nnten den Misserfolg der Massnahmenzuteilung mit erkl\u00e4ren: &#8211; Wir haben uns zwar sehr um einen fairen Vergleich zwischen der Massnahmen- und einer Vergleichsgruppe bem\u00fcht, sodass der verzerrende Einfluss, dass Massnahmen tendenziell h\u00e4ufiger besonderen Problemf\u00e4llen verordnet werden, eigentlich neutralisiert sein sollte. Dennoch ist es m\u00f6glich, dass nicht alle diese Selektionsverzerrungen in unseren Daten beobachtbar sind und daher ein fairer Vergleich nicht perfekt gelungen ist. &#8211; Sofern ein klar erkennbarer Zielkonflikt zwischen sozialer Integration und Aktivierung herrschen sollte, m\u00fcsste man zum Schluss gelangen, dass im Zweifelsfall die sozialen und humanen Aspekte vor den erhofften Effizienzwirkungen aus der Wiedereingliederung oft Vorrang geniessen.).\u00a0&#8211; Die \u00fcbrigen in der Umfrage erfassten nichtfinanziellen aktivierenden Massnahmen haben unterst\u00fctzende, beratende sowie kontrollierende Funktion. Sie betreffen Massnahmen, die die Sozial\u00e4mter selber durchf\u00fchren k\u00f6nnen, wie z.B. die Hilfe bei einer Antragsstellung, die \u00dcbernahme des Zahlungsverkehrs oder Gespr\u00e4che zur Standortbestimmung. Obwohl f\u00fcr sie ein Einschliesseffekt unglaubw\u00fcrdig ist, weil der Zeitaufwand daf\u00fcr einfach zu gering ist, kommen sehr \u00e4hnliche Resultate wie bei den externen Massnahmen zustande. Dies k\u00f6nnte ein Hinweis darauf sein, dass die in&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nerw\u00e4hnten versteckten Selektionseffekte doch eine bedeutende Rolle spielen. In diesem Fall w\u00e4re eine hohe Anzahl verf\u00fcgter nichtfinanzieller Massnahmen ein Ausdruck der Machtlosigkeit des Sozialamtes, die Integration in den Arbeitsmarkt f\u00fcr gewisse Personen zu beg\u00fcnstigen. Dieses Dilemma der Scheinaktivit\u00e4t aus dem Auftrag, aktivieren zu \u00abm\u00fcssen\u00bb, k\u00f6nnte vor allem bei besonders unselbstst\u00e4ndigen Personen entstehen. Verschiedentlich wird die Vermutung ge\u00e4ussert, auf diese Weise werde unabsichtlich deren Unselbstst\u00e4ndigkeit weiter verfestigt und noch verst\u00e4rkt.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnsere Studie hat gezeigt, dass die auf Arbeitsmarktintegration zielende Sozialpolitik heute in der st\u00e4dtischen Sozialhilfe der Schweiz einen festen Platz einnimmt. Bez\u00fcglich der Wirkungsevaluation dieser Politik stehen wir noch am Anfang. Diese Studie bildet einen ersten Schritt. Der Nachweis einer beabsichtigten Wirkung aktivierender Massnahmen in der Sozialhilfe gelingt f\u00fcr die bisherige konkrete Praxis nicht. Dies hat einerseits mit der Art der Zuweisung und andererseits mit der Zielvielfalt der Leistungen des Sozialamtes und der Massnahmen zu tun, die eben nicht nur die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt im Auge behalten d\u00fcrfen.\u00a0Es war nicht Ziel der Arbeit, den Sozialhilfestellen konkrete Handlungsanleitungen f\u00fcr die eigenen Aktivierungst\u00e4tigkeiten und f\u00fcr ihre Zuweisungspraxis zu externen Reintegrationsmassnahmen zu geben. Dazu bedarf es einer Prozessevaluation zur Frage, welche konkrete Praxis\u00e4nderung zu welcher Wirkungs\u00e4nderung f\u00fchrt. Die zur Beantwortung dieser Frage n\u00f6tigen Prozessleistungsdaten der Sozial\u00e4mter waren f\u00fcr uns jedoch nicht zug\u00e4nglich. \u00a0Das Ziel einer aktivierenden Sozialpolitik bleibt unbestritten. In Zukunft gilt es Wege zu finden, den Erfolg der aktivierenden Massnahmen zu verbessern. Wie die Ergebnisse unserer Studie zeigen, braucht es eine klarere Definition der Zielsetzungen mit entsprechender organisatorischer Umsetzung sowie eine st\u00e4rker auf einen m\u00f6glichen Integrationserfolg ausgerichtete Zuweisung von Aktivierungsmassnahmen. M\u00f6glichkeiten dazu w\u00e4ren formalisierte Triageoder Profilingverfahren sowie das Setzen von Anreizen f\u00fcr die Beteiligten, damit diese ein Interesse haben, im Sinne der Aktivierung ein Optimum zu erreichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Nichtkausale Einfl\u00fcsse<\/b>&#13;<br \/>\nZwei nichtkausale Einfl\u00fcsse k\u00f6nnten den Misserfolg der Massnahmenzuteilung mit erkl\u00e4ren: &#8211; Wir haben uns zwar sehr um einen fairen Vergleich zwischen der Massnahmen- und einer Vergleichsgruppe bem\u00fcht, sodass der verzerrende Einfluss, dass Massnahmen tendenziell h\u00e4ufiger besonderen Problemf\u00e4llen verordnet werden, eigentlich neutralisiert sein sollte. Dennoch ist es m\u00f6glich, dass nicht alle diese Selektionsverzerrungen in unseren Daten beobachtbar sind und daher ein fairer Vergleich nicht perfekt gelungen ist. &#8211; Sofern ein klar erkennbarer Zielkonflikt zwischen sozialer Integration und Aktivierung herrschen sollte, m\u00fcsste man zum Schluss gelangen, dass im Zweifelsfall die sozialen und humanen Aspekte vor den erhofften Effizienzwirkungen aus der Wiedereingliederung oft Vorrang geniessen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Chancen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt besitzen die Neubez\u00fcger von Sozialhilfe? Und welche Wirkungen entfaltet bei ihnen eine in diesem Sinne aktivierende Sozialhilfe? 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