{"id":122051,"date":"2009-10-01T12:00:00","date_gmt":"2009-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/10\/schaub-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:55","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:55","slug":"schaub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/10\/schaub\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4ferenzielle Handelsabkommen in der Praxis: Herausforderungen bei der Umsetzung"},"content":{"rendered":"<p>Der Abschluss von pr\u00e4ferenziellen Handelsabkommen (PHA) Die Begriffe pr\u00e4ferenzielles Handelsabkommen (PHA) und Freihandelsabkommen werden oft synonym gebraucht und beschreiben grunds\u00e4tzlich Abkommen, die Zollreduktionen zum Inhalt haben. W\u00e4hrend der pr\u00e4ferenzielle Zollsatz eines PHA jedoch nicht notwendigerweise auf null gesenkt wird, zielt ein Freihandelsabkommen meist auf eine komplette Abschaffung von Z\u00f6llen hin. durch Regierungen ist der erste Schritt, den Marktzugang der heimischen Wirtschaft im Ausland zu verbessern. Genauso wichtig ist jedoch in einem zweiten Schritt die Nutzung dieser Abkommen durch Firmen. Dieser Beitrag konzentriert sich deshalb auf Probleme und Herausforderungen, mit denen sich Firmen bei der Umsetzung und Nutzung von PHA konfrontiert sehen. Betrachtet werden auch die anfallenden Kosten der Nutzung solcher Abkommen, der Einfluss von Firmencharakteristiken sowie M\u00f6glichkeiten der Hilfestellung durch Regierungen bei der Umsetzung von PHA.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200910_07_Schaub_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"245\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zahl der bei der Welthandelsorganisation (WTO) gemeldeten bilateralen und regionalen PHA ist zwischen 1955 und 1995 moderat angestiegen und lag am Ende dieser Periode bei 127. Nach 1995 hat sich deren Zahl bis Ende 2008 explosionsartig auf 421 vermehrt; davon sind deren 230 bereits in Kraft getreten. Mittlerweile sind &#8211; mit Ausnahme der Mongolei &#8211; alle Mitglieder der WTO Vertragspartei mindestens eines PHA. Bei dieser Flut von Abkommen stellt sich die Frage, inwiefern die Firmen als Adressaten der Freihandelspolitik tats\u00e4chlich davon Gebrauch machen.&#13;<\/p>\n<h2>Freihandelsumfeld in Europa, Amerika und Asien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeltweit t\u00e4tige Firmen sind grunds\u00e4tzlich mit zwei verschiedenen Ans\u00e4tzen der Freihandelspolitik konfrontiert: In Europa und den beiden Amerikas sind PHA schon seit L\u00e4ngerem etabliert; und es sind eigentliche Freihandelsr\u00e4ume entstanden (z.B. Nafta North American Free Trade Agreement., EU, oder Mercosur Mercado Com\u00fan del Sur.). In Asien hingegen sind diese Abkommen erst nach der Jahrtausendwende in gr\u00f6sserem Umfang in Erscheinung getreten. Die Asienkrise von 1997 und die gescheiterten Doha-Verhandlungen m\u00f6gen dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Mit Ausnahme der Asean Association of Southeast Asian Nations. finden sich in Asien nur wenige umfassende regionale Handelsabkommen. Zus\u00e4tzlich sind die wichtigsten intraasiatischen Handelsfl\u00fcsse &#8211; etwa zwischen Indien, China und Japan &#8211; nicht oder nur f\u00fcr einzelne wenige Produkte durch PHA abgedeckt. Firmen, die Produktionsnetzwerke in Asien unterhalten, sehen sich mit einer Vielzahl von bilateralen PHA konfrontiert, welche sich nicht nur hinsichtlich der Ursprungsregeln unterscheiden, sondern auch unterschiedliche Abdeckungen und Tiefen der Liberalisierung aufweisen. Begriffe wie \u00abHub-and-Spoke-Bilateralismus\u00bb oder \u00abAsian Noodle Bowl\u00bb Vgl. Baldwin (2006). beschreiben dieses Netz, welches durchaus zwei oder mehr PHA zwischen zwei L\u00e4ndern beinhalten kann. F\u00fcr Firmen kommt erschwerend hinzu, dass die asiatischen Produktionsnetzwerke deutlich st\u00e4rker akzentuiert sind und im Allgemeinen mehr L\u00e4nder beinhalten als in anderen Wirtschaftsr\u00e4umen. Bestrebungen hin zu gr\u00f6sseren Freihandelsr\u00e4umen gibt es in Asien viele; jedoch sind es vor allem politische Gr\u00fcnde, die L\u00f6sungen verhindern.\u00a0Aus administrativer Sicht scheint die M\u00f6glichkeit der Selbstdeklaration des pr\u00e4ferenziellen Ursprungs in europ\u00e4ischen und amerikanischen PHA ein Vorteil f\u00fcr Firmen zu sein. Demgegen\u00fcber muss der Exporteur vor Gebrauch intraasiatischer PHA pro Produkt und Land j\u00e4hrlich eine Kostenaufstellung vom Zoll verifizieren lassen sowie zus\u00e4tzlich f\u00fcr jede Sendung ein pr\u00e4ferenzielles Ursprungszertifikat beantragen. Im Falle von kontinent\u00fcbergreifenden PHA konnten sich die USA bei Singapur und die Schweiz bzw. Efta bei Japan, S\u00fcdkorea und Singapur in dieser Hinsicht durchsetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Nutzung durch Firmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStudien der \u00f6konomischen Geografie sind zum Schluss gekommen, dass Firmen bei der Standortwahl der Produktion &#8211; neben komparativen Kostenvorteilen und Agglomerationsbzw. Fragmentierungseffekten &#8211; auch staatliche Eingriffe in Form von Protektionismus und Liberalisierung in Betracht ziehen. Der Einfluss solcher staatlicher Massnahmen auf Handelsstr\u00f6me ist in der Wissenschaft jedoch nicht unumstritten. So sind \u00f6konometrische Analysen von Handelsstr\u00f6men und Simulationen der Effekte von Zollreduktionen oft nicht frei von Zweifeln &#8211; sei es, weil entsprechende Koeffizienten statistisch nicht signifikant sind oder weil gewisse Annahmen in Konflikt mit der Realit\u00e4t geraten k\u00f6nnen. Insbesondere scheint das prognostizierte Wachstum von Handelsstr\u00f6men nicht immer eindeutig auf PHA zur\u00fcckzuf\u00fchren sein: So hat die tats\u00e4chliche Menge an Einfuhren mit pr\u00e4ferenziellem Zoll oft nicht den Erwartungen entsprochen.\u00a0Theoretische Studien gehen davon aus, dass eine Firma mit Hilfe von PHA Einsparungen erzielen kann, ohne dass zus\u00e4tzlicher Aufwand anfallen w\u00fcrde. In der Realit\u00e4t hingegen k\u00f6nnen Informations- und Administrationskosten sowie Kosten im Zusammenhang mit der Erf\u00fcllung der Ursprungsregeln entstehen (siehe Kasten 1 Pr\u00e4ferenzielle Ursprungsregeln sollen eine Handelsumlenkung verhindern und legen fest, unter welchen Voraussetzungen ein Erzeugnis vom pr\u00e4ferenziellen Zollsatz profitiert. Dies ist der Fall f\u00fcr: 1. Erzeugnisse, welche vollst\u00e4ndig in einer Vertragspartei gewonnen oder hergestellt worden sind, beispielsweise landwirtschaftliche G\u00fcter oder Bodensch\u00e4tze. 2. Erzeugnisse, die in einer Vertragspartei unter Verwendung von Vormaterialien hergestellt worden sind, die dort nicht vollst\u00e4ndig gewonnen oder hergestellt worden sind, vorausgesetzt dass diese Vormaterialien in der betreffenden Vertragspartei in ausreichendem Masse beoder verarbeitet worden sind durch Erf\u00fcllung einer oder mehrerer Regeln (je nach PHA): a. Prozentregel: Ein bestimmtes Minimum des Wertzuwachses des Endproduktes muss in einer Vertragspartei erfolgt sein. b. Tarifsprungerfordernis: Das Endprodukt f\u00e4llt in eine andere Tarifposition des Harmonisierten Systems (HS)a als die drittl\u00e4ndischen Vormaterialien. Das jeweilige PHA legt fest, ob der Zollsprung auf vier oder sechs Stellen zu erfolgen hat. c. Ursprungsverleihende Bearbeitungsprozesse: In den PHA festgelegte Prozesse f\u00fcr bestimmte G\u00fcter, z.B. Chemikalien oder Textilien. Abh\u00e4ngig vom entsprechenden Abkommen gelten die gleichen Regeln entweder f\u00fcr alle Produkte gleichermassen oder sind produktspezifisch festgelegt. 3. Geografischer Geltungsraum a. Territorialit\u00e4tsprinzip: Gew\u00f6hnlich d\u00fcrfen Erzeugnisse w\u00e4hrend des Produktionsprozesses das Freihandelsgebiet nicht verlassen. b. Veredelungsverkehr: Gewisse Abkommen legen fest, dass der Export in einen Drittstaat zur Zwischenbearbeitung erlaubt ist. c. Direkttransport: Erzeugnisse sind auf direktem Wege zwischen den Vertragsstaaten zu exportieren. Wird ein Gut in einem Drittstaat umgeladen, so muss nachgewiesen werden, dass keine weitere Bearbeitung erfolgte. d. Kumulation: Bestimmungen, die festlegen, ob und in welchem Ausmass ein Erzeugnis in anderen L\u00e4ndern eines Freihandelsgebietes bearbeitet werden kann.). Da der Gebrauch von PHA auf freiwilliger Basis geschieht, stellt sich deshalb die Frage, inwiefern Firmen diese Abkommen tats\u00e4chlich benutzen. \u00a0Vor diesem Hintergrund ist momentan insbesondere in Asien ein verst\u00e4rktes Interesse der Forschung am Verhalten von Firmen gegen\u00fcber PHA festzustellen. Um die Gr\u00fcnde und Motive zu eruieren, weshalb Firmen PHA (nicht) nutzen, sind Daten auf Firmenniveau n\u00f6tig. Aufgrund fehlender oder nicht \u00f6ffentlicher Informationen zu Nutzungsraten von PHA werden gew\u00f6hnlich Firmenumfragen durchgef\u00fchrt, um zu den entsprechenden Daten zu gelangen. Vgl. Takahashi, Urata (2008), Hirastuka, Sato, Isono (2009), Kawai, Wignaraja (2009).\u00a0Die Ergebnisse der bisher verf\u00fcgbaren Studien zeigen, dass Firmen von asiatischen PHA generell nur limitierten Gebrauch machen. Firmen, von denen Antworten verf\u00fcgbar sind, exportieren je nach Studie und Land zwischen 3% und 29% unter PHA. Firmen, die nicht antworten, benutzen mit einiger Wahrscheinlichkeit auch keine PHA &#8211; wobei ungewiss ist, ob sie \u00fcberhaupt in ein bestimmtes Land exportieren. Denkbar ist auch, dass eine kontaktierte Person aus Unkenntnis eine negative Antwort gibt.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr (Nicht-)Gebrauch von pr\u00e4ferenziellen Handelsabkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8211; Informationskosten: Firmen wissen aufgrund mangelnder Information nicht, dass entsprechende PHA existieren bzw. aufgewertet wurden oder empfinden die Informationskosten als zu hoch.\u00a0&#8211; Vernachl\u00e4ssigbare Einsparungen: Firmen glauben, dass die Einsparungen durch PHA aufgrund eines kleinen Handelsvolumens oder vernachl\u00e4ssigbarer Differenz zwischen Pr\u00e4ferenz- und Meistbeg\u00fcnstigungszollsatz zu klein sind.\u00a0&#8211; Geringe Inklusivit\u00e4t: Obwohl ein PHA gem\u00e4ss Art. XXIV des Gatt Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade). Handelsrestriktionen f\u00fcr den Hauptteil des Aussenhandels zwischen Vertragsstaaten beseitigen soll, existieren einige PHA, welche nur einzelne Produkte umfassen oder ganze Sektoren ausschliessen.\u00a0&#8211; Restriktivit\u00e4t von Ursprungsregeln: Wenn Ursprungsregeln sehr restriktiv sind, k\u00f6nnen diese als neue Handelsbarrieren betrachtet werden und &#8211; trotz Pr\u00e4ferenzzollsatz &#8211; den Marktzugang erschweren. Studien, welche die Restriktivit\u00e4t von Ursprungsregeln untersuchen Vgl. z.B. Carr\u00e8re, De Melo (2006)., beurteilen die Prozentregel als relativ restriktiv, w\u00e4hrend das Tarifsprungerfordernis als weniger restriktiv eingesch\u00e4tzt wird. Insbesondere ursprungsverleihende Bearbeitungsprozesse k\u00f6nnen Firmen aus Gr\u00fcnden des Schutzes von geistigem Eigentum Probleme bereiten. Lieferantenwechsel oder \u00c4nderungen des Produktionsprozesses zur Einhaltung der Ursprungsregeln k\u00f6nnen Produktionskosten erh\u00f6hen.\u00a0&#8211; Zeiterfordernis: Die Bereitstellung von Dokumenten, Anpassung der Daten an das vom Zoll verlangte Format sowie Beantragung und Erhalt des Ursprungszertifikates k\u00f6nnen Ressourcen beanspruchen und zu zeitlichen Engp\u00e4ssen f\u00fchren, besonders bei Just-in-time-Produktion.\u00a0&#8211; Logistik: Werden Erzeugnisse nicht direkt vom Absenderins Empf\u00e4ngerland transportiert, z.B. weil ein Gut unterwegs umgeladen wird oder die Logistikkette entsprechend geplant ist, kann ein PHA aufgrund der Direkttransportregel gew\u00f6hnlich nicht angewendet werden. Das Hauptproblem in diesem Fall ist eine fehlende regionale Ausrichtung des PHA oder fehlende diagonale Kumulation.\u00a0&#8211; Firmencharakteristiken: Ob ein PHA genutzt wird, scheint gem\u00e4ss den verf\u00fcgbaren Studien auch von Firmencharakteristiken abzuh\u00e4ngen. Generell nutzen grosse Firmen PHA eher als kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Dies wird einerseits verst\u00e4ndlich unter der Annahme, dass gr\u00f6ssere Firmen absolut mehr exportieren, und andererseits vor dem Hintergrund von Skaleneffekten: Kosten &#8211; wie die Ausbildung der Mitarbeitenden, Informationskosten, Optimierung der Logistik etc. &#8211; fallen unabh\u00e4ngig vom Exportvolumen an. Skaleneffekte k\u00f6nnten auch erkl\u00e4ren, weshalb Firmen, welche standardisierte Produkte in grossen Mengen exportieren, eher PHA nutzen. Eine langes Bestehen eines Unternehmens und ein hoher Anteil ausl\u00e4ndischer Beteiligung scheinen ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Nutzungsrate von PHA zu haben. Die beiden letztgenannten Faktoren k\u00f6nnten aber mit der Gr\u00f6sse der Firma korreliert sein. Noch nicht durch Studien belegt ist der Einfluss der firmeninternen Organisation auf die Nutzung von PHA. Da solche Abkommen praktisch die gesamte Supply Chain einer Firma betreffen &#8211; von Einkauf \u00fcber Produktion und Verkauf bis Transport &#8211; k\u00f6nnte die funktionale Verantwortung f\u00fcr PHA innerhalb der Firma eine Rolle spielen.\u00a0&#8211; Hub-and-Spoke-Bilateralismus: Werden Firmen in Asien gefragt, ob ihnen das Netz aus bilateralen PHA deren Nutzung erschwert, so scheint auf den ersten Blick unverst\u00e4ndlich, dass sich haupts\u00e4chlich grosse Firmen mit ensprechenden Ressourcen \u00fcber die inkoh\u00e4renten Ursprungsregeln beklagen. Der Anteil an Firmen, die sich von einheitlicheren Ursprungsregeln Kostenreduktionen versprechen, steigt mit der Zahl der PHA, die ein Land unterzeichnet hat. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist die intensivere Exportt\u00e4tigkeit von grossen Firmen, die auch in \u00fcberdurchschnittlichem Mass durch unterschiedliche Ursprungsregeln betroffen sind. Es findet also ein Trade-off zwischen sinkenden Administrationskosten und steigenden Kosten der Handhabung verschiedener Ursprungsregeln statt. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein genauerer Blick auf eine Studie, welche die Benutzung von PHA durch Firmen in Japan, Singapur, Korea, Thailand und den Philippinen untersucht Kawai &amp; Wignaraja (2009).: Ein Vergleich von Japan und Singapur zeigt, dass beide L\u00e4nder relativ viele PHA abgeschlossen haben. Dennoch ist die Nutzungsrate von japanischen Abkommen mit 29% am oberen und diejenige der singapurianischen Abkommen mit 17% am unteren Limit der Werte. Auf die Frage, ob sich Firmen durch harmonisierte Ursprungsregeln eine Kostenreduktion versprechen w\u00fcrden, haben 57% der Firmen in Singapur, aber nur 29% derjenigen in Japan mit Ja geantwortet. Von den gr\u00f6ssten Firmen in Singapur haben sich sogar nahezu 100% einheitlichere Ursprungsregeln gew\u00fcnscht, w\u00e4hrend dieser Wert in Japan unter 50% lag. Dass der Hub-and-Spoke-Bilateralismus hier einen Einfluss haben k\u00f6nnte, legt eine Studie nahe, welche untersucht, inwiefern Ursprungsregeln, die ein Land in seinen PHA ausgehandelt hat, homogen sind. Vgl. Schaub (2009). Die in dieser Untersuchung gepr\u00fcften Tarifpositionen zeigen, dass Ursprungsregeln in japanischen PHA einheitlicher ausgestaltet sind als diejenigen in singapurischen Abkommen. Relativ homogene Ursprungsregeln in Japans PHA w\u00fcrden somit die relativ hohe Nutzungsrate sowie die relativ tiefe erwartete Kostenreduktion durch einheitlichere Ursprungsregeln in Japan erkl\u00e4ren.&#13;<\/p>\n<h2>Aufwand und Ertrag der Nutzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie hoch sind die oben besprochenen Aufwendungen zur Nutzung von PHA? Und wie stehen diese im Verh\u00e4ltnis zum Nutzen? Der direkte Nutzen von PHA f\u00fcr einen Produzenten beschr\u00e4nkt sich auf tiefere Z\u00f6lle beim Import von Vormaterialien. F\u00fcr die eigentliche Arbeit des Ausf\u00fcllens von Dokumenten und der \u00c4nderung des Beschaffungsoder Produktionsverfahrens erh\u00e4lt der Produzent keinen direkten Gegenwert. Der indirekte Anreiz, diese Kosten zu tragen, entsteht durch erh\u00f6hte Konkurrenzf\u00e4higkeit im Exportmarkt oder durch Gewinne der Firma als Ganzes, wenn Intra-Firmen-Handel betroffen ist. Andere Bestandteile von PHA &#8211; wie generelle Vereinfachung der Zollformalit\u00e4ten, Schutz des geistigen Eigentums, Investitionsschutz und andere dynamische Inhalte &#8211; werden hier nicht ber\u00fccksichtigt, da diese Vorteile meist unabh\u00e4ngig von obigen Kosten und ohne spezielles Wissen seitens der Firma eintreten.\u00a0Wissenschaftliche Studien, die solche Kosten zu quantifizieren versuchen, unterscheiden oft zwischen Kosten f\u00fcr die Administration von PHA sowie dem Aufwand zur Erf\u00fcllung von Ursprungsregeln. Vgl. Carr\u00e8re &amp; de Melo (2006), Anson et al (2005), Herin Jan (1986). Methodologisch verwenden diese Studien meist Nutzungsraten von PHA oder einen synthetischen Index, der die Restriktivit\u00e4t einzelner Ursprungsregeln abzubilden versucht. Ist die Nutzungsrate eines PHA signifikant positiv, sollten die Kosten des Gebrauchs entsprechend kleiner sein als der eingesparte Zoll. Als Ergebnisse werden Durchschnittskosten f\u00fcr den Gebrauch von PHA in der Gr\u00f6ssenordnung von 4%-10% des Exportwertes angegeben, wobei sich die Kosten zur Bestimmung des pr\u00e4ferenziellen Ursprungs auf ca. 3% des Wertes belaufen und der Wechsel eines Lieferanten ebenfalls einige Prozente ausmachen kann. Mit anderen Worten: Eine vierbis zehnprozentige Zollreduktion ist n\u00f6tig, damit Firmen f\u00fcr die entstandenen Kosten entsch\u00e4digt werden. Ein Blick auf das Ergebnis der Uruguay-Runde der WTO zeigt jedoch, dass der durchschnittliche Zollsatz f\u00fcr Importe in Industriel\u00e4nder weltweit bei lediglich 4% liegt und der Anteil der Zolls\u00e4tze \u00fcber 15% noch 5% ausmacht. Quelle: WTO. Es kann damit angenommen werden, dass die Kosten der Nutzung von PHA in gewissen F\u00e4llen durchaus ein Grund sein kann, weshalb Firmen eher Importz\u00f6lle bezahlen bzw. dem Kunden entsprechende Rabatte geben, als PHA zu benutzen.&#13;<\/p>\n<h2>Unterst\u00fctzung von Firmen und Empfehlungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie die vorgestellten Untersuchungen zeigen, scheint das Management von PHA bereits f\u00fcr grosse Firmen eine Herausforderung, w\u00e4hrend KMU aufgrund fehlender Ressourcen weniger profitieren k\u00f6nnen. Informationstechnologien k\u00f6nnten hier eine vereinfachende Rolle spielen. Das Problem ist jedoch, dass kommerzielle Software, welche es erlauben w\u00fcrde, den Prozess des Anwendens von PHA systemm\u00e4ssig abzubilden, nur beschr\u00e4nkt verf\u00fcgbar ist. Insbesondere die automatische Berechnung der Einhaltung von pr\u00e4ferenziellen Ursprungsregeln scheint relativ komplex.\u00a0Inwiefern Regierungen nach der Verhandlungsphase und der Unterzeichnung von PHA betreffend Unterst\u00fctzung von Firmen aktiv werden, variiert je nach Land stark. In der Schweiz sind diesbez\u00fcglich im Rahmen von Exportfragen generell etwa die Osec sowie kantonale Handelskammern m\u00f6gliche Ansprechspartner. Diese organisieren auch entsprechende Seminare. Im Sinne einer Verbesserung der Transparenz scheint eine Online-L\u00f6sung sinnvoll, welche es erm\u00f6glicht, Ursprungsregeln sowie Zolldifferenzen zwischen Pr\u00e4ferenz- und Meistbeg\u00fcnstigungszollsatz pro Produkt und Exportdestination mit Hilfe weniger Mausklicks anzuzeigen, wie dies z.B. Singapur macht. Firmen stehen damit nicht mehr vor der Aufgabe, jedes einzelne Produkt im entsprechenden Anhang eines PHA zu suchen.\u00a0Bei der Anwendung von PHA in Firmen spielen jedoch nicht nur die Fakten eine Rolle, sondern &#8211; und dies ist vielleicht sogar wichtiger &#8211; auch das Wissen, wie solche L\u00f6sungen in einer Firma konkret umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund sei der dreistufige Ansatz Singapurs kurz vorgestellt: In einem ersten Schritt werden generelle Informationsseminare angeboten, gefolgt von individuellen Gespr\u00e4chen mit Experten der Regierung. Im Falle der Identifizierung m\u00f6glicher Einsparungen durch PHA werden f\u00fcr eine weitergehende Betreuung kostenpflichtige Berater empfohlen. Diese kommen entweder aus der Privatwirtschaft oder der Regierung.\u00a0Eine multilaterale Handelsliberalisierung unter der WTO w\u00e4re in vielerlei Hinsicht die vorteilhafteste Entwicklung f\u00fcr Firmen. Die Empfehlungen an Regierungen und Verhandlungsdelegationen in Tabelle 1 sind demnach als Optimierung der PHA im Sinne einer Second-Best-L\u00f6sung zu verstehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abEmpfehlungen an Regierungen und Verhandlungsdelegationen zur Verbesserung von pr\u00e4ferenziellen Handelsabkommen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Pr\u00e4ferenzielle Ursprungsregeln Pr\u00e4ferenzielle Ursprungsregeln sollen eine Handelsumlenkung verhindern und legen fest, unter welchen Voraussetzungen ein Erzeugnis vom pr\u00e4ferenziellen Zollsatz profitiert. Dies ist der Fall f\u00fcr: 1. Erzeugnisse, welche vollst\u00e4ndig in einer Vertragspartei gewonnen oder hergestellt worden sind, beispielsweise landwirtschaftliche G\u00fcter oder Bodensch\u00e4tze. 2. Erzeugnisse, die in einer Vertragspartei unter Verwendung von Vormaterialien hergestellt worden sind, die dort nicht vollst\u00e4ndig gewonnen oder hergestellt worden sind, vorausgesetzt dass diese Vormaterialien in der betreffenden Vertragspartei in ausreichendem Masse beoder verarbeitet worden sind durch Erf\u00fcllung einer oder mehrerer Regeln (je nach PHA): a. Prozentregel: Ein bestimmtes Minimum des Wertzuwachses des Endproduktes muss in einer Vertragspartei erfolgt sein. b. Tarifsprungerfordernis: Das Endprodukt f\u00e4llt in eine andere Tarifposition des Harmonisierten Systems (HS)a als die drittl\u00e4ndischen Vormaterialien. Das jeweilige PHA legt fest, ob der Zollsprung auf vier oder sechs Stellen zu erfolgen hat. c. Ursprungsverleihende Bearbeitungsprozesse: In den PHA festgelegte Prozesse f\u00fcr bestimmte G\u00fcter, z.B. Chemikalien oder Textilien. Abh\u00e4ngig vom entsprechenden Abkommen gelten die gleichen Regeln entweder f\u00fcr alle Produkte gleichermassen oder sind produktspezifisch festgelegt. 3. Geografischer Geltungsraum a. Territorialit\u00e4tsprinzip: Gew\u00f6hnlich d\u00fcrfen Erzeugnisse w\u00e4hrend des Produktionsprozesses das Freihandelsgebiet nicht verlassen. b. Veredelungsverkehr: Gewisse Abkommen legen fest, dass der Export in einen Drittstaat zur Zwischenbearbeitung erlaubt ist. c. Direkttransport: Erzeugnisse sind auf direktem Wege zwischen den Vertragsstaaten zu exportieren. Wird ein Gut in einem Drittstaat umgeladen, so muss nachgewiesen werden, dass keine weitere Bearbeitung erfolgte. d. Kumulation: Bestimmungen, die festlegen, ob und in welchem Ausmass ein Erzeugnis in anderen L\u00e4ndern eines Freihandelsgebietes bearbeitet werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Bibliografie &#8211; Anson J., Cadot O., Estevadeordal A., de Melo J., Suwa-Eisenmann A. und Tumurchudur B. (2005): Rules of Origin in North-South Preferential Trading Arrangements with an Application to Nafta, Review of International Economics, 13(3), S. 501-517.- Baldwin, R. E. (2006). Managing the Noodle Bowl: The Fragility of East Asian Regionalism, CEPR Discussion Paper 5561.- Carr\u00e8re C. und de Melo J. (2006): Are different Rules of Origin equally costly? Estimates from NAFTA. In: Cadot O., Estevadeordal A., Suwa-Eisenmann A. und Verdier T. (Hrsg.), The Origin of Goods. Oxford University Press. Oxford.- Herin J. (1986): Rules of Origin and Differences between Tariff Levels in Efta and the EC, EFTA Occasional Paper 13.- Hiratsuka D., Sato H., und Isono I. (2009): A Study on the Impact of Free Trade Agreements on Business Activity in Asia: The Case of Japan, ADBI Working Paper 143. Tokyo: Asian Development Bank Institute.- Kawai M. und Wignaraja G. (2009): The Asian \u00abNoodle Bowl\u00bb: Is It Serious for Business?, ADBI Working Paper 136. Tokyo: Asian Development Bank Institute.- Schaub M. (2009): Trade Facilitation through Homogenization of Preferential Rules of Origins, Unpublished Working Paper. Presented at 2009 Singapore Economic Review Conference (SERC), University of St.Gallen.- Takahashi K. und Urata S. (2008): On the Use of FTAs by Japanese Firms, RIETI Discussion Paper Series 08-E-002.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abschluss von pr\u00e4ferenziellen Handelsabkommen (PHA) Die Begriffe pr\u00e4ferenzielles Handelsabkommen (PHA) und Freihandelsabkommen werden oft synonym gebraucht und beschreiben grunds\u00e4tzlich Abkommen, die Zollreduktionen zum Inhalt haben. W\u00e4hrend der pr\u00e4ferenzielle Zollsatz eines PHA jedoch nicht notwendigerweise auf null gesenkt wird, zielt ein Freihandelsabkommen meist auf eine komplette Abschaffung von Z\u00f6llen hin. durch Regierungen ist der erste [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3348,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3348,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Schweizerisches Institut f\u00fcr Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der Universit\u00e4t St.Gallen, (SIAW-HSG) und National University of Singapore, Business School","seco_author_post_occupation_fr":"Institut suisse de recherche en \u00e9conomie internationale et en \u00e9conomie appliqu\u00e9e de l\u2019universit\u00e9 de Saint-Gall (SIAW-HSG)\net universit\u00e9 nationale de Singapour, Business School","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122054,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8127","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55a619ed6e879"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122051"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3348"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122051"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122051\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127871,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122051\/revisions\/127871"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122051"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122051"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122051"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122051"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}