{"id":122081,"date":"2009-09-01T12:00:00","date_gmt":"2009-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/09\/berclaz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:37:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:37:04","slug":"berclaz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/09\/berclaz\/","title":{"rendered":"Ein modernes Gesetz f\u00fcr moderne Fachhochschulen"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundesgesetz \u00fcber die F\u00f6rderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich (HFKG) bringt Fortschritte, so etwa in Bezug auf einheitliche Rechtsgrundlagen, Finanzierung sowie Qualit\u00e4tssicherung und Akkreditierung f\u00fcr alle Hochschulen. Seine einseitige Orientierung an den Bereichen Technik und Wirtschaft bildet aber nur einen Teil des Fachhochschulsystems ab. Auch die unn\u00f6tig hohe Regelungsdichte ist ein Nachteil. Das HFKG bietet die Chance, den Rahmen auf Gesetzesstufe so abzustecken, dass die Fachhochschulen ihre praxisorientierten St\u00e4rken in allen Fachbereichen &#8211; also auch in den Bereichen Gesundheit und Soziale Arbeit sowie in den K\u00fcnsten &#8211; weiter ausbauen und sich auf Augenh\u00f6he mit den anderen Hochschulen autonom und wettbewerbsf\u00e4hig entwickeln k\u00f6nnen. Die Vorlage muss entsprechend verbessert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas HFKG verspricht Mehrwerte f\u00fcr die Hochschullandschaft Schweiz. Zu den St\u00e4rken z\u00e4hlen die Finanzierung der kantonalen Hochschulen nach einheitlichen und klaren Grunds\u00e4tzen sowie die verst\u00e4rkt leistungsorientierte Finanzierung. Ein Pluspunkt ist zudem die Rechtsgrundlage f\u00fcr Fachhochschulen (FH), P\u00e4dagogische Hochschulen (PH) und Universit\u00e4re Hochschulen (UH) aus einem Guss. Sie schafft f\u00fcr alle Hochschulen einheitliche und international kompatible Vorschriften \u00fcber Qualit\u00e4tssicherung und Akkreditierung. Weitere Vorteile sind der verbindliche Rahmen \u00fcber Studienstufen und -richtzeiten, Anerkennung von Studienleistungen, Abschl\u00fcssen, \u00dcberg\u00e4ngen und Weiterbildung sowie der Bezeichnungs- und Titelschutz. Fortschrittlich sind weiter die parametrisierbaren Rahmenbedingungen zur St\u00e4rkung der Hochschulprofile. Das Gesetz gibt der Schweizerischen Hochschulkonferenz den n\u00f6tigen Spielraum, spezifisch auf die einzelnen Hochschultypen ausgerichtete Kenngr\u00f6ssen so festzulegen, dass deren unterschiedliche Aufgaben gewahrt werden und deren Entwicklung dennoch wettbewerbsf\u00e4hig und arbeitsmarktgerecht m\u00f6glich ist.&#13;<\/p>\n<h2>Einseitiges FH-Profil und Benachteiligung von Fachbereichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas HFKG delegiert die Festlegung der Merkmale der Hochschultypen an die Schweizerische Hochschulkonferenz. F\u00fcr die FH schreibt es aber zur Sicherstellung ihres Profils in einer gegen\u00fcber den anderen Hochschulen asymmetrischen Sonderbehandlung einen Status quo fest, der Autonomie und Entwicklung &#8211; im Widerspruch zur postulierten F\u00f6rderung der Profilbildung und des Wettbewerbs unter den Hochschulen &#8211; einschr\u00e4nkt.\u00a0Mit ihrer einseitigen Orientierung an den traditionellen Ausbildungen in den Bereichen Technik und Wirtschaft kommuniziert die Vorlage zudem ein Verst\u00e4ndnis, wonach es sich bei der FH-Ausbildung grunds\u00e4tzlich um eine Weiterbildung nach einer beruflichen Grundbildung handelt. Diese Optik blendet die neuen Gebiete Gesundheit und Soziale Arbeit sowie die K\u00fcnste mit ihren spezifischen Eigenheiten aus.\u00a0Die Berufsbildung bleibt unbestritten als \u00abK\u00f6nigsweg\u00bb ein zentraler Zubringer f\u00fcr die FH &#8211; aber nicht der einzige. Bereits seit Jahren kommt rund ein Drittel der Studierenden nicht \u00fcber die Berufsbildung in die FH; 25% der Eintretenden haben eine gymnasiale Maturit\u00e4t. Der Br\u00fcckenschlag f\u00fcr jene, die sich nach einer rein schulischen Vorbildung doch f\u00fcr ein auf die Berufspraxis ausgerichtetes Studium entscheiden, funktioniert also bestens.\u00a0Die Hochschulen f\u00fcr Musik, Theater, Kunst und Design sind gleichwertiger Teil des schweizerischen FH-Systems. Indem das HFKG festlegt, dass in der Regel die erste Studienstufe berufsqualifizierend ist, werden die Kunsthochschulen, die keine universit\u00e4ren \u00c4quivalente haben, zur Ausnahme deklariert. In den K\u00fcnsten ist der Master &#8211; nicht der Bachelor &#8211; als berufsbef\u00e4higender Abschluss internationaler Standard. Auch im Bereich der Forschungsfinanzierung ignoriert das Gesetz wesentliche Bed\u00fcrfnisse der K\u00fcnste, indem es vor allem auf die in anderen Disziplinen g\u00e4ngigen wettbewerblichen Zuteilungskriterien der Mittel abst\u00fctzt.&#13;<\/p>\n<h2>Ja zu einem spezifischen FH-Profil &#8211; aber entwicklungsoffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Gesetz verf\u00fcgt auch mit weniger Regeln \u00fcber hinreichend Instrumente, um f\u00fcr die differenzierte Profilierung der Fachhochschulen zu sorgen. Wichtig w\u00e4re allerdings, Arbeitsmarkt und Wirtschaft st\u00e4rker und direkter einzubinden.\u00a0Das HFKG bietet die Chance, ein modernes FH-Profil in seiner vollen Breite zu erfassen und Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich jeder Fachbereich vollwertig und nach seinen Erfordernissen f\u00fcr die Praxis weiterentwickeln kann. Die FH fordern, dass diese Chance zur St\u00e4rkung ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit &#8211; und damit zum Vorteil f\u00fcr das schweizerische Bildungssystems &#8211; genutzt wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesgesetz \u00fcber die F\u00f6rderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich (HFKG) bringt Fortschritte, so etwa in Bezug auf einheitliche Rechtsgrundlagen, Finanzierung sowie Qualit\u00e4tssicherung und Akkreditierung f\u00fcr alle Hochschulen. Seine einseitige Orientierung an den Bereichen Technik und Wirtschaft bildet aber nur einen Teil des Fachhochschulsystems ab. 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