{"id":122146,"date":"2009-09-01T12:00:00","date_gmt":"2009-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/09\/ruprecht-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:51","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:51","slug":"ruprecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/09\/ruprecht\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg zur Selbstfindung"},"content":{"rendered":"<p>Mitte der 1990er-Jahre f\u00fchrten Bund und Kantone individuell gewachsene Strukturen aus dem h\u00f6heren Bildungsbereich zu Hochschulen zusammen, die gegen\u00fcber den Universit\u00e4ten als \u00abandersartig, aber gleichwertig\u00bb gelten sollten. Aus Schulen mit ganz unterschiedlichen Kulturen entstanden bis heute heterogene Gebilde, die ihre Position in der schweizerischen Hochschullandschaft noch nicht definitiv gefunden haben. Auf diesem Weg zeichnen sich f\u00fcr die Fachhochschulen Tendenzen ab, die den Dozierenden zur Sorge Anlass geben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs scheint f\u00fcr Bund und Kantone von Anfang an klar gewesen zu sein, dass die Andersartigkeit der neuen Hochschulen nicht zuletzt darin liegen sollte, dass sie ihnen die klassische Bottom-up-Struktur der Universit\u00e4ten verwehren wollten. Im Entwurf der Berner Fachhochschule stand z.B. urspr\u00fcnglich, dass die Berner Fachhochschule eine \u00abgef\u00fchrte Unternehmung\u00bb sein sollte, was dem Hochschulanspruch gerade doppelt zuwider lief: Einerseits kann eine (\u00f6ffentliche) Schule keine Unternehmung sein; andererseits passt der mit \u00abUnternehmung\u00bb implizierte Begriff von F\u00fchrung nicht in eine Schule.&#13;<\/p>\n<h2>Die Sorge um die Qualit\u00e4t der Lehre&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt keine Hochschule ohne Studierende. Eine Hochschule ohne Dozierende ist aber noch weniger denkbar. Ihre individuellen und fachlichen Qualit\u00e4ten und ihr Arbeitsumfeld sind von entscheidender Bedeutung f\u00fcr den Ruf und den Erfolg ihrer Hochschule. Das beschr\u00e4nkt sich nicht einfach auf ihre Rolle als Unterrichtende (und Forschende), sondern auch auf ihre Partizipation an der Gestaltung ihres Arbeitsorts und &#8211; last, but not least &#8211; auf die Vertretung ihrer eigenen Interessen als Berufsstand. \u00a0Niemand bestreitet die Bedeutung der Forschung im Rahmen der Fachhochschulen. Ihr eigentliches Kerngesch\u00e4ft ist aber nach wie vor die Lehre. Mit Genugtuung stellen die Dozierenden fest, dass sie im Bed\u00fcrfnis, optimale Lehre zu erm\u00f6glichen, auf der gleichen Seite stehen wie die Studierenden. Der Verband der Fachhochschuldozierenden (FH-CH) plant zusammen mit dem Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS), im November eine Tagung zu diesem Thema durchzuf\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;und um das Umfeld<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf dem Weg zur Selbstfindung der Fachhochschulen zeichnet sich zudem eine Entwicklung ab, die viele Dozierende beunruhigt: In den meisten F\u00e4llen sind die Leitungsorgane der neuen Fachhochschulen von ihren Tr\u00e4gerschaften ohne echte Einbindung der Dozierenden bestellt worden &#8211; und zwar nicht f\u00fcr eine bestimmte Amtszeit, aus der sich eine gewisse Qualit\u00e4tskontrolle ergeben k\u00f6nnte. Das hat den Effekt, dass diese Organe dem Bildungs- und Hochschulwesen fern stehen. Das ist nicht in sich falsch: Auch Hochschulen brauchen den Bezug zur Aussenwelt. Wesentlich ist jedoch, dass sich diese auch auf die Bed\u00fcrfnisse der Hochschulen einlassen k\u00f6nnen. \u00a0Der FH-CH stellt mit Sorge fest, dass die administrative Last auf den einzelnen Dozierenden parallel zum administrativen Aufwand der Schulleitungen w\u00e4chst und sich der finanzielle Aufwand der Schulen immer mehr von den Ausgaben f\u00fcr die Kernaufgabe Lehre hin zur Verwaltung verlagert. Deshalb hat der Verband an seiner Pressekonferenz vom 11. Mai 2009 die Forderung nach einem Benchmark f\u00fcr die Administration der Fachhochschulen gestellt. Die Administration sollte m\u00f6glichst schlank sein und nicht eine Behinderung der Lehrt\u00e4tigkeit darstellen, sondern ihrer Unterst\u00fctzung dienen. Das kann sie nur, wenn sie den Bed\u00fcrfnissen der Dozierenden entgegen kommt. \u00a0Ein zweiter Kernpunkt aktueller Besorgnis liegt darin, dass der Mitwirkung der Dozierenden am Geschick der Schulen als Ganzem, aber auch ihrer Departemente verschwindend klein ist. Gerade hier w\u00e4ren wesentliche Impulse n\u00f6tig: Eine Schulleitung, die sich nur ein sehr allgemeines Bild von den eigentlichen Bed\u00fcrfnissen der Schule machen kann, riskiert, \u00fcber die K\u00f6pfe weg zu befinden und Entscheide zu treffen, deren schiere Nichtanwendbarkeit zu \u00c4nderungen und Widerrufen f\u00fchren muss.&#13;<\/p>\n<h2>Eine Stimme in der neuen Hochschulkonferenz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bundesgesetz \u00fcber die F\u00f6rderung der Hochschulen und die Koordination im schweizerischen Hochschulbereich (HFKG) sieht zwar eine\/n Vertreter\/in der Studierenden in der eidgen\u00f6ssischen Hochschulkonferenz vor, nicht aber ein\/e Vertreter\/in der Dozierenden. Dieser Umstand hat dazu gef\u00fchrt, dass sich die drei Dozierendenverb\u00e4nde (FH-CH, Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Lehrerinnen und Lehrerbildung SGL und Vereinigung der Schweizerischen Hochschuldozierenden VSH-AEU) Ende Juni spontan zu einer Plattform zusammengefunden haben, um diesen Platz einzufordern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte der 1990er-Jahre f\u00fchrten Bund und Kantone individuell gewachsene Strukturen aus dem h\u00f6heren Bildungsbereich zu Hochschulen zusammen, die gegen\u00fcber den Universit\u00e4ten als \u00abandersartig, aber gleichwertig\u00bb gelten sollten. Aus Schulen mit ganz unterschiedlichen Kulturen entstanden bis heute heterogene Gebilde, die ihre Position in der schweizerischen Hochschullandschaft noch nicht definitiv gefunden haben. 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