{"id":122171,"date":"2009-09-01T12:00:00","date_gmt":"2009-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/09\/strauss-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:37:02","modified_gmt":"2023-08-23T21:37:02","slug":"strauss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/09\/strauss\/","title":{"rendered":"Die Beherbergungsstatistik"},"content":{"rendered":"<p>Seit 1934 gibt es in der Schweiz eine landesweite Tourismusstatistik, die alle Hotelbetriebe mit mehr als zwei G\u00e4stebetten erfasst. Aufgrund des Entlastungsprogramms des Bundesrates k\u00fcndigte das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) im Mai 2003 an, dass die Beherbergungsstatistik eingestellt werde, das BFS aber f\u00fcr Vorschl\u00e4ge zur externen Zusammenarbeit und Finanzierung offen sei, um den Fortbestand dieser Statistik zu sichern. Unter Federf\u00fchrung des Schweizer Tourismus-Verbands (STV) mobilisierten sich in der Folge die Kantone, Regionen und Tourismusverb\u00e4nde. Am 1.Januar 2005 wurde die neue Beherbergungsstatistik (Hesta) auf der Basis einer Kofinanzierung eingef\u00fchrt.&#13;<\/p>\n<h2>Datenerhebung und Datendiffusion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Informationen zu Angebot und Nachfrage werden monatlich bei allen Hotel- und Kurbetrieben (Hotellerie) sowie bei den Campingpl\u00e4tzen und Jugendherber-gen, die im Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) gef\u00fchrt werden, erhoben. Die Daten der Hotellerie werden 25 Werktage nach Ende des Berichtsmonats ver\u00f6ffentlicht. Im Mittelpunkt stehen Daten zur Beherbergungskapazit\u00e4t (Anzahl Betriebe, Zimmer und Betten) und zur Nachfrage (Ank\u00fcnfte und Logiern\u00e4chte nach Herkunftsland der G\u00e4ste). Weitere Indikatoren wie die Netto-Bettenauslastung oder die Aufenthaltsdauer werden ebenfalls ver\u00f6ffentlicht. Alle Erhebungsresultate sind auf einer sehr detaillierten r\u00e4umlichen Gliederungsstufe verf\u00fcgbar. Die kleinste Einheit ist die Gemeinde, sofern alle Datenschutzbedingungen erf\u00fcllt sind.\u00a0Die Resultate der Parahotellerie (ausschliesslich Campingpl\u00e4tze und Jugendherbergen) werden j\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlicht und sind nach Monaten gegliedert. Dabei werden \u00e4hnliche Inhalte pr\u00e4sentiert wie bei der Hotellerie, jedoch weniger detailliert bez\u00fcglich Herkunftsland der G\u00e4ste und r\u00e4umlicher Gliederungsstufe.&#13;<\/p>\n<h2>Die Benutzer der Daten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Resultate der Hesta werden von zahlreichen Akteuren f\u00fcr die Erstellung von Konjunkturanalysen verwendet &#8211; nebst den touristischen Kreisen auch von den \u00f6ffentlichen Verwaltungen, der Forschung und der Privatwirtschaft. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beispielsweise verwendet die Logiern\u00e4chtezahl der ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste f\u00fcr die Zahlungsbilanz der Schweiz und die Logiern\u00e4chtezahl der inl\u00e4ndischen G\u00e4ste f\u00fcr Analysen und Prognosen des privaten Konsums. Die Informationen der Beherbergungsstatistik werden dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die Quartalssch\u00e4tzungen des Bruttoinlandprodukts (BIP) ber\u00fccksichtigt, die vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) durchgef\u00fchrt werden. Auch f\u00fcr das Satellitenkonto Tourismus und die Fremdenverkehrsbilanz greift das BFS auf diese Daten zur\u00fcck.&#13;<\/p>\n<h2>Internationale Vergleiche<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch die Statistikkooperation im Rahmen der bilateralen Vertr\u00e4ge zwischen der Schweiz und der EU sind die Schweizer Daten mit jenen der europ\u00e4ischen Partner vergleichbar. Eurostat ver\u00f6ffentlicht in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden Informationen zum Beherbergungsbereich. Auf internationaler Ebene machen die Weltorganisation f\u00fcr Tourismus (UNWTO) und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) regelm\u00e4ssig Gebrauch von den Beherbergungsdaten der Schweiz f\u00fcr L\u00e4ndervergleiche zu Beherbergung und Tourismus.&#13;<\/p>\n<h2>Nachfrageentwicklung in der Hotellerie: Touristische Wintersaison 2009<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAb 2005 verzeichnete die Hotellerie eine stetige Zunahme der Logiern\u00e4chte. Die touristische Wintersaison 2009 (November 2008 bis April 2009) brachte jedoch im Vergleich zur Vorjahresperiode ein negatives Wachstum (vgl. Tabelle 1). Die weltweite Wirtschaftskrise d\u00fcrfte f\u00fcr den Nachfrager\u00fcckgang bei den Hotelbetrieben w\u00e4hrend dieser Periode mitverantwortlich sein. Die Logiern\u00e4chte gingen bei den ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten st\u00e4rker zur\u00fcck als bei den Touristinnen und Touristen aus der Schweiz. Diese negative Tendenz zeichnete sich bei den G\u00e4sten vom amerikanischen und asiatischen Kontinent sowie von Ozeanien bereits in der Sommersaison 2008 (Mai 2008 bis Oktober 2008) ab. In der Wintersaison 2009 war ebenfalls in allen Schweizer Tourismusregionen &#8211; mit Ausnahme von Neuenburg\/Jura\/Berner Jura, wo die Nachfrage leicht zunahm &#8211; ein Logiern\u00e4chter\u00fcckgang zu beobachten. Nach Monaten betrachtet weist die Nachfrageentwicklung w\u00e4hrend dieser Periode (vgl. Grafik 1) gegen\u00fcber der Vorjahresperiode in den meisten Monaten negative Ver\u00e4nderungen auf. Einzig die Monate Dezember und April registrierten eine Zunahme. Die positive Entwicklung im April ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass im Jahr 2009 Ostern in diesen Monat fiel; 2008 lag Ostern im Monat M\u00e4rz. F\u00fcr ein vergleichbares Resultat m\u00fcssen die Ergebnisse daher bereinigt werden, d.h. die Logiern\u00e4chtezahlen der Monate M\u00e4rz und April m\u00fcssen kumuliert werden. Das Ergebnis der beiden Monate im Jahr 2009 zeigt ein negatives Logiern\u00e4chtewachstum gegen\u00fcber der Vorjahresperiode. Da f\u00fcr diesen Zeitraum noch keine aktualisierten europ\u00e4ischen Daten vorliegen, kann noch nicht abgesch\u00e4tzt werden, ob der Negativtrend in allen EU-L\u00e4ndern festzustellen ist.&#13;<\/p>\n<h2>Die Zukunft der Beherbergungsstatistik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Hesta muss an die europ\u00e4ischen Normen angepasst werden und wird in diesem Zusammenhang einige \u00c4nderungen erfahren. Ab 2010 werden die Herkunftsl\u00e4nder der G\u00e4ste detaillierter erfasst. Damit kann f\u00fcr dieses Merkmal ein umfassender Vergleich zwischen der EU und der Schweiz vorgenommen werden. Gleichzeitig wird gepr\u00fcft, ob eine umfassende Parahotelleriestatistik erstellt werden soll, die Informationen zu Kollektivunterk\u00fcnften und Ferienwohnungen beinhaltet. Die Erstellung dieser Statistik birgt einige Herausforderungen, namentlich die Definition der Stichprobengrundlage sowie das Bestimmen zuverl\u00e4ssiger und best\u00e4ndiger Datenquellen. Diese beiden Elemente sind unabdingbar f\u00fcr eine amtliche Statistik, die modernen methodischen Anforderungen gen\u00fcgen will.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abHotel- und Kurbetriebe: Monatliche Ver\u00e4nderung der Logiern\u00e4chte, touristische Wintersaison 2008\/09\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abHotellerie: Logiern\u00e4chte (in 1000) nach Herkunft der G\u00e4ste und nach Tourismusregionen, touristische Sommersaisons 2006-2008 und Wintersaisons 2007-2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in der Schweiz<\/b>&#13;<br \/>\nDie gesamte touristische Verwendung in der Schweiz belief sich im Jahr 2005 gem\u00e4ss dem Satellitenkonto Tourismus (BFS) auf 32,6 Mrd. Franken. Daraus resultierte eine Bruttowertsch\u00f6pfung von 12,6 Mrd. Franken, was einem Anteil von 2,9% an der gesamten Wertsch\u00f6pfung der schweizerischen Volkswirtschaft entspricht. Die 138203 direkt dem Tourismus zurechenbaren vollzeit\u00e4quivalenten Stellen entsprechen gar 4,4% der schweizerischen Gesamtbesch\u00e4ftigung im Jahr 2005.Die ausl\u00e4ndischen Besucher trugen im Jahr 2005 mit touristischen Ausgaben von 12,0 Mrd. beinahe 40% zur direkten touristischen Nachfrage bei. Diese Ausgaben haben f\u00fcr die schweizerische Volkswirtschaft die gleiche Wirkung wie der Export von Waren. Damit betrug der Anteil des Tourismus 5,3% an den gesamten Exporten der Schweiz (G\u00fcter und Dienstleistungen).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1934 gibt es in der Schweiz eine landesweite Tourismusstatistik, die alle Hotelbetriebe mit mehr als zwei G\u00e4stebetten erfasst. 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