{"id":122176,"date":"2009-07-01T12:00:00","date_gmt":"2009-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/07\/aeberhardt-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:36:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:36:58","slug":"aeberhardt-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/07\/aeberhardt-5\/","title":{"rendered":"D\u00fcstere Konjunkturlage und Arbeitsmarktaussichten f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Konjunkturperspektiven f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft haben sich im ersten Halbjahr 2009 weiter verd\u00fcstert. Nach dem massiven Einbruch der Weltwirtschaft seit Herbst 2008 deuten die internationalen Indikatoren seit einigen Monaten zwar vermehrt auf ein Ende der Abw\u00e4rtsspirale hin. Die \u00dcberwindung der Rezession und die anschliessende Erholung d\u00fcrften jedoch wegen der Nachwirkungen der globalen Finanzkrise nur langsam vorankommen. Vor dem Hintergrund einer auch 2010 voraussichtlich nur schwer Tritt fassenden Konjunktur muss f\u00fcr die Schweiz mit einer fortgesetzten starken Verschlechterung der Arbeitsmarktlage gerechnet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Konjunktur im internationalen Abw\u00e4rtssog<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Sog der versch\u00e4rften Finanzkrise gerieten alle grossen Wirtschaftsr\u00e4ume (Nordamerika, Europa, Asien) erstmals seit Jahrzehnten praktisch zugleich in eine starke Rezession. Die weltwirtschaftliche Talfahrt setzte sich auch im Fr\u00fchjahr 2009 noch ungebremst fort. Zahlreiche OECD-L\u00e4nder erlitten beim Bruttoinlandprodukt (BIP) im 4. Quartal 2008 und im 1. Quartal 2009 regelrechte Einbr\u00fcche (siehe Grafik 1). Besonders massiv waren die BIP-R\u00fcckg\u00e4nge in Japan und Deutschland, obwohl gerade diese beiden Volkswirtschaften &#8211; im Gegensatz zu L\u00e4ndern wie den USA, Grossbritannien oder Spanien &#8211; nicht von einer geplatzten Immobilienblase betroffen waren. Dieser positive Aspekt wurde jedoch in Deutschland und in Japan durch den Zusammenbruch des Welthandels und den massiven R\u00fcckgang der Exportnachfrage deutlich \u00fcberkompensiert.\u00a0Die Schweiz als stark international ausgerichtete Volkswirtschaft und wichtiges Finanzzentrum kann sich den realwirtschaftlichen Konsequenzen der wohl schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren naturgem\u00e4ss nicht entziehen. Befl\u00fcgelt vom weltweiten Aufschwung und den durchgef\u00fchrten Reformen &#8211; wie Personenfreiz\u00fcgigkeit, Binnenmarktgesetz, Kartellgesetz etc. &#8211; konnte die Schweizer Wirtschaft in den Jahren 2004 bis 2007 noch die l\u00e4ngste und st\u00e4rkste Wachstumsperiode (mit durchschnittlich 3% BIP-Wachstum pro Jahr) seit Anfang der 1980er-Jahre verzeichnen. Im Verlauf des zweiten Halbjahrs 2008 ist sie trotz gesunder binnenwirtschaftlicher Ausgangslage nun auch in eine &#8211; gewissermassen \u00abimportierte\u00bb &#8211; Rezession geraten, welche sich seit Anfang 2009 weiter verst\u00e4rkt und ausgebreitet hat. So schrumpfte die Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2008 um 0,6% und im 1. Quartal 2009 um 0,8% Jeweils Ver\u00e4nderungsraten zum Vorquartal, ohne Hochrechnung auf Jahresbasis.; das Vorjahresniveau wurde um 2,4% unterschritten. Obwohl dies den st\u00e4rksten R\u00fcckgang seit den 1970er-Jahren bedeutet, nehmen sich diese Zahlen &#8211; verglichen mit den regelrechten Einbr\u00fcchen in anderen L\u00e4ndern &#8211; immer noch relativ milde aus. Es ist eine offene Frage, ob die Schweizer Wirtschaft mit einer Verz\u00f6gerung noch st\u00e4rker auf die Krise reagieren wird. Ein Grund f\u00fcr eine Verz\u00f6gerung des Konjunkturverlaufs in der Schweiz k\u00f6nnte die bis anhin relative Robustheit der Schweizer Binnennachfrage &#8211; namentlich des privaten Konsums &#8211; sein. Die binnenwirtschaftlich ausgerichteten Sektoren konnten sich &#8211; wie etwa Detailhandel und Bauwirtschaft &#8211; bis zum Fr\u00fchjahr 2009 solide behaupten, auch wenn sich die Aussichten klar eingetr\u00fcbt haben.\u00a0Starke rezessive Impulse kamen dagegen seit letztem Herbst von den international ausgerichteten Wirtschaftssektoren. Der weltweite Nachfrager\u00fcckgang traf die Schweizer Exporte im 1. Quartal mit voller Wucht. Nach dem Einbruch im Schlussquartal 2008 schrumpften die gesamten Exporte (Waren und Dienstleistungen) im 1. Quartal 2009 massiv um 5,4% (gegen\u00fcber Vorquartal). Die Hoffnungen auf eine Trendwende beim Schweizer Aussenhandel, die sich dank relativ freundlicher Aprilzahlen kurzzeitig eingestellt hatten, wurden von den Ergebnissen im Mai j\u00e4h zerschlagen: Der Einbruch der Warenexporte von -19,7% (im Vorjahresvergleich) war sogar der st\u00e4rkste Monatsr\u00fcckgang seit Beginn der Zeitreihe (1988). Der Nachfrager\u00fcckgang war in allen Regionen sp\u00fcrbar. So nahmen die Warenexporte in die EU um 20% (nominell) und in die USA um 18% ab; die asiatischen Schwellenl\u00e4nder fragten fast 30% weniger Schweizer G\u00fcter nach als vor einem Jahr. Neben dem traditionellen Aussenhandelskanal via Exportindustrie wird die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz zus\u00e4tzlich durch die Rezession im Finanzsektor belastet, dessen Wertsch\u00f6pfung bereits seit Anfang 2008 jedes Quartal geschrumpft ist.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick Weltkonjunktur: Vermehrte Anzeichen f\u00fcr nachlassende Rezession&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTiefe und Dauer der Rezession in der Schweiz werden im Wesentlichen durch die weitere Entwicklung der internationalen Konjunktur bestimmt. Auf den ersten Blick pr\u00e4sentiert sich ein d\u00fcsteres Bild. Den aktuellen Prognosen zufolge wird die Wirtschaftsleistung in den meisten OECD-L\u00e4ndern im Jahr 2009 stark schrumpfen, mit negativen Wachstumsraten in Gr\u00f6ssenordnungen, wie sie bisher selten beobachtet wurden.\u00a0Seit einigen Monaten (April\/Mai) sind vermehrte Anzeichen f\u00fcr ein Ende der Abw\u00e4rtsspirale auszumachen. Eine Reihe von Indikatoren deutet inzwischen darauf hin, dass sich der R\u00fcckgang der weltwirtschaftlichen Aktivit\u00e4t seit dem Fr\u00fchjahr merklich verlangsamt hat. Die Gesch\u00e4ftserwartungen der Unternehmen haben sich in vielen L\u00e4ndern auf tiefem Niveau leicht verbessert. Auch bei den \u00abharten\u00bb Indikatoren &#8211; wie Industrieproduktion, Auftragseing\u00e4ngen und Exporten &#8211; zeigen sich erste Anzeichen einer Bodenbildung. In den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern &#8211; insbesondere in Asien &#8211; ist der Aussenhandel in der Tendenz sogar bereits wieder aufw\u00e4rts gerichtet. Gleichzeitig haben die Rohstoffpreise begonnen, sich von ihren Tiefs zu erholen. \u00a0Allerdings spielen sich all diese ermutigenden Tendenzen bei den meisten Indikatoren auf sehr bescheidenem Niveau ab und lassen vorerst lediglich ein Nachlassen der Rezession, aber noch kein Wachstum erwarten. Auch an den internationalen Finanzm\u00e4rkten hat sich unter dem Einfluss der wirtschaftspolitischen St\u00fctzungsmassnahmen die Lage seit April 2009 etwas entspannt, was sich in gesunkenen Risikopr\u00e4mien in diversen Marktsegmenten (u.a. Interbankenm\u00e4rkte, Unternehmensanleihen) manifestiert. Alles in allem erscheint die Gefahr einer fortgesetzten Talfahrt der Weltwirtschaft derzeit geringer als noch vor einigen Monaten. Die Aussichten einer Stabilisierung der internationalen Konjunktur bis Ende dieses Jahres sind intakt, zumal die weltweit stark expansiven Impulse der Geld- und Finanzpolitik erst zu wirken beginnen.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230; aber wohl auch im n\u00e4chsten Jahr noch viel Sand im Getriebe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie kr\u00e4ftigen wirtschaftspolitischen Impulse und die allm\u00e4hliche Stabilisierung an den Finanzm\u00e4rkten sprechen somit daf\u00fcr, dass sich die Weltkonjunktur bis Ende 2009 langsam f\u00e4ngt. Eine geradlinige und starke Erholung wird sich im n\u00e4chsten Jahr wohl aber kaum einstellen. Zwar war in der Vergangenheit nach Rezessionen h\u00e4ufig eine kr\u00e4ftige Erholung zu beobachten. Da die derzeitige Rezession mit einer Finanzkrise verbunden ist, muss jedoch damit gerechnet werden, dass ihre \u00dcberwindung z\u00e4her als gew\u00f6hnlich vonstatten geht. Einer starken und selbsttragenden Aufw\u00e4rtsdynamik stehen die Nachwirkungen der Finanzkrise &#8211; Stichwort Schuldenabbau (\u00abDeleveraging\u00bb) &#8211; entgegen. Die aktuelle Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes (vom 17. Juni) f\u00fcr die Schweizer Wirtschaftsentwicklung bis 2010 geht demzufolge vom weltwirtschaftlichen Szenario aus, dass sich das BIP-Wachstum in den USA und der EU auch bis Ende 2010 nur leicht beleben und im Jahresdurchschnitt 2010 ann\u00e4hernd bei null liegen wird (was einige Quartale mit positivem Wachstum nicht ausschliesst). Ein m\u00f6glicher Verlauf w\u00e4re etwa, dass sich in vielen L\u00e4ndern in einer ersten Phase infolge der Umkehr des Lagerzyklus sowie der Auswirkungen der volumin\u00f6sen Konjunkturmassnahmen eine sp\u00fcrbare Wachstumsbelebung einstellt, die in der Folge jedoch wieder an Schwung verliert. Eine sogenannte W- oder L-Erholung erscheint somit wahrscheinlicher als die klassische V-Erholung.&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz: Nur zaghafte \u00dcberwindung der Rezession bis Ende 2010<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn j\u00fcngster Zeit waren zwar auch in der Schweiz bei einzelnen Gesch\u00e4ftsklimaindikatoren Insbesondere beim Einkaufsmanagerindex in der Industrie, im Juni erstmals auch beim sektoral breiter abgest\u00fctzten Konjunkturbarometer der KOF. erste Anzeichen einer Wende auf sehr tiefem Niveau auszumachen. Allerdings d\u00fcrften nach dem anf\u00e4nglich hauptbetroffenen Finanzsektor und der Exportindustrie die binnenwirtschaftlichen Sektoren und der bislang noch relativ solide private Konsum in den kommenden Quartalen erst noch st\u00e4rker vom Abschwung erfasst werden, sodass eine rasche \u00dcberwindung der Rezession unwahrscheinlich ist. \u00a0Im Vergleich zur Prognose vom vergangenen M\u00e4rz pr\u00e4sentieren sich die Konjunkturaussichten f\u00fcr die Schweiz zur Jahresmitte 2009 nochmals ung\u00fcnstiger. Dies liegt haupts\u00e4chlich darin begr\u00fcndet, dass die weltwirtschaftliche Rezession seit Anfang 2009 noch sch\u00e4rfer verlaufen ist als damals angenommen. Positiv ist immerhin, dass mittlerweile deutlichere Signale f\u00fcr ein Ende der Talfahrt in einigen OECD-L\u00e4ndern erkennbar sind als noch vor wenigen Monaten. Unter der Voraussetzung einer Stabilisierung der Weltwirtschaft und der Finanzm\u00e4rkte sollte auch in der Schweiz der BIP-R\u00fcckgang bis Ende 2009 allm\u00e4hlich nachlassen und im Verlauf von 2010 in eine sehr bescheidene Erholung m\u00fcnden. Die Expertengruppe des Bundes prognostiziert gem\u00e4ss ihrer Konjunkturbeurteilung vom Juni f\u00fcr 2009 einen BIP-R\u00fcckgang f\u00fcr die Schweiz um 2,7% (bisher -2,2%). Auch f\u00fcr 2010 muss angesichts der nur langsam voranschreitenden Verbesserung mit einem geringen BIP-R\u00fcckgang um 0,4% gerechnet werden (bisher +0,1%).\u00a0Die Exporte von Waren und Dienstleistungen d\u00fcrften nach der massiven Abnahme um \u00fcber 10% im laufenden Jahr 2010 wieder leicht zunehmen und damit die sehr moderate Konjunkturerholung st\u00fctzen. Demgegen\u00fcber d\u00fcrfte die private Konsumnachfrage vor dem Hintergrund einer sinkenden Besch\u00e4ftigung noch st\u00e4rker als bisher vom Abschwung erfasst werden.\u00a0Im Vergleich zu den Prognosen, die Ende 2008 und Anfang 2009 erstellt wurden, als die Konjunkturrisiken wegen der Unw\u00e4gbarkeiten im Zusammenhang mit der Finanzkrise aussergew\u00f6hnlich gross und in erster Linie abw\u00e4rtsgerichtet waren, erscheint die Situation im Fr\u00fchsommer 2009 differenzierter. Die vorlaufenden Konjunkturindikatoren zeigen eine Verlangsamung der rezessiven Tendenzen. Somit erscheint eine weitere Akzentuierung der Abw\u00e4rtsspirale in den n\u00e4chsten Quartalen heute unwahrscheinlicher als noch vor einigen Monaten.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarkt: Die Krise wirft ihre Schatten voraus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Besch\u00e4ftigungsentwicklung erh\u00e4rtet das konjunkturelle Bild, welches sich vor einigen Monaten in der realen Wirtschaft abgezeichnet hatte: Die Schw\u00e4che der Weltwirtschaft hat sich zuerst auf die Exportwirtschaft \u00fcbertragen und greift nun auf die konjunkturreagiblen Bereiche der Binnenwirtschaft \u00fcber. W\u00e4hrend das BIP saisonbereinigt im ersten Quartal bereits deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig war, erreichte die vollzeit\u00e4quivalente Besch\u00e4ftigung saisonbereinigt noch knapp den Wert des Vorquartals. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage erstaunt es nicht, dass die Besch\u00e4ftigung in der Industrie deutlich zur\u00fcckging. Innerhalb des Dienstleistungssektors war die Entwicklung u.a. im Gastgewerbe sowie im Handel negativ &#8211; ein Vorzeichen f\u00fcr die Abschw\u00e4chung im Binnenbereich. Besch\u00e4ftigungsst\u00fctzend wirkten dagegen die traditionell robusten Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Unterrichtswesen. \u00a0Ein \u00e4hnliches Bild ergibt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Nachdem die Arbeitslosenzahl Mitte 2008 mit rund 100000 ihren Tiefpunkt erreicht hatte, setzte ab September ein Anstieg ein, der sich rasch beschleunigte. Zwischen November 2008 und Mai 2009 stieg die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 5600 oder knapp 5% pro Monat an. Ein \u00e4hnlich starker Anstieg war letztmals in den fr\u00fchen 1990er-Jahren zu beobachten. Saisonbereinigt lag die Arbeitslosenzahl Ende Mai bei 140000, was einer Arbeitslosenquote von 3,6% entspricht. Effektiv waren Ende Mai 135128 Personen arbeitslos (3,4%). 192516 Personen waren als Stellensuchende gemeldet (registrierte Arbeitslose plus registrierte nichtarbeitslose Stellensuchende).&#13;<\/p>\n<h2>D\u00fcstere Arbeitsmarktaussichten f\u00fcr 2009 und 2010<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVerschiedene Informationen weisen darauf hin, dass sich die Arbeitsmarktlage in den kommenden Monaten noch deutlich verschlechtern wird. Die vorauslaufenden Indikatoren zeigen ein einheitliches Bild auf: \u00a0&#8211; Der Index der offenen Stellen bildete sich im 1. Quartal 2009 gegen\u00fcber dem Vorquartal saisonbereinigt um 16% zur\u00fcck und lag damit bereits um 37% unter dem Wert des Vorjahres. \u00a0&#8211; Einen deutlichen R\u00fcckgang verzeichnete auch der \u00abJob-Pilot-Index\u00bb, der auf der Erhebung von Online-Stellenanzeigen beruht. Saisonbereinigt bildete er sich gegen\u00fcber Januar 2009 um 13% zur\u00fcck und lag im April bereits 26% unter dem Vorjahreswert. \u00a0&#8211; Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen gem\u00e4ss Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) lag Ende Mai bei 11739 und damit um 24% unter dem Vorjahresstand. \u00a0&#8211; In die gleiche Richtung deutet der Index der Besch\u00e4ftigungsaussichten (siehe Grafik 3). Erstmals seit Beginn seiner Erhebung Anfang 2004 lag der saisonbereinigte Wert unter 1, was im zweiten Quartal 2009 insgesamt einen Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckgang erwarten l\u00e4sst. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass die Unternehmen, welche im Quartal nach der Befragung einen Besch\u00e4ftigungsabbau planen, jene mit einem geplanten Besch\u00e4ftigungsaufbau \u00fcberwiegen. Die Antworten werden entsprechend der Besch\u00e4ftigtenzahl des Unternehmens gewichtet. Vor allem in der Industrie ist in den kommenden Monaten vermehrt mit Stellenabbau zu rechnen. Der saisonbereinigte Indikator erreichte mit 0,93 einen neuen Tiefstwert. Im Baugewerbe wie auch im Dienstleistungssektor insgesamt lag der Indikator bei 0,99, was ebenfalls auf einen bevorstehenden leichten Besch\u00e4ftigungsabbau hindeutet. Mit deutlichen Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckg\u00e4ngen w\u00e4re gem\u00e4ss diesem Indikator im dritten Sektor in den Branchen Verkehr und Nachrichten\u00fcbermittlung, Finanzdienstleistungen und Gastgewerbe zu rechnen. Leicht negativ w\u00fcrde die Entwicklung im Handel ausfallen.\u00a0Erh\u00e4rtet wird die Entwicklung dieser Indikatoren durch die zu erwartende gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Es zeigt sich immer klarer, dass die Nachfrageschw\u00e4che in den kommenden Monaten kaum \u00fcberwunden werden d\u00fcrfte. Im Gegenteil wird sich die Krise auf den Binnensektor ausweiten. Damit werden immer mehr Unternehmen gezwungen sein, ihre Belegschaften anzupassen. Sie werden einerseits mit Neuanstellungen zur\u00fcckhaltend sein und andererseits Arbeitnehmende entlassen m\u00fcssen. Die Schweizer Wirtschaft wird 2010 nach einem R\u00fcckgang des Bruttoinlandprodukts von 2,7% 2009 eine hohe Unterauslastung aufweisen, wodurch die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskr\u00e4ften ged\u00e4mpft wird. Verst\u00e4rkt wird das Arbeitsmarktungleichgewicht dar\u00fcber hinaus dadurch, dass die Erwerbsbev\u00f6lkerung weiter zunehmen d\u00fcrfte.\u00a0Somit ist unausweichlich, dass sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit weiter fortsetzen wird. Die (saisonbereinigte) Arbeitslosenquote d\u00fcrfte von 3,6% im Mai bis Ende Jahr auf deutlich \u00fcber 4% steigen (3,8% im Jahresdurchschnitt 2009, was 150000 Personen entspricht). Im n\u00e4chsten Jahr ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen, wobei die 5%-Marke deutlich \u00fcberschritten werden d\u00fcrfte. Beim unterstellten Konjunkturszenario wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr 2010 noch relativ stark verlaufen und erst in der Folge langsam nachlassen. Die Expertengruppe rechnet im Jahresdurchschnitt 2010 mit einer Arbeitslosenquote von 5,5%, was 217000 arbeitslos gemeldeten Personen entspricht. \u00a0Aus Grafik 4 wird ersichtlich, dass sich die Arbeitslosigkeit auf dem h\u00f6chsten Niveau der letzten 20 Jahre bewegen wird. Weil die Arbeitslosenquote auf der Basis der Erwerbspersonen gem\u00e4ss Volksz\u00e4hlung 2000 beruht (Nenner) und die Erwerbsbev\u00f6lkerung in der Zwischenzeit um kumuliert etwa 10% gewachsen ist, d\u00fcrfte die Rate 2010 etwas nach oben verzerrt sein. Die im Text gemachten Aussagen behalten aber trotz dieser Datenproblematik ihre G\u00fcltigkeit, da die Arbeitslosenquote 1997 auf der Basis der Volksz\u00e4hlung 1990 beruht und in \u00e4hnlichem Ausmass nach oben verzerrt ist. Die Steilheit des Anstiegs ist etwa gleich ausgepr\u00e4gt wie zu Beginn der Neunzigerjahre. Die Arbeitslosenquote von 2008 (2,6%) wird sich bis 2010 mehr als verdoppeln. Nicht alle Kategorien von Arbeitnehmenden werden gleichermassen betroffen sein. Besonders ins Gewicht wird die Jugendarbeitslosigkeit fallen (siehe Tabelle 3).\u00a0Vor dem Hintergrund einer auch 2010 voraussichtlich nur schwer Tritt fassenden Konjunktur muss f\u00fcr die Schweiz mit einer fortgesetzten starken Verschlechterung der Arbeitsmarktlage gerechnet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abReales BIP-Wachstum in ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abGesch\u00e4ftsklima USA, Euroraum, Schweiz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abBesch\u00e4ftigungsaussichten der Schweiz nach Wirtschaftsbereichen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4 \u00abArbeitslosigkeit: Entwicklung seit 1990 und Prognosen bis 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abWeltwirtschaftliche Annahmen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2 \u00abPrognose Schweiz (Juni 2009)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 3 \u00abVoraussichtliche Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Verst\u00e4rkter Einsatz von Kurzarbeit<\/b>&#13;<br \/>\nIm Gegensatz zu den Besch\u00e4ftigtenzahlen gibt die Kurzarbeit bereits sehr fr\u00fch Angaben \u00fcber die Sch\u00e4rfe des wirtschaftlichen Einbruchs. In den letzten Monaten griffen Unternehmen in einem seit vielen Jahren nicht mehr gekannten Ausmass auf das Instrument der Kurzarbeit zur\u00fcck. Im M\u00e4rz bezogen bereits rund 41000 Arbeitnehmende Kurzarbeitsentsch\u00e4digung. Die Ausfallstunden pro Arbeitnehmenden beliefen sich auf durchschnittlich 64 Stunden, was rund 36% eines Vollzeitpensums entspricht. Das ausgefallene Arbeitsvolumen belief sich im M\u00e4rz also auf ein \u00c4quivalent von fast 15000 Vollzeitstellen.Zum Vergleich: Im letzten Abschwung im M\u00e4rz 2002 hatten lediglich 18400 Arbeitnehmende Kurzarbeitsentsch\u00e4digung bezogen. Die heute st\u00e4rkere Nutzung d\u00fcrfte u.a. damit zu erkl\u00e4ren sein, dass viele Unternehmen vom Zeitpunkt und der Heftigkeit des gegenw\u00e4rtigen Abschwungs \u00fcberrascht wurden. Zudem konzentrierte sich der Absatzeinbruch auf die Industrie, wo sich das Instrument der Kurzarbeit besonders gut einsetzen l\u00e4sst. Schliesslich d\u00fcrfte auch die befristete Verl\u00e4ngerung der maximalen Bezugsdauer auf 18 Monate sowie die Reduktion des Selbstbehaltes f\u00fcr die Unternehmen den R\u00fcckgriff auf die Kurzarbeit beg\u00fcnstigt haben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konjunkturperspektiven f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft haben sich im ersten Halbjahr 2009 weiter verd\u00fcstert. Nach dem massiven Einbruch der Weltwirtschaft seit Herbst 2008 deuten die internationalen Indikatoren seit einigen Monaten zwar vermehrt auf ein Ende der Abw\u00e4rtsspirale hin. 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