{"id":122226,"date":"2009-07-01T12:00:00","date_gmt":"2009-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/07\/jordan-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:37:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:37:30","slug":"jordan-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/07\/jordan-3\/","title":{"rendered":"Geldpolitik in st\u00fcrmischen Zeiten am Beispiel der Schweizerischen Nationalbank"},"content":{"rendered":"<p>Die durch die globale Finanzmarktkrise ausgel\u00f6ste Weltwirtschaftskrise hat auch die Schweizer Volkswirtschaft mitgerissen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagierte mit einer massiven geldpolitischen Lockerung und ging faktisch zu einer Nullzinspolitik \u00fcber. Durch den Einsatz unkonventioneller Massnahmen bleibt die SNB weiterhin handlungsf\u00e4hig. Eine erste Zwischenbilanz dieser Massnahmen f\u00e4llt positiv aus. Die Risikopr\u00e4mien am Geld- und Kapitalmarkt sanken. Der Aufwertungstrend des Frankens gegen\u00fcber dem Euro wurde bei abnehmender Volatilit\u00e4t gestoppt. F\u00fcr den zuk\u00fcnftigen Erhalt der Preisstabilit\u00e4t ist die Festlegung des optimalen Ausstiegszeitpunktes aus der gegenw\u00e4rtigen Nullzinspolitik zentral.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200907_08_Jordan_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"264\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Sommer 2007 endete eine \u00fcberaus freundliche Sch\u00f6nwetterperiode an den Finanzm\u00e4rkten. Eine ungew\u00f6hnlich lange Phase sehr niedriger Zinsen, tiefer Volatilit\u00e4ten und eine beispiellose Hausse an den Immobilienm\u00e4rkten in den USA und Europa m\u00fcndeten letztendlich in einer Finanzmarktkrise epochalen Ausmasses. Insbesondere nach dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 nahm der Eskalationsgrad nochmals deutlich zu. Pl\u00f6tzlich wurde aus Vertrauen Unsicherheit, aus Berechenbarkeit Volatilit\u00e4t und aus Risikofreude Risikoaversion. Ein explosionsartiger Anstieg der Risikopr\u00e4mien und ein j\u00e4her Absturz der Aktienkurse waren die Folge (siehe Grafik 1).&#13;<\/p>\n<h2>Von der Finanzkrise zur Rezession<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie dramatische Zuspitzung der Krise an den internationalen Finanzm\u00e4rkten im Herbst 2008 griff schnell auf die Weltwirtschaft \u00fcber und m\u00fcndete mittlerweile in der tiefsten Rezession seit der Grossen Depression. Ungew\u00f6hnlich rasch und synchron erfolgte der konjunkturelle Absturz. Zudem wurden negative R\u00fcckkopplungen auf den Bankensektor und die Finanzm\u00e4rkte ausgel\u00f6st, die wiederum zu einer weiteren Versch\u00e4rfung der Finanzkrise beitrugen. Unausweichlich geriet auch die Schweiz in den konjunkturellen Abw\u00e4rtssog. Dabei wirkte sich die starke Aussenhandels- und Finanzmarktorientierung der Schweizer Volkswirtschaft zunehmend nachteilig aus. Seit dem zweiten Halbjahr 2008 befindet sich die Schweizer Volkswirtschaft in der Rezession. F\u00fcr 2009 ist mit einem konjunkturell ausgesprochen d\u00fcsteren Jahr zu rechnen. \u00a0Die desolate Nachfragesituation und die unterausgelasteten Kapazit\u00e4ten sowie die tieferen Roh\u00f6lpreise haben weltweit einen massiven Disinflationsprozess eingeleitet. In einigen L\u00e4ndern, so auch in der Schweiz, ist sogar ein Deflationsrisiko entstanden. In der Schweiz ist die Inflation von einem H\u00f6chstwert von 3,1% im Juli 2008 bis auf -1,0% im Juni 2009 zur\u00fcckgefallen.&#13;<\/p>\n<h2>Aufgabe der Geldpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts der eskalierenden Finanzmarkt- und Konjunkturkrise stellte sich akut die Frage, was die Geldpolitik zur Krisenbek\u00e4mpfung beitragen kann. Generell gilt: Die Geldpolitik kann schnell ver\u00e4ndert werden und ihre Wirkung tritt \u00fcber Liquidit\u00e4t, Zinsen und Wechselkurse im Vergleich zu anderen wirtschaftspolitischen Massnahmen rasch ein. Die Geldpolitik verfolgt dabei drei Stabilit\u00e4tsziele: Preis-, Konjunktur- und Finanzmarktstabilit\u00e4t. Preisstabilit\u00e4t ist das priorit\u00e4re Ziel, in dessen Rahmen die anderen Ziele angestrebt werden. Sie ist die Voraussetzung daf\u00fcr, dass die anderen Stabilit\u00e4tsziele erreicht werden k\u00f6nnen. Die Stabilit\u00e4tsziele lassen sich in Bezug auf die Wirkungsverz\u00f6gerung zwischen Ergreifung spezieller geldpolitischer Massnahmen und deren Einwirkung auf das jeweilige Ziel gliedern. Die l\u00e4ngste Zeitverz\u00f6gerung zwischen geldpolitischer Aktion und Zielreaktion findet sich in der Transmission geldpolitischer Impulse auf das Preisniveau. Deshalb zielt die Geldpolitik langfristig vorrangig auf Preisstabilit\u00e4t. In der mittleren Frist von ein bis zwei Jahren steht hingegen die Gl\u00e4ttung der Konjunktur im Vordergrund, w\u00e4hrend kurzfristig die geldpolitischen Massnahmen auf die Sicherung der Finanzmarktstabilit\u00e4t und das Funktionieren des Geldmarktes abzielen.&#13;<\/p>\n<h2>Konventionelle Reaktion der Geldpolitik in der Krise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz reagierte die Geldpolitik z\u00fcgig und entschlossen auf die dramatische Verschlechterung der Finanz- und Wirtschaftslage. Der monet\u00e4re Restriktionsgrad wurde massiv gelockert. \u00a0Zun\u00e4chst standen die Revitalisierung des Geldmarktes und die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems im Vordergrund. Den Spannungen im nationalen und internationalen Franken-Geldmarkt begegnete die SNB, indem dem Bankensystem bei Bedarf grossz\u00fcgig Liquidit\u00e4t mit verschiedenen Laufzeiten in praktisch unlimitiertem Ausmass zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Die Versorgung des europ\u00e4ischen Marktes mit Franken konnte durch Devisenswap-Abkommen mit der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) sowie der polnischen und ungarischen Zentralbank gew\u00e4hrleistet werden. Dabei gilt es festzuhalten, dass alle Repo- und Swap-Gesch\u00e4fte, ob national oder international, auf gesicherter Basis und zeitlich limitiert erfolgen. Zur Erh\u00f6hung der Flexibilit\u00e4t bei der Liquidit\u00e4tssteuerung emittierte die SNB zudem eigene Schuldverschreibung (SNB-Bills). Ferner unterst\u00fctzt die SNB auch eine privatwirtschaftliche L\u00f6sung f\u00fcr den Refinanzierungs-Ausgleich am Interbankenmarkt. So kann unter Einbindung der Pfandbriefbank und unter R\u00fcckgriff auf Schweizer Pfandbriefe ein Refinanzierungs-Ungleichgewicht zwischen den Schweizer Grossbanken und anderen Banken in der Schweiz \u00fcberbr\u00fcckt werden. \u00a0Mit Ausbruch der Finanzkrise kristallisierte sich ebenfalls schnell heraus, dass die Schweizer Grossbanken infolge ihrer Exponierung am Markt f\u00fcr hypothekenbesicherte Wertpapiere sowie ihrer Verpflichtungen auf dem Gebiet von Finanzierungen mit einem hohen Fremdkapitalanteil (Leveraged-Finance) stark von der Finanzkrise betroffen sein w\u00fcrden. Im Zuge des Lehman-Konkurses im Herbst 2008 geriet insbesondere die UBS in Bedr\u00e4ngnis. Angesichts der systemischen Bedeutung der Grossbank beschlossen der Bundesrat, die EBK (heute Finma) und die SNB deshalb Mitte Oktober ein staatliches Massnahmenpaket zur St\u00e4rkung des Schweizer Finanzsystems. Neben der Rekapitalisierung der UBS durch den Bund bildete die M\u00f6glichkeit, illiquide Verm\u00f6genswerte der UBS im Umfang von h\u00f6chstens 60 Mrd. US-Dollar auf eine Zweckgesellschaft der Nationalbank (SNB StabFund) zu \u00fcbertragen, das zentrale Element dieses Massnahmenpakets.\u00a0Die seit Ank\u00fcndigung des UBS-Massnahmenpakets am 16. Oktober 2008 eingetretene Marktentwicklung zeigt, dass die \u00dcbertragung illiquider Aktiven von der UBS an den SNB StabFund der Nationalbank zweckm\u00e4ssig und absolut notwendig war. W\u00e4ren diese Aktiven bei der UBS verblieben und zu Marktpreisen bewertet worden, h\u00e4tte dies die UBS in den vergangenen Monaten in eine existenzbedrohende Lage gebracht.\u00a0Im Zuge des \u00dcbergreifens der Finanzmarktkrise auf die realwirtschaftliche Aktivit\u00e4t senkte die SNB zur Konjunkturstabilisierung den angestrebten Wert f\u00fcr den Dreimonats-Libor zwischen September 2008 und M\u00e4rz 2009 in f\u00fcnf Schritten um insgesamt 250 BP auf 0,25%. Bereits zuvor hatte die SNB durch Stabilisierung des Dreimonats-Libors einen Anstieg der Risikopr\u00e4mien im Geldmarkt w\u00e4hrend der Finanzmarktkrise laufend ausgleichen und so die schweizerische Wirtschaft vor h\u00f6heren Zinsen bewahren k\u00f6nnen (siehe Grafik 2). Die Steuerung des Dreimonats-Libors erfolgt indirekt \u00fcber den Repo-Wochensatz, der im Dezember 2008 auf 0,05% gesenkt wurde. \u00a0De facto praktizierte die SNB seit Ende 2008 eine Nullzinspolitik. Der Einsatz konventioneller Instrumente stiess somit an eine nat\u00fcrliche Grenze. Dies stellte die SNB vor grosse Herausforderungen, zumal an der Lagebeurteilung im M\u00e4rz 2009 die Notwendigkeit f\u00fcr eine weitere dezidierte Lockerung des geldpolitischen Expansionsgrades auftrat. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich dramatisch und die Deflationsrisiken stiegen markant. Es war eine deutliche Versch\u00e4rfung der Finanzierungsbedingungen der Unternehmen am Kapitalmarkt festzustellen. Hinzu kam die akute Gefahr einer fortgesetzten Frankenaufwertung, mithin einer unerw\u00fcnschten Straffung der monet\u00e4ren Bedingungen.&#13;<\/p>\n<h2>Unkonventionelle Massnahmen in der Krise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVor diesem Hintergrund war die SNB gezwungen, unkonventionelle Massnahmen zu ergreifen. Nur so war es m\u00f6glich, eine weitere Ausweitung des geldpolitischen Expansionsgrades zu erreichen. Die Massnahmen umfassten zwei Bereiche: \u00a0&#8211; Zum einen wurde die Fristigkeit der Repo-Gesch\u00e4fte verl\u00e4ngert; \u00a0&#8211; zum anderen wurde der Entschluss gefasst, bedarfsgerecht Devisen und Frankenobligationen zu erwerben. \u00a0\u00a0Mit diesen Massnahmen strebt die SNB sowohl eine Ausweitung der Liquidit\u00e4t (quantitative Lockerung, sog. \u00abQuantitative Easing\u00bb) als auch eine Verringerung bestimmter Risikopr\u00e4mien (Kreditlockerung, sog. \u00abCredit Easing\u00bb) an.&#13;<\/p>\n<h2>Kauf von Devisen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Devisenmarktinterventionen stellen den wichtigsten Teil des unkonventionellen Massnahmenb\u00fcndels der SNB dar. Die Devisenk\u00e4ufe dienen als Versicherung gegen eine drohende und unerw\u00fcnscht starke Aufwertung des Frankens. Sie erg\u00e4nzen das geldpolitische Instrumentarium in Zeiten der Nullzinspolitik. Die Schweizer Wirtschaft soll vor problematischen Wechselkursbewegungen gesch\u00fctzt werden, die als Folge der Funktion des sicheren Hafens des Frankens eintreten und eine Deflation ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Ziel ist es, durch rechtzeitiges Eingreifen eine Frankenaufwertung von vornherein zu verhindern. Ziel ist es hingegen nicht, einen Abwertungswettlauf zu beginnen. Bei der Umsetzung der Devisenmarktinterventionen beobachtet die SNB die Entwicklung am Devisenmarkt permanent und entscheidet situativ. \u00a0Die Interventionen waren bisher wirkungsvoll. Die Aufwertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro konnte gestoppt werden. Die Volatilit\u00e4t des Euro-Franken-Kurses ist deutlich zur\u00fcckgegangen. Im Bedarfsfall wird die SNB weiter am Devisenmarkt intervenieren, um eine Aufwertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro zu verhindern. Die SNB befindet sich dabei in einer Position der St\u00e4rke. In einem Nullzinsumfeld und bei einer Politik der quantitativen Lockerung sitzt die SNB gegen\u00fcber Marktteilnehmern, die auf eine Aufwertung des Frankens setzen, am l\u00e4ngeren Hebel. Bei ihren Interventionen muss sie weder auf ein bestimmtes Zinsniveau R\u00fccksicht nehmen noch die Ausdehnung der Geldmenge neutralisieren.&#13;<\/p>\n<h2>Kauf von Frankenobligationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Erwerb von Frankenobligationen privater schweizerischer Schuldner soll eine Senkung der Kredit- und Fristigkeitsrisikopr\u00e4mien auf dem Schweizer Kapitalmarkt herbeif\u00fchren. Mit den K\u00e4ufen werden keine einzelnen Firmen oder bestimmten Wirtschaftsektoren bevorzugt. Vielmehr zielt diese Massnahme darauf ab, generell die Refinanzierung der Unternehmen zu erleichtern. Dabei ist die SNB bestrebt, mit minimalem Kapitaleinsatz die gr\u00f6sstm\u00f6gliche Wirkung auf die Risikoaufschl\u00e4ge und die Kapitalmarktliquidit\u00e4t zu erzielen. \u00a0Neben den K\u00e4ufen am Sekund\u00e4rmarkt ist die SNB auch am Prim\u00e4rmarkt aktiv. Dadurch f\u00f6rdert sie direkt die Neuaufnahme von Kapital. Anf\u00e4nglich lag der Fokus ausschliesslich auf Pfandbriefanleihen. Seit Anfang April erwirbt die SNB auch Unternehmensanleihen. In diesen beiden Segmenten sollte die Wirkung auf den Gesamtmarkt am gr\u00f6ssten sein. Grunds\u00e4tzlich werden nur marktg\u00e4ngige Anleihen zu Marktpreisen gekauft. Abgesehen von den Pfandbriefen wurden keine Anleihen von Finanzinstituten erworben und ebenso keine Mengenbeschr\u00e4nkung festgelegt. \u00a0Auch bei den Obligationenk\u00e4ufen f\u00e4llt eine erste Zwischenbilanz des Einsatzes unkonventioneller Massnahmen positiv aus. Die Risikopr\u00e4mien sind deutlich zur\u00fcckgekommen, allerdings auch unterst\u00fctzt durch eine g\u00fcnstige Stimmung an den Finanzm\u00e4rkten. Ausdruck der positiven Wirkung ist ebenfalls die in den vergangenen Wochen zunehmend rege Emissionst\u00e4tigkeit am Schweizer Kapitalmarkt.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Volkswirtschaft befindet sich in der sch\u00e4rfsten Rezession seit 1975. F\u00fcr das Gesamtjahr 2009 rechnet die SNB mit einem R\u00fcckgang des realen Bruttoinlandprodukts in einer Gr\u00f6ssenordnung von 2,5% bis 3,0%. Gem\u00e4ss der j\u00fcngsten SNB-Prognose wird die Inflation im Jahresverlauf 2009 weiter nachgeben und einen Tiefpunkt von gut -1% aufweisen. Die durchschnittliche Teuerung wird 2009 voraussichtlich bei -0,5% liegen. Die sich gegenw\u00e4rtig im Ausland abzeichnende Bodenbildung wichtiger Konjunkturindikatoren und die j\u00fcngsten Erholungstendenzen an den Finanzm\u00e4rkten lassen hoffen, dass auch hierzulande die konjunkturelle Talsohle bald durchschritten wird. Im Verlauf des Jahres 2010 erwartet die SNB daher eine leichte Konjunkturerholung, wobei die Inflation 2010 und 2011 mit einer durchschnittlichen Jahresteuerung von 0,4% und 0,7% ebenfalls wieder leicht positiv werden d\u00fcrfte.\u00a0Die bisherigen Massnahmen der SNB in der Krise haben einen Beitrag geleistet, um Schlimmeres von der Schweizer Volkswirtschaft abzuwehren. Zudem hat die SNB gezeigt, dass sie auch in der Nullzinswelt weiterhin \u00fcber geldpolitische Handlungsm\u00f6glichkeiten verf\u00fcgt, um flexibel auf eine unerw\u00fcnschte Versch\u00e4rfung der monet\u00e4ren Rahmenbedingungen reagieren zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig darf der heutige Einsatz unkonventioneller Massnahmen den Erhalt der Preisstabilit\u00e4t in der mittleren und langen Frist nicht gef\u00e4hrden. Allerdings muss die SNB auch darauf achten, dass die zuk\u00fcnftige Normalisierung der Geldpolitik eine dannzumal einsetzende Konjunkturerholung nicht abw\u00fcrgt. Insofern ist die Frage, wie die mittelfristig notwendige R\u00fcckf\u00fchrung der massiven Liquidit\u00e4tsausweitung optimal erfolgen soll, f\u00fcr die SNB absolut zentral. \u00a0Zwar ist der Liquidit\u00e4tsabbau f\u00fcr die SNB technisch z\u00fcgig und problemlos durchf\u00fchrbar, da viele unkonventionelle Massnahmen bei Nichterneuerung automatisch auslaufen und mit den SNB Bills ein effizientes Absch\u00f6pfungsinstrument zur Verf\u00fcgung steht. In der praktischen Umsetzung stellt die Normalisierung der Geldpolitik die SNB aber trotzdem vor grosse Herausforderungen. Die optimale Exit-Strategie muss beispielsweise angeben, in welcher Reihenfolge und mit welcher Geschwindigkeit die Aufhebung der unkonventionellen Massnahmen erfolgen soll. \u00dcberdies birgt die Festlegung des optimalen Ausstiegszeitpunktes in Realzeit erhebliche Schwierigkeiten. Zum einen erfassen Modelle und Indikatoren zur Einsch\u00e4tzungen der Inflationsrisiken die unkonventionellen Massnahmen und die historisch nahezu einmalige Finanz- und Konjunkturkrise nur unzureichend. Bei der Festsetzung des rechtzeitigen Ausstiegszeitpunktes spielt daher die richtige Einsch\u00e4tzung der Verantwortlichen eine wichtige Rolle. Zum anderen werden die erforderlichen Korrekturmassnahmen unpopul\u00e4r sein. Die SNB wird daher auch politischem Druck und \u00f6ffentlicher Kritik standhalten m\u00fcssen, um die Normalisierung ihrer Geldpolitik rechtzeitig einleiten zu k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abRisikopr\u00e4mien am Geldmarkt, Juni 2007-Juni 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abWirkungsvolle SNB-Geldpolitik, Juni 2007-Juni 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Instrumenten-Ziel-Konflikt der Zentralbanken<\/b>&#13;<br \/>\nDen Zentralbanken wird oft unterstellt, in einen Instrumenten-Ziel-Konflikt zu geraten, d.h., mit einem Instrument (gew\u00f6hnlich ein Kurzfristzins) mehrere Ziele verfolgen zu wollen. In der Theorie wird &#8211; durchaus schl\u00fcssig &#8211; argumentiert, dass dies nicht m\u00f6glich ist. Wie die Praxis allerdings zeigt, schr\u00e4nkt dieser Instrumenten-Ziel-Konflikt die Zentralbanken nicht unbedingt ein. Dies hat drei Gr\u00fcnde: &#8211; Erstens sind die Stabilit\u00e4tsziele nicht gegens\u00e4tzlicher Natur, sondern bedingen einander. Eine langfristig auf Preisstabilit\u00e4t abzielende Geldpolitik stabilisiert ebenfalls Konjunktur und Finanzm\u00e4rkte. Zudem h\u00e4ngt die F\u00e4higkeit einer Zentralbank, einen Beitrag zur Stabilisierung der Konjunktur und der Finanzm\u00e4rkte zu leisten, wiederum wesentlich davon ab, wie erfolgreich sie bei der Erhaltung der Preisstabilit\u00e4t ist. Erst bei einer nachhaltigen Preisstabilit\u00e4t kann die Zentralbank in einem gen\u00fcgenden Ausmass auf andere St\u00f6rungen reagieren.- Zweitens k\u00f6nnen mit einem Instrument gleichwohl mehrere Ziele erreicht werden. Massgeblich hierf\u00fcr sind die je nach Ziel unterschiedlichen Wirkungsverz\u00f6gerungen. Beispielsweise m\u00fcssen geldpolitische Massnahmen, die auf eine kurzfristige Finanzmarktstabilisierung oder mittelfristige Konjunkturgl\u00e4ttung ausgerichtet sind, langfristig nicht zur Gefahr der Preisstabilit\u00e4t werden, wenn rechtzeitig ein geldpolitisches Gegensteuern einsetzt. &#8211; Drittens ist die Geldpolitik nicht v\u00f6llig mono-instrumental, sondern verf\u00fcgt \u00fcber eine ganze Palette unterschiedlicher Instrumente und Massnahmen, die bed\u00fcrfnisgerecht und zielad\u00e4quat eingesetzt werden k\u00f6nnen. Dies hat gerade die geldpolitische Reaktion auf die j\u00fcngste Krise gezeigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Die UBS-Transaktion<\/b>&#13;<br \/>\nDie UBS-Transaktion sah vor, dass die UBS illiquide Wertpapiere und andere Verm\u00f6genswerte im Wert von h\u00f6chstens 60 Mrd. US-Dollar auf die SNB StabFund \u00fcbertragen kann. Die \u00dcbertragung der Verm\u00f6genswerte erfolgte zu Preisen per Ende September 2008, und zwar entweder zum Buchwert der UBS oder zum Wert, den die SNB aufgrund unabh\u00e4ngiger Expertisen feststellte, wobei die jeweils tiefere Bewertung verwendet wurde. Seit Anfang April ist die \u00dcbertragung der Aktiven abgeschlossen. Insgesamt wurden letztlich Aktiven im Umfang von 38,7 Mrd. US-Dollar \u00fcbertragen. Der \u00dcbernahmepreis lag dabei rund 1 Mrd. US-Dollar unter den Buchwerten der UBS per Ende September 2008.Die Finanzierung des SNB StabFund steht auf zwei S\u00e4ulen: &#8211; Zum einen erh\u00e4lt dieser Eigenkapital, indem die SNB der UBS eine Kaufoption auf die Fondsanteile zum Preis von 10% der \u00fcbernommenen Verm\u00f6genswerte verkauft; &#8211; zum anderen gew\u00e4hrt die SNB dem StabFund ein Darlehen \u00fcber 90% der \u00fcbernommenen Verm\u00f6genswerte. Da in den \u00fcbertragenen 38,7 Mrd. US-Dollar auch betr\u00e4chtliche Verpflichtungen in Form von Derivaten enthalten sind, die zum Zeitpunkt der \u00dcbernahme noch keiner Finanzierung seitens der SNB bedurften, lag die Initialfinanzierung des StabFund deutlich unter dem \u00dcbernahmepreis. Sie bestand aus einem Kredit der SNB an den StabFund von 26,6 Mrd. US-Dollar und der von der UBS finanzierten Eigenkapitaltranche von 3,9 Mrd. US-Dollar. Der Kredit der SNB an den StabFund ist zu rund 80% in US-Dollar denominiert. Urspr\u00fcnglich refinanzierte die SNB den Dollarkredit an den StabFund vollumf\u00e4nglich \u00fcber die Swap-Fazilit\u00e4t mit der Federal Reserve Bank. Mittlerweile erfolgt die Refinanzierung des Darlehens weit gehend \u00fcber die Ausgabe von SNB-US-Dollar-Bills und den Abschluss von mehrj\u00e4hrigen Depotgesch\u00e4ften. Die bisherige Marktentwicklung hat die Aktiven des StabFund stark getroffen. Dennoch sind die Aussichten intakt, dass der StabFund das Darlehen letztlich zur\u00fcckbezahlen kann. Einerseits k\u00f6nnen sich die M\u00e4rkte wieder erholen; andererseits generieren die Aktiven bisher relativ robuste Cashflows. Zur Abdeckung etwaiger Verluste dient prim\u00e4r die Kapitaleinlage der UBS. Dar\u00fcber hinaus hat die SNB einen Anspruch auf 100 Mio. UBS-Aktien, falls der StabFund mit Verlust liquidiert werden m\u00fcsste.Das Portfolio des StabFund umfasst mehrere Tausend Positionen. Das Bewirtschaftungskonzept baut auf einer langfristigen Ertrags- und Risikobetrachtung auf. Hierzu wird bei denjenigen Aktiven, deren erwarteter Cashflow den aktuellen Marktpreis \u00fcbersteigt, eine Hold-to-Maturity-Strategie verfolgt. Bei allen anderen Aktiven werden Verkaufsgelegenheiten wahrgenommen. Ziel der Bewirtschaftung ist es, das Darlehen der SNB wenn immer m\u00f6glich vollumf\u00e4nglich zur\u00fcckzubezahlen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die durch die globale Finanzmarktkrise ausgel\u00f6ste Weltwirtschaftskrise hat auch die Schweizer Volkswirtschaft mitgerissen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagierte mit einer massiven geldpolitischen Lockerung und ging faktisch zu einer Nullzinspolitik \u00fcber. Durch den Einsatz unkonventioneller Massnahmen bleibt die SNB weiterhin handlungsf\u00e4hig. Eine erste Zwischenbilanz dieser Massnahmen f\u00e4llt positiv aus. Die Risikopr\u00e4mien am Geld- und Kapitalmarkt sanken. [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3311,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3311,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Mitglied des Direktoriums, Schweizerische Nationalbank SNB, Z\u00fcrich","seco_author_post_occupation_fr":"Membre de la Direction g\u00e9n\u00e9rale de la Banque nationale suisse, Zurich","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122229,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8037","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55a76a6ba385e"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122226"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3311"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122226"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127906,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122226\/revisions\/127906"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122226"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122226"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122226"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122226"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}