{"id":122266,"date":"2009-07-01T12:00:00","date_gmt":"2009-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/07\/tedeschi-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:37:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:37:21","slug":"tedeschi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/07\/tedeschi\/","title":{"rendered":"Die Quartalserhebung des Schweizerischen Baumeisterverbandes &#8211; Fiebermesser f\u00fcr die gesamte Bauwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Quartalserhebung des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) ist ein wichtiger und repr\u00e4sentativer Indikator f\u00fcr den Gang der gesamten Bauwirtschaft. Das Baugewerbe stellt einen der sensiblen Sektoren unserer Volkswirtschaft dar, da es zwar verz\u00f6gert, aber mit umso deutlicheren Ausschl\u00e4gen auf das konjunkturelle Auf und Ab reagiert. Die Erhebung umfasst die f\u00fcnf Subindikatoren Baut\u00e4tigkeit, Auftragseing\u00e4nge, Arbeitsvorr\u00e4te, Bauvorhaben und Investitionen ins Baubetriebsinventar. In einer Gesamtschau ergeben diese ein realit\u00e4tsnahes Bild der jeweiligen Baukonjunktur. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200907_18_Tedeschi_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm November 1970 fasste die Delegiertenversammlung des SBV den Beschluss, bei seinen Mitgliedern periodisch konjunkturstatistische Erhebungen durchzuf\u00fchren mit dem Ziel, das gesamte Bauhauptgewerbe m\u00f6glichst umfassend und mit vertretbarem Aufwand zu erfassen. Man entschied sich bewusst f\u00fcr ein so genanntes Vollerhebungsverfahren, da nur dieses den sowohl politisch als auch gesamtwirtschaftlich wichtigen Ausweis repr\u00e4sentativer absoluter Werte erm\u00f6glicht. Entscheidend daf\u00fcr ist jedoch eine hohe Teilnahmequote der befragten Firmen.&#13;<\/p>\n<h2>Simple Methodik &#8211; hohe G\u00fcte der Statistik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Firmen liefern ihre Angaben in nominellen Werten und f\u00fcr den jeweiligen Firmensitz. Diese Zahlen werden mit Hilfe der totalen Lohnsummen f\u00fcr die betreffenden Gebietseinheiten auf die gesamte Schweiz sowie die Sektionen und Kantone hochgerechnet. Die das gesamte Bauhauptgewerbe (Mitglied- und Nichtmitgliedfirmen) umfassenden Lohnsummen werden dem SBV von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) in Luzern zur Verf\u00fcgung gestellt und j\u00e4hrlich aktualisiert. Die Methode beruht auf der Annahme, dass die an der Erhebung teilnehmenden Firmen im Durchschnitt dieselbe Umsatzentwicklung aufweisen wie die \u00fcbrigen (ceteris paribus).\u00a0Diese Variante der Hochrechnung ist methodisch sehr einfach, bedingt aber einen grossen Aufwand bei den Vorbereitungen. Denn einerseits m\u00fcssen die Daten \u00fcber die teilnehmenden Mitgliedfirmen immer aktuell sein. Besondere Schwierigkeiten bereiten hier Mutationen in der Firmenstruktur (Fusionen, Konkurse, neue Tochterfirmen usw.), die jedes Quartal frisch aufbereitet werden m\u00fcssen. Andererseits gilt es, f\u00fcr die Herkunftsgebiete \u00fcber aktuelle Lohnsummen zu verf\u00fcgen.\u00a0Die SBV-Vollerhebung mit absoluten Werten hat entscheidende Vorteile gegen\u00fcber einer auf Stichproben basierenden Befragung. So erlaubt sie nicht nur den Ausweis absoluter Werte, sondern auch eine weitgehende spartenweise (siehe Grafik 1) und vor allem auch regionale Gliederung nach Kantonen und Sektionen. Zudem fallen psychologische Einfl\u00fcsse sowie gef\u00fchlsm\u00e4ssige Antworten und Einsch\u00e4tzungen in den Antworten weg. Damit verf\u00fcgt das Bauhauptgewerbe &#8211; dank der anhaltenden aktiven Unterst\u00fctzung der SBV-Mitglieder &#8211; \u00fcber eine selbst im internationalen Vergleich einzigartig differenzierte Konjunkturstatistik.&#13;<\/p>\n<h2>Plausibilisierung ein statistisches Muss<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEinzelne Grossauftr\u00e4ge in kleinen Kantonen k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass die Umsatzentwicklung \u00fcber die Hochrechnung \u00fcberzeichnet wird. Um dies zu vermeiden, darf die Ceteris-paribus-Klausel in solchen F\u00e4llen nicht angewendet werden. Sondereinfl\u00fcsse werden deshalb aus der Hochrechnung herausgenommen und tel quel hinzuaddiert. \u00abAusreisser\u00bb in den Angaben der Mitglieder werden zus\u00e4tzlich durch pers\u00f6nliche Nachfrage \u00fcberpr\u00fcft. Gute Branchenkenntnisse sind deshalb unabdingbar, um Anomalien in den Firmenangaben zu bereinigen.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Repr\u00e4sentativit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDank der hohen Beteiligungsquote betrug der Hochrechnungsfaktor f\u00fcr die ganze Schweiz im letzten Jahr durchschnittlich rund 1,8. Diese Quote konnte durch die Einf\u00fchrung einer elektronischen Daten\u00fcbergabe \u00fcber einen gesicherten Bereich in den letzten Jahren erh\u00f6ht werden. Konkret heisst dies, dass &#8211; gewichtet nach Lohnsummenanteilen &#8211; die Beteiligung aktuell bei \u00fcber 55% des gesamten Bauhauptgewerbes der Schweiz liegt. Es nehmen regelm\u00e4ssig \u00fcber 1000 Firmen an der Quartalserhebung des SBV teil. Somit erreicht die SBV-Statistik eine sehr hohe Repr\u00e4sentativit\u00e4t, welche dem Vergleich mit \u00f6ffentlichen Statistiken durchaus standh\u00e4lt. Durch die N\u00e4he des SBV zu seinen Mitgliedern scheuen sich die Unternehmen auch nicht, strategisch wichtige Angaben (z.B. Quartalsums\u00e4tze) zu machen.&#13;<\/p>\n<h2>F\u00fcnf Subindikatoren &#8211; detailliertes Bild der Bauwirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen der Quartalserhebung werden die f\u00fcnf Subindikatoren Baut\u00e4tigkeit, Auftragseing\u00e4nge, Arbeitsvorr\u00e4te, Bauvorhaben und Investitionen in das Baubetriebsinventar erhoben. Bei der Interpretation der Quartalszahlen m\u00fcssen diese f\u00fcnf Gr\u00f6ssen unbedingt gesamtheitlich betrachtet werden, da die alleinige Fokussierung auf einzelne Subindikatoren irref\u00fchrend sein k\u00f6nnte.\u00a0Obwohl sich einzelne Indikatoren &#8211; vornehmlich Bauvorhaben und Auftragsbestand &#8211; auch f\u00fcr Prognosen eignen w\u00fcrden, ist der SBV mit Prognosen relativ vorsichtig und l\u00e4sst sich nur auf kurzfristige Aussagen ein. Er konzentriert sich auf die nominellen Gr\u00f6ssen aus dem Vorquartal und kommentiert in erster Linie diese.\u00a0Von einer Deflationierung wird bisher abgesehen. Es sind jedoch Abkl\u00e4rungen im Gange, ob sich eine Deflationierung mittels Baupreisindex des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) eignen w\u00fcrde.&#13;<\/p>\n<h2>Branche mit starken saisonalen Effekten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Statistiken des SBV spiegeln seit ihren Anf\u00e4ngen in den 1970er-Jahren alle baurelevanten Entwicklungen. Tendenziell kann ein starker R\u00fcckgang der Bedeutung der Baubranche konstatiert werden. Erst in den letzten Jahren der Hochkonjunktur konnte der Trend zu weniger Baupersonal und tieferem Anteil an der Wertsch\u00f6pfung gebrochen werden.\u00a0Die Baubranche ist stark durch saisonale Effekte gepr\u00e4gt. Um diese Effekte teilweise zu gl\u00e4tten, wird ein Vergleich mit den Vorjahresquartalen gew\u00e4hlt. Eine reine empirische saisonale Gl\u00e4ttung ist schwierig, da die saisonalen Effekte auch innerhalb der Quartale stark sein k\u00f6nnen (milder vs. hartn\u00e4ckiger Winter).\u00a0Die nominellen Ums\u00e4tze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 1. Quartal 2009 auf rund 3,1 Mrd. Franken, das sind rund 13,3% weniger als im 1. Quartal 2008 (siehe Grafik 2). Dieser deutliche R\u00fcckgang ist auf den hartn\u00e4ckigen Winter zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der R\u00fcckgang der Baut\u00e4tigkeit betrifft den Hoch- und den Tiefbau in etwa gleich stark (-14,1% bzw. -12,2%). Dagegen ist der Auftragsbestand Ende M\u00e4rz im Vergleich bedeutend h\u00f6her (+13,2%), was f\u00fcr die n\u00e4chsten Quartale auf hohe Investitionen sowohl im Hochwie im Tiefbau hindeutet. Die hohen Arbeitsvorr\u00e4te und das Anlaufen der Konjunkturmassnahmen des Bundes d\u00fcrften dem Tiefbau ein volumenstarkes Jahr 2009 verschaffen.&#13;<\/p>\n<h2>Weiter Geltungsbereich der Statistik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInzwischen sind die SBV-Statistiken f\u00fcr verschiedene offizielle \u00c4mter, zahlreiche Politiker, Investoren, Journalisten und andere an der bauwirtschaftlichen Entwicklung interessierte Kreise ein unverzichtbares Instrument zur Darstellung und objektiven Beurteilung der Lage der schweizerischen Bauwirtschaft geworden. Auch f\u00fcr die SBV-Publikation \u00abSchweizerische Bauwirtschaft in Zahlen\u00bb bilden die verschiedenen Erhebungsergebnisse eine wichtige Grundlage f\u00fcr Langfristvergleiche. Im \u00abBauwirtschaftsspiegel\u00bb, einer Publikation von bauenschweiz, werden die Ergebnisse zus\u00e4tzlich mit der vorgelagerten Planung und dem zeitlich nachfolgenden Ausbaugewerbe sowie den Zulieferindustrien in Beziehung gebracht. Nicht zuletzt leisten die Daten auch den Mitgliedfirmen bei ihrer betriebswirtschaftlichen Unternehmensanalyse wertvolle Hilfe. Anhand des Umfrageberichts k\u00f6nnen die Unternehmen ihre eigene Performance mit jener ihres Absatzmarktes vergleichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abUmsatzanteile der Sparten im Bauhauptgewerbe, 1986-2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abUms\u00e4tze (Baut\u00e4tigkeit) und Auftragseing\u00e4nge im Bauhauptgewerbe (Januar-M\u00e4rz), 1996-2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Der Schweizerische Baumeisterverband<\/b>&#13;<br \/>\nDer Schweizerische Baumeisterverband (SBV) besteht seit 1897. Er ist die gesamtschweizerische Berufs-, Wirtschafts- und Arbeitgeberorganisation der Unternehmungen des Hoch- und Tiefbaus sowie verwandter Zweige des Bauhauptgewerbes. Der SBV ist als Verein organisiert und hat seinen Sitz in Z\u00fcrich. Die rund 2700 Mitglieder des SBV machen ca. 80% des Marktvolumens und 60% aller Betriebe des schweizerischen Bauhauptgewerbes aus. Die Ums\u00e4tze im Bauhauptgewerbe beliefen sich im Jahre 2008 auf fast 18 Mrd. Franken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Volkswirtschaftliche Bedeutung der Baubranche<\/b>&#13;<br \/>\nDie volkswirtschaftliche Bedeutung der Baubranche insgesamt (Bauhaupt- und -nebengewerbe) wird in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Obwohl seit dem H\u00f6hepunkt in den 1970er-Jahren ein R\u00fcckgang zu verzeichnen ist, werden mit rund 23,2 Mrd. Franken f\u00fcr das Jahr 2008 immerhin noch fast 5% der realen gesamtwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung im Baugewerbe erwirtschaftet. Noch h\u00f6her f\u00e4llt der Anteil bei den Erwerbst\u00e4tigen aus. Dieser lag gem\u00e4ss der letzten Betriebsz\u00e4hlung (2005) des BFS bei ca. 8%. Im Jahr 2005 z\u00e4hlte das Baugewerbe 299000 Besch\u00e4ftigte, was 30% der im sekund\u00e4ren Sektor Besch\u00e4ftigten entsprach. Das Baugewerbe ist einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Schweizer Wirtschaft (4. Rang) und sogar der wichtigste im sekund\u00e4ren Sektor. Eine Besonderheit des Baugewerbes ist, dass eine ganze Reihe von Wirtschaftssektoren direkt von der Baubranche abh\u00e4ngen. Zu diesen geh\u00f6ren die Immobilienwirtschaft, der Projektierungssektor oder auch die Zulieferer von Baustoffen und der Handel mit Baumaschinen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 3: Quellen<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; BAK Basel Economics (2007): Hochbauprognose 2007-2013.- K\u00f6rber, Alexis und Philippe Kaufmann (2007): Die Schweizer Bauwirtschaft &#8211; zyklische Branche mit strukturellen Problemen, in: Die Volkswirtschaft 11-2007, S. 36-40.- Bundesamt f\u00fcr Statistik (2007): Bau- und Leerwohnungsstatistik der Schweiz, Neuenburg.- Bundesamt f\u00fcr Statistik (2007): Die Betriebsz\u00e4hlung 2005: Branchenportr\u00e4t Baugewerbe, Neuenburg.- Schweizer Baumeisterverband (2009): Zahlen und Fakten 2008, Z\u00fcrich.- Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO (2008): Die Lage auf dem Arbeitsmarkt September 2008.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Quartalserhebung des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) ist ein wichtiger und repr\u00e4sentativer Indikator f\u00fcr den Gang der gesamten Bauwirtschaft. 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