{"id":122296,"date":"2009-06-01T12:00:00","date_gmt":"2009-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/06\/furger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:37:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:37:22","slug":"furger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/06\/furger\/","title":{"rendered":"Konjunkturindikator: Der Detailhandelsumsatz"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz hat die Detailhandelsumsatzstatistik eine lange Tradition. Sie wurde 1932 erstmals eingef\u00fchrt. In den Jahren 1953 und 2001 wurde sie umfassend \u00fcberarbeitet. Bei der letzten Revision wurden grosse Anstrengungen unternommen, um ihre Repr\u00e4sentativit\u00e4t zu verbessern und eine st\u00e4rkere Vereinheitlichung auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen. Die Statistik \u00fcber den Detailhandelsumsatz wird monatlich auf nationaler Ebene mit einer repr\u00e4sentativen Stichprobe von rund 4000 Unternehmen erhoben, wobei bei der Schicht der gr\u00f6ssten Unternehmen eine Vollerhebung durchgef\u00fchrt wird. Seit 2005 ist die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich mit der Durchf\u00fchrung der Erhebung beauftragt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie bei den Unternehmen erhobenen Informationen beziehen sich auf den im Betrachtungsmonat erzielten Gesamtumsatz, gegliedert nach verschiedenen Warengruppen. Die gleichen Informationen werden auch f\u00fcr den entsprechenden Monat des Vorjahres verlangt.\u00a0Der erhobene Umsatz entspricht dem Wert aller direkten Verk\u00e4ufe von Waren an die Endkunden. Es werden die tats\u00e4chlichen Ums\u00e4tze einschliesslich Mehrwertsteuer erhoben, das heisst die Ums\u00e4tze nach Abzug von Rabatten, Barzahlungsrabatten und weiteren Preiserm\u00e4ssigungen.&#13;<\/p>\n<h2>Ver\u00f6ffentlichte Informationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Detailhandelsumsatzstatistik (DHU) informiert monatlich \u00fcber die Ver\u00e4nderung des Umsatzes (nominale Ver\u00e4nderung) und des Verkaufsvolumens (reale Ver\u00e4nderung) im Vergleich zum Vorjahr. Bei den nominalen Werten handelt es sich um die tats\u00e4chlich erzielten Ums\u00e4tze, w\u00e4hrend die realen Werte den teuerungsbereinigten, nominalen Ums\u00e4tzen entsprechen. Die Ver\u00e4nderungen ergeben sich aus dem Vergleich der Daten des Betrachtungsmonats mit den Daten des entsprechenden Monats im Vorjahr.\u00a0&#8211; Mit der Gliederung nach Warengruppen (nominale und verkaufstagsbereinigte nominale Ver\u00e4nderungen sowie reale und verkaufstagsbereinigte reale Ver\u00e4nderungen) k\u00f6nnen die Konsumgewohnheiten in bestimmten Zeitr\u00e4umen beobachtet werden (z.B. zu Ostern ein markanter Anstieg der Ausgaben f\u00fcr Nahrungsmittel und Getr\u00e4nke). \u00a0&#8211; Die Gliederung nach Betriebsgr\u00f6sse (nominale und verkaufstagsbereinigte nominale Ver\u00e4nderungen sowie reale und verkaufstagsbereinigte reale Ver\u00e4nderungen) erm\u00f6glicht die Untersuchung der unterschiedlichen Entwicklung von Unternehmen in Funktion ihrer Gr\u00f6sse sowie der Entwicklung der Grossverteiler im Vergleich mit kleinen Gewerbetreibenden.\u00a0&#8211; Die nach Wirtschaftszweigen gegliederten Resultate werden in nominaler und in verkaufstagsbereinigter nominaler Form zur Verf\u00fcgung gestellt, was einen einheitlichen Vergleich auf nationaler und internationaler Ebene erm\u00f6glicht.&#13;<\/p>\n<h2>Die Nutzer der Statistik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Detailhandelsumsatzstatistik wird von unterschiedlichen Akteuren in Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Forschung im Kontext der Konjunkturbeobachtung genutzt. So ist die DHU eine zentrale Datenquelle der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) f\u00fcr die Sch\u00e4tzung des Endverbrauchs. Die nach Warengruppen gegliederten Daten sind f\u00fcr die VGR unerl\u00e4sslich, um den Endverbrauch nach Warenkategorien hochzurechnen. Im Rahmen der Berechnung des Produktionskontos werden die Ergebnisse der Statistik zur Plausibilisierung der Detailhandelsbranche miteinbezogen. Sie wird von Grossbetrieben des Detailhandelsbereichs f\u00fcr Vergleichszwecke verwendet, entweder f\u00fcr Vergleiche mit ihren eigenen Statistiken oder mit ihren Konkurrenten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verwendet die Ergebnisse der DHU unter anderem f\u00fcr ihre Geldpolitik und ver\u00f6ffentlicht sie in ihren monatlichen Publikationen. Forschungsinstitute schliesslich verwenden die DHU regelm\u00e4ssig f\u00fcr Marktstudien oder Prognosen.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung und internationaler Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlle L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union (EU) publizieren monatliche Statistiken zum Detailhandel. Die Grafik 1 zeigt die Entwicklung der realen, verkaufstagsbereinigten Detailhandelsums\u00e4tze in ausgew\u00e4hlten EU-L\u00e4ndern und der Schweiz ab 2007. Da die Methoden zur Verkaufstagsbereinigung nicht in allen L\u00e4ndern identisch sind, werden hier die Quartalsergebnisse miteinander verglichen. \u00a0In der Schweiz lagen die Ver\u00e4nderungsraten der realen Detailhandelsums\u00e4tze bis Ende 2008 gr\u00f6sstenteils \u00fcber jenen der Vergleichsl\u00e4nder. Gegen Ende des Jahres 2008 setzte f\u00fcr alle L\u00e4nder ein deutlicher R\u00fcckgang der Ums\u00e4tze ein. Die weltweite Finanzkrise beginnt, sich sichtbar auf das Konsumverhalten auszuwirken. So waren im ersten Quartal 2009 auch in der Schweiz r\u00fcckl\u00e4ufige Ums\u00e4tze zu verzeichnen.\u00a0Im Verlauf der letzten 24 Monate l\u00e4sst sich ein Kurswechsel bei der Entwicklung des Detailhandels erkennen: Nach einer langsamen Zunahme ab Juli 2008 ergab sich im Februar 2009 praktisch keine nominale Ver\u00e4nderung; die reale Ver\u00e4nderung erwies sich hingegen als negativ. Diese Entwicklung hat mit der bereits erw\u00e4hnten Wirtschaftskrise zu tun. Weniger auf der Hand liegt folgender Kalendereffekt: Im Jahr 2007 fiel Ostern auf den April und im Jahr 2008 auf den M\u00e4rz, was die Entwicklung des Konsums beeintr\u00e4chtigte.&#13;<\/p>\n<h2>Die Zukunft der Statistik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Detailhandelsumsatzstatistik wird zurzeit revidiert. Ziel der Revision ist die Anpassung der Statistik an die europ\u00e4ischen Vorgaben. Einerseits wird die Nomenklatur aktualisiert (neu: Noga 2008); andererseits soll k\u00fcnftig ein Index der Detailhandelsums\u00e4tze publiziert werden. Weiter wird neu die Produktgruppe Treibstoff eingef\u00fchrt. K\u00fcnftig sollen auch die ersten Resultate schneller zur Verf\u00fcgung stehen. \u00a0Die erg\u00e4nzenden Arbeiten, die im Rahmen der Revision durchzuf\u00fchren sind, umfassen die retrospektive Wiederherstellung der Indexreihen mindestens bis Januar 2001 und die Bereitstellung von saisonbereinigten Indexreihen, um die Berechnung der Ver\u00e4nderung im Betrachtungsmonat im Vergleich zum Vormonat zu erm\u00f6glichen.\u00a0F\u00fcr 2011 ist die Integration der DHU in eine Handels- und Vertriebsstatistik vorgesehen, die zus\u00e4tzlich den Handel und die Reparatur von Automobilen und Motorr\u00e4dern sowie den Grosshandel umfassen wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abVergleich der Entwicklung der realen Detailhandelsums\u00e4tze in Europa\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abEntwicklung der realen Detailhandelsums\u00e4tze in der Schweiz, 2008-2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Die wirtschaftliche Bedeutung des Detailhandels in der Schweiz<\/b>&#13;<br \/>\nDer Detailhandel z\u00e4hlte gem\u00e4ss Betriebsz\u00e4hlung 2005 rund 35460 Unternehmen (ohne Handel mit Automobilen und Tankstellen). Vgl. Betriebsz\u00e4hlung 2005. Dies entspricht einem Anteil von 11,5% aller Schweizer Unternehmen. Rund 322000 Besch\u00e4ftigte sind in diesem Sektor t\u00e4tig; das sind 11% der Besch\u00e4ftigten des terti\u00e4ren Sektors und 8% aller Besch\u00e4ftigten in der Schweiz. 68% der Stellen im Detailhandel sind von Frauen besetzt. Vgl Besch\u00e4ftigungsbarometer f\u00fcr das vierte Quartal 2008. Der steuerbare Umsatz dieser Branche belief sich im Jahr 2006 auf rund 101 Mrd. Franken, was 20% des Dienstleistungssektors und 14% des nationalen steuerbaren Umsatzes repr\u00e4sentiert. Der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung betrug somit 5,0%. Vgl. ESTV 2006<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz hat die Detailhandelsumsatzstatistik eine lange Tradition. Sie wurde 1932 erstmals eingef\u00fchrt. In den Jahren 1953 und 2001 wurde sie umfassend \u00fcberarbeitet. 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