{"id":122416,"date":"2009-05-01T12:00:00","date_gmt":"2009-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/05\/saner-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:37:54","modified_gmt":"2023-08-23T21:37:54","slug":"saner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/05\/saner\/","title":{"rendered":"Demografische Alterung und Arbeitskr\u00e4ftemangel: Eine neue Landkarte der Migration?"},"content":{"rendered":"<p>In Krisenzeiten und dem damit einhergehenden Abbau zahlreicher Arbeitspl\u00e4tze ist es heikel, das Thema Arbeitskr\u00e4ftemangel auf das Tapet zu bringen. Das \u00e4ndert jedoch nichts an der Bedeutung des Themas, ist doch der Arbeitskr\u00e4ftemangel in der Schweiz auf allen Qualifikationsstufen je nach Branche beim n\u00e4chsten Konjunkturaufschwung wieder mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt. Um diesen Mangel auszugleichen, greift die Schweiz bisher haupts\u00e4chlich auf Arbeitskr\u00e4fte aus der Europ\u00e4ischen Union (EU) zur\u00fcck. Aus anderen Regionen kommen generell nur hoch qualifizierte Personen f\u00fcr eine Arbeitserlaubnis in der Schweiz in Frage. Angesichts der Perspektiven bez\u00fcglich Berufsbildung und Alterung der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte sich in Zukunft eine Lockerung der Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr diesen Personenkreis aufdr\u00e4ngen.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200905_20_Saner_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Alternde Bev\u00f6lkerung und Arbeitsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie demografische Alterung ist ein beispielloses Ph\u00e4nomen, das die Schweiz und seine europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4nder gleichermassen bedroht. Die Zahl der \u00e4lteren Einwohnerinnen und Einwohner unseres Landes wird sich betr\u00e4chtlich erh\u00f6hen, w\u00e4hrend der Anteil der aktiven Bev\u00f6lkerung ab 2018 r\u00fcckl\u00e4ufig sein d\u00fcrfte. Das Ausmass dieser Entwicklung kann anhand einer repr\u00e4sentativen Stichprobe der aktiven Bev\u00f6lkerung von 2007 und der mittleren Projektionen in die Jahre 2030 und 2050 &#8211; unter Verwendung der Zahlen des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) &#8211; illustriert werden. Die aktive Bev\u00f6lkerung von 25-44 Jahren umfasst im Jahr 2007 rund 2,22 Mio. Personen. Bis ins Jahr 2030 d\u00fcrfte diese Gruppe um rund 130000 auf 2,09 Mio. und bis 2050 um 280000 (gegen\u00fcber 2007) auf 1,94 Mio. Personen schrumpfen. Die materielle Abh\u00e4ngigkeit der \u00e4lteren Personen von der aktiven Bev\u00f6lkerung wird sich bis 2050 verdoppelt haben. Abgesehen von den steigenden Kosten f\u00fcr die Renten und die Gesundheitsversorgung droht mit dem dannzumal in vielen Branchen fehlenden Nachwuchs einem ganzen Teil der Wirtschaft das Fundament wegzubr\u00f6ckeln.\u00a0In Zukunft werden Spezialisten mit Berufsabschluss &#8211; neben den Personen in den hoch qualifizierten T\u00e4tigkeitsfeldern &#8211; auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt sein. Speziell im Sekund\u00e4r- und Terti\u00e4rsektor besteht eine grosse Nachfrage nach solchen qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften. In der Regel handelt es sich um Absolventen der Sekund\u00e4rstufe II, d.h. einer Berufslehre, eines Gymnasiums oder einer Fachmittelschule. Die Autoren haben die aktive Bev\u00f6lkerung anhand des Bildungsniveaus in Hochqualifizierte, Qualifizierte sowie Unqualifizierte aufgeteilt. Diese Aufteilung ist ihrer Meinung nach am besten geeignet, um die Bedeutung der Facharbeiter auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt hervorzuheben. Im Gegensatz dazu teilen einige Statistiken des BFS die aktive Bev\u00f6lkerung in zehn grosse Berufsgruppen auf, die zudem als Indikatoren verwendet werden k\u00f6nnen. Im Rahmen dieser Klassifikation sind die Kategorien Hochqualifizierte (h\u00f6here Kader, intellektuelle und wissenschaftliche Berufe) sowie Unqualifizierte viel weniger umfangreich als die Gruppen der handwerklichen Berufe, welche die qualifizierten T\u00e4tigkeiten umfassen (intermedi\u00e4re Berufe, B\u00fcroangestellte, Dienstleistungs- und Verkaufspersonal, Bauern, Handwerker, Arbeiter, Kondukteure und Monteure). In der Schweiz hat die \u00fcberwiegende Mehrzahl der Arbeitnehmenden dieses Bildungsniveau.\u00a0Die zust\u00e4ndigen Schweizer Beh\u00f6rden sind sich bewusst, dass ein R\u00fcckgang der Arbeitskr\u00e4fte mit Berufsbildung ein echtes Problem darstellt. Sie betreiben einen entsprechend grossen Aufwand, um die Jugendlichen zu einer Berufsausbildung zu animieren. Die Kampagne berufsbildungplus.ch ist eine der Antworten auf das Problem. Trotz ermutigenden Resultaten in den letzten Jahren wird bei der Berufsbildung in n\u00e4chster Zukunft ein deutlicher R\u00fcckgang im Nettobestand zu verzeichnen sein. Dieser R\u00fcckgang erkl\u00e4rt sich teilweise auch durch schwindendes Interesse seitens der Jugendlichen aufgrund ver\u00e4nderter Prestige- und Gehaltsvorstellungen. Der demografische Faktor ist jedoch unwiderruflich. So d\u00fcrfte sich im Jahr 2017 die Anzahl der Absolventen im ersten Lehrjahr auf 71000 einpendeln, gegen\u00fcber sch\u00e4tzungsweise 81000 im Jahr 2008. Vgl. BFS (2008), S. 24.\u00a0Die Schweiz setzt heute &#8211; wie bereits in der Vergangenheit &#8211; auf ausl\u00e4ndisches Personal, um den Mangel an Arbeitskr\u00e4ften auf dem einheimischen Arbeitsmarkt zu beheben. Zurzeit betr\u00e4gt die aktive Bev\u00f6lkerung der Schweiz rund 4,23 Mio. Personen. Rund ein Viertel davon, also 927000 Personen, sind ausl\u00e4ndische Niedergelassene. Aufgrund der bestehenden Gesetzeslage stammen 85% dieser Ausl\u00e4nder aus EU-L\u00e4ndern. Die bilateralen Vertr\u00e4ge der Schweiz \u00fcber den freien Personenverkehr mit der EU beg\u00fcnstigen den Zugang von Arbeitskr\u00e4ften aus der EU gegen\u00fcber Arbeitskr\u00e4ften aus Nicht-EU-L\u00e4ndern. An erster Stelle der Herkunftsl\u00e4nder steht Italien, gefolgt von Deutschland.\u00a0Zwei Drittel der Arbeitskr\u00e4fte mit einer Berufsbildung auf Sekund\u00e4rstufe II in der Schweiz stammen aus der EU, ein F\u00fcnftel davon allein aus Italien. Allerdings ist Italien auch das Land, das innerhalb Europas sowie weltweit am st\u00e4rksten von der demografischen Alterung betroffen sein wird, gefolgt von Deutschland. Auch andere wichtige Bezugsl\u00e4nder f\u00fcr Fachkr\u00e4fte &#8211; wie Spanien, Portugal und die neuen EU-L\u00e4nder &#8211; werden mit ihrem eigenen Problem der Alterung zu k\u00e4mpfen haben. Diese L\u00e4nder werden somit die Schweiz nicht nachhaltig mit Arbeitskr\u00e4ften versorgen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Abfederung der finanziellen und wirtschaftlichen Folgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVerlagerungen ins Ausland dienen den Interessen der Unternehmen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) k\u00f6nnen dadurch ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit steigern. Gewisse schweizerische Industriebtriebe halten Verlagerungen ins Ausland f\u00fcr ein Mittel, um an billigere und schwerer verf\u00fcgbare Arbeitskr\u00e4fte zu kommen. Nach einer Vielzahl von privaten Initiativen seitens der Unternehmen und angesichts der Tatsache, dass das Angebot von Ausbildungspl\u00e4tzen sowie die Nachfrage danach in den n\u00e4chsten Jahren abnehmen werden, sind die zust\u00e4ndigen \u00c4mter &#8211; insbesondere das Bundesamt f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) &#8211; aktiv geworden und unterst\u00fctzen in Entwicklungsl\u00e4ndern Berufsbildungsprojekte, die im Interesse der Schweizer Wirtschaft liegen. Die Handelskammer Schweiz-Indien und das BBT haben zum Beispiel im Jahr 2007 eine gemeinsame Initiative lanciert mit dem Ziel, in Indien ein Berufsbildungssystem zu etablieren, das die Verlagerung eines Teils der Produktion der Maschinen- und Metallindustrie erlauben k\u00f6nnte. Dieses System bietet indischen Arbeitskr\u00e4ften eine Ausbildungschance und garantiert schweizerischen KMU im Gegenzug die M\u00f6glichkeit, qualifizierte und billige Arbeitskr\u00e4fte zu rekrutieren (vgl. Oberson 2008, S. 13-16). Allerdings greifen Schweizer Unternehmen bereits seit langem zum Mittel der Verlagerungen; es ist unwahrscheinlich, dass die demografische Alterung auf diesem Weg abgefedert werden kann. Auch wenn das Potenzial der Verlagerungen im Dienstleistungssektor noch nicht ausgesch\u00f6pft ist, k\u00f6nnen viele Arbeitspl\u00e4tze prinzipiell nicht ausgelagert werden. In j\u00fcngster Zeit wurde die Ausbildung zu Fachmann\/Fachfrau Gesundheit zur langen Liste der Berufsbildungen in der Schweiz hinzugef\u00fcgt. Sie geh\u00f6rt zur Kategorie der nicht marktbestimmten Dienstleistungen, welche nur schwer ausgelagert werden k\u00f6nnen. Gerade der Gesundheitsbereich sieht sich angesichts der zunehmenden Alterung der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung mit einer Knappheit an Fachkr\u00e4ften konfrontiert, welche alle Bereiche des medizinischen Personals, des Pflegepersonals sowie der \u00c4rzteschaft betrifft. \u00a0Die Reform des Rentensystems hatte zum Ziel, das Rentenalter hinauszuz\u00f6gern und den Anteil der von der aktiven Bev\u00f6lkerung abh\u00e4ngigen \u00c4lteren zu reduzieren. Die Ablehnung der Vorlage vom Volk im Jahr 2004 zeigt den Widerstand vieler Menschen und Unternehmen gegen eine Heraufsetzung des Rentenalters. Eine Neuauflage in den n\u00e4chsten Jahren scheint unwahrscheinlich. Falls eine Reform des Rentensystems wirklich angenommen wird, so d\u00fcrfte sie kaum so ausgestaltet sein, dass sie den Arbeitsmarkt wirksam zu beeinflussen und die astronomischen Kosten f\u00fcr Renten und Gesundheit herunterzuschrauben vermag.\u00a0Es w\u00e4re generell sinnvoll, gegen den wiederkehrenden Arbeitskr\u00e4ftemangel dauerhaft wirksame Massnahmen zu ergreifen. Damit h\u00e4tte die Schweiz ein Mittel, um die Ver\u00e4nderungen von Nachfrage und Angebot zu antizipieren. Heute existiert keine systematische Studie zum Thema Arbeitskr\u00e4ftemangel oder -\u00fcberschuss nach Wirtschaftsbranchen oder Berufen in der Schweiz, da f\u00fcr eine verl\u00e4ssliche Studie dieser Art eine Vielzahl von Parametern ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcsste. Gem\u00e4ss Prof. Yves Fl\u00fcckiger des Arbeitsobservatoriums der Universit\u00e4t Genf fehlen heute die Daten zur Durchf\u00fchrung einer solchen Studie. \u00dcberdies hat das angebotene Lohnniveau einen entscheidenden Einfluss auf den zu einem gegebenen Zeitpunkt festgestellten Arbeitskr\u00e4ftemangel oder -\u00fcberschuss. Denn dieser kann mehr oder weniger schnell resorbiert werden, je nach Dauer der zur Erlangung eines Berufs notwendigen Ausbildung oder der sektoriellen Mobilit\u00e4t, die wiederum vom verlangten Ausbildungsniveau sowie von der Neuorientierungsf\u00e4higkeit der arbeitslosen Personen abh\u00e4ngt. Letztere wird von den Berufst\u00e4tigen in der Beurteilung einer Mangelsituation in ihrer Branche oft vergessen.&#13;<\/p>\n<h2>Demografische Alterung und Migration von Arbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Auswirkungen der Alterung der Bev\u00f6lkerung auf die Migrationsbewegungen zwischen der Schweiz und Drittl\u00e4ndern wurden bisher noch wenig untersucht. F\u00fcr die Beh\u00f6rden scheint jedoch die Migration von Arbeitskr\u00e4ften kein priorit\u00e4res Instrument zur Bek\u00e4mpfung der Alterung zu sein. Die Projektionen des BFS setzen den Migrationssaldo auf dem Niveau des Durchschnitts der letzten zehn Jahre fest, d.h. bei 0,3%, was einer Einwanderung von 20000 Personen pro Jahr entspricht. Zum Vergleich: Projektionen in Italien und Deutschland rechnen mit einem j\u00e4hrlichen Bedarf an Einwanderern von 6500 bzw. 6000 pro Mio. Einwohner, um den Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang aufhalten zu k\u00f6nnen. Vgl. UNO (2001). Die schweizerischen Projektionen scheinen vergleichsweise bescheiden. F\u00fcr das mittlere Szenario prognostizieren die Statistiken einen H\u00f6chststand von 8,2 Mio. Personen im Jahr 2036 und einen anschliessenden Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang. Mit dieser Bev\u00f6lkerungszahl h\u00e4tte die Schweiz also einen Bedarf an 2400 Einwanderern pro Mio. Einwohner. Das entspricht einem um den Faktor 2,7 tieferen Wert als derjenige, der von der UNO f\u00fcr Italien berechnet wurde (vgl. BFS 2006b, S. 7). Man fragt sich, ob diese Zahlen verschiedenen Einflussgr\u00f6ssen &#8211; wie z.B. der Auswanderung &#8211; gen\u00fcgend Rechnung tragen und die zuk\u00fcnftigen Bed\u00fcrfnisse des Arbeitsmarktes tats\u00e4chlich reflektieren. In jedem Fall gehen die Prognosen aufgrund der \u00f6konomischen Konvergenzen von einem R\u00fcckgang der st\u00e4ndigen ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung mit Herkunftsl\u00e4ndern in der EU aus, w\u00e4hrend gem\u00e4ss denselben Statistiken die Einwanderung aus Drittl\u00e4ndern gleich bleiben sollte. Der R\u00fcckgang von Arbeitskr\u00e4ften aus der EU wird demnach einen betr\u00e4chtlichen Verlust an qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften zur Folge haben, wenn die Schweiz ihre restriktive Politik gegen\u00fcber Fachkr\u00e4ften aus Nicht-EU-L\u00e4ndern beibeh\u00e4lt.\u00a0Langfristig d\u00fcrften die Alterung der Bev\u00f6lkerung in den Industriel\u00e4ndern, das rasante Bev\u00f6lkerungswachstum in den Entwicklungsl\u00e4ndern und die fortschreitende Globalisierung eine betr\u00e4chtliche Verst\u00e4rkung der internationalen Migrationsstr\u00f6me bewirken. Verschiedene Industriel\u00e4nder profitieren bereits vom fast unersch\u00f6pflichen Reservoir an Arbeitskr\u00e4ften der Entwicklungsl\u00e4nder. So hat etwa Kanada bereits fr\u00fchzeitig Vertr\u00e4ge mit L\u00e4ndern wie Mexiko oder den Philippinen abgeschlossen und immer weiter ausgebaut, um der steigenden Nachfrage nach Fachkr\u00e4ften zu begegnen. Die enge Zusammenarbeit mit den Herkunftsl\u00e4ndern garantiert, dass die Stakeholder ihre Verpflichtungen auch einhalten (R\u00fcckkehr in die Herkunftsl\u00e4nder, Arbeitsbedingungen in den Gastl\u00e4ndern etc.). Vgl. Djajic (2008), S. 12-13. Auch in Europa greifen L\u00e4nder wie Spanien oder Frankreich immer mehr auf Arbeitskr\u00e4fte aus L\u00e4ndern des S\u00fcdens zur\u00fcck, die sie den Bed\u00fcrfnissen ihrer Wirtschaft entsprechend ausbilden. Damit k\u00f6nnen diese L\u00e4nder auf effiziente Weise die Befriedigung ihrer Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften mit dem Kampf gegen illegale Einwanderung verbinden. Gewisse Kreise sehen in diesen Praktiken eine Instrumentalisierung der Entwicklungszusammenarbeit; andere betonen hingegen die neuen Entwicklungsperspektiven, welche sich daraus sowohl f\u00fcr die L\u00e4nder des S\u00fcdens wie auch des Nordens ergeben. Tatsache ist, dass diese Programme erst am Anfang stehen und dass sie stellvertretend f\u00fcr eine neue Tendenz in der Migration nach Europa sind. Angesichts der demografischen Alterung in den Industriel\u00e4ndern bekr\u00e4ftigt die UNO, dass der Migration als Ersatz fehlender Arbeitskr\u00e4fte durch aussereurop\u00e4ische Arbeitnehmende in den n\u00e4chsten Jahrzehnten eine positive und entscheidende Rolle f\u00fcr die betroffenen L\u00e4nder zukommt.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZahlreiche schweizerische Unternehmen haben heute M\u00fche, geeignete Fachkr\u00e4fte zu rekrutieren &#8211; ein Problem, das sich im Lauf der n\u00e4chsten Jahrzehnte noch verst\u00e4rken wird. Eine Vielzahl von Massnahmen wurde bereits gegen dieses Ungleichgewicht ergriffen. Eines der schnellsten und wirksamsten Gegenmittel ist, auf ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte zur\u00fcckzugreifen. Die schweizerische Wirtschaft ist sich dessen schon heute voll bewusst. Die Beh\u00f6rden setzen hingegen vor allem auf das Aussch\u00f6pfen der Arbeitsbeteiligung der Bev\u00f6lkerung. Zudem ist das Zulassungssystem f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte nur ungen\u00fcgend auf die Nachfrage nach Fachkr\u00e4ften ausgerichtet. Die demografische Alterung in den Industriel\u00e4ndern wird die internationalen Migrationsstr\u00f6me gravierend verst\u00e4rken und ver\u00e4ndern. Davon wird auch die Schweiz nicht verschont bleiben. Ein Einwanderungssystem, das aussereurop\u00e4ische Fachkr\u00e4fte ausschliesst, d\u00fcrfte aus diesen Gr\u00fcnden nur schwer zu halten sein. Zwar ist die Einwanderung weder die einzige L\u00f6sung, noch ist sie als v\u00f6llig problemlos zu betrachten. Das Ausmass des durch die demografische Alterung verst\u00e4rkten Arbeitsmarktungleichgewichts k\u00f6nnte jedoch die schweizerischen Beh\u00f6rden davon \u00fcberzeugen, neue Modelle in der Einwanderungspolitik vorurteilsfrei zu pr\u00fcfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abSchweiz: Alterspyramide und Entwicklung gem\u00e4ss statistischem Referenzszenario, 2007, 2030 und 2050\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abBesch\u00e4ftigte Erwerbsbev\u00f6lkerung (Schweizer und Ausl\u00e4nder) nach Bildungsniveau, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abNationalit\u00e4t der st\u00e4ndigen ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung mit Ausbildungsniveau auf Sekund\u00e4rstufe II, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Bibliografie &#8211; Bonoli Giuliano (2007), Politiques sociale, Immigration et natalit\u00e9: Pourrons-nous \u00e9viter le Krach d\u00e9mographique?, in: Chappelet Jean-Loup, Contributions \u00e0 l&#8217;action publique, Lausanne, IDHEAP, S. 1-12.- Direktion f\u00fcr Wirtschaftspolitik (2007), Outsourcing, Produktionsstruktur und Wertsch\u00f6pfungsquote, in: Konjunkturtendenzen, Bern, SECO, Sommer.- Djajic Slobodan (2008), Reforming the System of International Migration, Gen\u00e8ve, The Graduate Institute of International Relations and Development,.- Oberson Jos\u00e9 (2008), Swiss-Indian Vocational Education and Training Initiative &#8211; A Public-Private Partnership Project, Newsletter of the Swiss-Indian Chamber of Commerce (SICC), November-Dezember, Z\u00fcrich, S. 13-16.- Fibbi Rosita (2008), Politique d&#8217;asile et questions migratoires, in: Annuaire suisse de politique de d\u00e9veloppement, Faits et statistiques, Genf, Institut de hautes \u00e9tudes internationales et du d\u00e9veloppement, Bd. 27, Nr. 1, S. 197-217).- BFS (2006a), Szenarien zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung 2005-2050, Bundesamt f\u00fcr Statistik, Neuenburg. &#8211; Bundesamt f\u00fcr Statistik (2006b), Bev\u00f6lkerungswachstum und demografische Alterung: ein Blick in die Zukunft. Hypothesen und Ergebnisse der Bev\u00f6lkerungsszenarien f\u00fcr die Schweiz 2005-2050, Neuenburg.- BFS (2008), Bildungsperspektiven. Szenarien 2008-2017 f\u00fcr die Sekundarstufe II, Bundesamt f\u00fcr Statistik, Neuenburg,.- UNO (2001), Replacement Migration: Is It a Solution to Declining and Ageing Populations?, New York, Economic and Social Council (Ecosoc).- Sheldon George (2008), Die Rolle der Berufsbildung in der Bek\u00e4mpfung des Fachkr\u00e4ftemangels, Schlussbericht zu einem Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) an die Forschungsstelle f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Industrie\u00f6konomik (FAI) der Universit\u00e4t Basel.- Sutherland James (2008), Programme des travailleurs \u00e9trangers temporaires, S\u00e9minaire de recherche strat\u00e9gique sur la migration temporaire, Ottawa, Ressources humaines et D\u00e9veloppement des comp\u00e9tences Canada.- Thom N., Moser R. et Egger M. (2008), Arbeitsf\u00e4higkeit und Integration \u00e4lterer Arbeitskr\u00e4fte in der Schweiz &#8211; Datenlage und Implikationen, in: Die Volkswirtschaft 1\/2, S. 67-70.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Krisenzeiten und dem damit einhergehenden Abbau zahlreicher Arbeitspl\u00e4tze ist es heikel, das Thema Arbeitskr\u00e4ftemangel auf das Tapet zu bringen. Das \u00e4ndert jedoch nichts an der Bedeutung des Themas, ist doch der Arbeitskr\u00e4ftemangel in der Schweiz auf allen Qualifikationsstufen je nach Branche beim n\u00e4chsten Konjunkturaufschwung wieder mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt. 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