{"id":122571,"date":"2009-03-01T09:06:02","date_gmt":"2009-03-01T09:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/03\/pmi-aktuelles-konjunkturbarometer-der-schweiz\/"},"modified":"2023-08-23T23:38:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:38:44","slug":"pmi-aktuelles-konjunkturbarometer-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/03\/pmi-aktuelles-konjunkturbarometer-der-schweiz\/","title":{"rendered":"PMI \u2013 aktuelles Konjunkturbarometer der Schweiz"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"titleSection\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<div class=\"LD\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Einkaufsmanager stehen am Anfang des Produktionsprozesses. Entsprechend sp\u00fcren sie Nachfrageschwankungen, bevor diese in den Produktions- oder Umsatzzahlen sichtbar werden. Der PMI nutzt diesen Vorlauf zur Prognose der Konjunktur. Er basiert auf den Resultaten einer monatlichen Umfrage, die der SVME auf der Online-Plattform der Internetfirma www.2ask.ch durchf\u00fchrt. Dabei werden rund 200 Einkaufsmanagern von Schweizer Industrieunternehmen qualitative Fragen zu folgenden acht Sparten gestellt: Produktion, Auftragsbestand, Einkaufsmenge, Einkaufspreis, Lieferfristen, Einkaufslager, Verkaufslager und Besch\u00e4ftigung.Die Einkaufsmanager m\u00fcssen jeweils einsch\u00e4tzen, ob die Aktivit\u00e4ten in der jeweiligen Sparte h\u00f6her, gleich oder tiefer als im Vormonat ausgefallen sind. Aus den prozentualen Anteilen der Antworten, die \u00abh\u00f6her\u00bb und \u00abgleich\u00bb lauten, werden die Subindizes berechnet, wobei der Anteil der \u00abgleich\u00bb-Antworten nur zur H\u00e4lfte einfliesst (vgl. Kasten 1). Um saisonale Schwankungen auszuschalten, werden die einzelnen Subindizes saisonbereinigt. Die Saisonbereinigungsfaktoren werden jeweils Anfang Jahr mit dem Verfahren ARIMA-X-12 neu berechnet. Der Wert des PMI bzw. der acht Subindizes liegt definitionsgem\u00e4ss zwischen 0 und 100, wobei ein Wert \u00fcber 50 eine expandierende Aktivit\u00e4t im Vergleich zum Vormonat bedeutet. Weist also zum Beispiel der PMI im Juni einen Wert von 60 und im Juli einen Wert von 55 auf, bedeutet das, dass die schweizerische Industrieaktivit\u00e4t im Juli weiter expandiert hat, jedoch mit einer geringeren Dynamik als noch im Vormonat. Im Gegensatz zu anderen Konjunkturindikatoren, die sich mit den Erwartungen, \u00c4ngsten oder Hoffnungen der Leute besch\u00e4ftigen und als komplexe, mathematische Konstrukte schwer zu verstehen sind, beschr\u00e4nkt sich das Erhebungsverfahren des PMI auf tats\u00e4chliche wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten und eine einfache, nachvollziehbare Erstellung. Zudem muss der PMI nicht nachtr\u00e4glich revidiert werden. Der direkte und unverf\u00e4lschte Bezug zur Realwirtschaft ist somit garantiert.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Gesamtwirtschaftliche Konjunktur<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Seit Beginn der Erhebung 1995 hat sich der PMI als Vorlaufindikator f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft etabliert. Der Prognosevorlauf des PMI betr\u00e4gt dabei mindestens ein Quartal. Der PMI prognostiziert aber nicht nur die Industrieaktivit\u00e4ten, sondern eignet sich ebenso als Indikator der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur, und dies aus folgenden Gr\u00fcnden:\u2212 Die Industrie beeinflusst direkt die Schweizer Wirtschaftsentwicklung, wird doch knapp ein Viertel der gesamten Bruttowertsch\u00f6pfung in diesem Sektor erwirtschaftet. \u2212 Der Industriesektor produziert zahlreiche Investitionsg\u00fcter, die in den anderen Sektoren eingesetzt werden und somit die gesamtwirtschaftliche Kapazit\u00e4t erh\u00f6hen. \u2212 Der Industriesektor ist auf viele Dienstleistungen angewiesen, wie etwa Werbung oder Unternehmensberatung. Eine Ver\u00e4nderung im Industriesektor hat dadurch auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Dienstleistungssektors.Hohe Prognoseg\u00fcteDie Grafik 1 veranschaulicht die Prognoseg\u00fcte des PMI f\u00fcr die gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung, indem der Verlauf des PMI dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) gegen\u00fcbergestellt wird. Als Faustregel signalisiert ein \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeitspanne registrierter Indexwert von \u00fcber 44 tendenziell ein positives Wachstum der Gesamtwirtschaft. Um tempor\u00e4re Ausreisser zu nivellieren und die Zeitreihe mit den BIP-Quartalsdaten vergleichbar zu machen, bietet sich ein R\u00fcckgriff auf einen gleitenden 3-Monats-Durchschnitt an. Sank der Wert des PMI in einem Quartal unter die kritische Wachstumsgrenze von 50 Punkten, lag das durchschnittliche BIP-Wachstum des darauffolgenden Quartals im Vergleich zum Vorjahr bei 0,1%. Lag der Wert jedoch \u00fcber 50 Punkte, folgte ein Wachstum von durchschnittlich 2,8%. Das ergibt eine betr\u00e4chtliche Differenz von 2,7 Prozentpunkten, je nachdem ob sich der PMI unter- oder oberhalb der Wachstumsgrenze von 50 Z\u00e4hlern bewegte. Einem Wert von \u00fcber 50 Punkten folgte ohne Ausnahme ein positives BIP-Wachstum, w\u00e4hrend mit einem Wert von unter 50 Z\u00e4hlern nicht zwingend eine Kontraktion der Gesamtwirtschat einherging. \u00c4hnliche Resultate ergeben sich bei einer umgekehrten Betrachtungsweise. Wies das BIP f\u00fcr ein Quartal ein negatives Wachstum aus, betrug der durchschnittliche Wert des PMI des Vorquartals 47,1 Punkte, im Vergleich zu 55,5 bei positivem BIP-Wachstum. Diese Zahlen werden noch untermauert durch eine Korrelation von 0,74 zwischen den um ein Quartal verschobenen Zeitreihen des PMI und des BIP (eine Korrelation in der H\u00f6he von eins entspr\u00e4che einem perfekten Zusammenhang).In der Grafik 2 sind die Ver\u00e4nderungen des Wachstumstempos abgetragen. Die durch den PMI gesch\u00e4tzten Ver\u00e4nderungen der Wachstumsraten des realen BIP werden den effektiven Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcbergestellt. Die Grafik ist in vier Quadranten unterteilt. Die Punkte, die im ersten oder im dritten Quadranten liegen, weisen darauf hin, dass die Sch\u00e4tzung der Wendepunkte korrekt war. Die in den beiden restlichen Quadranten liegenden Punkte betreffen hingegen Sch\u00e4tzungen, bei welchen die Wachstumsdynamik falsch ermittelt wurde. Prozentual liegt die Anzahl aller Sch\u00e4tzungen, welche die Dynamik des BIP richtig prognostizieren, nahe bei 75%, was insgesamt als stabil gilt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Subindizes: Detaillierte Informationen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Auch aus den Subindizes des PMI lassen sich konjunkturrelevante Informationen gewinnen. So prognostiziert der PMI-Subindex \u00abProduktion\u00bb relativ genau den Produktionsindex aus der Produktion-Auftrags-Umsatz- und Lagerstatistik (Paul) des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS). Unter Ber\u00fccksichtigung eines Vorlaufes von zwei Quartalen betr\u00e4gt der Korrelationskoeffizienten zwischen dem PMI-Subindex \u00abProduktion\u00bb und der Paul-Statistik 0,6. Zudem erscheint der PMI-Subindex \u00abProduktion\u00bb monatlich (Paul: quartalsweise) und ist ohne Verz\u00f6gerung verf\u00fcgbar. Der PMI-Subindex \u00abBesch\u00e4ftigung\u00bb wiederum hilft bei der Besch\u00e4ftigungsprognose. Der Vorlauf auf die Industriebesch\u00e4ftigtenzahl aus der Besch\u00e4ftigungsstatistik des BFS (Besta) betr\u00e4gt rund ein halbes Jahr. Der PMI-Subindex Einkaufspreise, welcher nicht in die Berechnung des PMI einfliesst, hat bez\u00fcglich der Beobachtung inflation\u00e4rer Tendenzen durchaus Bedeutung. Zwischen dem PMI-Subindex Einkaufspreise und dem vom BFS erhobenen Produzenten- und Importpreisindex (PPI) besteht eine ziemlich gute \u00dcbereinstimmung, wobei der PMI-Preisindex einen Vorlauf von rund drei Monaten aufweist.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\"> Claude Maurer <\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Senior Economist, Credit Suisse, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\"> Micha Zeller <\/span>&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Die f\u00fcnf Subinizes des PMI und deren Gewichtung<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Der PMI wird durch das Economic Research der Credit Suisse erstellt und ausgewertet. In den PMI fliessen f\u00fcnf der acht Subindizes mit jeweils unterschiedlicher Gewichtung ein: Produktion (Gewicht: 0.25), Auftragsbestand (0.30), Lieferfristen (0.15), Einkaufslager (0.10), Besch\u00e4ftigung (0.20).<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Vermeidung von Fehlinterpretationen<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Der h\u00e4ufigste Interpretationsfehler besteht darin, dass ein R\u00fcckgang des PMI oder eines Subindizes gegen\u00fcber dem Vormonat generell als R\u00fcckgang der jeweiligen Aktivit\u00e4t gewertet wird. Solange der Indexstand jedoch \u00fcber der relevanten Marke von 50 Z\u00e4hlern zu liegen kommt, besteht weiterhin ein Wachstum gegen\u00fcber dem Vormonat. Des weiteren ist zu beachten, dass einzelne Branchen infolge \u00dcberkapazit\u00e4ten, Verlust von Marktanteilen oder neuen Wettbewerbern Wachstumsprobleme verzeichnen k\u00f6nnen, auch wenn der Schweizer Industriesektor gesamthaft gesehen w\u00e4chst.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; &#13; &#13; Einkaufsmanager stehen am Anfang des Produktionsprozesses. Entsprechend sp\u00fcren sie Nachfrageschwankungen, bevor diese in den Produktions- oder Umsatzzahlen sichtbar werden. Der PMI nutzt diesen Vorlauf zur Prognose der Konjunktur. Er basiert auf den Resultaten einer monatlichen Umfrage, die der SVME auf der Online-Plattform der Internetfirma www.2ask.ch durchf\u00fchrt. 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Er wird als Gemeinschaftswerk des Schweizerischen Verbandes f\u00fcr Materialwirtschaft und Einkauf (SVME) und der Credit Suisse erstellt. Der Prognosevorlauf betr\u00e4gt mindestens ein Quartal. Das Konzept des PMI wurde 1948 in den USA entwickelt und Mitte der Neunzigerjahre nach den Standards der International Federation of Purchasing and Materials Management (IFPMM) auch in Europa eingef\u00fchrt. Mittlerweile wird der PMI in mehr als 26 L\u00e4ndern \u2013 darunter seit kurzem auch China \u2013 ver\u00f6ffentlicht, die zusammen rund 83% der weltweiten Industrieproduktion abdecken. Diese internationalen Vergleichsm\u00f6glichkeiten machen den PMI weltweit zu einem unverzichtbaren Instrument der Konjunkturanalyse.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122574,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"31053","post_abstract":"","magazine_issue":"20090301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55adef5af2f29"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122571"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3200"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122571"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122571\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127975,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122571\/revisions\/127975"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4257"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122571"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122571"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122571"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122571"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122571"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122571"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}