{"id":122626,"date":"2009-03-01T08:15:45","date_gmt":"2009-03-01T08:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2009\/03\/wirtschaftspolitische-unterstuetzung-fuer-die-weltwirtschaft-in-der-krise\/"},"modified":"2023-08-23T23:38:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:38:47","slug":"wirtschaftspolitische-unterstuetzung-fuer-die-weltwirtschaft-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2009\/03\/wirtschaftspolitische-unterstuetzung-fuer-die-weltwirtschaft-in-der-krise\/","title":{"rendered":"Wirtschaftspolitische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Weltwirtschaft in der Krise"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"titleSection\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<div class=\"LD\"><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Einbruch in der realen Wirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die Weltwirtschaft ist in einem Abschwung. Alle Indizien sprechen daf\u00fcr, dass dieser schmerzhaft sein wird. Im neusten World Economic Outlook Update vom Januar 2009 sagt der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) eine Abschw\u00e4chung des Weltwachstums von 3,4% (2008) auf 0,5% (2009) voraus (siehe Grafik 1).2 Das w\u00e4re die niedrigste Wachstumsrate seit Ende des Zweiten Weltkrieges.Der IWF steht mit einer solch pessimistischen Prognose nicht alleine da. Die kurzfristigen weltwirtschaftlichen Aussichten werden allgemein als \u00e4usserst besorgniserregend eingesch\u00e4tzt. In vielen L\u00e4ndern sind deshalb wirtschaftspolitische Massnahmen von ausserordentlichem Umfang eingeleitet worden, um dem Abgleiten in eine globale Depression vorzubeugen. Die Vorhersage einer z\u00f6gerlichen weltwirtschaftlichen Erholung per 2010 basiert sogar auf der Annahme, dass die bereits starke wirtschaftspoli-tische Unterst\u00fctzung noch verst\u00e4rkt wird. Schrumpfende Verm\u00f6genswerte haben zu R\u00fcckg\u00e4ngen beim Konsum und Problemen bei der Kreditvergabe gef\u00fchrt. Allgemein schwierigere Finanzierungsbedingungen haben R\u00fcckg\u00e4nge bei Investitionen und dauerhaften Konsumg\u00fcterk\u00e4ufen zur Folge. Die Industrieproduktion und die Exporte sind deshalb in den letzten Monaten stark eingebrochen, und zwar in einem Ausmass, das seit Jahrzehnten nicht mehr registriert wurde. Der Einbruch in der realen Wirtschaft hat negative Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft. Verluste im Unternehmenssektor und Zahlungsschwierigkeiten der Haushalte werden die Banken noch mehr belasten, was die Situation im Finanzsektor verschlimmern k\u00f6nnte. In den letzten Wochen und Monaten hat sich wieder gezeigt, dass verschlechternde Bedingungen im Finanzsektor und in der Realwirtschaft sich gegenseitig verst\u00e4rken. Die Folgen eines solchen Teufelskreises sind seit der Grossen Depression bekannt. Die Grosse Depression galt bisher \u2013 historisch betrachtet \u2013 als eine Ausnahme. Seit Friedman und Schwartz (1963) wissen wir, dass Politikversagen die wesentliche Ursache daf\u00fcr war. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass Rezessionen und Wirtschaftsabschw\u00fcnge, die von B\u00f6rsen-Crashes und Kreditklemmen begleitet waren, in der Tendenz mit st\u00e4rkeren und l\u00e4nger dauernden Wachstumseinbr\u00fcchen verbunden sind.3 Neu an der gegenw\u00e4rtigen Situation ist die globale Dimension der gegenseitigen Wechselwirkungen zwischen Finanzkrise und Rezession. Die vielen Finanzkrisen der j\u00fcngsten Vergangenheit hatten bisher oft sehr starke l\u00e4nderspezifische Komponenten.4<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Staatliche Gegenmassnahmen mit zwei Stossrichtungen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Konfrontiert mit solchen Risiken, haben viele L\u00e4nder der Krise mit wirtschaftspolitischen Massnahmen Gegensteuer gegeben. Zu Beginn der Krise standen Liquidit\u00e4tsversorgung und Zinssenkungen im Vordergrund. Mit der weiteren Versch\u00e4rfung der Finanzkrise und der wachsenden Zahl von L\u00e4ndern, die in eine Rezession geraten sind, haben sich umfassendere Massnahmen aufgedr\u00e4ngt. Die Auflistung der Massnahmen in Tabelle 1 zeigt zwei Stossrichtungen: Auf der einen Seite sollen Stabilisierungsmassnahmen die Belastung von solventen Banken durch illiquide Papiere mindern und das weiterhin fehlende Vertrauen in Finanzm\u00e4rkte zur\u00fcckbringen. Andererseits soll ein Fiskalstimulus die Geldpolitik bei der Stabilisierung der Gesamtnachfrage unterst\u00fctzen. Mit einem solchen Ansatz sollte es m\u00f6glich sein, die verh\u00e4ngnisvollen Wechselwirkungen zwischen Finanzkrise und Abschw\u00e4chung der Realwirtschaft zu unterbinden oder zumindest zu mildern. Damit w\u00fcrden die Grundlagen f\u00fcr eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung gelegt werden.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Wege aus der Finanzkrise<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Bankliquidit\u00e4t erhalten\u2026<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">In \u00abLombard Street\u00bb empfahl der englische Wirtschaftsjournalist und Gesch\u00e4ftsmann Walter Bagehot, dass Notenbanken Gesch\u00e4ftsbanken bei Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen mit einem Strafzins grossz\u00fcgig aushelfen sollen. Damit soll vermieden werden, dass sich tempor\u00e4re Liquidit\u00e4tsprobleme von eigentlich solventen Banken zu Problemen der Zahlungsf\u00e4higkeit auswachsen.Die Notenbanken haben in der Krise diese Lender-of-last-Resort-Funktion5 in starkem Masse wahrgenommen. Ausser den \u00fcblichen Operationen am Markt, wo die Zentralbanken den Banken durch die vor\u00fcbergehende \u00dcberlassung von Wertpapieren \u00fcber Nacht Geld verschafft haben, sind die Zentralbanken vor allem bei Repo-Termingesch\u00e4ften noch aktiver geworden und haben damit den Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen in den internationalen Geldm\u00e4rkten entgegengesteuert. Dennoch hat die reichliche Versorgung mit Notenbankreserven diesen Engp\u00e4ssen kein Ende bereitet. Unsicherheiten \u00fcber den Wert von komplexen, strukturierten Wertschriften, die auf verbriefen Hypotheken in den USA basierten, und Unsicherheiten \u00fcber den Anteil von solchen Papieren in den Bilanzen von Banken und anderen Finanzinstituten haben die erhoffte Wirkung verhindert.Um dem wachsenden Anteil von verbrieften Krediten und darauf basierenden Wertschriften in Bankbilanzen gerecht zu wer-den sowie die Effektivit\u00e4t von terminierten Repo-Operationen zu erh\u00f6hen, wurde die Liste der zul\u00e4ssigen Wertschriften erweitert. Zudem sind die Liquidit\u00e4tsoperationen auf Fremdw\u00e4hrungen ausgeweitet worden, da international t\u00e4tige Banken auch Liquidit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse in anderen W\u00e4hrungen hatten, die auf den internationalen Geldm\u00e4rkten nicht mehr sichergestellt werden konnten. Um den Bedarf an Fremdw\u00e4hrungsliquidit\u00e4t sicherstellen zu k\u00f6nnen, haben sich die wichtigsten Notenbanken mit W\u00e4hrungsswaps geholfen. Zurzeit ist kein Ende dieser Liquidit\u00e4tsoperation abzusehen. Das Vertrauen der wichtigsten Geldmarktakteure ineinander fehlt immer noch. Mit dem wachsenden Bedarf an Liquidit\u00e4tsoperationen und deren stetigen Erneuerung sind die Notenbankbilanzen sehr stark angewachsen (siehe Grafik 2).<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">\u2026 und Zahlungsf\u00e4higkeit der Finanzintermedi\u00e4re st\u00e4rken<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Trotz grossz\u00fcgiger Liquidit\u00e4tsversorgung bleibt das internationale Finanzsystem im Stress. Daf\u00fcr gibt es drei Gr\u00fcnde: \u2013 Bisher hat es erstens wenig Fortschritte in der Restrukturierung von illiquiden Papieren gegeben. Zweifel \u00fcber die Solvenz von Banken bleiben deshalb bestehen. \u2212 Zweitens werden Kreditverluste mit der weiteren Wachstumsabschw\u00e4chung noch zunehmen. Zusammen mit den zu erwartenden Verlusten auf Wertschriftenanlagen wird dies die Zahlungsf\u00e4higkeit von gewissen Banken noch mehr untergraben. \u2212 Mit risikoscheuen Investoren ist drittens die Nachfrage nach riskanten Wertschriften und Anlagen gesunken. Die Konditionen f\u00fcr Neumittel der Banken haben sich damit verschlechtert. Das Resultat ist ein Teufelskreis: F\u00fcr Banken und andere Finanzintermedi\u00e4re ist es schwierig geworden, sich zu refinanzieren. Dies wiederum hat zu weiteren Vertrauensverlusten gef\u00fchrt, was die Sache noch schwieriger macht. Damit werden Kreditvergabe und Finanzierung der Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors und der Haushalte beeintr\u00e4chtigt. Die Schwierigkeiten in der Refinanzierung f\u00fchren auch immer wieder zu Panikverk\u00e4ufen von Wertschriften, was deren Preis weiter fallen l\u00e4sst. Es scheint unwahrscheinlich, dass diese Probleme von den M\u00e4rkten ohne staatliche Kriseninterventionen gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Die Erfahrungen mit fr\u00fcheren Banken- und Finanzkrisen zeigen, dass staatliche Interventionen umfassend und zeitgerecht sein sollten. Sie sollten Probleme auf der Aktiv- und der Passivseite der Bankbilanzen angehen. Auf der Aktivseite der Bankbilanzen ist es wichtig, dass Verluste auf illiquide Papiere erkannt werden. Diese Positionen sollten dann \u00abeingez\u00e4unt\u00bb werden, um zu vermeiden, dass sie weiterhin das Vertrauen von Investoren untergraben. Daf\u00fcr gibt es grunds\u00e4tzlich zwei Ans\u00e4tze.\u2212 Staatliche Garantien f\u00fcr illiquide Papiere: Solche Garantien begrenzen oder eliminieren das Potenzial f\u00fcr weitere Verluste auf diesen Papieren f\u00fcr die betroffenen Banken. Garantien haben den Vorteil, dass die Kosten am Anfang sehr niedrig sind. Der Nachteil ist, dass Garantien je nach Design Unsicherheiten \u00fcber den tats\u00e4chlichen Wert von Bankportfolios nicht immer beiseite schaffen k\u00f6nnen. \u2212 Staatlich unterst\u00fctzte Verm\u00f6gensverwaltungsgesellschaften: Solche Gesellschaften erwerben illiquide Papiere von Banken und anderen Finanzinstitutionen und bewirtschaften sie w\u00e4hrend der Krise. Die Anfangskosten sind sehr viel h\u00f6her als im Fall der Garantien, auch wenn sie unter dem wahrscheinlichen Verfallswert erworben werden und der Ertrag auf diesen Anlagen ungewiss ist. In den skandinavischen Bankenkrisen in den sp\u00e4ten Achtziger- und den fr\u00fchen Neunzigerjahren war die Erfahrung mit solchen Gesellschaften positiv, mit geringen Kosten f\u00fcr den Steuerzahler. Auf der Passivseite der Bankbilanzen sind vielfach \u00f6ffentliche Kapitalspritzen f\u00fcr zahlungsf\u00e4hige Banken notwendig. Solche Kapitalspritzen k\u00f6nnen auch Bankenzusammenschl\u00fcsse unterst\u00fctzen. Um Finanzierungsunsicherheiten zu reduzieren, ist es auch hilfreich, H\u00f6chstbetr\u00e4ge auf Garantien f\u00fcr Depositen heraufzusetzen. Die meisten Industriel\u00e4nder haben in den letzten Monaten umfassende Unterst\u00fctzungsmassnahmen getroffen oder geplant. Viele Banken haben Kapitalspritzen erhalten, und in allen L\u00e4ndern sind \u00f6ffentliche Garantien auf illiquide Papiere vergeben worden. Die Limiten auf privaten Depositen sind beinahe \u00fcberall erh\u00f6ht worden. Verm\u00f6gensverwaltungsgesellschaften des Typus, wie sie die Schweizerische Nationalbank (SNB) geschaffen hat, sind hingegen noch eher selten. Staatliche Unterst\u00fctzungsmassnahmen haben sich bis jetzt vor allem auf Banken beschr\u00e4nkt, die f\u00fcr die weitere Zahlungsf\u00e4higkeit des gesamten Finanzsystems wichtig sind. Mit dem schnellen Wachstum von Finanzintermedi\u00e4ren ausserhalb des Bankensystems in den letzten Jahren hat sich inzwischen der Kreis der Finanzintermedi\u00e4re, die f\u00fcr den Weiterbestand des Finanzsystems wichtig sind, erweitert. Dies ist vor allem in L\u00e4ndern ohne Universalbankensystem der Fall.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h2 class=\"ZT\">Unterst\u00fctzung der Gesamtnachfrage<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Monet\u00e4rer Stimulus<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Neben Liquidit\u00e4tserhaltung haben die meisten Notenbanken in der Zwischenzeit auch ihre Leitzinss\u00e4tze reduziert. Das amerikanische Federal Reserve (Fed) war hier Vorreiter und hat seinen Leitzins von 5,25% in mehreren Schritten auf 0,25% reduziert. Notenbanken in anderen Industriel\u00e4ndern sind nachger\u00fcckt, vor allem, seit der Aufw\u00e4rtsdruck von Rohwarenpreisen nachgelassen hat (siehe Grafik 3). Inzwischen haben auch Notenbanken in einigen Schwellenl\u00e4ndern ihre Leitzinss\u00e4tze reduziert. Je niedriger die kurzfristigen Zinss\u00e4tze sind, desto schwieriger wird es, weiterhin die Gesamtnachfrage mit Zinsinstrumenten zu unterst\u00fctzen. Einige Notenbanken m\u00fcssen m\u00f6glicherweise schon bald auf unkonventionelle geldpolitische Instrumente zur\u00fcckgreifen. Die Erfahrung mit unkonventioneller Geldpolitik in Japan am Anfang dieses Jahrzehntes zeigt, dass die Senkung der l\u00e4ngerfristigen Zinss\u00e4tze durch Notenbankk\u00e4ufe von Staatsobligation nicht sehr erfolgreich war. Trotz starkem Anstieg von Notenbankgeld in den Bankbilanzen ging die Kreditvergabe kontinuierlich zur\u00fcck. Direkte Notenbankk\u00e4ufe von privaten Wertpapieren sind eine Alternative. Die ersten Erfahrungen mit K\u00e4ufen von \u00abCommercial Paper\u00bb durch das Fed sind viel versprechend. Die Zinsdifferenz gegen\u00fcber Staatspapieren auf solchen Wertschriften ist gesunken, was eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen darstellt. Ein anderes Problem ist, dass die herk\u00f6mmliche Notenbankzinspolitik w\u00e4hrend einer Finanzkrise an Wirksamkeit einb\u00fcssen kann. Risikopr\u00e4mien k\u00f6nnen st\u00e4rker ansteigen, als die Notenbankzinsen fallen. Das Niveau der Zinss\u00e4tze f\u00fcr private Schuldner kann deshalb trotz Zinspolitik ansteigen. \u00c4hnliche Effekte auf dem Niveau der Realzinsen k\u00f6nnen auftreten, wenn deflation\u00e4re Tendenzen aufkommen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Fiskalstimulus<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Wachsende Zweifel an der Wirkung der Geldpolitik haben die Fiskalpolitik ins Zentrum des Interesses ger\u00fcckt. Die herk\u00f6mmlichen Vorbehalte gegen\u00fcber der Fiskalpolitik als konjunkturpolitisches Instrument scheinen heute in der Tat weniger relevant, da ein lang dauernder Abschwung ziemlich sicher scheint. Trotz potenzieller Verz\u00f6gerung in der Implementierung von fiskalpolitischen Massnahmen bleibt damit die Wirksamkeit erhalten. Der IWF empfiehlt einen Fiskalstimulus von 2% des globalen Bruttosozialprodukts in 2009.6 Ein solcher Stimulus w\u00fcrde der Abschw\u00e4chung der privaten Nachfrage entgegensteuern und die Risiken eines potenziell noch st\u00e4rkeren Wachstumsabschwungs verringern. Nur im Falle eines \u00fcberraschend starken Aufschwungs kann auf einen weiteren Stimulus verzichtet werden. Viele Industrie- und Schwellenl\u00e4nder haben inzwischen Fiskalpakete angek\u00fcndigt oder schon mit der Implementierung begonnen. Tabelle 2 zeigt den gesch\u00e4tzten Wert und die Wachstumseffekte der Fiskalpakete in den L\u00e4ndern der G20. Gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen des IWF belaufen sich die Pakete auf 1,4% des globalen BIP in 2009 und auf 1,3% in 2010, mit proportionalen Wachstumseffekten. In der gegenw\u00e4rtigen Situation sollte das Hauptziel der Stabilisierungsmassnahmen die Maximierung der Wachstumseffekte sein. Diese Effekte werden aufgrund sogenannter Multiplikatoren bestimmt. Gem\u00e4ss empirischen Untersuchungen sind die kurzfristigen Multiplikatoren f\u00fcr Staatsausgaben h\u00f6her als die von Steuersenkungen. Die Multiplikatoren f\u00fcr staatliche Investitionen sind besonders hoch. Die gesch\u00e4tzten Multiplikatoren liegen f\u00fcr Investitionen zwischen 0,5 bis 1,8, f\u00fcr andere Staatsaufgaben zwischen 0,3 und 1,0 und f\u00fcr Steuersenkungen zwischen 0,3 und 0,6.7 Das bedeutet, dass j\u00e4hrliche Investitionsausgaben im Umfang von 1% des BIP einen Wachstumsschub zwischen 0,5 und 1,8% ausl\u00f6sen sollte. \u00abH\u00f6heren\u00bb Staatsaufgaben sollten in den Stabilisierungsmassnahmen eine wichtige Rolle zukommen. Gegenw\u00e4rtigen Informationen zufolge planen 15 der G20\u2013L\u00e4nder ihre staatlichen Investitionsausgaben zu erh\u00f6hen. Viele L\u00e4nder wollen auch die Sozialausgaben erh\u00f6hen, um dem Anstieg von Einkommensunsicherheit und Armut entgegenzutreten. Unter anderem k\u00f6nnte dies auch verhindern, dass erh\u00f6hte Einkommensunsicherheit zu h\u00f6heren vorbeugenden Ersparnissen der Haushalte f\u00fchrt. In Bundesstaaten sind oft auch h\u00f6here Transfers an Gliedstaaten vorgesehen. Neben der Maximierung der Wachstumseffekte sollten die Stimuluspakete auch daf\u00fcr sorgen, dass die finanzpolitischen Massnahmen mittelfristig nachhaltig sind. Staatliche Budgetdefizite werden dieses Jahr stark ansteigen \u2212 nicht nur wegen der Stabilisierungsmassnahmen, sondern auch aufgrund der automatischen Stabilisatoren. Mit der Wachstumsabschw\u00e4chung werden n\u00e4mlich die Steuereinnahmen zur\u00fcckgehen und die Ausgaben ansteigen. Die Multiplikatoren werden sich verringern, wenn die Investoren damit rechnen, dass eine nachhaltige Wirkung der Stabilisierungsmassnahme nicht gesichert ist. Die Realzinss\u00e4tze werden dann ansteigen, was den Wachstumsimpuls abschw\u00e4chen w\u00fcrde. Um solche Risiken zu minimieren, sollte der Anreiz vor allem aus tempor\u00e4ren Massnahmen bestehen. Die Budgetdefizite sollten deshalb dann reduziert werden, wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"AU\"> Dr. Thomas Helbling <\/span>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Berater im Stab des Forschungsdepartements des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), Washington<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"NT\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">1 Die Ansichten, die der Autor in diesem Artikel vertritt, entsprechen nicht unbedingt jenen des IWF.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">2 Vgl. Internet: www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/weo\/2009\/update\/01\/index.htm.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">3 Vgl. Cl\u00e4ssens, Kose, und Terrones (2008). Internet: www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/wp\/2008\/wp08274.pdf.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">4 Ein Beispiel sind die Bankenkrisen und Rezessionen in Norwegen und Schweden in den sp\u00e4ten Achtziger- und Neunzigerjahren (z.B. Drees und Pazarbasioglu, 1998).<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">5 Damit wird die Funktion einer Zentralbank bezeichnet, dem Gesch\u00e4ftsbankensystem bei Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen kurzfristig Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">6 Vgl. Fiscal Policy for the Crisis, IMF Staff Position Note (SPN\/08\/01). Internet: www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/spn\/2008\/spn0801.pdf.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">7 Vgl. Fiscal Policy for the Crisis (ibid.).<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div class=\"KA\">&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Literatur<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2013 Claessens, Stijn, M. Ayhan Kose, und Marco Terrones, 2008: What Happens During Recessions, Crunches, and Busts, IMF Working Paper Nr. 08\/274, Washington, D.C.: International Monetary Fund.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2013 Drees, Burkhard, und Ceyla Pazarbasioglu, 1998: The Nordic Banking Crisis: Pitfalls in Financial Liberalization, IMF Occasional Paper Nr. 161, Washington: International Monetary Fund.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u2013 Friedman, Milton, und Anna Jacobson Schwartz, 1963: A Monetary History of the United States 1867-1960, Studies in Business Cycles, National Bureau of Economic Research, Princeton, New Jersey: Princeton University Press.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; &#13; &#13; Einbruch in der realen Wirtschaft &#13; Die Weltwirtschaft ist in einem Abschwung. Alle Indizien sprechen daf\u00fcr, dass dieser schmerzhaft sein wird. 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