{"id":122731,"date":"2008-12-01T12:00:00","date_gmt":"2008-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/12\/fischer-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:39:07","modified_gmt":"2023-08-23T21:39:07","slug":"fischer-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/12\/fischer-7\/","title":{"rendered":"Mehr Prinzipien statt Detailregelungen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nExzessive Manager-Boni, horrende Abgangsentsch\u00e4digungen und Spesen seien ein Beleg daf\u00fcr, dass gierige Bankmanager das Finanzsystem in den Abgrund getrieben haben. Damit habe sich gezeigt, dass die Marktwirtschaft missbraucht werde und der Staat mehr kontrollieren m\u00fcsse, um solche Exzesse in Zukunft zu vermeiden. Nur der Staat k\u00f6nne ein wirklich stabiles und ein funktionierendes Finanzsystem gew\u00e4hrleisten! EZB-Pr\u00e4sident Jean-Claude Trichet sprach sich im Oktober, als sich die Finanzkrise zuspitzte, f\u00fcr eine umfassende Reform des Weltfinanzsystems aus. \u00a0Diese Analyse verkennt die wahren Ursachen der Finanzkrise. Sie liegen vielmehr in den staatlichen Massnahmen und Regeln, die den Banken vom Gesetzgeber und von der Aufsicht aufgezwungen wurden.&#13;<\/p>\n<h2>Das staatlich regulierte Finanzsystem<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDetaillierte Vorschriften besch\u00e4ftigen Heerscharen von Juristen, Compliance Officern, Risk Managern etc., die die Einhaltung der immer komplexer gewordenen Vorschriften sicherstellen sollen. Die Revisoren f\u00fchren umfangreiche Pr\u00fcfungen durch und dokumentieren dies in ihren Berichten. Aufsichtsbeh\u00f6rden in allen L\u00e4ndern \u00fcberwachen das Tun der Revisoren und Finanzinstitute, indem sie Berichte und Daten sammeln und auswerten. Dies hat unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen:\u00a0&#8211; Zunehmende Kosten f\u00fcr Finanzgesch\u00e4fte: Regulierung f\u00fchrt zu direkten und indirekten Kosten, die auf die Marktteilnehmer \u00fcberw\u00e4lzt werden und zu Effizienzverlusten f\u00fchren. Markteintrittsbarrieren aufgrund von Regulierung schr\u00e4nken den Wettbewerb ein. \u00a0&#8211; Marktmechanismen werden ausser Kraft gesetzt: Normalerweise sollte ein schlechter Schuldner (oder eine unsichere Bank) h\u00f6here Zinsen bezahlen. Anleger sollten z.B. Banken meiden, die hohe Risiken eingehen. Mit einer impliziten Staatsgarantie, die grosse Bankinstitute heute faktisch erhalten, wird dieser Mechanismus ausser Kraft gesetzt. Banken, die hohe Gesch\u00e4ftsrisiken eingehen, damit sie rasch wachsen, werden von den Anlegern nicht gemieden, sondern erhalten als Belohnung f\u00fcr ihr Wachstum diese implizite Staatsgarantie gratis. Banken, die eine f\u00fcr das System gef\u00e4hrliche Gr\u00f6sse haben, werden belohnt.\u00a0&#8211; Dynamische Wechselwirkungen werden in der Regulierung kaum ber\u00fccksichtigt: Nach schlechten Erfahrungen werden neue Gesetze oder Vorschriften erlassen, die den soeben erlebten Fall f\u00fcr die Zukunft verhindern sollen. Die statische Betrachtung dominiert. So f\u00fchrt z.B. die Kombination von Marktbewertungen von Bilanzpositionen zusammen mit Preiszusammenbr\u00fcchen in Teilm\u00e4rkten (z.B. in den Obligationenm\u00e4rkten) dazu, dass die Eigenmittel pl\u00f6tzlich nicht mehr ausreichen.&#13;<\/p>\n<h2>Was sind die Lehren?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Finanzsystem so zu definieren, dass es funktioniert, Missbr\u00e4uche schwierig macht und eine inh\u00e4rente Systemstabilit\u00e4t aufweist, ist anspruchsvoll. Dennoch k\u00f6nnen gewisse Lehren gezogen werden: \u00a0Zuerst gilt es, mehr Prinzipien und weniger Detailregelungen zu definieren. Detailregelungen haben nichts gebracht, k\u00f6nnen leicht umgangen werden und sind in den Wirkungen schwieriger zu beurteilen. Prinzipien sind zwar weniger scharf, f\u00fchren jedoch dazu, dass die Marktteilnehmer im Zweifelsfall (bei einer wirksamen Aufsicht) sich mehr nach den Prinzipien ausrichten. Weiter sind Mechanismen zu schaffen, in denen die Verantwortlichen nicht nur bei Erfolg, sondern auch bei Misserfolg pers\u00f6nlich Konsequenzen tragen. Gescheiterte Marktteilnehmer sollten nicht von anderen Finanzinstituten \u00fcbernommen, sondern aufgel\u00f6st werden. Die \u00dcbernahme von Instituten mit Schwierigkeiten durch gesunde Institute f\u00fchrt dazu, dass noch gr\u00f6ssere Marktteilnehmer entstehen, die f\u00fcr die Systemstabilit\u00e4t gef\u00e4hrlicher sein k\u00f6nnen. Zudem braucht es eine internationale Koordination der Aufsicht und Regeln. Es hat sich gezeigt, dass Ursachen in einem Land das Bankensystem in einem anderen Land in die Knie zwingen k\u00f6nnen. Und schliesslich sind Staatsinterventionen, die Spekulationsblasen entstehen lassen, zu vermeiden.\u00a0Eine Lehre, die man aus der Krise leider auch ziehen muss, ist, dass bisher weder der Staat noch die Aufsicht noch die Marktteilnehmer aus Finanzkrisen wirklich etwas gelernt haben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Exzessive Manager-Boni, horrende Abgangsentsch\u00e4digungen und Spesen seien ein Beleg daf\u00fcr, dass gierige Bankmanager das Finanzsystem in den Abgrund getrieben haben. Damit habe sich gezeigt, dass die Marktwirtschaft missbraucht werde und der Staat mehr kontrollieren m\u00fcsse, um solche Exzesse in Zukunft zu vermeiden. 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Statt einfach zus\u00e4tzliche Vorschriften und Regeln einzuf\u00fchren, sollten vermehrt die Schwachpunkte angegangen und destabilisierende Regulierungen abgeschafft werden. Dazu geh\u00f6rt auch, dass vermehrt mit Prinzipien statt mit Detailregelungen reguliert wird. Ausserdem braucht es Mechanismen, damit Verantwortliche nicht nur bei Erfolg, sondern auch bei Misserfolg pers\u00f6nlich die Konsequenzen zu tragen haben.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122734,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8961","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b08d37ca0c5"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122731"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3234"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122731"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122731\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128007,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122731\/revisions\/128007"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3234"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122731"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122731"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122731"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122731"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122731"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122731"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}