{"id":122741,"date":"2008-12-01T12:00:00","date_gmt":"2008-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/12\/gerster-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:39:31","modified_gmt":"2023-08-23T21:39:31","slug":"gerster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/12\/gerster\/","title":{"rendered":"Swissness made in India"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200812_19_Gerster_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Indien zwischen Reichtum und Armut<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIndien ist im internationalen Vergleich eine Gesellschaft, welche die Unterschiede zwischen Arm und Reich lange Zeit in Grenzen gehalten hat. Seit der Liberalisierung 1991 explodieren jedoch die sozialen Gegens\u00e4tze. Demonstrativer Reichtum ist chic geworden. Der Milliard\u00e4r Mukesh Ambani schenkte seiner Frau einen Jet f\u00fcr 70 Mio. Franken. Andere von Indiens 54 Milliard\u00e4ren bescheiden sich mit einem Mercedes oder Bentley. Die Globalisierung hat Indien nicht nur diesen extremen Reichtum erm\u00f6glicht, sondern auch eine neue Mittelschicht geschaffen, welche je nach Sch\u00e4tzung 100 bis 300 Mio. Menschen umfasst. Im November 2007 &#8211; anl\u00e4sslich des Diwali-Festes &#8211; sind allein in Delhi an einem Tag 20000 neue Autos verkauft worden. Gleichzeitig leben trotz des Wirtschaftswunders 260 Mio. Menschen von weniger als einem Dollar &#8211; fast so viele wie in ganz Afrika. \u00dcber 800 Mio. verdienen weniger als zwei Dollar pro Tag.\u00a0Mahatma Gandhi pr\u00e4gte die Aussage \u00abArmut ist die schlimmste Form der Gewalt\u00bb. Angesichts der komplexen indischen Wirklichkeit greift eine rein \u00f6konomische Umschreibung der Armut zu kurz. Armut hat viel mit Diskriminierung und Ohnmacht zu tun. Zwar hat die indische Verfassung schon 1948 das Kastensystem abgeschafft. Doch die 160 Mio. Unber\u00fchrbaren (Dalits) haben im indischen Alltag unvermindert mit massiven Benachteiligungen zu k\u00e4mpfen. 80 Mio. Ureinwohner (Adivasi) sehen sich in einer vergleichbaren Situation. Auch die 120 Mio. Muslime haben eine heikle Minderheitsposition inne und sind h\u00e4ufig wirtschaftlich schlecht gestellt. Frauen sind durch eine patriarchalische Tradition oft mehrfach benachteiligt. \u00a0Die Optik von Reich und Arm wird Indien aber nicht gerecht. Eine ungeheure Vielfalt von Kulturen, Religionen und Naturr\u00e4umen pr\u00e4gt die gr\u00f6sste Demokratie der Welt. Die Wahllisten werden in 117 Sprachen gedruckt. Der Bildungshunger der Jugend ist enorm: 230000 Pr\u00fcflinge absolvierten 2007\/08 den harten und 50 Franken teuren Eintrittstest, um einen von 1500 Studienpl\u00e4tzen beim Indischen Managementinstitut zu erobern. Die vielen Anspr\u00fcche machen den indischen Entwicklungspfad alles andere als konfliktfrei. So regt sich immer mehr Widerstand dagegen, dass die Regierung den Menschen Landwirtschaftsland f\u00fcr Industrieparks wegnimmt.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Unterst\u00fctzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie so oft in der Schweiz ging staatlicher Aktion private Initiative voraus. Missionen waren schon lange in Indien t\u00e4tig gewesen, und ab 1958 folgten Organisationen wie Heks und Swissaid. F\u00fcr die privaten Hilfswerke war und ist Indien klar Partnerland Nummer eins vor Brasilien. Zwischen 1970 und 2005 flossen 550 Mio. Franken von Seiten der privaten Entwicklungshilfe nach Indien. Aber auch beim Bund &#8211; prim\u00e4r der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) &#8211; ist Indien unangefochtener Spitzenreiter. 1960 bis 2005 investierte die \u00f6ffentliche bilaterale Entwicklungszusammenarbeit und humanit\u00e4re Hilfe der Schweiz 1132 Mio. Franken in Indien. Aus indischer Perspektive hingegen sieht die Welt anders aus. Die Schweiz ist in Sachen Entwicklungszusammenarbeit &#8211; finanziell gesehen &#8211; ein kleiner Fisch, stammen doch weniger als 2% der globalen Entwicklungshilfe an Indien seit 1960 aus der Schweiz. \u00a0Die Antworten der Schweizer Akteure auf Indiens Armut und Entwicklungsprobleme sind weit gef\u00e4chert. Die Schweiz hat oft auf ihre traditionellen St\u00e4rken &#8211; z.B. in der Viehwirtschaft, im Finanzwesen oder F\u00f6deralismus &#8211; gebaut. Im Verlauf der Jahre hat sich eine breite Programmvielfalt &#8211; von der Berufsbildung bis zur Biotech-Forschung und von der Elektronik bis zur Biolandwirtschaft &#8211; ergeben. So wichtig die EZA im Einzelfall sein kann: Auf das Ganze gesehen darf ihr Stellenwert f\u00fcr die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden. Ein fr\u00fcherer Deza-Koordinator in Indien meinte: \u00abAuf die Frage, wie viele Projekte die Schweiz in Indien hat, sage ich immer: Es gibt kein einziges Schweizer Projekt. Wir unterst\u00fctzen nur indische Projekte.\u00bb Das war ein Schl\u00fcssel zum Erfolg.&#13;<\/p>\n<h2>Was wurde erreicht? Zwei Beispiele:<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie indischen Partner haben mit helvetischer Unterst\u00fctzung erstaunlich viel erreicht. Das gilt nicht nur f\u00fcr die lokale Ebene und jene der Gliedstaaten, sondern immer wieder auch auf der nationalen oder gar internationalen B\u00fchne, wo einschl\u00e4gige Erfahrungen aus der indisch-schweizerischen Zusammenarbeit eingeflossen sind. Diese Errungenschaften werden anhand der zwei Beispiele Milchwirtschaft und Elektronikschrott illustriert.&#13;<\/p>\n<h3>Milchgenossenschaft Varadoor<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Varadoor, einem Dorf in den Bergen im Norden Keralas, empf\u00e4ngt uns die lokale Milchgenossenschaft, wie es weit \u00fcber 800 in der Nordregion gibt. Die Milchmenge ist von fr\u00fcher 100 auf \u00fcber 6500 Liter (2006) t\u00e4glich angestiegen. Die Genossenschaft ist auch zur gesellschaftlichen Drehscheibe im Dorf geworden. Einige der anwesenden Bauern \u00e4ussern ihre Sorge \u00fcber die steigenden Kosten der Milchproduktion. Nach mehrfachem Nachfragen stellt sich heraus, dass vor allem jene Bauern damit ein Problem haben, welche drei bis f\u00fcnf K\u00fche besitzen, da sie Futter zukaufen und f\u00fcr die Arbeit Tagel\u00f6hner ausserhalb der Familie anstellen m\u00fcssen. Frau Tham Kamani hingegen besitzt eine eingekreuzte Kuh, welche bis zu 18 Liter Milch pro Tag gibt &#8211; die lokale Rasse hatte fr\u00fcher bis sechs Liter geschafft. Sie macht alle Arbeiten selber. Auf ihrem kleinen St\u00fcck Land von 0,2 ha baut sie vor allem Reis an, dessen Stroh sie als Viehfutter verwendet. Ein bis zwei Liter Milch konsumiert die eigene Familie, den Rest liefert sie der Genossenschaft ab. Daf\u00fcr erh\u00e4lt sie rund 35 Rappen pro Liter, je nach Fettgehalt. \u00abDas Geld verwalte ich selber. Ich brauche es vor allem f\u00fcr die Ausbildung meiner Tochter. Die Milch ist ein sicheres Einkommen und sehr lohnend.\u00bb \u00a0Was sich im Gliedstaat Kerala abspielte, floss auch in anderen Staaten und auf nationaler Ebene in die indische Politik ein. Nach \u00fcber vier Jahrzehnten Zusammenarbeit in der Vieh- und Milchwirtschaft ist Indien heute mit 100 Mio. Tonnen Milch pro Jahr der gr\u00f6sste Milchproduzent der Welt. Milch hat Zukunft &#8211; mit dem Wirtschaftsboom steigt auch die Nachfrage nach Milchprodukten. Viehbesitz ist in der Bev\u00f6lkerung gleichm\u00e4ssiger verteilt als Land. Weltweit machte die tragische Welle von Selbstmorden indischer Bauern Schlagzeilen. Zwischen 1997 und 2005 wussten \u00fcber 149000 verzweifelte indische Bauern keinen anderen Ausweg mehr aus der Misere. Eine wissenschaftliche Studie kommt zum Schluss, dass die Zahl von Selbstmorden bei Vieh besitzenden Bauern gering oder null ist. Dieser Befund erstaunt wenig: Milch erweitert die Palette der Grundnahrungsmittel und reduziert damit die b\u00e4uerlichen Risiken. Der Pr\u00e4sident der Milchgenossenschaft von Varadoor best\u00e4tigt: \u00abHier in der Region gab es keine solchen F\u00e4lle, und insbesondere beging auch keines unserer Mitglieder Selbstmord.\u00bb Im Gegenteil: Die Milchproduktion hat sich zum finanziellen R\u00fcckgrat vieler Kleinbauern entwickelt, da sie die H\u00f6he und Berechenbarkeit der Einnahmen verbessert.&#13;<\/p>\n<h3>Recycling von Elektronikschrott in Bangalore<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSzenenwechsel in das moderne Indien, dessen Informatikindustrie von globaler Bedeutung ist. In Bangalore haben sich \u00fcber 1300 Softwarefirmen und drei Dutzend Computerger\u00e4te-Hersteller niedergelassen (2005). Das hat auch seine Schattenseiten. Die j\u00e4hrlich anfallende Menge an Computerm\u00fcll wird auf 8000 Tonnen gesch\u00e4tzt; davon sind 2750 Tonnen rezyklierbar. Zum rasch wachsenden lokalen Elektronikschrott kommen jene Berge von Computern, Fernsehger\u00e4ten, Mobiltelefonen etc. hinzu, welche die Industriel\u00e4nder als Gebrauchtger\u00e4te nach Indien liefern. W\u00e4hrend die EU-Gesetzgebung eine Entsorgung in Europa vorsieht, haben die USA die Basler Konvention nicht ratifiziert, welche den Export von Sonderm\u00fcll regelt. Die Entsorgung in Indiens Hinterh\u00f6fen birgt Gefahren f\u00fcr die Arbeiter und die Umwelt. Zudem ist die nicht fachgerechte Entsorgung eine Verschwendung von Rohstoffen. \u00a0Nach Bestandesaufnahmen in Delhi, Mumbai und Bangalore sowie der fachlichen Vermittlung wurde in Bangalore eine Elektronikschrott-Agentur geschaffen. Auf nationaler Ebene sind gesetzliche Richtlinien in Vorbereitung. Diese Fortschritte machte eine enge Zusammenarbeit des Seco, der Gesellschaft f\u00fcr technische Zusammenarbeit (GTZ) aus Deutschland und des indischen Umweltministeriums m\u00f6glich. Mit Analyse, Ausbildung und Beratung sollen die Gesundheits- und Umweltrisiken vermindert werden. Der Schweizer Beitrag zur Umsetzung konzentriert sich auf die \u00abCyber City\u00bb Bangalore. Die fachliche Betreuung des Programms seitens der Schweiz liegt bei der Eidgen\u00f6ssischen Materialpr\u00fcfungsanstalt (Empa). Im Rahmen einer globalen Wissenspartnerschaft im Recycling von Elektronikschrott sichert die Empa zugleich eine Vernetzung der indischen Erfahrungen mit anderen L\u00e4ndern wie China, S\u00fcdafrika und Kolumbien. \u00dcber die Recycling-Arbeitsgruppe einer UNO-Initiative zur L\u00f6sung des Elektronikschrott-Problems fliessen Indiens Erfahrungen in die globale Diskussion ein.&#13;<\/p>\n<h2>Was haben wir gelernt?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIndien ist zwar als Partnerland der Spitzenreiter; doch die Qualit\u00e4t z\u00e4hlt mehr als die Quantit\u00e4t. Es lohnt sich, die begrenzten Kr\u00e4fte auf strategisch gut ausgew\u00e4hlte Nischen zu konzentrieren, die Probleme ganzheitlich anzugehen und auf die Mitwirkung aller Beteiligten und Betroffenen zu bauen. Offenheit und Risikobereitschaft zahlen sich aus. So hatte die Schweiz z.B. beim Energiesparen von Kleinindustrien oder in der Mikrofinanz den Mut, neue Wege einzuschlagen. Partnerschaften sollten langfristig angelegt sein. Die Abwesenheit einer eigenen politischen Agenda der Schweiz ebnete einer Sachbezogenheit den Weg, welche den indischen Partnern positiv auff\u00e4llt. Die Schweiz hat den Austausch von Wissen und Erfahrung von Indien mit anderen Entwicklungsl\u00e4ndern (\u00abS\u00fcd-S\u00fcd-Zusammenarbeit\u00bb) jeweils Erfolg gef\u00f6rdert.\u00a0Indien hat zudem f\u00fcr die gesamte EZA der Schweiz stets als Inspirationsquelle gewirkt und ist denn auch das Land der Premieren. F\u00fcr das Heks und Swissaid war Indien der erste Schritt \u00fcber Europa hinaus. Der Bund begann hier 1963 die umfassende Entwicklungshilfe auf bilateraler Basis, und bald folgten erste kombinierte Projekte der technischen Zusammenarbeit und Finanzhilfe. 1968 wurde in Delhi das erste Kooperationsb\u00fcro der Deza er\u00f6ffnet. 1979 begann die Schweiz in Indien als erster bilateraler Geber mit lokalen privaten Partnern (NGOs) zusammenzuarbeiten. Zur selben Zeit stellte die Deza erstmals einen indischen anstelle eines schweizerischen Programmverantwortlichen an. In den Achtzigerjahren wurden die ersten langfristigen institutionellen Partnerschaften begonnen. Menschliche F\u00e4higkeiten und programmatische Kapazit\u00e4ten standen im Vordergrund. All dies beeinflusste die gesamte EZA der Schweiz. Eine Derni\u00e8re stellte die Integration der Deza- und Seco-Vertretungen vor Ort in ein gemeinsames Kooperationsb\u00fcro dar, wo die Vertretung in Delhi 2006 als eine der letzten nachzog. Daf\u00fcr aber steht mit dem Partnerschaftsprogramm von Deza und Seco erneut eine Premiere ins Haus.&#13;<\/p>\n<h2>Zukunftsperspektiven<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n2003 erliess die indische Zentralregierung neue Richtlinien f\u00fcr die bilaterale Zusammenarbeit, um in Zukunft nur noch mit wenigen grossen Geberl\u00e4ndern direkt zu verhandeln. Wegen ihres quantitativ bescheidenen EZA-Volumens z\u00e4hlt die Schweiz nicht zu den Pr\u00e4ferenzpartnern auf der Ebene der Zentralregierung. Doch mit den Gliedstaaten, Gemeinden und privaten Partnern sind die T\u00fcren unvermindert offen. Die bestehende breite Armut wird mehr und mehr zur Achillesferse von Indiens Erfolgsweg. Internationale Zusammenarbeit auf gleicher Augenh\u00f6he &#8211; z.B. in wissenschaftlichen Bereichen &#8211; ist nach wie vor erw\u00fcnscht. Aus Schweizer Sicht wird Indien zunehmend auch als Konkurrent im internationalen Handel gesehen; eine Reduktion und Neuorientierung der staatlichen EZA ist ab 2010 vorgesehen. \u00a0Im indischen Umfeld kann ein kleiner Beitrag, wie die letzten 50 Jahre der EZA zeigen, grosse Wirkung entfalten. Das gilt auch im heutigen boomenden Umfeld, wo Indien selber \u00fcber finanzielle Mittel verf\u00fcgt, die Situation der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung zu verbessern. Externes Know-how ist nach wie vor gefragt. Das Instrumentarium der k\u00fcnftigen Zusammenarbeit kann von institutionellen Partnerschaften mit privaten Selbsthilfeorganisationen bis zu Wissensplattformen &#8211; z.B. in Klimafragen &#8211; reichen. Indien ist daran, selber zu einem Geber von Entwicklungshilfe zu werden. Auf einer Dreiecks-Basis kann die Schweiz Indien Erfahrung zur Verf\u00fcgung stellen, welche Drittl\u00e4ndern n\u00fctzt. Indien ist eine Wirtschaftsmacht und nimmt eine Schl\u00fcsselrolle bei globalen Sozialfragen, beim Klimaschutz oder bei der Entsorgung von Elektronikschrott ein, welche sich nur durch internationale Zusammenarbeit l\u00f6sen lassen. Eine aktive Zusammenarbeit kommt deshalb nicht nur den Inderinnen und Indern zugute, sondern liegt auch im schweizerischen Interesse.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Was heisst Swissness? \u00abDie Schweiz ist das Land, wo unsere Reichen ihr Geld anlegen.\u00bb Diese Aussage war in Indien oft und in verschiedenen Variationen zu h\u00f6ren, vom Taxifahrer \u00fcber Aktivisten bis zum etablierten Manager. Die unz\u00e4hligen Gespr\u00e4che mit indischen Partnern der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) belegen, dass es auch andere Formen von \u00abSwissness\u00bb gibt. Drei Kernelemente sind dabei pr\u00e4gend: &#8211; Die Auswahl der Schwerpunkte im Indienprogramm basierte meist auf schweizerischen St\u00e4rken (\u00abkomparative Vorteile\u00bb). Die f\u00f6deralistische Tradition in der Schweiz, die lebhafte und vielf\u00e4ltige schweizerische Zivilgesellschaft, die praxisnahe Berufsbildung, eine Vorliebe f\u00fcr Bergregionen, die zu Beginn starke Ausrichtung auf die Viehwirtschaft sowie das Engagement im Finanzwesen oder im Umweltbereich erfolgten nicht zuf\u00e4llig. \u00abMan kann geben, was man selber hat. Es ist etwas anderes, ob sich die Schweiz mit Berufsbildung oder tropischer Landwirtschaft befasst\u00bb, sagt N. Reguraj von der Nettur Stiftung f\u00fcr Berufsbildung (NTTF). &#8211; Swissness heisst, den Partner ins Zentrum zu stellen, dessen personelle und institutionelle Kapazit\u00e4ten f\u00f6rdern, ihm den Vortritt lassen und selbst auf dem R\u00fccksitz Platz nehmen. Pieder Casura, der Verantwortliche f\u00fcr Indien beim Heks: \u00abUnser Programm wird zu 80% durch die Partner bestimmt.\u00bb Eine umfassende Studie zu Indiens Mikrofinanz beschreibt das Verm\u00e4chtnis der Schweiz als \u00abpartnerschaftliches Engagement statt Top-down-Unterst\u00fctzung\u00bb. &#8211; Die schweizerische Arbeitsweise h\u00e4lt Werte wie Pr\u00e4zision, Sorgfalt und Genauigkeit hoch. Der Weg zum Ziel (Prozess) wird ebenso stark gewichtet wie die Produkte selber. \u00abWas ihr uns am st\u00e4rksten vermittelt habt, ist eure Arbeitskultur\u00bb, zieht ein indischer Projektmitarbeiter Bilanz. Es machte Eindruck, dass sich auch Leute mit Technikumsoder Universit\u00e4tsabschluss die H\u00e4nde schmutzig gemacht haben. Die langj\u00e4hrige Pr\u00e4senz von Schweizern hat positive Spuren hinterlassen. Heute nehmen indische Fachleute Aufgaben wahr, welche fr\u00fcher von Schweizern erf\u00fcllt wurden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Indien zwischen Reichtum und Armut &#13; Indien ist im internationalen Vergleich eine Gesellschaft, welche die Unterschiede zwischen Arm und Reich lange Zeit in Grenzen gehalten hat. Seit der Liberalisierung 1991 explodieren jedoch die sozialen Gegens\u00e4tze. Demonstrativer Reichtum ist chic geworden. Der Milliard\u00e4r Mukesh Ambani schenkte seiner Frau einen Jet f\u00fcr 70 Mio. Franken. Andere [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3236,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[97,154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3236,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Selbstst\u00e4ndiger Berater und Publizist f\u00fcr Nord-S\u00fcd-Fragen, Richterswil www.gersterconsulting.ch","seco_author_post_occupation_fr":"Consultant ind\u00e9pendant et journaliste pour les questions Nord-Sud, Richterswil www.gersterconsulting.ch","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"In den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren pr\u00e4gten Indien und Mahatma Gandhis Erbe in der \u00d6ffentlichkeit die Wahrnehmung der Dritten Welt. Mittlerweile ist aus dem Armenhaus Indien - bei aller sozialen Ungleichheit - ein Motor der Weltwirtschaft geworden. So gleicht die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) einem Radwechsel am fahrenden Zug. F\u00fcr die Schweiz - sei es den Bund oder die privaten Hilfswerke - war Indien \u00fcber Jahrzehnte Partnerland Nummer eins. Im Rahmen einer Spurensuche Richard Gerster, Swissness made in India. Wirtschaftliche Entwicklung und die Zusammenarbeit Schweiz - Indien, Orell F\u00fcssli, Z\u00fcrich 2008, mit Beitr\u00e4gen von Walter Fust, Bernard Imhasly, Urs Scheidegger. Franz\u00f6sisch: Editions Favre, Lausanne 2008. Englisch: Berghahn Books New York\/Oxford & Social Science Press Delhi 2008. in Indien ging der Autor den Fragen nach: Was wurde erreicht? Was haben wir gelernt? Und was zeichnet die Schweizer EZA aus? Ab 2010 wird der Bund die EZA mit Indien stark reduzieren und auf ein neuartiges Partnerschaftsprogramm ausrichten.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122744,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8965","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b08f6fe5418"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122741"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3236"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122741"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122741\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128009,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122741\/revisions\/128009"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122741"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122741"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122741"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122741"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}