{"id":122771,"date":"2008-12-01T12:00:00","date_gmt":"2008-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/12\/lampart-14\/"},"modified":"2023-08-23T23:39:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:39:26","slug":"lampart-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/12\/lampart-13\/","title":{"rendered":"Finanzkrise: Welche Massnahmen sind zu treffen?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine der Hauptursachen der gegenw\u00e4rtigen Bankenkrise sind die exzessiven Managerboni &#8211; insbesondere die Entsch\u00e4digung der F\u00fchrungskr\u00e4fte \u00fcber Aktien und Optionen. Manager wurden animiert, zur Steigerung des Aktienkurses enorme Risiken einzugehen. So hat UBS-F\u00fchrung seit 2000 Aktien im Wert von \u00fcber 30 Mrd. Franken zur\u00fcckgekauft, statt Reserven zu bilden. Diese Reserven fehlten dann in der Krise, um die Verluste aufzufangen. Die bisher angek\u00fcndigten Massnahmen gegen diese Fehlanreize sind viel zu lasch. Die wirksamste Massnahme ist eine Entsch\u00e4digung \u00fcber massvolle Fixl\u00f6hne; Bonus-Malus-Systeme hingegen haben versagt. Bereits vor der Krise wurde ein betr\u00e4chtlicher Teil der Entsch\u00e4digungen des Managements \u00fcber &#8211; steuerlich beg\u00fcnstigte &#8211; gebundene Mitarbeiterbeteiligungen ausbezahlt. Trotzdem wurden hochriskante Gesch\u00e4fte gemacht.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr Eigenmittel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bewertung von Risiken ist mit grosser Unsicherheit verbunden. Darum braucht es neben komplexen, risikobasierten Eigenmittelvorschriften auch einfache, allwettertaugliche Vorgaben, wie viel Eigenkapital die Schweizer Grossbanken halten m\u00fcssen. Die von der Eidg. Bankenkommission (EBK) eingef\u00fchrte Leverage-Ratio ist eine Antwort auf dieses Problem. Zum Schutz der Schweizer Volkswirtschaft m\u00fcssen die Grossbanken so viele Eigenmittel haben, dass sie k\u00fcnftig auch grosse Verluste selber verkraften k\u00f6nnen. Es ist daher fraglich, ob die neuen Vorgaben der EBK diesen Anforderungen gen\u00fcgen. Wenn bereits eine Bank, die auf dem Kapitalmarkt eine betr\u00e4chtliche Risikopr\u00e4mie zahlen muss, die neuen Kriterien erf\u00fcllt, sind die Vorgaben wohl eindeutig zu tief. Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten: \u00a0&#8211; die Eigenmittelvorschriften werden weiter erh\u00f6ht;\u00a0&#8211; wenn das nicht m\u00f6glich ist, m\u00fcssen andere Massnahmen gepr\u00fcft werden, wie die Abtrennung von Bankteilen.&#13;<\/p>\n<h2>Grosser Regulierungsbedarf<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bankenkrise wirft grundlegende Fragen \u00fcber das heutige Finanzsystem auf. In den letzten Jahren sind die Volumina in verschiedenen wenig oder gar nicht regulierten Wertpapierkategorien (Derivate, Verbriefungen u.a.) richtiggehend explodiert. Der Bereich der Credit Default Swaps beispielsweise erreichte innert weniger Jahre ein Volumen des vierfachen US-amerikanischen BIP. Diese Wertpapiere bergen teils erhebliche volkswirtschaftliche Risiken. Bis heute ist es unklar, ob diesen Risiken ein entsprechender Nutzen gegen\u00fcbersteht. Dazu kommt, dass Spekulationsblasen auf den Verm\u00f6gensm\u00e4rkten in einem Tiefinflationsumfeld offensichtlich h\u00e4ufiger werden. Selbst wenn daher der volkswirtschaftliche Nutzen gewisser Wertpapier- und insbesondere Derivatkategorien nachgewiesen werden kann, besteht erheblicher Regulierungsbedarf. St\u00e4rkere Regulierungen w\u00fcrden auch die Transaktionskosten erh\u00f6hen, was Spekulationsblasen weniger wahrscheinlich macht. \u00a0Ein weiterer Problemfaktor sind die Ratingagenturen. Ratings sind \u00f6ffentliche G\u00fcter. Paradoxerweise werden diese aber von privaten Agenturen im Auftrag der bewerteten Firmen berechnet. Unter diesem Gesichtspunkt w\u00e4ren \u00f6ffentliche Agenturen, die einer internationalen Institution (z.B. dem IWF) angeschlossen sind, den heutigen privaten Firmen deutlich \u00fcberlegen. Absolut ungen\u00fcgend ist die Bankenaufsicht. Diese muss mit zus\u00e4tzlichen Ressourcen ausgestattet werden und eine maximale Unabh\u00e4ngigkeit von den Banken haben. Wichtig ist eine Verst\u00e4rkung des Einlegerschutzes, auch f\u00fcr Freiz\u00fcgigkeitskonti.&#13;<\/p>\n<h2>Gerechte Einkommensverteilung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie gegenw\u00e4rtigen wirtschaftlichen Probleme sind indirekt eine Folge der Ungleichverteilung der Einkommen in den letzten Jahren. Wenn tiefe und mittlere Einkommen stagnieren und hohe Einkommen stark steigen, entstehen volkswirtschaftliche Ungleichgewichte (z.B. eine verst\u00e4rkte Verschuldung tieferer Einkommen), deren Korrektur ausgesprochen schmerzhaft ist. Massnahmen zur St\u00e4rkung tieferer und mittlerer Einkommen helfen daher nicht nur, die Konjunktur zu st\u00fctzen, sondern wirken auch pr\u00e4ventiv gegen k\u00fcnftige Krisen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Eine der Hauptursachen der gegenw\u00e4rtigen Bankenkrise sind die exzessiven Managerboni &#8211; insbesondere die Entsch\u00e4digung der F\u00fchrungskr\u00e4fte \u00fcber Aktien und Optionen. Manager wurden animiert, zur Steigerung des Aktienkurses enorme Risiken einzugehen. So hat UBS-F\u00fchrung seit 2000 Aktien im Wert von \u00fcber 30 Mrd. Franken zur\u00fcckgekauft, statt Reserven zu bilden. 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Die Bilanzen der beiden Grossbanken zusammen sind rund sechs Mal gr\u00f6sser als das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP). Die Rettungsaktion f\u00fcr die UBS hat gezeigt, dass nur schon f\u00fcr eine teilweise St\u00fctzung einer Grossbank enorme Mittel aufgewendet werden m\u00fcssen. Zum Schutz der Schweizer Volkswirtschaft m\u00fcssen daher Massnahmen ergriffen werden, welche in Zukunft Bankenkrisen und insbesondere die Zahlungsunf\u00e4higkeit einer Grossbank verhindern.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122774,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8977","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b08df672790"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122771"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3140"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122771"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128015,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122771\/revisions\/128015"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122771"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122771"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122771"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122771"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}