{"id":122776,"date":"2008-12-01T12:00:00","date_gmt":"2008-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/12\/nagel-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:39:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:39:17","slug":"nagel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/12\/nagel\/","title":{"rendered":"Strategie eHealth Schweiz &#8211; von der Theorie in die Praxis"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200812_20_Nagel_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"234\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Gesundheitsversorgung der Schweiz ist ausgepr\u00e4gt dezentral und zum Teil kleingewerblich organisiert. Die Spezialisierung und Arbeitsteilung in der Medizin sowie damit verbundene Kommunikationsprobleme nehmen zu. Die Informationen \u00fcber die Patientinnen und Patienten sind verstreut und werden meistens nur bei \u00dcberweisungen ganz oder teilweise an andere Leistungserbringer weitergegeben. F\u00fcr eine effiziente und qualitativ hochstehende Versorgung muss aber im Interesse der Patientinnen und Patienten jedem behandelnden Leistungserbringer der Zugang zu relevanten Teilen von Krankengeschichten, Testresultaten und weiteren Informationen m\u00f6glich sein. An diesem Punkt setzt die Strategie eHealth Schweiz an: Sie fordert, dass bis im Jahr 2015 die Menschen in der Schweiz den Fachleuten ihrer Wahl unabh\u00e4ngig von Ort und Zeit relevante Informationen \u00fcber ihre Person zug\u00e4nglich machen und Leistungen beziehen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen bei der Umsetzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Herausforderungen bei der Umsetzung der Strategie eHealth sind zahlreich. Zun\u00e4chst sind sehr viele Akteure zu koordinieren, die jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen. Weiter l\u00e4sst der noch fehlende internationale Konsens \u00fcber inhaltliche und technische Standards ein breites Spektrum von m\u00f6glichen L\u00f6sungswegen offen und erschwert die Diskussion. Im Alltag des Gesundheitswesens haben sich viele betriebsinterne und lokale L\u00f6sungen etabliert. Die Verkn\u00fcpfung dieser Systeme st\u00f6sst an zahlreiche technische und organisatorische H\u00fcrden. Durchgehende IT-Prozesse k\u00f6nnen nur etabliert werden, wenn die Bereitschaft zu Zusammenarbeit besteht. Im Gesundheitswesen sind diese Kultur und die Lernbereitschaft nicht sehr ausgepr\u00e4gt. Schliesslich ist das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung des Themas eHealth bei vielen politischen Meinungstr\u00e4gern, Akteuren im Gesundheitswesen, in den Medien sowie in der breiten \u00d6ffentlichkeit nach wie vor gering.\u00a0Skeptiker der Strategie eHealth Schweiz argumentieren immer wieder, der Nutzen von eHealth sei nicht belegt. Im Kreis der Personen, die sich vertieft mit dem Thema befassen, besteht international ein Konsens, dass eHealth einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Qualit\u00e4t und Patientensicherheit leisten kann sowie die Effizienz des Gesundheitssystems verbessert. Das Koordinationsorgan hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben. Diese soll Anfang 2009 unter anderem Erkenntnisse dazu liefern, wie der Nutzen von eHealth definiert, praktisch gemessen und dargestellt werden kann. Zudem werden bestehende Arbeiten zum Nutzen von eHealth aufgezeigt, und ein Katalog von Nutzenpotenzialen wird erstellt.&#13;<\/p>\n<h2>Anh\u00f6rung zu Empfehlungen des Teilprojekts Standards und Architektur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz dieser Herausforderungen herrscht in den Teilprojekten ein konstruktives Klima. Das derzeit wichtigste Teilprojekt \u00abStandards und Architektur\u00bb hat auf Anfang November 2008 f\u00fcnf Empfehlungen vorgelegt, die in einer Anh\u00f6rung bei einem breiteren Kreis von Interessierten auf ihre Akzeptanz gepr\u00fcft werden. Die Vorschl\u00e4ge enthalten auch die Einhaltung gemeinsamer technischer Standards. Denn nur so kann im sehr dezentralen Gesundheitswesen langfristig eine Interoperabilit\u00e4t erreicht werden &#8211; also die Zusammenarbeit von verschiedenen Systemen, Techniken oder Organisationen. Und genau diese Zusammenarbeit strebt die Strategie eHealth Schweiz mit der folgenden Argumentationskette an: H\u00f6here Interoperabilit\u00e4t f\u00fchrt zu h\u00f6herer Verf\u00fcgbarkeit von behandlungsrelevanten Informationen; medienbruchfreie Kommunikation f\u00fchrt zu weniger \u00dcbertragungsfehlern; h\u00f6here Verf\u00fcgbarkeit und medienbruchfreie Kommunikation f\u00fchren zu besserer Behandlungsqualit\u00e4t und Effizienz &#8211; potenziell auch mit Auswirkungen auf die Kosten.\u00a0Dieses Ziel ist f\u00fcr alle Beteiligten von Vorteil. F\u00fcr Patientinnen und Patienten ist das elektronische Patientendossier eine Chance, weil der erleichterte Einblick in die eigenen Daten mehr Eigenverantwortung erm\u00f6glicht. \u00c4rzte, Spit\u00e4ler, Apotheker oder Pflegende k\u00f6nnen zum richtigen Zeitpunkt die relevanten Informationen einsehen. F\u00fcr die Privatwirtschaft wiederum sind einheitliche Standards aus Kostensicht interessant, da Entwicklungen f\u00fcr viele Kunden und Projekte wiederverwendet werden k\u00f6nnen. Anwender und K\u00e4ufer von Systemen ihrerseits k\u00f6nnen \u00fcber Standards eine gewisse Herstellerneutralit\u00e4t erreichen. Durch die bessere Austauschbarkeit von Komponenten verringert sich die Gefahr von Monopolstellungen einzelner Anbieter. Die Investitionen werden damit besser gesch\u00fctzt. \u00a0Im Gesundheitswesen gibt es zahllose Abl\u00e4ufe und Prozesse, die mit Unterst\u00fctzung der IT besser gestaltet werden k\u00f6nnten. Gegenw\u00e4rtig stehen jedoch zwei Hauptprozesse im Vordergrund, da sie sehr h\u00e4ufig vorkommen und f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Versorgung \u00e4usserst relevant sind:\u00a0&#8211; Austausch von Informationen entlang einer Behandlungskette: Zuweisung von Patienten und R\u00fccksendung von Berichten und Befunden entlang des ganzen Behandlungspfades (Hospitalisierung und Austrittsbericht, Verlegung und Verlegungsberichte, Laborauftrag und -befunde, Radiologieauftrag und -befunde etc.);\u00a0&#8211; Medikamentenverordnung: Zusammenf\u00fchrung von Daten vorausgegangener Verordnungen von Medikamenten (\u00abmedication history\u00bb) zur \u00dcberpr\u00fcfung der Vertr\u00e4glichkeit, der Risiken oder zur Anpassung der Dosis.\u00a0\u00a0Dem f\u00f6deralistischen System der Schweiz entsprechend, erm\u00f6glichen die Vorschl\u00e4ge zur Architektur dezentrale Strukturen, die nach identischen Prinzipien funktionieren. Grunds\u00e4tzlich bleiben die Informationen bei der behandelnden Person, welche die Daten erhoben hat. Damit diese Vernetzung von dezentralen Systemen m\u00f6glich ist, werden u.a. die folgenden Basiskomponenten der eHealth-Architektur vorgeschlagen:\u00a0&#8211; Sicheres Netzwerk: Vernetzung aller Systemteilnehmenden und gesicherte Nachrichten\u00fcbermittlung;\u00a0&#8211; Patienten-Index: Etablieren von dezentralen Patientenverzeichnissen zur eindeutigen Identifikation der im Schweizer Gesundheitswesen in Behandlung stehenden Personen auf verschiedenen Ebenen (organisationsbezogen, lokal, regional, international) nach gleichen Prinzipien (Master-Patient-Index-Funktionalit\u00e4t mit verschiedenen Identifikationsmerkmalen);\u00a0&#8211; Index der Behandelnden: Integration von dezentralen Health-Professional-Verzeichnissen zur eindeutigen Identifikation und als Grundlage f\u00fcr die Authentisierung der behandelnden Personen sowie Indices von Gesundheitseinrichtungen nach gleichen Prinzipien und mit definierten Qualit\u00e4tsanforderungen. Basierend auf diesen Indices ist eine dezentrale Rollenverwaltung gem\u00e4ss einem national etablierten Rahmenkonzept f\u00fcr Berechtigungen und Rollen anzustreben;\u00a0&#8211; Dokumentenregister: dezentral organisierte Daten-Register, in denen Verweise auf die behandlungsrelevanten Gesundheitsdaten eines Patienten registriert werden k\u00f6nnen; \u00a0&#8211; Dokumentenablage: dezentrale Dokumentenablagen bei den Erstellern der Dokumente oder beauftragten Dienstleistern;\u00a0&#8211; Berechtigungssystem: Zur Sicherstellung des Datenschutzes ist ein generelles rollenbasiertes Berechtigungssystem zu erstellen. Themen wie Protokollierung, Archivierung sowie sinnvoller und kontrollierter Einsatz von Kopien sind zu regeln;\u00a0&#8211; Zugangsportal: dezentrale Zugriffsm\u00f6glichkeit f\u00fcr Patienten zur Einsicht in ihre Daten und zur Dateneinsichtsverwaltung.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn die ersten Vorschl\u00e4ge zur Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz auf Akzeptanz stossen, kann der Steuerungsausschuss des Koordinationsorgans von Bund und Kantonen im Fr\u00fchjahr 2009 ein wichtiges Signal in Richtung der Vernetzung geben. Geplant ist eine Empfehlung an alle Akteure, bei zuk\u00fcnftigen Neu- und Ersatzinvestitionen im IT-Bereich die Einhaltung der technischen Standards sicherzustellen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; Die Gesundheitsversorgung der Schweiz ist ausgepr\u00e4gt dezentral und zum Teil kleingewerblich organisiert. 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Unter dem Dach des Koordinationsorgans eHealth laufen Umsetzungsarbeiten der Strategie eHealth Schweiz. Eine Gesch\u00e4ftsstelle unterst\u00fctzt Bund und Kantone in ihren Bem\u00fchungen. In sechs Teilprojekten mit Beteiligung aller Akteure wird nun an der Umsetzung der Strategie gearbeitet, um bis zum Jahr 2015 dem Ziel eines einrichtungs\u00fcbergreifenden elektronischen Patientendossiers n\u00e4herzukommen. Erste Vorstellungen, wie die Architektur dazu aussehen soll, liegen seit Anfang November vor. Mit der Einf\u00fchrung der Versichertenkarte auf den 1.1.2010 wird das Thema eHealth konkret und f\u00fcr die Menschen in der Schweiz erstmals fassbar. Weitere Informationen zum Thema sind abrufbar unter www.ehealth.admin.ch .","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122779,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8979","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b08fe40dbd2"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122776"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122776"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122776\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128016,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122776\/revisions\/128016"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3242"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122776"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122776"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122776"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122776"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}