{"id":122816,"date":"2008-12-01T12:00:00","date_gmt":"2008-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/12\/vincenz-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:39:40","modified_gmt":"2023-08-23T21:39:40","slug":"vincenz-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/12\/vincenz-3\/","title":{"rendered":"Die Selbstverantwortung der Branche auf dem Pr\u00fcfstand"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Turbulenzen an den Finanzm\u00e4rkten und das dadurch ersch\u00fctterte Vertrauen in die Finanzbranche liessen den Ruf nach weiteren Regulierungen schnell lauter werden. Die Beschr\u00e4nkung der L\u00f6hne bzw. der Bonuszahlungen oder die Bestimmung, die Eigenmittel der Banken zu erh\u00f6hen, sind noch \u00abmilde\u00bb Forderungen. N\u00fcchtern betrachtet gibt es weltweit kaum einen Wirtschaftszweig, der so strikt reglementiert ist wie die Finanzbranche. Das Letzte, was die Banken derzeit brauchen, sind noch mehr Auflagen, Gesetze und Regeln, die den Verwaltungsapparat noch aufw\u00e4ndiger werden und die Kosten explodieren lassen.&#13;<\/p>\n<h2>Geben und Nehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist grunds\u00e4tzlich st\u00f6rend, wenn grosse private Bankinstitute im Notfall auf eine \u00abStaatsgarantie\u00bb zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Schliesslich besteht eine solche M\u00f6glichkeit f\u00fcr die \u00fcber 300000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz, welche die tragenden S\u00e4ulen unserer Volkswirtschaft sind, nicht. Dennoch: Unsere heutigen Finanzm\u00e4rkte sind derart vernetzt, dass das Herausbrechen oder gar Zerst\u00f6ren eines zentralen Elements die Gefahr eines Kollapses f\u00fcr das ganze System in sich birgt. Der Zusammenbruch des Finanzsystems h\u00e4tte gravierendere Folgen f\u00fcr unser Land und die Bev\u00f6lkerung als das ordnungspolitisch fragw\u00fcrdige Eingreifen des Staats in die Wirtschaft. \u00a0Heute geht es in erster Linie darum, die Kundengelder zu sch\u00fctzen &#8211; nicht die Banken. Es ist in der aktuellen Situation nachvollziehbar, wenn der Staat als Garant der Stabilit\u00e4t seinen Einfluss erh\u00f6hen will. Dies tut er in Form von neuen Regelungen. Der Staat sollte neue Vorgaben aber nur soweit erlassen, als diese der Werterhaltung der Kundengelder dienen. Dieses Ziel hat oberste Priorit\u00e4t. Auf weitere Regulatorien soll strikte verzichtet werden.\u00a0Mit dieser Grundhaltung ist die Erh\u00f6hung der Einlagensicherung auf 100000 Franken sinnvoll. Im Gegenzug muss jedoch der Einfluss bzw. die Einbindung des Staates an anderer Stelle zur\u00fcckgenommen werden. So ist die Staatsgarantie abzuschaffen. Zum einen verzerrt diese den Wettbewerb. Zum andern sind die Kantone, welche im Ernstfall f\u00fcr ihre Staatsbank gerade stehen m\u00fcssen, mit wenigen Ausnahmen nicht in der Lage, den Schaden voll zu tragen. \u00a0Eine ernsthafte R\u00fcckbesinnung der Banken auf eine wertorientierte Selbstbeschr\u00e4nkung, die nicht nur auf dem Papier existiert, sondern glaubhaft im Alltag Anwendung findet, tr\u00e4gt dazu bei, das verlorene Vertrauen wieder herzustellen. Die Branche darf nicht einfach zum Alltag \u00fcbergehen. Vorbilder &#8211; wie etwa die genossenschaftliche Raiffeisen Gruppe &#8211; existieren durchaus.&#13;<\/p>\n<h2>Banking nicht neu erfinden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnderseits m\u00fcssen wir uns bewusst sein, dass nicht alles schlecht war, was die Banken in der Vergangenheit gemacht haben, im Gegenteil. Der Schweizer Finanzsektor erwirtschaftet rund 12% des Bruttoinlandsprodukts der Schweiz. Banking in der Schweiz muss nicht neu erfunden werden. Es bestehen bereits gute und solide Produkte, Prozesse und Beratungen. Die Mitarbeitenden sind sehr gut ausgebildet, f\u00e4hig und willig, Ausserordentliches zu leisten. Auch wenn derzeit gegen\u00fcber gewissen Produkten das Vertrauen fehlt, wird sich in Zukunft zeigen, dass diese Produkte solider sind, als sie gegenw\u00e4rtig wahrgenommen werden. \u00a0Allerdings: Das Bankengesch\u00e4ft kann ohne Vertrauen nicht funktionieren. Entsprechend m\u00fcssen die Gesch\u00e4ftsmodelle so angepasst werden, dass die Bed\u00fcrfnisse der Kunden im Vordergrund stehen und nicht der forcierte, gewinnmaximierende Verkauf von Produkten seitens der Bank.\u00a0Trotz allem kann die Finanzbranche optimistisch in die Zukunft blicken, nicht zuletzt, weil der Schweizer Bankenplatz seine grossen Restrukturierungen in den Neunzigerjahren hatte. Die Verm\u00f6gensbildung ist und bleibt ein Wachstumsmarkt. Es bestehen gute Chancen, mit vertrauensbildenden Gesch\u00e4ftsmodellen \u00fcber dem Markt zu wachsen. Zudem werden wir ein Revival des klassischen Retailbankings erleben: Das Spar- und Kreditgesch\u00e4ft, wie es die Raiffeisenbanken schon immer pflegten, ist im Aufwind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Die Turbulenzen an den Finanzm\u00e4rkten und das dadurch ersch\u00fctterte Vertrauen in die Finanzbranche liessen den Ruf nach weiteren Regulierungen schnell lauter werden. Die Beschr\u00e4nkung der L\u00f6hne bzw. der Bonuszahlungen oder die Bestimmung, die Eigenmittel der Banken zu erh\u00f6hen, sind noch \u00abmilde\u00bb Forderungen. 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Doch schon jetzt wird der Ruf nach mehr Regulierung laut; es werden Probleml\u00f6sungen der Vergangenheit f\u00fcr die aktuellen Probleme propagiert. Beides sind gef\u00e4hrliche Tendenzen. Die Finanzbranche ist gefordert und muss beweisen, dass sie lernf\u00e4hig ist. Gelingt ihr dies, wird sie gest\u00e4rkt aus der Krise hervorgehen, auch wenn der Weg zu besseren Zeiten steinig sein wird. Dieser Weg sollte von unn\u00f6tigen regulatorischen H\u00fcrden frei sein. Gefragt sind ein grosses Mass an Eigenverantwortung und die R\u00fcckbesinnung auf die klassischen Werte der Banken.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":122819,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8995","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b08d9952dab"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122816"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3247"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=122816"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128024,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/122816\/revisions\/128024"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=122816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=122816"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=122816"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=122816"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=122816"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=122816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}